Vom Raum um den Halbverteidiger

1:1

Gegen Frankfurts 5-2-1-2 fand Hoffenheim nur schwer ein Durchkommen. Die Problemstruktur war dabei recht klar angelegt. Vieles, was in eine Richtung sonst hätte gefährlich werden können, stoppte der Faktor Gegenpressing. Nagelsmann erkannte, dass er die Raumbesetzung ändern musste, und versuchte das mit zwei Umstellungen.


Systemische Wechselwirkungen

Lange Zeit tat sich Hoffenheim enorm schwer gegen die defensiv disziplinierten Frankfurter und musste sich bis zur Nachspielzeit für den Ausgleichstreffer gedulden. Der hauptsächliche Knackpunkt aus Sicht der Kraichgauer bestand darin, dass das bei der Eintracht gewählte Verteidigungssystem ziemlich unangenehm auf den Hoffenheimer Stil mit seinen vertikalen Ablagenzügen passte. Zusätzlich war im 5-2-1-2 der Block vor der Abwehrkette mit seiner Kompaktheit in alle Richtungen auch als solcher wertvoll. Aus dieser Anordnung kann man das Nachschieben zur Seite sehr klar und sauber realisieren. Im Laufe des Spiels ergab sich bei zunehmenden Ballbesitzmengen der Gastgeber eine häufige Wiederholungsstruktur, in der sich die Hausherren nur selten durchsetzen konnten.

Zu Anfang hatte sich der Gast noch in einem 5-2-3 mit Gacinovic rechts formiert, schon nach etwa fünf Minuten wechselte Niko Kovac dann jedoch die vordere Aufteilung. Mit drei Spitzen konnte man zwar die Dreierkette sehr gut zustellen, bei Mannorientierungen gegen Herauskippbewegungen eines Achters ging dabei aber zu viel Zentrumspräsenz verloren. Nach Rückpässen von Geiger hatte es so für die Eintracht anfangs kleinere Schwierigkeiten gegeben, den Raum hinter der Sturmlinie – falls diese doch mal überspielt wurde – kompakt genug gegen Grillitsch und Demirbay abzusichern. So war Hoffenheim zu einer sehr schwungvollen Startphase gekommen. Die von Kovac vorgenommene Veränderung musste sich dann noch etwas einpendeln, mit der Zeit agierte auch Rebic links etwas breiter und trug so zu einem Linksfokus des Hoffenheimer Aufbaus bei, der vom Grundsatz bei diesen ohnehin angelegt schien. Vor der Pause spielte Akpoguma die heftige Zahl von 66 Pässen gegenüber 29 von Posch.

Trotz des gelungenen 4-3-3-Auftritts in Köln kehrte Julian Nagelsmann diesmal zum bevorzugten Erfolgsmodell der Vorsaison mit bewegungsreicher Doppel-Acht vor einem Ankerpunkt zurück. Gegen die X-Staffelung bei den Gästen fand Grillitsch auf dieser Position nicht so gut ins Spiel, da seine Bewegungen innerhalb des stumpfen Dreiecks schwierig waren. So verschoben sich die Hoffenheimer Bemühungen im Aufbauspiel eigentlich sehr klar auf die beiden Halbverteidiger, die auch gar nicht so selten freigespielt werden konnten und über ihre entsprechenden Kanäle Aufrückmöglichkeiten erhielten. Im Wesentlichen entwickelte sich genau davon ausgehend die entscheidende Frage, wie die TSG ihre Aktionen weiterentwickeln konnte, wenn Posch und – noch viel häufiger – Akpoguma an der gegnerischen Doppelspitze vorbei gekommen waren.

Anbindung an hohe Achter nicht gefunden

Auffällig war die hohe Spielweise der Hoffenheimer Achter: Dahinter stand wohl die Überlegung, gegen die zahlreichen grundlegenden Frankfurter Mannorientierungen Räume für attackierende Läufe zu schaffen – entweder diagonal in die Schnittstellen zwischen Flügel- und Halbverteidigern oder direkt hinter die letzte Linie. Dafür bewegten sich auch die beiden Stürmer viel in diesen Zonen, abwechselnd sogar oft ins passive Abseits, um Verwirrung zu stiften. Diese ganzen Rochaden sahen nicht so schlecht aus, kamen aber kaum zur Geltung, da sie einerseits nicht immer ganz kontrolliert abliefen, vor allem aber zu selten kontrolliert bedient werden konnten. Strukturell bekam der Gastgeber also, um es vielleicht etwas anschaulich darzustellen, diese vielversprechenden Aktionen nicht stabil getragen.

Auf das angesprochene Aufrücken der Halbverteidiger mit Ball reagierte Frankfurt ab einer gewissen Höhe mit dem Vorschieben des jeweils ballnahen Sechsers, der zunächst seinen entsprechenden Achter-Gegenspieler verfolgt hatte. Nun löste er sich aus dieser flachen Staffelung, die Stendera und Boateng gegen das Vorrücken von Geiger und Demirbay immer wieder einnahmen. Dabei konnte er seinen vorigen Gegner recht praktisch im Deckungsschatten halten, während dieser in Richtung Fünferkettenschnittstelle pendelte. In dieser Situation gab es für die Hausherren dann wenig Optionen, gefährliche Offensivübergänge auszulösen – und sie kamen recht häufig in diese Lage. Pässe auf den Flügelverteidiger waren in dieser Konstellation keine hilfreiche Variante: Der Spieler musste sich aus vorgerückter Position leicht nach hinten bewegen und war vom Sichtfeld her durch sein Frankfurter Pendant sehr leicht zu pressen.

Die Gesamtstruktur machte es hier nicht einfach, schnelle Verbindungen in den Rücken des gegnerischen Flügels herzustellen, wo man Raum hätte attackieren können. Vor allem von Nico Schulz aus musste Hoffenheim häufig Angriffe abbrechen und zahlreiche Rückpässe spielen. Eine andere Möglichkeit für den Halbverteidiger wäre der Weg in die Mitte gewesen, Grilltisch wurde dort aber weiter durch die Mannorientierung Gacinovic´ blockiert. Im besten Fall ließ sich dieser während des Verschiebens des ballnahen Sechsers sogar nach hinten in die entstehende Horizontallücke fallen, erschwerte somit auch die Anbindungen an die Hoffenheimer Stürmer noch mehr und ließ den gegnerischen Sechser vom ohnehin regulär stattfindenden Rückwärtsanschluss des Sturms aufnehmen.

Beispielhafte Darstellung für eine typische Problemsituation, mit der sich die Hoffenheimer oft auseinanderzusetzen hatten: Akpoguma am Ball, Stendera rückt heraus und hält den hohen, vor allem auf die Schnittstelle lauernden, dort aber nicht so gut einzubindenden Geiger im Deckungsschatten. Die Einbindung Schulz´ (roter Pfeil) kann nicht die Lösung sein, zentral füllt die normale Rückzungsbewegung den Raum auf (grüne Pfeile: Gacinovic punktuell fast zwischen die Sechser, Haller Richtung Grillitsch). Auch Demirbay ist weit aufgerückt, ebenfalls oft fokussiert auf den hohen ballfernen Halbraum mit Übergang zu den Schnittstellen. In der Gesamtsituation fällt es Hoffenheim dann schwer, stabile Übergänge in die Angriffszonen und deren Potentiale herzustellen.

Hängenbleiben in flachen Staffelungen – beidseitig

Der ballferne Achter wiederum konnte auch nur schwierig eingebunden werden, da dieser ebenfalls eine offensiv attackierende Rolle ausfüllte und sich viel auf mögliche Durchbruchsoptionen und Angriffsbewegungen hin orientierte. In diesem Dilemma befand sich Hoffenheim vor allem in Halbzeit eins: Je länger diese dauerte, desto mehr Ballbesitz bekamen sie, ließen das Leder hinten laufen und kamen irgendwann an jene Problemstelle beim Aufrücken des Halbverteidigers. Übrigens war es aber nicht so, dass Frankfurts flache, mannorientierte Verteidigung alle vertikalen Passkanäle hätte blockieren können. Manche Bälle brachte Hoffenheim, beispielsweise eben von Akpoguma, an die letzte Linie heran. Tendenziell stellten sich ihre aufgerückten, gelegentlich ähnlich flachen Angriffsspieler dort aber gegenseitig die Räume zu und Frankfurt hatte aus einer breiten Anordnung viele Möglichkeiten, sehr aggressiv in die Zugriffsfindung überzugehen.

Da die Vorstöße der TSG-Achter oft etwas zu weit gingen und auf die offensive Weiterleitung abzielten, gab es wenig Möglichkeiten, sich effizient in einen Alternativraum zu lösen. Bei Pässen auf den phasenweise recht ballfordernden Wagner musste Hoffenheim teilweise aus der eigenen Enge „weglaufen“ und Ablagemöglichkeiten aufgeben, während der Angreifer selbst auch manchmal unpassend aufzudrehen versuchte. Vertikalpässe in die Spitze konnte Hoffenheim also selten festmachen. Jedoch entstanden daraus trotz des weiten Aufrückens fast keine gefährlichen Konter für Frankfurt. Denn umgekehrt konnte Hoffenheim mit vielen hohen Spielern Druck machen, zumal diese noch nah an den vorigen Mannorientierungen waren. Auch in diese Richtung wurden die Angriffe durch die flache Staffelung ausgebremst, stand die Eintracht teilweise schließlich fast mit sieben Leuten in einer – jedoch gut hochgeschobenen – letzten Linie.

Stabile Frankfurter agieren über lange Bälle

In der Folge dauerte es nach solchen Szenen nicht lange, ehe Hoffenheim den nächsten Anlauf erhielt. Für Frankfurt war das aber kein Drama: Sie spielten mit einem frühen Führungstreffer im Rücken und mussten entsprechend für die Offensive nicht unbedingt etwas tun. Auch in ihrem Aufbau brauchten sie daher nicht viel Risiko eingehen und konnten häufig mit längeren Bällen arbeiten. Diese nutzten sinnvollerweise vorne Haller als Zielspieler und gingen somit bevorzugt nach halbrechts, wohin sich die zentrale X-Anordnung in guter, stabiler Verschiebung hin ausrichtete: Beispielsweise drifteten beide Sechser leicht hinter die Offensivstaffelungen herüber. Der entscheidende Punkt für die Hessen war es dann, den Ball von Haller (in Halbzeit eins die zweitmeisten Pässe bei der Eintracht, zusammen mit Hradecky) in die seitlichen Zonen hinter Nico Schulz abzulegen.

Auf den Flügelverteidigerpositionen nutzten die Hoffenheimer viele herausrückende Elemente und Mannorientierungen, so dass diese Akteure nur bedingt im Verbund mit den drei zentralen Verteidigern arbeiteten. Die Räume dazwischen konnte Frankfurt gelegentlich anvisieren und diese Möglichkeiten nutzten sie für einige gute Rückpässe horizontal in Bereiche an der Strafraumkante, was von dort immer mal in Abschlüssen mündete. Es benötigte mit dieser Spielweise nicht allzu viel Risiko im Aufrückverhalten. Sehr wichtig für die Eintracht war, dass sie jenes Aufrücken dann gerade im Moment des Ballverlustes konsequent praktizierten und sehr energisch die losen Mannorientierungen der Hoffenheimer zu ihren Gunsten umkehrten. Das Gegenpressing unterband die Geschichte, dass das „Ballbesitz-Team“ plötzlich über Konter das „Defensiv-Team“ erwischen würde, und präsentierte sich insgesamt für beide Seiten als äußerst wirksames Werkzeug.

Nagelsmanns erste Anpassung

Auffällig lange hielt Julian Nagelsmann an der Spielweise vor allem seiner Achter bei eigenem Ballbesitz fest. Offenbar setzte er darauf, über die bewegliche Offensivpräsenz irgendwann eine Unsauberkeit beim Gegner provozieren oder eine größere Lücke gegen die Mannorientierungen reißen zu können. Seine Spieler gingen auch immer mal ins Risiko, eine ambitionierte Verlagerung zu spielen oder einen ihrer zahlreichen Läufe gegen eine direkte Deckung in die Tiefe zu schicken. Frankfurt hielt das Ganze zwar gut im Gleichgewicht und fing die diagonalen Rochaden des gegnerischen Mittelfelds gut auf, jedoch auf Basis einer eher dünnen Absicherung. Nur eine exzellent gelungene Kreuzbewegung zwischen Stürmern und Achtern hätte der TSG schon auch reichen können, um plötzlich eine Großchance hinter die Kette durchzuspielen.

Nach etwa 35 Minuten schließlich passte der Coach der Hausherren aber an, nachdem er kurz zuvor auch längere Instruktionen an Dennis Geiger übermittelt hatte. Die Einbindung der Hoffenheimer Achter bildete den Kernpunkt der Veränderung. Sie versuchten sich nun tiefer und vor allem über bisweilen breite Herauskippbewegungen einzubinden, abermals fokussiert auf der linken Seite. Dadurch gelang es einige Male, die Frankfurter Sechser weiter heraus zu zwingen und weiträumige Angriffe einzuleiten.

Das ging einher mit einem Seitentausch der Achter, so dass Demirbay links mal ins einleitende Dribbling gebracht werden konnte. Diese neue Ausrichtung hätte aber noch konsequenter mit den Vorstößen der Halbverteidiger verbunden sein sollen, die nun abnahmen. Demirbay versuchte Grillitsch für einige riskante Aktionen einzubinden, insgesamt konnte Hoffenheim das 3gegen3 im Mittelfeld nun direkter ausspielen und aggressiver zirkulieren. Sie fächerten einfach über die Achter weiter auf, zwangen Frankfurt zu längeren Wegen und kamen über Halbraumverlagerungen ein, zwei Mal gut ins Angriffsdrittel.

Nagelsmanns zweite Anpassung

Den zweiten Durchgang starteten und bestritten die Hausherren dann in einer anderen Variante: Den prominenten halblinken Raum diagonal zwischen Halbverteidiger, Sechser und Achter besetzte nun Nico Schulz vom Flügel aus. Er spielte also wesentlich tiefer und enger als vor der Pause. Auf den ersten Blick schien der Linienläufer dafür nicht unbedingt die prädestinierte Wahl, mit seiner andribbelnden, recht diagonal interpretierten Spielweise setzte er das insgesamt aber wirklich gut um. Ergänzt wurde diese Veränderung sehr bald von einer zweiten Anpassung: Für Rupp brachte Nagelsmann Gnabry neu in die Partie und zog Uth auf die rechte Flügelposition nach hinten zurück. Die Besetzung im Angriff gestaltete sich dadurch viel asymmetrischer, indem Gnabry stark linksseitig agierte, quasi wie ein Flügelstürmer als Ergänzung zu einem Neuner.

Offensivformation Hoffenheim, Defensivformation Frankfurt: Im Verlaufe der zweiten Halbzeit

Der Vorteil dieser Rolle zeigte sich vor allem darin, dass so der Frankfurter Flügelverteidiger Wolf hinten gebunden wurde und kaum mehr auf seinen vorigen „eigentlichen“ Gegenspieler Schulz herausrückte. Dieser erhielt damit Freiheiten im Aufbau und konnte ankurbeln, punktuell lokale Überzahlen in Kombination mit dem Kollegen auf der Acht herstellen. Zumindest musste sich Frankfurt gegen das Andribbeln zusammenziehen und dynamische Pässe nach außen auf Gnabry wurden möglich, der so seinerseits ins Tempo kommen konnte. Dadurch übte Hoffenheim deutlich mehr Druck aus und versuchte vermehrt über Dribblingaktionen die eigenen Angriffe einzuleiten.

Gegen Mannorientierungen erwies sich das als effektiv, hatte in seiner diagonalen Anlage und dem konsequenten Fokus auf jene linke Seite auch überladende Tendenz. Eigentlich hatte die TSG in Halbzeit zwei also viele gute Ansätze aus diesen Zonen, die teilweise nur sehr knapp an der Vollendung scheiterten. Gnabry, Schulz, Grillitsch und Demirbay bzw. später vor allem der eingewechselte und sehr agile Amiri waren hier die gruppentaktisch involvierten Hauptfiguren. Frankfurt ließ sich immer tiefer nach hinten drücken und kam nur noch selten zu Entlastung aus der flachen Formation, auch wenn sämtliche Angriffsspieler eigentlich ganz gut die Räume neben der Dreierkette anvisierten. Wirklich abgestimmt wirkten sie dabei aber nicht, vielmehr fanden diese Bewegungen gleichzeitig alle für sich statt, was große Abstände untereinander bedeutete.

Also nahm Hoffenheims Druck zu: Bei der Strafraumbesetzung lag ein konsequentes und erwähnenswertes Detail darin, dass Uth als nomineller ballferner Flügelläufer – später im Wechsel mit dem eingewechselten Kramaric – immer wieder diagonal in die Sturmspitze durchlief. Das entstehende Loch sicherte Posch mit Nachrücken im Halbraum aus einer nun asymmetrischen Dreierkette. Der jeweils eigentliche Zentrumsangreifer reagierte darauf ausweichend, zog sich aber ballfern oft zu weit in der letzten Linie nach außen, was die Formation wieder seltsam streckte. Hier hätte es noch Potential gegeben. In der Gesamtbetrachtung dürfte man aber wohl von einer gelungenen, durchaus lobenswerten Halbzeit der Kraichgauer sprechen, die sich spät mit dem Ausgleich belohnten – übrigens nach gut vorbereitetem Gnabry-Dribbling von links und Rückpass auf Uth an den Elfmeterpunkt.

Fazit

Von der taktischen Struktur her bot die Partie ein anschauliches Analysematerial. Hoffenheim versuchte auf ihrer präsenten linken Seite das Spiel gegen das 5-2-1-2 nach vorne zu tragen, hatte in der üblichen Spielweise Schwierigkeiten und versuchte sich schließlich anzupassen. Aufgrund der Klarheit der taktischen Eckpunkte nahmen diese spielspezifischen Aspekte eine wichtige Rolle ein und wirkten dominanter als „allgemeine“ Einflussfaktoren. So ist die Partie für sich selbst wohl interessanter als im Entwicklungszusammenhang. Die Eintracht rief die eigene Defensivmethodik diszipliniert ab und die Formationsauswahl von Niko Kovac erwies sich für diese Begegnung als gelungen. Auf Hoffenheimer Seite wurde Nagelsmann wiederum seinem Ruf gerecht, auf ungünstige Konstellationen innerhalb einer Partie noch sinnvoll gedachte – und auch verschiedene – Alternativkonzepte entwickeln zu können.

koom 20. November 2017 um 10:30

So ein bisserl muss mans mal sagen: Kovac ist kein spektakulärer Trainer, aber er schafft sehr gute Defensivstrukturen und eine hohe Konstanz. Zudem passen Bobic’s Transfers offenbar sehr gut. Bei beiden war das aus meiner Sicht nicht zu erwarten und überraschend. Die erste Saison hätte man noch als Glück abhandeln können – gerade in Hinblick auf die schwache Rückrunde, aber die erneut mehr als solide Hinrunde zeigt schon auf, dass da grundsätzlich gut gearbeitet wird.

Natürlich ist es kein Note 1+ Zeugnis, weil das in der hart schwankenden, chaotischen Bundesliga eben schon reicht, einfach defensiv gut zu arbeiten und das halbwegs konstant hinzubekommen, aber letztlich ist es gute Arbeit. Und kann dazu dienen, mittelfristig was aufzubauen. Sprich: Für 2-3 Saisons einfach solide den Klassenerhalt erarbeiten, damit Geld sichern, 1-2 Spieler immer mal beizubehalten um dann mal eine „große“ Saison hinzulegen.

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Schorsch 20. November 2017 um 11:13

Bobic weiß, dass man auf Dauer nicht mit Leihspielern Konstanz und Weiterentwicklung erreichen kann. Daher hat man für SGE-Verhältnisse vor dieser Saison schon ordentlich in die Tasche gegriffen. Das ist natürlich nicht ohne Risiko, sollte sich eine Investition von 5 -7 Mio € als Flop herausstellen. Bei der SGE herrschte in der letzten Zeit Vernunft; es gibt aber auch schon wieder erste Anzeichen, dass einige Verantwortliche im Club ‚Visionen‘ haben…

Kovac war bei der Übernahme der Trainerposition bei der SGE eine Wundertüte. Da er vorher noch nie eine Tätigkeit als Chefcoach eines Clubs ausgeübt hatte, war er nicht einzuschätzen. Er und sein Tainerteam haben bislang gute Arbeit geleistet. Er lässt das spielen, was der Kader hergibt bzw. die einzelnen Spieler können. Seine eigentliche Stärke scheint mir aber zu sein, trotz vieler Wechsel im Kader neue Spieler schnell in das Team integrieren zu können. Was mir persönlich sehr gut an Kovac gefällt, ist sein ruhiges, sachliches und faires Auftreten.

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tobit 20. November 2017 um 22:55

Das fällt mir bei Kovac auch immer wieder auf, dass der sich sehr aufmerksam, durchdacht und empathisch zu strittigen oder vieldiskutierten Themen/Personen äußert.

Was mir gefällt ist, dass er eine gute Balance findet. Alle verteidigen hart und sauber mit, trotzdem können sich die „Feingeister“ in der Offensive austoben. Wenn Mascarell und Fabian wieder fit sind (und Stendera bis dahin nicht wieder ausfällt), hat er da eine der spielstärksten und komplettesten Mittelfeldzentren der Liga unter seiner Leitung.
_________________Haller_________________
_Willems__Fabian____Boateng____Wolf_
_________Stendera____Mascarell________
_______Falette__Hasebe__Abraham_____
Das wäre eine sowohl spielerisch als auch gegen den Ball durchaus europataugliche Mannschaft. Leider kann man sich auf Willems‘, Stenderas und Boatengs Fitness kaum eine halbe Saison verlassen und passende (oder individuell hochklassige) „BackUps“ sind wohl kaum darstellbar. Hasebe, Boateng und Abraham sind auch so langsam am Ende ihrer „guter Wein wird nicht alt“-Phase angekommen (besser als aktuell werden die nicht mehr).

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Schorsch 21. November 2017 um 17:43

Hasebe ist nach wie vor einer der Schlüsselspieler. Seine Art zu spielen gefällt mir persönlich sehr. Dass er sein Niveau altersbedingt nicht mehr wird so lange halten können, ist in der Tat ein ernstes Thema für Bobic/Hübner. Das gilt in abgeschwächter Form auch für den einen oder anderen sonstigen Spieler.

Aktuell ist allerdings das Kernproblem des Kaders, dass der Ausfall von Schlüsselspielern nicht adäquat ersetzt werden kann, insbesondere wenn Spieler länger ausfallen. In der Rückrunde der letzten Saison war dies ein wesentlicher (wenn auch sicherlich nicht der einzige) Grund für den starken Leistungsabfall. Da werden Bobic/Hübner weiter kreativ sein müssen; an Leihspielern wird man deshalb weiterhin wohl nicht vorbeikommen.

Die Kaderqualität jenseits der ersten Elf ist ein generelles Problem der Bundesligisten aus dem mittleren und unteren Tabellendrittel. Dies macht sich u.a. immer dann besonders bemerkbar, wenn einem dieser Teams die EL-Qualifikation gelingt. Die dann folgende Saison mit Mehrfachbelastung führt trotz (oder wegen) Rotation zumindest in der Hinrunde mit schöner Regelmäßigkeit oft zum Absturz.

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Cali 19. November 2017 um 22:24

Was hat ein so spielstarker AV wie Willems bei der Eintracht verloren?

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rb 20. November 2017 um 11:25

willems hatte in den letzten jahren zwei schwerere knieverletzungen. sonst wäre ein spieler seines niveaus und mit seiner für sein alter schon recht umfassenden cl- und el-erfahrung sicherlich auch für mannschaften ein level darüber auch noch interessant gewesen.

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Bau 19. November 2017 um 18:39

Wäre ein 3313 oder dergleichen gegen diese 5erketten mit engem mittelfeld und angriff gut? Wieso ebenfalls 5er-Kette, die flügelverteidiger sind doch eher zur absicherung der flügel gegen die gegnerischen flügelverteidiger bzw. zum absichern von rausrückbewegungen da, wer es nicht interessant dagegen die 3 3erketten an breite felxibel zu agieren und so zb. mit situativ mit außenstürmern die flügelverteidiger zu binden/zu überlaufen… oder so

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tobit 21. November 2017 um 20:39

Ohne festen Breitengeber zu agieren ist nie ganz einfach und braucht in der Regel viel Zeit, bis die Abstimmung perfekt passt. Gerade gegen den Ball könnte man da erstmal Probleme mit der Flügelsicherung bekommen. Auch die entsprechenden Spielertypen (IV/AV-Hybrid, Achter/Wingback-Hybrid und Zehner/Außenstürmer-Hybrid) muss man erstmal in ausreichender Zahl im Kader haben. Gerade die Achter/Wingback-Hybride sind selten und teuer, wenn man eine gewisse Klasse möchte.
In Ballbesitz könnte man damit sicherlich viele Räume kontrollieren (besonders gegen die ganzen Manndeckungen) – man muss diese dann aber auch durchschlagskräftig zu nutzen wissen.

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tobit 19. November 2017 um 13:44

Wäre die einrückende Rolle von Schulz nicht was für Zuber oder Rupp? Die könnten das aus dem Halbraum heraus noch kreativer (und technisch stärker) interpretieren ohne defensiv merklich schwächer zu sein. Schulz bringt natürlich dynamisch wesentlich mehr mit und ist defensiv noch schneller wieder auf seinem Posten (was bei aggressiv aufrückenden Halbverteidigern ziemlich wichtig ist).

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TR 25. November 2017 um 13:58

Insgesamt hat mich Nico Schulz in der Einbindung schon positiv überrascht, etwa von Entscheidungsfindung und Timing her. Von daher war das in der Ausführung eigentlich schon ziemlich gelungen, seine Art der Athletik ist da ohnehin passend, das Umschaltverhalten auch und eine gewisse Linearität ist in der Rolle vielleicht auch gar nicht so verkehrt. Rupp wäre natürlich auch noch eine spannende Variante, auch als Rechtsfuß auf links, was es bisher eigentlich selten bei seinen Stationen gab. Vom Dribbling her hätte man da vor allem interessante Möglichkeiten. Dagegen fände ich Zuber gar nicht passend, den ich generell kritisch sehe, aufgrund seiner strategisch etwas wirren Spielweise und seiner Unsauberkeiten.

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tobit 26. November 2017 um 20:58

Interessant. Schulz hatte ich immer genauso im Kopf, wie du Zuber beschreibst (von dem ich nur ganz wenig gesehen habe). Strategisch und technisch sehr roh und unsauber, dafür athletisch (und in einigen Zweikampfsituationen) überragend. So ein bisschen wie ein etwas defensiverer Durm (bei dem halt die offensiven Laufwege sehr genial sind, am Ball ist der bis heute kaum erstligareif).

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TR 27. November 2017 um 23:01

Bisher fand ich eben, wie gesagt, Nico Schulz auch noch nicht so überzeugend bis zu jenem Spiel, eben eher als simpler, nicht immer so vorausschauend agierender Flügelläufer mit teilweise zu starker Fixierung auf seine Direktheit. Es scheint aber generell so, als habe er sich unter Nagelsmann in seiner Selbsteinbindung und seinem Rhythmusgefühl ganz gut weiterentwickelt, was dann in der spezifischen Rolle besonders gut zum Ausdruck kam.

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