So funktioniert der BVBosz

Wir erklären Peter Boszs 4-3-3-System bei Borussia Dortmund und dessen Alternativen.


Nach zwei ereignisreichen und taktisch hochinteressanten Jahren unter Thomas Tuchel wird Borussia Dortmund nun von Peter Bosz trainiert. Auch der ehemalige Ajax-Coach ist ein ausgewiesener Fachmann für Ballbesitz- und Pressingfußball. Seine Ajax-Mannschaft kam ins Finale der Europa League und räumte dabei unter anderem den FC Schalke mit beeindruckend intensivem Pressingfußball aus dem Weg. Spielverlagerung verfolgt das Machwerk des Niederländers bereits seit seiner vor-vorletzten Station Heracles Almelo, wo er unter anderem ein sehr interessantes 3-1-2-1-3-System spielen ließ.

Dortmunds Aufstellung in den ersten Pflichtspielen und die typischen Rauten und Dreiecke im neuen 4-3-3.

Niederländisches 4-3-3

Zumeist setzt Bosz jedoch – typisch Niederländer – auf ein 4-3-3-System, welches er nun auch beim BVB fix installiert hat. Klarer Dreiersturm, klare Viererkette, klarer Sechser und zwei Achter davor – eine wesentlich eindeutigere und simplere Rollenverteilung als unter Tuchel, bei dem häufig mit Mischsystemen und sehr fein angepassten Spielerrollen hantiert wurde.

Innerhalb dieses 4-3-3s hat Bosz aber klare taktische Prinzipien, an deren Implementierung er seit Amtsantritt fokussiert arbeitet. Dabei ist eine wichtige Grundlage, dass das 4-3-3 aus so vielen Rauten besteht. Dadurch gibt es quasi in allen Positionen mindestens drei klare Anspielstationen. Diese sollen im Positionsspiel auch aufrechterhalten werden, um in hohen Tempo den Ball zu zirkulieren.

Eine kurze Zusammenfassung des spezifischen Systems sieht in etwa so aus:

  • Immer Angriffspressing mit hoch zustellendem Dreiersturm.
  • Aggressive Ballorientierung, wenn das möglich ist. Mannorientierungen, wenn sie notwendig sind.
  • Ein sehr breites 4-3-3 mit tiefen Außenverteidigern und breiten Flügeln.
  • Maximierung des Spielraums im Aufbau vor allem im Mittelfeldzentrum.
  • Achter, die viel nach vorne arbeiten sollen, beinahe eine Doppelzehn.
  • (Theoretisch: Vertikale Eröffnung durch die Innenverteidiger, oft direkt auf den Stürmer, der auf die Achter klatschen lässt. Macht Dortmund aber bisher selten.)
  • Kombinationen in klarer Gruppenbildung von den Flügeln.
  • Viel Raum um den alleinigen Sechser, der im Gegenpressing von herausrückenden Abwehrspielern mannorientiert abgedeckt wird.
  • Hohe Grundintensität, viel Tempo in allen Spielphasen.

Viel Breite, große Abstände

Insbesondere der dritte Punkt stellt eine große Änderung dar und ist eine Besonderheit unter Ballbesitzmannschaften. Normalerweise bauen diese mit zwei oder drei Verteidigern auf, um diesen genug Raum zu bieten. Die Außenverteidiger schieben nach vorne; Pässe in die Flügelzonen will man in der ersten Linie vermeiden. Dafür rücken die Flügelstürmer normalerweise ein.

Bei Bosz hingegen bleibt die Struktur auch bei Ballbesitz erst einmal ein klares, breites 4-1-2-3. Das bedeutet, dass nur drei Spieler im Mittelfeldzentrum sind und dass die Mannschaft insgesamt sehr gestreckt agiert und die Abstände zwischen den Offensivspielern etwas größer sind als (in Ballbesitzsystemen) normalerweise.

Beispielhafte Szene gegen Wolfsburg, in der man die breite Grundstruktur sieht. Hier folgt dann ein Positionswechsel zwischen Philipp und Götze und Bartra spielt den Ball auf Götze nach außen. Was uns zum nächsten Punkt bringt...

Beispielhafte Szene gegen Wolfsburg, in der man die breite Grundstruktur sieht. Hier folgt dann ein Positionswechsel zwischen Philipp und Götze und Bartra spielt den Ball auf Götze nach außen. Was uns zum nächsten Punkt bringt…

Die Flügelstürmer kommen meist erst in die Mitte, wenn sich das Spiel dem Strafraum annähert. Daher sind auch die Achter so wichtig, die in der Offensive die einzigen Verbindungspunkte zwischen den weit entfernten Spielern darstellen. Bei Ajax waren auch Ablagen des Stürmers dabei extrem wichtig, diese sind bei Aubameyang aber nicht so häufig und eher unsauber. Perspektivisch ist der Gabuner eigntlich nicht der richtige Mittelstürmer für dieses System.

Die Achter als Schlüsselspieler

Im Grunde agieren beide Achter bei Ballbesitz eher als Zehner. Sie schieben weit vor, sollen die gegnerischen Sechser binden und klare Pässe in die Tiefe ermöglichen. Vereinzelt kommen sie dann zurückgefallen, wenn es nötig ist, dem Innen- oder Außenverteidiger eine kurze Anspielstation zu bieten, während der Passweg zum Sechser geschlossen ist. Vereinzelt rochiert der Sechser dann auch nach vorne und wird währenddessen vom Achter abgesichert (siehe Szene gegen Hertha weiter unten).

Die wichtigste Funktion der Achter ist, die Verbindung zum Flügel herzustellen. Sie kreieren zum einen das Dreieck mit dem Außenverteidiger und dem Außenstürmer, sodass diese nicht so leicht isoliert bzw. attackiert werden können. Dadurch können sie dem Außenverteidiger auch den Passweg auf den Sechser öffnen. Wenn der Gegner Überzahl herstellen kann, müssen sie die Situation meist auflösen, gegebenenfalls indem sie den Ball wieder zu den Innenverteidigern befördern.

Außerdem kurbeln sie dann immer wieder Kombinationen mit den Flügelspielern an; auf unterschiedliche Weise: Wie in der Grafik weiter unten können sie aufrücken und dadurch den Raum für eine horizontale Aktion des Außenstürmers öffnen. Sie können auch etwas tiefer bleiben und dadurch den Gegner nach vorne locken, um den Pass in die Tiefe auf einen startetenden Flügelstürmer zu spielen bzw. zu ermöglichen. Zudem können sie hinter den einrückenden Flügelstürmer auf den Stürmer nach außen kreuzen (wie in der Grafik oben) oder schlichtweg aus dem Zwischenraum heraus Dribblings starten oder Bälle verteilen.

Außenverteidiger als Aufbauspieler

Während die Achter in Bosz‘ System sehr offensiv spielen, bleiben die Außenverteidiger hinten. Sie sind seltener gefordert, nach vorne zu kommen und mit Tempo die letzte Linie zu attackieren. Stattdessen sind sie die alternativen Aufbauspieler, wenn die Innenverteidiger keine Vertikalpässe spielen können. Außerdem werden sie regelmäßig angespielt, um den Gegner ins Verschieben zu bringen und dann zu verlagern. Erst im Angriffdrittel und primär nach Verlagerungen werden sie auch in hoher Position eingebunden. Ab und zu schieben sie schon eher nach vorne, um Raum für die Achter oder Innenverteidiger zu öffnen.

Wenn sie angespielt werden, versuchen die Dortmunder sehr schnell und sauber Passwege in alle Richtungen herzustellen, um die Isolation an der Seitenlinie zu verhindern. Besonders der Pass auf den Achter wird oft gespielt; wenn der Gegner diesen Pass verhindern will, muss er häufig den zum Flügelstürmer oder den zum Sechser öffnen. Zur Sicherung bietet sich natürlich der Innenverteidiger an, der den Ball dann verlagern kann.

Eine Beispielszene nach Anspiel von Sokratis auf Piszczek. Der Rechtsverteidiger orientiert sich in die Mitte und sucht die Passwege ins Zentrum. Letztlich wird dennoch der Weg entlang der Linie bedient, doch auch die anderen (grauen) Pässe sind möglich.

Eine Beispielszene aus dem Spiel gegen Wolfsburg nach Anspiel von Sokratis auf Piszczek. Der Rechtsverteidiger orientiert sich in die Mitte und sucht die Passwege ins Zentrum. Letztlich wird dennoch der Weg entlang der Linie bedient, doch auch die anderen (grauen) Pässe sind möglich.

Für den Dortmunder Kader ist diese Ausrichtung glücklicherweise sehr passend. Vor allem Piszczek ist nicht mehr die Dampframme früherer Tage, sondern hat sich unter Tuchel mehr und mehr zum Halb- oder sogar Innenverteidiger entwickelt. Auch Schmelzer spielte dieses Jahr schon öfter halblinks in der Dreierkette. Zagadou konnte sich als gelernter Innenverteidiger schon gut ins System integrieren. Vermutlich sollte deshalb auch Durm den Verein verlassen, der als Flügelläufer unter Tuchel noch eine sehr passende Rolle hatte, für die Außenverteidiger-Position bei Bosz aber weder die Zweikampfstärke, noch die Passqualität mitbringt. (Bosz testete ihn gegen Rot-Weiß Essen sogar mal als Achter, was aber erwartungsgemäß relativ katastrophal war.)

Aktivität und Abstimmung im Freilaufen

Die formationstaktischen Eigenheiten des Bosz-4-3-3 sind aber weniger prägend als die Interpretation der Formation. Eigentlich ist die breite, flügellastige Struktur der Borussen nicht herausragend, gerade für ein Ballbesitzspiel. Innerhalb dieser Struktur gibt es aber sehr viele und in der Regel auch gute Aktionen ohne Ball. Die Grundstruktur wird also permanent aktiv und recht vorausschauend an die Situation angepasst. Der Ballführende wird immer unterstützt.

Besonders die Achter sind dabei eben sehr aktiv, da sie eigentlich permanent Kontakt zum Ballführenden haben und deshalb auch permanent ihre Positionierung anpassen müssen, um Passwege zu kreieren oder zu öffnen. Doch auch der Sechser beteiligt sich aktiv daran und die Außenverteidiger und Außenstürmer ändern ihre Positionierung im richtigen Moment.

Szene aus der zweiten Halbzeit: Wolfsburgs Spieler rücken im Pressing vor. Sahin bewegt sich intelligent in den riesigen freien Raum in Wolfsburgs Mittelfeld.

Hier eine Beispielszene für die abgestimmten und aktiven Bewegungen aus TEs Kolumne. Hier fällt der Achter zurück, bindet dadurch Spieler, so kommt Sahin frei und rochiert nach vorne in den geöffneten Raum.

Dabei passt die Kommunikation zwischen den Spielern gut und die Mannschaf hat auf allen Positionen ein Verständnis für die Kreierung von Passwegen in der Gruppe. Das bedeutet vor allem, dass zugestellte Spieler sich vom Ball entfernen und zwar so, dass sie dadurch einen anderen Passweg öffnen. Und dass entfernte, freie Spieler im richtigen Moment in freie Räume kommen, um entsprechend Pässe zu ermöglichen.

So wird immer wieder füreinander Raum geöffnet und besetzt, ohne dass die mannschaftliche Struktur dabei einbricht. Besonders zwischen den drei Zentrumsspielern gibt es auch flüssige Positionswechsel, wenn ein Spieler weit aus seiner Position heraus muss, um etwa einen entscheidenden Raum zu besetzen. (Wenn beispielsweise Sahin in den Zehnerraum vorrückt oder Castro neben die Verteidiger zurückfällt.)

Diese gruppentaktischen Verhaltensweisen sind im Grunde Basics, aber die Aktivität und Abstimmung bei deren Umsetzung sind eben sehr hoch im Dortmunder Spiel und prägen die Spielweise noch deutlich mehr als bei anderen Teams. Beispielsweise beteiligt sich auch der Torwart wesentlich aktiver daran als bei anderen Teams. Bürki verlässt dafür oft seinen Strafraum, vereinzelt sogar bis kurz vor den Mittelkreis. Das beschleunigt die Ballzirkulation.

Flügelangriffe als Gegenpressing-Trigger

Die Flügellastigkeit des Systems wurde bisher vor allem deshalb nicht zum Problem, weil die Borussen die Nachteile von Flügelangriffen teilweise umkehren: Normalerweise kann der Gegner Überzahl herstellen und man selber kann seine ballfernen Spieler nicht einbinden. Die Borussen besetzen die Verbindungsräume außen mit den Achtern aber sehr früh. Dadurch können sie die gegnerische Überzahl öfters aushebeln. So binden sie Gegenspieler auf dem Flügel und setzen dann das Spiel in offene zentrale Räume fort – im Optimalfall.

Zudem nutzt die Mannschaft offene Räume auf einem Flügel bzw. die entstehende eigene Struktur auf der Seite als Trigger, um mit den ballfernen Spielern auf diese Seite zu schieben. Der ballferne Außenverteidiger schiebt oft ins Mittelfeldzentrum und füllt dadurch hinter dem vorgeschobenen Achter auf. Der Sechser schiebt auch schon mal in den Halbraum und oft besetzt der ballferne Achter eine zentrale Position, aus der er auch schnell auf die andere Seite kommt.

Vor dem 1:0 gegen Hertha: Eine der typischen Kombinationen zwischen Flügelstürmer und Achter. Die anderen Spieler schieben schon einmal rüber und sind daher im Gegenpressing extrem dicht formiert. Nach Sahins geblocktem Schuss holt Zagadou deshalb den Ball noch einmal zurück und leitet so das Tor ein.

Vor dem 1:0 gegen Hertha: Eine der typischen Kombinationen zwischen Flügelstürmer und Achter. Die anderen Spieler schieben schon einmal rüber und sind daher im Gegenpressing extrem dicht formiert, die ballferne Seite verwaist. Nach Sahins geblocktem Schuss holt Zagadou deshalb den Ball noch einmal zurück und leitet so das Tor ein.

Durch diese frühzeitige Bewegung Richtung Ball hat die Borussia extrem schnell viele Spieler in Ballnähe, wenn sie den Ball in der gegnerischen Kompaktheit am Flügel oder im Halbraum verlieren. Dazu erkennen sie diese Gegenpressingmomente auch sehr frühzeitig – eine altbekannte Qualität der Borussen. Gegen Hertha wurde das mustergültig demonstriert. Immer wieder waren alle drei Zentrumsspieler schon wenige Augenblicke nach Ballverlust hinter dem Ball. So können die Dortmunder extrem viel Druck machen und sind gleichzeitig gut abgesichert.

Mannorientierungen in großen Räumen

In so einer kompakten Staffelung den Ball zu jagen ist die optimale Variante für Bosz. In einigen Situationen kann es aber passieren, dass größere Konterräume offen sind. Besonders die Räume neben dem Sechser sind potentiell große Gefahrenzonen, weil die Achter eben so offensiv spielen müssen. (Hier ein Beispiel dafür, wie problematisch solche Halbraumlücken sein können.)

Wenn die Mannschaft so große Räume verteidigen muss, verändert sich das Deckungsverhalten: Statt ballorientiert zu verschieben, wird vor allem manngedeckt. Besonders das mannorientierte Herausrücken der Verteidiger ist auffällig. Wenn dem Gegner Vertikalpässe gelingen, soll sich der Passempfänger möglichst nicht drehen, sondern wird sehr aggressiv bei der Ballannahme gestört. Dadurch begeht Dortmund auch mehr Fouls als in der Vergangenheit.

Die hohe Position der Achter wird auf diese Weise durch die Außenverteidiger balanciert. Diese können – wie oben beim Flügelangriff – frühzeitig die offenen Halbräume schieben und den Sechser unterstützen. Falls das nicht klappt, können sie aggressiv mannorientiert dort hinein starten oder ein Innenverteidiger tut selbiges, während sich Außenverteidiger als Absicherung fallen lässt. In der Restverteidigung orientieren sich die hinteren Spieler schon frühzeitig in Richtung der möglichen gegnerischen Anspielstationen.

Zustellen mit dem Dreiersturm

Das mannorientierte Verteidigen ist auch im organisierten Pressing von Bedeutung. Hier ist besonders das Herausrücken der Innenverteidiger sehr relevant und oft zu beobachten; bei Vertikalpässen und besonders oft auch bei langen Bällen des Gegners, die Dortmund bisher per Abwehrdreieck gut im Griff hat.

Diese langen Bälle sind besonders häufig, da Bosz fast permanent hoch zustellen lässt. Die drei Angreifer bilden bei gegnerischem Abstoß meist eine Linie in der Nähe des Strafraums und versuchen direkt den ersten Pass zu unterbinden. Die Achter kontrollieren die Lücken hinter dieser ersten Linie. Der Sechser hat dementsprechend viel Raum zu kontrollieren, wobei er eben von den Innenverteidigern viel unterstützt wird. Im Grunde tendiert das System leicht zu einem 3-2-2-3 im Pressing.

Im Pressing ist auch die restliche Mannschaft lose mannorientiert organisiert. Besonders die Achter und Flügelstürmer behalten im späteren Angriffsverlauf ihre direkten Gegenspieler im Blick. Wenn der Gegner aber in einer Zone isoliert werden kann, können sie auch aggressiv in Ballnähe schieben, um den Druck zu maximieren. Auch hier wechselt das Deckungsverhalten also je nach Situation und ist grundsätzlich sehr proaktiv ausgerichtet. Zuweilen werden die Abstände zwischen den Positionen durch die Mannorientierungen aber größer, was Absicherung bzw. generell das Kettenspiel erschwert.

5-2-3 als B-System

So entsteht das 5-2-3 aus dem 4-3-3. Hier mit beispielhaften Spielern, die gut in die Positionen passen würden. Randnotiz: Weigl und Sahin können auch zusammen spielen.

So entsteht das 5-2-3 aus dem 4-3-3. Hier mit beispielhaften Spielern, die gut in die Positionen passen würden. Randnotiz: Weigl und Sahin können auch zusammen spielen.

In den Pflichtspielen blieb Bosz zwar bisher dem 4-3-3 treu, doch in der Vorbereitung ließ er schon durchblicken, was seine erste Alternative dazu ist: In zweiten Halbzeiten wechselte er ein paar Mal auf ein 5-2-3. Das ist für das 4-3-3 eine recht praktische Alternative, da sich nicht viel verändert: Die drei zentralen Spieler rücken alle eine Reihe nach hinten, die Außenverteidiger dafür weiter nach außen bzw. vorne, die Flügelspieler kommen eher in die Mitte.

So können viele Mechanismen im B-System beibehalte werden, während dennoch offensiv wie defensiv die Struktur entscheidende verändert wird. Bei Ballbesitz hat man nun eine fixe Dreierkette und zudem den Raum vor der Abwehr anders besetzt; die zentrale Aufbaustruktur wird zum 3-2 statt zum 2-1-2. Das ist etwas leichter und breiter angelegt und kann etwa das Aufrücken Bartras noch mehr forcieren. Außerdem kann perspektivisch Guerreiro als offensiver Außenverteidiger mehr eingebunden werden und auch sonst entstehen etwas andere Rollen (siehe Grafik).

Gerade wegen der Tendenz zur Mannorientierung lohnt diese Anpassungsmöglichkeit auch defensiv. Typischerweise könnte die 4-1-2-3-Struktur nämlich mit Flügelläufern Probleme bekommen, die kurz hinter den Dortmunder Außenstürmern mit hohen Pässen oder long-line anspielbar werden. Dieses Mismatch (oder ähnliche) kann bei sauberer Ausführung einen Dominoeffekt erzeugen, wodurch die ganze Hintermannschaft Zuordnungs- und/oder Zugriffsprobleme bekommt. Im 5-2-3 wäre die Zuordnung dann ein Mal „umgekrempelt“: Die Außenverteidiger können sich früher und weiter nach vorne orientieren, die drei zentralen Spieler dafür mehr nach hinten – Problem gelöst, wenn’s gut läuft.

Perspektivisch ist auch denkbar, dass das System im laufenden Spiel hin und her gewechselt wird. Im Grunde müsste nur der Sechser zwischen Mittelfeld und Abwehr verschoben werden. Weigl hat unter Tuchel so eine Rolle schon gespielt.

Was der BVB an Tuchel hatte

Die erste größere Delle hatte der „BVBosz“ am vergangenen Wochenende gegen Freiburg. Für das Spiel lohnt keine Detailanalyse: Freiburg wurde früh auf zehn Mann reduziert und verrammelte ab diesem Zeitpunkt mit Mann und Maus den eigenen Strafraum, fiel mit der Abwehrkette sogar oft bis zum Elfmeterpunkt zurück. Dortmund entsprach der alten Binsenweisheit, dass so ein Gegner „für jeden unangenehm ist“.

Da Freiburg umgekehrt zu gar keinen Chancen mehr kam und der BVB zumindest Distanzschüsse und Standards, sowie ein eigentlich-reguläres Tor erzielte, könnte man das als Betriebsunfall abtun. Jedoch: Diese Mannschaft hat in den vergangenen Jahren bei vielen Gelegenheiten bilderbuchmäßig gezeigt, wie man so einen tiefstehenden Riegel zerspielen kann. Dieses Mal wirkte sie über weite Phasen konzeptlos dabei. Diagonale Chipbälle zum einlaufenden Außenverteidiger am zweiten Pfosten gab es zwar, aber erst im späteren Verlauf des Spiels.

Aus der Anfangsphase unter Tuchel, Artikel bei Klick auf's Bild: Ein beispielhafter Spielzug, um eine tiefe Abwehr zu knacken. (Mkhitaryan und Gündogan zu haben hilft aber natürlich auch.)

Aus der Anfangsphase unter Tuchel, Artikel bei Klick auf’s Bild: Ein beispielhafter Spielzug, um eine tiefe Abwehr zu knacken. (Mkhitaryan und Gündogan zu haben hilft aber natürlich auch.)

Auch in den sonstigen Spielen erspielten die Borussen bisher nicht unheimlich viele klare Torchancen, sondern erdrückten den Gegner eher durch ihre massive Dominanz von Ball und Raum. Die Muster im Offensivspiel, die Werkzeuge zum Durchbrechen der Abwehr, die waren unter Tuchel meist auf höherem Niveau. Das System war besser an die Spieler angepasst und hatte feinere Asymmetrien und Strukturen, um sauberer durch die Linien zu kommen.

Provokant könnte man sogar sagen: Bosz hat großen Aufwand betrieben, um das alte System niederzureißen und ein schlechteres zu installieren. Wenn man diese Kritik vorbringen will, so ist es aber Kritik auf höchstem Niveau. Schließlich arbeitet jeder (?) Trainer (noch) nach seinen eigenen Modellen und Prinzipien vom Spiel und übernimmt meist nur in Grundzügen die vorhandenen Dinge. Bosz kennt das 4-3-3 sehr gut und weiß, wie er es vermittelt bekommt. Zudem hat die neue Spielweise natürlich auch Vorteile. Die Frage ist aber, ob es nicht möglich gewesen wäre, diese Vorteile mit der alten Struktur zu verbinden.

Boszs Intensität und Periodisierung

Was bei allen taktischen Erwägungen wohl die größte Weiterentwicklung unter Bosz ist, ist die Intensität. Wie bereits mehrfach angedeutet spielt die Dortmunder Mannschaft wieder deutlich intensiver und aggressiver als in der vergangenen Saison. Diese Qualität hatte beim BVB in den zwei Jahren unter Tuchel immer mehr nachgelassen.

Ein Schlüssel dafür ist die klare Vorstellung, die Bosz bei der Belastungssteuerung seiner Spieler hat. Das war auch ein Buzzword als Tuchel vor zwei Jahren übernahm, der auch sofort die Verletztenmisere beenden konnte. Letzte Saison gab es aber wieder deutlich mehr Verletzungen und weniger Fitness. Irgendwas war offenbar schiefgelaufen. Für Details fehlt uns an dieser Stelle der Einblick.

Bosz unternahm jedenfalls bisher logische Maßnahmen in dieser Hinsicht. Götzes Einsatzzeiten wurden vorsichtig nach und nach erhöht. In den Testspielen ließ er meist elf Spieler 90 Minuten spielen, um die Fitness für die volle Spielzeit aufzubauen. Die anderen Spieler trainierten locker und bekamen am nächsten Tag einen vollen Einsatz. In einem Interview beschrieb er, wie er die Fitness seiner Spieler in intensiven Spielformen steigern will und nannte dabei explizit Zahlen.

Insofern kann man erwarten, dass sich die Intensität im Dortmunder Spiel im Saisonverlauf noch weiter steigern wird. Auch Bosz‘ Ajax-Mannschaft kam erst später in der Saison richtig in Fahrt und spielte in der Rückrunde teilweise in einem extrem hohen Tempo.

Fazit

Grundstruktur, Strategie, Intensität und individuelles Verhalten innerhalb des neuen BVB-Systems sind bereits auf gutem Niveau und es ist damit zu rechnen, dass sie sich weiter steigern werden. Um das volle Potential der Mannschaft zu entfalten, müssten sich die Offensivmuster und Rollenverteilungen noch verfeinern, ebenso die Abstimmung im Defensivverbund. Es wird interessant zu beobachten, wie viel Bosz noch entwickeln kann. Auf jeden Fall ist die Dortmunder Mannschaft unter dem neuen Trainer eine gute Mannschaft, die strukturierten, leidenschaftlichen Fußball spielt.

arjo 14. September 2017 um 11:02

Da diese Analyse schon relativ früh angekündigt wurde, habe ich sie bereits sehnsüchtig erwartet. Neben den Umstellungen im Mittelfeld, scheinen sich das Anforderungsprofil der Außenverteidiger und des Mittelstürmers unter Bosz am stärksten verändert zu haben.
Besonders interessant finde ich dabei den spielmachenden Aspekt der Außenverteidiger. Zwar haben sich Piszczek und Schmelzer, wie beschrieben, unter Tuchel im Passspiel verbessert und sind mittlerweile eher Halb- als gradlinige Außenverteidiger, dennoch geht ihnen mMn das spielerische ein wenig ab. Äquivalent zu Bayern, bei denen diese Position seit Jahren von Spielern bekleidet wird, die auch im zentralen Mittelfeld spielen können, würde ich diese bei Dortmund gerne einmal mit Guerreiro und Castro besetzt sehen. Da weiterhin die unter Tuchel häufig genutzten Chippässe als Möglichkeit für das Knacken kompakt stehender Gegner, die tiefere Positionierung der Außenverteidiger, die höhere der Achter sowie die breitere der Außenstürmer angesprochen werden, könnten spielerisch starke Außenverteidiger eben diese Pässe spielen. Um dies zu forcieren könnte man als taktischen Kniff auch über eine inverse Positionierung der Außenverteidiger nachdenken.
In Bezug auf die neue, nicht ideale Rolle Aubas, finde ich die Idee im Aufbau mit Yarmolenko als Zielspieler zu agieren ebenfalls sehr interessant.

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Mourinho 14. September 2017 um 08:55

Schöner Artikel zu Bosz, hat mir gut gefallen. Ich bin allerdings der Meinung, dass Tuchel hier viel zu stark verklärt wird. Ja, diese offensiven Muster wie Chippässe hinter die Abwehr gab es unter ihm. Allerdings speziell in der Hinrunde 15/16 mit Gündogan und Mkhitaryan. Die wurden schon in der Rückrunde 15/16, als Tuchel versuchte die Balance hin zu mehr defensiver Stabilität zu verschieben, deutlich seltener eingesetzt. Ohne die zwei Spieler gab es diese Mechanismen 16/17 so gut wie überhaupt nicht. Gegen tiefstehende Gegner hat man sich in erster Linie auf die individuelle Klasse von Dembele verlassen. Von daher sollte man das jetzige BVBosz eher mit dem BVB der letzten Saison vergleichen und nicht mit dem BVB mit Gündogan und Mkhitaryan.

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MR 14. September 2017 um 14:22

Die Offensivmuster und Rollenverteilungen waren auch letzte Saison meist auf sehr hohem Niveau, die Hinrunde 15/16 war nur die einzige, von der ich eine Teamananalyse parat hatte.

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JD 14. September 2017 um 19:30

Sehe ich überhaupt nicht so. Stimme da Mourinho völlig zu. Wenn man sieht, wieviele Punkt der BVB letzte Saison gegen deutlich schlechtere Mannschaften liegen gelassen hat, wie oft man sich spielerisch gegen Mannschaften wie Darmstadt oder Frankfurt einen abgebrochen hat, dann kann man da kaum noch von Mustern auf hohem Niveau sprechen. Mehrere Spiele konnten alleine dadurch gerettet werden, dass Dembele aus unmöglichen Situationen Räumen und Chancen geschaffen hat, die eigentlich garnicht sein konnten. Von dem genialen Fussball der ersten Tuchelsaison hat man in der letzten Saison nichts mehr gesehen. Die geniale Zeit war spätestens mit dem Umstellen auf Dreierkette endgültig vorbei.

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Schorsch 15. September 2017 um 13:09

Dem kann ich mich anschließen. In der Hinrunde 15/16 zeigte man in der Tat beeindruckende Offensivmuster. Was nicht zuletzt daran lag, dass Tuchel mit Gündogan, Mkhitaryan die entsprechenden Spieler zur Verfügung hatte. Auch Kagawa muss man hier erwähnen. Und letztlich auch den Innenverteidiger Hummels. Allerdings zeigte man sich auch konteranfällig (und ein wenig naiv in München), sodass Tuchel diese Offensivmuster etwas zugunsten der Steigerung defensiver Kompaktheit in der Rückrunde anpasste. Was die Saison 16/17 anbelangt, so passte das alles nicht mehr so recht zusammen. Mag an den Abgängen gelegen haben, mag an der Einstellung des Teams durch Tuchel gelegen haben, oder an beidem. Es ging mehr und mehr darum, zu ‚Punkten‘ und nicht unbedingt, das Team gleichzeitig weiterzuentwickeln. Ja, und bei Dembélé durfte man sich mehrfach bedanken (trotz seiner eher mageren Defensivarbeit).

Von meiner Seite auch ein Dankeschön an MR für diesen Artikel. Gut strukturiert, eingängige Argumentation. Auch wenn man nun in London Lehrgeld bezahlt, so bleibe ich hinsichtlich der Entwicklung des Teams in dieser Saison optimistisch.

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Fri 14. September 2017 um 08:37

Wäre es nicht eine gute Idee, Yarmolenko und Auba im Aufbau die Positionen täuschen zu lassen? Yarmo ist ja anscheinend ein sehr guter Ablagespieler und hat mMn gute Übersicht und Technik mitbringt.

Antworten

tobit 14. September 2017 um 10:02

Hatte ich auch schonmal überlegt. Könnte aber auch ungünstig sein, da Auba auf dem Flügel nur sein Tempo hat und sonst völlig wirkungslos ist. Für Kontersituationen oder bei langen Bällen mit direkter Verlängerung auf die diagonal einstartenden Flügel könnte ich mir diesen Tausch am ehesten vorstellen. Außerdem schränkt man Yarmolenko im Zentrum auch ein, er scheint sich ankurbelnd auf der Seite deutlich wohler zu fühlen.

Antworten

Daniel 14. September 2017 um 00:54

Passender Zeitpunkt für die Analyse, beim Spiel heute Abend (das erste, das ich von Bosz über 90 Minuten seh) konnte man einige-aber nicht alle-der erwähnten Aspekte beobachten. Die Spielweise des BVB war schon recht klar erkennbar und hat auch halbwegs funktioniert, fragwürdig fand ich vor allem die Zusammenarbeit in der Defensive und die extrem konservativen Wechsel. Ein weiterer zentraler Kreativspieler hätte dem BVB meiner Einschätzung nach gut getan. Stattdessen wurde dreimal exakt positionsgetreu getauscht. Klar, damit macht man im Regelfall nix kaput..aber man gewinnt halt auch normalerweise nichts durch solche Wechsel. Grundsätzlich fand ich die Leistung in Wembley solide, leider mit einigen entscheidenden (großteils individuellen) Ausreißern.

– Sahin nimmt seine Rolle mit Ball solide wahr, gegen den Ball ist er aber leider problematisch. Er kann weder mit Stellungsspiel und geschickten Laufwegen (wie Weigl und teilweise Dahoud) noch mit Dynamik und Zweikampfhärte das gegnerische Offensivspiel unterbinden oder wenigstens verzögern oder gar Ballgewinne verbuchen.

– Ich habe nach dem Yarmolenko-Transfer hier hinterfragt, ob die teuren Verpflichtungen weiterer Offensivspieler wirklich sinnvoll sind und der BVB die Dembele-Millionen nicht lieber in Verstärkungen im Defensivbereich gesteckt hätte. Die Reaktionen waren überwiegend negativ, aber-es tut mir leid- ich muss jetzt wieder damit kommen. Sokratis und Piszcek waren bereits letzte Saison in der CL meist überfordert, heute war es das Gleiche. Piszcek bekommt seine Seite nicht zu, er ist vorne wirkungslos und kommt dann bei Kontern zu spät zurück in seine Grundposition. Sokratis verweigert beim 0:1 den Zweikampf, beim 1:2 geht er zwar in den Zweikampf, aber viel zu tollpatschig und ungestüm (wie das so seine Art ist). Dazu gewohnt langsam, mit suboptimalem Stellungsspiel und technisch und am Ball schwach. Trotz meiner geringen Erwartungen an ihn war ich doch etwas enttäuscht, weil er heute selbst in seiner einzigen wirklichen Kernkompetenz (dem direkten, physischen Zweikampf) überfordert war. Sokratis war ehrlich gesagt noch nie mehr als ein leicht überdurchschnittlicher Buli-Spieler, Piszcek hingegen war zu seinen besten Zeiten tatsächlich einer der besten Rechtsverteidiger Europas-damals konnte er seine Schwächen (wenig pressingresistent, im (Defensiv-)zweikampf und der Positionierung mäßig, was bei einem umfunktionierten Stürmer auch kein Wunder ist) mit überragender Dynamik, Schnelligkeit und offensiver Durschlagskraft auffangen (so ein bisschen wie Kolasinac). Davon ist altersbedingt nicht mehr viel übrig und zurück bleibt ein mäßig schneller, passschwacher Risikofaktor.
Der BVB hat sich hier zwar verstärkt, aber-verglichen mit den Ablösen für einen Yarmolenko z.B.-doch eher im Schnäppchenregal. Dennoch waren die Neuen Toprak und Toljan trotz mangelnder Eingespieltheit in der Mannschaft noch die besseren in der Defensive. Gerade Toljans Leistung war angesichts der Umstände durchaus ansprechend, darauf kann man aufbauen. Toprak hat seinen Stiefel ganz ok runtergespielt, konnte aber auch nicht retten, was zu seiner Rechten verbockt wurde. Der BVB muss hoffen, dass Schmelzer und/oder Guerreiro bald zurückkommen und Toljan für rechts frei wird. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass Toljan in Hoffenheim meist Bankspieler war-Wunderdinge kann man von ihm auch (noch?) nicht erwarten, ein großer Wurf sieht anders aus. Angesichts der Umstände ist er aber natürlich klar die beste Option als RV. In der Mitte muss Bartra schnell wieder fit werden und im Idealfall sollte Zagadou schnell zur Option werden, um möglichst mit Bartra/Zagadou/Toprak durch die Saison zu kommen. Als IV Nr. 4 ist Sokratis sogar ganz gut.

– Ich hab es weiter oben schon geschrieben: Die Defensivarbeit der Mannschaft als ganzes war nach überspieltem Pressing noch recht optimierungsbedürftig. Im Grunde haben sich an der Strafraumverteidigung neben der Viererkette nur Dahoud und Sahin beteiligt, der Rest hat sich aufs Zuschauen beschränkt. Am schwächsten war hier Yarmolenko (auch wenn sein schönes Tor das wahrscheinlich für viele überdeckt), der Piszcek beinahe null unterstützt hat. Wenn Piszcek einrückte, war die rechte Defensivseite des BVB unbesetzt (siehe beispielhaft das 3:1). Ich weiß nicht, ob er sich das in der Ukraine als Superstar vielleicht leisten konnte, aber da muss viel mehr von ihm kommen. Gerade bei einem individuell so schwachen RV wie Piszcek kann sich der vor ihm spielende Flügelspieler keine Verweigerung leisten. So wie der BVB seine rechte Abwehrseite verteidigt hat brauchten sie sich auch nicht zu wundern, dass sie drei Tore von dort bekommen.

So eine Aufzählung von Fehlern klingt natürlich sehr negativ…so schlimm fand ich es tatsächlich aber nicht. Die Niederlage empfand ich ein Tor zu hoch, was auch durch eine der vielen schwachen SR-Leistungen in der CL begünstigt wurde. Auch wenn Sokratis und Sahin sich blöd anstellen wurden sie mMn dennoch gefoult von Kane vor dem 2:1. Und dass Aubameyang bei seinem Tor (gar nicht mal soo knapp) nicht im Abseits stand darf man auch ruhig mal sehen.

Antworten

Hellawaits1982 14. September 2017 um 09:28

Meiner Meinung nach hat Bosz, gestern auch Lehrgeld bezahlt.

Die 4 er Kette stand gestern viel zu hoch .

Nun muss man im Rückspiel sehen, dass man den direkten Vergleich gewinnt , sonst findet man sich in der EL wieder .

Schade hab gestern einen Sieg für den BVB erhofft, da ich es schon gerne sehe , dass deutsche Teams in die KO Runde kommen.

Zu deinem geschilderten Defensivproblem.

Das besteht meiner Meinung nach schon länger , auch unter Klopp war man hinten immer für ein Gegentor gut , unter Tuchel bevorzugt nach Standards und Konter .

Das Spiel war gestern jetzt nicht so schlecht , der Spielverlauf war nur eher suboptimal. Das 2:2 wurde nicht gegeben und im direkten Gegenzug machten die Spurs das 3:1 und damit wars gegessen .

Antworten

FAB 14. September 2017 um 12:37

@tobit, wunderbar, alle deine Eindrücke kann ich nur bestätigen.
Die Frage ist wie geht es weiter und was hat Bosz jetzt vor.
Meine Einschätzung deckt sich in etwa mit der MR Analyse. Beim BVB wird sich guter aber eben kein sehr guter Fussball entwickeln. Gut heißt, man kann dieses Jahr mit Glück und Bayern-Schwäche deutscher Meister werden, aber eine Champions League Gruppe mit Real und Tottenham ist im Gegensatz zu den letzten Jahren eine Nummer zu groß.
Dennoch bin ich gespannt wie Bosz den Umbruch von Pisczek, Sahin hin zu Toljan, Weigl, Dahoud meistert. Was mit Schürrle, Rode und co passiert.
Ob er sich vielleicht zu einem taktisch flexibleren Trainer und letztlich besseren Trainer entwickelt. Oder ist er am Ende ein Sturkopf? Ich bin gespannt. Aber um dann vielleicht in nächste Saison wieder sehr guten Fussball spielen zu können, muss sich nicht nur die Spielstruktur festigen, sondern man muss wohl zusätzlich wieder einen Mhkitaryan oder einen Dembele entdecken.

Antworten

tobit 14. September 2017 um 13:38

Den Mkhi traue ich Pulisic zu. Der bringt eigentlich alles dafür mit, müsste nur noch etwas präsenter werden, aber das sah jetzt auf links auch schon besser aus.

Ob die Gruppe wirklich eine Nummer zu groß ist, muss man sehen. Dafür müssen erstmal alle gegen Nikosia gewinnen (auch Dortmund) und Real liegt den Dortmundern eigentlich ganz gut. Natürllich ist da jetzt schon direkt (vermeidbarer) Druck auf dem Kessel, gerade auch nach dem schwachen Spiel in Freiburg.

Will man mit Bosz langfristig erfolgreich sein, muss man die individuelle (und besonders spielerische) Klasse der Verteidiger weiter erhöhen, oder er muss Weigl wieder als sehr tiefen (und das Pressing durchdribbelnden) Aufbau-Anker bringen. Für den hat er dann aber wieder keine Ersatz, da das Sahin nicht auf dem Niveau kann.
Die grundsätzliche spielerische Idee gefällt mir eigentlich sehr gut. Besonders natürlich die (noch) bessere Bürki-Einbindung bei hohem Neuaufbau. Mal sehen, ob er irgendwann wieder seine „philosophischeren“ Versuche aus Almelo und Arnheim auspackt – ein paar Grundprinzipien davon meine ich schon entdeckt zu haben. Wie beschrieben schiebt immer wieder einer der IV als mannorientierter „Vorstopper“ aus der Kette, was dann schon einige 3223- und gestern auch mal kurz 31231-Momente ergab.
Also: nächste Saison Durm, Sokratis und Subotic oder Piszczek (der andere bleibt als IV-Notnagel) abgeben und einen neuen IV (Toprak, de Ligt, Mammana, Koulibaly) und RV (Hysaj, Florenzi, evtl kann das auch Toljan oder Passlack sein) etablieren.

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Daniel 14. September 2017 um 14:19

Seh ich ganz ähnlich, grad den Part über Pulisic. Man sollte jedoch nicht noch ein Jahr warten, bevor man die Klasse der Verteidiger erhöht, das geht (bei guter Entwicklung und wenig Verletzten) schon mit dem momentanen Kader. Gestern war das halt personell schon eine sehr ungünstige Gemengelage, da mit Bartra, Schmelzer und Guerreiro die drei (neben den noch nicht perfekt integrierten Neuzugängen Toljan, Toprak und Zagadou) besten Verteidiger und dazu noch mit Weigl der defensiv stärkste Mittelfeldspieler ausfielen. Zagadou wurde bisher auf ungewohnter Position als LV eingesetzt, dafür hat er es gut gemacht. Es ist bereits zu erkennen, dass er trotz seiner Jugend bereits die physische Stärke von Sokratis hat, ohne dessen massive Schwächen zu haben. Und wenn Schmelzer/Guerreiro wieder da sind kann Toljan nach rechts und dann sieht das doch schon wesentlich besser aus.

—Pulisic——–Auba————-Phillip—
———Dahoud–Weigl–Götze———–
-Schmelzer–Toprak—Bartra—Toljan
———————–Bürki———————-

Das sieht doch schon deutlich besser aus. Und wenn sich Zagadou und Guerreiro weiter gut entwickeln kann man da auch ganz gut rotieren. Gerade Zagadou/Bartra klingt find ich verheißungsvoll.

Noch ein Wort zu Bürki, weil du ihn erwähnt hast: er sah nicht besonders toll aus gestern, aber in meinen Augen konnte er das nicht wirklich besser lösen gestern. Auch wenn der Winkel zweimal spitz war-der Schuss kommt zweimal aus geringer Entfernung und ist gut platziert, da kannst du nicht viel machen als Torwart. Das dritte Tor hätte er denk ich gehabt, wenn Piszcek nicht leicht, aber entscheidend abfälscht. Insofern kein Vorwurf.

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tobit 14. September 2017 um 14:43

In solchen Situationen wie beim 1:0 und 2:1 verlässt sich Bürki oft auf seine wahnsinnig guten Reflexe und bekommt dann noch die Hand hoch (hat er beim 1:0 fast geschafft). Son und Kane sind im Abschluss halt schlicht Weltklasse, auf die man in der Liga sehr selten trifft (eigentlich gar nicht, höchstens Robben oder Lewy an guten Tagen). Wenn er da die kurze Ecke komplett dicht macht, dann legen sie ihn „einfach“ ins lange Eck.
Insgesamt waren die Spurs bis zum 3:1 sehr effektiv. In der ersten Hälfte zwei Schüsse aus spitzem Winkel zu zwei Toren – nach dem Wechsel dann mit dem dritten Schuss im Strafraum (dazwischen nur zwei Distanzschüsse) die Entscheidung als direkte Antwort auf das eigentliche 2:2. Perfekter Spielverlauf, würde ich mal sagen.

Ich würde jeweils die Seiten der IV und der Achter tauschen, das entspricht eher ihren bevorzugten Räumen (gerade für Bartra und Götze). Ob Philipp sich wirklich gegen Yarmolenko durchsetzt, würde ich erstmal abwarten. Mir hat Yarmo, trotz fehlender Abstimmung, offensiv (wenn man ihn mal eingebunden hat) schon ziemlich gut gefallen. Defensiv wird das mit der Zeit sicher auch noch besser werden.

Schorsch 15. September 2017 um 13:38

Subotic war eigentlich schon in England, fiel dann durch den Medizincheck, musste operiert werden und fiel somit lange aus. Dann wurde er nach Köln verliehen, wobei der EffZeh ihn nicht verpflichten wollte. Zuletzt gab es wohl Interessenten aus der Bundesliga und auch aus dem Ausland. Zustandegekommen ist ein Wechsel dennoch nicht. Auch Durm war bereits im Prinzip beim VfB, im letzten Moment wollte man dort aber nur eine Leihe. Dass der BVB sich von diesen Spielern (z.T. seit längerem) trennen will und dies diesen Spielern auch so kommuniziert wurde, ist augenfällig. Dabei finde ich es fair, dass man bei Spielern, die ein Teil des Erfolges früherer Spielzeiten waren und sich immer professionell und anständig verhalten haben, keine fiesen Tricks anwendet, um diese loszuwerden. Das tut man auch nicht bei Park, einem wirklichen ‚Fehlkauf‘, der jetzt seine Vertragslaufzeit bei der U 23 aussitzen darf. Der BVB braucht Transfererlöse, um weiter in Spieler investieren zu können.

Man sollte auch nicht vergessen, dass Aubameyang eigentlich auch nicht mehr da sein sollte. Er hatte ein ‚persönliches Transferfenster‘, in dem es aber nicht zu einem Wechsel kam. Ich bin mir sicher, dass der BVB einen Mittelstürmer (möglicherweise einen Ablagespieler) verpflichtet hätte, wenn Aubameyang gegangen wäre.

Was die AV anbelangt, so baut man auf Schmelzer/Guerreiro (wobei letzterer vielleicht auch nicht gar so lange bleiben wird; Interessenten dürfte es geben) auf links und Toljan/Piszczek auf rechts. Wenn Passlack sich bei der TSG wie erhofft entwickeln sollte, wird er anstelle von Piszczek die Alternative auf rechts werden. Im Moment wird Toljan wohl weiter auf links spielen, da Schmelzer leider wieder in den Krankenstand getreten wurde und Guerreiro gerade erst wieder im Lauftraining ist.

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tobit 14. September 2017 um 10:43

Sahin hat mir auch überhaupt nicht gefallen. Man hat wieder seine altbekannten Schwächen in der Positionierung in Ballbesitz (überpräsentes Ballfordern, Passrouten zulaufen, schlechtes Umblickverhalten) und seine Probleme in engen Räumen (wenn er aufrückte) gesehen. Gegen den Ball meist zu langsam, was mich gegen die Spurs wenig überraschte (eigentlich ist da nur Dier nicht explizit schnell).

Piszczek und Sokratis haben beide schon immer Probleme mit Gegnerdruck, die sie im besten Fall durch physische Überlegenheit lösen können. Gestern war aber Kane stärker (auch wenn ich vor dem 2:1 auch mindestens ein Foul sehe) und Son schneller – also war ihr normaler Lösungsweg nicht mehr möglich, was dann zu hektischen Pässen auf Dahoud (meist schnell angelaufen oder schon gedeckt), Sahin (der nie aufdrehte, selbst wenn es Mal möglich war) oder zum Gegner führte.
Sokratis kann prinzipiell ein Verteidiger internationaler Klasse sein, wirkte aber auch schon letzte Saison im Pokal und der CL sehr unsicher und fahrig. Dadurch neigt er dann zu seinen Lucio-Gedächtnisdribblings (die er aber dann nicht durchbringt, sonst klappt das oft ganz gut) und völlig unbedrängten Fehlpässen, sowie noch aggressiverem Rausrücken gegen den Ball (oft sogar ohne Chance auf den Ball – und immer ohne Rücksicht auf die hinter ihm offenen Räume).
Auf RV war aber am Ende der Transferperiode auch schlicht niemand besseres als Toljan (der mich positiv überrascht hat, abgesehen von seiner Nichtnutzung des linken Fußes) zu haben. Das wird man hoffentlich nächstes Jahr nach Abgängen von Durm und Piszczek (oder er bleibt noch als IV Nr. 5 wenn Subotic geht) gezielt und mit Zeit angehen (Vielleicht überrascht ja auch Passlack in Hoffenheim).

Yarmolenko fand ich defensiv auch sehr schwankend. Ihm fehlte vor allem noch die Intensität. Wenn er die Mal hatte, gab es auch gute Defensivaktionen und ordentliche Unterstützung für Piszczek – dann kam über rechts auch kaum mehr was durch (Pulisic ist da natürlich auch ein harter Benchmark, der ist defensiv verdammt sauber und intensiv).

Im Spiel fand ich auch den Verlauf sehr unglücklich. Die Spurs machen aus zwei(!) Schüssen in der ersten Hälfte zwei Tore, natürlich begünstigt durch individuelle Fehler (Sokratis, Piszczek, Sahin, Bürki in absteigender Schwere), aber auch die laxe Zweikampfbewertung des SR (was Dortmund nie entgegenkommt). Nach der Halbzeit gelingt es erst nicht, den Ball unterzubringen, dann wird der Ausgleich weggepfiffen (#Videobeweis) und im direkten Gegenzug gibt’s das 3:1. Danach hat man gemerkt, dass sie nicht mehr dran geglaubt haben, das noch zu drehen und die Spurs bekamen noch ein paar (sehr schlecht ausgespielte) Konter, bei denen man sich über das 4:1 nicht mehr hätte beschweren dürfen.
Die Wechsel fand ich auch unglücklich. Gerade Toprak so kurz vor Schluss für Zagadou rauszunehmen (und den dann nicht vorne reinzustellen). Im Zentrum hätte ich mir Philipp für Sahin (einen echten „offensiven“ Wechsel halt – nicht Götze für Kagawa, der als solcher vom Kommentator verkauft wurde) gewünscht und Dahoud drauf gelassen, da der eh schon oft von der Sechs aufgebaut (weil Sahin sich nach vorne oder außen verabschiedete) hat und gegen die Konter der Spurs stabiler absichern konnte.

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fluxkompensator 14. September 2017 um 11:00

ich fand das gegenpressing teilweise sehr ordentlich, jedoch in einigen Szenen nicht ausreichend abgesichert (0:1 z. b.). schwierig zu sagen, ob in diesen fällen individuell (sahin) die falsche Entscheidung getroffen wurde oder ob es systemimmanent ist. für mein dafürhalten war es sahins fehleinschätzung.

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blub 14. September 2017 um 00:02

was du über die ersten BVB Spiele gesagt hast wurde auch von ein paar xG-Nasen auf twitter bestätigt: Eine deutlich geringere xG/Torschuss. im moment nur um 0,08.
Vllt sollte bosz ein paar mechanismen aus der uchel zeit recyceln, auh wenn ejtzt gündogn und mikhitaryan fehlen die softe chipbälle am fließband produzieren konnten.

das hätte auch heute gegen die spurs geholfen, die man in der 1 HZ echt tief reingedrückt hat ohne daraus gute chance zu machen.

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Mananski 13. September 2017 um 18:07

4:3:3 mit tiefen Außenverteidigern, hohen Achtern und einem ablegenden Stürmer klingt von der Grundstruktur wie Neapel.

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tobit 13. September 2017 um 19:06

Gewisse Ähnlichkeiten zu Neapel sind da. Beide spielen hohes, aggressives Pressing aus ähnlicher Grundformation und forcieren den eigenen Ballbesitz in des Gegners Hälfte.
Aber es gibt auch klare Unterschiede. Bislang ist der BVBosz wesentlich symmetrischer angelegt als die Partenopei mit ihrem spielerischen Epizentrum halblinks um Hamsik und Insigne und den oft linearer/direkter/tororientierter agierenden Allan und Callejon halbrechts.

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August Bebel 13. September 2017 um 23:31

Ghoulam rückt eigentlich bei eigenem Ballbesitz ziemlich weit vor und kombiniert dann mit Insigne und Hamsik. Wie Tobit sagt, ist Napolis Spiel eher asymmetrisch, weil die linke Seite klar fokussiert wird.
Naja, und Dortmund spielt laut MR nicht wirklich mit ablegendem Stürmer. Hab ich auch von Aubameyang noch nie gesehen, der beteiligt sich ja eigentlich kaum am Spiel, sondern geht mehr in die Tiefe.

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tobit 14. September 2017 um 00:24

Aubameyang hat gelernt, dass er nicht die Ballkontrolle und Übersicht hat, um das Spiel eines Topteams entscheidend zu beeinflussen (anders als der ebenfalls früher über die Flügel kommende Dries Mertens). Er konzentriert sich voll auf seinen Riecher (und die seltenen offenen Kontersituationen), wobei er sehr von seiner Schnelligkeit profitiert. Selbst wenn er eine Situation später als andere Weltklassestürmer erkennt (was nicht wirklich oft vorkommt, wenn man das überhaupt ernsthaft vergleichen kann), kann er trotzdem rechtzeitig da sein und den Ball verwerten.
Wenn er mehr Ablagen spielen würde, hätte er (neben seiner Schwäche, die an den Mann zu bringen) das Problem, dass er dadurch die Aufmerksamkeit der IV auf sich zieht. Er netzt aber am besten, wenn alle vergessen, dass er überhaut auf dem Platz steht.

Hysaj (um auch Mal die andere Seite anzusprechen) kommt mir irgendwie wie der junge (und technisch wie strategisch bessere) Piszczek vor. Er hat dieses gewisse Etwas bei seinen späten, nachstoßenden Läufen, das auch Piszczek früher hatte, was sie sehr schwer verteidigbar und immer wieder überraschend schön macht.

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fluxkompensator 14. September 2017 um 09:36

hmm, also das bvb-spiel gestern war (erste hz) doch auch sehr linkslastig: pulisic im halbraum, toljan gibt breite, kagawa und dahoud (oft sogar sahin) schieben rüber.

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tobit 14. September 2017 um 10:07

Ja, das habe ich auch bemerkt. Pulisic wirkt auf links noch stärker und hatte schon ein sehr gutes Verständnis mit Toljan, der auch immer wieder eingerückt ist, z.B. wenn Pulisic an der Seitenlinie ins 1vs1 gehen wollte hat er sich klug Richtung Strafraum bewegt. Piszczek und Sokratis kamen aber auch überhaupt nicht zurecht – was man fast schon hätte erwarten können, gegen das starke Pressing von Kane und Son (hatten aber beide auch nicht ihren besten Tag, unabhängig vom Gegner).

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Hellawaits1982 14. September 2017 um 10:31

Ja wenn der Gegner mit Tempo ins 1geg1 kommt wirds immer schwer zu verteidigen. Meiner Meinung nach war Bosz taktische Ausrichtung gestern etwas zu naiv . Nun muss er aufpassen, dass Tottenhams Taktik nicht als Blaupause genutzt wird , geeignete Gegner hierfür in der Liga : RB Leipzig, Hoffenheim und Gladbach

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