Adventskalender, Türchen 7: Josué

In Wolfsburg hat er schon vieles mitgemacht – seit 2007 ist er erst im Verein, doch es fühlt sich schon wie eine Ewigkeit an. Von der grauen Maus, die ganz nach oben wollte, zum Überraschungsmeister und zurück, fast sogar bis in die zweite Liga, Spieler wie Trainer kamen und gingen, Erfolg und großer Misserfolg wechselten einander unregelmäßig ab, doch einer blieb: Josué Anunciado de Oliveira, wie der mittlerweile 32-jährige Kapitän seines Teams mit bürgerlichem Namen heißt.

Josués Profilbild auf bundesliga.de

Der Altmeister aus Brasilien ist das perfekte Beispiel für einen unauffälligen Arbeiter und unbesungenen Helden wie auch für einen bestimmten Spielertyp – den giftigen Terrier auf der Sechs. So basiert dieser Spielstil vor allem darauf, mit extrem ausdauernder und dynamischer Laufarbeit die Zone vor der Viererkette zu patrouillieren und einen direkten Gegenspieler eng zu markieren, zu verfolgen und aus dem Spiel zu nehmen.

Dabei ist enormer Fleiß, Zweikampfstärke, Ausdauer  und eine gewisse dynamische Aggressivität in der Deckung erforderlich, mit der man auch die eigenen Kollegen in der Offensive stark entlasten und ihnen den Rücken freihalten kann. Gerade in Wolfsburgs Meistersaison gelang Josué diese Art des Verteidigens sensationell, durch seine „Drecksarbeit“ und seine Effektivität machte er sich zum Lieblingsspieler Felix Magaths, der in seiner gesamten Karriere gerne auf solche horizontal agierenden Abräumer setzte – ob es nun ein Soldo in Stuttgart oder ein Demichelis bei den Bayern war.

Von allen diesen anderen Beispielen, die Magaths Mannschaften prägten, hebt sich Josué als der defensivste und beschränkteste ab. So überragend seine Leistungen auf dem Weg zum Titel auch waren, so limitiert zeigte er sich in seinen Wolfsburger Tagen immer wieder im konstruktiven Spielaufbau und Passspiel, mit welchem er oftmals große Probleme hatte. Darüber kann auch eine Passquote von etwa 80 % nicht hinwegtäuschen, denn oftmals sind es Rückpässe und unter Druck oder bei halbwegs zugestellten Mitspielern wird es sehr kritisch (siehe hier und hier) – nicht unbedingt im Sinne von Fehlern, sondern im Sinne der konstruktiven Lösungsfindung.

Josué ist also ein sehr klassischer Spieler mit klar definierten Aufgaben, Stärken und Schwächen sowie einer Teilung zwischen Abwehr und Angriff, selbst wenn er sich immer red- und vorbildlich bemüht. Im Defensivspiel ist er jedenfalls – fast schon auf besorgniserregende Weise, wenn man sich sein Alter anschaut – unverzichtbar für die Wölfe, sind seine statistischen Werte (5,7 Tacklings und 3,6 Interceptions pro Spiel) immer noch herausragend, obwohl er nicht mehr die Form glorreicherer Tage hat.

Wolfsburg unter Magath 2007-2009

In jenen Tagen war es ein Genuss, seinem Spiel zuzusehen, wie er fast jeden Gegner ausschaltete und wie ein Giftzwerg übermannte. Es wäre wohl keine Übertreibung zu sagen, dass es der kleine Brasilianer war, nicht die Torgaranten Dzeko und Grafite, der der wichtigste Spieler jener VfL-Mannschaft war und überspitzt formuliert die Aufgaben von den drei Sechsern des 4-3-1-2 abspulte.

Eine der großen Gefahren, die diese von Josué vertretene, zweikampfintensive Spielweise birgt, sind viele Fouls, die er verursacht, wodurch dem Gegner immer wieder – oftmals auch unnötige – Freistöße in durchaus aussichtsreichen Positionen geschenkt werden.

Des Weiteren kann sein Gegenspieler bei konsequenter Deckung durch Josué auch indirekt für Gefahr sorgen, wenn er in zweierlei Hinsicht intelligent genug ist – indem er nämlich erkennt, dass er Josué mit off-the-ball-runs aus seiner Position ziehen, die gegnerische Staffelung aufbrechen und Räume im Abwehrzentrum für seine Mitspieler schaffen kann und dies auch mit dem richtigen Timing und Feingefühl effektiv umsetzt – die Dortmunder machten dies bspw. sehr gut.

Hier zeigen sich die negativen Seiten von Josués mannorientiertem Spiel, welches er sicherlich besser beherrscht als ein zonenorientiertes, und auch wenn er häufig viele Räume stopft und zuläuft oder auch absichert, so kommen seine Stärken gegen einen direkten Gegenspieler besser zur Geltung. Da dies allerdings längst keine Regel mehr ist, schwingt eine gewisse Unterschiedlichkeit seiner Leistungen je nach Gegner mit. Für den Zuschauer wirkt er dadurch inkonstant oder in seinen schwachen Spielen auch aufgrund der Eindrücke aus seinen stärkeren Zeiten schwächer, als er in den Spielen vielleicht wirklich ist, was dann alles noch mehr dazu beiträgt, dass er einender Erfolgsgaranten und Stützpfeiler der Mannschaft darstellt, die übersehen werden.

laterookie58 7. Dezember 2011 um 16:50

@TR: mehr kann man zu ihm auch kaum schreiben! Ich glaube sehr zutreffend auf den Punkt gebracht. Und für mich würde es auch Elemente der defensiven Verunsicherung/ Unzulänglichkeiten von WOB erklären; eben weil Felix Person- System- Taktik, „personell Terrier“, spielt. Seit langem berechenbar. Mir unangenehm: ich glaube, daß Christian Träsch Kapitän ist und nicht mehr Josue. Entschuldige bitte!

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