Adventskalender, Türchen 15: Lorenzo Davids

Lange habe ich überlegen müssen, auf wen die Wahl beim FC Augsburg nun fallen soll – es war eine wahrhaft schwere Entscheidung. Der Bundesliga-Neuling hat in dieser Saison noch einige Probleme, so dass es keine heimlichen Träger eines Erfolgs gibt, sondern vielmehr nur solche, die der Mannschaft Stabilität verleihen.

Lorenzo Davids´ Profilbild auf bundesliga.de

Hier fiel die angesprochene Entscheidung zwischen Hajime Hosogai und Lorenzo Davids, letztlich für den zuletzt genannten Niederländer – einem Vertreter der bekannten Surinam-Fraktion in unserem Nachbarland.

Bekanntester Spieler dieser Gruppierung ist der große Edgar Davids, Teil von Louis van Gaals großer Ajax-Mannschaft der 90er und Cousin von Lorenzo. Vergleiche und Spitznamen á la „der kleine Edgar Davids“ wurden laut und waren, auch wenn sie Lorenzo wohl sein Leben lang in einem eher negativen Sinne begleiten – vielleicht sollte man verfolgen sagen -, gar nicht einmal unberechtigt, denn in ihrer Spielweise weisen die beiden durchaus einige Ähnlichkeiten auf.

Sie sind jeweils im zentralen Mittelfeld beheimatet, glänzen mit hervorragender Technik – in der Jugend penibel geschult, wobei Lorenzo hier angeblich sogar besser gewesen sein soll als Edgar – und einem sicheren, aber auch sehr ambitionierten Passspiel. Doch nicht wie etwa in der Philosophie Barcelonas ist der Pass das wichtigste Mittel, sondern wird mit der nötigen Athletik und Robustheit verfeinert (übrigens einer generell unterschätzten Eigenschaft der „van Gaal-Mannschaften“). Nach dieser Philosophie lernte er zunächst in Amsterdam, später in Rotterdam, wohin es die Familie Davids´ verschlug, das Fußballspielen. Im gereifteren Alter hatte er mit Gertjan Verbeek oder Trond Sollied kompetente Förderer an seiner Seite.

Nach seinem diesjährigen Wechsel zu Augsburg in die Bundesliga konnte er nach anfänglichen Startproblemen mittlerweile seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und seinen Wert für die Mannschaft zeigen. Laufstärke, Robustheit, Athletik, Kampfkraft und vor allem Mut, Kreativität und Anregung der Kollegen zum kombinierenden Zusammenspiel im letzten Drittel sind essentiell wichtig für die Mannschaft geworden.

Am besten scheint es aber noch zu sein, wenn Davids mit dem bereits erwähnten Hosogai zusammen spielt. Zu Saisonbeginn wurden beide Spieler aufgrund ihrer Flexibilität und Polyvalenz häufig von verschiedensten Positionen hin und her geschoben – Davids bekleidete alle denkbaren Mittelfeld-Rollen sowie die des Linksverteidigers, während Hosogai als Sechser sowie auf beiden Seiten der Viererkette spielte.

Als Duo im defensiven Mittelfeld haben die beiden zuletzt für bessere Auftritte – unter anderem die Siege über Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach – gesorgt und sich dabei gut präsentiert. Während der technisch und im Zweikampf konsequente sowie überaus fleißige Hosogai für die Ballverteilung zuständig war und sehr seltene Vorstöße nach vor wagte, agierte Davids quasi wie das Mädchen für alles, der auf den Seiten half, freie Räume nutzte, mit seiner Energie das Spiel ins letzte Drittel trieb und bereits als erster Abfangjäger sich mit seiner physischen Kraft gegnerischen Angriffen entgegenstellte. Hier muss er allerdings noch ruhiger und balancierter werden, manche Zweikämpfe sind in der Führung zu riskant und so kam es auch, dass er gerade in der Tiefe – also in der Abwehr – schwächer aussah als im Mittelfeld. An Effektivität mangelt es ebenfalls seinen Vorstößen aus der Tiefe noch, die zwar mit ihrer physischen Wucht durchaus für Gefahr sorgen, denen aber noch das richtige Timing und folglich die Produktivität fehlen – so kommt er fast nie zum Abschluss.

Zu Saisonbeginn hatte Davids noch große Probleme, verschuldete einige Tore, kam nicht richtig ins Spiel und in die Zweikämpfe und spielte deutlich unter seinem Niveau, doch obwohl er sich mittlerweile gefangen hat, gibt es immer noch Pfiffe gegen ihn, was wohl einer der Hauptgründe sein dürfte, wieso man seine Arbeit noch nicht wahrgenommen hat. Es ist davon auszugehen, dass er sich noch weiter steigern wird und in der Rückrunde zusammen mit den ebenfalls eine gute Entwicklung versprechenden Hosogai und Gogia sowie den bisher überzeugenden Bellinghausen, Mölders und Baier sowie eventuellen Neuzugängen den Klassenerhalt auch über Offensive festmachen kann.

Tom Turbo 15. Dezember 2011 um 18:05

Bei Augsburg hätte ich mich auch schwer getan einen Helden zu finden. Anstelle „fast immer nur“ 6er Auszuwählen hätte ich gedacht das hier Sebastian Langkamp erscheint. Einer der besten Zweikämpfer der Liga (gefühlt), mit leider viel zu wenig Einsatzzeiten.

Inhaltlich kommt es auch so rüber als ob du von Hosogai mehr hälst, als von Davids.

Gruß Tom

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