Donnerstag, 08.12.2016

VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 2:2

Das recht torreiche Resultat passte nicht unbedingt zum Spiel. Eigentlich hatten die Wolfsburger Probleme mit Kreativität und Verbindungen nach vorne, während sie die guten Frankfurter Offensivansätze mit komprimierter Kompaktheit abdrückten.

wob-frankfurt-2014Im Vergleich zum Eröffnungsmatch bei den Bayern nahm Dieter Hecking eine Änderung vor und ersetzte Hunt in der Offensivabteilung seines 4-2-3-1 durch Maximilian Arnold. Auf Seiten der Gäste gab es ebenfalls nur eine Umstellung nach dem erfolgreichen Start gegen Freiburg – Thomas Schaaf konnte nicht auf den verletzt ausgewechselten Lanig bauen und brachte Zambrano von Beginn an, womit Russ auf die Doppel-Sechs neben Hasebe rutschte.

Wolfsburgs Enge zerstört Frankfurts Ansätze

Die in der Vorbereitung interessant zu beobachtenden Frankfurter und ihre Offensive um Inui, Piazón sowie Seferovic verbuchte auch bei den favorisierten Wolfsburgern einige interessante Ansätze. Dabei versuchten sie vor allem (wenn Wolfsburg dies nicht in den früheren Aufbauphasen verhinderte und über eine asymmetrische Spitze zur anderen Seite lenkte oder lange Bälle von Trapp provozierte) den rechten Halbraum um Valdez als Orientierungsanker zu überladen, indem sich Seferovic und der jeweilige Zehner – hier rochierten Inui und Piazón situativ miteinander – herüber bewegten. Auch Hasebe schaltete sich von der linken Sechserposition diagonal umlaufend mit ein, während Russ das Gebilde tiefer absicherte.

Dabei gab es einige gruppentaktische Dynamiken und gewisse spielerische Ansätze zu sehen, die Frankfurter stellten gelegentlich Engen her und wussten sich mit ihrer Technik dort durchaus zu behaupten, doch alles in allem brachten sie kaum einmal eine Szene wirklich entscheidend zu einer klaren Torchance durch. Dies lag auch an den Wolfsburgern, die ihre Mannorientierungen meist sehr gut balancierten und die Versuche der Hessen extrem eng einschnürten. Von der ballfernen Seite rückte Vierinha immer wieder enorm weit in Kompaktheiten ein und komprimierte den Raum für die Schaaf-Elf so stark, dass diese sich letztens meistens im durchaus beeindruckenden, konsequent ausgeführten Zusammenziehen der Wolfsburger verfing.

Wechselnde Pressinghöhen gegen Verbindungsprobleme

Die etwas dominantere Mannschaft waren die Hausherren, die aber aus zunächst 55 % bis 60 % Ballbesitz nicht allzu viel Effektives machen konnten. Frankfurt verteidigte in einem weitgehend normalen 4-4-2 mit Inui neben Seferovic, das sich vor allem über immer mal wieder wechselnde Pressinghöhen definierte. Aus ihrem etwas vorgeschobenen Mittelfeldpressing heraus streuten sie gelegentlich Phasen höheren Attackierens ein, bei denen die Wolfsburger Innenverteidiger und häufig auch Grün früh zugeschoben wurden. Wenn sich die Niedersachsen aus dem Druck der Frankfurter, die in diesen Phasen einige Asymmetrien einbauten und mit gutem Anlaufverhalten überzeugten, lösen konnten, kamen sie doch nicht entscheidend nach vorne und mussten letztlich einige lange Bälle schlagen.

Gegen die tiefere Variante des Eintracht-Pressings ließ Hecking einige Male Luiz Gustavo zwischen die Innenverteidiger fallen, was aber mannschaftlich nicht wirklich konsequent ausgespielt wurde. Zudem hatten die Wolfsburger wie schon manches Mal das Problem, dass ihre 4-2-3-1-Anordnung zu simpel und konventionell interpretiert wurde und sich nicht genügend Verbindungen abseits der Grundformation ergaben. Der jeweilige Zehner – meistens de Bruyne, im Verlauf der ersten Halbzeit zwischendurch aber auch mal Arnold – versuchte in den Schnittstellen der Mittelfeldkette umher zu driften, hatte bei Anspielen aber nur eingeschränkte Optionen. Bis auf kleinere Überladeansätze mit einem der Außenspieler, die aber oft zu überhastet aus den Dynamiken ausgelöst wurden, kamen die Wolfsburger nicht so richtig in die Gänge, zumal auch Guilavoguis Einbindung inkonsequent war und er seine Athletik als Spielpartner in den Zwischenräumen kaum einbrachte.

Frankfurts defensive Eigenheiten nicht genutzt, Tore fallen durch Standards

Dabei agierten die Frankfurter insgesamt zwar mit recht guter Organisation und wussten einen gewissen Raumdruck auszuüben, standen aber alles in allem nicht wirklich kompakt (auch beim höheren Pressing agierten sie recht gestreckt, kompensierten dies aber besser). Stattdessen ließen sie vor allem in der Vertikalen doch einiges an Platz zwischen den Ketten, den Wolfsburg zumindest nach Verlagerungen zum Beschleunigen und Vorlaufen der Flügelspieler hatte, was diese mit der Zeit für die eine oder andere Einzelaktion nutzten. Gerade die sich ergebenden Freiheiten zwischen Mittelfeldreihe und Sturm hätte der VfL mit diagonalem Spiel aber deutlich besser ausschöpfen und daraus kurze, kleinräumige Aktionen vorbereiten müssen. Das Freilaufverhalten von Zehner, Sechsern und situativ auch den Flügeln passte in diesen Bereichen nicht optimal zueinander. Häufig wollten die Akteure sich für direkte, positionsorientierte Pässe anbieten und suchten dabei zu stark den durch die gegnerischen Sechser individuell gut abgeschirmten Zehnerraum, wenn sie die Räume vor Russ und Hasebe besser hätten bespielen müssen.

So brauchte es einen direkten Freistoß von Naldo für die Wolfsburger Führung, die ansonsten bis zur Endphase der ersten Halbzeit für weitere Möglichkeiten warten mussten. Auf der anderen Seite kamen die Frankfurter aber eben auch nicht entscheidend durch, weshalb beiden Teams die klaren Szenen abgingen. Passenderweise entsprang der schnelle Ausgleich ebenfalls einem ruhenden Ball, von denen die Frankfurter über ihre feinen Bewegungen in Engstellen immer mal wieder einige provozieren und dadurch zu Offensivpräsenz kommen konnten. Trotz ihrer guten und von den Verbindungen im Vergleich zu den Niedersachsen auch etwas besseren Anlage dauerte es bei ihnen aber bis zur 40. Minute, ehe ein Abschluss aus dem laufenden Spiel heraus erfolgte – ein Lapsus von Grün nach hohem Pressing, als Knoche gegen Piazón aber noch auf der Linie rettete.

Zweite Halbzeit: Heckings ambivalenter, aber kluger Wechsel

Im Laufe der Partie häuften die Wolfsburger immer mehr Ballbesitz an und wurden dominanter, konnten ihre Probleme aber später nur teilweise und nur kurzfristig beheben. Mitte des zweiten Durchgangs hatten sie ihre vielleicht beste Phase, als die Freiräume im passiven Frankfurter Konstrukt druckvoller und konsequenter bespielt wurden. Einige Male trugen nun die Innenverteidiger bei zurückgefallenem Sechser aus den Halbräumen das Leder fast bis ins letzte Drittel, wo sich insbesondere de Bruyne hervortat. Der nun meist links spielende Belgier versuchte am aktivsten die wichtigen Verbindungen zu knüpfen und driftete dabei durch verschiedene Räume, war entsprechend auch an den besten Wolfsburger Kombinationsansätzen und Torchancen beteiligt. Es war kein Zufall, dass ausgerechnet er die Vorlage zum späten, zwischenzeitlichen 2:1 durch Arnold gab, als er einen Abpraller aus dem mäßig gesicherten, da zu wenig kompakten Frankfurter Rückraum durch eine Schnittstelle auf den Torschützen spielte.

Eingeleitet wurde der Treffer durch einen simplen Lauf Caligiuris, der sich sehr ambivalent ins Gesamtbild einfügte. Der ehemalige Freiburger konnte in der Vorsaison selten überzeugen und fiel oft eher durch zu lineare Einzelaktionen oder durchwachsene Entscheidungsfindung auf. Auch diesmal sah man eine Reihe direkter Dribblings von ihm, die bloß die Linie entlang führten – und daher ebenso wie die zahlreichen Aktionen über Flügelpärchen und Flanken die Offensivprobleme des Wolfsburger Teams illustrierten. Gegen diesen spezifischen Gegner und deren Defensivanlage war Caligiuri vor dem Hintergrund, dass sich die Mannschaft kombinativ ansonsten schwer tat, aber ein sehr sinnvoller Wechsel von Hecking. Gegen das vertikal unkompakte, in den Überganszonen nicht aggressiv pressende und generell eher abwartende Eintracht-Gerüst mit seinen größeren Abständen und einfachen Strukturen konnte Caligiuri einige Male neben der Formation bis zur Grundlinie durchlaufen und verhältnismäßig ungestört Hereingaben spielen. Neben den Stürmer rückte nun meist einer der athletischen Sechser weit auf und de Bruyne konnte um diese Aufgabenverteilung herum agieren – so auch beim Tor, als Guilavoguis Abschluss nach der Flanke geblockt wurde, ehe Vorlagengeber de Bruyne das Leder erhielt.

Beim nun verstärkt forcierten Aufrücken der Wolfsburger über die aktiver werdende rechte Seite hatte der Belgier ebenfalls eine wichtige Rolle und konnte mit ausweichenden Läufen diagonal vor den Ball einige Male den mannorientiert folgenden Hasebe zum Flügel ziehen und entsprechend die zentralen Räume für Arnold öffnen. Nach kurzen diagonalen Pässen von Caligiuri oder Jung fand dieser das eine oder andere Male große Freiheiten, die die Wölfe dann aber nicht gut genug ausspielten. Stattdessen erzielten die Frankfurter wenige Minuten nach dem 2:1 den erneuten Ausgleich in Folge einer langen Verlagerung nach rechts, wo Russ mit zum Flügel aufrückte, diagonal Ignjovski bediente und dieser für Kadlec flankte. Erneut warfen die Hausherren fast alles nach vorne und rückten weit auf, konnten aber keine entscheidenden Überzahlen mehr herstellen. Sie setzten zu sehr auf unbalanciert getimte lange Bälle, bei denen die Kompaktheit fehlte, um Bendtner sowie den hoch spielenden Malanda gut genug zu unterstützen oder vielversprechende Abpraller zu ergattern. So blieb die Chance von Letztgenanntem die einzige Möglichkeit für ein Tor, wurde aber vergeben.

Fazit

Trotz viel Ballbesitzes müssen sich die Wolfsburger letztlich wohl angemessenerweise mit einem Punkt zufrieden geben, da sie offensiv bis auf eine Zwischenphase und die Effektivität der Schlussminuten durch Heckings Ausrichtung von Caligiuri zu wenig Gefährliches erspielen konnten. Dennoch hätten angesichts der weitgehend starken Defensivarbeit zwei eigene Treffer normalerweise für einen Sieg reichen sollen – doch Frankfurt genügten wenige Abschlussszenen. Die Eintracht wusste mit ihren Ansätzen durchaus zu gefallen, bleibt unter Schaaf ein interessantes Team und muss sich vor allem noch in der Konsequenz der vertikalen Kompaktheit verbessern.

Wolfgang Würz 3. September 2014 um 20:08

Danke, wie meistens eine gute Analyse. Wenn man das Fazit aus Eintracht-Sicht bewertet, war die Neuverpflichtung von Medo die richtige Maßnahme, um die „vertikale Kompaktheit zu verbessern“. Bis gespannt auf die nächsten Spiele.

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