Confed-Cup-Vorschau: Mexiko

Von Sommerpause keine Spur: Ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Brasilien findet der obligatorische Confederations-Cup statt. Als Einstimmung auf die WM-Generalprobe stellen wir die grundlegenden Konzepte der Teams und taktische Varianten vor.

In vielerlei Hinsicht ähnelt sich das mexikanische Team mit dem Gruppengegner aus Japan. Beide stellen aufstrebende Fußballnationen dar, die in den vergangenen Jahren bei diversen Jugend- und Nachwuchsturnieren sehr gute Ergebnisse erzielen konnten. Beide verfügen über viele wendige und spielstarke Akteure. Und beide haben seit der vergangenen Weltmeisterschaft einen neuen Trainer, obwohl sie in Südafrika durchaus zu gefallen wussten.

Damals beeindruckten Javier Aguirres Mexikaner viele Beobachter mit ihrer offensiven Spielweise und dem Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette, wenn sich der zentrale Sechser des 4-3-3 in die Abwehr zurückfallen ließ. Doch trotz des Erreichen des Achtelfinals kam mit José Manuel de la Torre ein neuer Coach auf die Bank, der zuvor die nationale Meisterschaft in Mexiko hatte gewinnen können.

Absichernde Sechser und vielseitige Offensivkräfte

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Mexikos wahrscheinliche Grundformation für den Confed-Cup

Unter seiner Ägide veränderte sich die Grundformation zu einem weniger flexiblen und soliden 4-4-2, das die Fluidität eher innerhalb der Linien ausspielt denn zwischen ihnen. Während sich in Südafrika insbesondere der halbrechte Achter Juárez immer wieder vertikal weit mit nach vorne bewegte, halten sich die defensiven Mittelfeldspieler unter de la Torre viel mehr zurück. Zwar sind Kapitän Torrado und sein jeweiliger Partner – entweder Zavala oder der talentierte Herrera (der schon ein wenig offensiver ist), der in der nächsten Saison für Porto auflaufen wird – sehr laufstarke Akteure, doch organisieren sie primär den Spielaufbau, verbleiben dabei im Großen und Ganzen auf ihren Positionen und rücken verhältnismäßig wenig auf. In der Horizontale gehen sie natürlich einige Male auf die Seiten und besonders der halbrechts spielende Akteur kippt gelegentlich hinter Severo Meza heraus, was eine asymmetrische Aufbau-Dreierreihe aus den Sechsern und dem eingerückten Salcido sowie viel Power über die rechte Offensivseite ermöglicht.

Auf den Flügeln spielen die beiden Außenverteidiger zwar weiterhin recht offensiv, doch ist dieser Drang weniger ausgeprägt als noch in vielen, teilweise extremen Spielen unter Aguirre. Davor agieren die beiden offensiven Flügelspieler – auf rechts entweder Barrera oder Aquino, auf links wohl Guardado – sehr vielseitig, wechseln immer wieder zwischen direkterem und abwartendem Spiel sowie klassischen, geradlinigen und diagonalen Bewegungen. Je nach gegnerischer Ausrichtung konzentrieren sich diese auf hohem, aber nicht höchstem Niveau agierenden Spieler besonders auf die spezifischen gegnerischen Schwächen und das Ausnutzen jener. Darüber hinaus sorgen die beiden für Fluidität und können insbesondere bei schnellen Konterangriffen die Lücken und Schnittstellen attackieren, die die ausweichenden Bewegungen von Chicharito hinterlassen.

Chicharito und die Frage nach dem Partner

Manchester Uniteds Mittelstürmer ist eindeutig der wichtigste Teil in Mexikos Offensivkonzept – nicht nur als schneller Torjäger, sondern eben auch als ausweichender Raumschaffer. Mit viel Fleiß, Tempo und gleichzeitig besonderer Intelligenz gelingt es der „kleinen Erbse“ wie kaum jemandem sonst, die gegnerischen Innenverteidiger vor so große Probleme zu stellen und mit teils aberwitzigen Läufen Löcher in deren Abwehrlinie zu reißen.

Die wichtige Frage lautet in der Offensive, welchen Spielertypen de la Torre sich als Partner von Chicarito aussucht. Dabei hat er zwei verschiedene Optionen, die er ja nach Gegner einsetzen kann. Zum einen wäre es möglich, mit Giovani dos Santos – ansonsten auch eine Option für den rechten Flügel – einen kreativen und dribbelstarken Akteur aufzustellen, der mit wendigen Aktionen für Unruhe sorgen und sich verstärkt ins Kombinationsspiel sowie die Rochaden einbinden könnte. Zum anderen steht mit Aldo de Nigris – vom Bewegungsablauf Falcao sehr ähnlich – ein echter Neuner bereit, der im Strafraum von den raumschaffenden Bewegungen Chicharitos profitieren oder zum Beispiel lange Bälle hinter die Abwehr auf diesen verlängern könnte.

Licht und Schatten bei Unterzahlangriffen

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Variante mit einem zweiten Mittelstürmer im 4-4-2

Mit zwei echten Mittelstürmern – Olympiaheld Oribe Peralta stünde hier als weitere Option bereit – in einer 4-4-2-artigen Formation ebenso bei wie der Variante mit dos Santos hat es die Mannschaft bis jetzt fast immer geschafft, durch Fluidität und gute Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Spielern schnellen und ansehnlichen Fußball zu spielen. Die Strukturen im Offensivbereich erlauben immer wieder auch erfolgreiche Unterzahlangriffe, bei denen verhältnismäßig viele Akteure absichern können. Im Jahr 2013 hatte Mexiko allerdings schon manchmal das Problem (5 Remis in 6 WM-Quali-Spielen), die Offensivspieler nicht konstant eingesetzt zu bekommen, wenn der Gegner diszipliniert und kompakt auf die Passverbindungen achtete.

Ein Pluspunkt für Mexiko bei diesen Angriffen ist jedoch die Tatsache, dass die Offensivspieler auf eine sehr gute Abstimmung zurückgreifen können. Gerade die Abteilung in vorderster Front entspricht größtenteils jener Besetzung, die vor zwei Jahren schon den Goldcup gewinnen konnte –Torrado erlebt wechselnde Mittelfeldpartner (gelegentlich gar Salcido) und Barrera hat Konkurrenz durch Aquino bekommen, doch der Rest des Teams kennt sich gut und ist eingespielt.

Trotz der vermehrten Einsätze von Herrera im Mittelfeld und des schlaksigen, aber enorm beweglichen Diego Reyes in der Innenverteidigung, der ebenfalls zu Porto wechseln wird, könnte man sich eine stärkere Blutauffrischung wünschen. Als Partner von Reyes ist zum Beispiel dessen bisheriger Vereinskollege Maza gesetzt. Mit Abstimmung können die beiden zwar punkten, aber Kapitän Maza ist – wie man in Stuttgart weiß – fehleranfällig und spielerisch einem jüngeren Duo aus Reyes und Espanyols Héctor Moreno unterlegen. Hier läge also durchaus noch ein wenig Verbesserungspotential in personeller Hinsicht.

Mexiko und Japan: Aufstrebend, wenig beachtet, durchaus ähnliche Qualitäten

Insgesamt könnte man die Mexikaner durchaus als funktionalere und etwas inkonstante Version von Japan bezeichnen, wobei der Fokus bei den Mittelamerikanern mehr auf der Dynamik denn dem Zwischenraumspiel liegt. Verglichen mit Japan sind die Mexikaner nicht so stark auf Dominanz ausgerichtet und spielen die Überladungsaktionen mit den einrückenden Offensivspielern mit Tempo durch Freiräume, denn etwas geduldiger auch bewusst in Engstellen hineinzugehen, wie es beispielsweise ein Kagawa bei Japan zeigt.

Wenn die mexikanischen Offensivspieler nicht in die Mitte eingerückt sind, starten sie auch gerne direkte Flügelangriffe mit Individualdribblings, was bei Japan dagegen etwas seltener auftritt. Dann spielen Barrera bzw. Aquino und Guardado – alleine oder mit dem unterstützenden Außenverteidiger – den Flügel hinunter, den Doppelpass mit dem diagonal unterstützenden Mittelstürmer oder die horizontale Verlagerung an der offensiven Viererreihe entlang. Gegen Nigeria erzielten sie im Testpiel zuletzt zwei simple Tore nach seitlichen Durchbrüchen und Hereingaben auf Chicharito – mit der Gefahr, dass die Spielanlage im letzten Drittel etwas zu simpel wird. Worauf der Fokus verstärkt liegt, hängt eben stark vom Gegner und den aufgebotenen Spielern ab – in mexikanischer Vielseitigkeit ähneln sie mal dem japanischen Team oder begeistern ein anderes Mal mit dynamischem und direktem Spiel.

Fazit und Ausblick

Grundlegend und formativ ist die mexikanische Ausrichtung klar – im Angriffsspiel eher zurückhaltende Sechser und eine fluide Viereroffensive, defensiv präsentiert sich die Mannschaft ohnehin stabil. Besonders die offensiven Außen verengen aus einer recht normalen 4-4-2-Grundformation das Mittelfeldzentrum immer sehr effektiv, während die Sechser intelligent Lücken stopfen und viel auf den Seiten unterstützen. Letztlich wird von Spiel zu Spiel die genaue und konkrete Personalwahl den Stil entscheidend prägen, was vor allem auf Chicharitos Partner zutrifft.  Daneben dürfte besonders das Verhalten der beiden Außenverteidiger die mexikanischen Leistungen beim Confed-Cup beeinflussen – der Grad ihrer Offensivbeteiligung und die Mechanismen ihres Vorrückens werden den Charakter des mexikanischen Offensivspiels verändern können.

Borgetti 12. Juni 2013 um 17:46

Wie agiert Mexiko eigentlich im Pressing? Bin mir nicht sicher ob ich das schlicht übersehen hab oder ob das nicht thematisiert wurde.

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Acias 12. Juni 2013 um 15:35

Warum ist Carlos Vela eigentlich seit fast 2 Jahren nicht mehr eingesetzt worden. Seine Leistungen bei San Sociedad lassen doch vermuten, dass er, auch da Vela mit Chicarito und Giovani bereits in den U-Mannschaften gespielt hat, die Optimalbesetzung für die 2. Stürmerposition sein könnte.

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GH 12. Juni 2013 um 16:05

Genau die gleiche Frage hab ich mir auch gestellt. Ist er doch immerhin einer der besten Scorer der Primera Division mit ungefähr 25 ScorerPunkten.

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GH 12. Juni 2013 um 16:10

Ich hab mal des gefunden:

http://www.voxxi.com/confederations-cup-without-carlos-vela/

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