Van Gaals schwärzeste Stunden

Während der Winterpause der Bundesliga möchten wir einige Mannschaften unter die Lupe nehmen und mögliche taktische Veränderungen diskutieren. Weiter geht es mit einem Team, das weder aus Deutschland kommt, noch eine Winterpause genießt: Manchester United.

2014-11-17_ManUnited-Fulham

Manchester Uniteds Flankenwahnsinn gegen Fulham am 9. Februar 2014 – Flanken 82:4 – Endergebnis 2:2 – Quelle: Squawka (anklicken zum Vergrößern)

Die Red Devils befinden sich nun nicht mehr in der Post-Ferguson-Ära, sondern bereits in der Post-Moyes-Ära. Der mittlerweile in San Sebastian beschäftigte David Moyes trat als Nachfolger des alten Sir an und scheiterte. Das Resultat ist ein United ohne Europapokalteilnahme, aber mit zeitweiliger Sinnkrise. Um den Umschwung mit der Brechstange zu schaffen, brauchte es folglich einen taktisch versierten Dickschädel. Mit der Verpflichtung von Louis van Gaal hat die Vereinsführung diesem Anforderungsprofil sehr gut entsprochen. Der streitbare Niederländer absolvierte jedoch vor dem Amtsantritt noch schnell eine Weltmeisterschaft und hievte ein defensives Oranje-Team ins Halbfinale.

Mehr Schiefstand als erwartet

Die US-Vorbereitungstour von United lief sehr vielversprechend, was Van Gaal bereits die ersten öffentlichen Pluspunkte direkt nach der WM einbrachte. Gegen Teams wie Internazionale und Real Madrid deutete der niederländische Cheftrainer seine Pläne an, indem er auf den ersten Blick das 3-5-2 der Elftal auch bei den Red Devils installierte. Allerdings war die Ausführung des Systems offensiver ausgerichtet. United agierte über einen Kurzpassaufbau über die Dreierkette und den tief agierenden Ander Herrera, der aus Bilbao kam. Das Kombinationsspiel durch die Reihen wirkte ansprechend, die Flügelspieler waren nicht nur als lineare Laufmaschinen eingebunden und Juan Mata war ein wichtiger Knotenpunkt auf der Zehnerposition. Zudem war United im Pressing über ein 3-4-3 oder sogar 3-3-4 sehr aktiv mit der ersten Pressingwelle, die einerseits sofort frontal Druck, aber gleichzeitig auch in Richtung der isolierbaren Außen eine effektive Lenkung ausübte.

2015-01-11_ManUnited-Spielaufbau-Saisonbeginn

Gedachter Spielaufbau, wie er bei der US-Tour zu beobachten war.

Jedoch verlief der Saisonstart entgegen den positiven Ergebnissen der US-Tour mehr als durchwachsen. Von den ersten vier Pflichtspielen gewann United keines. Darunter war ein 0:4 einer B-Elf gegen Milton Keynes Dons im League Cup – Shinji Kagawas letzter Auftritt im Trikot der Red Devils. Doch bereits der Auftakt gegen Swansea brachte große Enttäuschung im Old Trafford, als man gegen Gary Monks Team mit 1:2 unterlag. Van Gaals Zirkulationsideen verliefen schnell im Sande. Die Waliser pressten im 4-2-4, nahmen Herrera durch Deckungsschatten und Mata per Mannorientierung aus der Partie. Der Niederländer reagierte umgehend und stellte bereits während der ersten Halbzeitpause der Saison vom 3-4-1-2 auf ein 4-2-3-1 um. Mit einem Mann weniger in der Abwehrzentrale und verstärkter personeller Besetzung auf den Außenbahnen gelang es den Red Devils besser den zentralen Block der Waliser zu umspielen. Für die komplizierteren Abläufe eines Dreierkettensystems schien die Mannschaft noch nicht bereit.

Grundformation in der ersten Halbzeit der Saison gegen Swansea am 16. August 2014

Allerdings setzte Van Gaal trotz der Auftaktniederlage weiterhin darauf, verbuchte den ersten Sieg aber erst mit der Umstellung auf eine 4-3-1-2-Grundformation gegen die Queens Park Rangers. In diesem Fall konnte United wieder effektiver mit einer Dreierreihen angriffspressen und zudem rückte Van Gaal von den ansonsten typischen Mannorientierungen ab, die man meist bei seinen Dreierkettensystem beobachten kann.

Mehr Altbekannte als erwartet

Der Erfolg der Mittelfeldraute war vor allem aufgrund der zentralen Besetzung möglich, indem man Danny Blind als zentralen Sechser aufstellen konnte, der wiederum von Herrera als tief abkippenden Achter Unterstützung erfuhr, während Ángel Di María mit seinen fluiden Überladungsbewegungen als halblinker Spieler in gewisser Weise das Spiel an sich riss. Die Rautenspieler beschäftigten die gegnerischen Mittelfeldakteure, sodass die nachrückenden Innen- und Außenverteidiger zuweilen freie Bahn hatten. Die Ballzirkulation war ansprechend, das Angriffsspiel flüssiger als noch zum Saisonstart.

Formation mit Mittelfeldraute und möglicher Top-Besetzung

Formation mit Mittelfeldraute und möglicher Top-Besetzung

Das deutet schon an, dass die Red Devils enorm von den Neuzugängen profitierten. Gerade im zentralen Mittelfeld, wo United in den letzten Jahren zunehmend Probleme hatte, wurde intensiv investiert. Hinzu kamen Marcos Rojo als Links- oder Halbverteidiger, Luke Shaw für die linke Außenbahn sowie Falcao als weitere Sturmoption. Im Gegenzug wurden Spieler wie Nani, Chicharito und Danny Welbeck abgegeben. Van Gaal wirbelte den Kader ein Stück weit durch, wenngleich nicht jeder Transfer unter seiner Ägide getätigt wurde. An Jugendspielern konnten sich vor allem die beiden Verteidiger Tyler Blackett und Paddy McNair über Einsätze freuen, während das Juwel Adnan Januzaj im Moment kleinere Probleme hat.

Doch wirkliche Schwierigkeiten bekam Van Gaal während der Hinrunde, da sich immer wieder Spieler verletzten, sodass man zuletzt teilweise mit einer Elf auf dem Platz stand, die so gut wie keinen Neuzugang mehr enthielt. An der Trainingsgestaltung des Niederländers kam Kritik auf. Vor allem Landsmann Raymond Verheijen sprach bereits im August, als sich Luke Shaw kurz nach seiner Rückkehr aus dem kurzen Sommerurlaub verletzte, vom zu intensiven Training, dass Van Gaal seinen Spielern zumutet. Diese Kritik verfolgte die ersten Monate unter Van Gaal, da sich auch andere Akteure wie zum Beispiel Di María Muskelverletzungen zuzogen.

„LVG is tactically superior to most other coaches but planning & periodisation is not his strongest point: double sessions & muscle injuries … (His) coaching skills & tactical superiority often compensate for this periodisation deficiency but there is clearly room for improvement.“ (Raymond Verheijen)

Wird Van Gaal premierleaguisiert?

Seit Mitte Oktober stabilisierten sich die Leistungen und Ergebnisse, wobei gerade Siege wie gegen Everton und Arsenal herausstachen. Dabei widersprach United vermehrt dem ExpG-Modell, was schon zu Zeiten von Alex Ferguson des Öfteren der Fall war. Die Red Devils gewannen vermehrt Partien, in denen sie ihre Torchancen sehr effektiv nutzten und auf der anderen Seite des Spielfeldes vor allem auf De Gea vertrauten. Denn die Abwehr wirkte vor allem in der Endverteidigung im eigenen Drittel nicht sattelfest. Diese Schwierigkeiten ergaben sich hauptsächlich infolge der häufig praktizierten Mannorientierungen, die Van Gaal besonders bei Formationen mit Dreierketten anordnete. Dies verursachte direkte Duelle der Halbverteidiger gegen agile Flügelstürmer, was stets ein Mismatch ist. Teilweise konnte man die Probleme durch eine tiefere Positionierung von Marouane Fellaini oder Michael Carrick als physische Mittelfeldlibero lindern.

2015-01-11_ManUnited-SoTR-GRHingegen war die Mittelfeldraute defensiv wie offensiv erfolgreicher. Die Zirkulation wurde, wie bereits erwähnt, durch die individuelle und gruppentaktische Stärke der zentralen Akteure gewährleistet. Jedoch musste Van Gaal aufgrund von Verletzungen sogar manchmal auf Antonio Valencia als Achter setzen, was natürlich die Struktur linearer werden ließ. Im Gegensatz dazu verfestigten sich die Pressingsabläufe. Eine Dreierkette mit dem aufrückenden Zehner presste zunächst vorn, wobei bei Pässen auf die gegnerischen Außenverteidiger die United-Neuner in Mannorientierungen gegen eben jene Außenverteidiger übergingen. Wurden die Red Devils im Zentrum durchspielt, pressten beide Angreifer intensiv rückwärts, während sich Mata zur Verstärkung des Mittelfelds zurückzog. Im eigenen Ballbesitz bekam Uniteds Sechser zumeist Unterstützung vom ballfernen Außenverteidiger und Achter, sodass Isolationen eher selten zugelassen wurden. Doch bei all diesen positiven Ansätzen zeigte Van Gaal teilweise merkwürdige und ineffektive Umstellungen während der Partien, die eigentlich gute Strukturen wieder verflachen ließen.

In den ersten fünf Monaten waren des Weiteren interessante Rollenentwicklungen zu sehen. Ashley Young konnte durch die erzwungene Umschulung zum Außen- oder Flügelverteidiger seinen Kaderplatz behalten. Wayne Rooney wird mittlerweile immer häufiger als Achter eingesetzt, was im Kontext der letzten Monate eine natürliche Entwicklung war und durch die Genesung von Falcao auch möglich wurde. Der 29-jährige Kapitän spielte im 3-4-1-2 sogar hinter dem Zehner. Zunächst benutzte Van Gaal Rooneys Mittelfeldrolle, um im halblinken Halbraum ein starkes Duo zusammen mit Di María aufzustellen. Doch dieses Duo konnte nur selten sauber angespielt werden, da es gerade im 3-4-1-2 am Spielaufbau mangelte. Die Halbverteidiger standen in der Regel zu eng im Zentrum und die Flügelläufer wiederum zu eng an den Halbverteidiger. Durch diese fehlende Weiträumigkeit war Uniteds Spielaufbau ohne Dynamik und effektive Zoneneroberung. Raumöffnende Läufe der zentralen Mittelfeldspieler wurden derweil zu selten eingesetzt, um sich gegen die Mannorientierungen vieler Premier-League-Teams zu befreien. In der Folge neigten die Red Devils zu einem flügellastigen Spiel, indem oftmals sehr simpel die Flügelläufer an der Außenlinie angespielt wurden. Doch Valencia und Co. konnten meistens nur statische Dribblings anbieten. Dieses Flügelspiel genauso wie die auf Physis reduzierte Aufgabe von Fellaini und eine teils mangelnde Kompaktheit ließen zeitweise den Schluss zu, dass sich eher Van Gaal der Premier League fügt, als dass sich die United-Mannschaft der Spielphilosophie des Niederländers anpassen würde.

Van Gaals Ajax 1995 – Van Gaals United 2015?

Welche Alternativen gibt es?

Ein großes Problem in Verbindung mit dem fehlenden Fluss im Spielaufbau war vor allem die Verletzung von Herrera. Denn ohne den Basken hatte United keinen Verbindungsspieler im Zentrum, da Blind, der mittlerweile ebenfalls eine Verletzung erlitten hat, das Spiel noch nicht dominant an sich riss, sondern häufig tief abkippte und für keine Verbindungen nach vorn sorgen konnte. In letzter Zeit hat sich durch Rooneys Mittelfeldposition zunehmend ein 3-3-2-2 entwickelt, in welchem beispielsweise Carrick als Solosechser agiert. Aufgrund der Pendelbewegungen Rooneys kann der Kapitän aber die Defensivräume stärken, wobei des Öfteren zusätzlich ein ballferner Flügelspieler zurückfällt, was insgesamt die Grundformation sehr flexibel macht. Defensiv kann United mittlerweile intensives Pressing spielen und außerdem die zentralen Räume abriegeln.

Doch wie könnten sie den Spielaufbau besser gestalten? Es klingt verrückt. Aber nehmen wir zunächst einmal an, dass alle Schlüsselspieler für einen längeren Zeitraum fit sind. Dann hat man im Mittelfeld quasi ein Luxusproblem und vor allem das Personal, um Zirkulationen schon aufgrund der individualtaktischen Stärken zu kreieren. Doch zusätzlich kann Van Gaal die Rollen der Flügelläufer überdenken, indem er sie einrückender spielen lässt oder komplett auf Flügelverteidiger verzichtet und ein 3-1-2-1-3 aufstellt. Letzteres würde sicherlich einige Premier-League-Mannschaften dazu verführen, noch stärker über die Außenbahnen anzugreifen, aber überhaupt keinen Zugang in die Mitte mehr zu haben. Zudem müsste United auf mehr optionsorientierte Deckungen setzen, um die Halbverteidiger nicht in direkte Zweikämpfe am Flügel zu schicken.

2015-01-11_ManUnited-Alternativ_Grundformation

Mögliche Alternativformation

Der erste Vorschlag mit einrückenden und/oder zurückfallenden Flügelverteidigern könnte funktionieren, wenn Van Gaal zugleich zum Beispiel Blind, Rojo oder Jonny Evans auf den Halbpositionen aufstellt. Dadurch wäre ein Vorstoßen in die offenen Räume um Sechser Herrera möglich, während über das Zurückfallen auf den Seiten Absicherungen geschaffen werden. In den vorderen Linien können Mata und Rooney sowie Falcao und Van Persie situativ in die Breite ausweichen oder über horizontale Pendelbewegungen mit dem dann vorhandenen Dreierblock im Mittelfeld Verbindungen herzustellen. Durch diese insgesamt zahlreichen Bewegungen in der zentralen Vertikale könnte man orthodoxe Premier-League-Mannschaften und deren Deckungsaufteilung gut bespielen.

Allerdings ist diese Möglichkeit bereits durch die Mittelfeldraute im 4-1-2-1-2 gegeben, die in der bisherigen Saison am vielversprechendsten erschien, sofern Herrera und Co. fit waren. Mit diesem System kann United gegen ein 4-4-2 das Loch zwischen Sechsern und Neunern nutzen und gleichzeitig die Sechser über die verschiedenen Passoptionen leichter umspielen. Gegen ein 4-2-3-1 hängt es etwas stärker von der Sauberkeit des Positionsspiels und der gruppentaktischen Ausführung ab. Aber auch gegen dieses System sind Angriffsmuster durch die Formationsschnittstellen möglich. Van Gaal sollte folglich neben der Dreierkette vor allem an der Mittelfeldraute weiter feilen, seiner Mannschaft zudem zutrauen, dass sie nicht nur strikt mannorientiert, sondern auch über tiefe Mittelfeldpressing-Mechanismen verteidigen kann. Dann muss sich Van Gaal, der bereits bewiesen hat, dass er zu den ganz großen Trainern dieser Zeit gehört, auch nicht nachsagen lassen, dass er an der Premier League „scheitert“.

ET 30. Januar 2015 um 18:05

Was haltet ihr davon:

de Gea
Evans/jones-Smalling-Rojo
di Maria-Herrera-Blind-Young
Rooney-van Persie/Falcao-Mata

Mata kann eine Art Mischunng aus ZOM und LOM spielen und mit Herrera und Young hakblinks überladen, abgesichert vom nach aussen schîebenden BLind und dem etwas nach vorne schiebenden Rojo. Der Stürmer öffnet Räume für Rooneys Läufe, Ballfern kann di Maria angespielt werden und mit Rooney r^kombinirern oder zirkulirern um danach wieder zu verlagern. Gegen den Ball kann man hoch im 3-4-3 (gegen Aufbaudreierketten) oder 3-4-1-2 spielen, tiefer im 3-4-1-2 mit isoliren in den Halbräumen (Mata als 10) oder im 3-4-3-0 mit enger und tiefer sturmreihe, isolation auf den flanken mir^t holfe der ballnahen 8er und halbverteidiger, Mata kan balencierend zurückfallen, der ballferne wingback ebenfalls.

Dadurch sind alle Topspieler gut eingebunden und es entestehht trotzdem genügend defensife stabilität.

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HW 11. Januar 2015 um 16:50

Die schwärzesten Stunden als Trainer hatte van Gaal wahrscheinlich als er mit Holland mal eine WM Quali versaut hat. Bei United gibt es allenfalls ein paar Anlaufschwierigkeiten, auch weil van Gaal nach der WM relativ spät zum Verein kam und dann die Spieler mit was ganz neuem „überrascht“ hat.
Auch bei der letzten WM hat er eigentlich nur auf die 3er-Kette gesetzt, weil sich kurzfristig Spieler verletzten. War daher schon eine kleine Überraschung, dass er bei United dabei geblieben ist. Ist eh die Frage ob er mit dem Kader nicht auch etwas anderes spielen könnte, aber nicht auf den 10er verzichten will, bzw. Rooney, van Persien und die ganzen anderen Angreifer einfach irgendwie einbauen muss (ohne die auf den Flügel zu stellen).

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NanLei 24. Januar 2015 um 09:52

2002 ist vergangen. Portugal mit der Goldene Generation hat Deutschland 2000 auch 3 zu 0 geschlagen. Figo Rui Coasta Couto Simao Conceicao Sergio Vidigal Pauleta Nuno Gomez war nicht ohne
Irland mit Holland Matthew Damien Duff Keane Robbie Roy Ian Harte Stephen Carr Doherty Quinn Morrison 1 zu 1 gegen Deutschland 2002. Die Quali 2002 war halt eine Todesgruppe. Irland Portugal waren besser als van Gaal und er ist auch nicht der erste der mit Holland scheiterte. Nach 74 78 hat es bis 90 gedauert bis sie sich wieder qualifizieren konnte. Er ist eigentlich ein brauchbarer Mann. Als Trainer weiß er, wo seine Stärken sind, vor allem wen er spielen lässt. Müller spielt immer, er macht schon etwas richtig. Seine Fehler in Rio war, dass er vielleicht zu viel wollte, weil die Mannschaft war gleich am Anfang gegen Spanien super dann immer weniger. Gegen Costa Rica im Elfmeterschießen der Torwartwechsel. Scholl hat ihn wegen sich selbst über die Mannschaft stellen kritisiert. Das war nicht so sehr der Punkt, Deutschland hat gegen Algerien nicht geglänzt aber gegen Frankreich und dann Brasilien immer besser. Holland war scheinbar gegen Costa Rica etwas am Limit. Gegen Argentinien war es dann vorbei. Das Timing war nicht erfolgreich. Unglücklicherweise kam zuerst das Feuerwerk und das Ende war dann Mittelmaß. 2010 unter Van Marwaik haben sie gegen Brasilien den Rückstand glücklich mit Standards und Cesar Fehler gedreht und sind bis ins Finale sogar in der Verlängerung hart aber Erfolgreich. Das Timing in Bezug auf wann ich die Mannschaft im Topform habe war 2010 besser. 2014 wäre mit einer besseren Krafteinteilung das Finale drin. Elfmeterschießen ist immer für alle außer Deutschland Lotto.

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blub 11. Januar 2015 um 16:39

Ich versteh manche sachen einfach nicht:
Ich finde, wenn man Dreierkette spielt sollte man WENIGER Mannorientierungen bringen anstatt MEHR. Das finde ich vol allem sinnlos wenn man eigentlich nur offensiv individuell überlegen ist.
Wenn ich die totale Dominanz im defensiven bereich habe, dann lohnt sich das eingehen von vielen Mannorientierungen.

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Peda 12. Januar 2015 um 10:26

Ich denke schon, dass Mannorientierungen gerade dann Sinn machen, wenn man defensiv individuell unterlegen ist, da die Spieler damit eine taktisch einfach zu erfüllende Rolle erhalten, während der Gegner vor eine ungewohnte Aufgabe gestellt wird (wer ist als Mittelfeldspieler im Jahre 2015 schon daran gewöhnt mannorientiert verfolgt zu werden?).

Das Problem mit van Gaals geliebten Mannorientierungen sehe ich eher in formativen Mismatches:
mit der Elftal spielte van Gaal meist ein 5-2-1-2-System, in dem vor allem die beiden Achter Mannorientierungen eingingen, vielleicht noch der ein oder andere Verteidiger, solange man in der Defensive eine klare Überzahl hatte. Vorne konnte man das durchschlagskräftige Offensivtrio ruhig auf sich alleine stellen.
Bei Manchester United ist es aber meistens keine Fünfer- sondern wirklich eine Dreierkette und die Mannorientierungen werden nicht in Überzahl, sondern riskanterweise sogar in Gleichzahl eingegangen.

Zumindest ist das meine Überlegung dazu, die ist aber sogar in der Beobachtung nur theoretisch, ich komme nämlich momentan überhaupt nicht zum Schauen,

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HW 12. Januar 2015 um 11:06

Sehe ich ähnlich.
Spielst du Mann gegen Mann, musst du eigentlich individuell im Zweikampf überlegen sein, weil man ja einen strukturellen Vorteil aufgibt. Aber, in der Regel spielt man Manndeckung mit einer Absicherung, also in Überzahl. Das sollte zumindest das Ziel, bzw. der Plan sein.
Trotzdem wundert es mich, dass der ‚Fanatiker‘ des Positionsspiels auf eine Manndeckung setzt, die ihm jede Struktur für den offensiven Umschaltmoment zerfressen kann.

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Koom 12. Januar 2015 um 11:40

Liegt vermutlich am seltsam anderen Spielaufbau/Spielweise in England, bei dem Mittelfeldspiel eher weniger stattfindet.

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HW 12. Januar 2015 um 12:03

Puh, schwer einzuschätzen. Das würde aber bedeuten, dass van Gaal glaubt die allgemeine Spielweise verhindert ein Positionsspiel. Dann müsste der englische Fußball die Wunderwaffe gegen diese Spielidee sein. Kann ich mir nicht vorstellen, das van Gaal hier einem System, dass er bisher mit starken Teams gepflegt hat als unterlegen betrachtet. Ich glaube eher er hält seinen Kader nicht gut genug für so ein System. Kein Plan warum, vielleicht aufgrund anders ausgebildeter Spieler. Aber er hat ja nicht nur Engländer oder Briten im Kader und er hatte die Möglichkeit Spieler zu kaufen, was er auch gemacht hat. Van Gaal hat sich sehr früh für die 3er-Kette bei United ausgesprochen, ich glaube schon lange vor der Saison.
Ich habe nicht genug von United gesehen um das inhaltlich zu bewerten. Ich kann nur den Vergleich zu den Bayern ziehen als ihm ein zu starres Positionsspiel vorgeworfen wurde. Dass er sich davon gelöst hat ist okay, aber Bayern war eigentlich immer dominant. Ist United dominant mit der neuen Formation? Ist die Formation sein definitives Mittel für die nächsten Jahre oder nur ein Zwischenschritt beim Kaderumbau und der taktischen Entwicklung?

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Koom 12. Januar 2015 um 13:15

An anderer Stelle wurde ja schon vermutet, dass die englische Spielweise sich schon sehr durchgedrückt hat und es deswegen schwer ist, anders spielen zu lassen. Natürlich hat er nicht nur englische Spieler, aber bis auf wenige Ausnahmen spielen fast alle schon länger in England. Und natürlich das drumherum: ManU ist selbst auch sehr britisch, Ferguson hat jahrelang britisch spielen und trainieren lassen. Dazu kommt natürlich die Verunsicherung durch die letzte Saison, wo man die Qualifikationen für einen internationalen Wettbewerb verpasste (als Team, das in den letzten 2 Jahrzehnten eigentlich IMMER um die Meisterschaft spielte), der Übertrainer aufhörte usw. Das ergibt zumindest ein ordentliches Gefühlschaos und verhindert dadurch auch die nötige breite Brust, um angestammte Pfade verlassen zu können. Ist natürlich reiner Psychologie-Spekulatius, aber ich denke, dass das einiges beiträgt.

Ich denke mal, dass Van Gaal diese Mannorientierungen nur übergangsweise rein nimmt. Ich würde mich schwer wundern, wenn er vom Positionsspiel-Mantra weggekommen wäre. Wobei ich nicht glaube, dass man das jemals noch mal derart starr wie bei den Bayern sehen wird.

HW 12. Januar 2015 um 16:09

Aber, aber, aber (ich komme ins Stottern) … Ich hatte den ‚ich bin ich‘ van Gaal so lieb gewonnen. Der Trainer, der keine Kompromisse eingeht und von sich und seinen Ideen überzeugt ist. Soll die WM das alles umgeworfen haben? Ist England ein fußballerisch dermaßen verfahrenes Land, dass selbst König Louis mit den schönen Waden seine Prinzipien über Bord wirft? Auf wen man man sich in so einer Welt noch verlassen?

Koom 12. Januar 2015 um 17:03

Hihi 😀

Ich glaube, dass LvG länger bei ManU bleiben will. Und das er deswegen den Kompromiß eingehen musste, etwas englischer (und damit vermutlich kurzfristig erfolgreicher) spielen zu lassen. Ob „dein“ LvG verschwunden ist, würde ich mal bis zur nächsten Hinrunde abwarten. Ab dann wird er sein Team mehr formen können, als er das nach der WM hätte tun können. Er wurde erst spät (glaube während der WM) als Trainer installiert, konnte dadurch den Kader nicht mitplanen und durch die WM stiegen er als auch zahlreiche Spieler erst spät ins Training ein. Und dann eben die fehlende Winterpause.
Im Gegensatz zu vielen anderen Trainern ist Van Gaal ja wirklich einer, der eher langfristig plant und denkt. Das er neuerdings kompromißfähig ist, ist aber wirklich sensationell. 😉

HW 12. Januar 2015 um 18:16

Ernsthaft? Van Gaal spielt ‚englischer‘, was für einen Holländer gleichbedeutend mit schlecht bedeuten muss, um seinen Job langfristig zu sichern! Ich übersetze das mal: Van Gaal traut den Spielern nicht zu die Fähigkeiten für seinen Fußball zu haben.
United hat diverse Spieler geholt, der Kader muss ihm bekannt sein. Ich glaube nicht, dass van Gaal genau weiß wie das Team am besten spielen kann. Wenn es darum ginge die Spieler nicht taktisch zu überfordern, warum dann 3er-Kette? Warum Wingbacks und Rooney im Mittelfeld? Das sind alles neue Rollen die das Team erst lernen muss. Und wenn die das lernen können, sollten die auch andere Ideen umsetzen können. Außer die sind einfach nicht gut genug für anspruchsvolle Anforderungen.

Koom 13. Januar 2015 um 09:13

Wie gesagt: Vielleicht will er sehr dauerhaft bei ManU bleiben und um die Chance nicht gleich am Anfang zu versauen, geht er Kompromisse an. Ok, es ist Van Gaal, aber unvorstellbar halte ich es nicht.

Und zur Spielweise: Mannorientierungen sind simpel. Das kriegt jeder hin. Und mit genügend Defensiven ist das auch halbwegs abgesichert. Und vielleicht ist das auch der Vorgriff, also auch Teil des Plans.

Warten wirs mal ab. Ich versuche ja auch nur, halbwegs brauchbare Erklärungen für das Geschehen zu finden.

Guergen 15. Januar 2015 um 20:54

Konnte man eine solche Entwicklung von van Gaal nicht schon zu seiner Zeit als Bondscoach ausmachen? Wenn ich mich recht erinnere, so hat van Gaal selbst mal einen Unterschied in seiner „Philosophie“ zwischen seinem ersten Engagement beim KNVB (als man recht blamabel in der WM Quali 2002 ausgeschieden ist, van Gaal auf die „alten Säcke“ vertraute und irgendwann mal van Nistelrooy, Kluivert, Hasselbaink und Co. recht orientierungslos gemeinsam im Angriff rumliefen, um irgendwie offensiven niederländischen Fußball zu spielen – ohne Bergkamp fehlte da aber was, um so eine Sache noch zu retten) und der Zeit von 2012 bis 2014 gemacht, als er den Spielern kaum noch Kredit gab, sich, insb. nach dem Ausfall Strootmans, dem Ergebnisfußball verschreiben hat.

NanLei 24. Januar 2015 um 10:34

In seinem Buch steht schon drin, wie er die Mannorientierung haben will und wann er die Raumdeckung von innen nach außen verteidigt. Bis jetzt hat Manchester United national in der Premier League nur einen mittelmäßigen Tabellenplatz aber bei Bayern brauchte er bis Juventus Turin. Van Gaal wird erst nach 2015 beurteilt. Die alten Sachen von David Moyes und Ferguson versucht er zu verkaufen, Kagawa zum Beispiel. Wenn er gehen muss wird Giggs der neue Trainer sein. Wenn er bleiben darf dann muss man sehen was er international reißt sei es Euro League oder Champions League. Das wichtigste wäre einfach nur, dass er diese Saison übersteht. Vorher zu sagen was er falsch macht, ist nicht ganz easy. Da er der beste Kumpel von Jose Mourinho ist, kann er zumindest selbst bei einer Entlassung seinen Freund länger sehen. Van Gaal Zukunft wird man sehen, er hat bis jetzt auf jeden Fall de Gea wieder in Topform. Der Torwart ist wieder besser, wie damals mit Butt. ob er einen neuen Müller findet wird man sehen. Ich glaube nicht dass er so stur ist, um komplett durch zu regieren. Der Fehler bei Bayern wiederholt sich nicht in England. Das wäre die Erklärung warum er eingeknickt ist. Er macht den Kompromiss, weil die Erfahrung bei Bayern ihm doch nahe geht. Die schwierigste Sache von Manchester United hatte schon David Moyes, wo bekommt man junge hungrige gute Spieler her. Sie sind die reichsten, aber Glazer und dann jetzt, die Jugend von United ist nicht La Massia. Noch hat United keinen zweiten Giggs Beckham Scholes Achse. Sie brauchen neue junge Spieler von internationale Qualität. Das System wird sich dann ergeben. Die Viererkette sind bei den Fans auf der Insel sehr beliebt. Eine Dreierkette ist meistens etwas Fremd. Viele können einfach keine Dreierkette spielen. Das geht bei manchen nicht. Andere Spieler in Europa keine Raumdeckung und Viererkette. Van Gaal wird entweder Manchester United ins internationale Geschäft führen oder gehen müssen. Es ist Hop oder Topp, aber bei Bayern war es nicht anders. Das System ja, aber es sind auch andere Dinge wichtig in Manchester. Sein vertikales Spiel und balldominante horizontale Grundidee mit über 60 Prozent Ballbesitz bleibt seine Philosophie. Manchester United kann zumindest mit Van Gaal eine Art Fußball spielen wie Total Voetball, wenn der Plan von ihm aufgeht. Das war sein Ziel. Arsenal mit Wenger spielten in der unbesiegbaren Saison schnell über die Mitte Ballpässe und Stafetten vorne war Henry. Nur in England ist es sehr schnell und sehr gefährlich was Verletzung angeht. Diese hohe Geschwindigkeit im Fußball erfordert nicht nur die beste körperlich Kondition, sondern auch noch schnelles Denken, schnelle Ballannahme und Abgabe. Wenn irgendjemand seine Philosophie in England durchbringen könnte dann van Gaal, aber die Premier League könnte auch etwas zu schnell sein für ein solches System. Bei der Champions League Rückspiel Niederlage, danke an Kloses Abseits Tor im Hinspiel, Robbens Schuss zum 2 zu 3 hat van Gaal es Ferguson bewiesen, wie es funktionieren kann. Jetzt kann er die Niederlage wiedergutmachen indem er Manchester in die Champions League führt.


HW 11. Januar 2015 um 15:49

Kurze Doppel-Frage: In der einen Grafik bezieht sich „Shots on Target Ratio“ auf die Gesamtzahl der Schüsse pro Spiel und die „Goal Ratio“ auf Tor pro was?

Antworten

CE 11. Januar 2015 um 16:09

Gleiche Formel wie bei Shots on Target, nur mit den wirklich erzielten Treffern. (goals for / sum (goals for + goals against))

Antworten

HW 11. Januar 2015 um 16:23

Danke für die Aufklärung.

Die Idee sich taktisch an Ajax ’95 zu orientieren finde ich sehr interessant. Die Alternative, 5-3-2 nenne ich es mal, ist auf dem Flügel wohl stabiler, aber im Mittelfeld für mich zu offensiv besetzt.

Ich würde wirklich gerne die alte Ajax Formation sehen, glaube aber nicht, dass van Gaal die in dieser Saison noch testen wird. Ich denke er wird versuchen in der bisherigen Formation stabiler zu werden. Wenn United auswärts mehr punktet, dann sieht es mit einem Champions League Platz gut aus. Das ist es wohl was zählt.

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