Die schlechteste beste Mannschaft aller Zeiten

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Die Gründe für die erneute Dortmunder Niederlage – vielleicht aber auch für ein baldiges Ende der Krise.

Bei Borussia Dortmund ist die Verletztenmisere beendet, die Krise geht aber vorerst weiter. Mit den Rückkehrern Mkhitaryan, Reus und vor allem Ilkay Gündogan gab es jedoch eine massive Kehrtwende in der Spielweise. Dass die noch nicht zum Ergebnis führte, lag an einem guten Gegner und einer langen Reihe kleinerer Probleme, die sich summierten.

StartformationenDas beste Mittelfeld der Vereinsgeschichte

Zum ersten Mal überhaupt liefen Mkhitaryan und Gündogan zusammen in einem Ligaspiel auf – und gleiches galt für Kagawa und Reus. Zusammen mit Kehl als souveränem Balancespieler stellte Klopp vielleicht die spielstärkste Mittelfeldbesetzung in der Geschichte des Vereins auf. Im Bewusstsein der eigenen Qualität und unter dem Druck der Krise kurbelten die Borussen ein sehr ambitioniertes Ballbesitzspiel mit großer Mittelfeldfluidität an.

Dabei fokussierten sie sich auf den rechten defensiven Halbraum. Hummels und Sokratis bauten etwas nach rechts verschoben auf; Großkreutz spielte in Hälfte eins nur drei Pässe in der gegnerischen Hälfte. Die Lücke zu Großkreutz wurde situativ von Gündogan oder Kehl besetzt. Beide agierten direkt wieder als pendelnde Doppelsechs wie in der Doublesaison. Zuweilen agierten sie dabei aber noch nicht so geschlossen wie früher, sondern ließen Lücken. Diese füllte Kagawa dann oft, der in einigen Szenen zentral im Sechserraum auftauchte. Reus und Mkhitaryan passten sich den Bewegungen im Zentrum an und schoben oft in den Halbraum. Vor allem der ballfernere Reus rückte weit ein, vereinzelt bis in die rechte Hälfte.

Mit diesen Bewegungen konnte der BVB eine sehr flexible Ballzirkulation herstellen und umspielte die erste Kölner Pressinglinie relativ problemlos. Besonders stark waren außerdem die hergestellten Staffelungen halbrechts. Oft entstanden dominante Überladungen mit guten Verbindungen und Dreiecken, die – zumindest theoretisch – sehr effektiv Kombinationen ermöglichten. Dadurch hatten die Dortmunder auch im Gegenpressing eine bessere Zugriffssituation.

Aufbaustaffelung BVB

Wunderbare Zentrumsüberladung der Borussen. Obwohl Köln nicht schlecht reagiert, kann Gündogan wegen der hervorragenden Staffelung den Pass auf Reus spielen. Blitzsauberer Durchbruch in den Zwischenlinienraum und Dortmund kann nun mit fünf Spielern auf die Viererkette zulaufen. Zum Schluss spielt Mkhitaryan aber einen Fehlpass Richtung Großkreutz.

Kölner Pressing als passende Mischung

Die Gastgeber ließen sich aber von der schwarzgelben Passmaschinerie nicht vorführen, sondern fanden immer wieder Momente, in denen sie Zugriff bekamen. Grundsätzlich setzten sie dabei auf ein standardmäßiges 4-4-1-1 im tiefen Mittelfeldpressing. Das interpretierten sie aber geschickt mit einer gestaffelten Rollenverteilung im Zentrum und aufmerksamer Zusammenarbeit.

Besonders Halfar erschwerte den Borussen das Spiel nach vorne. Er versperrte zu Beginn versetzt mit Zoller den Sechserraum. Das war ein Grund dafür, dass Dortmunds Sechser sich manchmal beide nach außen oder in die Verteidigung fallen ließen und Kagawa nach hinten gezogen wurde. Anschließend presste er nach außen oder zog sich ins Mittelfeld zurück. Gerade durch Dortmunds Fokus auf seine Halbseite verursachte das den Gästen einige Probleme. In einigen Szenen konnte Halfar auch im direkten Rückwärtspressing entscheidend Druck machen.

Zu Halfars Rolle passte auch die Aufteilung der Kölner Doppelsechs. Vogt agierte sehr aggressiv, versuchte mannorientiert Druck zu machen und schob häufig schon frühzeitig eine Linie nach vorne. So entstanden manchmal 4-1-4-1-Staffelungen. Lehmann sicherte dann den Sechserraum und gab sich generell passiv und balancierend. Wiederum passte diese Asymmetrie gut zu Dortmunds Spielrichtung.

Köln Pressing

Köln pinnt den BVB nach außen. Hier keine so gute Staffelung von den Borussen: Kehl ist zu weit zurückgefallen, Kagawa steht zu hoch und kann das strukturelle Loch (rot) nicht so schnell füllen. Der Überladungsversuch wird deshalb von Vogt und Halfar aufgefressen, auch Zoller schiebt gut nach. Piszczek verliert den Ball. Der Konter ist aber durch die krasse Ballorientierung der Borussen gut abgesichert.

Neben der recht effizienten Ausrichtung beim Pressing im Mittelfeld ist Kölns Rhythmus bei der Rückzugsbewegung zu loben. Nach Dortmunder Durchbruchsmomenten rückten sie konzentriert nach hinten und fokussierten sich auf ihre Kompaktheit in Ballnähe. Die Borussen verpassten in diesen Szenen häufig, den Ball noch einmal im Zwischenlinienraum zu verlagern oder entscheidend Dynamik aufzubauen.

Ungeduld, Rhythmusprobleme und Abstimmungsfehler zerstören die Ansätze

Diese fehlenden Rhythmuswechsel im Angriffsdrittel waren eines der zahlreichen Probleme, die die Borussen aufgrund ihrer fehlenden Abstimmung hatten. Teilweise hatte dieses eventuell auch mit der Fitness zu tun; zumindest Reus verzichtete auf ein paar potentiell entscheidende Sprints in die Tiefe.

Immobile hingegen unternahm eine Menge Läufe in die Tiefe und forderte die Bälle sehr aggressiv mit Ausweichbewegungen. Das war zum einen für die Spielanteile nicht gut – Immobile als spielschwächster Offensivakteur verplemperte einige Angriffe unnötig und drückte dabei das Spiel auf den Flügel, mit 50% hatte er die mit Abstand schwächste Passquote beim BVB. Zum anderen führte das immer wieder zu hektischen Angriffsaktionen, da die Mittelfeldspieler auf Immobiles Aktionen reagierten und Bälle überhastet in die Spitze spielten. Das war nicht nur schädlich für die einzelnen Situationen, sondern wirkte auch als Störfeuer bei der Rhythmusfindung. Gündogan und Co. hätten sich andernfalls vielleicht in einen ruhigeren, konzentrierten Rhythmus hineinspielen können, wurden aber immer wieder dabei unterbrochen. Bei einem Mittelfeld wie diesem muss Immobile lernen, seine Ausweichbewegungen passiver zu gestalten, um Gegenspieler zu binden, ohne das Spiel zu beschleunigen und den Ball auf sich ziehen.

Vielversprechender Gleichzahlkonter, den die Borussen wegen eines Abstimmungsfehlers verschenken. Nach Kagawas Ablage auf Kehl ist der linke Halbraum und der linke Flügel auf. Kehl will Immobile kurz anspielen, da dieser den optimalen Passwinkel auf Reus hätte. Immobile startet aber überhastet in die Spitze, da er wohl direkt durchbrechen will oder Raum schaffen. Nicht die einzige Szene, bei der es etliche gute Optionen gab.

Der Italiener war aber nicht der einzige Pol der Ungeduld. Besonders Hummels, der nach seinem verspäteten Saisonstart immer noch nicht seinen Spielrhythmus gefunden hat, agierte in vielen Szenen überambitioniert und versuchte, das Aufbauspiel im Alleingang nach vorne zu zwingen, ob mit verfrühten Vertikalpässen oder Vorstößen in isolierte Räume. Das erzeugte nicht nur Hektik im Mannschaftsgefüge, sondern führte auch zu einigen gefährlichen Ballverlusten. Hummels erreichte die niedrigste Passquote der Mannschaft nach Immobile und dem eingewechselten Ramos.

Danach folgen in dieser Statistik übrigens Weidenfeller und Mkhitaryan, der eins seiner schwächsten Spiele im BVB-Dress ablieferte und eine Reihe vielversprechender Szenen vergab. Ohne Spielpraxis war seine Entscheidungsfindung am Ball gleichzeitig lethargisch und zu vertikal; vermutlich auch eine Folge davon, dass die meisten Angriffe seine Räume nicht erreichten und er wegen der seltenen Einbindung dann zu viel wollte.

Dass der hektische Rhythmus auch ein Folge der psychologischen Situation war, ließ sich indes an den Bewegungen im Mittelfeld ablesen. Besonders Kehl und Kagawa waren in ihrer Positionierung häufig unsauber und übereilt. Es war nicht so, dass die Borussen völlig kopflos aufrückten und Räume verwaisen ließen, aber die Bewegung innerhalb der Räume und das Timing beim Fordern des Balles verursachten unnötigen Stress. Oft wurden eröffnende Pässe deshalb verfrüht in höhere Zonen gespielt und Köln dadurch Zugriff geschenkt, obwohl ein klareres Ausspielen der Situation gut möglich erschien.

In der Folge ließen sich die Borussen – trotz der Überladungen im Zentrum – oft zu eröffnenden Pässen auf den Flügel verleiten. Piszczek wurde oft in tiefen Räumen bedient und musste dann anspruchsvolle Aufbauaktionen gegen die gut verschiebenden Kölner einleiten, anstatt seine Stärken erst in Strafraumnähe einbringen zu dürfen.

Dortmunder Ballverluste, Kölns Umschalten

Diese vielen Problemchen führten dann auch immer mal wieder zu ungeschützten Ballverlusten in den Dortmunder Aufbauzonen. Auch die vielen Ballverluste im Angriffsdrittel führten trotz des guten Gegenpressings zu einigen guten Kontern. Die Kölner profitierten dabei von ihrer asymmetrischen Zentrumsstaffelung und schalteten vor allem auf der linken Seite gut um. So konnten sie sich in kurzen Kombinationen über Lehmann oder Halfar lösen und dann auf Risse oder Olkowski verlagern.

Die Dortmunder dominierten jedoch über ihre individuelle Überlegenheit und ein intensives Rückzugsverhalten die Konter in letzter Konsequenz meist. Die beiden Kölner Tore waren keine Konter im eigentlichen Sinne und abgesehen von diesen kam der FC nur zu drei weiteren Abschlüssen.

Allerdings führten die vielen Gegenstöße dazu, dass die Dortmunder viel Kraft in der Rückzugsbewegung verloren, was Klopp anschließend auch monierte und als Grund für fehlende Energie in der Endphase anführte. Tatsächlich wirkten die Borussen ungewöhnlich lethargisch in der letzten Viertelstunde, wo sie normalerweise eher zu viel als zu wenig investieren.

Die Defensive Inkonsequenz des Favoriten – keine unbekannte Größe

Entscheidend waren letztlich aber vor allem die Dortmunder Gegentore, die erneut kaum taktisch zu begründen sind. Beide waren die Folge von inkonsequentem, schlampigen Verhalten im Abwehrdrittel.

Das 1:0 fiel nach einem bereits gescheiterten Kölner Konter, bei dem die aufgerückten Hausherren aber noch mal gut ins Gegenpressing gegen die ungeordnete Dortmunder Hintermannschaft kamen. Das erzwang einen Befreiungsschlag von Weidenfeller, Kagawa verlor das Kopfballduell gegen Wimmer, Gündogan und Hummels kamen beim Kampf um den zweiten Ball jeweils einen Schritt zu spät gegen Vogt – so weit, so normal, auch wenn Dortmund beim langen Ball intensiver hätte nachrücken können. Das sowas direkt zu einer Riesenchance führte, lag aber an der schlechten Absicherung der Zweikampf. Bei Hummels Herausrücken wollte Sokratis sehr riskant auf Abseits spielen, anstatt die Lücke abzusichern – trotz Vogts Vorstoßdynamik. Großkreutz hingegen zog sich im gleichen Moment zurück, hob das Abseits dadurch auf, erkannte dann im genau falschen Moment, dass Sokratis auf Abseits spielte, wollte wieder aufrücken und kam dann nicht mehr hinterher.

Das zweite Tor entstand nach einer ähnlich chaotischen Situation im Anschluss an einen Kölner Einwurf in der eigenen Hälfte. Es ging ein bisschen hin und her mit diversen Zweikämpfen, Ballwechseln und Verlagerungen. Nach einem abgewehrten Flankenwechsel von Hector verschlief Hummels dann kurz das Aufrücken der Abwehrkette, Köln gewann den zweiten Ball, Sokratis brauchte einen Tick zu lang, um Hummels Stellungsfehler zu erkennen und sich zurückziehen. Zoller war plötzlich frei im Rücken der Kette, ohne im Abseits zu stehen. Ähnliches Ping-Pong wie beim ersten Gegentreffer also und ähnlich lasches, optimistisches Verhalten der Defensivspieler.

Eine krisenhafte Phase, in der Dortmund ähnlich willkürliche Gegentreffer bekam, gab es übrigens schon einmal: der Saisonstart nach dem ersten Meistertitel. Damals monierte Klopp die fehlende Geduld und Konsequenz und begründete diese Probleme mit der Erwartungshaltung:

„Und das ist, glaub ich, schon der Situation geschuldet, dass selbst ein 0:0 jetzt irgendwie kein Zwischenergebnis ist, das bei uns zu aktzeptieren ist, sondern “Warum nicht schon…?”. Das ist die Einschätzung von außen auf uns und intern ist es bestimmt auch ein bisschen so.„
(Klopp in der Doublesaison 2011 nach der 3:0-Niederlage in Marseille)

Angesichts der Häufung solcher Tore zur Zeit kann man wohl ähnliches vermuten. Das inkonsequente Aufrücken und Absichern in der Abwehr lässt sich so erklären, dass sich die Spieler in ihrer Favoritenrolle zu sicher sind, die Bälle erobern zu können, oder generell die gegnerische Offensivgefahr nicht ernst genug nehmen. Weidenfellers sehr optimistisches Rauskommen beim 2:1 deutet die gleiche Tendenz an, nach dem Motto: „Wir sind der BVB, es steht nur 1:1, wir brauchen jetzt sofort den Ball; wir sind hier die torgefährliche Mannschaft, nicht der Gegner.“

Schwaches 4-4-2 in der Endphase

Die Formationen in der Endphase.

Auf die fehlende Effektivität des ballbesitzintensiven Dortmunder Spiels reagierte Klopp dann mit einer Umstellung auf ein 4-4-2. Aubameyang kam für Mkhitaryan und ging neben Immobile – später Ramos – in die Spitze. Kagawa ging auf links, Reus auf rechts.

Das sollte wohl mehr Direktheit in die Angriffe bringen, verhinderte diese aber, weil den Borussen nun die Präsenz im Zentrum abging. Ramos übernahm später eine nach links ausweichende Rolle, um Bälle auf den einrückenden Kagawa abzulegen. Das war ein nettes Element, doch fand kaum Anbindung an die restliche Mannschaft. Die bereits angesprochenen Intensitätsmängel in der Endphase taten ihr übriges.

Stöger half seiner Mannschaft, den Vorsprung souverän über die Zeit zu bringen. Peszko kam für Svento auf den linken Flügel und konnte mit Tempovorstößen oft einigen Raum erobern. Matuschyk kam für Halfar, brachte Frische ins Zentrum und Vogt ging als Pressingspitze eine Reihe nach vorn. Dabei positionierte er sich im Gegensatz zu Halfar halbrechts. Da die Borussen nun vermehrt über ihre halblinke Seite anzugreifen versuchten, funktionierte das gut. Den Gästen gelangen in den 20 Minuten nach Kölns erneuter Führung nur noch zwei Abschlussversuche.

Fazit

Der BVB befindet sich in einem Schwebezustand zwischen Dominanz, Wille zur Dominanz und fehlender Kontrolle. In den Lücken dieser Faktoren werden blöde Tore kassiert, Angriffe zu früh abgeschlossen, schlecht ausgespielt oder zu hektisch angespielt. Neben den zu vermutetenden psychologischen und taktikpsychologischen Ursachen dafür kann man definitiv sagen, dass die gruppentaktische Abstimmung bei der Borussia zur Zeit nicht auf höchstem Niveau ist und die Dominanz nie so groß ist, wie sie nach dem Dortmunder Selbstverständnis sein sollte.

Die Partie gegen Köln deutete aber auch enormes Potential an. Die Bewegungen und Staffelungen waren in Ansätzen hervorragend und führten zu einigen sehr guten Momenten. Wenn die Mannschaft ihren Rhythmus findet und die Ansätze ruhiger durchspielt, dann wird es auch leichter fallen, die defensive Konsequenz wiederzufinden – weil diese dann seltener gefordert sein wird und man weniger „getrieben“ wäre. Zudem funktioniert das Pressing und das Konterspiel der Borussen einwandfrei: Obwohl sie wegen der Spielanteile selten zu sehen waren, führte sie sogar zu Immobiles Ausgleichstreffer. (Das ist natürlich wiederum kein gutes Zeichen für das Ballbesitzspiel.)

Die Kölner können ihrerseits nicht viel aus der Partie ableiten, was sie nicht schon wussten. Sie sind eine gute Pressing- und Kontermannschaft in jeder Beziehung. Gegen einen formstarken BVB hätte das wohl nicht gereicht, doch ist dies auch nicht der Anspruch. Wenn der Gegner aber Fehler macht, sind die Kölner in der Lage, diese zu bestrafen.

mth 22. Oktober 2014 um 19:48

ein grandioser artikel!! und auch der kommentarbereich, eine echte Bereicherung!

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buchling 22. Oktober 2014 um 15:04

Sehr schöne Analyse. Kurz gefasst: Dem BVB fehlt ein Außenstürmer. Reus und Micki ziehen ins Zentrum, und Immobile ist technisch zu schwach, um Lewandosky bei Flügelbewegungen zu ersetzen. Dass passt meine Beobachtung, dass Dortmund eher Erfolg hat, wenn Keven Großkreutz links- oder rechtsaußen agiert. Er hält nämlich in der Offensive die Außenbahn. Muss er hinten aushelfen, fehlt Dortmund die Breite vorne. Macht der Gegner dann taktisch geschickt das zentrale Mittelfeld zu wie Köln es tat, hilft dem BVB auch nicht die spielerische Überlegenheit.
Anders formuliert: Dortmund ist weiterhin eine starke Mannschaft, nur der Kader ist falsch zusammengestellt und derzeicht auch noch mental neben der Spur.

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gs 22. Oktober 2014 um 13:01

Sehr schöne Analyse, die Zusammenfassung bringt es wirklich super auf den Punkt.

Es mischen sich derzeit recht unglücklich beim BVB viele Faktoren: verletzte oder gerade erst wieder fit gewordene Spieler, die noch nach eigener Form und mannschaftlicher Abstimmung suchen, die Notwendigkeit, gegen viele zunehmend defensiv agierende Gegner auch mal als Variante ein dominantes Spiel zu entwickeln, und schlicht und einfach Pech beim Torabschluss.
Ich bin aber felsenfest überzeugt, dass es bald (hoffentlich schon heute abend) wieder den „richtigen“ BVB zu sehen geben wird.

Zum Thema Reus und Presse: klar spielen da viele Reporter wieder ihr Lieblingsspielchen – Zwietracht säen, um evtl. doch als erster von einem genervten Vereinsoberen eine Andeutung zu entlocken …
andererseits ist natürlich die schiere Tatsache, dass Reus so eine Ausstiegsklausel im Vertrag hat, ein klares Indiz, dass er sich die Option eines Wechsels offen halten wollte.
Und wenn Watzke dem zugestimmt hat (offensichtlich: ja), kann er sich letztlich nicht beschweren, falls diese Klausel gezogen würde.

Auch wenn es schwer fällt: man sollte sich davon verabschieden, dass es im millionenschweren Profigeschäft ewige Vereinstreue gibt (am ehesten noch beim FCB; wo sollten denn z.B. Lahm oder Müller auch hin, um sich „zu verbessern“) – die ja im übrigen auch im Amateurfussball selten vorkommt. Zumindest bei den wirklich guten Spielern, die mit Vorliebe zu Vereinen in höhere Spielklassen wechseln, um auszuprobieren, ob sie da auch mithalten können.

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Guergen 21. Oktober 2014 um 15:27

Sehr interessanter Artikel, allerdings könnte der Autor stilistisch noch einige Unschönheiten *hüstel* ausbessern. „Wunderbar“…“Hervorragend“…“Blitzsauber“ in einer Bildunterschrift? „Krasser“ ist zwar keine Katastrophe, schön ist es aber auch nicht.

„Entscheidend waren letztlich aber vor allem“: Letztlich aber vor allem??? Bist du in den Füllwörter-Kessel gefallen?

„Das war ein Grund dafür, dass Dortmunds Sechser sich manchmal beide…“ Ähem…. das kann man auch besser formulieren.

Das sollte vielleicht doch letztlich noch eine Person mit Sprachgefühl entscheidend lektorieren, sonst…

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Fabian 22. Oktober 2014 um 10:22

Geschmackssache. Mir gefällt der umgangssprachliche Stil.

Außerdem ist deine Kritik nicht nur ungefragt, sondern auch alt und schon hundertmal hier diskutiert worden. Vielen SV-Lesern ist es lieber schnell einen fundierten Artikel zu bekommen, als einen Tag länger zu warten bis der Herr Lektor Sprachgefühl ihn freigegeben hat.
Ich frage mich immer, was die Leute antreibt, die meinen online ungefragt anderen Leuten vorschreiben zu müssen, wie sie ihre Arbeit zu tun haben…

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HW 22. Oktober 2014 um 11:00

Ich frag mich immer, was die Leute antreibt, die auf eine deutliche aber nett gemeinte Kritik, als Beschützer auftrete und (ungefragt) für andere Leute den großen Bruder spielen.
Es geht schlussendlich nicht darum eine korrigierende Instanz einzufordern, sondern eine Rückmeldung zum Stil zu geben. Als Autor ist man auch mal dankbar dafür, weil man selber nicht unbedingt merkt, dass man hier und da verständlicher oder einfach kürzer formulieren könnte. Das kann dann weniger Verständnisfragen, langfristig schneller und genauer geschriebene Artikel usw. usf. zur Folge haben.
Und jeder Leser, der sich irgendwo seinen eigenen Schreibstil abschaut, wird auch dankbar sein nicht mit Füllwörtern, Phrasen usw. bombardiert zu werden.

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Fabian 23. Oktober 2014 um 15:44

Erstens ging es in Guergens Kommentar schlussendlich genau darum eine korrigierende Instanz zu fordern.

Zweitens ist es reine Mutmaßung, dass der Autor Kritik zu seinem Stil braucht oder hören will. Wenn, dann kann und sollte er sie sich von einer geeigneteren Stelle holen als von anonymen Usern (z.B. in der Tat von einem profesionellen Lektor).

Drittens verletzen die meisten Kommentare in diese Richtung gleich mehrere Richtlinien für gute und konstruktive Kritik (Ich-Botschaft; Sachbezogen; Lösungsvorschläge; nicht öffentlich; und einige mehr). Damit ist es für mich nur noch ein öffentliches Nörgeln oder schlimmstenfalls ein persönlicher Angriff und darauf reagiere ich nunmal allergisch.

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HW 23. Oktober 2014 um 17:27

Natürlich ist jeder Autor anders. Ich war bei meinen Artikeln meist froh über Rückmeldung. Ob ich sie annehme, bleibt mir überlassen. Trotzdem kann man MR die Gelegenheit als erster auf diese Kritik zu reagieren, ob diese nun berechtigt und entsprechend irgendeiner Etikette war oder nicht.

Vielleicht hat Guergen genörgelt, vielleicht hat er auch nur eine gut gemeinte Kritik scharf formuliert. Er reagiert vielleicht allergisch auf Füllwörter.
Ist für mich ne unnötige Diskussion.

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Guergen 24. Oktober 2014 um 05:08

Wenn zu einem Artikel Kommentare abgegeben werden können, dann sind wohl auch Kommentare zum Artikel erwünscht, somit auch zum Stil. Das ist zwar nur ein simpler logischer Schluss, aber manch ein Fabian mag mit so etwas schon überfordert sein. Die Unterstellung einen persönlichen Angriffs ist schon eine dreiste Unverschämtheit und verstößt gegen deine eigenen (und reichlich sinnlosen) Kritik-Richtlinien. Schon arg peinlich, sich selbst zum Hüter der Umgangsformen zu machen, aber so aufzutreten wie Fabian. Meine Kritik war sachlich, sogar mit einer Reihe von Beispielen belegt. Allergisch reagiere ich z.B. auf Idiotie, wie die von dir hier öffentlich vorgeführte.

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Tom 24. Oktober 2014 um 10:08

Natürlich hat HW Recht, wenn er sagt, dass die Diskussion unnötig ist. Dennoch verspüren wir doch alle hin und wieder das Verlangen, uns einzubringen und sei es nur, um Sympathie oder Antipathie auszudrücken. Wir wollen uns platzieren, das ist ein menschliches Bedürfnis und hin und wieder übrigens auch ein wichtiges Korrektiv. Ich mache das hiermit, indem ich sage: Guergen, ich glaube, dass du ein ganz unangenehmer Zeitgenosse sein kannst. Uff, jetzt geht es mir besser.

AS 24. Oktober 2014 um 10:31

Hier noch mein ungefragter Kommentar zum Kommentar von Guergen:
„Das sollte vielleicht doch letztlich noch eine Person mit Sprachgefühl entscheidend lektorieren, sonst…“

Wer im Füllwörterkessel sitzt, sollte nicht mit Wörtern schmeißen 😉

Ansonsten: What Tom said

Ein Zuschauer 24. Oktober 2014 um 10:41

Mit Sicherheit war Fabians Antwort auf deine Stilkritik etwas übertrieben, aber das trifft auf dein letztes Posting ja noch mehr zu. Irgendwie auch witzig, dass HW es kritisiert wenn jemand sich als „Beschützer“ aufspielt um dann genau das Gleiche zu machen. Die Kritikrichtlinien von Fabian sind absolut sinnvoll und er hat sie tatsächlich nicht überschritten, denn er hatte ja in der Tat gar nicht vor konstruktive Kritik zu äußern, sondern war tatsächlich einfach nur genervt von deiner Anfrage. Also hat er tatsächlich nach seiner eigenen Definition genörgelt, wird sich deswegen aber auch nicht entlarvt vorkommen, weil er nie vorgetäuscht hat dass er dir helfen möchte deine Kommentare zu verbessern.
Die Art und Weise wie bei SV die Umgangssprache in die Texte eingebunden ist, finde ich tatsächlich sogar ein stilistisches positives Merkmal. Es ist auch sehr angemessen, da wir es hier schlussendlich mit einem Blog zu tun haben auf dem Menschen ihre Leidenschaft mit anderen teilen, das Umgangssprachliche gehört hier meiner Meinung nach zum Charme des Formats. Das „bist du in den Füllwörterkessel gefallen“ kommt übrigens tatsächlich wie ein persönlicher Angriff rüber, da es einfach keinerlei andere Funktion erfüllt. Dazu kommen noch der allgemein recht herablassende Stil (sinnlose rhetorische Fragen, viele Fragezeichen etc.) und der Vorwurf des fehlenden Sprachgefühls, dabei wäre es ja durchaus denkbar, dass die vielen Stilblüten auch von der enormen Eile herrühren in der die Spielverlagerungstexte entstehen. Im Übrigen hat man beim Lesen deines Kommentars das Gefühl die Spielverlagerungs-Texte wären unterstes sprachliches Niveau, was ich ebenfalls für Schwachsinn halte. Die Texte sind meist sehr präzise und bedenkt die teilweise enorme Komplexität mit der die Autoren Sachverhalte beschreiben, die auf diese Art und Weise nur selten betrachtet werden, auch sehr einfach und verständlich zu lesen. Es gibt in den meisten Artikeln einen Sprachfluss (was wohl das Wichtigste an journalistischen bzw. halbjournalistischen Texten sein dürfte) und einen großen Wortreichtum.
Ich muss auch sagen, dass ich mich persönlich absolut nicht in der Situation sehe, von den Jungs bei Spielverlagerung etwas einzufordern. Ich bezahle sie schließlich nicht und der Output den sie bringen übersteigt in ihrem Themenbereiche die inhaltliche Qualität aller vergleichbaren deutschen Formate. (da ich von ZM inzwischen stark enttäuscht bin, würde ich das sogar international sehen) So ein unschöner, polemischer Kommentar erregt da verständlicherweise Ärgernis unter der Leserschar.

Fabian 24. Oktober 2014 um 11:41

Wie du an dieser Diskussion siehst, führt unerwünschte Kritik, die dazu auch noch schlecht formuliert ist (so wie meine „Kritik“ an deiner Kritik) selten zu einer Besserung beim Gegenüber, sondern nur zu einer defensiven Trotzhaltung.
Die Regeln zu konstruktiver Kritik habe also durchaus ihren Sinn und sind ja auch nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern anerkannt in weiten Teilen der Wirtschaftswelt.
Ich gebe zu, dass ich selber an diesem Ideal gescheitert bin und Mitschuld an einer unnötigen Diskussion habe. Aber eigentlich war meine Intention mehr in die von Tom beschriebene Richtung. Vielleicht sollte ich aber erwägen das nächste Mal in so einem Fall lieber in die Schreibtischkante zu beißen, das könnte produktiver sein…
Nun habe ich mir dann endlich genug Luft gemacht und sehe meinerseits diese leidige Diskussion als beendet an, womit ich auch darauf verzichte auf deine Beleidigungen zu antworten. Ich überlasse dir gerne nochmal das letzte Wort, damit auch dein Bedürfnis nach „Sich-Luft-Verschaffen“ nicht zu kurz kommt und deine arme Schreibtischkante nicht unter mir leiden muss…

Guergen 25. Oktober 2014 um 00:17

Ich bestreite keineswegs die inhaltliche Qualität der SV-Texte, ich schätze sie sogar sehr. Um diese Diskussion aufzudröseln:

1. Mein Schreibtisch – in diesem Falle wohl eher – das Sofa – ist mir viel zu wertvoll, um hinein zu beißen.

2. Ich denke nicht, dass eine Diskussion über den Schreibstil „überflüssig“ ist, sondern hilfreich sein kann. Dass ich diese Fragestellung hier etwas polemisch angegangen bin tut mir leid. Ich habe das Spiel nicht gesehen, ich bewundere die rein inhaltliche Qualität des Artikels, da ich sachlich nichts einwenden kann, kritisiere ich die Form, die nun einmal Probleme aufweist.

3. Die Regeln für „konstruktive Kritik“ sind mir mehr als geläufig, was dazu geführt hat, dass ich sie verachte. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass derartige „Regeln“ meist dazu führen, auf „notwendige“ Kritik zu verzichten, um stattdessen in allgemeiner Kritikmethodik sich zu ergehen. Diese Diskussion ist das beste Beispiel dafür.

4. Gegen Umgangssprache habe ich wenig einzuwenden, gegen überkandidelte Füllwörter und Adjektivexplosionen dagegen recht viel. Wenn der gute RM in immer wieder das Wort „lässig“ bemüht, dann finde ich das vielleicht unschön, aber kann damit leben. Ein Satzteil wie „Entscheidend waren letztlich aber vor allem” bleibt trotzdem suboptimal.

Um noch auf die Kommentare einzugehen:

@ Ein Zuschauer: Hast in vielen Punkten recht. Ist „tatsächlich“ dein Lieblingswort? Kommt in erschreckend hoher Frequenz in Deinem Kommentar vor.

@ AS: Ich schmeiße dort (ironisch) mit Wörtern. Anders ausgedrückt: Der von Dir kritisierte Satz ist eine Konsequenz aus dem Artikel, er soll eben dir Probleme augenzwinkernd vorführen.

@ Fabian: Ich behaupte noch immer, dass Sprach- und Stilkritik nicht unerwünscht ist, sondern wertvoller als ein gewisser Anteil der übrigen Kommentare (ca. 60-80% bei Länderspielen, etwa 30-50% bei Bayernspielen, verschwindend geringer Anteil bei anderen Spielen)

CE 22. Oktober 2014 um 10:35

„Das sollte vielleicht doch letztlich noch eine Person mit Sprachgefühl entscheidend lektorieren, sonst…“

Sonst?

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Koom 22. Oktober 2014 um 11:02

https://www.youtube.com/watch?v=eSVugxXzAP4#t=2m25s
…oder sonst!

Spaß beiseite: Eure Sprache in den Artikeln ist vollkommen i.O. Manchmal etwas zu fachsimpelnd, manchmal zu flapsig, aber diese Mischung finde ich ganz cool. Will ja keine Steuererklärung lesen, sondern informiert und unterhalten werden! 🙂

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Guergen 22. Oktober 2014 um 14:23

Sonst? Sonst ist und bleibt der Artikel stilistisch ziemlich mies. Mit Jens Keller hat Schalke auch gewonnen…. aber wie?

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Ein Zuschauer 24. Oktober 2014 um 10:07

Das Problem bei Jens Keller war ja tatsächlich der Inhalt der Trainerarbeit. Ob er die jetzt stilistisch schön vermittelt können wir gar nicht wissen. Überträgt man das auf die Spielweise, so wird man feststellen, dass es einen Unterschied zwischen gutem und stilistisch schönem Fußball gibt. Auch Heynckes wurde hierauf Spielverlagerung stilistisch kritisiert, die Qualität seines Fußballs war aber unbestritten sehr hoch.

Dagegen liefert Spielverlagerung durchaus hohe Qualität ab.

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daniellowitsch 21. Oktober 2014 um 15:00

Vielen Dank für den schönen Artikel!
Denkt ihr eigentlich, dass J.Klopp die Dinge ähnlich sieht wie ihr, also auch die vielen positiven Aspekte anerkennt? In seiner Analyse lag der Fokus ja vor allem auf den vielen Fehlern (und er „übersah“ die psychologische Komponente eventuell..)
Die Frage ist ja auch, ob eher eine spielstarke Mannschaft das Ziel ist (oder doch lieber eher Bollwerk & Gegenpressingmonster)?

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daniellowitsch 21. Oktober 2014 um 15:02

übersehen im Sinne von, dass er etwas erzwingen will, was in der Psyche tief drin steckt und er Zuspruch und Zeit geben vielleicht besser ginge. Allerdings kann ich mir auch gut vorstellen, dass er genau die Dinge im täglichen Gespräch angeht, die Spieler aufbaut und kein fehlerfreies Spiel mit Gewalt erzwingen will

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HW 21. Oktober 2014 um 15:21

Was Klopp und sein Team alles sieht, können wir nicht wissen. Ich vermute er sieht alles. Welchen Blickwinkel er dann einnimmt ist die Frage (gestützt auf Statistiken oder wie?).
Was er dann nach außen trägt, ist eine andere Sache. Manche Trainer kalkulieren das sehr stark um über die Öffentlichkeit noch eine zusätzliche Wirkung zu erzeugen. Ob Klopp das auch macht weiß ich nicht.

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Sergio Ramos Stürmer 21. Oktober 2014 um 12:09

Gut zu sehen, dass der BVB dicht dran ist, seine Stärken auch in Ergebnisse umzusetzen.

Dennoch macht mir der psychische Zustand die meisten Sorgen – denn die fahrigen Schwächen hat der BVB bislang nur in der Bundesliga gezeigt, nicht im Pokal und nicht in der Champions League. Das zeigt m.E. auch ein bisschen ein Problem mit der Einstellung. Klopp hat ja oft genug betont, dass es nicht auf die Aufstellung, sondern auf die Einstellung ankommt. Daher hilft es m.E. nichts, darauf zu verweisen, dass die großen Namen jetzt wieder dabei sind. Solange die Einstellung stimmte, haben auch die 20-jährigen Hummels und Subotic verteidigt wie die Weltmeister. Das gilt es wieder zu finden. Denn dass es geht, zeigen die Jungs ja in der Champions League.

Solange das Problem also nur in der Liga auftritt, muss man die Einstellung kritisieren, d.h. es sind dann weniger taktische Aspekte, sondern dafür ist dann auch wieder der Motivator gefragt. Der Gewinn der WM war insofern anscheinend echt kontraproduktiv für die meisten beteiligten Spieler. Nur wenige schöpfen daraus Kraft, im Moment scheint es eher eine Belastung zu sein.

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HW 21. Oktober 2014 um 13:04

Mir ist das zu viel Westentaschenpsychologie. Weil die Spiele in der Champions League gewonnen wurden, soll es ein Problem der Einstellung in der Bundesliga geben? Dieser Schluss ist überstürzt und es wurde auch schon gesagt, dass beide Gegner in der Champions League den Dortmundern (auch taktisch) in die Karten gespielt haben.
Motivation ist schön und gut. Natürlich braucht man die. Aber wenn es um individuelle Fehler geht (falsches Rauslaufen, missglückte Befreiungsschläge, schlechtes Stellungsspiel usw.), dann helfen Motivationsreden wenig. Zunächst muss das Trainerteam feststellen warum diese Fehler passiert sind.
Sicher muss Klopp motivieren, aber er kann nicht blind irgendwelche Reden schwingen oder Maßnahmen ergreifen. Das sind keine dummen Spieler. Und die Spieler unterschätzen auch nicht die Gegner in der Liga (im Vergleich zum Pokal?). Die Maßnahmen müssen das Ziel haben bestimmte Schwächen abzubauen. Wenn ein Spieler z. B. erkennt, dass er im Training das Stellungsspiel hin bekommt, dann wird ihn das auch mental aufbauen. Vielleicht ist das ein oder andere ernste Wort von Klopp auch nötig, aber eine Problemlösungsstrategie, die nur psychologische Aspekte betrifft, ist falsch.
Auch die WM darf nicht länger als Entschuldigung dienen. Natürlich wird sie auch eine Ursache sein (aber nicht bei allen Spielern), nur muss man nach vorne schauen anstatt zurück.

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Sergio Ramos Stürmer 21. Oktober 2014 um 13:36

Wir werden sicher morgen abend wieder den „echten“ BVB in der Champions League sehen, und ich bleibe dabei, dass es da an dem bisschen mehr Einstellung liegt. Westentaschenpsychologie hin oder her, manchmal sind die Dinge so einfach.

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HW 21. Oktober 2014 um 13:55

Egal wie das Spiel morgen ausgeht, es wird kein Beweis dafür sein, dass in der Bundesliga die Einstellung die Ursache für schlechte Ergebnisse ist.
Den „echten“ BVB haben wir in der Bundesliga und in der Champions League gesehen, da treten ja nicht zwei verschiedene Vereine an.

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Sergio Ramos Stürmer 21. Oktober 2014 um 15:29

Was ist eigentlich dein Punkt? Dass Du anderer Meinung bist als ich, hast Du zum Ausdruck gebracht, und das ist Dein gutes Recht. Aber ich habe nicht verstanden, wo Du das Problem statt dessen siehst. Hilf mir, den Weg zur Wahrheit zu finden.

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Ein Zuschauer 21. Oktober 2014 um 15:39

Mir erscheint Dortmund mit dieser Ungeduld und diesen teilweise sehr vertikalen Laufwegen manchmal sogar eher übermotiviert. Was in der Bundesliga momentan eher fehlt ist die Ruhe und nicht die Motivation. Zur CL passt das im Moment auch einfach beser. Und sowohl Arsenal als auch Anderlecht waren auch einfach richtig scheiße auf den BV eingestellt. Bei beiden war da außerdem auch einfach das Abschlusspech vorhanden, während einige Gegner in der Bl ja auch einfach jeden Schuss unhaltbar reingemacht haben – ein Aspekt auf den Dortmund (insbesondere die Dortmunder Einstellung) ja überhaupt gar keinen Einfluss hat.

HW 21. Oktober 2014 um 15:54

Woher soll ich wissen was die Gründe der Probleme beim BVB sind? Ich bin nicht beim Training oder bei Mannschafts- und Einzelgesprächen. Die spielerischen Probleme sind im Artikel gut erläutert. Über alles andere kann ich nur spekulieren. Eine mangelhafte Einstellung ist mir aber nicht aufgefallen und kann mMn auch nicht an Ergebnissen gemessen werden. Vielleicht deuten die Lauf- und Sprintstatistiken das an. Ich habe aber vor allem einfach schlechte Entscheidungen von Spielern gesehen. Und ich bezweifelt, dass Spieler schlechte Entscheidungen in dem einen Wettbewerb treffen und in den anderen nicht. Sie wurden im Pokal und der CL einfach nicht bestraft, bzw. man hatte nen guten Tag gegen schwache Gegner. Es spricht für mich eher für eine Verunsicherung einzelner Spieler (kein Wunder nach den vielen Niederlagen), für eine mangelnde Spielfitness (nach den langen Verletzungen), und nicht für eine schlechte Einstellung.

AS 21. Oktober 2014 um 15:46

Ist ein Spieler (Team) bei einer Weltmeisterschaft konzentrierter/motivierter als bei einem x-beliebigen Bundesligaspiel? Mit Sicherheit. Freut man sich als Spieler mehr darauf in der CL gegen Arsenal zu spielen, als gegen Freiburg (nichts gegen Freiburg btw)? Kann ich mir gut vorstellen. Kann man daraus den Umkehrschluss ziehen, dass man in der Bundesliga nicht die richtige Einstellung hat. Nö.

Das wir im nächsten CL Spiel wieder den „echten“ BVB sehen werden, bezweifle ich übrigens nicht im Geringsten. Ursache dürfte hierfür (welch Ironie), die positiven Ansätze des letzten Bundesligaspiels sein.

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HW 21. Oktober 2014 um 15:56

Das gleiche Argument kann man bzgl. der Nervosität machen.

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AS 21. Oktober 2014 um 19:04

Sicherlich. Aber beim BVB? Nur sehr bedingt.

HW 21. Oktober 2014 um 19:11

Andersherum gefragt: Warum sollten die Spieler des BVB nicht motiviert sein die unteren Tabellenregionen zu verlassen?

Natürlich ist die Motivation bei einer WM eine andere, aber auch die Aufregung. Das hängt schlussendlich vom Charakter des einzelnen Spielers ab.

Tom 21. Oktober 2014 um 14:24

auch ich habe Probleme, das alles auf mangelnde Einstellung zurückzuführen. Vor allem, weil ich das Wort „Einstellung“ gar nicht so genau definieren kann. Der BvB will, das ist sicher. Wahrscheinlich stimmrt ein bisschen von allem. Verletzungspech, daraus folgt mangelnde (fast nicht existierende) Kreativität (das war gegen Köln aber schon viel besser), Unkonzentriertheit, große Ungeduld im Spiel, und ob Immobile da vorne der Richtige ist, bin ich mir nicht so sicher,
Noch gar nicht erwähnt wurden aber auch die magischen Worte „Glück“ und „Pech“. Der BvB hatte großes Pech. Selbst mit all diesen Schwächen hätte der BvB kein einziges Spiel verlieren müssen. Wenn alles normal gelaufen wäre, hätte der BvB jetzt 4-5 Punkte mehr auf dem Konto, dann würde man sagen, das war nicht gut, aber die ersten 4 Plätze sind quasi zum Greifen. Man will nicht glauben, wieviel Glück und Pech im Fußball (und im Leben überhaupt) ausmachen, zumindest bei einer kurzfristigen Betrachtungsweise. Hoffen wir (zumindest ich), dass sie nicht wirklich in eine Krise hineinschlittern. Das geht manchmal schneller als man denkt.

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HW 21. Oktober 2014 um 15:40

Nun kommt neben der Einstellung noch Pech dazu. Das sind zwei Argumente mit denen sich m. E. ganz schlecht argumentieren lässt.

Zur Einstellung habe ich schon was geschrieben. Klar kann die ein Problem sein, aber es muss erstmal nachgewiesen werden. Und mit der Aufforderung, sich mehr anzustrengen, ist selten die Einstellung verbessert worden. Also muss man dann Wege finden die Psyche gekoppelt mit Inhalten (taktische oder athletische) zu beeinflussen.

Glück und Pech

Natürlich gibt es Glück und Pech, oder etwas neutraler: Zufall. Aber wenn man ein paar Spiele am Stück nur Pech hat, dann ist das meist eine Folge anderer Probleme. Fehlt es an Konzentration oder an Fittness? Ist die Entscheidungsfindung des einzelnen falsch oder die taktische Anweisung an diesen Spieler? Ist die Taktik vielleicht so gewählt, dass Spieler immer wieder in brenzlige Situationen geraten, bzw. dass der Gegner gewisse Umstände systematisch ausnutzen kann?
Auf einer Bayern PK wurde Müller oder Schweinsteiger mal gefragt, was mit Bayerndusel gemeint sei. Die Antwort war: „Harte Arbeit!“
Natürlich spielen Glück und Pech eine Rolle. Aber diese Situationen zu den eigenen Gunsten nutzen zu können hängt davon ab wie bereit man ist: Vorbereitung und geistige Frische.

Wer also sagt, Dortmund habe unglaubliches Pech gehabt, der muss einfach nur untersuchen wie oft Dortmund diese unglücklichen Situationen durch schlechte Entscheidungen oder falsches Timing selber verursacht hat.

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Tom 22. Oktober 2014 um 09:29

Bayerndusel ist nicht „harte Arbeit“. Bayerndusel gibt es nicht. Die Bayern haben (langfristig gesehen) nicht mehr Dusel als alle anderen Mannschaften.
„Glück“ und „Pech“ haben auch nichts mit harter Arbeit zu tun. „Glück“ und „Pech“ ist ganz einfach „Glück“ und „Pech“. Glück und Pech zeichnen sich eben gerade dadurch aus, dass sie überall anzutreffen und nicht beeinflussbar sind. Wir können Glück und Pech nicht zu den eigenen Gunsten nutzen, wir können sie durch Arbeit unwahrscheinlicher werden lassen, ausschalten aber können wir sie nie.

Hier werden alle möglichen Gründe aufgeführt, warum irgendwer 1 Tor zu wenig schiesst bzw. 1 zu viel kassiert (und schon haben wir aus einem 2:1 ein 1:2). Warum ist es verpönt, u.a. auch mit Glück und Pech zu argumentieren? Weil man dann Probleme hat, weiter zu argumentieren? Man muss sich damit abfinden, dass nicht alles erklärbar ist. Wieso scheint das im Fußball denn so schwer zu sein? Für eine wirklich seriöse Analyse muss der Anteil von Glück und Pech sogar explizit erwähnt und ermittelt werden. Die Suche nach anderen Faktoren bekommt erst dadurch richtig Sinn.

(Ich sagte übrigens nicht, dass der BvB nur Pech hatte und von Einstellung habe ich auch nicht geschrieben.)

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HW 22. Oktober 2014 um 11:13

Ich wollte nur sagen, das eine gute Vorbereitung oder eine gute Reaktion oft mit Glück verwechselt wird.

Natürlich hat Bayern nicht mehr Glück als andere Vereine. Aber sie haben das Image, zumindest in Deutschland. Dieses Image verdanken sie vor allem den Situationen in denen sie nicht aufgegeben haben. Das ist dann sowas wie harte Arbeit. Aber das war auch nur ein Zitat.

Das Problem mit der Glück/Pech-Argumentation ist, dass sie oft die einfachste aber nicht die richtige Erklärung ist. Man kann beispielsweise sagen: Das war halt Pech als der Torwart beim Rauslaufen den Ball verpasst. Aber dem ist nicht so. Natürlich passiert dieser Fehler mal. Aber es ist oft eher ein Fehler im Timing oder in der Bewertung der Situation und daher kein Pech sondern ein Fehler eines Spielers.
Ich sage nicht, dass es kein Pech gibt. Ich finde es nur schade wenn es zu schnell, ungeprüft als Erklärung dient. (Wobei ich diese einfache Erklärung von Spielern direkt nach dem Spiel nicht schlimm finde. Nur als fachliches Analyseergebnis macht es mich immer stutzig.)

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Lena 23. Oktober 2014 um 08:18

Dann benutze statt Einstellung vielleicht Aktiviertheit. Wenig aktiviert = immer ein Schritt zu langsam, zu aktiviert = hektisch, überhastet, verkrampft. Beides taugt nicht für Hochgeschwindigkeitsfußball. Klopp aktiviert immer recht stark. Da ist die Gefahr gegeben, es für die jetzige Situation zu übertreiben.

Beim BVB fehlt es nur im Sturm an Können. Das Mittelfeld ist extrem tauglich. Nur: Der Platz in der Tabelle ist halt wie er ist, der Fußballer würde sagen „kommt noch das Pech dazu“, aber liegt eher in der psychologischen Situation. Die Wahrnehmung ändert sich mit dem Druck. Ein, zwei unglückliche Situationen verdichten sich und lassen die Spieler verkrampfen. Sozusagen ein negativer Persistenz-Effekt zwischen Anspruch und Ergebnis.

Wichtig ist das nächste BuLi Spiel, da muss ein „befreiendes“ Ergebnis her, sonst wird es bald psychotisch für den BVB und Klopp muss aufpassen, seinen guten Ruf und den Job nicht zu verlieren. Weil das geht schnell.

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HW 23. Oktober 2014 um 09:18

Hab erstmal nach geschaut ob ich das Wort Aktiviertheit im Duden finde.

Klopp ist gestern vor dem Spiel gegen Istanbul auf das Thema Motivation eingegangen. Er meinte, er habe das Image zu 90% aus Motivation zu bestehen. Leider habe er aber auch noch ein Gehirn.
Die Mannschaft hatte in der Liga Probleme mit der Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen. Es geht nicht einfach darum motiviert zu sein, sondern auch das richtige zu tun.

Auch wenn Dortmund überzeugend gewonnen hat, dieses CL Spiel spielte, ähnlich wie die beiden davor, dem BVB in die Karten. Der Gegner wollte nach vorne spielen und hat schlecht verteidigt. Klopp weiß auch, dass die Arbeit noch nicht beendet ist.

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Koom 23. Oktober 2014 um 10:18

Ja, man kann von diesem Spiel nur wenig Rückschlüsse auf das nächste Bundesliga-Spiel ziehen, wie man generell nur wenig von einem Spiel auf ein anderes schließen kann. Galatasaray hat offensiv gespielt, das war die größte Änderung zum Spiel gegen Köln bspw.

Als nächstes geht es zuhause gegen Hannover. Die ihrerseits kriseln, also selbst tief stehen werden. Vergleichbar mit Köln. So, wie ich Klopp kenne, wird er aber insgesamt wenig zu diesem Spiel ändern. Also 2 defensive 6er, Sokratis hinten links und vorne Aubameyang. Und die Vorgabe, Ruhe zu bewahren. Aubameyang vorne macht auch mehr Sinn als Immobile oder Ramos, weil er weniger fordernd agiert und mit seiner extremen Schnelligkeit eine wichtige Stärke einbringt. Und er ist bereits ein Jahr da und kennt die Abläufe insgesamt besser als die anderen beiden – ein wichtiger Faktor.

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HK 23. Oktober 2014 um 10:46

Die größte Änderung war, dass Klopp endlich taktisch angemessen reagiert hat. Zum erstenmal seit Monaten hatte ich den Eindruck er bringt wirklich einen grundlegend neuen Gedanken ins Spiel. Nämlich ganz primitiv „safety first“.
Schon die Aufstellung brachte das ja deutlich zum Ausdruck, dass der Fokus den Umständen angemessen, auf der Defensive liegt. Das wirkt zum einen durch die individuellen Kompetenzen der Spieler, wie auch durch dieses Signal an die Mannschaft. Der stärkste und unmittelbarste Akzent den ein Trainer setzen kann ist nun mal der personelle.
Dann wurde dieser Ansatz auch taktisch konsequent ausgespielt. Ich würde so sagen, der BVB hat dieses Mal die Räume nicht physisch besetzt sondern taktisch beherrscht.
Dass Gala dann dem ganzen in die Karten spielt (wie alle CL-Gegner) und sich den Ballbesitz aufhängen lässt, ist dann der Bonus und führt zu einem 0:4. Ansonsten hätte es wahrscheinlich ein leicht dreckiges 0:1, 0:2 geben können. Aber will man Prandelli das vorwerfen. Die BL-Trainer haben ja zwei oder drei Jahre gebraucht um manches zu realisieren.

Da nichts erfolgreicher ist als der Erfolg würde ich den ganzen Aufbau auch so gegen Hannover beibehalten. Das könnte dann ggf. kein schönes Spiel werden, wird aber mit hoher Sicherheit zum Erfolg führen. Hannover ist nie die Mannschaft um 90 Minuten sicher in der Defensive zu stehen. Da wird sich in irgendeinem Moment die individuelle Klasse von Dortmund offensiv durchsetzen.

HW 23. Oktober 2014 um 11:09

Es kann schon sein, dass sich Klopp gegen Köln ein wenig verzockt hat in dem er zu viele kreative und gerade erst genesene Spieler aufstellte. Gündogan, Reus und Co. brauchen zwar Spielpraxis, aber gegen Köln was das ganze Team wohl zu offensiv aufgestellt.

Gegen Istanbul dagegen hatte er auf der Doppelsechs ganz andere Typen. Natürlich war es auch eine andere Aufgabe. Gestern ging es um Balleroberungen und Umschaltmomente. Klopp hat genau den richtigen Plan gewählt und dafür vorne schnelle Spieler gebracht. Kagawa und Mkhitarjan können im Konter gut Bälle verteilen, Reus und Aubameyang sind blitzschnell. Da brauch es keinen tiefen Spielmacher, der gegen eine massive Abwehr den Strafraumstürmer bedienen muss. Man brauch auch nicht so sehr die offensiven Außenverteidiger, weil die Angriffe eh zu schnell vorgetragen werden.
Gegen Köln war es nicht grundsätzlich falsch mit mehr Kreativität agieren zu wollen, aber die Ausrichtung hat es vielleicht einen Tick übertrieben.

HW 23. Oktober 2014 um 11:17

@HK
Ist halt auch schwierig für einen nationalen Spitzenclub in Europa auf einmal den Stil zu ändern. Das können nicht alle Teams. Wenn man dann auch noch ein gutes Ergebnis braucht und zu Hause spielt, lässt man sich leicht zu einer sehr aktiven Spielweise verleiten. Wäre auch nicht so falsch, wenn man wenigstens ein wenig Leistung in der Defensive zeigen würde.

Das ist nicht nur das Problem von Gala, sondern auch von Arsenal. Die erwarten, diese Gruppe zusammen mit dem BVB zu dominieren und sehen sich auf Augenhöhe mit Dortmund. Leider haben sie vergessen, dass der BVB genau da seine Stärken hat wo Arsenal schwächelt. Mourinho hätte sich in Dortmund wohl ein Unentschieden ermauert (bzw. sehr kompakt gespielt) um dann in London die Option auf den Gruppensieg zu haben. Wenger fehlt dieser strategische Ansatz.

HK 23. Oktober 2014 um 12:14

@HW
Schwierig, ohne Zweifel. Mourinho ist ein gutes Beispiel was in der Hinsicht möglich ist.
Wenn ich auch mit der Person (zumindest der öffentlichen Person) nichts anfangen kann, muss ich ihn doch für seine Konsequenz, ja Radikalität bewundern mit der er seine Vorstellungen durchsetzt. Gerade weil das ja wahrlich nicht immer leicht ist.

Nicht umsonst ist da wo er ist der Erfolg. Seine Kritik an Wenger ist einerseits natürlich Taktik, aber andrerseits auch begründet. Das was Wenger seit Jahren aus dem Potential von Arsenal herausholt finde ich auch eher bescheiden. Da passt es ganz gut, dass er seine Mannschaft eben auch in Dortmund zur Schlachtbank führt.

Um den Bogen zu Dortmund und Klopp zu kriegen. Für mich war Klopp seit einiger Zeit auf dem Wenger-Weg. D.h. man zieht seinen Stiefel durch, weil es so schön, so erfolgreich, so was auch immer war und merkt nicht dass sich die Welt mittlerweile geändert hat.

In diesem Sinne habe ich die Spielstrategie gestern tatsächlich als ein neues, belebendes Element empfunden. Das hatte für mich so etwas wie Begegnung mit der Realität an sich, so etwas ja vielleicht Mourinho-haftes.

Vielleicht etwas überinterpretiert, aber man wird sehen.

Lena 24. Oktober 2014 um 19:49

Naja, Motivation ist eine Einflussgröße für die Aktiviertheit. Und ja, Klopp macht (früher mehr) gern den extrovertierten Mitgeher an der Seitenlinie. Da geht viel über vorgelebte Leidenschaft, Schmerzgrenzeverschieber, coole und intelligente Eigenverkaufe abgewechselt mit bräsigen Auswürfen in Interviews bei minderbemittelt empfundenen Fragestellern uswusf. Denke da nur an den Ausgleich gegen Köln, war ja fast wie ein Titelgewinn von Klopp bejubelt (ja, ich übertreibe) und dann die (letzte) Frage nach Reus. Und das hat halt eine manchmal eher verkrampfende Wirkung, wenn es wieder Rückschläge gibt, da kann ein Trainer auf einmal im Team hohl wirken, wenn es in Serie nicht läuft. Der Platz in der Tabelle ist ja für die Borussen eine Katastrophe und niemand will noch eine Niederlage oder ein Unentschieden und dann die News lesen müssen.

Von daher wäre es dem BVB und Klopp wirklich zu wünschen, dass es gegen Hannover überzeugend klappt, denn dann wird alles auf einmal leichter und ruckzuck konkurrieren sie wieder um Platz 2 mit.

Und braucht man sich nichts vormachen, in vielen anderen Vereinen wäre der Trainer Stuhl schwer am wackeln. Fehlt nicht mehr viel und die Stimmung wird ungemütlich, auch wenn das jetzt komischerweise noch schwer vorstellbar scheint.

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HW 24. Oktober 2014 um 21:04

Ich finde es bei der Beschreibung von Charakteren immer interessant, wenn die Beschreibung so klingt als wenn die Außenwirkung der Person von der Person ständig bewusst so gesteuert wird. Ist Klopp dieser Charakter oder gibt Klopp diesen Charakter? Ich glaube nicht, dass jemand dauerhaft eine Rolle spielt. Und wenn dem so wäre, wie würde sich dann die Rolle von der Person unterscheiden?

Dass bei anderen Vereinen der Trainerstuhl wackeln würde, liegt wohl vor allem daran, dass kein anderer Verein einen Trainer hat, der das Team neu aufbaute und zu zwei Meisterschaften führte. Es gibt also keine vergleichbare Situation. Auch die Bayern kann man nicht als Maßstab nehmen. Es gibt einfach ab und an Clubs, die, statt den Trainer freizustellen, dden Trainer an Lösungen arbeiten lassen (Werder Bremen hat mit Schaaf das gleiche gemacht, aber unter anderen Voraussetzungen). Ab und an liest man auch mal eine Statistik, die besagt Trainerwechsel in der Saison garantieren keine bessere Punkteausbeute. Wenn man die Probleme, nach Analyse, nicht beim Trainer identifiziert, warum dann ein weiteres Problem schaffen?


AP 21. Oktober 2014 um 11:21

BVB wo sind eure Köpfe?
Da wir alle wissen, dass BVB den besten (Psychologen) Trainer hat, um dieses „Problem“ zu meistern, freuen wir uns bereits auf die Phase, die MR so schön angedeutet hat…
Das beste Mittelfeld ever nimmt die Bundesliga auseinander…

Da Bayern mit Ihrer Dominanz bald wieder alle langweilen wird, kommt der BVB wie gerufen.

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Koom 21. Oktober 2014 um 10:08

Sehr guter Artikel. Das Spiel gegen Köln war wohl ideal, um die Probleme aufzuführen: Fehlende Eingespieltheit, Form und dadurch eine seltsame Balance und Hektik. Ich würde sogar so weit gehen und vermuten, dass schon letzte Saison das Problem bestand. Dort kaschierte auch Lewandowski recht viel, der im Gegensatz zu Immobile die Bälle vorne besser festmachen kann. Die Mannschaft hat noch den Automatismus zur letzten Saison inne, spielt deswegen immer noch zu sehr Immobile an, der aber andere Qualitäten hat.

Schritt 1 dürfte sein, dass mehr Ruhe in den Kader kommen muss. Klopp wird wohl auch die Mentalität ausgeben, dass man mal auf das zu Null hinten gehen soll, vorne schießt man idR sowieso immer ein Tor. Wenn Hummels dann ruhiger aufbaut, Gündogan und Kehl ihn dabei unterstützten und Kagawa dann auch vorne lassen, Reus wieder 1-2 Sprints mehr macht und Immobile seinerseits auch etwas mehr sich anpasst, dann wird das rollen.

Konkret vermute ich aber, dass Klopp erst mal Reus als MS auflaufen lässt. Durm hinten links wieder spielt und Großkreutz vorne links. Das dürfte Stand der Dinge besser harmonieren und passen und ist kompakter.

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HK 21. Oktober 2014 um 11:09

Ich würde noch weiter zurückgehen. Der BVB hat schon seit zwei Jahren die defensive Stabilität verloren, was man leicht an der Anzahl der Gegentore ablesen kann.

Jenseits aller taktischen und psychologischen Faktoren ist für mich die Transferpolitik ein entscheidender Punkt. Spieler wie Reus, Gündogan, Aubameyang usw. sind alles Offensivzauberer, aber vor allem im Mittelfeld fehlt der/die Spieler der defensiv und strategisch überzeugt.
In den Meisterjahren war hier ein Bender als Balleroberungsmaschine ein entscheidender, vielleicht unterschätzter Faktor. Bender ist durch eine Endlossserie von diversen Verletzungen entweder nicht verfügbar oder nicht in Form. Der einzige der noch als defensiver Stratege infrage käme, Kehl, ist schon seit Jahren nur noch bedingt einsetzbar.

Mich wundert das bei den vielen Millionen (waren ja wohl über 100 Millionen in den letzten beiden Jahren) nicht mal was für die Defensive drin war.
Ginter würde ich da momentan auch nur sehr bedingt werten. Er sieht sich ja selber explizit als IV.

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Koom 21. Oktober 2014 um 11:31

Ja, ich denke auch, dass hier (wie in der Nationalmannschaft) der Kern der Probleme liegt. Gündogans langer Ausfall, Benders Verletzungen, Kehl ist ebenfalls mehr Teilzeitspieler, Sahin ebenfalls oft verletzt – das sind dann auch nominell alle Leute. Und wenn sie nicht verletzt sind, suchen sie evtl. ihre Form, sind überspielt etc.

Du kannst von dieser zentralen Position die ganze Mannschaft beeinflussen. Du kannst Hummels bändigen, du kannst Kagawa nach vorne schicken und dafür sorgen, dass Immobile nicht mehr wirklich jeden Ball bekommt usw.

Vermutlich muss man wirklich primär psychologisch arbeiten. Momentan hats ja kaum einen Spieler auf dem Feld, der nicht irgendwas mit sich rumschleppt. Klopp muss den Spieler vermitteln, dass sie zur Ruhe kommen und sich besinnen. Die Mannschaft, selbst mit dem momentanen Form- und Fitness-Stand, sollte eigentlich problemlos mit jeder anderen Mannschaft mithalten können, wenn man mehr in sich ruht.

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Et in Arcadia ego 21. Oktober 2014 um 15:32

@HK: Der BVB hat den von dir angesprochenen Spieler im Kader, er heißt Oliver Kirch. Technisch sehr starker, athletischer 6er mit gutem Passspiel und der nötigen Robustheit in Zweikämpfen. Beherrscht Vertikalpässe, Verlagerungen auf die Flügel und hat ein gutes Gespür dafür, wo er sich im Raum aufhalten muss. Hat vor seiner Verletzung m.E. internationale Klasse verkörpert, einzig den „großen Namen“ hat er nicht. Seine Verletzung war retrospektiv sehr, sehr bitter, denke mit ihm stünde der BVB sicher mit deutlich mehr Punkten da.

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HK 21. Oktober 2014 um 16:50

Ok, muss ich mir vielleicht noch mal genauer anschauen, er wird ja jetzt wieder im Kader sein. Manchmal ist es eben tatsächlich schwierig sich vom (fehlenden) Namen nicht beeinflussen zu lassen.

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Monogol 21. Oktober 2014 um 19:51

Richtig! Geht mir genauso. Obwohl ich großer Kirch-Fan bin und seine Verletzung laut beklagt hatte, gehörte sein Name nicht zu denen, denen ich zur Rückmeldung in Trainingsgruppe und Spielkader laufend entgegen gefiebert habe. Warum eigentlich nicht? Bei Gündogan habe ich in jedem der 14 Monate gewusst, wer mir fehlt …

flowrider 21. Oktober 2014 um 18:39

Ich habe Gündogan aber auch als jemanden in Erinnerung der sehr stark 2. Bälle erobern kann, was ja auch eine denfensive Qualität ist. Ansonsten wird man nicht durch einen einzelnen Spieler defensiv besser sein und gutes sicheres Ballbesitzspiel ist auch gut für die Defensive.

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KloppoKloppe 20. Oktober 2014 um 21:19

Danke für diese sachliche Analyse Abseits der teilweise sehr oberflächlich geführten Diskussionen in der Presse. Ich muss sagen, dass ich die jetzige Situation als Fan sehr intereressant finde, da nach teilweise berauschenden Saisons nun etwas ganz neues der Ära Klopp passiert. Ich bin total gespannt, wie er samt Gefolge diese Situation lösen wird. Auch wenn ich sagen muss, dass das Spiel am Samstag als Fan auch ganz schön weh getan hat und es hart war diesem Fehlpassfestival zusehen zu müssen. Die Einbindung von Immobile ins Dortmunder Spiel muss meines Erachtens dringend verbessert werden.

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flowrider 20. Oktober 2014 um 21:05

Typische Dortmundszene auch kurz vor dem Ende des Spiels, bei Rückstand. Sokratis nimmt sich den Ball, rennt kopflos nach vorne, foult einen Gegenspieler und beschwert sich….verdammt unnötig.
Ansonsten würde MR’s Theorie von der „Inkonsequenz des Favoriten“ auch gut zu den guten Championsleague-Resultaten passen.

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wombat 21. Oktober 2014 um 10:23

die erklärungsversuche in dem von dir genannten abschnitt sind genau die erklärungen (psycho~ ) , die sv bisher immer vermieden hat.
was die vereinsbrille nicht alles ausmacht 😉

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flowrider 21. Oktober 2014 um 18:27

Versteh nicht ganz was du meinst. Was hat es mit der Vereinsbrille zu tun, wenn man Szenen beschreibt die einfach passieren ?

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wombat 23. Oktober 2014 um 11:16

ich meine damit, dass sich sv als taktiksite versteht.
natürlich spielt der psychokram eine rolle, aber eher am stammtisch oder im boulevard.

ich sag nicht, dass mr nicht recht hat, sondern dass derlei themen bisher außen vor waren.

der schritt von „psychologischen aspekten“ zum zusammenhang zwischen lells privater vita und seiner leistung auf dem platz ist auch nur ein kleiner.
im deckungsschatten der psychologie versteckt sich sicherlich allerlei privatkram, der schlechte sportliche leistungen erklärt.

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PM 20. Oktober 2014 um 20:39

Ich erkenne seit den letzten Spielen ebenfalls die Tendenz immer weiter das Zentrum zu überladen. Die Frage ist nur, ob das der richtige Ansatz ist, oder man lieber auf ein alternatives Spiel ausweichen sollt mit klassischen Flügelspielern und hinterlaufendem Pisczek. Diese Zentrumüberladungen birgen zugegeben ein unglaubliches Potential, aber vielleicht doch erst wenn die Stabilität da ist. Was meint ihr?

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MR 20. Oktober 2014 um 21:26

In der Bundesliga kann doch jeder klassische Flügelangriffe verteidigen. Siehe auch das Bild aus der 8. Minute. Gerade mit Gündogan wär das mMn Blödsinn.

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BVB Fan 20. Oktober 2014 um 20:27

Bitte ihr lieben BVB Verantwortlichen. Lest euch das mal ganz genau durch. Da kann man sicher nochmal Nachdruck verleihen, bei dem was ihr sicherlich auch schon wisst. Und macht endlich Schluss mit dem Reus-Poker. Kann doch nicht schon weder sein, dass ein Dortmunder zu den Bayern geht. Dann mach ich mir bald ein Bayerntrikot wo als Verein Borussia Dortmund drauf steht.

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M1Schmitt 20. Oktober 2014 um 21:25

Wie soll Dortmund mit dem Poker Schluss machen. Sie sind ja kaum daran beteiligt. Bei anderen Spielern und Vereinen meine ich eine solche Art wie von Rummenigge städnig zu kommentieren, Götze vorzuschikcen auch eine Aussage zu lancieren nicht feststellen zu können.

Hoffentlich macht Reus nicht mit

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HW 21. Oktober 2014 um 08:50

Ist aus Bayerns Sicht auch total blöd wenn man ständig danach gefragt wird. Was soll man dann antworten? Soll KHR sowas dementieren? Klar werden die Bayern intern über Spieler mit der Qualität von Reus sprechen, das ist keine Überraschung.

Leider funktionieren die Medien mittlerweile so, dass man nicht einem Verantwortlichen die Frage stellt und mit der Antwort zufrieden ist, sondern dass man den Präsidenten, den Kumpel im neuen Team usw. fragt und dann aus den Antworten schöne Geschichten spinnt. Die letzten Aussagen von KHR und Götze waren alles und nichts, von nichtssagend höflich bis angriffslustiger Subtext. Sollte Reus irgendwann zu den Bayern gehen, haben wir die ersten Zeichen dafür schon lange gesehen. Sollte er nicht wechseln, dann haben die Bayern nicht mehr gesagt, als dass Reus ein guter Fußballer und guter Typ ist.

Das ist doch alles langweilige Spekulation in den Medien, gewürzt mit rhetorischen Spielchen hier und da.

Das ist so interessant wie Beckenbauers Forderung, dass der BVB jetzt Typen braucht, die rumschreien.

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HK 21. Oktober 2014 um 10:19

Schön, dass mal jemand diese Selbstverständlichkeit ausspricht.
Der Mechanismus ist ja nicht der, dass sich Rummenigge, Watzke oder Heldt was ausdenken und dann dazu Presseerklärungen, Pressekonferenzen oder was auch immer veranstalten. Diese Leute werden in 99 % aller Fälle im Rahmen ihrer Jobbeschreibung interviewt und geben Antworten auf Fragen die ihnen gestellt werden. Und in 99% aller Fälle werden Rummenigge dabei Fragen zum Kontext BVB und Watzke zum Kontext FCB gestellt.
Den Antworten auf diese Fragen (wie auch immer sie ausfallen mögen) kann jeder professionelle Journalist den gewünschten Spin verleihen. Achtet mal auf die Verben. Ich kann etwas sagen, feststellen ich kann aber auch sticheln (mein Lieblingsunwort), attackieren usw.

Rummenigge sagt z.B, dass die Ausstiegsklausel von Reus bekannt ist. Das wäre in der Formulierung ja die Nichtmeldung des Tages. Man kann es aber auch als sticheln, provozieren o.ä bezeichnen. Der Inhalt ist gleich, die Reaktion der Leser eine ganz andere.

D.h. es gibt noch (kommt vielleicht auch noch) keine Reusdiskussion der irgendwie Beteiligten, sondern ein Pingpong-Spiel der Medien mit diesem Thema. Und das wird man in der Tat so lange treiben bis Reus seine Entscheidung getroffen hat.

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HW 21. Oktober 2014 um 11:00

Das „schöne“ ist, dass die Medien durch diese „Berichterstattung“ natürlich auch benutzt werden können. Stört es Rummenigge wenn er mit eher seichten Aussagen einen Sturm der Entrüstung auslösen kann? Sicher nicht. Gleiches gilt für viele andere Protagonisten. Und wir beschweren uns dann über die Medien geschulten Jungstars oder darüber, dass Spieler manchmal gar nicht mehr den Mund aufmachen?!

Auch wenn die Medien (schon immer) dazu gehören – auch SV ist Teil dieser Medien und einige Leser werden sicher entrüstet sein über die taktischen Vorgänge ihres Teams – müssen die Leser, Konsumenten, Fans nicht jeden Bericht mit vollem Ernst lesen.

Mal im Ernst, wie wichtig sind die Spekulationen über einen Wechsel von Reus? Wenn es wenigstens Berichte über tatsächlich stattgefundene Treffen wären.
Im gegenzug dazu wird ein Schwarzmarktticketskandal zur WM2006, der seit Jahren von der Staatsanwaltschaft untersucht wird, eher Stiefmütterlich behandelt. Egal ob es nur um Berichte über den Stand der Ermittlungen oder um investigative Recherchen durch die Medien selbst geht.

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Leon 21. Oktober 2014 um 16:51

Schöne Kommentare zum Sportjournalismus. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass selbst jemand mit begrenzten Kenntnissen der deutschen Sprache Sportartikel verfassen kann. Alles, was es dazu braucht, sind ca. 10 bis 20 Kernsätze, die beliebig kombiniert werden können. Es muss dann nur noch darauf geachtet werden, dass die richtigen Mannschafts- und Spielernamen verwendet wurden und fertig ist der Artikel.

Noch schlimmer ist der Trend, dass Personen Aussagen unterstellt werden. So werden Spieler im Erfolgsfall in den Himmel gelobt, um dann bei Misserfolg auf sie einzuschlagen. Der jeweilige Spieler hat nie behauptet, ein Geschenk Gottes zu sein, doch weil es in den Medien so oft wiederholt wurde, hat es der gemeine Fan als Zitat aufgenommen. Letztlich entsteht Hass. Und ohne diesen, gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Wenn man sich nicht auf die Taktik konzentriert, bietet Fußball sehr wenig, über das es zu schreiben lohnt.

Abschließend möchte ich noch lobend die Kolumne bei Zeit Online erwähnen, in der in einer Vor- und Rückschau Fußball erfreulich wenig ernst genommen wird.

HW 21. Oktober 2014 um 17:54

Die Sportjournalismusbranche ist insofern speziell, weil durch die Fans eine breite Kundenbasis vorhanden ist. Durch geregelte Spielpläne gibt es immer wieder etwas zu Berichten, von Spieltag zu Spieltag im gleichen Rhythmus, und es gibt die Fans, die regelmäßig etwas lesen/hören wollen. Einerseits sieht das nach einem sehr einfachen Geschäft aus: Es gibt nie versigende Informationsquellen mit dem Interesse, dass über sie berichtet wird, und es gibt die riesige Kundengruppe, die fast alles erfahren will was bei bestimmten Vereinen passiert.
Andererseits ist es in diesen scheinbaren Schlaraffenland schwer heraus zu stechen. Die meisten Informationen sind banal, der Aufwand für tiefgreifende Recherche wird nicht jedem Journalisten beglichen. Es ist also schwer im Fischschwarm der Reporter heraus zu stechen. Natürlich bieten sich viele Nischen. Sei es thematisch (Taktik, ein bestimmter Verein oder eine Liga), medial (TV, Print usw.).

Das was sich Sportjournalismus nennt, ist oft, nicht immer, Teil der Unterhaltungsbranche, besonders im Fußball. Wenn Fernsehsender hunderte Millionen für Übertragungsrechte bezahlt, dann wird dem Zuschauer ein Produkt angeboten und keine Berichterstattung. Einen TV Sender wie Sport 1 würde es in dieser Form nicht geben, wenn nicht täglich Banalitäten über Bayern München über den Sender gehen würden. Oder haben Bilder von Rummenigge am Abfluggate nach Rom etwas mit Journalismus zu tun? Man bei den Medien nur nicht vergessen, dass man nicht der Pressesprecher eines Vereins ist, sondern auch mal aus einer unerwarteten Richtung zuschlagen darf.

(Selbst die deutschen „Nachrichtensender“ setzen auf Kosten senkende Unterhaltung durch banale Dokumentationen oder einfachste lang gezogene Berichterstattung nahe dem Boulevard-Niveau, z. B. Streikberichte. Selbst bei den Ressource reichen, guten Nachrichtensendern, BBC World usw., muss man aufpassen, dass man nicht in den Werbesendungen für Börsenkurse landet.)

Fernsehen macht hauptsächlich Unterhaltung und nur ab und zu Journalismus. Gleiches gilt für den Kicker, als rein investigatives Blatt könnten die nicht bestehen.

Tiefgründiges oder investigatives findet seinen Raum, auch weil mit den Banalitäten recht einfach Geld verdient werden kann.

Natürlich sind auch andere Ressorts auf Informationsquellen angewiesen. Die Bundesregierung hat nicht umsonst einen Pressesprecher. Aber der Kunde erwartet etwas anderes. Wenn man es nicht mit Fans, die aus Sympathie alles erfahren wollen, zu tun hat, wird das Interesse eines Konsumenten eher mit anderen Themen geweckt. Natürlich kann ein Politik-Redakteur auch nicht jeden Politiker verprellen. Dann redet irgendwann niemand mehr mit ihm. Trotzdem ist das Ressort Sport, bzw. Fußball eher dem Bereich Unterhaltung zu zuordnen.

HW 21. Oktober 2014 um 18:16

Um fair zu sein, zwischen Banalitäten und den hochklassigsten Arbeiten gibt es auch noch eine Menge soliden oder guten Journalismus. Das sind dann oft Hintergrundberichte oder Specials zu bestimmten Anlässen. Außerdem macht es schon einen Unterschied ob Texte gut geschrieben und Videos gut produziert sind, ob Informationen gut recherchiert sind, oder eben nicht. Das ist immerhin das journalistische Handwerk.

Philo 21. Oktober 2014 um 23:37

@ Leon:
Meines Wissens werden in Amerika manche Berichte z.B. über Lokalsport bereits vom Computer auf der Grundlage von online verfügbaren Informationen geschrieben. Es sollte dann doch eigentlich, wenn nicht heute, dann in ein paar Jahren, auch möglich sein, bei gleichbleibendem Niveau über die Bundesliga computergeneriert zu berichten. Und in 10 Jahren kommt dann das computergenerierte Interview, wo nach bestimmten Stichwörtern gesucht wird, die unbarmherzig aus dem Zusammenhang gerissen werden. Nur die SV-Analyse, die gibt es erst in 20 Jahren. 😉

Koom 24. Oktober 2014 um 10:35

Allzulange wird es wohl auch nicht dauern und du kannst Fußballspiele automatisiert kommentieren lassen. Nimm doch mal die aktuellen FIFAs und PES‘: Da gibt es auch einen Kommentar, der sich an einer Datenbank bedient und dann nur noch getriggert wird, wenn Spieler X an einem speziellen Ort steht oder wohin passt. Bei vielen Fußballkommentatoren kommt ja auch nicht viel mehr – viele kaschieren das mit übertriebener Dramatik oder Draufgehaue, wo dann alles scheiße ist (oder wahlweise alles total genial gut).


Alex 20. Oktober 2014 um 19:51

Super Beitrag. Hab ewig auf die Analyse zur BVB-Krise gewartet.
Am Anfang hatte ich den BVB auf Augenhöhe mit dem FC Bayern geahnt.
Top Transfers wie Immobile, Ramos und Kagawa hätten auf dem Papier den Bayern kaum in etwas nachgestanden. Dazu fand ich Ginter unglaublich spannend. Ein Transfer mit viel Weitsicht.
In der Breite hielt ich sie nun fuer gut gerüstet. Umso verwunderlicher die aktuelle Krise.
Kann ein Team mit solch enormen Potential und Ansätzen wirklich nur 7 Punkte aus 8 Spielen erwirken?
Ich glaube die Psychologie spielt hier mehr rein als alles andere.
Der BVB gehört fuer mich klar auf Platz 2.
Alles andere wäre angesichts der Möglichkeiten eine Enttäuschung

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Gunni2000 20. Oktober 2014 um 18:24

Vollkommen richtig Psychologie dürfte momentan eine grosse Rolle beim BVB spielen.

Meines Erachtens spielt die Tatsache das der Meisterschaftszug (erneut) zu Beginn der Saison abgefahren sein dürfte eine SEHR grosse Rolle. Jegliche Hoffnung auf einen Zweikampf mit den Bayern scheint erneut verflogen und einzig ein CL-Platz kann als Ausblick dienen.

Man wird sehen wie sich die Mannschaft mental aus diesem Loch befreien wird. Bayern wird kaum einen gefallen tun in der Hinsicht…

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AS 20. Oktober 2014 um 20:26

Mmh, das hört sich jetzt bei dir so an, als hätte Dortmund ein psychologisches Problem in der Form, dass sie ein Motivationsproblem haben…weil sie zZ nicht um die Meisterschaft mitspielen („Und einzig ein CL-Platz kann als Ausblick dienen“).

Ich denke, das kleinste Problem, das der BVB zur Zeit hat, ist sich zu motivieren. Jaja, man kann jetzt mit den (2) Championsleague Spielen argumentieren, aber Arsenal lief ihnen nunmal brutal gut rein und gegen Anderlecht hab ich sie nicht besonders besser/engagierter etc als in Bundesligaspiel XY gesehen.

Wenn Sie jetzt nicht jedes verdammte einzelne Spiel gewinnen wollen, vor allem Heimspiele, „nur“ weil sie nicht einen Zweikampf mit den Bayern ausfechten, würde mich das doch sehr wundern.
Inwieweit andere psychologische Faktoren eine Rolle spielen (wie man es ja gerne bei auf Abstiegsplätzen stehenden, vermeintlichen Spitzenmannschaften sieht), keine Ahnung. Individuelle Fehler sind zwar gehäuft vorhanden, ja, haben aber meiner (zugegeben) bescheidenen Meinung, andere Ursachen.

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HW 21. Oktober 2014 um 08:59

Die Psyche ist sicher ein Faktor, bzw. die Konzentration auf’s Wesentliche bei einigen Spielern und damit die Quote leichter Fehler.

Aber, und das macht dieses Spiel gegen Köln zur interessanten Schnittstelle, bisher konnte viel mit dem Fehlen wichtiger Spieler argumentiert werden, jetzt sind diese Spieler zurück und Dortmund verliert trotzdem. Das ist, sieht man sich die Ausfalldauer einiger Spieler an, auch kein Wunder. Dieses Spiel zeigt uns das Potential der Dortmunder und die Idee, die Klopp hat. Aber es zeigt uns auch die Notwendigkeit der Feinabstimmung. Die Mannschaft muss sich einspielen, synchronisieren und ihr Potential erst noch entdecken.

Wenn das gelingt und wenn die leichten Fehler reduziert werden, dann erreicht Dortmund problemlos die Champions League Plätze.

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blub 20. Oktober 2014 um 17:28

Guter und richtiger artikel, aber ganz oben leider Layouthölle. Da ist wohl die Formationsgrafik eine Zeile zu hoch gerutscht.

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MR 20. Oktober 2014 um 17:33

Das hatte ich doch zwei Minuten nach Release schon korrigiert, wie schnell klickst du eigentlich die Artikel an! ^^

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Isco 20. Oktober 2014 um 19:31

Die Frage ist, wie er nach 2 Minuten schon wissen konnte, dass es ein guter Artikel ist 🙂

„Der BVB befindet sich in einem Schwebezustand zwischen Dominanz, Wille zur Dominanz und fehlender Kontrolle. In den Lücken dieser Faktoren werden blöde Tore kassiert, Angriffe zu früh abgeschlossen, schlecht ausgespielt oder zu hektisch angespielt.“
Das kann man sich ausdrucken, einrahmen und aufhängen, prägnanter kann man Dortmunds Probleme nicht zusammenfassen.

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blub 20. Oktober 2014 um 21:29

Ich muss den artikel ja nur in den 2 min geöffnet haben, dann gibts ja kein live-update mehr 😉

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j4g0_fcb 21. Oktober 2014 um 15:14

einfach mal aus Reflex „guter Artikel“ drunter schreiben wäre aber auch zu verzeihen gewesen 🙂

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