TEs Bundesliga-Check: Zwischen Mentalität und Taktik

Am dritten Spieltag denkt TE über die Schnittmengen zwischen Taktik, Mentalität und Vereinsphilosophie nach. Grund dafür: Schalkes 3:1 gegen Stuttgart. Leipzig beweist wiederum, dass Gegenpressing noch immer der beste Spielmacher ist.

Spielverlagerung-Autor TE sucht sich nach jedem Bundesliga-Spieltag zwei bis drei Aspekte heraus, die er kurz und knackig analysiert. TEs Bundesliga-Check ist der Analysehappen für Zwischendurch – eine Spielwiese für taktische Beobachtungen, die in den “langen” Spielanalysen keinen Platz finden.

Schalke und die Verbindung zwischen Taktik, Mentalität und Philosophie

Willkommen zum Bundesliga-Check am dritten Spieltag. Heute treffen wir uns an der Kreuzung zwischen Taktik, Mentalität und Vereinsphilosophie. Wie so viele andere Zuschauer auch habe ich mich am Sonntagabend gefragt, warum Schalkes Trainer Dominic Tedesco nach rund einer halben Stunde seine Taktik umstellte. Er wechselte vom bislang funktionierenden 5-3-2-System auf ein 4-3-1-2, eine sogenannte Raute. Immerhin führte Schalke zu diesem Zeitpunkt 1:0 und hielt mit einer kompakten, wenn auch passiven Defensive den Gegner vom eigenen Tor fern.

Die Antwort gab Tedesco in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Er habe mit der Umstellung seinem Team neues Leben einhauchen wollen, habe dann aber feststellen müssen: „Gewisse Themen sind nicht mit einer taktischen Umstellung zu lösen“. Welche Themen meint er? Aus Tedescos Sicht agierte sein Team zu passiv. Sie haben den Gegner nur gestellt, aber nicht attackiert. „Es liegt an der Zweikampftechnik. Wenn wir jeden Gegner versuchen zu stellen und nicht durchlaufen… dann kriegst du keinen Druck auf den Ball.“

Das ist eine schöne Formulierung. Oft wird ein Team eine fehlende Aggressivität oder schlechte Mentalität unterstellt, wenn die Spieler zu passiv agieren. „Spielt aggressiver“ oder „seid mental stärker“ sind aber keine Handlungsbefehle, die ein Trainer seinen Spielern an die Hand geben kann – schließlich sind sie mehrdeutig und können nicht wirklich exakt umgesetzt werden. „Stellt den Gegner“ gegenüber „Lauft im Vollsprint auf ihn zu, notfalls an ihm vorbei“ sind aber klare Handlungsbefehle, die ein Spieler ausführen kann – und die eine merkliche Veränderung der viel zitierten „Mentalität“ einer Mannschaft zur Folge hat.

Hier sind wir am schmalen Grat angekommen zwischen Mentalität und Taktik. Diese beiden Ebenen eines Fußballspiels sind nicht so klar zu trennen, wie dies manchmal den Anschein macht. Die Mentalität, die ein Team nach außen ausstrahlt, hängt nicht zuletzt mit den taktischen Befehlen zusammen, die sie ausführt. Die taktische Ausführung ist wiederum beeinflusst von der Willensstärke und der Disziplin, mit der die Spieler vorgehen.

Hier kommen wir zu einer dritten Ebene: Als Außenstehender scheint es mir oft so, als ob dieses Zusammenspiel aus Taktik und Mentalität eher langfristig geprägt wird. Tedesco selbst zeigte sich auf der Pressekonferenz recht ratlos, warum seine Spieler den Gegner nach der Führung nur noch gestellt und nicht im Vollsprint attackiert haben. Offensichtlich will Tedesco eigentlich ein anderes Spiel sehen. Das dürften auch seine Spieler wissen. Allerdings hatte Schalke in den letzten Jahren häufig Trainer, die es genau umgekehrt verlangt haben, die eher den Gegner stellen wollten anstatt ihn in dessen Hälfte anzulaufen. Dortmunder Spieler hätten wohl instinktiv anders reagiert durch die jahrelange Indoktrination durch Klopp und Tuchel (der entgegen seinem Ruf auch ein Pressing-Trainer ist); dies zeigt sich letztlich auch darin, wie schnell sie die Vorgaben von Bosz annehmen. Auf Schalke wird dies ein längerer Prozess sein. (Wer schlau klingen will, spricht hier vom Priming der Schalker Spieler.)

Tedesco wollte seinen Spielern offenbar mit dem Systemwechsel von Fünfer- auf Viererkette mitteilen: Spielt anders! Lauft im Vollsprint an! Dabei verschlimmerte dieser taktische Wechsel das Spiel der Schalker, weil Taktik und Strategie nicht mehr im Einklang standen. Strategisch agierten die Schalker immer noch passiv, liefen den Gegner nicht an. Taktisch hingegen hatten sie nun in der letzten Linie keine klare Überzahl mehr, konnten auf dem Flügel zudem nicht mehr so weit vorschieben. Stuttgart erzielte das Tor über einen Flügelangriff.

Erst in der Halbzeitpause gelang es Tedesco, das Problem zu lösen. Nach der Pause lief Schalke tatsächlich aggressiver an und „sprintete auch mal durch“, wie es Tedesco forderte. Insofern muss man im Nachhinein aber auch sagen: Die Umstellung von Tedesco war ein Fehler. Denn sie löste die Probleme nicht, sondern verschärfte sie. Wenigstens fand er die richtigen Worte dafür auf der Pressekonferenz.

HSV-Leipzig: Gegenpressing bleibt der beste Spielmacher

36%. 29%. 31%. Das sind die Ballbesitzwerte des Hamburger SV in dieser Saison. Markus Gisdol führt seinen Weg gnadenlos fort. Seine Hamburger sollen aus dem 4-2-3-1-System kompakt verteidigen, situativ den Gegner stören und ansonsten sich vollends auf das Konterspiel fokussieren. Dieses ist weniger abhängig von langen Bällen als in der vergangenen Saison. Die Hamburger haben mehr eingeübte Spielzüge, mit denen sie nach Ballgewinnen ausschwärmen. Sie nutzen dabei vor allem die Geschwindigkeit von Andre Hahn und dem (nun verletzten) Filip Kostic auf den Außen.

Zweimal hatte dieser simple, durch die gute Positionierung in der Defensive aber effektive Spielstil in dieser Saison schon zum Sieg geführt. Gegen RB Leipzig waren die Hamburger nun aber machtlos. Nachdem sie vor der Pause noch gute Gelegenheiten hatten, kamen sie nach der Pause kaum mehr aus der eigenen Hälfte.

Dies hatte viel zu tun mit Jürgen Klopps Leitmotiv: „Gegenpressing ist der beste Spielmacher.“ Da immer weniger Mannschaften in der Bundesliga schnelle Konter fokussieren, ist etwas in Vergessenheit geraten, wie wichtig Gegenpressing sein kann, um diese Konter einzudämmen. Anders formuliert: Gegenpressing ist derart zur Normalität geworden, dass schnelle Konter immer seltener sind.

Nun bewies Leipzig, dass Gegenpressing nicht gleich Gegenpressing ist. Durch die enge Positionierung ihrer Außen und ihrem kompromisslosen Zielspiel ins offensive Zentrum können sie nach Ballverlusten direkt nachsetzen – und tun dies auch. Gegen Hamburg variierte sie diese Strategie mit Flügelattacken. Doch auch hier überluden sie die Flügel derart kompromisslos, dass sie ständig eine Überzahl um den Ball hatten. Sie konnten aggressiv nachsetzen, die Hamburger kaum mehr als zwei gelungene Pässe aneinanderreihen. Der HSV wurde in der eigenen Hälfte erdrückt.

Bei all dem Gerede um Leipzigs Ballbesitzspiel, das der Vizemeister angesichts defensiverer Gegner stärker forcieren muss, darf nicht vergessen werden: Es ist verdammt schwer, gegen Leipzig Tore zu erzielen. Hamburg spürte dies am eigenen Leib.

Ausführliche Analysen des dritten Spieltags

Hoffenheim – Bayern 2:0

Peda 12. September 2017 um 18:56

Zum Thema Mentalität und Taktik passt ja auch diese Aktion hervorragend.

Rote Karte 18 Sekunden nach der Einwechslung, weil der Trainer ihm mitgab, aggressiv zu Werke zu gehen.

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rodeoclown 12. September 2017 um 17:28

Jenseits von Taktik, Mentalität und Vereinsphilosophie liegt ein Ort; dort treffen wir uns. #ZeitfürTobi

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Schimanski 12. September 2017 um 06:33

Auch wenn ich – wie viele Leser dieser Seite – ein Freund der Taktik bin, so habe ich bei Schalke einen anderen Eindruck: Ich halte das Umfeld und den Verein für chronisch verseucht. Irgendwie haben die Schalker Teams seit Jahren die gleichen Probleme, egal welcher Trainer dort rumturnt. Unintensiv und passiv im Pressing. Einfallslos im Ballbesitz. Schalke steht in Sachen Spielidee für nix, zumindest für nix Außergewöhnliches. Nur die Fanbasis, die traditionellen Werte (Schalker Kreisel, Eurofighter) und die gute Jugendarbeit heben den Verein über den Bundesligaeinheitsbrei. Die erste Mannschaft ist seit Jahren charakterlos, Irgendwie scheint das dort eine „Wohlfühloase“ und Arroganz zu herrschen, die selbst qualitativ hochwertige Spieler und Trainer in Nullkommanix auf ein niedrigeres Niveau runterzieht. Vollkommen unbewusst und vor allem ausweglos. Diesen „Virus“ wirst du auch so schnell nicht dort rausbekommen. Selbst Heidel scheint es nicht zu schaffen. Und Tedessco wird sich daran auch die Zähne ausbeißen (wobei das Wegekeln von Höwedes vielleicht sogar ein Versuch gewesen sein könnte, diesen Teufelskreis zu durchbrechen). Deswegen rechne ich auch nicht damit, dass Schalke am Ende so hoch in der Tabelle landen wird, wie es TE beim Rasenfunk getippt hat 😉

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ES 12. September 2017 um 08:07

In diesem Umfeld-Gerede gerade in Bezug auf Schalke ist mir zu viel Mystik. „Charakterlose Mannschaft“, „Wohlfühloase“, „Arroganz“: Ich frage mich immer, welche außergewöhnliche Einsichten in das Innenleben einer Mannschaft und einzelner Spieler bestehen, dass man zu solchen Urteilen kommen kann. Was für eine Art „Virus“ das sein soll, wird unzureichend erklärt.

Was man unter Tedesco aus der Vorbereitung und den ersten Pflichtspielen beobachten kann ist: 1) Das Pressing ist (meist) nicht besonders hoch und nicht aggressiv. 2) Schalke will erst einmal den Ball nicht halten, längere Ballzirkulationen sind aktuell nicht vorgesehen, es geht offenbar (aktuell?) um schnelles Umschalten (was nur manchmal gelingt). Entsprechend sind Passquote und Ballbesitzanteil niedrig. 3) Die Endverteidigung ist wieder mal das Prunkstück. Da wird wenig zugelassen. 4) Schalke tut sich im Spielaufbau grundsätzlich schwer gegen hoch und aggressiv presssende Mannschaften.

Nun kann man fragen: Was davon ist a) von Tedesco so beabsichtigt, b) was nimmt er aktuell hin, weil nicht im Fokus (z.B. könnte der Fokus bisher auf schnelles Umschalten gewesen sein, Ballbesitzspiel kommt später dran, es gibt ja in dieser Saison viel Trainingszeit) c) was geschieht gegen seinen Willen. Und dann, wenn c): Was ist das Problem bei der Umsetzung durch die Spieler?

Was a), b) und c) angeht, sind wir auf Aussagen von Trainer und Manager angewiesen, die wir irgendwie interpretieren müssen, was schon nicht immer einfach ist. Was wir zudem nicht wissen ist, ob diese Aussagen den tatsächlichen Plan wiedergeben, oder ob sie Medien- und Umfeldinteressen bedienen.

Was die Frage angeht, warum Tedesco vielleicht manche Dinge nicht so umgesetzt bekommt, müssen wir uns fast völlig im Bereich der Spekulation bewegen. Es sei denn, jemand analysiert die Trainingseinheiten, hat ein Mikrophon dabei, wenn Tedesco mit den Spielern spricht etc.

Ich kann schon nachvollziehen, dass es so etwas gibt wie eine Grundanlage im Spiel einer Mannschaft gibt, die sich auch über Trainer hinweg so leicht nicht verändern lässt. Aber „aggressives Anlaufen“ sollte nach einer längeren Vorbereitung plus wenige Spiele in Fleisch und Blut über gegangen sein, wenn der Trainer das so will. Da würde ich nicht zu viel reinmystifizieren.

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ES 11. September 2017 um 19:26

Mir leuchtet die Argumentation in Bezug auf das Schalke-Spiel nur bedingt ein. Wenn Tedesco will, dass Meyer im Vollsprint durchpresst und dabei noch den Gegenspieler xy in den Schatten nimmt, kann er ihm das Erstens einfach sagen (offenbar war das dem Burgstaller in wenigen Minuten vor der 2.HZ zu vermitteln) und zweitens eine ganze Woche lang trainieren. So blöd ist der Meyer auch nicht. Und so eingefahren kann das Muster auf Schalke nicht sein, dass man solche relativ einfache Anforderungen nicht umsetzt. Hat der Meyer im übrigen an anderer Stelle (U21) bewiesen, dass er durchaus aggressiv und sehr sinnvoll in vorderster Linie pressen kann. Hat also der Meyer die Anweisung des Trainers eine ganze Halbzeit nicht umgesetzt? Und z.B. der Bentaleb auch nicht? Dann hat Tedesco noch ein anderes Problem mit einigen Schlüsselspielern.

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luckyluke 12. September 2017 um 09:44

Ich glaube nicht, dass alles immer so einfach ist. Das Zusammenspiel aus Umfeld und Gewohnheiten kann schon dazu führen, dass sich Muster immer wieder wiederholen.
Das ist wie der eine Kumpel, mit dem man immer besoffen nachhause kommt, obwohl man es sich davor wirklich vorgenommen hatte heute nicht viel zu trinken. Bei anderen schafft man das immer nur in der Konstellation klappts nicht. (Klar Vergleiche hinken immer, aber ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will.)
Genau das ist glaube ich auch der schlecht zu beschreibende, aber wahrgenommene „Virus“ gegen den du oben so einleuchtend argumentierst.

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Koom 12. September 2017 um 10:00

Gewohnheiten sind schwer auszutreiben. Aus Guardiolas Bayern-Anfängen hab ich mir 2 Dinge gemerkt: Er hat ein 4-1-4-1 installiert, weil dort gewisse Dinge anders funktionieren in der Raumaufteilung. Und viel wichtiger: Er hat Spieler gezielt darauf getrimmt, anders zu passen und Bälle anders anzunehmen, weil es den Blick- und damit Möglichkeitswinkel verändert. Das ist ein kleines Detail, das aber in 90 Minuten Fußball ungemein wichtig werden kann.

Zurück zu Tedesco: Es ist ja nicht damit getan, dass dann nur Burgstaller die Leute anrennt. Gegenpressing dieser Art ist ja ein Mannschaftsprozeß. Der eine muss zustellen, 2 andere anlaufen und nur in der Kombination ist ein Ballgewinn (oder zumindest ein sehr hektisches Abspiel mit hoher Fehlpassquote) dann möglich. Wenn nur einer wild anrennt und der Gegner kein Holzfuß ist, dann lässt er ihn mit einer Körpertäuschung aussteigen und das ganze Feld ist blank (übertrieben ausgedrückt; da der Anläufer weg ist, ist damit auch so mancher Deckungsschatten weg). Unabgestimmtes Anlaufen bedeutet dann vor allem auch einfach mehr Gefahr.

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ES 12. September 2017 um 13:36

Ist ja richtig, das Pressing als Mannschaftsleistung war schlecht, das war nicht nur der Meyer (und deshalb wurde auch Bentaleb ausgewechselt). Das Einzige, was ganz gut geklappt hat, war der Zugriff auf die linke Stuttgarter Seite. Harit ist schnell und seitwärts angelaufen (um den Passweg zurück in die Mitte zu versperren), die weiteren Anspielstationen waren ganz ordentlich zugestellt. Das hat Stuttgart in Verlegenheit gebracht und zu Ballgewinn der Schalker geführt mit schnellem Umschalten. Das hätte ich mir auch für die andere Seite gewünscht (vielleicht hat man sich aber bewusst auf diese Seite konzentriert).

Klar also, es ist nicht Burgstaller alleine. Dann aber mal zu der Logik: Egal, was die anderen machen: Burgstaller als vorderste Pressingspitze hat den Auftrag bekommen, aggressiv und durchsprintend drauf zu gehen. Der Rest der Mannschaft hat entsprechend aggressiv nachgeschoben. Wenn der Trainer das so von Anfang an wollte, warum hat dann Meyer diese Rolle nicht ausgeführt, als vorderste Pressingspitze (soll mir bitte keiner sagen, dass der Meyer das nicht könnte)? Wenn Tedesco aber in der 2. HZ mehr Aggressivität wollte, warum hat er das nicht dem Meyer mitgegeben und nicht dem Burgstaller? Wenn der Meyer aber nicht sauber pressen kann, weil das eine alte Schalker Gewohnheit ist, warum macht er das in der U21 aber ganz ordentlich (nicht immer, aber immer öfters)?

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felixander 11. September 2017 um 14:27

Aber ändert sich mit der entsprechenden Mentalität nicht einfach nur der Aufwand des Trainers? Tedesco ist es in der Halbzeit ja anscheinend gelungen, seine Taktik an die Spieler zu bringen. Der Aufwand war halt offensichtlich höher als eine kleine Taktikumstellung in der 30. Minute. Luxusprobleme eines Trainers… 🙂

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blub 11. September 2017 um 14:19

Schön wie du Tedesco aufgedröselt hast. Nach seinen Statements denke ich das er was ändern wollte um was zu ändern. Das hat Klopp ja mal erklärt: MAnchmal ist es gut was ändern nur damit aus dem Trott rauskommt.
Das war hier vielleicht falsch ausgeführt aber ich finde es positiv das er sobald ihm was nicht gefällt sofort was ändert und nciht erst wenns zu spät ist nach einem Gegentor oder so. Da das richtige Maß zu finden muss man halt ernen und das ist der PReis den man bei Tedesco hier bezahlt, aber er hat ja aucu upside.
Man muss mal sehen ob das imer ne MArkoänderung sein muss oder ob man da mit kleinen änderungen was drehen kann ohne gleich die ganze Mannschaft abzustellen.

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Peda 12. September 2017 um 08:40

Ich habe da auch an Klopps Aussage denken müssen, nur waren die Vorzeichen damals gänzlich andere.

Beim BVB waren damals unter dem Trainer bereits etablierte Stärken (Positionierung im Ballbesitz und davon ausgehend der Zugriff im Gegenpressing) etwas eingeschlafen und deshalb stellte er zu Beginn einer Partie die Mannschaft im 4-1-4-1 stat im 4-2-3-1 auf (wenn ich mich richtig erinnere). Dadurch sollten die Prinzipien wieder etwas mehr Denkarbeit erfordern und die Spieler sich aktiver bewegen anstatt sich zu sehr auf die Automatismen zu verlassen.

Klopp stellte also um, um einen taktikpsychologischen Effekt zu erzielen.

Falls Tedesco dasselbe im Sinn hatte, war das aus meiner Sicht zum Scheitern verurteilt. Warum sollten die Schalker im 4-3-1-2 anders gegenpressen als im 5-3-2? Das Verhalten hatte ja keine formativen Gründe (z.B. Mismatch in der ersten Linie und dadurch schlechter Zugriff), sondern ist auf das Priming der Spieler zurückzuführen. Das lässt sich, wie man in der zweiten Halbzeit gesehen hat, kurzfristig nur durch explizite Anweisungen beheben. Wobei „kurzfristig“ hier sowohl die Umstellung an sich als auch die Dauer des Effekts bezeichnet.

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Koom 12. September 2017 um 09:38

Mal anders sehen: Er hat mit dem Spiel jetzt einen konkreten Anlass, diverse Dinge einzufordern und zu gestalten. Er hat es quasi bewusst eskalieren lassen. Hätte auch grandios in die Hose gehen können (und es war HOCH gepokert in der Situation), klappte aber irgendwie trotzdem.

Ich denke, die Grundidee von ihm ist richtig und er muss versuchen, Schalke mal auf links zu drehen. Es ist zumindest seine einzige Chance, wenn er langfristig dort arbeiten will. Wenn er es so erklärt, wie er es erklärt, dann nimmt er auf jeden Fall Heidel mit ins Boot, was immer sehr hilft.

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HW 14. September 2017 um 20:39

Ich kann mich nicht daran erinnern wann Schalke Mal versucht hat echtes Pressing zu spielen. Nein, vielleicht haben sie es Mal versucht. Aber waren sie in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren wirklich Mal mit so einem System länger am Markt? Es geht vielleicht um harte Arbeit aber nicht um ‚pro-aktive‘ Spielführung. Schalke war für mich immer eher ein Konterteam. Und keins mit Gegenpressung und Umschalten, sondern eher klassisch Verteidigen und dann Kontern. Das kann ma ja auch machen, ist halt nur etwas eingeschränkt.

Wenn man das jetzt ändern will, sollte es nach der Saisonvorbereitung schon mehr als nur Ansätze zu sehen geben. Wenn man aber als Trainer das Gefühl hat, die Mannschaft versteht nicht was man von ihr will, warum sollte es dann zielführender sein die Grundformation zu ändern anstatt der Mannschaft das eigentliche Problem mitzuteilen? Die Spieler haben doch schon bewiesen nicht verstanden zu haben was der Trainer sehen will. Sowas nenne ich klassisch ‚vercoacht‘. Und das wird noch untermauert wenn dann die Halbzeitansprache funktioniert. Man kann so ein Problem auch Mal bis zur Pause aussitzen anstatt den Spielern noch mehr Fragezeichen ins Gesicht zu zeichnen.

Dabei finde ich die Aussage von Klopp nicht falsch. Manchmal muss man einfach irgendetwas ändern. Aber ganz wahllos geht das nicht. (typisch panische Aussage: „Wir müssen doch irgendetwas tun können?“ Nein: das richtige muss getan werden, nicht irgendetwas.)
Also man kann „irgendetwas“ ändern. Aber nur wenn dieses irgendetwas durchdacht oder vorbereitet ist. Wenn man weiß wie die Mannschaft auf diese Formation reagieren wird weil man das im Training schon Mal durchgespielt hat beispielsweise.
Wenn man aber eigentlich stabil steht, und es verbal nicht klappt mehr Aggressivität von den Spielern zu bekommen, dann sollte man einfach bis zur Pause warten und nicht Stabilität durch Instabilität auswechseln.
Wäre Schalke instabil gewesen, dann wäre das sicher etwas anderes. Dann wäre dieses riskante frühe Handeln vom Trainer verständlicher.

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Whittard 11. September 2017 um 14:02

Warum lässt Wolf eine Dreierkette spielen, wenn er keine IVs hat, die über eine gute Spieleröffnung und Ballführung verfügen? Sie konnten keine raumgewinnenden Aktionen verbuchen wie das Vorstoßen/-dribbeln (wenn Zimmermann mal 2 Schritte mit Ball machte kam er sofort ins Straucheln), keine Diagonalverlagerungen (oder lag dies eher an der trägen gesamtmannschaftlichen Bewegung bzw. am Zustellen durch Schalker AVs?)…

Defensivtechnisch betrachtet ist die 3er/5er Kette nachvollziehbar, blöd nur wenn man nach ein paar Minuten bereits hinten liegt und Schalke nur noch mauert…

ich hätte mir dann gewünscht, dass Wolf umstellt, da Gentner und Mangala keine Bindung zur Offensive hatten. Bei einer Viererkette hätte sich bspw. ein 6er sehr gut zwischen die IVs positionieren können oder im Halbraum (entsprechender AV kann dann aufrücken, wie es Kroos immer macht), um so das Spiel besser aufzubauen.

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Halbraum 11. September 2017 um 20:56

Zimmermann hat gar nicht gespielt, da er einen Kreuzbandriss hat. Die Abwehrspieler gelten eigentlich alle als relativ ausbaustark, haben aber Probleme, wenn sie intensiv gepresst werden. Da hat Tedesco schon recht, dass sie ganz gut aufgebaut hatten, in der 2. Hälfte der 1. HZ als Schalke nur die Räume zugestellt hat. Wenn sie im Vollsprint angegangen werden, können sie sich allerdings mit Ausnahme von Pavard nicht gut befreien.

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Whittard 11. September 2017 um 23:30

Sorry, meinte Kaminski und nicht Zimmermann…

Ich finde nicht, dass die Stuttgarter während der 2. Hälfte der 1. HZ gut aufgebaut haben. Ja, Schalke hat nur die Räume zugestellt, doch es war kein Plan beim Spielaufbau zu erkennen. Die IV haben den Ball lediglich untereinander hin und her geschoben bzw. diesen an Gentner oder Mangala abgegeben – die wiederum kaum Anspieltstationen finden konnten, da Akolo kaum zu finden war und die AVs zu tief standên (lediglich Brekalo ließ sich öfter mal fallen und vesuchte nach innen aufzudrehen, so konnte er ein paar gute Verlagerungen in den rechten Halbraum einleiten).

Mein Punkt war eher der: Warum lässt man eine 3er Kette mit IVs spielen, die Schwierigkeiten haben, das Spiel von hinten erfolgreich aufzubauen und zu gestalten?

Wie gesagt: Ungünstig, wenn man sehr früh 0:1 hinten liegt und der gesamte Matchplan dahin ist…

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Cali 11. September 2017 um 23:39

Was ist an Baumgartls Spieleröffnung verkehrt?

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Whittard 12. September 2017 um 00:37

Sorry, ich habe nicht viele Stuttgarter Spiele gesehen muss ich zugeben, meine Äußerungen sind lediglich auf das letzte Spiel gegen Schalke gerichtet… Und da muss ich leider nun mal sagen: Welche Spieleröffnung von Baumgartl?

Vielleicht habe ich von den IVs auch zuviel erwartet, da die Stuttgarter generell zwar Schalkes erste Linie überspielen konnten, dann jedoch nicht mehr weiter wussten. Die Außenstürmer führten bspw. keinerlei diagonale Läufe (nach vorne) durch, um Platz für die AVs zu machen… Als IV bin ich natürlich davon abhängig, dass meine Vorderleute sich entsprechend bewegen, damit ich das Spiel auch mal per Diagonalverlagerung aufbauen/gestalten kann…

Badstuber wäre als linker Halbverteidiger ideal für sowas.

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Cali 12. September 2017 um 15:48

Baumgartl ist ziemlich gut am Ball, wenn ich mich nicht, irre dann ist er sogar ein kleiner SV-Liebling.

tobit 12. September 2017 um 23:29

„Warum lässt man eine 3er Kette mit IVs spielen, die Schwierigkeiten haben, das Spiel von hinten erfolgreich aufzubauen und zu gestalten?“
Vielleicht, weil man gesehen hat, dass Schalke sowieso nichts mit dem Ball anfangen kann (habe das Spiel nicht gesehen, Wolf soll aber ja eher auf eigenen Ballbesitz stehen, daher wohl unwahrscheinlich, dass man Schalke den Ball überlassen wollte) und man sich von drei IV entsprechend Stabilität gegen Brechstange Burgstaller versprochen hat (der dann erst zur Halfbzeit kam). Es gibt ganz generell viele mögliche Gründe, mit (vermeintlich) spielerisch schwächerer 3er-Kette gegen ein strauchelndes (Ex-)Topteam anzutreten – z.B., dass Badstuber schon wieder verletzt war und gegen den sehr quirligen Harit auch im fitten Zustand hätte Probleme haben können ob seiner doch recht geringen Dynamik und Wendigkeit in direkten Zweikämpfen.

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Koom 11. September 2017 um 13:18

Danke für das mit Tedesco. Das sind so Sachen, die ich mir ziemlich lange merke. Ich versuche auch immer wieder den Punkt zu finden, wo man eine leidenschaftslose Vorstellung zu einer leidenschaftlichen festmachen kann. Finde ich von Tedesco ganz gut erläutert. Und ja, diese Grundhaltung müssen einer Mannschaft eingeimpft werden. Und auch bei Spielerverpflichtungen muss man schauen, was deren Grundimpuls ist.

Das ist ja auch bei anderen Grundmustern so: Es gibt offensive und defensive Spieler. Ein Mittelstürmer kann defensiv denken. Er wird vielleicht weniger Tore machen, aber dafür vermutlich auch weniger Chancen brauchen, weil er nur die sicheren versucht zu verwandeln. Oder Paßgeber: Es gibt Spieler wie bspw. Dembele, denen es wurscht ist, ob der Ball verloren geht. Da wird das Ziel gesucht und angespielt, auch wenn sich bei einem Fehler dadurch die eigene Mannschaft bloßstellt. Und es gibt auch Spieler, die haben im Auge, dass man zwar den Ball mit Risiko wo hin spielen kann, es aber vernünftiger ist, ihn anders zu spielen. Sowas kriegt man IMO aus einem Spieler nicht raustrainiert, das ist eine Art von Sichtweise.

Und zu Leipzig: Geil und konsequent durchgeführt mit dem richtigen Personal (Werner!) ist Gegenpressing ein genialer Spielmacher. Du brauchst eine Mannschaft, die konzentriert bleibt, laufstark ist und auch einige Sprintqualitäten hat. Und natürlich Effizienz. Dann ist das immer ein Spiel mit dem Feuer, aber dein Tank ist groß. Bei Leipzig ist das halt keine Laune eines Trainers, sondern die Mannschaft von unten nach oben ist auf diese Spielidee eingestellt.

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blub 11. September 2017 um 14:14

Auf spieler ebene ist das imo was anderes und mit dem einfluss verknüpft. Es gibt spieler die haben ein gutes Spielgefühl aber wenig strategischen Einfluss. z.B. Müller. man kann durch die richtigen Pässe eine Mannschaft halt besser führen als duch Ballferne läufe, egal wie gut sie sind. Ein AV kann halt den gegner nur selten anlaufen und die kettenreaktionen der mannshaft erzwingen. MAnche spieler können aufgrund der position und fähigkeiten gewisse signale nicht geben selbst wenn sie es verstehen da hilft dann nur reden. und das funktioniert nicht immer.

Was es allerdings gibt sind positions- und rollenimanente Denken die sich bei vielen Spieler durchziehen(vermutlich durch priming in der ausbildung) z.B: Außenstürmer die viel in Dribbling gehen sind eher wie Goldfische. Denen mus egal sein ob sie jetzt schon 5 mal im dribbling gescheitert sind. solange sie das 1gg1 bekommen sollten sie es nehmen. Offensivspieler haben oft unheimlich niedrige erfolgsquoten, können aber ein schlechtes Spiel mit 2 guten Aktionen rumreißen. Die dürfen nur den glauben daan nicht verlieren, da ist es günstig wenn man sich an die 6 scheißakionen der letzten halben stunde nicht so genau „erinnert“.

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Koom 11. September 2017 um 14:24

Entweder bist du der Fluß oder der Stein. Wobei es natürlich auch Abstufungen gibt zwischen den beiden Extremen.

Unter Guardiola waren alle Spieler sowas wie kleine Steine. Jeder hielt quasi seine Position (bzw. die je nach Situation dafür gedachte Position), wodurch man den Gegner erdrückte, der in dieser Struktur fließen musste bzw. eingegrenzt wurde. Aktuell fließt die Bayernmannschaft selbst viel zu viel und wundert sich dann, warum man beim Stausee des Gegners nicht weiterkommt. Das kann man teilweise sogar wirklich buchstäblich so sehen, wenn man sich die diversen Bilder anschaut, wo die Bayern brav vor der Fünferkette des Gegners breit stehen und nicht durchkommen (wollen?).

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