Köln findet keinen Weg durch Unions Abwehrbollwerk

2:0

Dank der Ansetzung des ersten Zweitliga-Spieltages des Jahres unter der Woche richteten sich die Augen der Fußball-Welt am Donnerstagabend auf das Stadion an der Alten Försterei in Köpenick. Dort schlug der 1. FC Union den Tabellenzweiten aus Köln und stellte so den Anschluss des Verfolgerfeldes zum zweiten direkten Aufstiegsplatz wieder her. Dabei hielt Unions Abwehrbollwerk stand, auch weil Köln keine wirklich effektiven Mittel dagegen fand.

Union Köln

Köln muss auf Schaub und Hector verzichten, bei Union sitzt Neuzugang Carlos Mané noch auf der Bank.

Angesichts der eminenten Defensivstärke Unions, und Kölns Favoritenstatus, konnte man erwarten, dass vor allem die Gäste vom Rhein das Spiel machen müssen würden. Das war dann tatsächlich so, aber unter Vorzeichen, die man so nicht erwarten konnte: Vom Anstoß weg bekam Union nach einem langen Schlag von Kölns neuem Sechser Geis den Ball, und schoss Marcel Hartel mit einem wunderschönen Fallrückzieher nach 25 Sekunden das 1-0 für Union.

Ausgangslage

Diese sofortige Führung kam Union einerseits entgegen, konnte man sich so doch auf die eigenen defensiven Kernkompetenzen konzentrieren. Allerdings taten sie das vielleicht ein bisschen zu sehr, und versuchten zu direkt und steil nach vorn zu spielen, wenn sie den Ball eroberten – und überhaupt einmal etwas anderes als einen Befreiungsschlag versuchten. Aus diesem Grund sagte auch Unions Trainer Urs Fischer nach dem Spiel, dass die eigentlich glänzende Ausgangssituation Unions Spiel vielleicht gar nicht gut tat.

So dominierte Köln zwar nicht das Spiel, und in vielen Momenten auch nicht den Raum, aber doch den Ball: Köln hatte in beiden Halbzeiten 71% Ballbesitz. Dass diese Spielanteil nicht reichten, um zu Toren zu kommen, lag einerseits an der Chancenverwertung bei den etwa drei Gelegenheiten, zu denen Köln kam. Vor allem aber daran, dass Köln aus der Grundstruktur des Spiels heraus nicht zu Chancen kam, weil sich Markus Anfangs Team nicht gegen Unions personenorientierte und kollabierende Verteidigung durchsetzen konnte.

Kölns Mittel(losigkeit)

Köln trat in Berlin in der 3-1-4-2 Grundordnung an, zu der Markus Anfang in der Hinrunde wechselte. Darin kam neben Johannes Geis im zentralen Mittelfeld mit Florian Kainz als linkem Flügelverteidiger ein weiterer Neuzugang zum Einsatz. Niklas Hauptmann spielte halblinks im offensiven Mittelfeld, Dominick Drexler mit mehr Bewegungen auf den Flügel halbrechts.

So entstanden überall in Kölns offensivem Zentrum klare Zuordnungen zu Unions Defensive: Die Innenverteidiger Unions hatten in Terodde und Cordoba jeweils direkte Gegenspieler, Unions Sechser orientierten sich an Kölns Zehnern, wobei Schmiedebach meist links, Prömel rechts verteidigte.

Diese Konstellation war für Köln eigentlich insofern vielversprechend, als Kombinationen zwischen den offensiven Mittelfeldspielern oder Momente individueller Durchschlagskraft für Chancen hätten sorgen können. Doch dazu kam es kaum. Hauptmann und Drexler versuchten faktisch nie, gemeinsam einen Raum zu überladen, und hatten fast keine Anbindung aneinander. Eine Ausnahme dazu stellte Teroddes Chance nach 40 Minuten dar, als sich Hauptmann einmal tief im rechten Halbraum für eine schöne Eröffnung von Meré anbot, nach einer Drehung steil auf Drexler weiterspielen konnte, der seinerseits Innenverteidiger Friedrich band und Terodde im freigezogenen Raum anspielte. Dieser Moment (in dem der Abschluss um Zentimeter am langen Pfosten vorbei strich), zeigte, nach welchem Muster Köln hätte erfolgreich sein können. Doch dem Bundesligaabsteiger gelang es nicht, solche Szenen zu fokussieren.

Erschwert wurde das allerdings auch durch die Intensität, mit der Unions Mittelfeld Kölns Mittelfeldspieler attackierte, wenn diese einmal zwischen den Linien an den Ball kamen – ein Moment, den man mit einem Basketball-Begriff kollabierende Verteidigung nennen könnte, würde das nicht zu negativ klingen

Dazu, dass diese Verbindung nicht entstehen konnte, trug aber auch Unions vorderer Mannschaftsteil bei. Wirkte das Köpenicker Pressing in den ersten Minuten zunächst noch eher verhalten, entfaltete es doch großen Druck. Dazu trug vor allem Felix Kroos bei, der eines seiner besten Spiele in diesem Aspekt machte. Er ließ zum einen Geis keinen Platz, Bälle anzunehmen und sich aufzudrehen, sodass der Kölner Winterzugang aus Schalke keine andere Rolle in der Spieleröffnung spielen konnte, als Bälle zurück in die Dreierkette prallen zu lassen. Verbindungen innerhalb des Kölner Mittelfeldes von Geis zu Hauptmann und Drexler gab es nicht.

Kroos rückte aber auch immer wieder aggressiv im Pressing weiter auf, nahm Geis in seinen Deckungsschatten und setzte gemeinsam mit Polter (und nach dessen verletzungsbedingter Auswechslung Andersson) die Kölner Innenverteidigung unter Druck. So eröffnete Köln das Spiel fast immer über die Flügelverteidiger. Auf die fokussierte sich das Spiel des Effzeh ohnehin, weil vor allem Florian Kainz die größten Freiräume zwischen Unions Außenverteidigern und -stürmern hatte. Vor allem in den ersten 25 Minuten gab er die meisten Impulse. Danach tauschten auf Unions Außen Abdullahi und Hartel die Seiten. Der Ex-Kölner Hartel orientierte sich mehr Kainz, während Abdullahi stärker auf seine eigenen Freiräume zwischen Kainz und der Dreierkette spekuliert hatte.

10 versus 11

Nach 65 Minuten sah Unions Linksverteidiger Ken Reichel Gelb-Rot und änderte sich der Charakter des Spiels noch einmal. Union hatte bis dahin seit dem 2-0 nach einem zu etwas mehr Spielanteilen gefunden, und kurz vor der Pause eine große sowie in der zweiten Halbzeit einige ordentliche Chancen auf das 3-0 gehabt.

Nach dem Platzverweis stellte Union auf 4-4-1 um und sich zunehmend tiefer in den eigenen Strafraum. Köln gelang es aber nur selten, sich in Unions Formation zu spielen, häufiger waren hohe Halbfeldflanken, mit denen Union wenig Probleme hatte.

tobit 3. Februar 2019 um 13:28

Geis tut mir fast schon leid. Der wird immer wieder in die Rolle vor der Abwehr gedrängelt, wo er viel zu einfach rauszunehmen ist.
Ist so ein bisschen in der falschen Zeit geboren. Fünf bis zehn Jahre eher, und der hätte eine wirklich große (oder zumindest deutlich größere) Karriere machen können. Abkippen, drehen, Ball fordern, langer Ball – das ist sein Ding. Nicht das schnelle, kurze Verteilen oder die Pirouetten-Tänzchen auf dem Bierdeckel zwischen den gegnerischen Stürmern. Leider fehlt ihm dazu auch jede Athletik und Giftigkeit, die einen Weigl z.B. noch zu einem guten IV machen.

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Koom 7. Februar 2019 um 11:51

Tuchel hat ihn bei Mainz perfekt eingesetzt. Geis‘ Langpaßspiel ist klasse. Im Grunde muss man ihn exakt so einsetzen (und schulen) wie Xabi Alonso: Viererkette hinter ihm, in die er sich beim Aufbau fallen lassen kann, neben ihn einen laufstarken Zweikämpfer – und dann kannst du seine (schon sehr guten) Stärken ausspielen.

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Daniel 7. Februar 2019 um 14:54

Ja, Xabi Alonso oder momentan Nuri Sahin wären recht ähnliche Spielertypen. Die Frage ist halt, welcher deutsche Verein momentan ein solches System spielt, da fallen mir nicht viele ein. Momentan sind abkippende Sechser vor einer Viererkette halt etwas außer Mode, obwohl das ja an sich kein schlechtes System ist…

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tobit 7. Februar 2019 um 16:08

Frankfurt spielt zwar aktuell nicht wirklich so (steht ja auch niemand mit den Passqualitäten von Geis zur Verfügung), da könnte ich ihn mir aber trotz der 3er-Kette ganz gut vorstellen. Zusammen mit Rode vor ihm und den sehr breiten Halbverteidigern könnte das passen. Ziele für seine langen Bälle haben sie ja reichlich. Auch ein Wechselspiel mit Hasebe auf die Sechs vorrückend könnte da ganz interessant sein. Der Gegenpressingfokus und die im Mittelfeld oft aufkommende Hektik wenn der Ball mal mehrmals schnell wechselt, könnten aber ein Problem für ihn sein. Da ist dann ein zweiter Abräumer wie Fernandes besser geeignet um zumindest ein Mindestmaß an Stabilität zu gewährleisten.

4er-Ketten gibt es ja durchaus noch einige. Da kippt auch meistens einer der Sechser halbwegs regelmäßig nach hinten. Aber so wirklich passen tut er da auch zu keinem Club. Für Freiburg wäre sein Gehalt wohl zu hoch, aber gegen Höfler dürfte er sich durchsetzen können. Bremen ist mit Sahin und Bargfrede erstmal ausreichend besetzt. Bei Mainz kann ich Kunde nicht einschätzen, aber völlig chancenlos wäre er da wohl nicht. Zur Hertha könnte er spielerisch passen. Da glaube ich aber nicht, dass er sich durchsetzen würde, da er defensiv für Dardai nicht stark genug ist und offensiv nicht so viel mehr (wenn überhaupt) zu bieten hat als die aktuelle Besetzung. Nürnberg ist vom Standing her unter Köln und könnte ihn wohl auch nicht bezahlen.

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Daniel 7. Februar 2019 um 18:39

Frankfurt passt find ich gar nicht, die leben (wie du selbst sagst) stark von ihrer Intensität gegen den Ball, grad im Mittelfeld. Da passt Geis gar nicht rein, er würde wohl ein ähnliches Schicksal erleiden wie Stendera oder Fabian. Hertha könnte vielleicht als Nachfolger von Grujic (der glaub ich nur geliehen ist) passen, wenn sie ein paar Modifikationen vornehmen. Ich könnte ihn mir prinzipiell vielleicht noch in Wolfsburg vorstellen, Arnold und Gerhardt müssten eigentlich seine Schwächen gut auffangen können und Weghorst und Ginzcek sind gute Ziele für lange Bälle. Theoretisch passt so ein Spieler auch gut zu Bayern (wie Alonso gezeigt hat), aber dafür fehlts Geis dann doch an Qualität.

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tobit 8. Februar 2019 um 14:29

Wahrscheinlich hast du Recht, dass das in Frankfurt nicht funktionieren würde. Rein offensiv wäre das aber was feines.
Es hat letztlich gute Gründe, dass er in Köln gelandet ist. Die haben Geld (zumindest deutlich mehr als Erstligisten wie Freiburg oder Nürnberg), spielen offensiv, sind wahrscheinlich bald wieder erstklassig unterwegs und brauchten (eigentlich schon seit eineinhalb Jahren) einen Sechser.


AG 3. Februar 2019 um 13:06

Danke für den Spielbericht, dadurch behalte ich auch die zweite Liga im Auge!

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TrotzdemHier – der Fußballpodcast über den 1. FC Köln 2. Februar 2019 um 20:28

Völlig falsche Einbindung von Geis in das FC-Spiel. Ich kann nicht Geis holen uns dann mit ner Dreierverteidigung hinter ihm spielen. Entweder Geis + Viererkette oder man muss anderswie kreativ werden. Aber so hat man Geis‘ Schwachpunkte besonders exponiert und ihn Kroos zum Pressing-Fraß vorgeworfen.

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