Algerien – Russland 1:1

In einem Duell mit einigen ungewöhnlichen Dynamiken durch zwei unterschiedliche, interessante Offensivausrichtungen reicht Algerien das Remis zum Weiterkommen.

Nach dem überzeugenden 4:2 gegen Südkorea behielten die Algerier ihre neue Ausrichtung bei, die in jener Partie den Erfolg gebracht hatte. So gab es erneut ein 4-2-3-1 mit Brahimi als Zehner zu sehen, der ansehnlich mit den Außenspielern Feghouli und Djabou sowie gelegentlich Slimani interagierte. Vor der Abwehr waren unverändert Medjani und Bentaleb aufgeboten, während in der Innenverteidigung als einziger personeller Wechsel der angeschlagene Bougherra durch Belkalem ersetzt werden musste.

alg-rusBei Russland kam Sturmroutinier Kerzhakov für den zuletzt auf der Linksaußenbahn eingesetzten Kanunnikov ins Team. Der spielstarke Angreifer sollte dabei die Offensivoptionen der bisher eher biederen Mannschaft erhöhen. Leicht hängend hinter Kokorin formierte er somit eine bewegliche Doppelspitze in einem 4-4-2/4-1-3-2 mit Samedov und Shatov auf den Flügeln sowie Fayzulin als offensiv immer wieder weit vorrückendem Sechser.

Russlands direkte Flügeleröffnungen gegen die Mannorientierungen

Eine Eigenheit des russischen Spiels lag schon zu Turnierbeginn darin, dass sie ihren alleinigen Sechser Glushakov im Aufbau häufig übergingen. Dies war auch in dieser Partie trotz der Umstellung auf eine Art Doppel-Sechs wieder zu beobachten. Weil die Algerier in ihrer auch defensiv 4-2-3-1-haften Grundformation mit Brahimi meistens mannorientiert gegen Glushakov agierten, zeigte diese russische Ausrichtung positive Wirkung und nahm dem Defensivmittel der Algerier somit die Effektivität. Stattdessen eröffnen Capellos Mannen sehr direkt über die Dribblings von Fayzulin, der sich gelegentlich weit zurückfallen ließ und dann aus den tiefen Halbräumen ankurbelnd agierte, oder vertikal am Flügel entlang. Dort gab es viele diagonale Wechsel zwischen den beiden Außenspielern, die füreinander oder für einen Kollegen den Halbraum aufziehen konnten. So bewegte sich meist einer der beiden Stürmer mit auf die Seite und unterstützte dort. Auch Fayzulin schaltete sich insbesondere links gerne zusätzlich am Flügel ein.

Daraus entstanden gegen die sehr mannorientierten Algerier immer wieder dynamische Freiraumangriffe über die Außenbahnen. Gelegentlich konnte sogar Glushakov mit nachstoßenden Läufen gegen diese Mannorientierungen eingesetzt werden – fast hätte er dadurch auch eine starke Abschlussgelegenheit gehabt. Auch dem frühen Führungstreffer des Teams ging ein schneller Angriff über die Außenbahn voraus, als über links der aufgerückte Kombarov für Kokorin flankte. Bezüglich dieser Szene muss man allerdings einschränken, dass der Vorbereiter viel Platz zum Aufrücken hatte, da sein Gegenspieler Feghouli wegen einer Kopfverletzung gerade außerhalb des Feldes behandelt wurde. In dieser russischen Spielweise war auf rechts der bisher oftmals wirkungslose Samedov etwas besser eingebunden und brachte vereinzelt Ablagen in die Spielzüge ein.

Zentrumsläufe ohne Zentrumsspiel

Ein weiterer Vorzug bestand für die Russen darin, dass sie das bisher kaum effektiv genutzte Mittelfeldzentrum – Glushakov blieb in den ersten Partien sehr zurückhaltend, während die Achter des 4-1-4-1 sich vor allem auf diagonale Durchstöße in den äußeren Halbräumen konzentrierten – auch diesmal nicht großartig beachten mussten, um gefährlich nach vorne zu kommen, sondern es sogar nominell weniger besetzen konnten. Dennoch entwickelte diese Zone im Verlauf der Partie eine gewisse Wichtigkeit. Die Wechselwirkung zwischen den algerischen Mannorientierungen und dem Flügeldrang der russischen Spieler führte dazu, dass die Nordafrikaner ihre Balance in diesen Zuordnungen verloren und sich von den druckvollen Gegnern oft ebenfalls sehr weit nach außen ziehen ließen. Immer wieder entstanden daher Stellungen, in denen das komplette Mittelfeldzentrum kurios offen war. Vereinzelt konnten russische Spieler wie der einrückende Shatov oder auch Glushakov diese Löcher anlaufen, wenn Algerien durch die eigenen Mechanismen zuvor auf die Seiten gelockt worden war.

alg-rus-freiraumlauf-zentral

Das wegen der algerischen Mannorientierungen (Kokorin drückt zusätzlich Medjani nach hinten) offene Mittelfeld kann von Shatov angelaufen werden. Dieser löst sich in Feghoulis Rücken, so dass dieser ihm erst spät folgt. Sein eigentlicher Gegenspieler wird vom aufrückenden Kombarov gebunden. So erhält Shatov den Ball von Fayzulin, läuft gegen die zurückweichende Abwehr bis 20 m vor das Tor, hat im rechten Halbraum dann aber in der Dynamik keine Optionen in Unterzahl. Er hätte höchstens nach rechts herauslegen können, wählt aber den knapp verzogenen Abschluss.

Folglich kamen die Russen auch durch das ansonsten wenig bespielte Zentrum zu ihren Möglichkeiten, wenn sie einzelne Spieler nach der Eröffnung über außen dort hineinschicken konnten und diese dann durch die verwaiste Zone hindurch liefen. Problematisch war allerdings, dass sie nach diesem einfachen Vorrücken die Szenen dann etwas zu hektisch und strukturell einfach ausspielten. Das lag zum Teil an ungünstiger Entscheidungsfindung und einer gewissen Ungewöhnlichkeit in der Art, wie die Aktionen zustande kamen, war andererseits aber auch durch die Anlage der Angriffe selbst bedingt.

Die Schwierigkeit, lange Einzelvorstöße anzubinden

Die besonderen Dynamiken solcher vorlaufenden Szenen machen ihr Abschließen ein wenig schwierig, da sich ein einzelner Akteur nach einem langen, weiträumigen, eher unbedrängten Vorstoß ohne jede Interaktion auf einmal der klaren Abwehrkette gegenüber sieht und somit schnell für die richtige Weiterführung sorgen muss. Abschluss oder Fortsetzen des Dribblings sind schwierig – das Zusammenspiel mit den Kollegen auch, da meistens nur wenige von ihnen mit aufgerückt sind und diese sehr plötzlich in Kontakt treten müssen ohne ihren Mitspieler bei dessen Lauf begleitet zu haben.

Ballschleppen als schnelles Aufrücken mit dynamischer Anbindung ist schwieriger als Ballschleppen in eine aufgerückte Stellung hinein, bei der man das Leder geduldig abliefern kann. Auch die Russen litten in dieser Partie darunter – den einzelnen Freiläufen fehlten, an der letzten Linie angekommen, meist die Optionen, weil immer nur oder zwei Kollegen anspielbar waren. Durch die Übersichtlichkeit der Situation und wegen der Vorbereitungszeit für die Abwehrkette konnten diese oft nur sehr vorhersehbare Aktionen wie simples Ausweichen oder typische diagonale Kreuzbewegungen starten (siehe in gewisser Weise auch obige Szenengrafik). Es war diese Kehrseite der russischen Spielweise, die ein durchschlagenderes Bestrafen der schwachen algerischen Mannorientierungen verhinderte.

Russland presst erst gut, lässt dann aber schnell nach…

Gegen den Ball stellten sich die Russen in ihrer 4-4-2-Pressingformationen zurückhaltend auf und definierten sich entscheidend über die wirksame Arbeit ihrer beiden Stürmer. Diese bewegten sich meistens leicht vor den gegnerischen Sechsern und verschoben bei Ballzirkulation in der algerischen Abwehrreihe versetzt zueinander. Wie es auch schon Borussia Dortmund oder Mainz 05 taten, rückte der jeweils ballferne Akteur etwas nach hinten und orientierte sich klarer am dortigen Sechser, den er zustellen sollte. Häufig gelang es Kerzhakov und Kokorin damit gerade in der Anfangsphase, sowohl Medjani als auch Bentaleb in ihrem Rücken im Deckungsschatten zu halten und schwer anspielbar zu machen. Vereinzelt rückte auch Glushakov noch unterstützend mannorientiert heraus, um in problematischen Szenen Druck zu machen.

Beispiel Mainz gegen Bayern 2013: Die Logik des versetzten 4-4-2-Pressings, wie es die Russen zu Anfang dieser Partie nutzten (zum Vergrößern klicken).

So blieben für Algerien vorerst nur ungenaue lange Bälle oder direkte Zuspiele auf Brahimi, der vor der eher tiefstehenden russischen Abwehrkette etwas Raum fand, aber meist von einem Sechser eng verfolgt wurde und sich dann höchstens anspruchsvoll individuell lösen konnte, da in den Übergangszonen noch keine guten Verbindungen vorhanden waren. Als die Disziplin des russischen Pressings nach einiger Zeit allerdings nachließ, weil die Stürmer ihre Arbeit gegen den Ball weniger sorgfältig ausführten, gab es vermehrt Lücken, so dass Algerien einfacher eröffnen konnte und zunehmend ins Spiel kam. Dass Medjani und vor allem Bentaleb auf links ihre leicht herausschiebenden Bewegungen etwas balancierter durchführten und dadurch das russische Pressing in Freiräumen einige Male hatten auflösen können, kam als unterstützender Faktor hinzu.

…und Algeriens Kombinationsakteure kommen ins Spiel

Dieses Herausweichen war nun auch in der folgenden Phase ein wichtiger Bestandteil in der Spieldynamik bei algerischem Aufbau. Die Russen versuchten dagegen eine tiefere, 4-4-1-1-haftere Ausrichtung, in der Kokorin sich leicht am herausgeschobenen Bentaleb orientierte und diesen diagonal ein wenig abzuschirmen versuchte, was allerdings wegen der fehlenden kollektiven Anpassung der zwei Viererketten nicht wirklich gelang. Letztlich konnten die Algerier über vertikales Spiel ins letzte Drittel dann immer wieder ihre kleinräumigen Überladungen um die enorm spielstarken Brahimi und Feghouli einsetzen. Beide bewegten sich vor allem auf der starken halblinken Seite, um dort mit Djabou, Slimani und gelegentlich dem aufrückenden Mesbah zu kombinieren.

Weil die russischen Sechser nach dem Zurückziehen teilweise zu positionsorientiert agierten und dadurch in erster Instanz nicht so effektiven Zugriff auf dieses Halbraumzusammenspiel hatten, konnten die Algerier ihre Szenen recht einfach einleiten. Wegen der sehr unangenehmer Mischung aus aktiven Abwehrspielern, die bei Capellos Mannen teilweise extrem weit mannorientiert herausrückten, und den bei zunehmender Tornähe immer passiver werdenden Mittelfeldakteuren bei insgesamt gutem Zusammenziehen brachten sie diese sehr ansehnlichen Kombinationsansätze aber letztlich nicht ganz durch. Immerhin funktionierte durch die Nähe der kombinativen Akteure und die anpassenden Bewegungen der hinteren Reihen ihr Gegenpressing weitgehend ordentlich, wenngleich es nicht ganz so stark war wie in den beiden ersten Gruppenpartien, als es ganz besonders hatte überzeugen können.

alg-rus-kombi-brahimi

Algerische Engekombination über Brahimi, der hier den Ball nach Doppelpass mit dem zurückfallenden Slimani zurückerhält. In der ungeordneten Situation kann er auf Mesbah im kleinen Freiraum durchstecken, der aber ungünstig steht und unter Bedrängnis nur schwach genau auf Akinfeev schießen kann.

Zweite Halbzeit

Nach der Pause spielten die Russen ihre Freiraumangriffe wieder gezielter und konsequenter aus, was nach einem schönen Zusammenspiel das schnelle 0:2 durch Samedov hätte bedeuten können. Doch stattdessen fiel nach einer Stunde der Ausgleich nach einer Standardsituation, als sich die algerischen Bemühungen gerade ein wenig erschöpft hatten und von den etwas kompakteren Russen zunehmend kontrolliert wurden. Dies setzten außerdem auf vereinzelte Mannorientierungen gegen die Kombinationsspieler – der für Glushakov eingewechselte Denisov orientierte sich an Brahimi, während Fayzulin situativ das Einrücken Feghoulis übernahm. In ihrer Offensivstruktur suchten die Algerier nun vermehrt auch die Breite, was diese Zuordnungen aufhebeln und für klarere Durchbrüche sorgen sollte, doch wählten sie die Situationen für solche Stellungen meistens schlecht. Daher mussten sie im Angriffsdrittel nun häufig über Einzelaktionen oder improvisierte Pärchenbildungen kommen – immerhin zogen sie dadurch einige Fouls, wie beim Freistoß vor dem letztlich entscheidenden Ausgleichstor.

Nach diesem Treffer entschärften die Algerier ihre Mannorientierungen entscheidend, konnten das Zentrum somit besser besetzten und waren nicht mehr ganz so anfällig gegen das Spiel in Freiräume. Auch das schon vor der Pause vereinzelt angewandte,  nun ein wenig häufiger genutzte Aufrücken in ein höheres 4-4-2-Pressing war wirkungsvoller als die Spielweise des ersten Durchgangs. Allerdings fanden sie noch nicht die richtige Balance, so dass auch ihr stärker raumorientierter Ansatz noch Lücken bot. Trotz dieser erhöhten Kompaktheit kamen die Russen somit das eine oder andere Mal über gute Pärchenbildungen von Flügelspielern und Stürmern in die Zwischenräume – wie bei Kerzhakovs Schusschance. Anfangs spielten sie dies zielstrebig und klar aus, doch mit der Zeit hatten sie immer mehr Rhythmusprobleme und trafen nach guten Ansätzen dann im Bereich der letzten Linie oft schlechte Entscheidungen, die die Szenen vernichteten.

Für die letzten Minuten brachte Algerien Hassan Yebda als defensivere Variante für Zehner Brahimi, was ein 4-1-4-1 mit vielen vereinzelten Mannorientierungen oder gar ein breites 4-5-1 gegen die später simpler werdenden russischen Flügelangriffe bedeutete. Dagegen hatte Capello mit seinen Wechseln nicht so viel Erfolg – Dzagoev war eine gute Option, doch musste dafür der antreibende und dynamische Shatov weichen, während der für den ausgelaugten Kerzhakov gebrachte Kanunnikov mit seinem soliden Flügelspiel nichts Entscheidendes mehr bewegen konnte.

Fazit

Auch wenn die Russen in einer weitgehend ausgeglichenen Partie leichte Vorteile verbuchen konnten, erreicht Algerien mit diesem nicht unverdienten Punkt das Achtelfinale. Zwar steigerte sich das Team von Fabio Capello diesmal, doch haben sie ein mögliches Weiterkommen vor allem durch ihre zu biedere, standardisierte und gewöhnliche Ausrichtung in den ersten zwei Partien vergeben. In diesem Match konnten sie mit ihren Freiraumangriffen und ihren schnellen Attacken über die Flügel die Schwächen der mannorientierten Defensive Algeriens mehrmals offenlegen, verpassten es aber dann, in der ersten Halbzeit oder zu Beginn des zweiten Durchgangs die Führung auszubauen – Möglichkeiten waren vorhanden. Die Algerier überzeugten mit ihrem kombinativen Zusammenspiel über Brahimi und Feghouli, erzielten den Ausgleich aber ausgerechnet in ihrer spielerisch schwächsten Phase. Anschließend richteten sie sich defensiv dann kompakter und tiefer aus als zuvor, so dass sie das Remis halten konnten.

Nun treffen die Nordafrikaner im Achtelfinale auf die deutsche Mannschaft. Das Team von Joachim Löw erwartet ein mittlerweile doch recht eigenwilliger und daher unangenehmer Gegner, der aber ebenso klare Schwächen aufweist. Auch wenn die Probleme der algerischen Mannorientierungen in dieser Partie durch die sehr bewegungs- und flügellastige Ausrichtung der Russen besonders betont wurden, sind sie gegen gezieltes Freiraumspiel anfällig. Wenn man sich nicht von ihrem normalerweise unangenehmen Rhythmus in diesen Zuordnungen befangen lässt, sondern druckvoll das eigene Spiel durchdrückt und offene Lücken oder Zwischenräume nicht durch schlechte Staffelungen verschenkt, könnte sich die klare Angelegenheit, die die Papierform nahelegt, auch auf dem Platz zeigen. Keinesfalls unterschätzen soll man bei diesem Duell die starken Kombinationen Algeriens über Brahimi und Feghouli, die für Deutschland die größte Gefahr darstellen dürften.

Weitere Informationen zu Algerien enthält auch die Analyse zu ihrem Sieg gegen Südkorea, die wir noch nachreichen werden.

JackLondon 28. Juni 2014 um 15:35

Hat zwar nix mit dem Spiel zu tun, aber irgendwo muss ich ja fragen: wird es eine Zwischenbilanz nach der Vorrunde geben? Und dazu vllt. einen kurzen Ausblick auf die KO-Spiele?
Merci für die Aufmerksamkeit!

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Mi 28. Juni 2014 um 01:33

Was bringt mir die versetzte Raute? Somit erzeuge ich doch nur die selbe Situation (der andere IV hat dann den Ball) und laufe mich kaputt. Wäre es nicht besser dann van Buyten durch Anlaufen so zum Vorwärtsspiel zu forcieren und kein Querpass mehr möglich ist und der Druck verpufft? Voraussetzung ist dann natürlich, dass der Rest von Bayern auf van Buytens Seite mannorientiert verfolgt wird.

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Bob 28. Juni 2014 um 14:47

Wenn man auch noch den anderen IV deckt, öffnen sich durch den fehlenden Mann der vorne benötigt wird um ihn zu decken, mehr Freiräume im Offensivspiel für das ballführende Team. Dadurch, dass der Gegner die Anspielstation hat lässt man ihn mit dem Ball halt zwischen den beiden IV’s passen. Allerdings werden sie irgendwann nach vorne spielen wollen, wo man dann durch das kompakte Pressing und die Manndeckungen einen Vorteil beim Versuch der Ballgewinnung hat. Insofern gefällt mir diese Pressingraute sehr gut.

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woody10 27. Juni 2014 um 23:26

sehr schöne Analyse!

das Spiel hatte durchaus interessante Elemente wie ich finde und diese sind in der Analyse sehr schön beschrieben.
Bei den Russen hätte ich gerne eine konstantere, zentralere Positionierung Shatovs gesehen. Freiraumangriffe nach seinem Einrücken waren ja (mit) die gefährlichsten Angriffe der Russen.
Wenn er sich zunächst breiter positionierte, wurde er ja von Mandi mannorientiert verfolgt, die Angriffe bekamen keine Dynamik und verpufften. Wenn er sich aber von seiner Ausgangsposition schon tiefer und/oder zentraler im Dunstkreis von Feghouli/hinter Brahimi positionierte, konnte er immer wieder Gefahr initiieren. Mandi stand in diesen Situationen da und wusste nicht mehr weiter.
Kerzhakovs Ausweichen fand ich zwar vom Prinzip her gut, aber mir wählte er zu oft die falsche Seite, auf die er auswich (v.a. in HZ 1) und war generell zu sehr auf das Ausweichen fokussiert. Ist halt kein Benze, was soll´s.

Auch bei Algerien fand ich das Bewegungsspiel des Mittelstürmers nicht so gut.
Recht gut hat mir bei ALG die Nutzung der defensiven Halbräume im Aufbauspiel gefallen. Brahimi und Feghouli Kombos sahen zwar recht vielversprechend aus (interessant war auch das „Weiterwandern“ bezüglich der verschiedenen Kombinationszonen), finde aber, dass sie noch besser sein könnten. Mir würde ein grundsätzlicher Wechsel der Grundpositionen von Brahimi und Feghouli gefallen, da er die Anschlussaktionen erleichtern könnte. Brahimi ist für mich kein klassischer Zentrumsdribbler, im Zentrum ist seine Entscheidungsfindung nicht optimal. Er kommt für mich eher „von außen hinein“, wenn seine Grundposition außen wäre und er dann nach innen kreuzt, könnte er sich auf meist recht ähnliche Strukturen einstellen und dann ein Spektrum schaffen, um in diesen Situationen den richtigen Weg zu finden. Feghouli könnte als nomineller Zentrumsspieler mit klaren Läufen in seinen Grundraum nach außen hinter dem mannorientiert verfolgenden AV kommen und recht einfach hinter die Kette kommen.
Djabou fand ich nicht wirklich gut eingebunden und auch individuell zeigte er mMn keine so gute Leistung, wobei es auch schwierig ist aus einer leicht eingerückten Position nahe des Strafraumecks per Halbraumverlagerung angespielt zu werden und dann als Linksfüßer gegen die Verschiebebewegung der Abwehr, ohne viel Raum und Zeit, gute Anschlussaktionen zu starten. Das kann nur di Maria und nicht mal der kann das konstant, wobei er sich da immer weiter verbessert.

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woody10 27. Juni 2014 um 23:31

Ach ja, weiß wer, warum sich Belkalem im Aufbauspiel so weit abdrängen ließ. Auffächern ist ja schön und gut, aber seine eigenen Passmöglichkeiten derart einzuschränken ist nicht so toll

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Willibert 27. Juni 2014 um 22:22

Ich meine, Fussball ist zwar ein Mannschaftsspiel, aber das Tor macht halt immer nur „Einer“. mMn wird es bei unserer N11 manchmal etwas übertrieben mit dem Suchen des besser postierten Mitspielers. Wenn du die Chance siehst, das Tor zu machen, darfst du nicht lange überlegen, sonst ist mal wieder ein Bein dazwischen und die Chance ist dahin, und kommt nicht wieder…..

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sappydharma 27. Juni 2014 um 18:30

Die Algerier haben das Weiterkommen auch ihrem starken Tormann zu verdanken- einer der besten den ich zuletzt bei einem afrikanischen Team gesehen habe. Ihr Problem war am Ende auch, dass sie den Ball kaum halten konnten. Wie sich das gegen Deutschland ausgehen soll weiß ich aber auch nicht. Schade, Nigeria und Algerien werden sich im af vertschüssen und das war es wieder mal mit Afrika. Algerien wurde vorher als das schwächste afrikansiche Team angesehen, weil sie aus Nordafrika kommen, aber da haben sie einige eines besseren belehrt. Interessant wie viele gute Trainer das kleine Land Bosnien hervorbringt.

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air force 1 27. Juni 2014 um 16:25

Der Einzige auf absolutem Topniveau in dieser Partie war Cakir und sein Team.
2 Einätze ( BRA – MEX und eben RUS- ALG ) und zwei Leistungen auf Merk Niveau.
So empfiehlt man sich für das Finale. Würde mich freuen wenn der Türke ein eventuelles VF GER- FRA oder auch HF BRA- GER leiten würde.

Damit war das Schiri Gespann jedoch das Einzige was internationales Top Niveau hatte. RUS und ALG sind internationaler Durchschnitt.

RUS ohne wirklich kreative Ideen. ALG Zweikampf- und Laufstark genug um die Russen in Schach zu halten.

Warum Capello den Kreativspieler Dzagoev so wenig eingesetzt hat weiß wohl nur er selber. Ohne Dzagoev wirkte das Spiel der Russen einfallslos und statisch.

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sappydharma 27. Juni 2014 um 18:20

dass Algerien in der ersten Halbzeit ein klarer Elfer verwährt wurde ist dir bewusst?

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Willibert 27. Juni 2014 um 18:38

Daß Russland ein klarer Elfmeter gegen Belgien verweigert wurde, und das Akinfejew vor dem Tor durch einen Laserpointer geblendet wurde, ist dir wohl auch bewusst !

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sappydharma 27. Juni 2014 um 20:58

Mein Kommentar bezog sich auf die angeblich so gute Schiedsrichterleistung und nicht darauf, dass Algerien benachteiligt wurde. Den Laserpointer habe ich auch gesehen wobei der Ösi-Schiedsrichterexperte Steiner gemeint hat dass er in der Aktion des Torhüters gesehen habe dass er voll fokussiert war und sich nichts anmerken ließ.

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nougat 27. Juni 2014 um 22:01

„RUS und ALG sind internationaler Durchschnitt. “

wird man das von deutschland auch sagen, wenn es gegen algerien rausfliegen sollte ?

jede, wirklich jede mannschaft hat das zeug den pott zu holen, wenn sie über sich hinauswächst !

wenn deutschland sich tausendmal den ball um die nase spielt, bis es zum abschluss kommt, dann möchte ich nicht wissen, was passiert, wenn man früh – egal gegen wen – in rückstand gerät und diesem rückstand hinterherlaufen muss.

man sollte algerien wirklich auf der rechnung haben.
wenn man schon bis zum viertelfinale denkt, kann es eine sehr sehr böse überraschung geben, und dann kann man nicht mal jogi einen vorwurf machen, denn der stellt nur auf.
das team muss sich aber auch als team begreifen, wo jeder sich für den anderen den allerwertesten aufreißt. das sehe ich leider nicht bei allen beteiligten.
man wird aber darüber reden, mit sicherheit – nach der wm…

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sappydharma 27. Juni 2014 um 22:43

und wer reißt sich deiner meinung nach nicht seinen a…für deutschland auf?

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mh 27. Juni 2014 um 15:12

Das Achtelfinale wird m.E. im Mittelfeld entschieden werden. Mit einer ähnlichen Rotation des Dreierblocks der Deutschen wie gestern dürften die Algerier mit ihrer eher statischen Positionierung durchaus Probleme bekommen…

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tomci 27. Juni 2014 um 15:55

War Ghana nicht ähnlich konservativ in ihrer defensiven Positionierung? Jedenfalls haben die das durch schiere Laufbereitschaft und Physis im Verlauf des kraftraubenden Spiels immer lockerer wettgemacht =/ Zitat aus CEs Artikel in SV: „Während in der Anfangsphase noch die Grundkompaktheit im Zentrum fehlte, verbesserte sich Ghana beim Übergeben im Pressing nach den ersten Minuten zunehmend.“

Außerdem könnte natürlich auch folgendes Zitat gegen die flinken Algerier (gegen unsere hochstehenden 4 IVer) wiederkehren: „Hinzu kam die Anfälligkeit gegen ghanaische Umschaltangriffe. Die hohe Viererkette der Deutschen lud natürlich zu Tiefensprints an der Abseitsgrenze ein. Die Falle klappte meistens. In der 43. Minute wurde aber fälschlicherweise auf Abseits entschieden.“

Wird bestimmt wieder n ganz schöner Ritt =)

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nougat 27. Juni 2014 um 22:05

„Wird bestimmt wieder n ganz schöner Ritt =) “

die werden sich zerreissen und alles, wirklich alles versuchen, um uns in die suppe zu spucken.
algerien ist keine mannschaft, die man im vorbeigehen schlägt – vor allem jetzt, in diesem zustand. deutschland sollte das wissen…

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tomci 28. Juni 2014 um 09:26

Ross Dunbar meint, die Unsicherheit bei hohen Bällen, dabei vor allem auch zweiten Bällen, wäre die Hauptschwäche der Algerier bis jetzt: http://english.alarabiya.net/en/sports/2014/06/27/Desert-Warriors-make-World-Cup-history-in-Brazil.html Deutschland hat da bei Standards das nötige Gift parat. Es besteht nur aus dem Spiel heraus das Abnehmerproblem bei den doch recht häufig auch gelungenen Flanken. Evtl. sehen wir gegen ALG einen NOCH abenteuerlustigeren Khedira (oder Schweinsteiger) als gegen Ghana in den Strafraum sprinten um unsere Lufthoheit auch in der Phase ohne Klose vorne herzustellen? Oder evtl. erhöhte Einsatzchancen für Podolski und Schürrle? Mein Tipp ist ja leider, dass es auch bedeuten wird, dass Höwedes wieder seine Vorstöße wagen wird =/

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