TEs Bundesliga-Check: Skandal! Spielplan bevorzugt die Bayern!!!

Diese Woche gibt es neue Statistiken in der Bundesliga-Kolume! TE zeigt, wer ein einfaches Auftaktprogramm hatte und wieso die Schalker unter dem Spielplan leiden. Dazu: Gisdols Auftakt beim Hamburger SV.

Spielverlagerung-Autor TE sucht sich nach jedem Bundesliga-Spieltag zwei bis drei Aspekte heraus, die er kurz und knackig analysiert. TEs Bundesliga-Check ist der Analysehappen für Zwischendurch – eine Spielwiese für taktische Beobachtungen, die in den “langen” Spielanalysen keinen Platz finden.

Ein Klassiker unter den Fußballphrasen lautet: „Die Tabelle hat zu Beginn der Saison wenig Aussagekraft!“ Die Tabelle verändert sich so schnell, da kann ein Top4-Team schnell in den Abstiegskampf durchgespült werden. So weit weg von der Wahrheit ist dieses Klischee gar nicht: Jedes Bundesliga-Team hat ein anderes Programm – mal ein schwereres, mal ein weniger schweres. Siehe diese beiden Tweets:

Da stellt sich mir die Frage: Gibt es da nicht auch was von Ratiopharm eine Statistik, mit deren Hilfe man so etwas abbilden könnte? Am Anfang meiner Überlegungen stand eine simple Idee: Man misst einfach, wie viele Punkte die bisherigen Gegner der Bundesligisten durschnittlich geholt haben. Beispiel: Team X hat bisher gegen Team Y, Team Z und Team Rocket gespielt. Diese Teams haben bisher aber noch keinen einzigen Punkt geholt. Die durchschnittliche Punktzahl der Gegner von Team X ist also 0. Damit keine Verzerrung stattfindet, habe ich dabei die Spiele gegen Team X herausgerechnet. Denn Team X könnten die Bayern sein und die Gegner der Bayern haben in allen Spielen natürlich merklich weniger Punkte geholt als die Gegner des HSV, weil sie eben gegen die Bayern gespielt (und höchstwahrscheinlich verloren) haben.

Im ersten Schritt hatte ich also eine (sehr simple) Formel: Mittelwert Punkte Gegner pro Spiel, ohne deren Spiele gegen das jeweilige Team. (Die Mathematik-Nerds werden einwenden, dass das gar keine Formel ist, sondern nur ein Satz. Das ist exakt der Grund, warum niemand in der Schule neben euch sitzen wollte.)

Ich zeigte diese Idee Lukas Fesca, Spielverlagerung-Leser und Mathematik-Nerd (neben ihm wollte in der Schule natürlich jeder sitzen). Er wies mich sofort auf das große Problem dieser Rechenart hin: Was ist mit den Teams, die gegen punktstarke Gegner gespielt haben, die wiederum bislang nur gegen punktschwache Gegner gespielt haben? Man müsste die relative Stärke der Spielpläne der Gegner auch miteinberechnen.

Daraufhin kam der klassische Rückbanklümmel in mir zum Vorschein und ich sagte: Jo. Mach mal. (Wer ähnlich Mathematik-begeistert ist wie ich und sich für die Methodik nicht interessiert, der springe einfach zur nächsten Tabelle.) Lukas nahm ein Modell aus den USA zum Vorbild. Insbesondere im College Sport gibt es das Problem, dass nicht Jeder gegen Jeden spielt. Die reale Stärke eines Teams lässt sich daher nur über Quervergleiche bestimmen. Dazu gibt es verschiedene Ranking-Systeme. Lukas nahm dieses. Den Referenzwert „Point differentials“ ersetzte er durch „Tordifferenz“. Die Grundgedanken waren:

  1. Die Tordifferenz sagt etwas über die Stärke einer Mannschaft aus.
  2. Alle Tore sind gleich.
  3. Alle Spiele sind gleich viel wert.

Am Ende kam folgende Gleichung heraus:

R_Schalke = -4 + (1/6)*(R_Frankfurt + R_Bayern + R_Hertha + R_Köln + R_Hoffenheim + R_Gladbach)
R_Bayern= 14 + (1/6)*(R_Bremen + R_Schalke + R_Ingolstadt + R_Hertha + R_HSV + R_Köln)
.
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Das Schöne ist, dass alle Gleichungen voneinander abhängig sind. Ändert sich R_Schalke, ändert sich R_Schalke auch in allen anderen Gleichungen. So kann man nach und nach die relative Stärke des Spielplans einrechnen, bis keine Änderung mehr eintritt. Die Differenz zwischen realer Tordifferenz und in der Gleichung erstellter Tordifferenz kann man am Ende als „Quality of competition“ bezeichnen.

Was zeigt sich in der Statistik? Die Annahmen aus den oben angegebenen Tweets lassen sich statistisch unterfüttern. Die Bayern hatten ein vergleichsweise leichtes Auftaktprogramm, während Schalke schwere Gegner besiegen musste (und daran scheiterte). Aber es gibt noch mehr Auffälligkeiten: Der sehr gute Auftakt der Kölner und auch die guten Saisonstarts der Aufsteiger aus Leipzig und Freiburg sind umso überraschender, als dass sie eigentlich kein leichtes Auftaktprogramm hatten. Frankfurt, Gladbach und die Hertha wiederum dürften nach der Formel leicht overperformen, war ihr Auftaktprogramm doch eher einfach.

Damit hat TEs Bundesliga-Kolumne mal wieder ein Problem gelöst, das niemand hatte. Glückwunsch an mich selbst (und tausend Dank an Lukas Fesca).

Gisdols Auftakt in Hamburg

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die zählen. (Die Rückbanklümmel dürfen sich an dieser Stelle einen Witz über meinen Penis denken.) Das gilt umso mehr für die Fußballtaktik. Kleine Änderungen können große Effekte bewirken. So muss Taktik nicht immer gleichbedeutend sein mit einem radikalen Systemwechsel. Es genügt manchmal schon, eine Spielerrolle etwas abzuändern, um ein gänzlich anderes Ergebnis zu erhalten.

Markus Gisdol startete in seinem ersten HSV-Spiel keine Revolution. Das passt zur aktuellen Zeitgeist in der Liga. Stattdessen fokussierte er sich darauf, das System von Bruno Labbadia mit leichten Anpassungen zu verändern. Eine dieser Anpassungen war natürlich das Pressing, das Gisdols Philosophie gemäß ein paar Meter früher einsetzte als unter Labbadia.

Ich will mich aber auf ein anderes Detail konzentrieren: die Flügelstürmer. Kostic und Müller tauschten im Vergleich zu den Vorwochen zu Spielbeginn die Seiten. Kostic lief nicht mehr auf seiner linken, sondern auf der rechten Seite auf. Die Folge: Die Außenstürmer waren weniger Außenstürmer, sondern vielmehr Diagonalstürmer. Beide mussten in die Mitte ziehen, um mit ihrem starken Fuß in Richtung Tor ziehen zu können.

Die Stürmer wiederum ließen sich etwas weiter zurückfallen. Sie machten auch mal das Spiel aus dem Zehnerraum. Für die Tiefe waren die Außenstürmer zuständig. Sie sprinteten vom Flügel diagonal in den Strafraum. Das ist eine typische Gisdol-Taktik: Schon in Hoffenheim waren die Außenstürmer mit diagonalen Läufen für die Tiefe verantwortlich. In Hamburg möchte er dies scheinbar weiterführen. Zwischendurch tauschten Kostic und Müller wieder die Seiten und agierten „klassischer“, aber immer noch recht diagonal. Meistens blieben sie jedoch auf ihren „neuen, falschen“ Seiten.

Das HSV-Offensivspiel war durch diese kleine Änderung gänzlich anders gestrickt: weniger Breite im letzten Drittel, weniger Flanken der Außenstürmer, mehr Bälle in die Schnittstelle Innenverteidiger-Außenverteidiger. Kleine Änderung, große Wirkung. Gegen Hertha sah man somit lange Zeit nicht schlecht aus, konnte nach dem Rückstand sogar eine kleine Druckphase aufbauen. Nur waren die Herthaner zu abgeklärt, zu effizient, zu defensivstark für die Hamburger. Ich bin mir aber sicher, wir werden den positiven Effekt unter Gisdol schon noch erleben.

Lange Analysen des sechsten Spieltags

Bayern München – 1. FC Köln 1:1
Bayer Leverkusen – Borussia Dortmund 2:0Schalke 04 – Borussia M’Gladbach 4:0

akki 20. Oktober 2016 um 17:57

Man muss es gar nicht so kompliziert machen, um den Vorteil der Bayern zu erkennen: Sie haben nach einem CL-Spiel immer ein Heimspiel. Ich finde, das ist ein ordentlicher Vorteil, da man mit etwas müderen Beinen und Köpfen durch die Unterstützung des Publikums quasi einen Ausgleich erhält. Der BVB muss immer auswärts ran. Ein klarer Nachteil, wie in Leverkusen zu sehen war. Auch Schalke hat nur Heimspiele.
Hinzukommt, dass man meistens gegen Gegner spielt, die auch international unterwegs waren. Auf den ersten Blick natürlich eine gerechte Sache. Aber auf den zweiten Blick ein doppelter Vorteil, wenn man so gegen einen direkten Konkurrenten selbst einen Vorteil, der Gegner einen Nachteil hat. So muss Gladbach am Samstag in München ran und Mainz in Schalke.

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HW 7. Oktober 2016 um 18:03

Warum soll es denn ein Vorteil sein die vermeintlich leichten Gegner am Anfang der Saison zu spielen? Man startet vielleicht leichter in die Saison, aber man beendet sie doch auch mit einem schweren Programm. So was kann bei mehreren parallel stattfindenden Wettbewerben auch extrem Nerven.

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Daniel 7. Oktober 2016 um 21:57

Hab den Artikel nicht so verstanden dass das allgemein ein Vorteil ist. Mehr darauf, dass die aktuelle Tabelle wohl aus Sicht einiger Vereine sehr positiv, für andere eher negativ ist.

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HW 10. Oktober 2016 um 18:36

Man kann es halt auch allgemein als Nachteil sehen. Mich interessiert das aber wenig. Nur wenn ein Trainer gefeuert wird, dann muss man schauen wie schwer die Gegner waren.

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Stefan Wenders 6. Oktober 2016 um 15:55

Im Text heisst es: „Im ersten Schritt hatte ich also eine (sehr simple) Formel: Mittelwert Punkte Gegner pro Spiel, ohne deren Spiele gegen das jeweilige Team. (Die Mathematik-Nerds werden einwenden, dass das gar keine Formel ist, sondern nur ein Satz. Das ist exakt der Grund, warum niemand in der Schule neben euch sitzen wollte.)“

Ich moechte kurz darauf hinweisen, dass es formal gesehen nicht mal ein Satz ist — es fehlt das Praedikat. Nun gibt es laut Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)) allerdings fast 200 verschiedene Definitionen fuer Saetze. Daher ersuche ich den Autoren um die Satz-Definition, die auf Spielverlagerung.de verwendet wird.

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Lacksi Lucksi 11. Oktober 2016 um 22:44

Schade, dass es hier keinen Like-Button gibt…

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Tobias 6. Oktober 2016 um 10:04

Die Statistik ist recht interessant, weiß aber auch nicht, wie gut die Tordifferenz als ausschlaggebender Wert ist.
Lukas, könntest du evtl auch nochmal eine Analyse nach dem Bradley-Terry Rating System* machen? Ich selber hab dazu leider zu wenig Ahnung vom programmieren, und händisch möchte ich es nicht wirklich machen 😀

* http://www.collegehockeynews.com/info/?d=krach
und so kann es dann aussehen: https://www.reddit.com/r/MLS/comments/4tc2si/pairwise_rankings_application_of_the_bradleyterry/

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Phipser 7. Oktober 2016 um 00:34

Interessante Rechnerei, besonders für mich als Schalkefan beruhigend.
Aber ein Verbesserungsansatz:
Tore sind nämlich nicht immer gleichwertig. Der Treffer zum 1:0 ist ja viel einflussreicher, als der Treffer zum 4:0. Also müsste eine Gewichtung her…
Dabei würde ich zunächst bei der Benutzung der Tordifferenz für jedes Spiel bleiben wollen (also egal ob 1:0 oder 7:6 gewonnen hat, man bekommt für das Spiel nur einen Punkt).
Ich plädiere bei der Gewichtung der Tore für die Verwendung der Fibonacci-Reihe (#MatheNerd): Danach zählen die ersten beiden Tordifferenzpunkte einfach (es wird also ein Tor mehr „zur Sicherung eines Sieges“ einkalkuliert) der dritte Punkt zählt halb, der vierte zu 1/3, der fünfte zu 1/5… Dann werden die Punkte aufsummiert.
Bsp.: Für ein 10:4 Sieg erhält man eine Tordifferenz von 6 und daraus 1 + 1 + (1/2) + (1/3) + (1/5) + (1/8) = 3,158333 Tordifferenzpunkte.
Damit werden die Ausreißer-nach-oben/unten-Spiele abgemildert. Eine Mannschaft, die viermal 0:1 verliert und dann einmal 8:0 gewinnt wird also nicht als überaus starker Gegner ausgegeben.

Bayern würde dann für die bisherigen Ergebnisse (6:0, 2:0, 3:1, 3:0, 1:0, 1:1) statt 14 nur noch 10,658333 (3,158333+2+2+2,5+1+0) Tordifferenzpunkte bekommen.
Den Rest könnt ihr ja selber rechnen, wenn ihr Zeit und Lust habt 😉

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woifmoa 6. Oktober 2016 um 03:25

ein fauler hund wie ich hätte sich nicht lange irgendwas überlegt, sondern einfach die durchschnittlichen eloratings der gegner genommen (clubelo.com).

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CHR4 7. Oktober 2016 um 00:32

+1

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Isco 5. Oktober 2016 um 13:07

Ein interessanter Ansatz, aber mit der geringen Samplegröße und dem großen Einfluss des Zufalls auf die TD in einem lowscoring Sport weiß ich nicht wirklich, wie verlässlich so etwas ist.
Wobei beim eyeball test sieht es für mich recht plausibel aus.

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josua 5. Oktober 2016 um 08:20

einfach nur geil; diese analysetiefe und dabei so absurd; besser als kafka

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Kirmoar 4. Oktober 2016 um 15:50

Vielleicht täusche ich mich ja, aber ist die Fokussierung auf die Tordifferenz nicht möglicherweise problematisch, da hier ein Spiel bei der man den Gegner abschiesst einen ggf. hohen Einfluss hat. Bei Bayerns Tordifferenz von +14 gehen allein schon +6 nur auf das Spiel gegen Bremen.

Gäbe es hier nicht auch einfachere Möglichkeiten, z.B. ich nehme die Abschlussposition der letzten Saison meiner bisherigen Gegner, addiere diese und teile dies durch die Anzahl der Spiele. Der entstehende Wert ist praktisch die durchschnittliche Position meiner bisherigen Gegner. Problematisch wären hier nur die Bewertung der Aufsteiger (als Position 16-18) und mögliche Qualitätsänderungen während der Sommerpause. Ein Wert über 9 wäre ein einfacher Saisonstart, unterhalb von 9 ein schwieriger.
Das ist zwar auch fehlerhaft, aber nach 6 Spieltagen bleibt es schwierig eine valide Einschätzung zu geben. Das wäre auch ein Indiz ob eine Mannschaft absichtlich bevorzugt wurde, da es ja auf bekannten, auch den Spieltagsplanern bekannten Vergangenheitsdaten basiert. Bei der oben benutzten Statistik könnte auch eine Mannschaft zufällig bevorzugt worden sein, da man ja den gegenwärtigen Leistungsstand im vorhinein nur ungefähr abschätzen kann.

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HSVEN 4. Oktober 2016 um 17:31

Die Platzierung am Ende der letzten Saison hat ist kein zuverlaessiger Indikator fuer die Leistung am Beginn der neuen Saison oder fuer Leistung ueber einen beliebigen anderen kurzen Zeitraum. Es geht hier nicht nur um die Qualitaet der Mannschaften (fuer die vergangene Platzierungen ein brauchbarer Indikator waeren), es geht hier vor allem um Form.

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Lukas 4. Oktober 2016 um 17:58

Die Idee hinter SRS funktioniert unabhängig davon ob man das mit Tordifferenz oder mit Torschüssen, xG, oder sonstwas macht. Das ganze muss nur als System geschlossen sein, d.h. +1 für Mannschaft A heißt -1 für Mannschaft B, Summe über alle =0.

Die behauptung ist nicht das es alles erklärt nur das es besser ist als die normale Tabelle. Das ist ja das interessante an der Geschichte: mehr informationen über die stärke der Teams erhält man erst je später die saison wird.
Es ist natürlich ne Interessante Frage ob ein 6:0 mehr aussagt ist als ein 2:0 und ob der zusammenhang linear ist. Ds ist aber hier erstmald ie annahme.
Man kann da sicher ne Menge aus den Daten der Vergangenheit herauslesen, wenn man entsprechend gute Datenbanken und die entsprechenden Fähigkeiten (in R oder Matlab oder anderes) hat. Das war mir dafür aber alles zu aufwändig. Wenn 538 ne Stelle dafür frei hat mach ichs sofort 😉

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Josef 4. Oktober 2016 um 18:23

Es gäbe natürlich einige andere Möglichkeiten, die Stärke der Gegner zu bemessen:
– Abschlusstabelle
– Elo-Wert
– Marktwert
– Meisterschaftsquote (bzw. Platz 1-4) vor der Saison
– …
Vielleicht ergänzt ja noch jemand eine weitere Spielerei.

Ich finde den Ansatz von TE und Lukas gut. Die Frage nach dem möglicherweise verfälschenden Einfluss von großen Ausreißern bei der Tordifferenz ist nachvollziehbar, oft gehört. Ähnliche Diskussionen / Fragen gibt es regelmäßig in den amerikanischen Sportarten und Analysen (NFL, NBA etc.). Letztlich hat sich gezeigt, dass die Tordifferenz bzw. dereren äquivalente Punktspreads ein ziemlich guter Indikator sind. Letzlich hat es ja Gründe, dass ausgerechnet die Bayern aus einem Spiel mit +6 gehen. Frankfurt und die Hertha gewinnen anders.

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Todti 5. Oktober 2016 um 23:11

Ich finde den Ansatz auch gut, allerdings gibt es noch einen Unterschied zwischen den Anwendungen auf die Bundesliga (oder europäische Ligen allgemein) und auf die amerikanischen Sportligen. Für die NFL z.B. ist es eine Tatsache, dass die Punktedifferenz der letzten Saison ein besserer Indikator für Erfolg als die Anzahl an Siegen und Niederlagen ist. Da reichen sogar die 16 Spiele der Regular Season aus. Allerdings sind die amerikanischen Sportligen auch noch in zweiter Hinsicht „geschlossen“, nicht nur wie von Lukas erklärt als Nullsumme der Punkte- oder Tordifferenzen, sondern auch als geschlossenes System hinsichtlich der Mannschaftsqualität. Es gibt feste Mannschaftsgrößen und den Salary Cap, also Gehaltsober- wie -untergrenzen. Es geht also weniger Qualität während der Offseason verloren, als dies für die Bundesliga der Fall ist. Du hast im Prinzip den Draft als Influx und Karriereenden als Outflux – Verletzungen mal ausgenommen – was sich natürlich nicht exakt balanciert, aber immer noch ausgeglichener ist, als ein Transferfenster im Fußball.
@ Josef:
Da die Qualität der Bundesliga keine Erhaltungsgröße ist, wie eben erklärt, sind Abschlusstabelle und Meisterschaftsquote eher weniger geeignet. Gleiches gilt für den Marktwert, der ja eine empirische (und subjektive) Größe ist, die ziemlich träge ist – also nur in längeren Zeitabschnitten aktualisiert wird und daher nicht aktuell ist. Der Elo-Wert ist vielleicht ganz interessant, wobei dann das betrachtete Zeitfenster wichtig ist und damit vermutlich eher langfristige Stabilität als die derzeitige Stärke darstellt. Insofern, für die Manifestation der aktuellen Form, ist die Tordifferenz der Spiele dieser Saison wohl die beste Größe (bzw. expected goals). Nur ist, wie von anderen besprochen, die Handvoll Spiele noch sehr zufallsbehaftet.

Aber nochmal generell – ich liebe statistische Spielereien, vor allem wenn sie, wie hier, von Leuten stammen, die wissen, was sie tun. Und dann kommt noch der herrliche Schreibstil dazu!

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Josef 7. Oktober 2016 um 15:05

Du hast natürlich mit allem Recht.
Wobei die Fluktuationen durch Trades und Free Agency in den amerikanischen Ligen mitunter auch beträchtlich sein können…
Eine weitere Einschränkung bzw. Präzisierung: Mit der Meisterschaftsquote war ich unpräzise, ich meinte hier Wettquoten. Und diese berücksichtigen eben „alles“, also auch Neuzugänge, Abgänge, Verletzungen.

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gs 4. Oktober 2016 um 15:03

Also, auf der Skala zwischen Hinterbanklümmel und Mathematik-Nerd sehe ich mich eher auf halbem Wege, aber dass eine auf nur 6 Spieltagen basierende Statistik trotz aller Mühe noch sehr viel Zufall enthält, scheint mir logisch. Soll heißen, auch wenn es gerade für Schalke die bestmögliche Ausrede ergibt, fällt es doch schwer, Hoffenheim und Frankfurt als besonders schwere Gegner einzuschätzen, und auch Köln sehe ich nicht unbedingt schon als CL-Kandidat an …

Dass umgekehrt Bayern ein leichtes Startprogramm hatte (mit Ausnahme von Schalke), wusste man auch vor der Saison schon (wurde ja auch schon hinreichend kritisiert).

Trotzdem Dank für diese nette Analyse, die TE ja schon selbst bezüglich Ihrer Wichtigkeit eingeschätzt hat … 😉

Was mich aber tatsächlich mal interessieren würde: wie kommt denn so ein Spielplan tatsächlich zustande? Lässt man einen Zufallsgenerator ans Werk, oder versteigen sich da „Experten“ bei der DFL dazu, Einfluss auf die Dramaturgie zu nehmen?
Letzteres wäre dann doch bedenklich mit Tendenz zur Wettbewerbsverzerrung …

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HK 4. Oktober 2016 um 15:26

Einen Spielplan zu erstellen ist eine hochkomplexe Angelegenheit bei dem Parameter wie Nachbarschaftslagen (möglichst nicht zeitgleich; gerne mit Berücksichtigung der 2.Liga o.ä) , Feiertage (auch lokale), Polizeiverfügbarkeit und -lageeinschätzung, internationale Einsätze usw. koordiniert werden müssen. Den Zufall könnte man hier unmöglich wirken lassen.
Heute wird das im Wesentlichen über eine Software geregelt. Wobei Eingriffe in die Dramaturgie durchaus möglich und auch gewünscht sind. Zum Beispiel sollen die Aufsteiger nicht gerade an den ersten drei Spieltagen gegen Bayern, Dortmund und Leverkusen spielen. Auch versucht man die Topduelle wenn möglich etwas gleichmäßig über den Kalender zu verteilen.

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JF 5. Oktober 2016 um 16:13

Bonusmaterial zum Thema „Spielplanerstellung“: Das ist in den letzten Jahren umgestellt worden, primär durch die Arbeit eines Professors in Göttingen (und einem Freund von mir, der bei ihm promoviert hat).

http://www.n-tv.de/sport/fussball/Am-1-Mai-spielt-Hertha-auswaerts-article3626166.html

http://www.goettinger-tageblatt.de/Sport/Sport/Regional/Westphal-erstellt-Spielplaene-fuer-die-Bundesliga

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RJonathan 4. Oktober 2016 um 18:54

Dass Schalke das härteste Programm hat, bedeutet ja nicht, dass sie nur gegen schwere Gegner spielen. Hertha, München, Gladbach und Köln (in jetziger Verfassung) sind in Kombination schwerer als das Programm aller anderen. Hoffenheim und Frankfurt müssen dafür gar nicht besonders stark eingeschätzt werden. Sie sind aber (nach derzeitiger Form) wohl auch keine Abstiegskandidaten sondern eher Mittelfeld.

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gs 5. Oktober 2016 um 10:40

Erstmal Dank an HK für die Info zur Spielplanerstellung.

Ansonsten hat ja Lukas weiter oben zu Recht darauf hingewiesen, dass die hier angewandte Methode wohl die beste Möglichkeit ist, nach so wenigen Spieltagen schon eine halbwegs belastbare Aussage zu erzeugen. Man sollte diese aber in keiner Richtung überstrapazieren – nehmen wir zur Illustration einfach einen Extremfall: Schalke könnte am Ende in den CL-Rängen landen, während drei der jetzt ach so schweren Gegner absteigen.

Umgekehrt wird beim Serienmeister Bayern bei mutmaßlich jeder Art der Auswertung herauskommen, dass man gegen sehr leichte Gegner zu spielen hatte.

Aber: gut, dass wir mal drüber gesprochen haben 🙂

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Daniel 4. Oktober 2016 um 13:41

Interessant finde ich die Auswertung besonders in Bezug auf Schalke, das war mir so bisher gar nicht aufgefallen. Dass Schalke bisher gegen recht starke Gegner gespielt hat finde ich auch in Kombination mit der Feststellung aus dem Artikel von RT interessant, dass Schalke vor allem Probleme mit dem Herausspielen von Torchance aus dem eigenen Ballbesitzspiel hat. Dort wird ja gesagt, dass ein starker Gegner wie Bayern oder Gladbach Schalke gar nicht mal so ungelegen kommt, da diese Mannschaften ein eigenes Ballbesitzspiel haben und sich Schalke auf Pressing und Umschaltmomente fokussieren kann. Das wird noch interessant zu sehen, wie sehr Schalke davon profitieren kann, dass statt Bayern und Hertha jetzt vielleicht eher die Ingolstadts und Darmstadts auf dem Programm stehen. Dort wird es mehr darauf ankommen, stabil Torchancen zu kreieren. Mit Spielern wie Goretzka, Meier, Schöpf und Co ist Schalke dafür aber denk ich ganz gut gerüstet…

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blub 4. Oktober 2016 um 14:34

Ich würde sagen das hängt davon ab ob Max Meyer auch mal aufs Feld darf…

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sid 4. Oktober 2016 um 13:31

Erste Grafik sind nur 17 Teams gelistet?

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CH 4. Oktober 2016 um 13:15

@TE „Die Rückbanklümmel dürfen …“ Lösch es lieber. Der „Witz*“ zählt definitiv nicht zu den Sachen, die das Internet niemals vergessen sollte.

(*Im eigenen Kopf klang das vermutlich witzig)

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MB 4. Oktober 2016 um 13:58

Ach was, wer den nicht witzig findet der ist einer der Mathe Nerds neben denen keiner sitzen wollte.

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CH 5. Oktober 2016 um 10:05

oder schon aus dem Alter raus, wo sowas noch witzig ist …

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luckyluke 5. Oktober 2016 um 20:23

Genau das hätte einer dieser Mathe Nerds gesagt 😀

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alter Mathe-Nerd 6. Oktober 2016 um 08:28

Hihi, er hat Penis gesagt …

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CE 6. Oktober 2016 um 09:54

Vertragt euch… *strenger Lehrerblick*

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