Brainstorming zum Leverkusener Aufbauspiel

Die Elf von Roger Schmidt zieht ihr Pressing zwar weiterhin gnadenlos durch, dennoch sind die Leverkusener – wie fast jede andere Mannschaft – bei bestimmten Sachen anfällig für ein Gegentor. So sind diese Saison insbesondere gegnerische Standards ein Problem. Immer mehr werden allerdings kritische Stimmen am Offensivspiel Bayers laut, welche die Gegentore erst zum Problem werden lassen. Besonders in der Kritik steht das Aufbauspiel der Leverkusener.

Die aktuellen Unsauberkeiten im Spiel ohne Ball sind hinzunehmen; keine Mannschaft der Welt, unabhängig von der taktisch-strategischen Ausrichtung, verteidigt konstant jede Aufbau- und Angriffssituation des Gegners perfekt. Im Spiel mit Ball nach vorne gibt es allerdings durchaus den einen oder anderen Impuls, welcher der Schmidt-Elf gut tun würde – trotz phasenweise spektakulärem Kurzpass- und Kombinationsspiel, geschickten Überladungen und starken Durchbrüchen. Diese kommen aber oft erst nach vorhergehenden Balleroberungen. Gegen tiefstehende und nominell Gegner, die mit viel Absicherung agieren, kann dies zum Problem werden.

Doch was könnten die Leverkusener machen, um sich zu verändern? Ein Schritt wurde bereits vor fast einem Jahr gestartet.

Viele unterschiedliche Spielertypen auf den vorderen Positionen

Im Sommer gab Bayer 04 Leverkusen mit Josip Drmic und Heung-Min Son zwei Spieler ab, die nicht im Komplettpaket ins System passten. Drmic erfüllte z.B. viele Aufgaben nur basal oder hatte Probleme in der Umsetzung bestimmter Aktionen (offensives Bewegungsspiel, Sauberkeit und Konstanz im Pressing und Gegenpressing). Son wiederum zeigte zwar starke Leistungen, war insgesamt inkonstant und wollte letztlich selbst wechseln. Schusssituationsauswahl und Kreativität aus der zweiten Linie waren nicht ganz auf dem Niveau, welches man sich womöglich gewünscht hätte.

Leverkusen fand schnell Ersatz. Mit Admir Mehmedi, Kevin Kampl und Chicharito kamen gleich drei Akteure. Dadurch erhöhte man zumindest auf dem Papier nicht nur die Qualität, sondern auch die Kadertiefe. Interessant ist, dass Bayer eigentlich keine zwei gleichen Spielertypen in der Offensive besitzt:

  • Stefan Kießling: Sehr laufstarker Zielspieler und fokussierter Ablagengeber an vorderster Spitze.
  • Admir Mehmedi: Dribbelstarker und dynamischer Mittelstürmer, der auch sehr gut als zweite Spitze und vom Flügel oder Zehnerraum aus kommend agieren kann.
  • Javier Hernandez: Enorm bewegungsstarker Mittelstürmer, der konstant Räume aufreißt und sich konsequent in Abschlusspositionen begibt. Sehr mitspielend wie auch Mehmedi, dafür allerdings noch stärker in der Strafraumbesetzung und –bewegung.
  • Julian Brandt: Extrem sauberer und technisch versierter Offensivallrounder, der schon bei der Ballan- und –mitnahme Probleme für den Gegner bereitet, sich sehr schnell orientiert und kreative Pässe spielen kann. Er kann als linker Mittelstürmer oder linker Zehner agieren.
  • Karim Bellarabi: Er feierte vergangene Saison seinen Durchbruch als rechter Zehner, der sich immer wieder vom Flügel aus mit seiner enormen Dynamik und Dribbelstarke durchsetzen konnte. Verbesserungswürdig in puncto Kreativität und Effizienz im letzten Drittel. Diese Saison anfangs sogar als Mittelstürmer zu sehen.
  • Kevin Kampl: Schmidts Protegé aus Red-Bull-Zeiten kam kurz vor Ende der Transferfrist letzten Sommer aus Dortmund und kann vermutlich sämtliche Positionen in der Offensive bekleiden. Er wurde schon als Sechser eingesetzt. Am stärksten ist er, wenn er Engstellen auflösen, unter Druck kombinieren und mit Blick zum Tor marschieren kann.
  • Hakan Calhanoglu: Ein etwas ambivalenter Spielertyp, der auf jeder Position unterschiedliche Stärken mitbringt, aber gelegentlich so wirkt, als gäbe es keine Idealposition für ihn. Auf der Sechs bisweilen unsauber in Ballverteilung und Pressing, ebenso als linker Zehner. Kreativität oftmals nur punktuell und als Stürmer defensiv zwar passend, dafür jedoch offensiv oft ohne den nötigen Tiefgang und die Fähigkeit zur adäquaten Drehung. Herausragender Distanz- und Freistoßschütze.

In Anbetracht solch unterschiedlicher Spielertypen, die ihre ganz eigenen Bewegungs- und Aktionsmuster haben, werfen sich natürlich große Fragen auf. Die Kernfrage lautet: Wie kann man diese Spieler gemeinsam und passend einbinden?

Dank der Flexibilität der Spieler kann man sich natürlich durch einfache Personalwechsel gut an gegnerische Abwehr- und Mittelfeldreihen anpassen, doch bisweilen scheint eine symmetrische Nutzung unpassend, weil die Spieler durch ihre enorme Varianz in ihren Spielerpersönlichkeiten eine solche Symmetrie eigentlich verbieten. Diese ist defensiv, insbesondere beim 4-2-2-2 und dem Fokus auf enormen Pressing wie Gegenpressing, außerordentlich wichtig.

Dennoch sollte man sich zusätzlich zu den technisch-taktischen Eigenschaften auch klar darüber werden, dass jeder Spieler bestimmte Intuitionen hat, denen er nachtgeht, sich in bestimmten Situationen und Zonen wohler fühlt und aus unterschiedlichen Positionen anders spielt. Das kann psychologische Ursachen haben, in der Spielerentwicklung und –förderung begründet liegen oder schlichtweg aus neurologischen Präferenzen (Augendominanz, etc.) entstehen.

Angeregt von Arbeit aus dem Basketball, wo es um „Hunting Grounds“ (bevorzugte Abschluss- und Bewegungszonen von Spielern), habe ich mir überlegt, die Aktions- und Bewegungsräume der Bayer-Spieler zu veranschaulichen. Dies basiert auf der eigenen technisch-taktischen Analyse, grundlegenden Aspekten und Betrachtungen ihrer Heatmaps sowie der Erfolgsquote unterschiedlicher Aktionen in den Zonen.

Bevorzugte Aktionszonen und Bewegungen

Bevorzugte Aktionszonen und Bewegungen

Grundlegend sollen die Zonen sich nicht überlappen, aber auch nicht voneinander getrennt sein oder offene Räume lassen. Hierbei habe ich mich vorrangig auf die Idealposition der Spieler anhand ihres Spielerprofils konzentriert und jedem eine Farbe gegeben.

Bei Kampl ist die Seite übrigens fast egal, da er auch von links aus kommend ähnlich agiert und ähnlich erfolgreich ist. Bei Calhanoglu hängt es sehr von der Position ab, in Ballbesitz ist er aber gefühlt in der dargestellten Zone am relevantesten. Chicharito ist von halblinks aus etwas stärker, der Unterschied ist jedoch marginal; von rechts aus wirkt er noch tororientierter, aber simpler.

Es fällt mir persönlich nur eines auf: Kießling und Chicharito besetzen die letzte Linie zwar sehr fokussiert, unterstützen aber nur sporadisch nach hinten bzw. tun dies nur im Zwischenlinienraum. Kießling kann zwar viel ausweichen und pendeln, ist aber von der Position selbst aus meist nach hinten und vorne aktiv. Mehmedi passt nicht perfekt zu Chicharito und nach rechts fehlt teilweise die Bindung. Bellarabi als Mittelstürmer kann sich zwar durchsetzen, das Bewegungsspiel liegt ihm von rechts aus aber eher. Brandt ist von links aus hervorragend für das System, auf rechts hat er nicht diese enorme Tororientiertheit.

Wie lässt sich also diese Mannschaft offensiv passend zusammenstellen?

Zwischen Raute, 4-2-2-2 und 4-3-3

Prinzipiell sollten zwei Voraussetzungen erfüllt werden: 1) Die bestmögliche Elf soll bestmöglich aufgestellt sein; 2) Wechsel und Anpassungen sollen innerhalb der Struktur möglich sein. Mithilfe eines Mischsystems habe ich für mich persönlich eine passende Verteilung und Erfüllung dieser Prämissen gefunden. Das Spiel ohne Ball soll sich übrigens nicht verändern. Es wird weiterhin ein 4-2-2-2 genutzt, wo Brandt und Chicharito vor Bellarabi und Kampl als Zehner agieren. Im Spielaufbau haben Kampl und Brandt allerdings deutlich tiefere, andere Rollen als Bellarabi und Chicharito.

Grundformation

Grundformation

Die Viererkette bleibt personell ebenfalls prinzipiell wie gehabt; Toprak und Tah dürften weiterhin das Stammduo in der Innenverteidigung bilden, obgleich je nach Form auch z.B. Papadopoulos eine Rolle spielen könnte. Die Rechtsverteidigerposition ist etwas unterbesetzt, was auch an der Verletzung Jedvajs aus der Hinrunde, den vielen Verletzungen generell und der in dieser Saison schwächeren Form Hilberts liegt. Hier wäre ein Neuzugang im Sommer durchaus wünschenswert. Alternativ könnte auch Lars Bender diese Position einnehmen, ebenso wie Carles Aranguiz, für beide ist es aber eine suboptimale Rolle. Bellarabi wurde letztens getestet und könnte eine Option darstellen.

Ähnlich wie bei den Bayern unter Guardiola könnte der Rechtsverteidiger dementsprechend öfters einrückend oder zurückfallend agieren, das Spiel unterstützen und eine Dreierlinie im Spielaufbau schaffen, welche Überzahl in der ersten Linie erzeugt, ohne einen Mittelfeldspieler zurückholen zu müssen. Wendells Rolle auf links bleibt grundsätzlich wie bisher.

Im Mittelfeld wiederum kann sich Lars Bender als zentraler Sechser auf das situative Zurückfallen, das Besetzen des Sechserraums und die Unterstützung wie Absicherung der Ballzirkulation konzentrieren. Christoph Kramer ist als Allrounder hier eine starke Ersatzmöglichkeit, ist aber prinzipiell im rechten Mittelfeld auf der Halbposition vorgesehen. Er kann wie schon zurzeit in den defensiven Halbraum gehen und das Spiel aufbauen, gelegentlich nach vorne stoßen und das Spiel aufbauen.

Interessant wird es in den Positionen davor. Kampl spielt als zweiter „Achter“ in diesem rautenhaften Gebilde. Von links kann er das Spiel machen, enge Situationen auflösen und nach vorne stoßen. Das Umfeld gibt ihm viel Raum, kann sich aber passend verengen, um für Kampls tolle Fähigkeiten in engen Räumen bereitzustehen. Kampl erhielt schon in den bisherigen Systemen im Spielaufbau eine solche Rolle, wo er als linker Sechser enorm fokussiert wurde und mit vielen Dribblings für Raumgewinn und Kombinationsmöglichkeiten sorgte.

Chicharito gibt mit seinen Läufen Tiefgang, soll die zwei Innenverteidiger und den rechten Außenverteidigers des Gegners beschäftigen, oft durch eine breitere Positionierung und situatives Zurückfallen in den linken offensiven Halbraum. Entscheidend in diesem System ist die Rolle Brandts. Er gibt Verbindungen in der Mitte, sorgt für Durchbrüche und Übergabeprobleme beim Gegner. Brandt kann sich situativ zurückfallen lassen, Bälle holen und in Dribblings gehen, mit Kampl kombinieren oder auch die Sturmspitze besetzen.

Bellarabi wiederum kann mit seiner Dynamik immer wieder in offene Räume hinter der Abwehr stoßen, sich breit positionieren und in Dribblings gehen oder auch in offene Räume auf dem rechten Flügel zurückfallen, von wo er aus tiefe Dribblings mit vielen diagonalen Anspielstationen und ausweichendem Brandt oder hinterlaufendem Außenverteidiger starten kann. Je nach Spieldynamik könnte auch Brandt über links kommen, Kampl auf halbrechts oder im Zentrum agieren und Calhanoglu als Alternative für diese Positionen fungieren. Mehmedi und Kießling können ebenfalls neue Akzente setzen.

Diese grundsätzliche Rollenverteilung und Formation ermöglicht auch interessante Aufbaustaffelungen.

Abkippen Benders

Bayer Leverkusen - Aufbaustaffelung 1

Eine erste Möglichkeit im Spielaufbau wäre das Abkippen Benders zwischen die Innenverteidiger. Der ballführend Innenverteidiger – in dieser Grafik Tah – könnte sich zur Seite bewegen und aus den Halbräumen aufbauen. Mit Kramer und Hilbert als Außenverteidiger sowie Wendel und Kampl auf der anderen gäbe es immer zwei Anspielstationen, welche wiederum miteinander interagieren könne. Davor besetzen Chicharito und Bellarabi die gegnerische Viererkette, Brandt kann sich dynamisch in den Zehnerraum fallen und seine Wendigkeit, Dribblingstärke und Pressingresistenz einbringen. Für dieses Aufbauschema wäre es auch möglich, dass man mit Bellarabi als rechten Flügelverteidiger und z.B. Mehmedi oder auch Kießling als Stürmer agiert. Dies würde mehr Dribbelstärke auf der Seite ermöglichen und ist grundsätzlich mit der asymmetrischen Raute sowie den anderen Aufbaumöglichkeiten verbindbar.

Hilberts Abkippen

Bayer Leverkusen - Aufbaustaffelung 2

In diesem Fall ist es nicht Bender der abkippt, sondern Hilbert als rechter Außenverteidiger. Dadurch kann sich Bellarabi situativ und dynamisch zurückfallen lassen, um Pässe auf dem Flügel für Dribblings zu erhalten oder ein vertikales Anspiel Hilberts zwischen die Schnittstellen in den Zwischenlinienraum zu fordern. Bellarabi und Kramer interagieren hierbei; ihre Bewegungen hängen enorm voneinander ab. Geht Bellarabi zur Seite, muss sich Kramer anspielbar machen, aber Räume für ihn durch ein Einrücken öffnen. Bleibt Bellarabi eingerückt, muss er entweder die gegnerische Viererkette beschäftigen oder Kramer muss sich zur Seite bewegen, um den Passweg zu öffnen. Brandt wiederum balanciert dies zentral und kann sich immer wieder im Zehnerraum für diagonale Pässe der Halbverteidiger anbieten. Kampls Rolle bleibt wie gehabt: Eine dribbelnde Acht, Chicharito bindet Spieler und bewegt sich dann unterstützend in höheren Zonen für Ablagen auf Wendell, Kampl oder Brandt.

Hilberts Einrücken

Bayer Leverkusen - Aufbaustaffelung 3

In dieser Situation wird Hilberts Stärke genutzt. Dem Außenverteidiger mangelt es zwar bisweilen an Athletik und Durchschlagskraft, doch Spielintelligenz und Passstärke ist ihm nicht abzusprechen. Hilbert spielt hier als einrückender oder falscher Außenverteidiger, Bellarabi lässt sich weit zurückfallen, Kramer bewegt sich nun konstant in zentraleren Zonen. Wie die Bayern jüngst können dadurch Kampl und Kramer immer wieder nach vorne in höhere Räume aufrücken und den Zwischenlinienraum besetzen, weil dank Bender und Hilbert der Sechserraum abgesichert ist und Anspielstationen für die Innenverteidiger vorhanden sind. So könnten Brandt und Kramer in weiterer Folge nach vorne in den Zwischenlinienraum marschieren, Wendell und Bellarabi besetzen die Flügel, während Hilbert und Kampl neben Bender in einem 2-3-5 das Spiel aufbauen. Wichtig wäre das konstante Öffnen der Diagonalpasswege auf Kampl, Kramer, Brandt und Hilbert durch die jeweils anderen plus Bender. Als Passmuster könnten hierbei eine Zirkulation auf einer Seite und dann die schnelle Verlagerung auf offene Dribbler – auf rechts der breite Bellarabi, auf links Kampl mit vielen Passoptionen vor ihm – genutzt werden.

Eine generelle Umstellung?

Viele weitere Alternativen stünden mit diesem System offen; die Möglichkeiten sind quasi unendlich. So könnten auch klarere Rautenstaffelungen mit Kampl und Kramer als Achter, Bellarabi als Außenverteidiger und Brandt oder Calhanoglu als Zehner mit Kießling, Brandt oder Mehmedi als zweitem Stürmer genutzt werden. Auch ein Einrücken Wendells in den Halbraum und verstärkte Nutzung eines breiten Dribblers auf links (Kampl, Bellarabi, Brandt) könnte nützlich sein. Wendell vorderläuft herausragend und ist ein dynamischer Kombinationsspieler in diesen Situationen. Wichtig ist auch, dass nicht nur die einzelnen Positionierungen, sondern die genauen Interaktionen und mögliche Spielzüge geschult werden. Dies reicht vom Umblickverhalten über das richtige Timing im Freilaufen bis hin zur Verkettung bestimmter Bewegung von Spielergruppen zum Öffnen von Räumen.

Nichtdestotrotz könnte Leverkusens 4-2-2-2 auch gegen den Ball etwas variiert werden; trotz der strategischen Vorteile einer so zentrumsorientierten Formation im Verbund mit der enormen Laufbereitschaft und Intensität. Eine Möglichkeit wäre eine flache Raute, wie sie es z.B. Red Bulls U18 praktiziert. Auch hier sind die Räume in der Mitte sehr besetzt, aber es gibt eine andere Möglichkeit Zugriff auf den Flügeln zu erzeugen und eine simplere Aufteilung in der Mitte beim Pressing des gegnerischen Aufbauspiels. Auch ein enges 4-3-3, Dreierkettenformationen (z.B. würde ein 3-3-2-2 sehr gut zum Leverkusener Pressing passen) oder ein simpleres 4-4-2 (wie schon im Spiel gegen Barcelona phasenweise genutzt)  wären vorstellbar.Prinzipiell am interessantesten könnte aber ein 4-1-2-2-1 sein.

Pressing im 4-1-2-2-1.

Pressing im 4-1-2-2-1.

Der Mittelstürmer kann das Spielaufbau auf eine Seite leiten, dahinter agieren wie auch zurzeit zwei Zehner, welche zusammen mit zwei Achtern die zentralen Räume versperren und im Pressing auf den Flügel herausrücken können. Ein Sechser wiederum sichert die Viererkette bei deren aggressivem Herausrückverhalten ab, kann sich situativ zurückfallen lassen oder eben die Pressingbewegungen der Achter und Zehner absichern.

Je nach Gegner wird dann die Personalwahl angepasst. Eine Idee wäre die Nutzung Brandts und Mehmedis hinter Chicharito, Kramer und Kampl als Achter vor Bender auf der Sechs und Bellarabi als Außenverteidigerpärchen mit Wendell.  Alternativ könnte Calhanoglu hier auf die Acht rücken, Kramer eine Ebene nach hinten und Bender zur Seite oder gar in die Innenverteidigung. In anderen Spielen wäre wiederum ein Trio aus Aranguiz, Kramer und Bender denkbar, wodurch Kampl nach vorne rücken kann. Im Coaching des Aufbauspiels könnte wieder über Verbindungen der Achter als Vertikallinie darauf geachtet werden, welche Spieler sich wann freilaufen; geht der Achter zur Seite, bleibt der Zehner, usw. usf.

So oder so: Die Möglichkeiten sind enorm. Ob und wie sich dies entwickelt, wird in den nächsten Wochen interessant zu verfolgen. Die Länderspielpause könnte gelegen kommen.

gottfriedfuchs 29. März 2016 um 03:42

Ein 3-4-3 würde ich auch bevorzugen, dazu die komplette Offensivaufstellung mit Chicharito Kiessling und Mehmedi vorn und dahinter Brandt, Calhanoglu,Kampl und Bellarabi und dahinter 3 Verteidiger.

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TobiT 29. März 2016 um 18:15

Für eine Schlussphase – wenn man ein Tor braucht – interessant, aber keine Aufstellung für ganze Spiele.
Dafür bräuchte man sehr viel mehr Ballbesitz (auf Bayern-Niveau) ohne schwächeres Pressing, eine mindestens genauso hohe Durchschlagskraft wie aktuell und die drei Verteidiger müssten sehr viele Konter einfangen können. Dazu fehlt dem Team entweder die Qualität oder die richtigen Spielertypen.

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Koom 29. März 2016 um 18:41

Ich vermute, diese Elf würde brachial ausgekontert werden. Kiessling und Calhanoglu sind nicht soo ballsicher, die ganze Leverkusener Elf ist derzeit vor allem zu hektisch und fahrig, um das notwendige Paßspiel aufzuziehen.

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Alex 25. März 2016 um 10:59

@RM
Die Analyse ist insgesamt gelungen.
Allerdings stimme ich nicht überein, was die Bewertung von Hakan Calhanoglu anbelangt, insbesondere für den Spielaufbau Leverkusens:
Er ist m.E. neben Kampl der einzige Spieler Leverkusens der durch seine enorme Spielübersicht und Passstärke überzeugt und so das Leverkusener Spiel ankurbelt.
Er ist, wie auch Roger Schmidt anmerkt, in der Lage komplexe Spielsituationen aufzulösen und seine Mitspieler auch unter Druck einzusetzen. Er spielte alleine in dieser Saison viele überragende Pässe aus dem Fußgelenk und überzeugt auch durch starke Ballan- und mitnahmen und ist zudem beidfüßig.
Dagegen hat mich Brandt diese Saison mehrfach- bis auf das letzte Spiel gegen schwache Stuttgarter- enttäuscht, dem bei seinen wenigen Einsätzen, die Bälle häufig versprungen sind und er sich sehr viele Fehlpässe leistete.

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FAB 24. März 2016 um 11:53

Ist tatsächlich schwer bei diesen sehr unterschiedlichen Spielertypen eine Mannschaften zusammenzustellen. Wie wäre es eigentlich mit einer 3er Kette?
Leno – Tah,Toprak,Papadopoulos – Bellarabi,Wendell – Bender – Calhanoglu,Brandt – Chicharito,Kampl
Auf dem rechten Flügel wäre Bellarabi, den man mit Calhanoglu auf der rechten 8 näher zusammenbringen könnte. Links wäre Wendell, der dann offensiver spielen könnte, Brandt halbrechts, der dann wieder mehr Platz im Zentrum hätte. Kampl hätte danach eine interessante Freirolle, könnte gegenpressen, taktische Löcher stopfen, auf dem Flügel das Spiel breit machen usw. Kiessling sehe ich in keiner Formation in der Stammelf, Kramer ist ja derzeit nur noch ein Schatten früherer Tage, wäre aber natürlich der Ersatz für Bender.

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TobiT 27. März 2016 um 14:37

Dreierkette fände ich auch sehr interessant.
Zum Beispiel so: http://lineupbuilder.com/?sk=sy91j
Im Kader fehlt ein starker RV, dafür hat man mit Bellarabi jemanden, der als Wingback passend erscheint. Links Wendell dann noch offensiver als bisher.
Im Mittelfeld könnte man durch weitere Asymetrien viele Spieler passend einbinden. Calhanoglu als linker 10/HS, Kampl als rechter 8/10, Aranguiz als 6/8 und Kramer bzw. Bender auf der 6.
Chicharito hätte vorne viel Bewegungsfreiheit und könnte viel aus dem Zentrum gefüttert werden.
In der Dreierkette würde ich auf Bender und Toprak als Halbverteidiger testen, die dann viel Verantwortung im Spielaufbau übernehmen. Tah als Abfangjäger/Libero zentral etwas tiefer.
Sollte Kramer sich nicht wieder steigern, rückt Bender auf die 6, Tah als Halbverteidiger und Papadopoulos kommt zentral rein.

Damit könnte man – glaube ich – den aktuellen Stil gegen den Ball sehr gut weiterverfolgen, da es viele zentrale Spieler und etwas mehr Absicherung durch 3/4 Spieler in erster Linie gäbe. Bellarabi und Wendell spielen ähnlich wie die AV aktuell, nur ohne den Zwang, ballfern so weit zurückfallen zu müssen. Chicharito und Calhanoglu laufen vorne an und werden vom ballnahen Wingback und 8er unterstützt. Der zweite 8er, 6er und der ballferne Wingback sichern die Mitte vor der Abwehr, die Abwehr schiebt kompakt zum Ball.
http://sharemytactics.com/63688/ Hier mal mit Ball beim linken IV:
Bellarabi verdeckt den LV. Chicharito läuft den LIV und verdeckt den RIV. Calhanoglu kann den RIV anlaufen oder die DMs decken. Kampl rückt auf Calhanoglus Position vor, wenn er den RIV anläuft, oder erzeugt Zugriff, wenn ein DM angespielt wird. Wendell, Aranguiz und Kramer sichern als diagonale Kette dahinter das Mittelfeld. Bender schiebt weit raus und etwas hoch, Tah und Toprak schieben nach. Bei Seitenwechseln schieben alle rüber und wechseln die Rolle mit ihrem Spielgelbild.

Gleichzeitig könnte man das Offensivspiel etwas anpassen indem man häufiger diagonal über die Halbverteidiger eröffnet und flach durchs überladene Zentrum spielt. Dies würde Bender dem Pressing entziehen ohne Zeitverlust beim Abkippen, sowie die Einbindung von Bellarabi und Calhanoglu in möglichst hohen Zonen am 16er ermöglichen. Außerdem können Bellarabi und Wendell im Konter/Umschaltmoment schneller für Breite sorgen bzw. bei Ballbesitz mit Chicharito die letzte Linie des Gegners beschäftigen und strecken.
http://sharemytactics.com/63689/
Chicharito besetzt die Schnittstellen der Abwehr. Wendell und Bellarabi schieben früh sehr hoch und geben Breite im letzten Drittel. Calhanoglu rückt neben Chicharito auf oder bietet sich zwischen den Linien an. Kampl kann sich am Aufbau beteiligen z.B. durch Bewegung in die Räume hinter Bellarabi, oder neben Calhanoglu in den 10er-Raum rücken um später Engen aufzulösen. Aranguiz und Kramer spielen als nach links versetzte Doppelsechs, aus der Kramer abkippen und Aranguiz vorstoßen können. Rechts entsteht Raum für Kampl oder Bender rückt aus der ersten Linie ins Mittelfeld auf. Toprak und Bender fächern generell sehr breit auf und können höhere Zonen andribbeln. Tah sichert dies ab und dient als kurze Anspielstation.

Mit dieser Besetzung lassen sich flexibel viele weitere Staffelungen herstellen: z.B.
ein 4-3-1-2: http://lineupbuilder.com/?sk=sy92t
ein 4-3-3: http://lineupbuilder.com/?sk=sy92g
das altbekannte 4-2-2-2: http://lineupbuilder.com/?sk=sy92h oder http://lineupbuilder.com/?sk=sy92v

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Dr. Acula 24. März 2016 um 09:34

Eine hier nicht genannte Problematik sind die Verletzten. Interessant vor dem Hintergrund, dass Schmidt (auch auf SV) immer als guter Musterbeispiel für die Periodisierung genannt wurde. Hat Schmidt womöglich zu viel Zeit mit Wenger verbracht?

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Bernhard 24. März 2016 um 12:45

Ich glaube ein Mitgrund für die hohe Verletzungsquote bei B04 liegt beim Abgang des Fitnesstrainers. Oder habe ich da die Vereine verwechselt?

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Schorsch 24. März 2016 um 15:06

Soweit ich weiß, ist Oliver Bartlett nach wie vor Co-Trainer Athletik bei B04. In der Diskussion um die Verletztenmisere beim BVB in den Nach-Meister-Jahren wurde der Fortgang Bartletts 2012 diverse Male als ein wesentlicher Grund benannt. Schmidt brachte ihn von RB Salzburg mit, wo man eine Saison sehr erfolgreich zusammengearbeitet hatte. In der Saison 14/15 wurde die geringe Verletztenrate bei B04 auch (und vor allem) darauf zurückgeführt, dass Bartlett als Co-Trainer einen starken Einfluss auf die Trainingsabläufe hat. Es gibt ein wie ich finde interessantes Interview mit ihm bei ’spox‘ (auch wenn spox vielleicht nicht den besten Ruf genießt), dass im Juni letzten Jahres geführt wurde. Legt man seine damals dort getroffenen Aussagen zugrunde, dann muss in der laufenden Saison hinsichtlich der Belastungssteuerung / Prävention so ziemlich alles schief gelaufen sein, was nur schieflaufen kann; einschließlich eigener gravierender Fehler. Oder wird das Thema am Ende doch überbewertet und gegen ‚Verletzungspech‘ ist doch kein Kraut gewachsen? Dies würde meinen Erfahrungen zuwiderlaufen und es widerstrebt mir auch ein wenig, dies anzunehmen. Aber gänzlich ausschließen in der Diskussion sollte man es vielleicht auch nicht.

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Edrik 24. März 2016 um 18:28

Wenn man sich ansieht, wer sich wann verletzt hat, würde ich Oliver Bartlett keinen Vorwurf machen wollen; den Teamärzten oder Schmidt hingegen schon: Aranguiz‘ Achillessehnenriss im 3. Training kann man wohl kaum verhindern (ob der sich manchmal wünscht, doch nach Leicester gewechselt zu sein?) und die Spieler, die am meisten gespielt haben, sind ja eigentlich nicht verletzt (Tah,Bellarabi, Wendell). Toprak, Papa und Bender haben sich jeweils kurz nach Rückkehr erneut verletzt; das wirkt nach schlechter Risikobewertung durch wen auch immer. Kießlings Probleme an der Hüfte sind wohl chronisch. Bleibt Kampl, bei dem ich unsicher bin, und Hilbert, der ja eine Schulterverletzung nach Zweikampf hat (kann kein Fitnesstrainer was machen). Boenisch hat kaum gespielt, da kann man auch nicht von Überlastung sprechen.

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Schorsch 24. März 2016 um 23:08

„Toprak, Papa und Bender haben sich jeweils kurz nach Rückkehr erneut verletzt; das wirkt nach schlechter Risikobewertung durch wen auch immer.“

Wenn man das erwähnte spox-Interview und die darin enthaltenen (von Bartlett selbst beschriebenen) Verantwortlichkeiten liest, wird man nicht umhin kommen, dass er hier involviert ist. Kießling und Hilbert mus man wohl in der Tat hier herausnehmen.

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HK 25. März 2016 um 13:30

Unabhängig was im Einzelfall jetzt passiert ist: Sind Papa und Bender nicht prinzipiell dauernd verletzt? Egal wer da gerade Trainer oder Arzt war.
Für mich die typischen Fälle von Profis deren Körper den Anforderungen offensichtlich nur bedingt standhalten.

Schorsch 25. März 2016 um 19:55

Was die Analyse mMn recht schwierig macht, sind die mitunter kaum zu ziehenden Abgrenzungen. Was beruht bei Verletzungen auf mangelnder oder falscher Prävention / Trainingsperiodisierung / Belastungssteuerung / Rehabilitation / etc., was auf unprofessionellem Verhalten des Spielers, was auf seiner präferierten Spielweise, was auf Gegnereinwirkung, was auf einer eventuellen Nichteignung für den Leistungssport, usw. ? Bricht mir ein Gegenspieler im Luftzweikampf mit einem Ellenbogenschlag das Nasenbein, dann ist die Sachlage klar. Bei Sehnen-, Muskel- oder Knorpelverletzungen sieht es da schon anders aus. Sven, der Zwillingsbruder von Lars Bender, ist so ein Fall. Seine Spielweise ist sehr ‚körperbetont‘, wie man früher so gerne sagte. Das birgt Risiken. Wer die harten Zweikämpfe nicht scheut oder sie sogar sucht in der Balleroberung, der bekommt absichtlich oder unabsichtlich per se eine Menge ab. Kann man so etwas austarieren? Bei Lars Bender habe ich den Eindruck, dass er in der Vergangenheit eher weniger verletzungsanfällig war. Ist man aber durch eine Fehlentscheidung / Fehlentwicklung im Rahmen der Behandlung einer Verletzung einmal auf dem falschen Gleis, fährt man nicht selten immer wieder im Kreis (zu früher Trainingsbeginn, zu früher Wettkampfeinsatz, etc.).


Mike the Knight 24. März 2016 um 07:27

Danke für den Artikel. Besonders interessant fand ich den Zusammenhang zwischen der Varianz der offensiven Spielertypen und dem Problem der Symmetrie der Leverkusener Spielweise. Es erscheint mir, dass Roger Schmidt sich viel zu sehr auf gewisse taktische Vorstellungen fokusiert und zu unflexibel auf die Stärken und Schwächen seiner Mannschaft reagiert.

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Max 24. März 2016 um 11:56

Vielleicht machst Du es dir ein wenig zu einfach. Zwischen der taktischen Idee, ihrer erfolgreichen Vermittlung und der gewinnbringenden Umsetzung gibt es viele Steine, die aus dem Weg geräumt werden müssen…

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Mike the Knight 24. März 2016 um 12:17

Das ist mir schon klar. Aber ich habe manchmal das Gefühl, dass RS die individuellen Fähigkeiten seiner Spieler manchmal zu wenig in sein Konzept einbindet.

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blue tomatoe 24. März 2016 um 12:30

Ich sehe das ähnlich wie Mike.
RM hat die unterschiedlichen Spielertypen ja sehr schön und detailliert beschrieben. Gerade diese Flexibilität würde mMn mehr Möglichkeiten bieten als dieses extreme, überfallartige Pressing, das oft auch einfach als „chaotisch“ bezeichnet wird.

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rodeoclown 24. März 2016 um 00:05

Wer mir eine Mannschaft nennt, zu der die Dunga-Raute nicht passt bekommt einen Keks.

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Calle 23. März 2016 um 22:41

interessanter Text
Danke dafür !
Zur Kreativität:
Ich hatte bei Leverkusen auch immer das Gefühl das die Spieler oft unterschiedliche Ideen hatten.
Die Ideen waren per see nicht schlecht aber man hatte nie dieselbe Idee dazu kam es dann auch immer zu unsauberen Anspielen, Bällen in den Rücken etc.

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