Peps Debakel

4:0

Guardiola erleidet gegen Everton die höchste Liga-Niederlage seiner Trainerkarriere. Die Formation und die Rollen seiner Mannschaft waren nicht gut gewählt.

In einer merkwürdigen, taktisch zerfahrenen und etwas chaotischen Partie gelang dem Everton Football Club am Sonntag ein 4:0-Sieg gegen Pep Guardiolas Manchester City. Der – auch in England – viel diskutierte Guardiola kassierte damit die höchste Liga-Niederlage seiner Trainer-Laufbahn, was Wasser auf die Mühlen seiner zahlreichen Kritiker (und Premier-League-Verfechter) war. Zudem setzte er Außenverteidiger-Legende Zabaleta überraschend im zentralen Mittelfeld ein.

Schwierige Überladungsversuche gegen flexiblen Zentrumsblock

Grundausrichtung des Spiels, primär bei Ballbesitz Manchester

Grundausrichtung des Spiels, primär bei Ballbesitz Manchester

Zabaleta wurde jedoch nicht wie teilweise dargestellt als zweiter Sechser neben Yaya Touré eingesetzt, sondern spielte rechts in einer Raute (somit also breiter und daher näher an seiner typischen Position). Diese Raute wurde komplettiert von de Bruyne links und Silva als frei beweglicher Zehner. Sterling spielte nicht am Flügel, sondern rochierte als hängende Spitze hinter Agüero durch den Zwischenlinienraum.

Everton setzte dagegen ein 3-5-2 (oder eher 3-5-1-1), in dem Routinier Gareth Barry vom jungen Ross Barkley und dem 18jährigen PL-Debütant Tom Davies flankiert wurde. Die Partie entwickelte sich vor allem zu einem Duell dieser drei mit Silva und de Bruyne. Letztere versuchten in ungewöhnlich tiefen Räumen das Spiel zu gestalten (spielten zusammen 199 Pässe!). Oft fielen sie im Halbraum so weit zurück, dass sie sogar hinter Touré den Ball abholten. Zabaleta wich eher nach rechts aus, um Silva den Raum zu öffnen. Teilweise bewegten sich Silva und de Bruyne auch zusammen im gleichen Raum. Generell gab es viel Bewegung und unterschiedlichste Staffelungen im Mittelfeldzentrum.

Everton spielte dabei Koeman-typisch mit vielen Mannorientierungen. Vor allem Barry kontrollierte den Raum vor der Abwehr hauptsächlich, indem er mögliche Anspielstationen in Manndeckung nahm. Davies und Barkley verteidigten die Räume und Gegenspieler dann äußerst flexibel und intelligent. Es gab dann sogar Szenen, in denen Barry vom Ball weg lief und Davies vor ihm entlang nach links schob.

Everton gegen den Ball wirr, aber schlau

Das war nicht wirklich top organisiert, aber wurde oft dadurch kompensiert, dass die Pressingentscheidungen von Everton sehr gut waren. Sie blieben passiv, wenn kein Zugriff möglich war und stellten Bälle in die Offensive zu, gingen dann aber sehr plötzlich in die Balleroberung, sobald sie Überzahl oder Isolationsmomente herstellen konnten.

Evertons Dreier-Mittelfeld wurde dabei viel von Lukaku und Mirallas unterstützte. Letzterer viel zuweilen als vierter Mittelfeldspieler tief zurück. Lukaku versuchte Touré zu isolieren und wartete auf Momente, um nach vorne Druck aufzubauen. Das taktische Verhalten des Belgiers hat sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelte und so konnte er gute Pressingmomente ausmachen und zwang City einige Male zu unguten Flügelangriffen. Besonders auffällig war, wie aktiv er dabei seine Hintermänner coachte, um etwaige Wege aus dem isolierten Raum zu schließen. Ein paar Mal rückte Everton dann sogar bis ins Angriffspressing auf und erzwang lange Bälle.

Auch die Flügelläufer und Verteidiger von Everton verhielten sich flexibel und schlau, rückten mal heraus, ließen sich mal tiefer fallen. Generell war Everton nicht außerordentlich intensiv und eher lasch organisiert, doch funktionierte dadurch, dass sich schlichtweg alle Spieler aktiv und konzentriert am Abwehrspiel beteiligten, sie viel kommunizierten und sich vor allem gut und immer wieder neu orientierten. Zudem war City nicht gut aufgestellt, um ein 3-5-2 zu bespielen.

Zahnlose Breiten- und Tiefenstruktur von City

Es ist ja immer eine lahme Erklärung, wenn man einfach Mannschaftsteile isoliert betrachtet, um taktische Erkenntnisse zu bringen; hier funktioniert’s aber ganz gut: Evertons drei Abwehrspieler konnten sich mit einem Mann Überzahl recht komfortabel um Agüero und Sterling kümmern. Auch, weil es eben keine Flügelstürmer gab, die sie hätten flexibel übernehmen müssen. Der Raum neben der Dreierkette wurde von den Flügelläufern kontrolliert, die gegen Clichy und Sagna übersichtliche Aufgaben hatten.

Die Mittelfeldspieler von City gingen selten in diese Räume rein; Silva und de Bruyne fielen wie gesagt sehr tief zurück, um das Spiel anzukurbeln. Ihre Präsenz fehlte daher in den Räumen zwischen Abwehr und Angriff. Im Grunde übernahmen sie zu zweit die Aufgaben, die normalerweise Gündogan (oder auch Fernandinho) alleine ausfüllen können – und auch besser. Gerade bei Silva fiel auf, dass er in seiner Positionierung oft etwas zu ballorientiert und wenig weitsichtig ist, weshalb er relativ selten aus tiefen Räumen sofort Verbindung nach vorne aufbauen kann. Letztlich entstand strukturell eine Art 2-1-5-0-2, in dem City sich nicht schnell in die Angriffslinie lösen konnte. Sondern dazu gezwungen war, in tieferen Mittelfeldzonen herumzuspielen. Damit konnten sie aber wenig Raum erzeugen, weil Evertons Mittelfeld eben geschickt verteidigt und sich kaum herausziehen ließ.

Everton-City Min6

Sterling kommt zu tief, sodass er auf de Bruyne klatschen lassen muss und dann leicht von Davies und Mirallas zu versperren ist. Kein Andribbeln nun von de Bruyne, sondern ideenlose Rückwärtszirkulation. Silva wird von Barry manngedeckt. Er kommt dann völlig unnötig kurz, um hinten (wo sowieso 3-gegen-1 ist) einen Rückwärtspass zu spielen. Die Überzahl rechts wird nicht gesucht.

Theoretisch hätte City dann über die Flügel kommen können, wo man mit Zehner, Halbspieler, Außenverteidiger und einem Stürmer hätte überladen können. Das versuchten sie aber nur ansatzweise, meist mit nur zwei Spielern – links mehrfach Clichy und de Bruyne, rechts Zabaleta und Sagna. Everton entschleunigte diese Szenen aber schlichtweg, indem der Flügelläufer sich am tornäheren Spieler orientierte, sodass das Mittelfelddreieck rüberschieben konnte. City spielte außen nicht schnell und druckvoll genug, um die Flügelläufer in Unterzahl zu erwischen, sondern behielt einen ruhigen, eher auf Zirkulation bedachten Rhythmus bei. Die Außenverteidiger rückten auch nicht besonders weit auf. Es wirkte eher so, als wollten sie über de Bruyne oder Silva in die Halbräume durchstoßen. Das gelang aber eben nicht, weil die Anbindung zwischen Mittelfeld und Sturm fehlte.

Zabaleta, Sterling, Uneingespieltheit und unklare Rollen

Im Grunde wäre Sterling in dieser Struktur der Schlüsselspieler gewesen. Wenn er sich in den richtigen Momenten eingebracht hätte, um hinter Barry aufzudrehen und gegen die Abwehr anzudribbeln, hätte Evertons Abwehr massive Probleme mit ihm und Agüero bekommen. Nur ist das eben nicht Sterlings Spielweise. Sein weites horizontales Pendeln weist darauf hin, dass Guardiola auch nicht das von ihm verlangt hat, sondern ihn eher ins 1-gegen-1 mit den Halbverteidigern schicken wollte bzw. die Flügel auf diese Weise überladen. Aber auch das gelang Sterling nicht. Generell wirkte er auf der Position in puncto Bewegungsspiel ziemlich überfordert.

Die fehlende Eingespieltheit im Mittelfeld wirkte sich auch einige Male negativ auf das Aufbauspiel aus. Die Abwehrspieler – vor allem Clichy und Otamendi – schienen in einigen Szenen etwas verwirrt von den vielen Mittelfeldbewegungen und spielten seltsame, überhastete Vertikalpässe in schlechte Situationen oder direkt dem Gegner in den Fuß.

Was die Rollen von Touré und Zabaleta in diesem System waren, blieb auch einigermaßen rätselhaft. Touré ist in puncto Fitness und Defensivstärke nicht mehr auf dem Level, dass er problemlos einen alleinigen Sechser spielen kann. Er verlor auch vor dem 2:0 den Ball und öffnete dabei den Raum auf seiner Position. Er ließ sich zuweilen recht wirkungslos zwischen die Verteidiger zurückfallen oder er rückte vertikal auf, um seine kreativen Fähigkeiten einzubringen, wobei er aber keine Bindung zu Silva und de Bruyne bekam und seine Position gefährlich verwaisen lassen musste.

Zabaleta wechselte dann seltsam zwischen einer balancierenden und einer attackierenden Rolle. Manchmal schwirrte er um Touré herum, sicherte ihn teilweise ab oder positionierte sich so, dass er anspielbar wurde. Öfter wich er nach rechts aus, wo er auf dem Papier mit Sagna überladen konnte, was aber auf dem Feld nicht wirklich umgesetzt wurde. Stattdessen gab es mehrfach Szenen, wo es schien, dass seine Mitspieler bewusst vermeiden, ihn anzuspielen.

Dass er in dieser Rolle hauptsächlich mit Spiel ohne Ball Einfluss nehmen soll und nicht als Spielmacher angedacht ist, ist bei seinen Fähigkeiten natürlich klar. Wenn er dann aber als einziger Mittelfeldspieler frei und anspielbar ist, sollte man ihn schon trotzdem möglichst flott einbinden. Zumal Everton ohnehin wenig intensiv in die torferneren Halbraumbereiche verteidigte, Zabaleta dort also öfters viel Raum hatte und problemlos den Ball laufen lassen ließ, wenn er mal eingebunden wurde.

Rechtsfokus von Everton

Ungefähre Struktur der Everton-Angriffe.

Ungefähre Struktur der Everton-Angriffe.

Ein unglücklicher Umstand war außerdem, dass der Argentinier kaum seine Stärken gegen den Ball einbringen konnte, da Everton kaum über seine Seite angriff. Barkley rückte bei Ballbesitz eher Richtung Zehnerraum oder bis in die Spitze, während Barry und Davies eine nach rechts verschobene Doppelsechs bildeten.

Recht häufig versuchte sich dann Lukaku zurückfallend einzubringen. So bereitete er beispielsweise mit einer überragenden Aktion schon frühzeitig ein Abseitstor vor. Beim 1:0 konnte er sich dadurch im Rückraum für den Querpass von Mirallas absetzen und beim 2:0 spielte er den vorletzten Ball in die Tiefe.

Drei Tore von Everton entstanden dabei nach langen Bällen in den halbrechten Raum. Zwar versuchten sie auch flach aufzubauen, doch das verhinderte City gut. Agüero und Sterling stellten die Halbverteidiger und die Pässe auf die Flügelläufer zu, Silva rückte zwischen beiden auf, um Williams unter Druck zu setzen. So provozierten sie oft lange Bälle, auf die sie aber nicht optimal gestaffelt waren. Die Außenverteidiger rückten früh heraus, um Coleman oder Baines zu attackieren, was die letzte Linie destabilisierte. Im Raum vor der Abwehr bekamen sie es mit Lukaku, Mirallas, Davies und Barkley zu tun.

So entstanden dann alle Tore durch die Schnittstelle zwischen Clichy und Stones. Neben Davies‘ überragendem Konterlauf zum 3:0 waren es zweite Bälle nach langen Hieben auf Lukaku, die für die Treffer sorgten. Dabei hatte City vor allem Probleme in der defensiven Orientierung und Kommunikation: Bei allen Treffern rückten einzelne Spieler aus ihrer Position, um Druck auf den Ball zu machen, doch besetzte keiner die entstehenden Lücken.

Hausherren unpräsent, aber stabil

Trotz der großen Defizite in Manchesters Mittelfeld war Guardiolas Mannschaft weitestgehend dominant. Dafür sorgten das gute Anlaufen und die souveräne Ballzirkulation durch die Abwehr und über Bravo; der löste ein paar Angriffspressing-Versuche von Everton gut auf. So hatte City das Spiel eigentlich unter Kontrolle und ließ auch nicht viele Angriffe zu. Durch individuelle Qualität – vor allem von de Bruyne – konnten sie dann punktuell auch aus ungefährlicheren Staffelungen Gefahr erzeugen. Außerdem hatten sie einige beinahe-Riesenchancen nach Konterszenen, wenn Everton mal weiter aufrückte.

City in der letzten halben Stunde

City in der letzten halben Stunde

Im Laufe des Spiels wurde Everton dann immer weniger präsent. Vor allem ließen sie sich im zweiten Durchgang tiefer fallen und verteidigten nicht mehr ab der Mittellinie sondern zunehmend erst im Abwehrdrittel. Dabei konnten sie auf die übliche Kompaktheit einer tiefen Fünferkette mit drei Sechsern davor setzen und waren nicht leicht zu knacken. Guardiola fand aber auch keine funktionalen Anpassungen – und versuchte auch überraschend wenig.

Zunächst startete de Bruyne im zweiten Durchgang bedeutend aktiver. Er forderte die Bälle nicht mehr so tiefer, dribbelte viel mehr an und stieß einige Male ins Zentrum zwischen die Achter. Das wurde dann jedoch seltsamerweise wieder aufgelöst. In der 62. Minute verließ Zabaleta das Feld für Iheanacho. Der übernahm eine halblinke Stürmerposition, Sterling wurde noch Zehner-hafter, de Bruyne ging nach halbrechts und Silva nach halblinks als zentraler Spielgestalter.

Der Aufbau wurde nun noch asymmetrischer. Die rechte Seite agierte wesentlich offensiver: Sagna rückte weit auf und zog sogar öfters Richtung Sturmzentrum. So drückte er Baines nach hinten und de Bruyne rückte in den entstehenden Raum auf den rechten Flügel raus, um von dort Flanken zu bringen. Der resultierende Raum halbrechts im Mittelfeld wurde dadurch gefüllt, dass Otamendi verstärkt aufrückte. Die Angriffe über rechts funktionierten aber nicht gut genug, da Everton die Flanken mit sehr vielen Spielern verteidigen konnte.

Öfter kam City nun über halblinks, wo Silva, Iheanacho und Sterling kombinieren mussten und sollten oder wollten. Bisschen doof war aber, dass keiner von denen wirklich ein Kombinationsspieler ist. Sterlings Timing und Orientierung war sehr problematisch und so kam City kaum einmal hinter die tiefe Dreifachsechs. Tatsächlich führte ein Kombinationsversuch zwischen Sterling und Iheanacho zum Ballverlust, der Davies‘ Lauf zum 3:0 initiierte.

Fazit: Schwieriges Thema

Auf der einen Seite freuen sich jetzt anti-intellektuelle Guardiola-Kritiker, dass der „Professor“ mal auf die Schnauze fliegt und seine seltsamen Experimente nach hinten losgehen. Auf der anderen Seite wurde Guardiola auch recht viel verteidigt, vor allem auf Basis der Zahlen: Everton kam tatsächlich nur zu sechs Schüssen, während City 13 Mal abschloss. Nach expected goals war City sogar besser.

Tatsächlich war Everton nicht so gut, dass vier Tore richtig erwartungsgemäß waren. Die erreichten 0,83 xG von City sind aber für einen Titelanwärter auf jeden Fall schlecht und spiegeln wieder, dass die Mannschaft in dieser Partie offensiv nicht gut war. Durch die dominante Spielweise konnten sie den Gegner relativ klein halten, die Chancen von Everton dürften aber besser gewesen sein als ihre xG-Werte (allesamt mit recht wenig Gegnerdruck – das kann vom xG aufgrund der Datenbasis kaum erfasst werden). Zudem kündigten sich die Chancen mit dem Abseitstor und mehreren gefährlichen Szenen schon an und waren keine zufälligen Einzelereignisse. Das 4:0 ist also übertrieben, aber das kann eben passieren wenn man unterlegen oder nur gleich gut ist.

Dass Guardiolas gundsätzlicher Ansatz mit viel Ballbesitz und Dominanz falsch ist, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Tatsächlich waren es diese Faktoren, die seine Mannschaft hier am Leben hielten und für recht gute Schussstatistiken sorgten. Was auf dieser Basis aber gemacht wurde, wie die Verteidigung in letzter Linie und das Spiel durch das Mittelfeld organisiert waren – das war nicht gut. Und auch die Systemwahl und die Spielerrollen funktionierten gegen diesen Gegner nicht.

Auch ist es nicht so, dass Guardiolas zahlreiche Umstellungen und Anpassungen per se schlecht sind und für Verunsicherung sorgen. Die strukturellen Vorteile der Systemänderungen können zum einen die Nachteile überwiegen, zum anderen können sich Mannschaften (bei passender Systemwahl) oft auch in uneingespielten Strukturen schnell und gut zurechtfinden. Allerdings sind nicht alle Systemumstellungen von Guardiola gleich gut (oder gleich schlecht). Häufig kann er so umstellen, dass er den entscheidende Impuls für den Sieg einbringt. Manchmal funktionieren seine Ideen nicht wie gehofft und die Änderung geht nach hinten los. Oft genug ist es wohl irgendwo dazwischen und der Systemwechsel ist relativ egal. Nicht umsonst betont Guardiola, dass er immer noch ein junger Trainer ist, der sehr viel lernt.

In dieser Partie hätte Guardiola eher viel mehr und viel früher umstellen müssen. Vermutlich tat er es nicht, weil das System in der Woche vorbereitet wurde und er sich erhoffte, dass Sterling und Silva noch besser in die Partie hineinfinden würden. Generell ist die Partie kurios, weil Guardiola hier auch etwas von seiner zuletzt dominierenden Strategie abwich (Flügelfokus, Verlagerungen, 1-gegen-1, Flanken). Er nutzte die Flügel eher weniger, sondern versuchte die möglichen 1-gegen-1-Spieler allesamt im Zentrum einzubinden. Allesamt aber auch in Räumen, in denen sie nicht so zuhause sind.

Zuletzt spricht das Ergebnis vielleicht einfach dafür, Diskussionen um Trainer (oder Fußball-Ideologien) etwas nüchterner zu führen. Der Trainerjob ist sauschwer. Man kann unfassbar viel falsch machen. Man kann auch unfassbar viel richtig machen und trotzdem verlieren. Man kann auch viel falsch machen und trotzdem gewinnen. Man kann auch bei einer Mannschaft fast alles richtig machen und unter anderen Umständen dann mehr Probleme bekommen. Es gibt schlichtweg keinen Trainer in der Fußballgeschichte, der überall überragend war. Jeder geht durch bessere und schwächere Phasen.

Dass Leute von einem Guardiole-Hype genervt sind, ist das das eine. Wenn sie ihn deshalb zum Versager stilisieren wollen und das Ausmaß seiner Erfolge gegen alle Fakten und Zahlen kleinreden, ist das eine kindische Engstirnigkeit; zumal dann an ihn ein völlig anderer Maßstab angelegt wird als an alle anderen Trainer. Gleichzeitig gilt aber, dass Guardiola kein Magier ist und er auch Fehler macht. Selbstverständlich wurde die Spielweise, die ihn groß gemacht, auch von seinen Spielern getragen und weder Stil noch Erfolge sind eins zu eins auf andere Mannschaften übertragbar.

Differenzierte Sichtweisen sind cool. Ciao.

Dr. Acula 19. Januar 2017 um 22:45

Das Fazit ist sehr gelungen! Schwierig, Peps Probleme fest zu machen. Einerseits denke ich, dass die extreme Fokussierung der meisten Gegner u.a. auf die zweiten Bälle Gift für viele von Peps Ideen ist. Andererseits sind sehr wichtige GuardiolaPositionen im Kader schwach besetzt. TW, IV, 6er/8er. Ich bleibe dabei, Guardiola wäre NOCH erfolgreicher und NOCH anerkannter, wenn er diese eine Schwäche seinerseits (neben der Sache mit Auswärts-/Hinspielen) – die der Belastungssteuerung – abstellen/verbessern würde. Ich bin einer der größten Fans von seinem Fußball und verteidige ihn stets, doch dieser Punkt lässt sich nicht abstreiten. Wenn man schon Spieler wie Gündogan/Kompany holt/hat, sollte man schon sehr vorsichtig mit ihnen umgehen. Das rafft er einfach nicht. Er hat im Training eine zu hohe Intensität. Muskelverletzungen sind an der Tagesordnung. Mit Gündogan war das Spiel um Welten besser. Keiner kann mir sagen, Pep gefalle es, die wichtigste Rolle in seinem System mit Spielern wie Touré zu besetzen…. der Typ ist ne Zumutung. Entsagt einer gewissen Ironie nicht, dass Pep, der sich an jeden Gegner anpasst wie kaum ein anderer, sich zu ändern nicht bereit ist, wenn es um die Fitness seiner Spieler geht.

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gs 20. Januar 2017 um 09:25

„Schwierig, Peps Probleme fest zu machen.“

Finde ich nicht, sofern man sich an das Schluss-Statement von MR hält (differenzierte Sichtweise und so …):
Pep ist definitiv ein herausragender Trainer, dessen Spielphilosophie aber auch nur mit einer herausragenden und langjährig aufeinander eingespielten Mannschaft perfekt funktioniert.
Bei Barcelona hatten die Spieler alle Grundlagen seines Dominanz-Systems schon von Jugend an verinnerlicht, und bei Bayern hat er ein Team übernommen, an dem er nach knapp 2 Jahren Vorabschulung durch Van Gaal und nach Triple-Sieg nur Feinschliff vornehmen musste. Und er hatte dort in Form von insbesondere Neuer und Boateng die perfekten Absicherer für sein stets offensiv ausgerichtetes, extrem hoch stehendes Team.

Was also sind Peps Probleme?
– ohne Gündogan als Ballmagnet (derzeit der einzgie bei City) funktioniert sein Offensivspiel nicht
– IV und Torwart sind weit entfernt von der Qualität, die er bräuchte
– auch Pep kann nicht zaubern, sondern braucht Zeit, um seine Spielweise der Mannschaft beizubringen, bzw. diejenigen auszutauschen, die dafür technisch oder (spiel-)intelligenzmäßig nicht geeignet sind. In eein paar Wochen Vorbereitung ist das nicht zu schaffen, und während der Saison bei dem engen Terminplan der Premier League schon gar nicht.

Ich würde schätzen, dass er frühestens im dritten Jahr bei Man City das Niveau erreichen kann, das ihm selbst vorschwebt. Wobei die Frage ist, ob er so viel Zeit bekommt …

Noch mehr auf den Punkt gebracht Peps Problem ist die extrem übersteigerte Erwartungshaltung an ihn – und auch er braucht Glück für den CL-Titel, das er beim FC Bayern schlicht nicht hatte.

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August Bebel 20. Januar 2017 um 14:01

Er steht zwar in England sehr in der Kritik, aber warum zählt ihr denn Bravo zu den Schwachpunkten? Auch wenn er bei ein paar Gegentoren schlecht aussah, ist er doch eigentlich ein Toptorwart und gerade spielerisch und technisch überdurchschnittlich. (Und selbst wenn er schlecht wäre, wäre das Guardiola anzurechnen, weil er ihn verpflichtet hat, oder nicht?)

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tobit 20. Januar 2017 um 14:31

Guardiola hatte halt bisher Valdes und Neuer jeweils auf dem Höhepunkt ihres Schaffens – gegen die beiden fällt Bravo dann halt ab. Als Schwäche würde ich ihn auch nicht sehen – genausowenig wie die IV. Problematisch finde ich im Allgemeinen die BackUps.
Sturm/Flügel: bestens besetzt mit Sane, Nolito, Iheanacho, Gabriel und Navas
OM/Nadelspieler: keine BackUps für Silva und de Bruyne
DM/ZM: ausser Zabaleta keine BackUps für Gündogan und Fernandinho
AV: Problem beginnt schon in der ersten Elf
IV: Kompany (leider verletzt), Kolarov könnte einen weiteren vertragen, aber nicht zwingend
Die erste Elf sieht doch abseits der AV ziemlich gut aus – man kann aber nicht ~60 Spiele mit den selben Spielern bestreiten.

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CHR4 21. Januar 2017 um 01:56

jaja, mit Bravo ist einfach nichts (mehr?) anzufangen – mit dem kann man evt. gerademal 2x die schwache Primera Division oder die Copa America, die Klub-WM, den spanischen Pokal und Supercup gewinnen – mehr ist mit dem aber nicht drin – was soll man auch erwarten, wenn man einen Torwart von einem Provinzclub wie Barca holt, der sich nicht einmal eindeutig gegen einen ter-Stegen durchsetzen konnte …

Sorry Leute, bei so manchem, was ich ich hier lese, komme ich dann irgendwann nicht mehr mit!
So jemand als „schwach“ und „weit entfernt von der Qualität, die Pep bräuchte“ hinzustellen, wird diesem Spieler sicher nicht gerecht. Vielleicht kann man da etwas differenzierter in absolute Weltklasse, Weltklasse usw. einteilen …

Liebe Barca- und ter-Stegen-Fans bitte entschuldigt die Ironie oben!

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gs 23. Januar 2017 um 10:04

Mir ging es nicht darum, Claudio Bravo abzuqualifizieren – ich habe auch viel zu wenige Spiele von ihm komplett gesehen, als dass ich mir ein ernsthaftes Urteil erlauben könnte; mein Anliegen war es, Pep von seiner Messias-Erwartung freizusprechen.

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CHR4 24. Januar 2017 um 23:58

dein Anliegen kann ich vollkommen unterstützen

nun gut, aber du hast geschrieben:
„IV und Torwart sind weit entfernt von der Qualität, die er bräuchte“

Daher die Frage: Welche Torhüter haben denn die Qualität, die er bräuchte?
Neuer, ter-Stegen, Oblak, Courtois, de Gea … wer noch? – viel mehr seh ich da nicht „weit“ vor Bravo, (wenn man mal von der Gruppe Cech, Buffon, Casillas, Reina absieht, da ja längerfristig geplant werden sollte)
bei Navas, Lloris dürfte ein Qualitätsunterschied wohl knapper ausfallen

dürfte dann extrem schwer werden, jemand zu bekommen, der die geforderte Qualität hat

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Koom 25. Januar 2017 um 09:36

Die Diskussion ist so oder so für den Popo. Pep ist ein guter Trainer, das ist keine Frage. Er hat auch eine Vision dabei, die darüber hinaus geht, einfach nur zu gewinnen. Das ist auch recht cool.

Aber scheinbar braucht er für den maximalen Erfolg (CL) extrem aussergewöhnliche Spieler. Aber mit diesen aussergewöhnlichen Spielern schaffen das auch „schlechtere“ Trainer dann, die CL zu gewinnen. Wie Luis Enrique mit Barca oder Zidane mit Real. Und auch Atletico Madrid oder Juve als die „nächstbesten“. Wenn man so will: Gehts um Erfolg, ist Guardiola gut, aber definitiv nicht besser als andere Trainer. Denn einfach nur gut gecastete Weltklasse in den Kader stecken und damit Erfolg schaffen können auch andere. Auch ohne 70% Ballbesitz.

MR 25. Januar 2017 um 15:17

Guardiola ist definitiv besser als andere Trainer: http://clubelo.com/Coaches

Nicht unbedingt als alle und auch nicht so viel besser, dass er mit beliebigen Spielern jedes Spiel gewinnt, aber er hat im Laufe seiner Karriere deutlich besser performt als von seinen Kadern zu erwarten war.

Koom 26. Januar 2017 um 11:27

Clubelo ist ein Argument. Nicht zwingend DAS Argument, aber irgendwie muss man ja versuchen, irgendwas zu bewerten, was nur schwer zu bewerten ist bei einem Spiel, dass auch viel mit Glück zu tun hat.

Ich tu mich schwer damit, ihn anhand der Leistung mit einem Lionel Messi oder der individuell etwas überschätzten Bundesliga mit einem überbordenden, gut auf- und vorbereiteten FC Bayern zu bewerten. Da ist seine momentane Leistung mit einem mal nicht fertig aufge-pep-tem ManCity schon interessanter.

Gh 21. Januar 2017 um 10:01

Toure als Zumutung zu bezeichnen ist auch nicht schlauer als Pep in die Pfanne zu hauen. Toure hat schon mal unter Pep richtig gut gespielt, unter Pellegrini war er oft die Lebensrettung. Er mag zwar etwas langsamer als damals sein, grundsätzlich ist er aber immer noch fähig SEINEN STIL auf einem hohen Niveua zu spielen, was mich zum Punkt bringt: der Kader von City war Pep bekannt, entweder er tauscht ihn radikal aus, oder er bindet seine Spieler vernünftig ein, in dem Fall wirds ohne vorübergehendes Krötenschlucken nicht gehen. Beides hat er nicht getan.

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CHR4 21. Januar 2017 um 11:50

Interssant, was Pep dazu gestern angeblich gesagt hat: „Ich verstehe den Mangel an Respekt vor den professionellen Spielern nicht. Sie sind fantastische Spieler und die Leute sagen, sie seien nicht gut genug.“

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Partizan 21. Januar 2017 um 12:58

Nach dem Everton Spiel, kritisierte Pep aber noch seine offensiv Leute für das schwache defensiv Verhalten.
Persönlich bin ich bei den meisten Usern hier, die Peps Schlüsselposition als zu schwach besetzt sehen, Bravo würde ich mal außen vorhalten, im Gegensatz zu Hart ist er schon ein ordentliches Update.

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tobit 21. Januar 2017 um 11:51

Toure als einziger Sechser hat doch tatsächlich zuletzt bei Barca funktioniert, das ist eher ziemlich verwunderlich, dass man es trotzdem versucht.
Ich würde Toure so weit nach vorne stellen, wie möglich. Da kann er dann seine Kreativität und Schussgewalt einbringen. Als OM/HS könnte er auch ab und zu als Abnehmer für lange Bälle und Flanken herhalten, was aktuell wegen dem Zwergenballett im Angriff keine Option ist.

Meine Idee wäre eine Mischung aus engem 433 und Dunga-Raute. Dabei würde ich Zabaleta vorerst als Sechser aufbieten (kann der das? Keine Ahnung, aber er kann zumindest etwas mehr Raum kontrollieren als Toure), mit de Bruyne halblinks und Silva halbrechts (etwas höher) auf den Halbpositionen. Vorne dann Nolito oder Sterling als breiter Stürmer bzw. LA, Toure als hoher Zehner und Agüero als nach rechts ausweichender Stürmer. Den fehlenden RA würde ich durch eine sehr hohe Rolle von Sagna und das Ausweichen Agüeros und Silvas kompensieren, während Kolarov (warum spielt der eigentlich nichtmehr?) links tiefer bleibt und neben Stones und Otamendi aufbaut.
http://lineupbuilder.com/?sk=dx3l5

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dekiu 19. Januar 2017 um 19:15

„anti-intellektuelle Guardiola-Kritiker“ heisst jetzt aber nicht, dass alle Guardiola-Kritiker anti-intellektuell sind, oder? ,)

Aber ich freue mich immer, wenn ich einen Satz wie „Nach expected goals war City sogar besser“ lese über eine Mannschaft, die verloren hat

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Yilde 20. Januar 2017 um 16:37

Beziehst du dich bei deiner „Nach expected goals war City sogar besser“ – Kritik auf den Artikel!? Wenn ja, lies doch bitte den nächsten Absatz noch einmal ganz aufmerksam 😉

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dekiu 21. Januar 2017 um 19:06

Nein, der Artikel ist schon ausgezeichnet. Ich habe nur so meine Probleme mit dem Einzug der Mathematik in den Fussball 😉

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Ein Zuschauer 21. Januar 2017 um 20:20

Dann muss das ja echt ein ganzer harter Sport für dich sein. Aber ich setze mich ja auch dafür die Gewinner nach schnöder mathematischer Torstatistik sondern anhand der Schönheit ihres Spielstils zu ermitteln.

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rookie 21. Januar 2017 um 22:10

der war richtig gut!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!11

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Ein Zuschauer 22. Januar 2017 um 12:36

Das war kein Witz.

CHR4 22. Januar 2017 um 13:09

Wenn du es schaffst, dich davon frei zu machen, dass es wichtig ist, wer am Ende gewinnt, kannst du die Schönheit des Spiels schon heute viel besser genießen: Du suchst dir dann einfach die Spieler und Trainer die nach deiner Vorstellung, den schönsten Fußball spielen und schaust ihnen so oft du magst zu.
Dies führt dann dazu, dass du dich als Fan des Fußballs an sich und einzelner Spieler (und evt. Trainer) bezeichnen wirst und nicht mehr als Fan eines bestimmten Vereins – vielleicht passt da dann auchd as Wort „Fußball-Liebhaber“ besser …

l’art por l’art 🙂

Einen Gewinner mit B-Note nach Art des Eiskunstlaufs oder Skipringens zu ermitteln wird Utopie bleiben, allein weil die Geschmäcker durchaus verschieden sind. Trotzdem glaube ich, dass selbst dann (oder besser dann erst recht?) Zidane und Ronaldinho Weltmeister geworden wären.

als rookie sieht man das naturgemäß noch anders, dafür habe ich Verständnis

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dekiu 23. Januar 2017 um 21:57

Es soll zwischen schwarz und weiss ja auch noch unendlich viele Farben und Grauschattierungen geben. Und nicht zu vergessen, eine Waffe, die zum Selbstzweck wird, ist nur mehr eine stumpfe Waffe.

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dok 19. Januar 2017 um 14:22

Der Kader ist mMn immer noch das größte Problem und definitiv schlechter als bei Chelsea, Arsenal, United und Liverpool, wobei der Kader der Spurs auch nicht wirklich schlechter ist. Man muss sich nur mal das zentrale/defensive Mittelfeld ansehen, bis auf Gündi ist da keiner gut genug, um bei einem Titelkandidaten Stamm zu spielen, AV und IV schauen auch nicht besser aus.

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Ein Zuschauer 19. Januar 2017 um 18:12

Kann ich so nicht zustimmen. De Bruyne Agüero SilvA Fernandinho Stones Gündogan und Zabaleta sind schon besser als die Pendants bei Liverpool. Sané und Sterling und Clichy sind jetzt auch nicht so schlecht. Das Problem ist doch auch wieder die Verletztensituation.

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Studdi 19. Januar 2017 um 12:49

Könnte es auch sein das sich Pep mit dem harten Spielplan der PL im Dezember und Januar etwas schwer getan hat? Ich denke die Wochen sind ja nicht nur physisch sondern auch Mental sehr anstrengend für die Spieler. Gerade Pep stellt da ja denke ich Spiel für Spiel hohe Anforderungen mit seinen Gegneranpassungen. Die Woche vor dem Everton Spiel war ja FA Cup und dort war City die einzige Topmannschaft die mit ihrem A-Team gespielt hat (vl auch Gegner geschuldet).
Klopp war ja irgendwann um Weihnachten rum glaube ich mit der Mannschaft nach Barcelona geflogen, denke auch evtl aus Mentalen gründen. Habe auch mal in einem Interview von Klopp oder seinem Co-Trainer gelesen, dass sie während der PL Saison Ihren Spielern einfach mal 3-4 Tage frei gaben was in der Bundesliga undenkbar wäre während der Saison.
City hat die Wochen seit Weihnachten mit ca 14-15 Spielern durchgespielt. Da hat Pep nur ganz wenig Rotiert bzw gar nicht….

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Koom 19. Januar 2017 um 09:41

Danke für die Analyse. Bin ja selbst einer, der Guardiola nicht mag und ich würde trotzdem nicht groß auf ihn losgehen. Der Satz trifft es gut:
„Dass Guardiolas gundsätzlicher Ansatz mit viel Ballbesitz und Dominanz falsch ist, lässt sich daraus aber nicht ableiten.“

Ableiten lässt sich aus dem Spiel schon einiges: ManCity hat „an sich“ gute Spieler, aber keinerlei Idee in Bezug auf Positionsspiel und (konstruktives) Ballbesitzspiel. Und Guardiola hat das vermutlich auch nicht so schlecht erwartet, er war zuvor verwöhnt mit Barcelona, wo Cruyff/Van Gaals Positionsspiel wirklich tief verinnerlicht sind und dann auch der (Triplesieger) FC Bayern, wo Van Gaal auch vor relativ kurzer Zeit wirkte und nachhaltig prägend wirkte. Heynckes baute auf dieser Basis ja auf, erweiterte dann die Palette um Klopps Gegenpressing.

City hat einfach einen sehr wirr und planlos zusammengestellten Kader. Und Guardiola – jetzt kommt die Kritik – ist zu unflexibel, um von seinem Dogma abzulassen und vielleicht etwas zu schnitzen, was zu den Spielern passt. Andererseits ist er bislang auch erst ein halbes Jahr dort, das ist, um die Spieler kennenzulernen und eventuell neue Positionen für diese zu finden, noch nicht sonderlich viel (siehe Weinzierl).

Wenn die City-Führung die Geduld hat, dann wird es sich lohnen. Es kann aber bedeuten, dass man dieses Jahr nur 5. oder 6. wird und die CL verpasst. Und eine Garantie auf Meisterschaft oder gar CL fürs nächste Jahr gibt es auch nicht. Dazu müssen sehr viele Transfers im Sommer dann sitzen.

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CE 19. Januar 2017 um 10:43

Da bleibt natürlich die Frage, ob ein Anpassen Guardiolas auf diesen chaotischen Kader nicht nur ein weiteres gutes EPL-Team erzeugt. Dafür wurde er ja gerade nicht geholt.

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Koom 19. Januar 2017 um 11:56

Ja, die Frage muss man offen lassen. Wenn er sich anpasst, dann „zwingt“ er sein Team auch weniger dazu, seine Spielweise anzunehmen und sich dahin zu entwickeln. So riskiert er jetzt eben „Debakel“ wie das obige, einen Abnutzungskampf zwischen ihm und Mannschaft und evtl. das City die Geduld mit ihm verliert. Letzteres würde ich jetzt nicht als wahrscheinlich erachten. Das zweitere schon eher, aber auch das sind gute Erkenntnisse, weil er dann weiss, auf wen er bauen kann.

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MR 19. Januar 2017 um 11:09

Ich seh da keine größeren Probleme im Kader bezüglich des JdP, gerade das funktionierte sehr schnell recht genug und sorgte zu Beginn auch direkt für Erfolg.

Ich finde eher, dass die Qualität im Kader einfach nicht so besonders hoch ist. Die Innenverteidigung ist nicht Weltklasse besetzt und das Tor auch nicht. Auf der Sechs und der Acht ist man dünn besetzt und hat mit Touré einen Spieler, den man defensiv vergessen kann und mit Fernando einen, den man offensiv vergessen kann. Alles defensiv und zentral. Wenn es da hapert, kann man keine Leistungen erwarten, die stabil und auf Topniveau sind, ziemlich egal, was man taktisch veranstaltet. (Die Stabilität dann über Ballbesitzzeiten zu holen erscheint mir da noch der vielversprechendste Ansatz.)

Das Problem liegt auch bei den Gegentoren, wenn man auf die Zahlen schaut. City hat da jetzt klar die meisten von den ersten 7 in der Tabelle, fast doppelt so viele wie Chelsea und Tottenham. (Letzte Saison hatte City auch schon die meisten Gegentore in den Top 5.)

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Koom 19. Januar 2017 um 12:14

So schlecht ist der Kader aber auch nicht. Er ist nicht so überragend besetzt wie Madrid, Barca, Bayern, aber in der englischen Liga ist es definitiv ein Top 3 Kader. Den von Liverpool empfinde ich rein von der Papierform (und wenn alle fit sind) bspw. schon ne Ecke schlechter. Aber ja: der Kader überragt qualitativ definitiv nicht. Einzelne Spieler (De Bruyne, Aguero) sind schon extrem gut, andere (wie von dir genannt) dagegen eher Durchschnitt oder mit Inseltalenten.

Stabilität über Ballbesitz scheint aber auch trügerisch zu sein, wie man ja in dem Everton-Spiel sieht. Das wirkt gut, wenn du aber trotzdem 4 Gegentore kassierst, dann waren auch 70% Ballbesitz nichts wert. Ja, kein Hammerargument und nicht gigantisch hilfreich… 😉

Aber auch bei Bayern (mit Top-IV + Torwart) waren die Konter ein Problem. Das potenziert sich in meinen Augen in der PL wegen der schwächeren Klasse von ManCity auf diesen Positionen, aber auch durch die Eigenart der PL, wesentlich intensiver, giftiger und härter in Zweikämpfen zu sein (und die Schiris das auch anders behandeln). Die PL ist weniger an „weichen Faktoren“ (Ballbesitz, Pässe, Packing) interessiert als an Toren. Und natürlich begünstigen gute „weiche Faktoren“ die Toranzahl, dass ist klar.

Aus meiner Sicht:
Guardiola kämpft mit Fechtdegen gegen Zweihänder. Das kann super funktionieren, wenn man aber nicht oft genug tödlich trifft und man mal zu langsam reagiert, ist der Kopf ab. Um das zu ändern, wird er bessere Spieler brauchen – da gehe ich d’accord. Besser vor allem im taktischen Bereich, auch in der Geschwindigkeit und Paßqualität.

Momentan würde ihm ein Casemiro oder Alonso im System möglicherweise gut tun: Also ein Staubsauger vor der Abwehr, der !geschickt! die Angriffe stoppt. Bisserl Trikotzuppeln reicht da in der PL evtl. aber nicht aus. Ich würde sogar fast behaupten, dass ihm so ein Staubsauger auch in den nächsten 2,5 Jahren in der PL gut tun würde: Das brachiale Balleroberungsumschaltspiel ist eine Standardqualität der PL. Wenn er sich also anpassen wollen würde, wäre das mein Tipp für ihn.

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MR 19. Januar 2017 um 12:31

Nun ist das aber nicht umsonst die eine höchste Liga-Niederliga von Guardiola. Es ist nicht stichfest zu behaupten, dass das mit einer anderen Strategie nicht oder seltener passieren würde, zumal der Gegner eben nur 6 Schüsse hatte und drei der vier Tore nicht aus dem eigenen Ballbesitz heraus fielen. Die Alternative wäre dann eher tiefer zu pressen. Ein hohes Pressing mit weniger Ballbesitz würde die fatalen langen Bälle noch öfter herbeiführen und wäre daher logischerweise kontraproduktiv. Das Ballbesitzspiel hingegen ließe sich durchaus auch mit tieferem Pressing kombinieren. (Logischerweise hätte man dann natürlich trotzdem weniger Ballbesitz, aber die Veränderung läge dennoch nicht im Positionsspiel.)

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Koom 19. Januar 2017 um 14:10

Gegen Ballbesitz ist nichts einzuwenden, weder bei hohem oder tiefem Pressing. Abfällig gesagt ist Ballbesitz (nach Guardiola-Art) ja eine Art von Zeitspiel. Das würde ich jetzt auch nicht kritisieren wollen, das ist in der Grundidee „i.O.“. Nicht DER heilige Gral, aber eine erprobte und erfolgreiche Herangehensweise.

Tieferes Pressing wäre auch eine Lösung, sehe ich auch so. Kann ich mir aber mehrfach nicht vorstellen: Das Defensivpersonal ist dafür spielerisch nicht ideal (und der Ball müsste dann auf engerem Raum eben auch über die IVs regelmässig gehen) und Guardiola mag scheinbar eher das handballartige Einschnüren des Gegners. Persönlich finde ich aber ein Ballbesitzspiel/Pressing auf Guardiola-Qualität im tieferen Bereich sehr cool, weil es ein paar Probleme lösen würde, die ich mit seiner Spielweise habe: Bei Ballgewinn wäre mehr Raum zum gegnerischen Tor, was die Sprint/Dynamik/Dribblingfähigkeiten seiner Spieler besser nutzen würde.

Aber zurück zum Thema:
Hältst du das Everton-Spiel für eine Anomalie? Ok, 4 Gegentore sind zuviel, aber realistisch wäre auch eine 0:1 oder 1:2 Niederlage i.O. gewesen. Nicht so spektakulär, aber auch verdient. Gegen Leicester fing man sich ja auch schon sowas ein. Eine Anomalie war ja eher „damals“ das Spiel mit den Bayern gegen Madrid, da kam das überraschender, in England passiert es nun häufiger.

Ich halte das eher für einen Fehler im System, der in der PL mehr entblößt scheint als in der intensitäts/zweikampfärmeren PD oder der individuell (zweikampf)schwächeren BL. Wie schon gesagt: Englischer Fußball war und ist robuster, die Schiedsrichter lassen mehr durchgehen. Was Ballverluste und Durchbrüche etwas wahrscheinlicher werden lässt, die bei Guardiola nicht so gut abgefangen werden derzeit.

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Daniel 19. Januar 2017 um 18:41

Dass die BL individuell schwächer ist würde ich mal massiv anzweifeln. Richtig ist, dass die BL weniger ausgeglichen ist-es gibt dort keine Mannschaft wie Darmstadt, die weit abfällt. Es gibt aber auch keine Spitzenteams im Range von Bayern oder dem BVB. Die PL ist halt ein Mischmasch von 20 Mittelklasseteams, das macht die Spannung der Liga aus, weil halt jeder Meister werden kann (auch Leicester), da alle gleich gut oder schlecht (je nach Referenzpunkt) sind.
Dass Guardiola Probleme hat ist nicht weiter überraschend, er arbeitet jetzt mit Spielern zusammen, die er zu seinen Zeiten bei Barcelona oder Bayern erstmal mit Ausnahme von Agüero, Gündogan und de Bruyne alle ausgemustert hätte. Aber er wollte halt nach England und da gibt es nichts (viel) Besseres. Das ist seine Chance zu zeigen, dass er auch mit einem mittelmäßigen Verein Erfolg haben kann. Wir werden sehen, inwieweit ihm das gelingt.

Koom 19. Januar 2017 um 20:00

„Individuell zweikampfschwächer“ würde ich präzisieren (und hatte ich ja auch). Der PL würde ich definitiv zugestehen, dass sie in Sachen reiner Zweikampfqualität, also Tacklings aller Art sowie Kopfballspiel und reiner Strafraumverteidigung die stärkste Liga ist. In der PL ist man es schon vor Guardiola gewohnt gewesen, den Strafraum zuzubetonieren, in der BL war das für viele etwas Neues.

Ansonsten geb ich dir aber problemlos recht: In der PL hat jedes Team ein paar Sensationskicker. Mal nur einen, mal mehrere, aber praktisch in jedem Team hast du mindestens einen, den jeder Verein in der BL sofort nehmen würde.

rookie 21. Januar 2017 um 22:16

Pep hatte in der letzten Sasion das Problem Konter komplett im Griff (dafür das die Abwehr so hoch steht) , ohne einen wie Neuer und Boa geht das aber nicht

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CHR4 22. Januar 2017 um 00:55

es ist nicht nur eine Frage, wen man als Abwehrspieler zur Verfügung hat – es kommt auch darauf an, welche Spieler der Gegner im Angriff hat und wie deren Matchplan aussieht … in den Topspielen können es auch Neuer und Boateng hinten nicht immer rausreißen, wenn da CR7+Bale, MSN oder Griezmann (und noch eine Handvoll andere) kommen

nachdem ich mir das 1:1 von Griezmann im CL-Rückspiel nochmal angesehen habe, würde ich KOMPLETT im Griff nicht unterschreiben (ok, wenn man sagt das war eigentlich knapp Abseits, dann evt.)

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Koom 22. Januar 2017 um 10:56

Also einfach die allerallerbesten Spieler haben, dann funktioniert seine Taktik? Grandiose Idee!.

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CHR4 22. Januar 2017 um 12:53

ich habe mir mal auf Tranfsermarkt die Einnahmen und Ausgaben für Spieler der Trainer angeschaut und aus den jeweiligen Listen (Transfereinnahmen und Ausgaben pro Trainer) eine Differenzliste gebildet:

1. (-525,53 Mio. €) Manuel Pellegrini
2. (-427,71 Mio. €) Pep Guardiola
3. (-413,38 Mio. €) Carlo Ancelotti
4. (-395,33 Mio. €) Jose Mourinho
5. (-344,78 Mio. €) Mark Hughes
6. (-335,33 Mio. €) Roberto Mancini
7. (-274,60 Mio. €) Laurent Blanc
8. (-270,41 Mio. €) Claudio Ranieri
9. (-267,52 Mio. €) Louis van Gaal
10. (-236,97 Mio. €) Luis Enrique

Man kann da jetzt natürlich das ganze noch anpassen, z.B. in dem man die Anzahl der ge- und verkauften Spieler miteinbezieht, die Dauer der bisherigen Trainerkarriere und die inflationäre Steigerung der Transferausgaben usw.
Nimmt man einmal nur die durchschnittlichen Ausgaben pro Spieler, sieht die Liste aber gar nicht soviel anders aus:
http://www.transfermarkt.de/transfers/trainerausgaben/statistik?saison_id=2006&saison_id_bis=2016&sa=&wettbewerb_id=&plus=1&sort=ausgaben_pro_spieler.desc

Dass es auch anders durchaus erfolgreich geht, zeigt ein Diego Simeone (+29,98 Mio. € Transferplus) oder Unai Emery (+97,70 Mio. € Transferplus).

Wen es interessiert: am meisten im Plus bei Transfers sind:

1. (+193,64 Mio. €) Jorge Jesus
2. (+183,40 Mio. €) Mircea Lucescu

Koom 23. Januar 2017 um 11:36

Wobei bei Guardiola da aber auch so finanzielle Heldentaten drin sind wie das ganze Schauspiel um Eto’o und Ibrahimovic. Guardiola ist auf jeden Fall teuer. Und sehr eigen. Er ist so ein bisserl das Apple unter den Trainern: Sündteuer, nicht zwingend besser, schaut aber ganz gut dabei aus. 😉

Ich denke mal, diese Liste wird noch krasser werden. ManCity wird – wenn sie mit Pep weitermachen, woran ich nicht zweifle – auch im nächsten Jahr richtig viel Geld in die Hand nehmen. Aber gut, die habens ja auch…

Schorsch 23. Januar 2017 um 17:08

Ich verfolge die Diskussion zu diesem Artikel nicht ganz so intensiv, da ich mich zwar für Pep Guardiola, aber nicht für ManCity interessiere. Aber beim Überfliegen der Kommentare kam mir bei dem einen oder anderen folgender Eindruck auf: Guardiola kann dann mit seiner Spielweise erfolgreich sein, wenn er nicht nur auf jeder Position (auch im back up – Bereich) Weltklassespieler zur Verfügung hat, sondern diese müssen dann auch noch genau die Fähigkeiten auf Weltklasseniveau mitbringen, die für die Pepsche Spielweise erforderlich sind. Wie gesagt, vielleicht täuscht mein Eindruck da, weil ich halt nur eher oberflächlich gelesen habe. Wenn nicht, dann…nun ja.

Sicherlich ist jeder Trainer bemüht, dass möglichst Spieler verpflichtet werden, die zu seinen Vorstellungen von Fußball passen (und nicht passende abgegeben werden). Inwieweit der jeweilige Club da mitspielt oder sich das überhaupt leisten kann oder will (denn jeder Trainer geht irgendwann) ist eine andere Frage. Letztlich muss ein Trainer immer mit den Spielern arbeiten, die er aktuell zur Verfügung hat. Wenn dann von diesen einige nicht seinen Vorstellungen von Fußball entsprechen und sie auch nicht in eine entsprechende Richtung zu entwickeln sind, dann muss halt der Trainer von seinen Vorstellungen zumindest partiell Abstand nehmen. Die Spieler sollten so eingesetzt werden, wie es ihren Stärken entspricht. Auch wenn das bedeutet, dass ein etwas anderer Fußball gespielt werden muss, als es dem Trainer vorschwebt. Ich persönlich glaube, dass dies z.B. auch ein Problem von Götze war beim FCB und möglicherweise auch aktuell beim BVB ist.

tobit 23. Januar 2017 um 19:33

Ein Trainer sollte meiner Meinung nach nur dann einen deutlich anderen Fussball spielen lassen, wenn er einen Kader hat, der in Gänze nicht zur eigentlichen Idee passt. Der Kader von City passt an vielen Punkten aber sehr gut zu Peps Ideen, könnte aber an einigen Stellen eine Verjüngung und an anderen mehr Breite vertragen.
Will die Klubführung aber ernsthaft nach den höchsten Weihen (CL-Titel) greifen, dann braucht es an einigen Stellen auch qualitative Verbesserungen gegenüber dem vorhandenen (und bereits passenden) Personal. Da kann der Trainer noch so genial sein, für ganz oben braucht es einen Top-Kader. Auch Pep kann kein Eisen zu Gold machen, aber er kann sowohl das Eisen als auch das Gold wie nur wenige andere verarbeiten, dass daraus außergewöhnliches entsteht.
Die PL ist dieses Jahr (abseits von Chelsea) wieder sehr eng, da ist noch fast alles möglich. Von daher sehe ich aktuell nicht, dass er an seiner Sturheit (oder wie man es nennen will) scheitert, sondern höchstens an der völlig überzogenen Erwartungshaltung.

Schorsch 23. Januar 2017 um 23:49

Zwischen „deutlich anders“ und „etwas anders“ ist schon ein kleiner Unterschied. Es geht um Anpassungen und Einbindungen. Dazu sollte, ja muss ein Trainer in der Lage sein. Und Guardiola ist dazu in der Lage, das hat er bei Bayern (und auch bei Barcelona) unter Beweis gestellt. Warum sollte ihm das bei ManCity nicht gelingen? Auf die Rückehr Gündogans zu warten und für die nächste Saison neue, passende Spieler zu verpflichten dürfte in dieser Saison wohl etwas zu wenig sein… 😉

ManCity hat einen absolut wettbewerbsfähigen Kader. Auch andere Trainer müssen mit verletzungsbedingten Ausfällen wichtiger Spieler klarkommen und auch die anderen Teams werden sich zur nächsten Saison verstärken. Wenn der Wettbewerb in der Spitze tatsächlich so eng ist (und das ist es offensichtlich), dann ist der Trainer doch gerade gefordert, wenn es Ausfälle zu überbrücken gilt. Nicht nur unter Idealvoraussetzungen beweist sich Klasse, sondern gerade unter schwierigen Bedingungen.

CHR4 24. Januar 2017 um 14:34

genauso sehe ich das auch! auch wir sollten hier mehr darüber diskutieren, WIE man mit dem derzeitigen Personal am besten spielt und nicht ständig, auf welchen Positionen unbedingt neue Spieler kommen müssen – das ist ja ok, aber man muss es ja nicht ständig machen (auch bei der letzten Analyse ging es viel darum), denn bis zum Sommer wird sich da nicht mehr soviel tun
und den Rest der Saison immer zu sagen, es klappt halt derzeit nicht, weil die Spieler X und Y einfach zu schach sind, kann ja auch nicht das Ziel hier (und von ManCity) sein

Koom 24. Januar 2017 um 16:21

*raussuch*
Abfangjäger ala Casemiro bzw. Alonso installieren, der die Konter unterbindet. Einer der AVs, vielleicht auch Toure, sollten das vom Anforderungsprofil (und ein bisserl Schulung) durchaus gewährleisten können.

ES 25. Januar 2017 um 13:26

In seiner jetztigen Trainerstation muss Guardiola deutlich mehr Umbrucharbeit leisten als an seinen vorangegangenen beiden Stationen. Ich weiss nicht, wie schnell er mit Bayern Erfolg gehabt hätte, wenn es nicht ein paar Jahre Aufbauleistung durch van Gaal (und in Fortsetzung Heynkes mit anderen Akzenten) gegeben hätte in Richtung Cruyffscher/Guardiolascher Spielphilosophie. Es ist daher womöglich nicht so sehr ein Thema der Spielerqualität an sich (oder deren Einkaufspreise), sondern viel mehr, wie weit der Verein/der Kader/das Umfeld/die Trainingsmethoden etc. von der angestrebten Spielphilosophie entfernt ist (MR hat doch mal in einem anderen Artikel darauf aufmerksam gemacht, wie sehr eine bestimmte Art zu spielen, in der DNA eines Vereins steckt, im Positiven wie im Negativen, oft über viele Trainer hinweg (Beispiel HSV bis Gisdol, Schalke bis Weinzierl)). Für diese Art eines fundamentalen Umbruchs mag der eine mehr geeignet sein als der andere, der eine mehr Zeit brauchen als der andere und wiederum unterschiedlich erfolgreich damit sein. Es ist auch entscheidend, wer die Mitstreiter sind auf diesem neuen Weg (z.B. Heidel bei Schalke, Watzke und Zorc bei Klopp vor Jahren etc.). Warum sollte das bei Guardiola auf Anhieb an seiner ersten Station klappen? Weil er der Trainergott schlechthin ist oder weil er einfach unendlich viel Geld in der Hand hat? Vielleicht wäre hier undendlich viel Zeit wichtiger als unendlich viel Geld.

Handtuch 19. Januar 2017 um 12:41

„Die Stabilität dann über Ballbesitzzeiten zu holen erscheint mir da noch der vielversprechendste Ansatz.“

Genau das sehe ich nicht so. Der aktuelle Kader wurde über Jahre hinweg darauf ausgelegt, Nadelstiche zu setzen. Hiermit dann zu versuchen ein Ballbesitzspiel aufzuziehen halte ich für Kontraproduktiv, dafür fehlt den meisten Spielern einfach die entsprechenden Fähigkeiten!

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MR 19. Januar 2017 um 13:38

Ich kann mit der Aussage nicht arbeiten. Was heißt denn, es fehlt die Fähigkeit für Ballbesitzspiel? Manchester City hat 61% Ballbesitz im Schnitt, der höchste Wert in der Liga. Also was fehlt konkret und für welche konkrete Zielstellung?

Ich seh auch nur ansatzweise, inwiefern der Kader darauf ausgerichtet ist, Nadelstiche zu setzen. Zudem hat das ja vergangene Saison nicht mehr funktioniert. Bravo, Stones und Gündogan wurden sicher mit Blick auf ein Ballbesitzspiel geholt.

Nicht falsch verstehen: Ich kann mir gut vorstellen, dass zum Beispiel ein Fokus auf ein tieferes, aber kompakteres Pressing und gute Umschaltmechanismen erfolgreicher wäre, zumindest in manchen Spielen. Ich find das aber schwer zu beurteilen. Beide Strategien hängen halt von der Qualität der Umsetzung ab. Wenn, wie hier, die Umsetzung (nicht von Seiten der Spieler, sondern von der taktischen Anlage her) nicht passte, find ich’s müßig über die Strategie zu diskutieren.

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tobit 19. Januar 2017 um 14:21

Das sehe ich nicht so. Der Kader wurde auf die individuelle Klasse einzelner – namentlich Toure, Agüero und de Bruyne – ausgelegt. Toure ist nicht mehr so gut wie früher (gerade defensiv) und Agüero und der Bruyne sind perfekte „Pep-Spieler“. Was dem Kader fehlt sind im Prinzip Back-Ups für Gündogan und Fernandinho, die aktuell beide ausfallen (bei Gündogan war das leider fast absehbar). Alle anderen Spieler sind durchaus zu gebrauchen, da sie über die grundsätzlichen technischen Fähigkeiten verfügen, den Ball im Team zu halten. Nimm Conte Mal Matic und Kante längerfristig weg, dann ist der auch nicht mehr so überragend stabil, obwohl es dann immer noch einen überaus fähigen ZM in Fabregas gäbe, der aber völlig andere Stärken mitbringt.

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Yilde 21. Januar 2017 um 18:04

Würde ich sofort unterschreiben. Der Kader ist eben mit einzelnen SuperSuperSpielern besetzt, ansonsten aber in Spitze und Breite eher schwach. Neben allem du angeführt hast sind da denke ich noch die AV´s zu nennen. Das ist (in Abstrichen vielleicht von Chelsea abgesehen) finde ich überhaupt ein Problem in der PL, die defensiven Positionen sind im Vergleich zu den großen in Deutschland, Spanien und Italien schon sehr schwach besetzt.

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CHR4 19. Januar 2017 um 01:35

sehr gut ausdifferenziertes Fazit! bitte abspeichern und so ähnlich immer wieder mal unter bestimmte Artikel setzen …

Danke auch für eure Podcasts, ist für mich sehr angenehm auch mal nebenher zu hören, wenn ich eigentlich andere Dinge erledigen muss 😉 – von daher passt das derzeit perfekt, wenn der Kopf mal nicht hochkonzentriert das gelesene verarbeiten muss

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