Schwache Restverteidigung führt zu erster Niederlage unter Bosz

3:1

Nach einem bemerkenswerten Saisonstart ist innerhalb einer Woche schon wieder Ernüchterung in Dortmund eingekehrt. Nach dem 0:0 gegen Freiburg musste der BVB zum Auftakt in der Champions League die erste Pflichtspielniederlage unter dem neuen Trainer Peter Bosz hinnehmen. Während man mit viel Ballbesitz wenig anfangen konnte, stand man im Konter bedenklich oft offen, was die Spurs letztendlich nutzen konnten.

Große Rotation

Grundformationen

Grundformationen

Peter Bosz ist ein großer Verfechter der Periodisierung. Bereits in einem der Trainingslager betonte er die Wichtigkeit der Belastungssteuerung. Dementsprechend behutsam geht der Holländer mit der Fitness (und vor allem „Freshness“ – laut Definition von Raymond Verheijen) um. Zum CL-Auftakt gegen Tottenham rochierte Bosz daher nicht weniger als fünf neue Akteure in die Startelf – teilweise auch verletzungsbedingt. Auffällig hierbei war der komplette Austausch der Doppel-Acht Götze-Castro, welche diese Saison mehrfach auftrumpfen konnte. An der Stelle der Beiden durften Kagawa und Neo-BVB-Spieler Dahoud starten. Auch die Neuverpflichtungen Toljan, Toprak und Yarmolenko durften sich erstmals in der Startelf beweisen.

Die Dynamiken im Offensivspiel änderten sich dadurch fast zwangsläufig. Während sich die Spielertypen Götze und Pulisic durch positiv synergistische Wechselwirkung gegenseitig bestärken, war vor allem mit Fortdauer der Partie das Duo Dahoud-Yarmolenko eher dysfunktional. Vor allem die von innen nach außen gerichteten Läufe der beiden Achter wurden vom Rest der Mannschaft oft gar nicht eingebunden und führten dementsprechend dazu, dass das Zentrum der Dortmunder effektiv nicht mehr besetzt war. War es bei Ajax Amsterdam letzte Saison noch oft so, dass sich der zentrale Neuner in solchen Situationen zwischen die Linien fallen ließ, um das Zentrum dynamisch nachzubesetzen, so sind diese Bewegungsmuster bei Aubameyang wenig bis gar nicht ausgeprägt. Ein Umstand, den mein Kollege MR in seiner großen Bosz-Analyse ebenfalls anspricht.

Tottenham gegen den Ball tiefer als erwartet

Tottenham hingegen konzentrierte sich vor allem darauf in ihrem 5-3-2 eben jenes Mittelfeldzentrum zu blockieren. War man es in der Vergangenheit von der Pressing-Truppe von Mauricio Pochettino gewohnt, dass man vor allem in Spielen gegen einen ebenfalls pressingstarken Gegner das eigene hohe Pressing forcierte und sich dadurch oftmals ein Pressing-Duell auf Augenhöhe lieferte, so überraschte Tottenham gegen Boszs Dortmunder mit einer konservativeren Spielanlage und einem tieferen Pressing. Dabei agierte das Team von Pochettino in ihrem 5-3-2 sehr raumorientiert und ließ sich von den vielen Positionswechsel und Rochaden der Dortmunder kaum destabilisieren.

Vereinzelt rückte beispielsweise Sahin eine Reihe nach vorne, während sich Dahoud sehr gerne eine Linie nach hinten fallen ließ. Auch die beiden Achter Kagawa und Dahoud variierten auf diese Art ihre Höhe im Wechsel; dies hatte jedoch nicht den gewünschten Effekt. Während mannorientierte Mannschaften sich dadurch potenziell aus der Ordnung bringen lassen, gingen die positionellen Umformungen des BVB an den Spurs quasi spur(s)los vorbei.

Der nächste Schritt war dadurch oft die Flucht auf die Außenbahn. Dort hatten die beiden Flügelspieler Pulisic und Yarmolenko oft die Aufgabe die Breite zu halten, wohl in der Hoffnung die letzte Linie der Londoner in der Horizontalen auseinanderzuziehen. Die Spurs wählten die Abstände ihrer Fünferkette jedoch fast durchgehend sehr klug, weshalb ihnen die konstanten Breitengeber wenig ausmachten. Bei der Flucht auf Außen versuchte die Mannschaft von Bosz dann die Flügelspieler mit den ausweichenden Achtern Kagawa und Dahoud zu unterstützen. Hierbei muss man natürlich anmerken, dass der Spielplan von Bosz unabhängig vom Gegner einen erhöhten Flügelfokus vorweist, allen voran weil man hier am Besten auf einen eventuellen Ballverlust vorbereitet ist und Bosz-Mannschaften seit jeher für ihr Gegenpressing nach Ballverlust gefürchtet sind.

Es fiel jedoch auf, dass beim BVB im Ballbesitz die Spieler schon sehr früh nach außen auswichen und damit dem Ballführenden nur mehr die Möglichkeit gaben auf den Flügel zu spielen – oder den Rückzug anzutreten. Rückpässe nahmen die Jungs von Pochettino jedoch gleich wieder als Trigger für aggressives Anlaufen sowie ein Herausrücken der gesamten Mannschaft Richtung Roman Bürki. So entstand auch der lange Ball des Dortmund-Keepers vor dem 1:2 durch Harry Kane.

Hallo

Offensiv repräsentative Szene führt zum Rückzug und Aufrücken von Tottenham, Bürki versucht schließlich mit einem langen Ball Yarmolenko hinter der letzten Linie einzusetzen. Den darauffolgenden Konter vollendet Kane zum 1:2

Vor dem 1:2 konnte Dortmund nicht entscheidend die zweite Linie der Spurs brechen. Durch einen vorangegangenen Einwurf landete Shinji Kagawa auf der Außenspur, Toljan besetzte ebenso wie Pulisic die selbe Vertikalzone und damit praktisch denselben Raum. Sahin agierte als Safety-Player hinter den Achtern und konnte damit im Falle eines Ballverlustes den größtmöglichen Raum kontrollieren und im Gegenpressing effektiv eingreifen. Piszczeks Positionierung war in diesem Zusammenhang auch kritisch zu betrachten, da der Pole weder die Breite suchte um als Verlagerungsoption zu dienen, noch – und das ist meiner Meinung nach viel gravierender – die spielzugrelevanten Zonen im Zentrum besetzte und dadurch auch im Falle eines Ballverlustes nicht in der Lage war einzugreifen. Damit blieb im Zentrum nur mehr Dahoud übrig. Diesem kann man auch durchaus zutrauen, solch eine Engensituation wie auf der Szenengrafik beschrieben zu lösen. In diesem Fall hätte Kagawa in den Rücken des aggressiv vorrückenden Eriksen spielen können und Dahoud in ein inverses 1-gegen-1 gegen Dier schicken können. Falls Dahoud dieses nicht für sich hätte entscheiden können, so hätten die Dortmunder immer noch eine sehr stabile Ausgangssituation gegen einen eventuellen Konter des Gegners respektive für das eigene Gegenpressing.

Kagawa traute sich den Pass zu Dahoud jedoch nicht, weshalb dieser gezwungen war die Flucht auf die Außenbahn anzutreten. Durch diesen strategisch unklugen Lauf nahmen sich praktisch vier Dortmunder gegenseitig aus dem Spiel, weshalb der Angriff zum Stillstand kam. Kagawa war gezwungen den Ball über Toljan und Toprak zu Bürki retour zu spielen. Das wiederum war der Trigger für Tottenham, um mit Kane, Son und Eriksen herauszurücken und ein situatives 5-2-3 gegen den Ball herzustellen, um die Aufbauspieler der Gäste anzupressen.

Die Spurs verstanden es sehr gut, blitzschnell zwischen den tieferen 5-3-2-Phasen und den aggressiveren, höheren 5-2-3 Phasen umzuschalten und die Dortmunder am sauberen Spielaufbau zu hindern. In dieser Situation griff Roman Bürki dann auf einen hohen Ball zurück, mit dem er wohl versuchen wollte, Neuzugang Yarmolenko hinter der letzten Linie in Position zu bringen. Aus dem daraus resultierenden Ballverlust fiel schließlich das 1:2 durch Harry Kane.

Mangelhafte Restverteidigung

Durch den unnötig hohen Fokus auf die Außenbahnen, durch den neben den Flügelstürmern und den Außenverteidigern eben auch die Achter oft nach außen wanderten, war die Restverteidigung der Dortmunder bereits quantitativ stark geschwächt. Viel gravierender war jedoch die qualitative Schwächung, welche durch fragwürdige Deckungen schon bei laufendem Angriff entstanden.

2

Dortmund verliert den Ball, Tottenham kontert über Eriksen und Kane.

Durch die verhältnismäßig hohen Positionierungen von Sahin und Piszczek stand die Restverteidigung der Dortmunder oft vor einer 2-gegen-2-Situation, sollten die Spurs die Lokalkompaktheiten am Flügel überspielen können. In diesem Beispiel aus der 51. Minute gelang das Alderweireld mit einem sehr simplen hohen Ball aus dem eigenen Drittel heraus. Schon bei der schlampigen Annahme von Pulisic sah man bei Eriksen eine kluge Vororientierung, mit der er sich aus dem Rücken von Tolan und Dahoud wegschleichen und den hohen Ball von Alderweireld annehmen konnte. Eriksen konnte dadurch aktiv in den Konter eingreifen und die Dortmunder vor einer fast unlösbaren Aufgabe stellen. Diese war zwar im Endeffekt durch den numerischen Nachteil nur sehr schwer zu verteidigen, in der Entstehung jedoch hauptsächlich ein qualitatives Problem, welches bereits während des eigenen Angriffes anfängt.

Dadurch, dass Peter Bosz die bei den klassischen Pressing-Trainern Jürgen Klopp und Roger Schmidt übliche Regel „Mann gegen Mann + ein Spieler“ nicht wirklich einhielt, waren die Spieler in der Restverteidigung eigentlich dazu verpflichtet eine gewisse Grundkompaktheit zu erfüllen. Durch die horizontal stark gestreckte Offensiv-Formation sowie den starken Flügelfokus war dies jedoch oft nicht möglich und die letzte Linie bzw. die Absicherung (oder eben Restverteidigung) der Dortmunder stand bereits bei eigenem Ballbesitz zu weit auseinander. Wie man hätte besser stehen können, erläutert Jens Schuster auf Twitter.

Fazit

Es ist zwar nach wie vor sehr früh in der Saison, es erhärtet sich jedoch mehr und mehr der Verdacht, dass Bosz ein System installieren will, welches zwar gut ist, im Vergleich zur Spielweise der letzten zwei Jahre jedoch abfällt.

Kommen seine Anpassungen in der Spielanlage sowie seine Vereinfachungen von gewissen Abläufen mit und ohne Ball zwar der Mannschaft grundsätzlich entgegen, so zeigen sich sowohl in den Spielen gegen Freiburg als auch in der Niederlage gegen die Spurs bereits Musterbeispiele für die Grenzen der Bosz-Mannschaft.

Ob diese Grenzen im Laufe der Saison erweitert werden können, wird sich erst zeigen. Es erinnert jedoch bereits stark an die letzte Saison bei Ajax, in der die Mannschaft von Bosz zwar bis zuletzt den Meisterschaftskampf offenhalten konnte und das Finale der Europa League erreichte, im entscheidenden Moment jedoch jeweils den Kürzeren zog.

LB 19. September 2017 um 14:04

Vielen Dank für die Analyse.

Finde es nur schwierig den Beginn der bosz Ära mit der letzten Saison bzw. das System der letzten Saison zu vergleichen. Erstmal ist das bosz System gerade im Anfangsstadium… zum andere war das System des letzten Jahres alles andere als besser… da liegt SV mMn daneben….

Die Hinrunde der letzten Saison war das System unter Tücher stärker als es momentan unter Bosz zu sehen ist. Aber in der Rückrunde wurde in den meisten Spielen das System geknackt, viele punkte holte man durch individuelle klasse der Einzelspieler aber hat sich auch ordentlich Tore einschenken lassen. Spiele wie gegen hoffenheim und Bremen durch schiriglück in die richtige Bahn gelenkt wurden…. im vergleich zur Rückrunde ist das bosz-System stärker….

Wohin die reise geht weiss keiner.

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Dolly 21. September 2017 um 11:57

dieser SV beitrag wird den jungs noch im verlaufe der saison um die ohren fliegen, da bin ich mir sicher.

was vergessen wird, das system bosz ist abhängig von der endverteidugung. das der bvb hier nicht am maximum ist, zeigt alleine die verletztenliste. guerreiro, schmelzer, bartra (gegen den HSV toljan) da LP auch noch in einen formloch steckt, und gegen tottenham einige abstimmungsprobleme (ausfallbedingt) entstanden sind…. erklärt die 3 gegentore schon eher als euer netter ansatz, der aber vieles außer acht lässt.

wie man vorposter schon schrieb. das system bosz ist im anfangsstadium und muss momentan auch mit vielen verletzten klarkommen. vielleicht muss er auch erfahrung in der CL sammeln, aber mittelfristig wird auch das funktionieren. selbst wenn man nur 3. in der gruppe werden sollte. in der bundesliga wird es interessant gegen stärkere teams, gestern gegen hamburg hat man gesehen das gisdol der erste trainer war der einen anderen lösungsansatz versucht hat…. der 45min ganz gut geklappt hat aber durch die geringen chancen auf ein hamburger tor… (geringe chancenqualität)… in der 2ten HZ den tribut zollen musste.

gegen gladbach wird es interessant.

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Schorsch 15. September 2017 um 12:46

Vielen Dank an MA für diese Analyse. Sie zeigt auf, dass es Fehler des BVB jenseits der individuellen Fehlleistungen von z.B. Sokratis oder von mir aus auch Bürki gegeben hat, die zu den Toren geführt haben. Die Beantwortung der Frage, inwieweit diese Fehler systemimmanent waren/sind oder z.B. eher einer ‚mangelhaften‘ Ausführung des Systems zuzuschreiben sind, halte ich zu diesem Saisonzeitpunkt für noch nicht beantwortbar. Vielleicht hat diese Niederlage ja auch einen Lerneffekt. Möglicherweise ist der Hebel eher beim Gegenpressingverhalten anzusetzen, das mir jenseits der Systemfrage in diesem Spiel nicht wirklich den Erfordernissen entsprach.

In diesem Zusammenhang würde mich eine genaue Aufschlüsselung des ersten Tores der Spurs in seiner Entstehung interessieren. Sicherlich hat sich Sokratis da übertölpeln lassen und man kann bei einer besseren Abdeckung des kurzen Ecks durch Bürki so ein Tor möglicherweise auch verhindern (es war allerdings auch ein geiler Schuss). Aber warum konnte der Pass auf Son so unbedrängt geschlagen werden? Auf welchem Weg konnte der Ball zum Passgeber gelangen? Ich glaube, dass hier einige BVB-Spieler in der Bütt waren, und möglicherweise eher aufgrund eines individualtaktischen Fehlverhaltens und vielleicht weniger infolge einer systemimmanenten Schwäche.

Hinsichtlich der letzten Saison, als eine andere Spielweise gepflegt wurde, sollte man nicht vergessen, dass sich das Team oft genug sehr schwer tat gegen tief und kompakt stehende Gegner. Frankfurt, Darmstadt, Ingolstadt, Köln – das wirkte z.T. hilflos, was da geboten wurde. Und in nicht wenigen Spielen war es Dembélé, der mit Einzelleistungen seinem Trainer und seinem Team den Hintern gerettet hat, wie ich es an anderer Stelle einmal bezeichnet habe. Man sollte auch nicht vergessen, dass es der BVB nur mit Ach und Krach geschafft hat, sich gegen Hoffenheim im Kampf um Rang 3 durchzusetzen. Eine ‚Systemunterlegenheit‘ kann ich da zumindest im Moment nicht erkennen.

Ich hatte eigentlich mit einer langen ‚Anlaufphase‘ unter Bosz gerechnet, weil dies auch bei seinen vorherigen Trainerstationen so war. Ich war dann etwas überrascht, dass es im Pokal und in der Meisterschaft doch zunächst besser lief als gedacht. Gegen ‚Einigler‘ wie den SCF (mit 10 Mann) hat sich das Team (langsam beginnend seit 2013) bereits unter Klopp, dann auch unter Tuchel (hier vornehmlich in dessen zweiter Saison) z.T. sehr schwer getan. Und konteranfällig war man unter beiden Trainern (mit jeweils unterschiedlichen fußballerischen Ansätzen), zumindest phasenweise. Wir werden sehen, wie sich das Team bis zur Winterpause entwickeln wird. Zu Pessimismus sehe ich nicht unbedingt Anlass.

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schüby 15. September 2017 um 11:37

Danke für die „brutale“ Analyse. Der Hauch von Skepsis der in den Schlussfolgerungen im Fazit durchklingt, könnte im Bezug auf die Saisonziele durch die individuelle Klasse übertüncht werden. Aber es bleibt festzuhalten, dass der BVB und Bosz eine schwierige Aufgabe vor sich hat. Sie müssen eine Balance finden, einerseits definitiv die defensive Positionierung ändern, dass immer eine Überzahl besteht (Gegenspieler + 1) wie es der Autor beschreibt, und anderseits muss der 6er anspielbar eingebunden sein in die Ballzirkulation. Einem Spieler wie Dahoud oder Weigl, traue ich dies prinzipiell zu diesen nächsten Schritt in der Entwicklung zu machen. Dahoud ist für mich generell ein Schlüsselspieler. Wenn es im gelingt, wie in Gladbach oder beim DFB, durch schnelle überraschende Richtungswechsel und Bewegungen, das Spiel zu verändern, kann es gelingen, dass starre Korsett der Positionierung und die damit verbundene Prinzipielle Ausrechenbarkeit des Passspiels zu durchbrechen. Da darf er bzw. muss er definitiv mehr Mut zeigen wie gegen die Spurs.
Auch wenn die Gegentore gut analysiert wurden und sicherlich bedingt wurden, durch die genannte schlechte Positionierung, waren für mich die Hauptursachen der Tore die individuellen grossen Fehler von Sokratis (begleitet den Stürmer nur und ist nicht aggressiv genug im Zweikampf) und Bürki (mit dem linken Fuss kann der Stürmer nur auf das kurze Eck schiessen, aufgrund der Stellung des Winkels des Fusses ist es schwer den Ball ins lange Eck zu schlenzen).

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koom 15. September 2017 um 07:57

Ja, die Schwächen eines 4-3-3 dieser Bauart. Das ist für reaktiven Underdog-Fußball ganz gut, hat aber ansonsten, wenn man es nicht brutal sauber ausführt, einfach große Probleme. Oder wenn man nicht die perfekten Spieler dafür hat. Letzteres war wohl auch gegen Tottenham ein Problem, wenn man diese ganzen Vertikal“staffelungen“ sieht.

Ich bin skeptisch, wie weit man in der Liga damit kommt. Auba ist kein idealer Stürmer für das System, die Gegner werden sich im Allgemeinen hinten reinstellen, wofür das 4-3-3 IMO eher mässig taugt, um es zu knacken (hat aber Spieler, die das können).

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Patrick 15. September 2017 um 12:41

Ich denke das Bosz ein guter Trainer ist und bin optimistisch das er das System auch flexibler bekommen wird. Ich hoffe das es das dann in der Rückrunde zu sehen gibt… Das Tottenham Spiel hat mich auch etwas verwirrt, da es eigentlich ganz gut aussah, wir es aber einfach nicht geschafft haben wirklich vors Tor zu kommen. Das habe ich schonmal irgendwo als Kommentar geschrieben: Warum sind Distanzschüsse keine Option mehr für Dortmund? Ich weiß das Distanzschüsse keine gute Lösung sind, nur gegen Tiefstehende Gegner sollte man dies mMn. öfter probieren. 1. da der Ballverlust nicht so schlimm ist, als wenn alle sehr hoch aufgerückt sind, vor allem gibt es voraussichtlich Abstoß. 2. Weil man offensichtlich nicht sehr gut vors Tor kommt. 3. Man durchaus gute Schützen hat (Sahin z.B.)

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Koom 15. September 2017 um 13:09

Vorweg: Ich finde Bosz auch nicht schlecht. Aber ich befürchte, er passt nicht zu einem Klub, der meistens als Favorit in die Spiele geht, weil seine Herangehensweise eher auf mitspielende Gegner hofft. Da halte ich auch weniger das Spiel gegen Tottenham für typisch, sondern wohl das gegen Freiburg.

Zu den Distanzschüssen: Ich vermute mal, dass ist für den BVB schlecht, weil deren Konterabsicherung seit Jahren verhältnismässig schlecht ist. Das sind vor allem Intensitätsprobleme, also dass man nicht entschlossen und konstant genug so einen Konter stoppt (egal ob sauber oder mit nem „taktischen Foul“), sondern so ein bisserl begleitet und hofft, dass es gut geht. Das Problem ist schon recht Klopptypisch, wurde mit Tuchel nicht besser und findet sich auch unter Bosz wieder.

Um nicht nur den Status Quo zu nennen: Die Bayern hatten das mehr oder weniger auch. Aber da räumte Xabi Alonso meistens mit seinen Zupfern solche Konter weg und ansonsten hatte man den Turbo-Boateng. Explizit konteranfällig waren die Bayern nicht, wobei das immer so ein bisserl ein Tanz auf der Rasierklinge (und IMO dem Goodwill des Referee) war.

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CHR4 16. September 2017 um 03:28

„war“? – dein Wort in Gottes Ohr, im VF gegen Real hat man genau dafür ja 3x zurecht gelb kassiert 1x Alonso, 2x Martinez (=gelb-rot) und solange Rafinha spielt, hab ich immer das Gefühl, dass auf dieser Außenbahn die Balance zwischen Offenive und Defenisive fehlt und da recht häufig hinten große Löcher sind, da er sich sehr gerne weit vorne mit einschaltet und dann a) die Absicherung fehlt (vor allem, wenn er links spielt) und er b) nicht schnell genug wieder hinten ist

PS: bin froh, dass diese Zupfer von Alonso im Mittelfeld der Vergangenheit angehören, sowas macht für mich das Spiel kaputt und ist ugly-winning (und im Gegensatz zum Handspiel, ordne ich am Trikot ziehen immer als Absicht ein! – dafür würd ich mir ne 10min. Zeit-Strafe zusätzlich zu gelb wünschen)

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koom 16. September 2017 um 09:32

Unterschreibe ich alles so. Speziell der 2. Absatz.

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Simeone 15. September 2017 um 07:42

Verstehe ich die Anspielungen richtig? Haltet ihr die Fähigkeiten, besonders die taktischen Fähigkeiten, von Bosz für stark begrenzt?

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MR 15. September 2017 um 16:03

https://twitter.com/MartinRafelt/status/908690895603666944

Nicht böse gemeint.

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Gwen 15. September 2017 um 22:01

Sry, ich versteh es nicht. Es ist nervig, dass die Leser (wovon vermutlich viele wie ich Dortmund-Fans sind) die taktischen Spielanalysen in gute (erfolgsversprechende) und schlechte (nicht erfolgsversprechende) Taktik einordnen?
Also ich kann nur für mich sprechen, aber ich lese die Taktikanalysen auch, um abschätzen zu können, ob unser Trainer eine gute Taktik ausgewählt hat oder einen guten Job macht 😉

Und die Sätze hören sich nicht euphorisch an:

„Es ist zwar nach wie vor sehr früh in der Saison, es erhärtet sich jedoch mehr und mehr der Verdacht, dass Bosz ein System installieren will, welches zwar gut ist, im Vergleich zur Spielweise der letzten zwei Jahre jedoch abfällt.“

“ (…) so zeigen sich sowohl in den Spielen gegen Freiburg als auch in der Niederlage gegen die Spurs bereits Musterbeispiele für die Grenzen der Bosz-Mannschaft.“

„Es erinnert jedoch bereits stark an die letzte Saison bei Ajax, in der die Mannschaft von Bosz zwar bis zuletzt den Meisterschaftskampf offenhalten konnte und das Finale der Europa League erreichte, im entscheidenden Moment jedoch jeweils den Kürzeren zog.“

Vielleicht hab ich den Tweet auch nicht richtig kapiert, bitte korrigiert mich 😀
Aber ihr könnt doch nicht einserseits schreiben, dass erstens Bosz’s System zu dem vorherigen spielerisch abfällt, zweitens die letzten beiden Spiele Musterbeispiele der Begrenztheit von Bosz’s Mannschaft zeigt und drittens es den Anschein hat, dass Bosz Spielweise stark an Ajax erinnert, die in den entscheidenen Moment verlor; und euch dann wundern, dass Dortmund-Fans das als schlechter als vorher einordnen.

Plump ausgedrückt: Ihr schreibt Bosz’s Spielweise ist schlechter als die der letzten beiden Jahre und dann nervt es euch, wenn Leute angst bekommen, dass die jetzige Taktik „kackiger“ ist, als die vorherige 😀
Und ja klar, nahezu kein Trainer im Profisport ist eine taktische Nulpe, aber diese kleine bisschen erfolgsversprechendere Taktik entscheidet evtl. über Sieg oder Niederlage. Wenn ihr schreibt: „Mangelhafte Restverteidigung“ ist das natürlich erstmal ein kleines Indiz, dass Bosz in dieser Hinsicht, in diesen einem Spiel, in dieser „schlecht(er)“ war.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich finde es absolut verständlich, dass man beim Lesen einer Taktikanalyse seines Vereins in „gute“ und „schlechte“ Taktik einteilt, obwohl ich der Meinung bin, dass die meisten Taktischen Systeme Vor- und Nachteile haben. Nichtsdestotrotz gibt es schlechtere/ nicht erfolgsversprechendere Taktiken -> Einordnung in gut/schlecht

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Mourinho 16. September 2017 um 12:03

Vor allem, wie kann das Spielsystem zu dem der letzten Saison abfallen? Welches Spielsystem der letzten Saison? Da hätte man auswärts gegen jeden kleinen Gegner signifikante Probleme. Wüsste nicht wo man zu diesem offensichtlich nicht sehr guten Spielsystem abfällt. Wenn dann muss man schon zwischen 15/16 und 16/17 differenzieren und kann nicht so tun als hätte man taktisch zwei Jahre unter Tuchel auf höchstem Niveau gespielt.

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MR 16. September 2017 um 14:32

Offensivtaktisch war das auch letztes Jahr meist sehr gut. Intensität, vor allem im Gegenpressing, waren nicht gut. Man kann in einzelnen taktischen Aspekten überragend sein und dennoch Probleme haben, wenn man in anderen Aspekten Mängel hat.

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Mourinho 16. September 2017 um 15:43

Offensivtaktisch, ok. Ich würde zwar auch tendenziell widersprechen, weil gerade in der Rückrunde enorme Probleme bestanden sich auswärts Chancen zu erspielen. Aber der Artikel kritisiert ja auch explizit die Restverteidigung. Ok, die war gegen die Spurs nicht gut, aber dadurch Rückschlüsse auf das gesamte System zu ziehen bei drei zu Null-Spielen in der Liga. Weiß ich nicht. Zumal wie du sagst das Gegenpressing letzte Saison nicht funktioniert hat. 40 Gegentore in der Liga sprechen ihre Sprache. Ich habe da in der Liga erst mal eine Verbesserung der Balance aus Offensive und Defensive gesehen. Und Tottenham ist offensiv jetzt relativ stark besetzt. Zumal Pocchetino nach Spielende die Aussage getroffen hat, dass es nicht seine Intention war so vom BVB dominiert zu werden. Ich sehe das System als sehr gut, wenn es denn stabil abgerufen werden kann. Die richtige Balance aus Offensive und Defensive hat Tuchel von vier Halbserien mMn nur in der Rückrunde 15/16 gefunden.

MR 16. September 2017 um 22:06

Die Frage war aber nicht „ist Bosz womöglich nicht Weltklasse oder etwas schwächer als Tuchel“, die Frage war: „Haltet ihr die Fähigkeiten, besonders die taktischen Fähigkeiten, von Bosz für stark begrenzt?“ [Emphase: stark.]

Inhaltlich kann ich ansonsten nur auf meine Teamanalyse verweisen, ich hab die Sätze hier ja nicht geschrieben und ich würde sie so auch nicht schreiben: http://spielverlagerung.de/2017/09/13/bvbosz/
Ich denke, da ist eine umfassende und brauchbare Bewertung der taktischen Fähigkeiten enthalten.

Grundsätzlich analysieren wir jedoch das, was auf dem Feld passiert. Wir sind keine Trainerbewertungsstelle. Wer unsere Analysen dafür verwenden will, ein Handwerk zu beurteilen, von dem er selber nichts versteht, muss das selbstständig erledigen und soll bitte nicht in den Kommentaren darum bitten, dass wir doch bitte unsere Unterschrift unter „Bosz ist ne taktische Pflaume“ setzen.

Der Umgang mit Trainern, gerade in Internetdiskussionen, ist gnadenlos überheblich und respektlos, auch deshalb missfallen mir solche Kommentare. Dass ein Trainer taktische Schwächen hat und falsche Entscheidungen trifft ist normal. Das trifft auf jeden Trainer zu. In diesem Kontext ist es zu betrachten, wenn wir Kritik äußern.

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Schorsch 16. September 2017 um 23:36

„Der Umgang mit Trainern, gerade in Internetdiskussionen, ist gnadenlos überheblich und respektlos, …“

Danke für diese Worte.

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CHR4 17. September 2017 um 02:29

dem schließe ich mich an, möchte aber hinzufügen, dass manche Trainer dies ebenfalls sind 😉 (Mou, LvG, …)

allerdings habe ich Louis vG gerade wegen seiner überheblichen Art geliebt, eins der besten Interviews im „aktuellen Sportstudio“ war sein erstes dort, als er die stichelden Fragen der Moderatorin auseinander genommen hat (leider finde ich davon nur Ausschnitte im Internet … 🙁 ) – ging grob zusammengefasst so: Moderatorin zu Beginn: „Haben sie ein Problem mit Luca Toni?“ nach einer Weile des Gesprächs, hat er dann aufgezählt, wer den nach der Moderatorin alles offenisv spielen sollte, zusammengerechnet und mal nachgefragt, wieviele Kräfte er denn eigentlich aufstellen sollte … und dass dann halt logischerweise auch mal der ein oder andere offensive Spieler auf der Bank sitzen müsse … 😀

PS: wenn man als Trainer allerdings wirklich ernst (und überhaupt zur Kenntnis) nimmt, was da so alles geschrieben wird (ob in Presse oder sogar in Foren), hat man fr mich den falschen Job … – nichtsdestotrotz sollte natürlich ein guter Ton gewahrt werden

Schorsch 17. September 2017 um 11:24

Ja, an dieses Gespräch kann ich mich auch noch erinnern… 🙂 . Und den guten Louis mochte ich auch. Kloppo kann ja auch ganz gut Journalistenfragen auseinandernehmen. Gut gefallen hat mir hier auch König Otto, der hat dann gleich überhaupt nicht mit der Presse gesprochen. Am besten fand ich Happel: „Is mir eh wurscht“ 🙂 .

Sicherlich haben die Genannten und so einige andere öfters auch überreagiert und waren/sind selbst auch nicht ohne. Aber von Sportjournalisten sollte man schon eine gewisse Qualität der Fragen erwarten dürfen, ebenso Sachlichkeit und eben Respekt vor der Person. Was nichts damit zu tun hat, dass Kritik unerwünscht sei. Im Gegenteil. Aber Form und Inhalt müssen stimmen. Aber es ging ja nicht unbedingt um Journalisten, sondern eher um Internetforen etc..

Sicherlich müssen Trainer in diesem Metier ein ganz dickes Fell haben. Was mich persönlich nur stört, dass oftmals ein Trainer a priori als nicht gerade fähig (freundlich gesprochen) dargestellt und/oder bezeichnet wird, bevor er überhaupt eine Tätigkeit angetreten hat oder kein ausreichend langer Zeitraum zur Beurteilung zur Verfügung steht. Außerdem weiß man meistens nicht, welche internen Bedingungen die Arbeit eines Trainers beeinflussen. Natürlich gibt es Unterschiede in der Auswirkung der Arbeit der Trainer. Und sie selbst sind keine Heiligen… 😉

tobit 17. September 2017 um 11:30

Der Vorteil an Internetforen ist, dass sich da Leute tatsächlich inhaltlich mit dem Sport auseinandersetzen. Die sogenannten Sportjournalisten haben doch fast nur zwei Fragen, nämlich: „Wer ist verletzt?“ und „Warum spielt [hier teures Offensivsternchen einsetzen] nicht?“. Alles andere geht immer nur um irgendwelche „Boulevard“-Themen (insbesondere irgendwelche Zusammenhängenden Interviewfetzen, die kommentiert werden sollen).

Die Zeit(?) hat ja Mal versucht, Guardiola taktische Fragen zu stellen, wo der dann sofort (fast schon euphorisch) drauf eingegangen ist. Da hat man richtig gemerkt, dass er da Spaß dran hatte.

tobit 17. September 2017 um 11:32

Das sollte nicht zusammenhängenden, sondern zusammenhanglosen Interviewfetzen heißen

Schorsch 17. September 2017 um 13:08

„Der Vorteil an Internetforen ist, dass sich da Leute tatsächlich inhaltlich mit dem Sport auseinandersetzen.“

Das stimmt mMn für einige Internetforen, als generalisierte Aussage würde ich dies so allerdings nicht stehen lassen. MR bezieht sich in seiner kritischen Aussage ja explizit auf Internetdiskussionen. Selbst sv.de ist nicht immer gänzlich frei davon; als user fasse mir da auch an die eigene Nase.

tobit 17. September 2017 um 14:30

Klar, gilt nicht generell – aber doch schon deutlich mehr als bei den Journalisten (die aber auch deutlich weniger sind und damit ihr Geld verdienen müssen). Was mir bei Journalisten oft auch nicht gefällt, ist die plötzliche „Meinungsänderung“ wenn es gerade (nicht) läuft, da drehen sich die einzelnen Foristen auch meist weniger wie die Fähnchen im Wind.

Mit inhaltlicher Auseinandersetzung ist ja auch nicht automatisch sachlich gemeint. Man kann ja über Taktik (als Beispiel für eine inhaltliche Auseinandersetzung, die von Journalistenseite kaum stattfindet) auch unsachlich diskutieren (so wie über alles andere auch) – macht manchmal auch einfach mehr Spaß, als immer sachlich zu bleiben.

Ahnungsloser 15. September 2017 um 22:55

Ich frag mich eher, ob die so genannten „Konzepttrainer“ nicht eher 4/10 sind. Wenn ich lese – und auch selbst denke – Auba ist der falsche Stürmer für das System: Warum spielt man dann das System?
Für mich klingt das ein wenig, als wenn Jeep einen Porsche-Manager abwirbt und dann anfängt Sportwagen zu bauen. Weil der Manager das halt immer gemacht hat. Sollte ich mir nicht, was immer ich auch mache, meine Ressourcen anschauen und diese dann möglichst gewinnbringend einsetzen?

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tobit 15. September 2017 um 23:22

Das System passt sehr gut zu so ziemlich allen im Kader außer Auba (und Rode, aber der bekommt sowieso kein Bein auf den Boden) – der macht trotzdem seine Tore – warum soll man es also nicht versuchen. Außerdem ist Auba wohl nicht mehr allzu lange da, dann kann man einen passenderen Stürmer (das Motiv „Auba“ kann ja mit Schürrle im Kader bleiben) holen – der dann aber individuell deutlich schwächer sein wird, denn Morata ist gerade erst gewechselt und wäre auch zu teuer gewesen.

Der Vergleich Porsche-Manager bei Jeep (die dann Sportwagen bauen – so stark hat sich die Spielweise nicht verändert) ist ja auch nur so semi-passend. Es ist eher wie ein neuer Ingenieur, der das Getriebe (=> ausweichende Achter) verändert, so dass man nicht mehr über den ganzen Drehzahlbereich das volle Drehmoment des seit Jahren unverännderten Motors (Auba) abrufen kann, sondern nur noch an den wichtigen Stellen (Abschluss im Strafraum). Langfristig muss der Motor überarbeitet werden, funktioniert aber erstmal auch mit dem neuen Getriebe.

Antworten

MR 16. September 2017 um 01:13

Ich hab genau das ja hier diskutiert: http://spielverlagerung.de/2017/09/13/bvbosz/

tl;dr: ich denke, so weit ist der Fußball einfach noch nicht. da wird zur Zeit immer noch viel Grundlagenarbeit gemacht und keine Optimierung in der Spitze.

außerdem ist das immer komplex. eine bessere Einbindung und ein besseres System für Auba muss man erst mal finden. und dann muss man es auch noch so gut vermitteln können wie das, worin man als Trainer schon viel Erfahrung hat.

die perfekte Lösung findet man nie. man sucht nach der bestmöglichen, die man realisieren kann.

ich hab übrigens die Vermutung, dass Auba einfach auch selber sehr gerne Mittelstürmer spielen will. und dafür ist er eigtl nicht der perfekte Spielertyp, wenn man sehr dominant spielen muss. solche sozialen Faktoren spielen dann auch immer noch mit rein.

Antworten

Ahnungsloser 20. September 2017 um 18:29

Sorry, war der falsche Ort für einen eher allgemein gemeinten Kommentar. Mich wundert halt, dass in der veröffentlichten Fußballmeinung – eher nicht hier – so oft hingenommen wird, dass Trainer ihren Schuh durchziehen. Und dies dann noch mit diesem merkwürdigen Euphemismus „Konzepttrainer“ umschrieben wird.
Ich denke halt, jeder, der schonmal einen neuen Teamleiter vorgesetzt bekommen hat, der dann von seinem Team verlangt, so zu arbeiten wie es in der ehemaligen Firma des Neuen üblich war, nennt diesen auch nicht Konzeptteamleiter. Sondern Scheißchef oder so.
Aber dies hier so zu posten war wohl eher eine Übersprunghandlung meinerseits.

Antworten

FAB 21. September 2017 um 11:37

@Ahnungsloser,
im Wesentlichen kommt doch der Modebegriff Konzepttrainer mit einem Kulturwandel daher. Der Kulturwandel besteht darin, dass man eben speziell in Deutschland zunehmend ablässt von den ineffiziente Hierarchien innerhalb der Mannschaft (Führungsspieler, Spielmacher, Libero gegenüber Wasserträger, Manndecker usw.) und stattdessen alle Spieler sozusagen gleichwertig ansieht. Im nicht realistischen „Idealzustand“ versucht der Konzepttrainer ein System zu installieren, in dem jeder Spieler austauschbar ist und ein System unabhängig von den Spielern läuft.
Natürlich gibt es dabei große Abweichungen. Klopp war in diesem Sinne der erste bekannte Konzepttrainer in der Bundesliga, weil sich alle Spieler dem Konzept Gegenpressing unterwerfen müssen. Auch Peter Bosz scheint mir hierbei ein sehr konsequenter Konzepttrainer zu sein.
Dazu kommt dann aber auch das Thema Periodisierung, Rotation usw. die im Wesentlichen auch Ausdruck dieser Industrialisierung sind. In Zukunft kommt dann auch noch zunehmend die Digitalisierung, d.h. die Trainer arbeiten dann mit Datenanalysen, der persönliche Umgang mit den Spieler nimmt dann noch weiter ab. Ein Spieler wird herausrotiert weil seine „Daten“ schlecht sind, die Taktik / Spielstruktur wird angepasst, weil Analysen es hergeben. Vielleicht sogar irgendwann einmal während dem Spiel.
Im Prinzip ist Konzepttrainer nur ein Begriff und Ausdruck einer gewissen Industrialisierung des Fussballs, von Ausbildung bis zur Arbeitsweise im Profibereich. Wenn diese Industrialisierung abgeschlossen ist braucht es den Begriff Konzepttrainer nicht mehr. Denn so wie die ersten Konzepttrainer in ihren Vereinen Pionierarbeit leisten (aktuell Tedesco auf Schalke) und auf viele Widerstände stoßen, haben es nachfolgende Trainer einfacher und arbeiten in diesen immer strukturierteren, analytischeren Formen, ohne dass man großartige Änderungen sieht und ein Konzept dahinter vermuten muss.
Derzeit müssen diese „Konzepttrainer“ noch mit Spielern arbeiten, die noch ohne diese Konzepte ausgebildet wurden. Ribery der immer spielen will, Aubameyang der unbedingt Mittelstürmer spielen will usw. Ich denke diese Spieler werden aber aussterben.
Leider …

MR 21. September 2017 um 16:27

Jemand, der einen neuen Lehrer bekommt, der die gleichen Inhalte unterrichtet wie bei seinen bisherigen Klassen, wird hingegen wohl keine Einwände dagegen haben. Der Trainerjob ist nun einmal äußerst komplex. Beide Sichtweisen haben valide Gründe.

Ahnungsloser 25. September 2017 um 15:28

@MR:
Der Lehrerjob übrigens auch :-). Und da das endlich mal was ist, wo ich mich wirklich auskenne: Natürlich wählt man Methodik, Aufgabenkultur, Fachdidaktik und teilweise auch Inhalte für jede Lerngruppe neu (im Idealfall sogar passend). Nur die Kompetenzerwartungen bleiben jeweils gleich. Daher muss man im Vorbereitungsdienst jeden Unterrichtsentwurf anhand einer Analyse der Lerngruppe begründen.
Natürlich gibt es auch Lehrer, die jede Klasse gleich beschulen. Diese sind dann aber eher Kreisklasse als Bundesliga….
Aber ganz klar: Ich beschäftige mich viel zu wenig mit Fußball, um beurteilen zu können, ob man Erkenntnisse aus meiner Erfahrungswelt auf diesen sehr besonderen Bereich übertragen kann. Und der Vergleich zur Industrie ist vielleicht wirklich passend: Da entspricht der Konzepttrainer vielleicht der Standardisierung im Kaizen, ein Jogi Löw eher einer individualisierten, zielorientierten Führungskultur. Und beides kann natürlich erfolgreich sein.

MR 25. September 2017 um 16:35

Interessant eigentlich, der Vergleich. Beim Fußballtrainer ist’s tendentiell genau andersrum. Methodik und Didaktik sind da wohl ziemlich gut übertragbar, aber Inhalte bzw. Kompetenzerwartungen können völlig außeinander gehen. (Wobei sich Bildung mE auch in diese Richtung entwickeln wird.)

Ahnungsloser 25. September 2017 um 18:41

Der Vergleich hinkt halt an einer Stelle gewaltig: Profifußballmannschaften sind in Sachen Motivation und Leistungsfähigkeit imho extrem homogen. Und diese Tendenz verstärkt sich denke ich in den letzten Jahren noch. An Schule verstärkt sich die eh schon hohe Heterogenität eher noch.
Daher müsste man eigentlich für jede Scülerin eigene Kompetenzerwartungen formulieren, was zum Teil auch passiert. Und damit sind wir auch schon bei der von Dir erwarteten Entwicklung. Das Ganze scheitert halt, und das ist der zweite große Unterschied, am Betreuungsschlüssel. Bundesliga nähert sich 1:1, wir sind bei 1:30…

Ahnungsloser 25. September 2017 um 18:45

Achso…Das Thema der zwei Sichtweisen und der validen Gründe finde ich, wie man merkt, extrem spannend.
Falls Ihr also mal auf der verzweifelten Suche nach Themen für eure Artikel seid:
Bei dem Thema habt ihr mindestens einen Leser…

tobit 21. September 2017 um 13:53

@MR:
Was soll Auba denn sonst spielen außer Mittelstürmer? Er kann weder wirklich kombinieren noch dribbeln, ist aber sehr schnell, hat ein sehr gutes Stellungsspiel im Strafraum, ein gutes Gefühl für die Abseitslinie und einen ordentlichen Schuss aus kürzerer Distanz (aus längerer dann nicht, da sind dann eher Schürrle oder Yarmolenko gefragt) – wenn das kein Mittelstürmer ist, was dann? Er passt nicht wirklich in den Kombinationsfussball und die bisher von Bosz bevorzugten Strukturen, aber ist halt in seinem Spiel so Weltklasse, dass man ihn nicht draußen lassen möchte (man hat aber aktuell auch einfach keine Alternative bis auf den seit Montag 18jährigen Isak, der genau 7 Minuten Bundesliga gespielt hat).

Ich würde Bosz durchaus als Konzepttrainer bezeichnen. Das bezieht sich für mich aber immer eher auf die Grundstrategie, also Grundformation (er legt sich auf eine fest, andere predigen die totale Flexibilität), Aufbauidee (eher lange Bälle, eher kurz, wer baut auf?; auch Aufbaugeschwindigkeit) und einige Zielräume in der Offensive – weniger auf eine völlige Austauschbarkeit der Spieler in allen Spielphasen. Defensiv wird natürlich von allen „gleich“ (nach Traineranweisung) gespielt, aber offensiv macht es immer auch einen Unterschied, ob bei Klopp links Großkreutz oder Reus, vorne Lewy oder Auba und rechts Kuba oder Götze spielte. Das sieht man jetzt auch bei Bosz. Gerade bei den Wingern wird das finde ich sehr deutlich, dass da jeder seinen Stil und seine Aufgaben sehr klar definiert hat (und die ändern sich bisher auch nicht allzu viel von Spiel zu Spiel).
Philipp rückt ständig an der letzten Linie nach innen und lässt sich dann immer wieder kurz für Kombinationen fallen. Diese Bewegungen werden sehr konsequent vom linken Achter aufgenommen, der viel nach LA ausweicht, weshalb da meist Götze oder Kagawa starteten. Castro agiert selbst zu zentral und Dahoud ist bislang meist von der Bank gekommen – entweder für Götze oder, wenn man seine Raumdribblings im Konter nutzen wollte – und hat dann wesentlich zentraler agiert.
Yarmolenko bleibt rechts ziemlich konsequent außen und diktiert von da die finalen Angriffswege – sei es per kurzem Engendribbling, Kombination oder 1vs1 zur Grundlinie mit anschließender Flanke. Nur im Konter agiert er sehr zentral um Auba seinen Lieblingsraum auf der rechten Seite zu lassen und sein herausragendes Passspiel in die Schnittstellen nutzen zu können. Passend zu seinem eher spielmachenden Charakter (gegenüber Philipp) spielt der rechte Achter eher tiefer und füllt oft den Sechserraum neben Sahin (der wie immer linksseitig spielt).
Pulisic Rolle wirkt insgesamt noch am wenigsten geschärft, was einerseits an seinem Alter und andererseits seiner Vielseitigkeit liegen dürfte. Er sucht gerne das Dribbling – aber (anders als Yarmo) eher in dynamischeren Situationen, wo er seine brutale Schnelligkeit ausspielen kann. Da gab es gegen Hamburg ein paar Szenen, wo er durch simples Vorbeilegen und Hinterhersprinten nur noch per Foul zu stoppen war und sonst viel Raum und Optionen gehabt hätte. Entsprechend kombiniert er unauffälliger als die anderen beiden und beschränkt sich da (für mein Gefühl) zu oft auf einfache Pässe. Im Zentrum nutzt er seine Qualitäten auf engem Raum noch nicht so viel, sondern versucht eher in die Schnittstellen zu gehen, wo er dann oft geschickt werden kann, da er für den Gegner überraschend plötzlich losläuft und Lücken hinter rausrückenden Gegenspielern gut anvisiert. Insgesamt wirkt er auf mich am balancierendsten, passt sich also mehr an seine Mitspieler an (spielte z.B. vor Toljan anders als vor Zagadou) als die anderen beiden.

Antworten

MR 21. September 2017 um 16:25

Die typische Cristiano-Rolle als verkappter Mittelstürmer, der von außen diagonal in den Strafraum kommt. (Und deshalb nicht mit dem Rücken zum Tor spielen muss.)

Schorsch 21. September 2017 um 21:40

Aubameyang selbst hat einmal gesagt, dass es für ihn von Vorteil sei, wenn er in einem 4-4-2 als Stürmer agieren würde. Dies sei das System, in dem er groß geworden sei. Wobei er natürlich auch in anderen Systemen spielen würde etc.

In einem 4-4-2 braucht es keine 2 Stürmer, die mit dem Rücken zum Tor spielen (müssen).

HK 21. September 2017 um 23:18

@MR: Respekt, selten mit weniger Worten soviel ausgesagt.

tobit 22. September 2017 um 11:26

Die CR7-Rolle wäre möglich, ja. Ist halt die Frage, ob die Borussen ihn so effektiv füttern könnten wie Real Ronaldo.
Aktuell würde ich das mit Auba von links kommend spielen lassen, da dann Yarmolenko als rechtseitiger Stürmer den Benzema geben könnte (also den beweglichen Wandstürmer). Außerdem passt Guerreiro als LV besser in die offensiv kombinativ spielmachende Rolle als Piszczek oder Toljan rechts. Götze könnte weiterhin den weit ausweichenden linken Achter/Zehner geben und Pulisic auf RA ins 1vs1 gebracht werden. Aufgrund der großen Zahl an Halbstürmern (Isak, Reus, Philipp, Schürrle, in diesem Kontext auch Yarmolenko) und Wingern (Reus, Yarmolenko, Pulisic, Sancho, Larsen) würde ich nicht auf Reals aktuelle Raute setzen, sondern eher auf Ancelottis 442/433-Hybrid von vor ein paar Jahren, wo CR7 ja schon quasi genauso gespielt hat.
So sähe das dann etwa aus: http://lineupbuilder.com/?sk=fy9g6
Diese Auba-Rolle könnte erstmal vielleicht auch was für Isak sein, da er da nicht ständig einen IV im Rücken hat – später könnte er (oder auch Dolberg, wenn man den verpflichtet ist aber Auba wahrscheinlich schon weg) in die Yarmolenko-Rolle schlüpfen.

MR 25. September 2017 um 16:37

„Aubameyang selbst hat einmal gesagt, dass es für ihn von Vorteil sei, wenn er in einem 4-4-2 als Stürmer agieren würde. Dies sei das System, in dem er groß geworden sei.“

Aubameyang ist aber kein Trainer. Letzterer Hinweis sagt ja alles aus: Er mag das, weil er dran gewöhnt ist. That’s it.

Schorsch 25. September 2017 um 17:44

Nein, Aubameyang ist kein Trainer. Und Fußballer sind halt auch nur Menschen und mögen halt das gerne, was sie gewohnt sind. Was aber nicht heißt, dass der gute Pierre-Emerick in einem 4-4-2 als Stürmer nicht auch erfolgreich war und es aktuell sein könnte, oder? Andererseits erübrigt sich die Frage eigentlich, wenn es in einem System mit einem Stürmer, der eigentlich nicht so ideal für dieses System ist, doch so gut klappt… ;-).

Yarmolenko hat jüngst etwas (wie ich finde) Interessantes gesagt, als er auf seine ‚Integration‘ beim BVB angesprochen wurde. Er lerne die Mitspieler immer besser kennen in ihren individuellen Stärken. So müsse er Aubameyang im Raum anspielen, damit dieser seine Schnelligkeit ausspielen könne. Andere Mitspieler hingegen benötigten den genauen Pass auf den Fuß.

Ahnungsloser 25. September 2017 um 18:50

Genau deswegen halte ich meine Kritik an Bosz als Konzepttrainer jetzt auch für falsch.

BS 25. September 2017 um 19:52

@ Schorsch:
diese Aussage von Yarmolenko zeigt nur um so mehr, was für ein starker Neuzugang und welche Bereicherung er für den BVB darstellt. ein enorm reflektierter, technisch brillianter Spielmachertyp auf der rechten Außenbahn.

Schorsch 25. September 2017 um 22:00

@BS:
Und er ist ein Spieler, der sehr diszipliniert an sich selbst zur Optimierung seiner Leistung arbeitet. Immer auch auf Basis der statistischen Werte seines Spiels. Das war schon in Kiew so.

tobit 25. September 2017 um 22:55

Interessant, so hätte ich ihn nicht eingeschätzt – medial war ja eher von seinem großen Fehltritt (Rangelei/Nachtreten gegen Shakhtar) zu lesen/hören, woraus dann so mancher etwas projizierte. Da scheint man mal wieder einen Top-Charakter und Vollprofi an Land gezogen zu haben. Diese Einstellung, jeden Tag besser zu werden, hatten Mkhi und Lewy ja z.B. auch – mit dem Unterschied, dass sie in jüngeren Jahren nach Dortmund kamen.

Schorsch 25. September 2017 um 23:45

@tobit:
Chistiano Ronaldo gilt als einer der diszipliniertesten aktuellen Profifußballer, was Lebenstil, Training und Wille zur Optimierung anbelangt. Was man dann eben auch im Resultat auf dem Platz sieht. Was aber nicht heißt, dass er in allen Situationen auf dem Platz diszipliniert bleibt. Da hat es schon den einen oder anderen Platzverweis gegeben. Sein derzeitiger Trainer war auch vor Ausrastern auf dem Platz nicht gefeit, auch wenn er ansonsten auf und neben dem Platz immer einen sehr besonnenen Eindruck gemacht hat. Unvergessen Zizous letzter Feldverweis…

Was den von Dir angesprochenen Fehltritt Yarmolenkos anbelangt (der ein übler Tritt war), so darf man zum einen nicht die Rivalität beider Teams, aber auch nicht den innerukrainischen Konflikt in diesem Zusammenhang vergessen. Das Ganze eskalierte ja dann auch mehr zu einer Massenschlägerei. Soll keine Entschuldigung, nur eine Erklärung sein. Yarmolenko kann durchaus schon zulangen als Offensivspieler. Letzte Saison blieb er allerdings ‚clean‘.

tobit 26. September 2017 um 00:00

Klar sind Entgleisungen auf dem Platz kein Zeichen von genereller Unprofessionalität (und tuen dem BVB auch bis zu einem gewissen Grad gut – der Rest des Kaders ist ja eher „lieb“). In Verbindung mit seinem Status als „König von Kiev“ war ich erstmal skeptisch – war ich aber bei Mkhi auch, bis es da Mal tiefer gehende Infos zu seiner vorbildlichen Arbeitseinstellung gab.

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