Türchen 24: Hoeneß kontert den Dresdner Kreisel

Wir wünschen fröhliche Weihnachten! Unser Beitrag zum Fest ist ein Blick auf ein tolles Europapokal-Spiel aus den Siebzigern zwischen zwei deutschen Mannschaften, die zu gutem Fußball fähig waren.

Es war auf allen Ebenen ein großes Spiel. Im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister trafen im Jahr 1973 die Bayern auf Dynamo. Beim Hinspiel in München wurde gleich drei Mal die Führung gedreht, ein 4:3 am Ende. Nun reisten die Münchner von Udo Lattek nach Dresden und konnten sich keine Niederlage leisten. Es wurde wieder ein Hin- und her. Begleitet wurde das große sportliche Drama von zahlreichen Nebengeräuschen, was die Brisanz noch erhöhte. Aber auch rein spielerisch weiß die Partie zu überzeugen.

Eine Szene kurz vor der Halbzeitpause. Man erkennt Bayerns intuitiven Fokus auf Kompaktheit und Dynamos gutes Gefühl für Abstände innerhalb ihrer Formation. Lustig und zugleich illustrativ: Auf Twitter wurde spekuliert, das sei von Dortmund gegen Bayern - aus dem Jahr 2016!

Eine Szene kurz vor der Halbzeitpause. Man erkennt Bayerns intuitiven Fokus auf Kompaktheit (ist sogar nach eigenem Ballverlust!) und Dynamos gutes Gefühl für Abstände innerhalb ihrer Formation. Lustig und zugleich illustrativ: Auf Twitter wurde spekuliert, diese Szene sei von Dortmund gegen Bayern – aus dem Jahr 2016!

Besonders der sächsische Außenseiter präsentierte sich gegen den kommenden Serien-Sieger des Europapokals überraschend forsch, mutig und konstruktiv. Wenn die Bayern nicht in einigen Zweikämpfen athletisch massiv überragen würden, könnte man bei der Sichtung der ersten Halbzeit auch denken, dass die schwarz-gelb gekleidete Mannschaft der klare Favorit in diesem Spiel gewesen wäre. Bayern stand tief, Dynamo machte das Spiel und tat dies mit viel Ruhe und Lockerheit.

Disclaimer: Fragezeichen

Ich musste leider auch nach mehrfachem Stoppen und Spulen vor der eigenartigen Struktur der Partie kapitulieren. Ich bin mir nicht in Gänze sicher wie die Grundformationen und die Positionen der Spieler waren. Auf meiner Aufzeichnung sind Nummern nicht erkennbar, der Kommentator nennt die unpräsenteren Spieler fast nie und die Struktur wechselt zwischen den beiden Ballbesitzphasen sehr extrem, ziemlich inkonstant und etwas unlogisch. Wie üblich bei diesen historischen Partien wird die Beobachtung durch den kleinen Kameraausschnitt und die lästigen Manndeckungs-Positionswechsel erschwert. Und man erkennt keinen an den Haaren oder der Hautfarbe, weil damals offenbar alle Menschen gleich aussahen und hässliche Haar-Färbungen leider noch kein Trend waren.

Die ungefähren Formationen des Spiels, wenn Dynamo den Ball hatte (was meistens der Fall war). Darin wurde aber sehr viel variiert und vor allem manngedeckt. Im Ballbesitz spielte Bayern quasi 4-2-3-1. Die Fixpunkte des Spiels waren die zentralen Achsen der Teams.

Mit Vorsicht genießen: die ungefähren Formationen des Spiels, wenn Dynamo den Ball hatte (was meistens der Fall war). Darin wurde aber sehr viel variiert und vor allem manngedeckt. Im Ballbesitz spielte Bayern quasi 4-2-3-1. Die Fixpunkte des Spiels waren die zentralen Achsen der Teams.

Mein Problem betrifft das Münchner Mittelfeld und die Dresdner Flügel. Letztere sind extrem unpräsent und rücken ganz merkwürdig in die Halbräume ein. Zudem variieren sie sehr stark ihre Positionshöhe. Meist ist Linksaußen Heidler ein dritter Stürmer, während die anderen beiden Stürmer aber eher zentral agieren. Was die Positionen von Schade und Häfner sind, ist nicht so recht auszumachen, weil sie fast nie zu sehen sind. (Könnte sogar sein, dass das eigentlich als 3-1-2-1-3 gedacht war, wobei Ganzera als sehr tiefer Zehner und Häfner/Schade als sehr breite Halbspieler agieren.)

Häfners scheinbare Rechtsaußen-Position scheint sich gegen den Ball aufzulösen; ich weiß nur nicht ob auf die Rechtsverteidigung, ins Mittelfeldzentrum oder vielleicht beides im Wechsel. Umgekehrt weiß ich nicht, wo Zobel rumrennt. Wenn man was von ihm sieht, ist er linker Flügelläufer. Aber nach Abschlägen und Abstößen steht Bayern meist in einem 4-2-3-1 da, hat also gar keinen linken Flügelläufer. Rückt er auf die Sechs ein oder geht er nach vorne?

Zudem kann ich Edgar Schneider, Willy Hoffmann und „Bulle“ Roth nicht zuordnen. Leider hab ich sie alle drei noch nie spielen sehen. Sie werden alle zumindest teilweise auch als Stürmer geführt und wirken am Ball nicht wie Sechser. Tauchen auch alle Mal auf den offensiven Flügeln und im Mittelfeldzentrum auf, ohne dass man klar beobachten kann, woher die grad kamen. Bei Ballbesitz hat Bayern meist zwei Flügelstürmer, gegen den Ball aber hinter Müller und Hoeneß nur Defensivspieler – wo laufen die also hin? Da die Defensivspieler sich alle mannorientiert organisieren und Dynamo auf außen so seltsam strukturiert ist, entsteht ein komischer Staffelungsmatsch.

Wenn jemand noch sachdienliche Hinweise hat, gerne in den Kommentaren oder auf Twitter melden. Ich erkundige mich während der anstehenden Festtagen mal bei den Dynamo-Fans in der Familie. Ich werde zusätzliche Erkenntnisse ggf. an dieser Stelle ergänzen.

Latteks Kontertrick: Hoeneß gegen Geyer

Die Bayern gingen schnell 0:2 in Führung, obwohl sie von Beginn an kaum etwas für das Spiel taten. Das lag an einem einzigen taktischen Kniff: Gegen den Ball wurde Uli Hoeneß halbrechts in der Spitze „geparkt“. Der laufstarke Spitzenathlet arbeitete nicht wie üblich ins Mittelfeld zurück. Das machte stattdessen Gerd Müller sehr gut (wir wissen ja bereits, dass der kompletter war als allgemein beschrieben).

Weil Dresdens Libero Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner sehr antreibend und offensiv veranlagt war, blieb er nicht hinter Geyer zurück, um ihn nach Ballverlusten gegen Hoeneß abzusichern. Bayern konnte also immer Hoeneß schicken, der Ede Geyer in puncto Schnelligkeit klar überlegen war. Schon vor den Toren brachte das einen klaren Durchbruch, der auch einen Elfer hätte geben können.

Latteks taktischer Kniff wurde dadurch befördert, dass Geyer sich sehr ungeschickt verhielt und positionierte. Er blieb bei Ballbesitz nicht zwischen Gegenspieler und Tor und ging vor dem 0:2 auch zu unvorsichtig in den Zweikampf mit Hoeneß. Der erste, unerfolgreiche Durchbruch entstand deshalb sogar schlichtweg durch einen blinden Befreiungsschlag von der Münchner Strafraumgrenze aus. Das 0:1 fiel durch sehr gute Handlungsschnelligkeit von Müller:

Vor dem 0:1. Man erkennt gut Dynamos seltsame Grundausrichtung: Viel passive Präsenz in den Halbräumen, das Spiel geht dann aber vertikal durch's Zentrum. Hier können die manndeckenden Bayern dann nach drei Versuchen den Ball so wegspitzeln, dass er Müller in den Fuß rollt. Der leitet ihn mit dem ersten Kontakt aus seinem Sichtfeld raus auf Hoeneß weiter. Der hat den kürzeren Weg zum Tor als Geyer und ist weg.

Vor dem 0:1. Man erkennt gut Dynamos seltsame Grundausrichtung: Viel passive Präsenz in den Halbräumen, das Spiel geht dann aber vertikal durch’s Zentrum. Hier können die manndeckenden Bayern dann nach drei Versuchen den Ball so wegspitzeln, dass er Müller in den Fuß rollt. Der leitet ihn mit dem ersten Kontakt aus seinem Sichtfeld raus auf Hoeneß weiter. Der hat den kürzeren Weg zum Tor als Geyer und ist weg.

Dynamo überrennt das Mittelfeldzentrum

Der prägendste und auch interessanteste Aspekt des Spiels war das Dresdner Aufbauspiel. Dörner, Wätzlich und Ganzera waren die Motoren des Teams und trieben immer wieder den Ball an Müller vorbei in die Räume vor der Abwehr. Spielmacher Ganzera glänzte dabei vor allem mit klugen und hervorragend gewichteten Pässen, Wätzlich mit Dynamik und geschickter Ballführung; Dörner vereinte beides und war durch seine Rolle als freier Mann äußerst präsent.

Der Fokus auf dieses Trio wurde durch die seltsamen Strukturen im Mittelfeld begünstigt. Dynamos Flügelspieler schoben recht weit nach vorne und eben etwas in die Halbräume, also Richtung Tor. Das war neben Bayerns defensiver Ausrichtung wohl der Grund, weshalb sich die offensiv veranlagten Roth, Schneider und Hoffmann sehr weit fallen ließen. Bayern formierte sich meist als kompakter – aber eben manndeckender – Achterblock mit Müller davor. Dörner und Co. konnten daher im offenen Raum Tempo aufnehmen, dann dynamisch vorstoßen und dabei Überzahl herstellen.

In erster Linie war die ganze Dresdner Spielanlage aber sehr gut. Sie konnten sich auf allen Positionen gut nach hinten aus Manndeckungen befreien, bewegten sich in Ballnähe geschickt und waren einfach technisch und von der Orientierung her auf – in Relation zur Zeit – ziemlich hohem Niveau, sodass sie den Ball sicher zirkulieren lassen konnten. Vor allem der Moment und die Gewichtung der Pässe war oftmals sehr sauber.

Auch die Vorstöße nach vorne waren gut angelegt. Sie spielten immer wieder längliche diagonale und vertikale Pässe in Läufe, die innen am Manndecker entlang in offene Räume gingen. In den höheren Räumen folgten gelegentlich nette Kreuzbewegungen und Ablagen oder schlichtweg kluge Horizontalpässe oder auch mal Verlagerungen in die geöffneten Flügelräume. Am beeindruckendsten ist wohl die ziemlich hohe Dichte an guten Entscheidungen. Selbst Topspieler dieser Zeit schlugen öfter mal sehr merkwürdige, aussichtslose Pässe. Die waren bei Dynamo seltener; richtig gute Entscheidungen dafür aber häufig.

Ein Problem war das Durchdringen der sehr engen Bayern-Abwehr; hier fehlte etwas an Läufen aus der Tiefe, wenn sich Bayern einmal statisch an der Strafraumlinie formiert hatte. Dynamo fehlte es in diesen Szenen auch an den ganz kreativen Offensivspielern; Rau und Sachse zeigten sich zuverlässig aber nicht herausragend. Passenderweise öffneten sie beim ersten Treffer lediglich den Raum in der Mitte, den Dörner, Ganzera und Wätzlich dann bespielten:

Bayern mal ausnahmsweise nur mit 7 statt 9 Spielern hinter dem Ball. Wätzlich und Dörner kombinieren sich per Doppelpass in den Strafraum. Ganzera startet durch und öffnet dadurch die Schussbahn für Wätzlich ins lange Eck. Der verschafft sich gegen Beckenbauer auf Lewandowski-eske Zeit und schließt stark ab.

Bayern mal ausnahmsweise nur mit 7 statt 9 Spielern hinter dem Ball. Wätzlich und Dörner kombinieren sich per Doppelpass in den Strafraum. Ganzera startet durch und öffnet dadurch die Schussbahn für Wätzlich ins lange Eck. Der verschafft sich gegen Beckenbauer auf Lewandowski-eske Zeit und schließt stark ab.

Dauerdruck und Dynamos Gegenpressing

Zu Beginn der zweiten Halbzeit intensivierte Dynamo noch einmal die eigene Spielweise. Das System sah nun noch mehr nach 3-1-2-1-3 aus. Sie brachten viele Spieler in die Offensivräume und behielten dabei gute Abstände, ließen den Ball in druckvollerem Rhythmus laufen und drängten Bayern hinten hinein.

Nach einem Ballverlust, muss Bayern auf den Flügel ausweichen und wird von Dynamo dann massiv zugeschoben. So kann auch heute noch gutes Gegenpressing aussehen.

Nach einem Ballverlust, muss Bayern auf den Flügel ausweichen und wird von Dynamo dann massiv zugeschoben. So kann auch heute noch gutes Gegenpressing aussehen.

Besonders das Nachsetzen von Dynamo wurde nun prägender. Bereits im ersten Durchgang gab es Szenen, in denen ein paar Dresdner geschickt den verlorenen Ball jagten. Nun war die Struktur dafür besser und die Bereitschaft noch höher. Mehrfach musste Bayern gewonnene Bälle sofort wieder verloren geben oder blind wegschlagen. Die erhofften Konterangriffe gab es vorerst nicht mehr, sondern Dynamo kam zu Chancen.

Das 2:2 fiel dann auch eher als Folge der massiven Offensivpräsenz als durch einen nennenswerten Spielzug. Heidler holte sich das Spielgerät irgendwo im Mittelfeld ab, lief in seinen (nun geöffneten) Raum auf der linken Seite und konnte im Eins-gegen-Eins mit Dürnberger eine Flanke herausholen. Dynamo brachte aber – trotz der tief gestarteten Aktion – vier Spieler in den Strafraum und versenkte das Leder dann quasi nach einem Kopfball-Querpass vor dem Tor.

Das 3:2 fiel dann nach einer Ecke – die kurioserweise zur Strafraumgrenze geflankt und von dort volley versenkt wurde. Schon im ersten Durchgang hatte Dynamo Eckballvarianten gezeigt, zum Beispiel auch eine kurz ausgeführte Ecke. Auch in diesem Punkt scheint die Dresdner Mannschaft von 73 überraschend modern.

Typischer Müller, typische Endphase

Nach der Dresdner Führung in der 56. Minute durfte man vier Minuten lang das wahre Gesicht der Bayern bestaunen. Vom Anstoß weg brachten sie nun extrem viele Spieler nach vorne und kombinierten sich enorm druckvoll durch den Zehnerraum. Dynamo konnte sich nicht so schnell umstellen und schien überrascht und überfordert.

So fiel das entscheidende 3:3 schon in der 60. Minute. Hoeneß leitete eine gute Kombination durch den Zehnerraum an und steckte den Ball halblinks durch. Hoffmann bekam ihn irgendwie durchgestochert und Müller vollstreckte in typischer, ungeschickt wirkender, aber doch genialer Art und Weise. Unter höchstem Druck lupfte er den Ball an, überwand den Torwart und der Ball rollte ins Tor.

Von nun an begann der schwächste Teil der Partie. Dynamo war von der so schnell weggegebenen Führung sichtlich zerrüttet und spielte nun nicht mehr den eigenen Stiefel. Stattdessen: Ungeduldige Angriffe, zu frühe und vorhersehbare Flanken, kaum mehr Präsenz für Ganzera und Dörner. Das Bombardement des Münchner Strafraums scheiterte an Beckenbauer, Schwarzenbeck und Co. Dazu trug auch wiederum Gerd Müller bei, der mehrfach bis vor das eigene Tor nach hinten verteidigte und Bälle klären konnte.

Dynamos Passspiel wurde von der selbst geschaffenen Hektik einigermaßen zerstört. Es gab nun viel mehr Ballverluste im Mittelfeld. In Verbindung mit dem breiteren und aggressiveren Aufrücken brachte das jetzt Münchner Konter am laufenden Band. Nun hatte der Gastgeber eher noch Glück, dass die Partie nicht noch zu einer Niederlage wurde. Bis zum 3:3 hätten sie den Sieg absolut verdient gehabt.

Fazit

Das Aufeinandertreffen der beiden deutschen Meister war nicht nur ein Politikum, sondern auch sportlich hochinteressant. Dass der ostdeutsche Meister den großen FC Bayern spielerisch dominierte und klar mehr Ballbesitz hatte, ist wohl eine spannende Information. Zudem zeigt diese Partie, dass auch historischer Fußball richtig ansehnlich sein kann – obwohl die Bayern ihre beeindruckende Kombinationsstärke nur ganz kurz richtig in die Waagschale warfen. Die 70er dürfen sicherlich absolut berechtigterweise als eine Hochphase des deutschen Fußballs betrachtet werden.

Dieses Spiel war auch der Vorbote des DDR-Sieges bei der WM 74, ein halbes Jahr später. Sechs Spieler aus dieser Partie standen auch beim Triumph des Ostens auf dem Platz, so auch die DDR-Elf eher von Magdeburgern geprägt war und Dörner beispielsweise verletzt war. Auch dieser Klassiker des deutschen Fußballs ist übrigens äußerst sehenswert. Und wird bestimmt zum richtigen Zeitpunkt noch einmal einen ähnlichen Artikel spendiert bekommen. Teaser: DDR mit gutem Pressing und ohne Mittelstürmer.

savona 27. Dezember 2016 um 22:53

Auch von mir ein Dankeschön an die Autoren für die hochwertigen Analysen dieser besonderen Spiele – und an die Kommentatoren für die interessanten, bereichernden Diskussionen. Allen eine schöne Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr!

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Schorsch 27. Dezember 2016 um 18:57

Das ist ja eine schöne Bescherung! Ich habe zwar gerade erst mit etwas Verspätung das letzte Türchen des Adventskalenders geöffnet, aber dahinter hat sich ein zeitloses Geschenk verborgen! Vor ein paar Tagen noch über dieses Spiel geschrieben, und dann das… Vielen Dank an MR für die Analyse dieses legendären Spiels (wobei das Hinspiel zur Legende irgendwie dazugehört)!

Uli Hoeneß hat einmal dieses Spiel als das wichtigste seiner Karriere als Fußballer bezeichnet, weil es ihm den Durchbruch als anerkannter Spitzenfußballer gebracht habe. Ohne seine Leistung in diesem Match wäre seine Leistung im Wiederholungsspiel des Finales des Europapokals der Landesmeister in jener Saison nicht möglich gewesen. Der bedauernswerte Ede Geyer habe an diesem Tag keine Chance gegen ihn gehabt.

Der ‚Dresdner Kreisel‘ war schon feiner Fußball, Udo Lattek hatte Dynamo nach dem Hinspiel bereits attestiert, eine absolute Spitzenmannschaft zu sein. Aber die Sprintstärke eines Uli Hoeneß war die richtige Antwort. Mein Langzeitgedächtnis funktioniert im allgemeinen (noch?) recht gut, aber die von MR im Artikel aufgeworfenen Fragen sind sehr schwierig. Was Bulle Roth anbelangt, so kenne ich ihn nur als zentralen Mittelfeldspieler. Mal etwas mehr nach hinten orientiert, mal etwas mehr nach vorne. Häufig bestand seine Aufgabe darin, den Spielmacher des Gegners nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, gegnerische Durchbrüche zu verhindern und Bälle zu erobern. Dabei agierte er häufig auch horizontal. Daneben sollte er durchaus auch die Gelegenheit nutzen, selbst in die Spitze zu gehen. Dies geschah (soweit ich mich erinnern kann) eigentlich immer mit vertikalen Vorstößen im zentralen Bereich. Dass er über die Flügel nach vorne gestoßen wäre, ist mir nicht im Gedächtnis präsent. Ich bin mir daher auch über die Positionierung Roths in der Grafik nicht sicher. Das gilt allerdings auch für Rainer Zobel. Hoffmann und Schneider habe ich weiter vorne im Kopf, kann mich aber irren. Was die unklaren Abläufe bei den Dresdner Spielern anbelangt, warum nicht einmal mit z.B. Klaus Sammer Kontakt aufnehmen? Als ehemaliger Spieler und dann Trainer könnte er da möglicherweise zur Klärung beitragen. Er war ja in beiden Spielen überraschenderweise nicht aufgestellt und auch nicht eingewechselt worden. Sammer behauptet noch heute, es sei ein Fehler gewesen, gerade im Hinspiel nicht ihn als großgewachsenen, kopfballstarken Spieler eingewechselt zu haben. Bayern hätte sich nur noch mit ‚hoch und weit‘ in den Strafraum helfen können. Da hätte er dann gefehlt. Wobei er das verletzungsbedingte Fehlen Hansi Kreisches als Hauptursache für das Ausscheiden Dynamos ansieht.

An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an alle Autoren des diesjährigen Adventskalenders, die wieder wunderschöne Überraschungen hinter den Türchen bereitgehalten haben! Dahinter steckte eine Menge an Arbeit und Mühe, das kann man nicht genug hervorheben. Allen Autoren und allen Kommentatoren hier wünsche ich noch eine schöne Weihnachtszeit und einen ‚guten Rutsch‘. Viel Glück, Erfolg und Gesundheit im neuen Jahr!

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HK 27. Dezember 2016 um 18:55

Ich hatte die vage Hoffnung, dass dieses Spiel ausgewählt werden würde. Und siehe da, ein wahrhaft würdiges Weihnachtstürchen.
Man kann es sich heute vielleicht nur schwer vorstellen was dieses Duell für ein mediales Ballyhoo auslöste. Das erste deutsch-deutsche Duell im EC. Und dann natürlich die perfekte Dramaturgie in beiden Spielen.

Die Bayern traten übrigens durchaus angeschlagen dazu an. In der Vorrunde um Haaresbreite am mächtigen Atvidaberg gescheitert. Dann wenige Tage zuvor ein weiteres Legendenspiel (das ich fast auch hier erwartet hätte), das unfassbare 4:7 in Kaiserslautern (nach 4:1 Halbzeitführung) in den Knochen. Breitner und Kapellmann mit schweren Verletzungen ausgefallen.
So klar war die Ausgangsposition also nicht.

Zu der Bayernformation: Damals wurde jede Aufstellung generell als 4:3:3 interpretiert. Das hat auf dem Platz natürlich oft genauso wenig gepasst wie heute („Telefonnummern“), aber so kann man es am besten aufschlüsseln.
Im Mittelfeld war Roth der zentrale (defensive) Akteur. Der Aufräumer, der meist den gegnerischen Spielmacher aufnahm und Beckenbauer den Rücken freihielt.
Edgar Schneider spielte rechts im Mittelfeld und Zobel links. Willi Hoffmann war Linksaußen.
Schneider, Edelreservist bei Bayern, spielte nur wegen der oben erwähnten Verletzungen. Für ihn war es das letzte Spiel für den FCB. Danach bekam er die Freigabe und wechselte nach Augsburg.

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ES 27. Dezember 2016 um 12:07

Vielen Dank. An dieser Stelle muss ich leider ein für meine Freunde und Verwandte erschütterndes Geständnis machen: Ich war mal kurzzeitig Uli-Hoeneß-Fan, nämlich ziemlich genau zu dieser Periode, als Hoeneß ein schlanker, pfeilschneller Konterspieler war (undenkbar zu diesem Zeitpunkt, in was für einen Rollmops der sich mal hinein verwandeln würde).

Gab es oder gibt es mal eine Hommage an Uli Hoeneß als Spieler? Ich glaube nicht, dass es viele Spieler gab, die in einer so kurzen Karriere so unfassbar viel Erfolg hatten wie er. Der muss doch einen immensen historischen Goalimpact haben, oder?

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CE 27. Dezember 2016 um 15:35

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tobit 27. Dezember 2016 um 16:46

Wofür stehen die jeweiligen Graphen?
Rot (Fett): tatsächlicher GI (?)
die anderen beiden ??

Zweite Frage: Kann jeder hier Bilder in seine Kommentare einbinden, und wenn ja, wie?

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Goalimpact 27. Dezember 2016 um 19:05

Rot (Fett) ist der tatsächliche Goalimpact
Rot (dünn) ist der geschätzte Wert bei Karrieremaximum
Blau (halbtransparent) ist der Ist-Wert der vorangegangenen 24 Monate.

Bilder einbinden finde ich auch cool. Ich weiß leider auch nicht wie das geht.

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tobit 27. Dezember 2016 um 20:55

Danke!
Taucht der laufende Durchschnitt jetzt in allen neuen GI-Charts auf? Finde ich sehr cool, da man dann noch besser sehen kann, wie stark ein Spieler tatsächlich gerade ist (wäre bei älteren Spielern wohl sehr nützlich).

Was ich schon immer Mal wissen wollte: Wie berechnet sich der „geschätzte“ GI zum Karrierehöhepunkt, oder ist das ein Geschäftsgeheimnis? Gibt es dafür einen eigenen Algorithmus oder wird er durch einen altersabhängigen Faktor aus dem tatsächlichen GI berechnet?

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Goalimpact 27. Dezember 2016 um 22:20

Die blaue Linie ist kein „wie er gerade ist“, sondern ein „wie er in den letzten 48 Monaten war. Aber man kann schon sehen, ob der Spieler eigentlich mehr können sollte als er zuletzt zeigen konnte.

Der geschätzte GI zum Karrierehöhepunkt ist sehr stark am aktuellen GI plus Alterskurve gekoppelt. Das muss aber in Zukunft nicht so bleiben.

tobit 27. Dezember 2016 um 23:50

Klar ist die blaue Kurve keine Momentaufnahme, aber wahrscheinlich die beste Annäherung ohne die Datenmenge zu klein werden zu lassen. Außerdem sind zwei Jahre finde ich ein guter Zeitraum zur Betrachtung der grundsätzlichen Qualitäten eines Spielers in einer bestimmten Karrierephase, da man damit mehr oder weniger erfolgreiche Phasen der Vergangenheit aus der Berechnung ausschließt aber gleichzeitig nicht aus einer Formdelle eine geringere „Grundstärke“ oder aus einem Lauf eine höhere ableitet, denn keins von beiden Extremen hält so lange an.

Mich würde Mal der GI-Chart von Ribery interessieren, der ja in den letzten 3 1/2 Jahren seit dem Triple spürbar gealtert (und dauernd verletzt) ist, da man da eine klare „Underperformance“ gegenüber dem vom Algorithmus ausgegebenen GI sehen müsste. Das liegt bei älteren Spielern aber dann wohl eher selten an schlechter Form (oder schlechter Einbindung), sondern am Nachlassen der spielerischen und physischen Fähigkeiten. Man müsste z.B. bei Messi auch eine klare Delle der 48-Monats-Kurve in der Zeit zwischen Guardiola und Luis Enrique sehen.

Wie geht die „Alterskurve“ denn in den GI ein? Ist das einfach ein Faktor, der auf alle Spieler (je nach Alter) angewendet wird, oder wird die auch für jeden Spieler individuell berechnet?

Goalimpact 2. Januar 2017 um 23:05

Die Alterskurve ist nur nach Torhüter/Feldspieler unterteilt. Das kann sich aber in Zukunft ändern.

ES 27. Dezember 2016 um 18:17

Danke. Sieht nach Peak aus von etwa 185. Warum ist er dann nicht in den Top-50 aller Zeiten? Bin manchmal etwas verwirrt von GI.

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Goalimpact 27. Dezember 2016 um 19:06

Die Top-Liste auf meinem Twitter ist noch nach einem altem Algorithmus

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ES 28. Dezember 2016 um 13:05

Aha, das heisst, tendenziell ist er nicht unter den Top-50?

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Ein Zuschauer 24. Dezember 2016 um 12:14

Das mit der Lewandowski-esken Art sich Platz zu verschaffen fand ich sehr schön. Finde ich eh eines der prägendsten Elemente von Lewas Spielweise.
Allerdings scheint mir in dem Satz „Der verschafft sich gegen Beckenbauer auf Lewandowski-eske Zeit“ (unter der vorletzten Grafik) ein „Weise“ oder „Art“ zu fehlen.

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Izi 24. Dezember 2016 um 08:35

Ein schöner und würdiger Abschluss des Adventskalenders, ein absolutes Highlight! Vielen Dank! 🙂

Nur eine Frage habe ich noch: Sicher, dass die letzte Abbildung nicht BVB-FCB 2012 ist? 😉
Ich finde es echt interessant, wie gut und modern die Dresdner damals waren. Manch eine Mannschaft heute könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. . .

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