Donnerstag, 29.09.2016

Die Torwartkette

In diesem Artikel wird die Nutzung des Torwarts im Aufbauspiel beschrieben. Eine der Entwicklungen in dieser Hinsicht könnte in Zukunft die sogenannte „Torwartkette“ sein. Im Blog von 44² wurde diese Möglichkeit und Umsetzung bereits anhand einiger Spiele von Manchester United nach der Verpflichtung David De Geas analysiert. In diesem Beitrag geht es um die drei unterschiedlichen Varianten der Torwartkette, ihre potenzielle Umsetzung und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Im Artikel selbst kommen auch ein paar Erklärungen zu taktischen Bewegungen und kleine geschichtliche Hintergründe vor.

Die tiefe Torwartkette

Diese Variante ist jene, die bereits genutzt wird – sogar relativ oft. Der FC Barcelona mit Victor Valdes nutzt diese Spielweise, um dem Angriffspressing gegnerischer Mannschaften entgegenzuwirken. Auch die Bayern mit Manuel Neuer spielen auf diese Art und Weise oder eben auch kleinere Mannschaften wie Ajax Amsterdam mit Torwart Kenneth Vermeer.

So könnte eine Aufbauszene mit tiefer Torwartkette gegen einen pressenden Gegner aussehen.

So könnte eine Aufbauszene mit tiefer Torwartkette gegen einen pressenden Gegner aussehen.

Schon in den 70ern wurde dies von Ajax, Feyenoord und der niederländischen Nationalmannschaft ansatzweise praktiziert. Auch zuvor gab es einzelne Torhüter (Radenkovic, Kreß, Carrizo) und später ebenfalls (Menzo, Bell, Busquets, Barthez, Chilavert, van der Sar), welche im Aufbauspiel intelligente Pässe spielten und bewusst eingebunden wurden.

Die Ursache ist klar: Bekanntlich kann der Torhüter nur indirekt mitpressen und sich nur in bestimmten Zonen und Situationen aktiv am Defensivspiel beteiligen; es bleiben also im Großteil des Spiels zehn gegen zehn Feldspieler. In der eigenen Hälfte kann allerdings der eigene Torwart mithelfen, um eine Überzahl herzustellen, also in gewisser Weise ein Elf gegen Zehn erzeugen um Ballverluste in der Nähe des eigenen Sechzehners zu vermeiden.

Bei dieser Spielweise positioniert sich der Torhüter bis zu 16 Meter vor dem eigenen Tor und verschiebt horizontal hin und her, um den beiden Innenverteidigern die jeweils ideale Anspielstation zu bieten. Meistens fächern die Innenverteidiger nicht nur sehr breit auf, sondern positionieren sich auch tiefer, wodurch sie nahezu in einer Reihe agieren.

In Extremfällen erreicht das solche Auswüchse, dass die Innenverteidiger nahe der Torauslinie in Eckfahnennähe stehen, während sich der Torwart fast schon an der Strafraumkante anbietet. Die Bezeichnung Torwartkette kommt auch daher, dass sie einerseits auf einer Linie miteinander agieren und andererseits sich mit ähnlichen Bewegungen zum Ball verschieben. Der Torwart ist dabei ein vollwertiger Bestandteil dieses Verschiebens, da er auf die jeweilige Ballseite verschiebt und oftmals auch bei Aufrücken des Innenverteidigers leicht in das dadurch entstandene Loch verschiebt.

Das hat zwar nichts mit einer Viererkette im klassischen Sinne gemein, die das im Defensivspiel praktiziert, aber einen fast identischen Mechanismus beschreibt; es klingt zumindest schöner und richtiger als die Bezeichnung falsche Eins, wie einige Medien mitspielende Torhüter bezeichnen. Zusätzlich zu diesem Verschieben gibt es natürlich einige weitere interessante Aspekte bei der Torwartkette.

Neben dem Vorteil einer zusätzlichen Anspielstation im Aufbauspiel kann man den Gegner mit dieser Spielweise extrem weit herauslocken, mithilfe der Mittellinie (wegen der Abseitsregel) muss er seine Kompaktheit von 20-30 Meter auf fast 50 Meter erweitern, wenn die Innenverteidiger bis zur Auslinie auffächern und/oder den Torwart ins Aufbauspiel miteinbinden. Die Bayern machen das oft so, dass sie mit tiefer Ballzirkulation den Gegner herauslocken, mit Neuer den Gegner laufen lassen und über Lochpässe Neuers in die gegnerische Formation spielen.

Der Torwart spielt auf links weiter. Gut zu sehen ist, wie viel Raum nun im Zwischenlinienraum offen ist und wie die Verbindung zueinander ist; kettenähnlich. Spielt der Gegner passiv und schiebt nicht nach, dann entsteht ein freies Dreieck vor dem halblinken Innenverteidiger.

Der Torwart spielt auf links weiter. Gut zu sehen ist, wie viel Raum nun im Zwischenlinienraum offen ist und wie die Verbindung zueinander ist; kettenähnlich. Spielt der Gegner passiv und schiebt nicht nach, dann entsteht ein freies Dreieck vor dem halblinken Innenverteidiger.

Valdes tat bei Barcelona Ähnliches, nutzt es aber aktuell eher um Räume für lange Bälle zu schaffen (was Neuer übrigens in der vergangenen Saison unter Heynckes noch tat). Diese erhöhte Laufarbeit sorgt natürlich für Probleme beim Gegner. Viele Mannschaften gehen dann aber dazu hinüber, sich mannorientiert an den potenziellen Anspielstationen zu orientieren und abzuwarten, bis der Torwart den Ball abspielt.

In diesem Fall muss er ihn dann weit herausschlagen oder auf die passende Bewegung seiner Mitspieler warten. Kommt Letztere nicht, kann der Gegner oft sämtliche Anspielstationen zustellen und ein gefährliches Pressing aufbauen.

Allerdings ist auch hier Gefahr vorprogrammiert – wenn die Abwehr so hoch steht, dass sie alle Anspielstationen abdecken kann, können Abschläge auch hinter die Abwehrreihe kommen und für gefährliche Situationen oder zumindest Raumgewinn sorgen. Somit ermöglicht die tiefe Torwartkette mehr Ballbesitz, lockt den Gegner heraus und zerstört im Idealfall dessen Kompaktheit.

Gefährlich wird es nur, wenn der Torwart nicht die nötige Passgenauigkeit und Spielintelligenz besitzt. Fehlpässe können sehr gefährlich werden und sind nicht nur auf eine schwache Technik zurückzuführen, sondern auch auf das Hereinfallen auf Pressingfallen. Apropos Spielintelligenz: ein schwaches Freilaufen sorgt für eine Sackgasse für den gepressten Innenverteidiger, was wiederum in Ballverlusten und eins-gegen-eins-Situationen münden kann.

Allerdings kann der Torwart in diesem Spielbereich noch klassisch auf Ballverluste reagieren und relativ problemlos rechtzeitig ins Tor zurückeilen oder bei schnell entstehenden Torchancen den Abschlusswinkel verkürzen und sich mit Bein und Hand in den Schuss werfen. Bei der nächsten Variante ist dies schwieriger bzw. führt die Nutzung der Hand oft zu einer Karte.

Die mittlere und hohe Torwartkette

In diesem Fall praktiziert der Gegner normalerweise kein Angriffspressing, sondern ein Abwehrpressing oder ein Mittelfeldpressing und daran passt sich der eigene Torwart an. Anstatt im eigenen Strafraum zu verbleiben, rückt er weit heraus und bietet sich weit vor dem eigenen Tor als Anspielstation an.

Diese Spielweise wird gelegentlich von den Bayern und der DFB-Elf mit Manuel Neuer praktiziert, wenn sie in extrem wichtigen Spielen am Schluss hinten liegen,  wie es gegen Italien, gegen Bayer Leverkusen und ansatzweise gegen Chelsea der Fall war. Sie ist somit auch hier eine Ausnahme.

Situativ weicht Neuer zwar manchmal nach vorne, wenn zum Beispiel im Mittelfeld ohne jeglichen Gegnerdruck ein Fehlpass passiert und der Mitspieler kein ordentliches Sichtfeld hat, aber eine wirklich konstante und extreme Umsetzungen dieser Spielweise gibt es nicht – zumindest nicht seit Kolumbien mit René Higuita im Tor.

Bei diesem Link sieht man an der Höhe, in der Higuita angespielt wird, wie so etwas aussehen – und fehlschlagen – könnte. Kolumbiens damaliger Nationaltrainer, Francisco Maturana, sprach auch davon, dass sie mit Higuita die Ideen der Niederländer von 1974 intensivieren könnten. Higuita, so sagte er vor dem Fehler bei der WM 1990, gebe ihnen die Möglichkeit nicht nur den Ball herauszuschlagen, sondern ihn auch zu behaupten und zu verteilen, egal, wie weit weg vor dem Tor.

Trotz des Fehlers war die Spielweise übrigens überaus effektiv: In 34 Spielen vor der WM 1994 verloren sie exakt eines, man gewann gar in Argentinien gegen diese mit 5:0, wurde wie 1990 Erster in ihrer Qualifikationsgruppe und Experten wie Jupp Heynckes betitelten sie schon als interessanteste und taktisch hochwertigste Mannschaft des Turniers 1990. 1993 wurden sie Dritter bei der Copa America (vier Gegentore in sieben Partien).

Noch heute wird sie in Kolumbien als eigene Version des Tiqui Taca bezeichnet und Torhüter René Higuita war mit seiner situativen Beteiligung am Aufbauspiel ein Schlüsselaspekt davon (Hausaufgabe: Szene ab 4:14 beachten und über mögliche Lösungen in Anbetracht der neuen Regeln nachdenken). In Erinnerung geblieben ist aber letztlich nur sein Fehler gegen Roger Milla, welche wohl vor einer Kopie dieser Spielweise abschreckt, obwohl diese durchaus geniale Aspekte beinhaltete (hier das Freilaufen bei 0:05-0:07 beachten).

Aus taktischer Sicht ist das schade, denn diese Taktik und ihre Vorteile (defensiv und offensiv) wären höchst interessant, besonders bei noch konstanterer Umsetzung und mit modernem Bewegungsspiel der Vordermänner oder auch in Anbetracht der modernen Pressingmechanismen des 4-2-3-1.

Beispielsweise könnte das Zustellen von zwei Innenverteidigern behoben werden. Es wäre auch kein zurückfallender Mittelfeldspieler nötig, um eine Dreierkette zu erzeugen, wodurch es einen Spieler weiter vorne gäbe. Hier ein Vergleich der Passdreiecke diesbezüglich:

Bei Klick auf das Bild öffnen sich die drei Bilder nebeneinander.

Bei Klick auf das Bild öffnen sich die drei Bilder nebeneinander. Bei der Aufbauformation ohne zurückgekippten Sechser und ohne aufgerückten Torwart sind am wenigsten Dreiecke vorhanden, die beiden Mittelstürmer des Gegners stehen normalerweise in den Kreuzen jener Pfeile, die nicht durchgezogen sind. Fällt der Sechser zurück, dann steht man besser da, aber spielt oftmals innerhalb der eigenen Formation herum. Geht der Torwart nach vorne, ergeben sich mehr Optionen, wir wir noch sehen werden.

Damit könnte ein weiterer Spieler im Aufbauspiel vorhanden sein, die Ballzirkulation wäre stabiler und die Sechser würden nicht Unterzahl im Mittelfeld riskieren, wenn sie abkippen. Stattdessen könnte man den Gegner noch weiter nach hinten drücken und Pressingversuche frühzeitig aushebeln; ein Rückpass auf den Torwart oder ein Pass ins Mittelfeld, wo man einen Akteur mehr hat, ist problemlos möglich.

Wieso wird diese Spielweise also nicht genutzt? Ein Aspekt ist sicherlich das Risiko dabei. Wird der Torwart gepresst und seine ihn umgebenden Anspielstationen in den Deckungsschatten gestellt, dann könnte der Torwart – im Normalfall nicht allzu pressingresistent – einen Fehlpass spielen oder den Ball verlieren. Dies wäre nahezu ein sicheres Gegentor, insbesondere weil die Stürmer sich im Vorwärtsgang befinden, während die eigene Mannschaft sehr hoch aufgerückt und im Aufbauspiel breit aufgefächert steht.

So sähe eine hohe Torwartkette aus. Ein Pass reicht aus, um einen großen Raum freizuspielen.

So sähe eine hohe Torwartkette aus. Ein Pass reicht aus, um einen großen Raum freizuspielen.

Diesem Risiko kann man aber auch entgegensteuern. Der Torwart kann sich etwas tiefer für eine Art umgekipptem Dreieck und als Quasi-Libero positionieren und bleibt daher bei einer tiefen gegnerischen Formation ohnehin vom Pressing befreit. Das Spielfeld ist so dicht besetzt, dass Fehlpässe in die Mitte hinein nicht allzu gefährlich sein sollten, wenn ein starkes Gegenpressing praktiziert und die Staffelung ordentlich vorbereitet wird. Im Normalfall kann man dem aber entgegenwirken, wenn dem Torwart im Zweifelsfall lange Bälle und Optionen für das Anbringen derselben erlaubt werden.

Da der Gegner einen oder mehrere Spieler für das Pressing auf den Torwart aus der Formation befreien muss, entstehen dort Löcher und eine Unterzahl. Hier könnten die zweiten Bälle gar entscheidend werden, der Torwart müsste also nicht einmal konstruktiv aufbauen, um in bestimmten Phasen eine neue Option ins Spiel zu bringen, obgleich das Risiko natürlich hoch bleibt, wenn die zweiten Bälle verloren werden.

Bei technisch starken Mannschaften kann auch die individuelle Stärke genutzt werden. Mannschaften wie der FC Bayern, der FC Barcelona oder die spanische Nationalmannschaft können selbst sehr scharfe Anspiele ihrer Torhüter ins Mittelfeld riskieren, da Akteure wie Xavi und Co. auch diese Pässe nahezu mühelos stoppen und dann in einer Enge behaupten können. In der heutigen Zeit wäre auch dank des schnelleren, beweglicheren und strukturierten Bewegungsspiels eine ganz andere Dimension mit einem hohen Torhüter im Aufbauspiel möglich.

Ansonsten gibt es eben den langen Ball auf den Flügel und eine sofortige Bewegung nach hinten. Der Torwart ist dabei nahe genug am eigenen Kasten, um einen eventuellen 75m-Schuss rechtzeitig abfangen zu können. Außerdem ist zu bezweifeln, ob unter Druck sofort nach einer Balleroberung ein ausreichend scharfer und gleichzeitig präziser Schuss aus dieser Distanz erfolgen kann. Das Gleiche trifft ebenfalls auf Konter zu, welche bei passendem Gegenpressing und gutem Umschalten unterbunden oder zumindest zeitlich verzögert werden können.

Mit tiefem Torwart ist das schon schwerer zu machen. Das ist auch der Grund, wieso die 3-4-Aufbauformation dafür sorgt, dass wenige Bälle verloren werden, aber die Ballzirkulation oftmals relativ tief bleibt.

Mit tiefem Torwart ist das schon schwerer zu machen. Das ist auch der Grund, wieso die 3-4-Aufbauformation dafür sorgt, dass wenige Bälle verloren werden, aber die Ballzirkulation oftmals relativ tief bleibt.

Unmittelbare Gefahr geht hiervon also nicht aus, wenn das taktische Fundament passt. Potenziell könnte sogar der Torwart in das Bewegungsspiel eingebunden werden und in Extremsituationen einen Innenverteidiger hinterlaufen oder seitlich herausrücken und sich dort anbieten. Manuel Neuer tat dies einmal schon in der Partie gegen Greuther Fürth, als Dante sich im 4-5-1 dem Druck eines herausrückenden Achters gegenübersah, Boateng vom Mittelstürmer abgesperrt, aber sonst sehr viel Raum offen war und Neuer kurz diagonal versetzt zu Dante auftauchte; Ansätze eines Hinterlaufens, die leider nicht bespielt wurden.

Anders sieht es bei einer noch extremeren Umsetzung dieser Grundidee aus.

Die maximale Torwartkette

Diese letzte Variante soll nur kurz erklärt werden – eine Umsetzung erscheint selbst in ferner Zukunft unwahrscheinlich zu sein. Hier würde der Torwart nicht nur in tiefen Aufbauzonen oder im Defensivspiel zum Libero werden, sondern auch im Angriffsspiel. Das Attribut „maximal“ zeigt schon, wohin die Idee führen würde: Der Torwart rückt so weit auf, wie es für ihn nur möglich ist. Er könnte – zum Beispiel gegen ultradefensive und extrem tiefe Mannschaften – auf der Mittellinie stehen und die gesamte Horizontale absichern, während sich die Innenverteidiger aktiv am Gegenpressing und Angriffsspiel beteiligen dürfen.

Dies könnte so praktiziert werden, dass der ballferne Innenverteidiger oder auch der Sechser und Außenverteidiger einrücken, während der Torwart ballnah absichert und der ballnahe Innenverteidiger sowie alle anderen gegenpressen. De facto würden sie in einer Zweierkette da stehen und den zusätzlichen Mann zur Stabilität nutzen. Wichtig wäre natürlich ein extrem schneller, zweikampfstarker und spielintelligenter Torwart. Und natürlich ein technisch sehr guter.

Die Nachteile sind natürlich klar ersichtlich – die Vorstellung Manuel Neuer im Gegenpressing einen Ball erobern zu sehen, ist dennoch ein Traum für jeden Analysten, der gegen Leverkusen fast schon erfüllt wurde. Eine ordentliche Anwendung der Torwartkette im gesamten ersten Drittel wäre allerdings bereits Stoff genug für mehrere Artikel. Mal sehen, ob und wann dies passiert. Es gibt schon vielerorts erste Ansätze.

So könnte eine maximalhohe Torwartkette aussehen. Die Innenverteidiger gehen in die offenen Flügelräume und Halbräume der gegnerischen 4-4-2-Defensivformation.

So könnte eine maximalhohe Torwartkette aussehen. Die Innenverteidiger gehen in die offenen Flügelräume und Halbräume der gegnerischen 4-4-2-Defensivformation.

Wenn dann einer der Innenverteidiger aufrückt, schieben der Torwart und der Innenverteidiger bereits antizipativ in das Loch, der Außenverteidiger geht in den Halbraum, der Flügelstürmer gibt die Breite.

Wenn dann einer der Innenverteidiger aufrückt, schieben der Torwart und der Innenverteidiger bereits antizipativ in das Loch, der Außenverteidiger geht in den Halbraum, der Flügelstürmer gibt die Breite.

Bitte den Torwart als Libero in Ballbesitz trotz meiner womöglich ungenauen oder weitreichenden Vergleiche nicht mit dem Herauslaufen bei gegnerischen Angriffen und dieser Komponente des früheren Libero-Spiels verwechseln.

RM 26. April 2015 um 23:47

Ziemlich lässig: https://www.youtube.com/watch?v=m55j6s-30ak

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axt 27. April 2015 um 02:46

wer zum teufel schaut sich dieses spiel an? unglaublich…

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RM 25. Dezember 2013 um 23:23

Passende Szene zur damaligen Meinung von Jens Lehmann, wenn auch nicht ganz passend zum Artikel hier:
http://youtu.be/ZWQVRDsGxy4

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Yujia 4. November 2013 um 21:36

Toller Artikel. erst ne kurze Frage, die Link zu Artikeln in 44² über de Gea in Man Utd fragt nach Benutzer/Password !?

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RM 4. November 2013 um 22:05

Die Seite wurde leider vom Netz genommen, darum.

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Izi 3. November 2013 um 21:38

Phantastischer Artikel, der einmal mehr unterstreicht, wie lohnenswert eure Seite ist!!! 🙂 Ich bin gerade von der Taktiktheorie begeistert, wenngleich alle eure Artikel super sind!

Ehrlich gesagt, frage ich mich ernsthaft, weshalb die Torwartkette nicht schon längst eingeführt worden ist. Wenn doch Kolumbien damals schon für ihre Verhältnisse recht erfolgreich waren (zugegeben, bis ich das hier gelesen hatte, kannte ich nur Higuitas Skorpion-Parade), warum nehmen nur Valdes und Neuer diese Möglichkeit wahr? Liegt es wirklich daran, dass der Torhüter (anders als Lehmann würde ich tatsächlich bei diesem Begriff bleiben, denn das Hüten alleine beschreibt nicht die Entfernung zum zu hütenden Objekt) Angst hat, blöd auszusehen, falls er doch ein Tor kassiert? Oder liegt es daran, dass die wenigsten Mannschaften ein für diese Maßnahme ausreichendes Pressing spielen? Oder ist es einfach zu schwer die Torwartkette der Presse und der Öffentlichkeit zu verkaufen? 😉

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TW 31. Oktober 2013 um 14:13

Großartiger Artikel! Wenn die Qualität des Gegenpressings sich weiter in dem Tempo entwickelt, wird die maximale Torwartkette tatsächlich irgendwann eine Option werden. Sonderlob besonders für die Herausarbeitung der zusätzlichen Optionen (Passdreiecke) im Spielaufbau sowie die möglichen Verschiebemechanismen im Angriffsspiel.

Wie gewohnt bei den Taktiktheorieartikeln sind auch die Kommentare wieder toll. Ich liebe diese Seite 😀

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RM 31. Oktober 2013 um 14:20

Jaja, die Taktiktheorieartikeln. Gibt’s dazu besondere Themen, die ich noch aufgreifen soll?

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Till 31. Oktober 2013 um 14:53

Was mich generell auch interessieren wuerde sind taktische Varianten bei Standardsituationen. Diese scheinen bei vielen Mannschaften relativ ad hoc gehandhabt zu werden (Freistoss irgendwie ueber die Mauer, Ecke ans lange oder kurze Eck). Ab und zu sieht man mal die eine oder andere einstudierte Szene, die sind aber doch recht selten.

Vielleicht kann der Fussball hier etwas vom American Football lernen. Dort ist jede Szene ja sozusagen ein ruhender Ball und es gibt viele Varianten, die alle bis ins Detail einstudiert sind. Eventuell kann der Trainer dies dann sogar von Aussen anzeigen, um den Gegner noch zu verunsichern.

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Aber… 31. Oktober 2013 um 15:25

Das ist vielleicht nur bedingt ein klassisch taktisch-theoretisches Thema, aber ich interessiere mich sehr für „Harakiri-Aktionen“ oder auch Harakiri-Formationen (bspw. in Ansätzen Rayo), bei denen man versucht in bestimmten Situationen den Gegner mit einer unerwarteten (und vermeintlich sinnfreien) Aktion zu überlisten, um den Überraschungseffekt für sich zu nutzen. Also beispielsweise, dass man bei einer gegnerischen Ecke komplett auf Mann- oder Raumdeckung im eigenen Strafraum verzichtet und nur der Torwart im Strafraum verbleibt, während die übrigen Feldspieler sich für einen (hoffentlich folgenden) Konterspielzug positionieren. Oder eine Mannschaft, die in Führung liegt, bildet mit mehren Spielern einen geschlossenen Kreis um den Ball, so dass die gegnerische Mannschaft nicht ohne Foulspiel den Ball erreichen kann… Dies kann natürlich alles sowohl defensiv wie offensiv gedacht sein, sich auf eine einzelne Aktionen oder bestimmte Spielsituationen (Rückstand, Überzahlspiel usw.) beschränken oder sich gar auf einen längeren Zeitraum beziehen.

Gibt es eine Übersicht zu solchen Taktiken oder gar – klar lässt sich das ganz schwer messen (was ist Harakiri und was nicht?) – empirische Zahlen, ob sich das Ausnutzen des Überraschungseffekts positiv auf den Ausgang des eigenen Spiels auswirkt? Und wie radikal sollte das dann sein? Und wie ist das gerade im Profifußball mit diesen sehr spielintelligenten Spielern zu bewerten?

Habt Ihr dazu etwas in petto? Mich würde vielleicht auch für den Anfang mal Eure Einschätzung hierzu interesssieren.

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Duke van Hudde 31. Oktober 2013 um 13:38

sehr spannender Artikel und dickes Lob.Im Prinzip willst du mit deiner Rene Higuita Kette ja das Problem der 4 Kette + Rückpassregel lösen.Den warum so ein hohes Angriffspressing gefahren wird liegt genau an dieser Kette und des nicht mehr vorhandenen Liberos.Den es gibt kein sichere Anspielstation mehr abgesehen vom Torwart und wenn der sehr weit hinten ist dann verliert man extrem viel Raum und wird stark in die eigene Hälfte zurückgedrängt.Hier dne Torwart als Ersatz Libero zu nutzen macht daher absolut Sinn.Den dann stellt sich nicht mehr die Frage was passiert wenn der torwart das macht und der Gegner macht angriffspressing.
Der Gegner wird in einen solchen Fall diesen überhaupt nicht durchführen können ohne sich selbst in grosse Gefahr zu begeben.Bei dne vielen Dreiecken braeuchte es zu viele Spieler die alle sicher voll zu stellen ,da könnten dann im Notfall die langen Bälle schon reichen bei denen man viel schlechter steht durch die ganzen Dreiecke die man zum Pressing besetzen musss.

Diese Taktik nur zu fahren wenn der Gegner eh sich eher hinten reinstelle weil er führt halte ich für viel zu wenig, den man kann den Gegner mit dieser Taktik zwingen sich hinten reinzustellen.

Warum man vom Libero abgegangen ist liegt für mich ja zu einen grossen Teil dadran das man den 2 Deff Mittelfeldspieler nicht hatte der heute so extrem wichtig geworden ist.Mit der Rene Higuita Kette könnte man sich einen Teil der Vorteile des Liberos wieder geben und das ohne auf den zweiten „6er“ zu verzichten.

Oder knapper ausgedrückt man versucht ein 11 vs 10 Feldspieler zu erzeugen und hat ein Mann mehr auf den Platz.

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Tzaduk 29. Oktober 2013 um 10:41

Also, ich selbst spiele Torhüter und selten Schlussmann, und ich finde, dass die Sonderrolle auch nicht einfach durch einen „Feldspieler mit Handschuhen“ zu ersetzen ist. Vielmehr ist es tatsächlich entscheidend, dem Keeper noch ein paar zusätzliche Hilfsmittel an die Hand zu geben, damit er seine Rolle zwar weiter spielen, aber trotzdem situativ auch eine andere übernehmen kann. Dieses „Das brauchen wir nicht mehr“ halte ich für verfrüht, da ist die Frage nach „letzter Mann hält“ schon deutlich interessanter. Die Fähigkeiten, einen Ball von der Linie zu kratzen, kann man sich nämlich auch nicht so ohne Weiteres mal nebenbei antrainieren. Und das ist am Ende auch niemals „oldfashioned“ 🙂

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Steen 23. Oktober 2013 um 11:44

Sehr schöner Bericht, ich verfolge die Seite schon seit längerem und bin sehr begeistert.
Dieser Bericht ist für mich visionär. Ich denke genau das „Torwart“spiel wird sich noch sehr verändern. Der Torwart wird schlichtweg benötigt um ein Überzahlspiel zu ermöglichen.
Ein gewisser Johann Cruyff hat schon vor kurzem in einem Seminar erwähnt, dass er glaubt in 10 Jahren wird der Torhüter nicht mehr benötigt, sondern wie ein Feldspieler agieren. So möchte er es zumindest mit „seinem“ Ajax irgendwann einmal durchsetzen.
Einiges von Cruyff ist ja schon früher visionär gewesen (Pressing, variable Positionen, etc.). Ich hoffe mal, dass sich diese Ansicht durchsetzen wird und den Fußballsport noch attraktiver macht.

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RM 22. Oktober 2013 um 18:54

Ich hätte nie gedacht, dass dies je passieren könnte, aber ich muss die SportBild zitieren. Jens Lehmann schreibt in der letzten Ausgabe in seiner Kolumne dort Folgendes:

„Der Torwart der Zukunft wird der 11. Feldspieler

(…)

Der Schlussmann wird dann die Funktion des alten, verpönten Liberos übernehmen. Ich habe pro Spiel ca. fünf bis sechs Kilometer Laufleistung hinter mich gebracht. Der Torwart der Zukunft wird eine Laufleistung zwischen acht und zehn Kilometern pro Spiel zurücklegen. Diese Laufleistung wird sich nur im mittleren Bereich des Spielfelds anhäufen, (…)

(…) der einzige Vorteil des Torwarts darin besteht, ebendiese [die Hände] benutzen zu dürfen, werden Versuche unternommen werden, einen zusätzlichen Feldspieler mit einem Torwarttrikot und Handschuhen zu bekleiden und dann eben als zusätzliches Druckmittel auf den Gegner zu benutzen.

Ich habe mit Schalke vor 20 Jahren manche Spiele gehabt, in denen ich in den letzten fünf Minuten nach vorne gegangen bin, weil wir kurz vor Schluss mit einem Tor hinten lag. Nach einem Eckball oder einer abgewehrten Aktion bin ich nicht immer sofort zurückgerannt, sondern habe versucht, den Gegner zusammen mit meinen Mitspielern zu pressen. Ein Gegentor haben wir bei solchen Aktionen nie kassiert.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass wir das in Leverkusen gemacht haben und Rudi Völler und Bernd Schuster so gepresst haben, dass es einen Eckball für uns gab und wir daraus ein Tor erzielt haben. Dieses Pressing, was Trainer wie Klopp und Guardiola heute schon so gerne spielen lassen, lässt sich eben noch einmal viel einfacher mit einem Mann mehr durchziehen.

Ist der Feldspieler mit Handschuhen so versiert, dass er der eigenen Mannschaft beim Spielaufbau eine wirkliche Überzahl garantiert, werden wir Spiele erleben, die Ballbesitzzeiten von 70 zu 30 oder noch höher haben.

Die Zuschauer werden bei plötzlichem Ballbesitzwechsel aufschreien, aufspringen und eine Wahnsinnsstimmung erzeugen, da die Aussicht, ein Tor mit einem Weitschuss aus der eigenen Hälfte zu erzielen, so elektrisierend ist.
(…)“

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Erkinho 21. Oktober 2013 um 08:01

Äußerst hochinteressant…in der aktuellen Sport Bild – Ausgabe widmet sich kein geringerer als Jens Lehmann dem „modernen Torhüter“ bzw. Schlussmann (laut Lehmann adäquatere Bezeichnung, da in absehbarer Zukunft nicht mehr NUR das Tor gehütet, sondern weit vor dem eigenen Kasten auch aktiv am Spielaufbau teilgenommen wird).
Er führt an, dass zukünftige Torsteher deutlich mehr Kilometer gelaufen sein werden (bis zu 10 km). Weiterhin würde der vermeintlich rückständigen Position des Liberos somit (indirekt) wieder Einlass in die Taktiktüfteleien unserer Zeit gewährt werden.

Mir fiel natürlich umgehend RMs jüngste Darbietung dieser Thematik ein.

Ist es denn nun ein Zufall, dass sich Lehmann auf ein doch eher spekulatives als gegenwartsnahes Thema konzentriert, noch dazu in seiner eigenen Kolumne in der meistverkauften Sport -/ Fußballzeitschrift Europas ???
Ich denke nicht 😉

Er sprach zwar noch von etwa min. 10 Jahren bis zur mehrheitlichen Etablierung der „Torwartkette“ (leider hat er keine Bezeichnung für diese fussballtaktische Evolution benutzt), aber ich denke, dass wir schon beim World Cup 2014 in Brasilien mehr Schlussmänner und weniger Torhüter sehen werde. Was meint ihr?

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DM33 18. Oktober 2013 um 13:03

Wenn es einer Mannschaft gelingt, den Gegner minutenlang rund um den Sechzehner einzuschnüren, dann habe ich mich tatsächlich schon oft gefragt, warum man sich den Luxus leistet, einen eigenen Spieler ( Torwart ) 50 Meter vom Spielgeschehen entfernt sinnlos rumlümmeln zu lassen, der sich da höchstens die Zehen abfriert, oder sich sogar vom Balljungen ein paar Bälle zuwerfen lässt.
Ich fände es mehr als logisch, dass der Torwart viel weiter vorne steht. Was aber ganz entschieden dagegen spricht: Wenn eine Mannschaft einen so hohen Druck aufbauen kann, wie Bayern oder Barca, dann wirkt das ohnehin so, als hätten sie irgendwie einen Mann mehr auf dem Platz! Also braucht man den TW gar nicht auch noch mit da vorne, obwohl das Risiko wirklich gar nicht so hoch wäre.

Die „maximale Torwartkette“ als Mittel, um den Gegner überhaupt erst so einschnüren zu können, ist dagegen viel zu riskant und zwar nicht wegen 75-Meter Schüssen, sondern weil der Gegner hinter der Mittellinie ohne Abseitsgefahr mit einem schnellen Spieler starten kann. Und niemand kann eingreifen.

Zu René Higuita möchte ich doch folgendes anmerken:
Aus taktischer Sicht machen diese Ausflüge überhaupt keinen Sinn, man kann deutlich erkennen, dass immer, wenn er den Ball mit der Brust annimmt, sofort 2-3 Verteidiger nach hinten laufen, einer direkt ins Tor, als „falsche Eins“. Es ist dadurch also gar nichts gewonnen.
Aus psychologischer Sicht ist das schon eher interessant, weil der Gegenspieler überhaupt nicht damit rechnet, dass der Torwart mit Ball ins Dribbling geht und sogar über die Mittellinie kommt. Man kann das ja auch schon bei Ecken in der Schlussminute sehen, wenn der TW nach vorne kommt. Natürlich kann es da keine Zuordnung mehr geben. Oder der bemerkenswerte Kopfball von Kahn gegen Getafe ( „…vielleicht ein bisschen für Verwirrung sorgen…“).
Aus ästhetischer Sicht ist René Higuita wirklich fantastisch, weil er mit allen „Sehgewohnheiten“ bricht. Ich bin sicher, uns allen würde das Bier aus der Hand rutschen, wenn Manuel Neuer aus der Tiefe des Raumes kommend mit Ball auf die gegnerische Viererkette zuläuft…

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RM 18. Oktober 2013 um 17:35

Ich würde zu Higuita auch etwas anmerken:
„Aus taktischer Sicht machen diese Ausflüge überhaupt keinen Sinn, man kann deutlich erkennen, dass immer, wenn er den Ball mit der Brust annimmt, sofort 2-3 Verteidiger nach hinten laufen, einer direkt ins Tor, als „falsche Eins“. Es ist dadurch also gar nichts gewonnen.“
Kolumbien war damals taktisch das Vorbild für viele Teams; Kurzpassballbesitzfußball, tolles Pressing, schöne Deckungsart hinten und eben Higuita. Sie erhielten sehr wenig Gegentore damals (für eine Mannschaft ihrer Stärke und Ausrichtung), wurden von eben Heynckes besonders für die Defensive gelobt und Higuita hatte einen großen Anteil daran.

Das Video passt aber zu dem Kursivtext am Ende meines Artikels. Ich wollte hier eigentlich nur Higuita zeigen und noch eigentlicher (hehe) auf die eine Aktion hinweisen. Der Rest des Videos hat wenig mit dem Artikel zu tun, das sind abgefangene Pässe und keine Torwartkette.

Diese gab es aber in gewisser Höhe und eben bei eigenem Ballbesitz durchaus. Er war nicht nur defensiv wie ein Libero, sondern eben bis zu einem bestimmten Raum auch offensiv. Problem: Man findet dazu kein Video. Ich habe aber aktuell ein paar Zusammenfassungen von Kolumbienspielen gefunden, vielleicht (allein mir fehlt der Glaube) zeigen die auch die Aufbauphasen aus der Tiefe, dann editiere ich noch eine Situation herein, wo eine Torwartkette zu sehen ist.

Falls ich was finde, gebe ich also gerne Bescheid. Das ist aber halt was Anderes, als das verlinkte Video. In dem Video oben sind das abgefangene Bälle, wo die Aktionen Higuitas natürlich unkoordiniert und unstrukturiert sind. Ich wollte sie – wie schon gesagt – nur verlinken, weil sie a) geil sind, wo du auch schön das Wieso erklärst und b) in der einen Szene das Freilaufen unfassbar lässig ist.

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Peda 18. Oktober 2013 um 12:09

Geil, geil, geil!

Danke, RM, für diesen Artikel!

Das von ms geäußerte Bedenken, dass sich Gegner bei standardmäßigem Praktizieren darauf einstellen könnten, hatte ich beim Lesen auch. Nur fällt mir eigentlich nichts ein, WIE sie sich darauf einstellen sollten.

Entscheidend dafür ist für mich der Vergleich zwischen Aufbau mit abkippendem Sechser und mit Torwart. Der abkippende Sechser ist nämlich bei manchen Mannschaften eine durchgehende Maßnahme im Spielaufbau und auch darauf könnte man sich als Gegner einstellen, um gezielt den Ball in hohen Feldpositionen zu gewinnen. Aber:
(1) macht ja das schon niemand, was das Risiko der Torwartkette für mich schon stark einschränkt und
(2) hätte der Torwart dann immer noch eine Anspielstation mehr, als der abkippende Sechser vor sich.

Antworten

ms 18. Oktober 2013 um 13:15

„Nur fällt mir eigentlich nichts ein, WIE sie sich darauf einstellen sollten.“

Sprintstarker Gegenspieler, der auf seine Chance lauert. Mitspieler, die bei Ballverlust sofort nach vorne zu ihm passen. Kein Patentrezept aber ein Beispiel. Da reicht es ja, wenn es einmal klappt.

Antworten

RM 18. Oktober 2013 um 17:24

Sprintstarker Gegner muss sich auch richtig positionieren; ein guter Torwart und guter Trainer erahnen das und stellen sich 1 Meter weiter nach hinten. Positionierungsvorteil aufgehoben. Der sprintstarke Spieler ist bei den 2-3 Sekunden, wo der Pass zum Torwart kommt und dieser weiterspielt, auch nur marginal schneller als ein langsamer Spieler, außer man bemüht Extrembeispiele. Usain Bolt brauchte für die ersten 20 Meter seines Weltrekordlaufs 2009 in Berlin 2,89 Sekunden, was immerhin der schnellsten gestoppten Zeit jemals entspricht. Für die ersten 10 Meter benötigte er gar 1,89 Sekunden (ohne Reaktionszeit), die schnellsten ersten 10 Meter jemals waren wohl von Ben Johnson und von Tim Montgomery mit je 1,83 Sekunden.

Gehen wir also von einem Maximum im Fußball von 2 Sekunden für die ersten 10 Meter und 1,5 Sekunden für die Meter 10-20 aus, das würde 3,5 Sekunden für 20 Meter entsprechen. Der Torwart muss also (beispielsweise) laut Trainervorgabe zum nächsten Pressingspieler des Gegners bei hoher Torwartkette einen Abstand von circa 20 Metern halten, um nicht wirklich gepresst werden zu können. Spielt der Gegner tiefes oder hohes Abwehrpressing und der Torwart steht zwischen Mittellinie und der unteren Kante des Mittelkreises, sollte es also praktizierbar sein. Oder so. Theoretisch. Vielleicht.

Dau darf man nicht vergessen, dass man ja auf mögliche Reaktionen selbst reagieren kann. Den Konter kontern. Guardiola sprach ja nach einem Spiel davon, wie sie ihr Ballbesitzspiel so umgestellt hatten, damit der Gegner nicht mehr kontern konnte; beim Ballbesitz wird ja vorgeplant, wie man in welchen Situationen dasteht, um die Ballverluste im Gegenpressing erobern zu können. Der Torwart kann also nicht nur Abstand halten und antizipativ und vorausschauend zurückweichen, erhält mehr Erlaubnis zu bolzen und hat mehr Anspielstationen, sondern man kann vor dem Spiel den gegnerischen Kader analysieren und sagen, „wenn X und Y hier oder dort spielen oder sie dich anlaufen wollen, dann spiel ruhig wieder nur tiefer mit und vorne nicht mehr, okay?“.
Wenn plötzlich David Odonkor sein Comeback für den BVB feiert, darf Neuer im CL-Finale also doch die stabilere Variante wählen.

Falls der Gegner also keine Aborigines von früher und man selbst gewisse Mechanismen hat, sollte es unter Umständen (richtiges Material, bestimmte Partien, bestimmte Gegner) anwendbar sein. Aber wie du schon richtig sagst: Umso weniger vielfältig und weniger situativ man es praktiziert, umso anfälliger ist es. Da stimme ich dir zu. Nur denke ich nicht, dass die Angst vor einer Reaktion die Aktion selbst schon ausschließen sollte. Zumindest in der Theorie nicht.

Das größte Problem sehe ich übrigens bei der Einfachheit des Umspielen des Gegenpressings durch blinde lange Bälle ins Nirgendwo, die wegen der kurzzeitigen Instabilität schon ausreichen würden und eben wegen der Mittellinie als Abseitsschranke ungemein blödsinnig sind. Darum wäre es ohnehin eben nur in Schlussphasen und bei bestimmten Gegnern praktizierbar, z.B. Barcelona gegen Chelsea 2012. Da stand ja Torres ohnehin schon im Abseits, ohne darin zu stehen, vielleicht hätte aber Valdes auf Mittelliniehöhe den Konter abgefangen und dann ein Tor vorbereitet. Vielleicht.

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Foxtrott 19. Oktober 2013 um 00:10

Sehr schön, danke!

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BVB3000 17. Oktober 2013 um 20:52

Hier noch ’n bisschen Anschauungsmaterial.

Victor Valdes Sweeper Keeper vs Bilbao:
http://www.youtube.com/watch?v=2Kf9Wz0h7DA

Victor Valdes – Sweeper Keeper (vs Gijon)
https://www.facebook.com/video/video.php?v=1600143281037

Marko Meerits – Sweeper Keeper:
http://www.youtube.com/watch?v=yYPIjNTuGcE

Manuel Neuer AS A MIDFIELDER Amazing
http://www.youtube.com/watch?v=BhMF_Cxcij4

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scharf 17. Oktober 2013 um 19:16

In unserer Kreisligamannschaft haben wir genau diesen „dreiecksbildenden Torwart“ und überraschenderweise sind die Gegner selbst am 12. Spieltag noch hoffnungslos damit überfordert und haben keine Chance beim hohen Pressen, das übrigens zum Standardmittel in selbst den untersten Ligen fungiert, die Spieler unter Druck zu setzen.

René Higuita ist ja mal der coolste Torhüter aller Zeiten. Schade dass man von ihm noch nicht so viel gehört hat.

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Erkinho 18. Oktober 2013 um 00:53

Ach, komm schon.
„El Loco“ ist mit einer der bekanntesten Fußballspieler der letzten 30 Jahre. Ich sag nur Wembley ’95. Also, den muss man kennen. 😉

Die kolumbianische Nationalauswahl der 90er Jahre war mEn wirklich eine herausragende Truppe, wobei Carlos Valderrama einer meiner all-time favourites ist. Unvergleichlich.

Ich schlage deshalb vor die im Artikel als „mittlere bzw. hohe Torwartkette“ titulierte taktische Ausrichtung von nun an als „kolumbianische Torwartkette“ zu bezeichnen. Vielen Dank im Voraus 😉

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ms 17. Oktober 2013 um 19:04

Mittlere Torwartkette sieht man ja nun öfter, gerade bei MN. Ich habe den Eindruck Du vergisst etwas bei dem Artikel: wird es als Standard gespielt, kann sich der Gegner darauf einstellen, was in der Folge gefährlich ist. Einmal nicht rechtzeitig zurück, schneller Pass, harter Schuss – bum. Oder kleiner Fehler, Ballverlust,…

Fazit: bei einem Fehler brennt die Hütte schnell lichterloh.

Da finde ich das situative von MN wesentlich intelligenter. Beim FCB weis man anscheinend wann MN ausrückt und spielt auch gleich die Dreierkette. Der Gegner weis nicht ob und wann das passiert, kann sich nicht darauf einstellen, was die ganze Maßnahme wesentlich effektiver macht.

Meine Meinung: eventuell doch mehr auch die Risiken beleuchten und/oder einen Abschnitt zur „situativen mittleren/hohen Torwartkette“ einfügen.

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datschge 17. Oktober 2013 um 19:30

Alles funktioniert aufgrund höherem Überraschungseffekts situativ besser als wenn es als wiederholendes und somit erkennbares Muster gespielt wird. Allzugerne wird von all den „zuviel Risiko“-Skeptikern übersehen, dass es ihr Safety-First Ansatz ist, der den gezielten Einsatz von situativer Kreativität als zu riskant im Ursprung abtötet und mit dem viel stärker berechenbareren Defensivspiel ersetzt. Und genau so können sehr schön Systeme wie Guardiolas bei Bayern sowie Spieler wie Higuita und Neuer usw. nachhaltig schlechtgeredet und der Fussball um neuere „revolutionäre“ Entwicklungen beraubt werden.

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splattercheffe 18. Oktober 2013 um 00:26

Das bringt’s doch auf den Punkt. Grade bei uns in Deutschland (muss wohl noch aus der Mannheimer Vorstopper-Schule stammen) bekommst Du ein Gegentor, wenn Du modernes Torwartspiel praktizierst, monatelang aufs Butterbrot geschmiert. Ich muss Manuel Neuer eh bewundern, dass er sein Spiel so gnadenlos durchzieht.
Die Frage ist doch auch, wieviel Tore die Bayern oder die Nationalelf NICHT kassieren, wenn der Keeper sich am Aufbauspiel in den geschilderten Varianten beteiligt. Lässt sich halt naturgemäß schlecht beziffern und wurde am Beispiel Higuitas ja wunderschön dargelegt.

Jedenfalls ein Dankeschön an RM für diesen tollen Artikel!

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RM 17. Oktober 2013 um 20:53

Manuel Neuer baut außerhalb des Sechzehners mit auf? Seit wann das? Der fängt da vielleicht Bälle ab, aber dass er sich dort strukturiert im Aufbauspiel anbietet, wäre mir neu. Neuer steht maximal auf Sechzehnerhöhe (also tiefe Torwartkette) oder fängt eben nach langen Bällen situativ denselben draußen ab und spielt dann einen Pass, aber das a) ist etwas anderes und b) sage ich doch im Artikel?

Und klar, situativ ist besser als rigide und sich dauernd wiederholend, aber die tiefe Torwartkette wird ja auch andauernd praktiziert, wieso also nicht die mittlere ebenfalls, wenn(!) es möglich ist?

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ms 18. Oktober 2013 um 09:56

Im 16er = tiefe TW-Kette, am Rand des 16er sah ich schon als mittlere TW-Kette. *Asche auf mein Haupt ;)*

Andere Frage aus Neugier: MN kann es augenscheinlich, jeder gesteht es ihm ja zu. Warum setzt er dan nicht auch ötfter mittlere/hohe TW-Kette um? Die Idee und den Vorschlag hatte er sicherlich schon gemacht- wäre nur logisch bei seiner Spielweise. Zudem kann ich mir schlecht vorstellen, dass Pep rigoros „Nein“ dazu sagt.

PS: bin mir sicher MN auch schon ausserhalb des 16ers im Aufbau gesehen zu haben – sind aber wirklich extrem wenige Situationen. Zu wenig um es als Programm zu sehen.

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datschge 17. Oktober 2013 um 17:55

Danke für den Artikel in einem Bereich, wo selbst unter progressiven Teilnehmern ein überflüssiges Sicherheitsdenken immer noch bedauerlich stark verbreitet ist. Freut mich auch sehr, dass René Higuita die verdiente lobende Erwähnung bekommt. Damit kommen wir ja der zukunftsweisenden Vision (hoher mitspielender TW, auf engstem Raum ballsichere Spieler, die allesamt das Zentrum fluten können) meines Draftsteams immer näher. 😀

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RM 17. Oktober 2013 um 20:58

Dein Team hat auch gegen den späteren Sieger als einziges Team Punkte holen können! Zweiter der Herzen!

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wombat 18. Oktober 2013 um 21:21

zu higuita
das spielfeld immer im blick:
http://www.youtube.com/watch?v=o06BuXti4eA

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Fabian 17. Oktober 2013 um 17:49

Mal wieder ein sehr schöner Artikel, der grundsätzliche Taktikfragen etwas losgelöst von aktuellen Beispielen betrachtet. Die mag ich immer besonders gern 🙂

Trotzdem finde ich, dass du das Risiko etwas zu sehr verharmlost. Bei einer konsequenten Durchsetzung der Torwartkette ergeben sich zwar weniger Ballverluste in gefährlichen Zonen, aber jeder Ballverlust bietet die Gefahr eines 35-Meter-Tors. Davon reicht u.U. eines alle zwei Spiele, um auf Dauer Punkte zu kosten.
Solche Aktionen, wie Schweini sie beim Länderspiel 2-3 mal zeigte, als er mit dem Rücken zum Spielfeld den Ball vertändelte, sind schon mit einem Torwart im eigenen Tor gefährlich genug. Die Sechser und die IVs dürfen sich bei noch weiter aufgerücktem TW eben keinen einzigen Fehler erlauben, was leider nur in der Theorie passt.
Gerade solche abgezockten Spieler wie Andreasen oder Arango sind bei einem Ballverlust auch durch Gegenpressing dann nicht mehr von der Direktabnahme aus 40 Metern abzuhalten.

Zuletzt ist noch anzumerken, dass kaum zu erwarten ist, dass eine solche (konsequent mittelhohe) Torwartkette Akzeptanz in der Öffentlichkeit finden würde, selbst wenn sie netto einen positiven Effekt hätte, da die zwei/drei Gegentore umso blöder aussehen.

Ich lasse mich aber in Zukunft gerne eines besseren belehren. Bayern darf das ruhig diese Saison schon ausprobieren 😉

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RM 17. Oktober 2013 um 21:02

Darf man halt den Ball nicht verlieren. Wie viele Tore haben die Bayern vergangenen oder diese Saison wegen der Torwartkette bekommen? Und man hat ja einen Spieler mehr vorne – vielleicht hätte Schweini den Ball eben nicht verloren, wenn Neuer sich da im linken Halbraum rechtzeitig anbietet. Hust hust.

Aber gut, ich verstehe schon, was du meinst. Sage ja, dass es riskant ist, eine mittlere Torwartkette würde ich aber durchaus passabel finden und schreibe ja davon, dass es eben immer zur Situation und zum Gegner passen muss, nicht nur für das eigene Spielermaterial.

Bei den Fehlern von Neuer schreien die Medien auch immer, dass ein Torwart ja den Ball sicher haben muss, wenn er schon rauskommt, usw. usf.. Das Klein-Klein Barcelonas und auch der Bayern um den eigenen Strafraum (tiefe Torwartkette) wird zumeist auch belächelt und eher als Marotte gesehen, als „Sklaverei unter dem System“, etc.

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Maturin 17. Oktober 2013 um 21:43

Das mit der Akzeptanz in der öffentlichkeit sehe ich auch als grosses Problem, ist ähnlich wie bei Standardsituationen. Wenn man bei Ecken nicht manndeckt oder die Pfosten nicht besetzt sind wird das grundsätzlich immer erwähnt. Wie oft durch die Überzahl im Strafraum oder die Ballorientierung gut verteidigt fällt dabei voll unter den Tisch.

Das wäre hier noch extremer. Ich wills trotzdem mal sehen, je nach Qualität des Passpiels kann der Torwart ja auch lange Bälle alla Hummels spielen und man steht für zweite Bälle noch ein wenig besser.

Wenn Dortmund Neuer hätte könnte man so Probleme umgehen wenn Hummels zugestellt wird.

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RM 17. Oktober 2013 um 21:52

Da fällt mir zum letzten Satz noch etwas ein…

Als die Bayern 1:1 gegen Dortmund in der vergangenen Hinrunde spielten, sprachen ja alle vom Match“winner“ Weidenfeller und vom Fast-Fehler Neuers gegen Reus(?). MR (BVB-Fan) und ich waren zum gleichen Zeitpunkt einhelliger Meinung (kuckten das Spiel gemeinsam in München): Mit Neuer hätte Dortmund vielleicht gewonnen oder wahrscheinlich halt ebenfalls Unentschieden gespielt, Bayern mit Weidenfeller aber mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit verloren; trotz dessen unbestritten toller Aktionen. Passt irgendwo auch zum Thema, denke ich. Und dürfte man öffentlich gar nicht schreiben – zumindest damals nicht!, vielleicht auch jetzt nicht… -, da man ansonsten schlechtestenfalls als Vollidiot oder bestenfalls als „Hipster“ gilt.

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datschge 17. Oktober 2013 um 23:12

Schreibt es trotzdem, Hipster bzw. Nerds seid Ihr ja sowieso schon. Man muss ja nicht immer bei Neustädter, Jones und Swansea halt machen. 😉 (Zum genannten 1:1 wäre ne Szenenanalyse zu den beiden TW toll.)

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RM 17. Oktober 2013 um 23:52

Machen wir ja! Und diese Szenenanalyse würde wohl ein „Hätte-wäre-könnte“-Analyse werden, wo wir behaupten, dass in Szene X und Y Neuer „den auch gefangen hätte“ und in Szene A und B Weidenfeller im Tor der Bayern das Aufbauspiel unmerklich behindert, einen Ballverlust indirekt verursacht und ein Tor unbemerkbar verschuldet hätte. Oder sowas. Das ist sogar für uns zu Hipster. 😀

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AP 18. Oktober 2013 um 10:01

Und schon ist Weide wieder raus aus dem Kreis der N11 🙂

lässiger Artikel

Maturin 18. Oktober 2013 um 18:45

Jap, selbst als Dortmundfan muss man einsehen, dass Neuer trotz aller Statistiken nicht schlechter auf der Linie ist. Und genau aus dem Grund ist es auch richtig, dass er in der Nationalmannschaft N1 ist.

Ich würde mir nur wünschen jemand wie Löw hätte mal den Mumm zu sagen:

„Weidenfeller ist ein Top-Torhüter, passt aber nicht in meine taktische Vorstellung. Von daher hat er momentan keine Chance.“

Frei nach Kahn fehlen da einfach die Eier um klare Entscheidungen zu treffen!

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RM 18. Oktober 2013 um 23:16

Das verstehe ich auch nicht.

Ich an Löws Stelle hätte einfach Folgendes gesagt:
„Roman Weidenfeller ist ein herausragender Akteur, aber wir möchten wegen [hier taktische Erklärung einfügen] mit einem mitspielenden Torhüter agieren. Darum ist Manuel Neuer unsere absolute Nummer 1, da er diesem Ideal extrem nahe kommt. Ich schätze die Leistungen Weidenfellers aber sehr und bin mir sicher, dass er bei einer anderen strategischen Ausrichtung eine wundervolle Option wäre. Deutschland kann sich absolut glücklich schätzen, einen solchen Torwart produziert zu haben, auch der BVB hat hier einen tollen Tormann im Kasten. Leider wird er bei unserer Ausrichtung nicht in dieser Form benötigt und ich muss leider Roman Weidenfeller maximal die Option als Nummer 3 in Ausnahmesituationen einräumen. Sehr schade. Ohne Manuel Neuer und vor 20-30 Jahren hätte er wohl einige Länderspiele gemacht.“

… und wo wir schon dabei sind:
„Stefan Kießling ist ein wundervoller Spieler, [hier einige seiner vielen Stärken einfügen], aber aktuell möchte ich lieber einen Stürmer, der [Eigenschaften, die Klose / Götze / Kruse / XY besitzt und Kießling nicht] sowie mehrere unterschiedliche Typen dieser Stürmersorte, weswegen Kießling leider nicht benötigt wird. Dank seiner Qualität und Klasse weiß ich aber, dass er bei einem Ausfall von [Klose und / oder Gomez] eine hervorragende Alternative ist, diese toll ersetzen könnte und ich würde mir gerne die Option offen halten, falls Stefan Kießling damit einverstanden ist, ihn dann – aber leider [hier trauriges Gesicht machen] nur dann – einzuberufen und bei Bedarf einzusetzen.“

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juwie 19. Oktober 2013 um 00:18

🙂

juwie 19. Oktober 2013 um 00:15

Die Torwartkette kann man extensiv doch ohnehin nur gegen extrem tief stehenden Mannschaften spielen – oder wenn man eben ein Tor hinten liegt und der Gegner sich „chelsea-mäßig“ eingegraben hat.

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BornALion 17. Oktober 2013 um 13:31

Ein wirklich spannender Artikel! Danke dafür.

Mir bleibt noch eine Frage:

Gäbe es einen Verein der die Torwartkette durchgehend benutzt, inwiefern wäre es sinnvoll die Torhüterposition im Verein mit unterschiedlichen Role-Playern zu besetzen?
Das heißt mein Stammtorhüter beginnt das Spiel und es gelingt mir, einen möglichen 2-Tore Vorsprung heraus zu arbeiten. Dann wechsel ich diesen in der 60 Minute gegen eine Torwart aus, der stärke Fähigkeiten im klassischen Towartspiel hat und bringe den Vorsprung dann über die Zeit…
Meiner Meinung nach ist die Torwartposition die einzige, bei der man sehr krass unterschiedliche Spielertypen einwechseln kann.

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RM 17. Oktober 2013 um 14:22

Theoretisch könnte Barcelona sich Cech holen und ihn in solchen Situationen einwechseln, sich verbarrikadieren und Distanzschüsse provozieren versuchen. Inwiefern das Sinn macht, ist aber fraglich. Die Antizipationskeeper sind ja selten schwächer in den klassischen Torwartdisziplinen als die Linientorhüter. Oder sieht hier jemand Neuer deutlich schwächer im klassischen Torwartspiel als… irgendeinen Torhüter auf der Welt? Und will man das Risiko verkleinern, verbietet man ihm halt für die letzten 20-30 Minuten riskante Aktionen außerhalb des 16ers o.ä, auch wenn ich sogar hier den Sinn anzweifeln würde.

Einen Vorteil des Linientorwarts gegenüber dem Antizipationskeeper sehe ich also in dieser Situation nicht, es sei denn, Oliver Kahn könnte gegen Antonio Adan (ist der eigentlich mitspielend? Mourinho hat es zumindest damals so begründet; sonst eben Menzo) eingewechselt werden bei einem zuvor sehr tiefen und nun sehr hohen Gegner.

Vielleicht wäre eher das andere Extrem denkbar: Bei Rückstand und nun sehr tiefem Gegner wechselt der BVB plötzlich Roman Weidenfeller aus und Mats Hummels übernimmt die Torwartposition…

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Fabian 17. Oktober 2013 um 17:39

Nicht Hummels, sondern Großkreutz, der ist schließlich auch auf der Linie ganz passabel 😉

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Maturin 17. Oktober 2013 um 17:43

Hah, wir haben doch Grosskreutz! Der ist zwar im Spielaufbau nicht so stark aber das schafft er schon, und Kuba geht dann auf RV und gibt den Danny Alves!

Coole Betrachtung, insbesondere die Idee das Aufbau Dreieck zu verändern und so zusätzliche Anspielstationen in höheren Räumen zu schaffen gefällt mir. Gerade Mannschaften die ein 4-2-3-1 als 4-2-4 Spielen können so das Zentrum stärken.

Ein Wechsel ist kaum nötig, die heutigen Antizipationskeeper sind ja keine Freistossschiessenden Verrückten mehr…

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ES 18. Oktober 2013 um 16:47

Vorschlag: Kleine Regeländerung, wie auf dem Bolzplatz: Letzter Mann darf Hand machen. Dann kommt man dem Ideal des universellen Spielers, der im Grunde alle Rollen übernehmen kann (alles Mittelfeldspieler, Lahm etc.) noch ein Stück näher. Neuer kann stürmen, weil Boateng gerade mal Torwart ist. Es wird spannend und unberechenbar. Und die tollen Diskussionen am Bildschirm und in der Kneipe: Wer war jetzt letzter Mann? Handelfmeter oder grandiose Torwartleistung, oder Schiedsrichterfehlentscheidung? Gleiche Höhe, was dann? Dürfen Beide Hand spielen?…..äh, o.k., schlechte Idee, ich verwerfe wieder.

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RM 18. Oktober 2013 um 17:00

Ich finde das geil. Dazu noch die Mittellinie als Abseitsschranke auflösen. Wie würde sich eigentlich Letzteres äußern im Spiel? Auf zum Notizbuch!

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Spielverderber 18. Oktober 2013 um 20:25

Folgendes Szenario:
Bei „Letzer Mann“ rennt der „Torwart“ bei einer Ecke 8m raus und pflückt den Ball 1A runter – und fliegt dann wegen Handspiels vom Platz weil irgend ein Abwehrspieler dumm am Pfosten rumsteht.

Jede Seite hat halt ihre zwei Medaillien, oder so.

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OJDD 21. Oktober 2013 um 15:43

Made my day! 😀

AP 22. Oktober 2013 um 16:59

Geil. Hätten wir noch mehr Pressing/Gegenpressing Aktionen? Oder Bus vor dem 16er Parken und Konter fahren… Die Spieler müssten noch Handlungsschneller werden…

Geil Geil. Trainingseinheit ohne Abseitslinie aber mit Abseits… Bam

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blub 17. Oktober 2013 um 12:49

Interessanter Artikel.

Die Maximale Torwartkette finde ich vond er Idee her sehr interessant und Radikal, aber ich habe ein problem damit:
Wenn der Gegner sicht traut im richtigen Moment auf Aggressives Anlaufen umstellt muss sich der Torwart evtl. rückwärts bewegen um dem Pressing zu entgehen und das führt dann zu einem Verlust des Sichtfeldes.
Wenn der Torwart tiefer steht und herausrückt hat er optimale übersicht für weite Lücken und er zwingt den gegner doch ncoh 10-20m weiter in die tiefe zu gehen.
Allein die fehlende Option das Spiel mit einem Rückpass wieder sehr tief zu ziehen ist für mich aus strategischer ein starker Verlust.

(Hinweis: Der 44-quadrat-link geht nicht, vermutlich ist die Seite vom netz genommen)

Antworten

RM 17. Oktober 2013 um 13:12

a) Der Torwart kann dann einfach bolzen und in einen offenen Raum „flanken“, Drehungen sollen vermieden werden.
b) Ich habe den Begriff „maximal“ bewusst gewählt, da er zeigen soll, dass der Torwart immer maximal so hoch aufrückt, dass er eben trotzdem noch Tiefe ins Spiel bringen kann. Sobald der Gegner sich schon höher positioniert, um später überhaupt ins Pressing gehen zu sollen, weicht der Torwart antizipativ zurück.
c) Wenn die sehr aggressiv und vereinzelt den Torwart anlaufen, soll er den Gegenspieler doch einfach ausspielen. Hehe.

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