FSV Mainz 05 – Schalke 04 2:4

Der FC Schalke 04 dreht das Spiel gegen den FSV Mainz 05 und gewinnt 4:2. Rangnicks Wechsel in der Halbzeit machen den Unterschied.

Ralf Rangnick musste nach der 0:2 Niederlage in Helsinki reagieren. Gerade auf den Außenpositionen hat er seine Stammformation noch nicht gefunden, so dass es dort erneut Wechsel gab. Diesmal fingen offensiv Jurado auf links und Moravek auf rechts an, hinter ihnen spielten der Ex-Mainzer Fuchs und der junge Höger.

Schalkes Spiel über die Außen

Schon gegen Köln und Helsinki fiel die hohe Zahl an Flanken im Schalker Spiel auf. Auch gegen Mainz suchten sie das Heil über die Außen. Holtby war im Zentrum die Schaltzentrale, der die Bälle auf die Außenspieler verteilen sollte. Papadopoulos Rolle war gar rein defensiv, er war im Aufbauspiel kaum eingebunden (die viertwenigsten Ballkontake in Hälfte eins).

Dieses Spiel funktioniert allerdings in dem Moment nicht mehr, in dem die Außenspieler nicht miteinander harmonieren. Die rechte Seite mit Höger und Moravek fand überhaupt nicht ins Spiel, nur wenige Bälle kamen hierhin. Anders sah es auf der linken Flanke aus, doch hier hatten Jurado und auch Fuchs in der ersten Halbzeit arge Probleme mit ihren Gegenspielern. Von Jurado kamen zu wenige Flanken, so dass  auch er nicht zum konstruktiven Angriffsspiel beitrug.

Die Stürmer Huntelaar und der etwas zurückhängende Raul fanden so nicht ins Spiel und musste sich zurückfallen lassen, um überhaupt an Bälle zu kommen. Noch ärmer dran war Holtby: Wenn er in der Mitte den Ball bekam, kamen von den Außen keine Spieler zu ihm, um ihn zu unterstützen. So fand er zu selten eine Anspielstation und war viel zu oft auf sich allein gestellt.

Mainz geht früh in Führung

Mainz hatte daher kaum Probleme, die gegnerischen Angriffsversuche zu verteidigen. Sie mussten gar nicht einmal auf ihr berühmtes Angriffspressing zurückgreifen – es genügte, die Außen zu isolieren und den Weg zur Mitte zuzustellen. So konterte ihr defensives 4-4-1-1 mit einfachsten Mitteln die Schalker Offensivgefahr.

Nach vorne versuchten die Mainzer, mit schnellen Tempowechseln Chancen zu kreieren. Sowohl dem Freistoß vor dem 0:1 als auch Polanskis Schuss vor dem 0:2, den Fährmann nur klatschen ließ, ging ein energisches Tempodribbling voraus. Solche Antritte sah man bei den Schalkern in der ersten Halbzeit zu selten, weshalb die Mainzer spritziger und lebendiger wirkten.

Nach der frühen 2:0 Führung konnten die Mainzer die Schalker kommen lassen. Geschickt verzögerten sie ihr Aufbauspiel mit Quer- und Rückpässen, um die Schalker aus ihrer Ordnung herauszulocken. Mit langen Bällen versuchten sie daraufhin, die entstehenden Lücken auszunutzen. Aus solchen Situationen kreierten sie allerdings zu wenige Torchancen. Zu oft bissen Allagui und Ivanschitz sich in Eins gegen Eins Situationen fest, anstatt den Ball abzuspielen. So verflachte das Spiel ab der 20. Minute. Mainz hätte in dieser Phase ein wenig mehr Tempo gut getan, denn Schalke war bis zur Halbzeitpause auf jeden Fall verwundbar.

Taktische Aufstellungen ab der 65. Minute

Die Leistung der Königsblauen in der ersten Halbzeit war enttäuschend. Ralf Rangnick reagierte und wechselte Farfan (für Moravek) und Draxler (für Jurado) ein. Tuchel wechselte ebenfalls, er brachte den schnellen Choupo-Moting (für Risse) als Konterstürmer auf die linke Außenbahn, Stieber wechselte auf rechts.

Diese Wechsel veränderten das Spiel komplett. Dabei waren alle Wechsel relativ positionsbezogen und änderten an den Systemen der Teams zunächst nichts. Bei Schalke lässt sich der positive Effekt der Wechsel einfach dadurch erklären, dass Farfan und Draxler wesentlich bessere Leistungen zeigten als ihre Vorgänger. Schon ein kurzer Blick auf die Statistik verdeutlicht dies: Farfan und Draxler schlugen beide zusammen 11 Flanken – Moravek und Jurado gerade einmal vier in Hälfte eins.

Besonders Farfan tat dem Spiel der Gäste gut. Er suchte 1:1-Situationen, spielte tolle Doppelpässe mit Höger und half – wie auch Draxler – Holtby in der Mitte. Zudem war die Einwechslung Choupo-Motings auf die linke Seite ein Fehler, denn er kam defensiv zu keiner Zeit mit Höger und Farfan klar. Bis zur 65. Minute fand Schalkes Offensivspiel daher fast durchweg über die rechte Seite statt.

Taktische Aufstellungen ab der 80. Minute

Schalke kam schnell zum Ausgleich. Das erste Tor fiel nach einem schönen Dribbling von Holtby durch die Mitte, das der nach innen gezogene Draxler gut einleitete und Huntelaar abschloss (57.). Den Ausgleichstreffer erzielte Höwedes nach einem Eckball, den Farfan mit einer Flanke herausholte (64.).

Das Spiel hatte sich gedreht, und nun war Thomas Tuchel derjenige, der reagieren musste. Er brachte Kirchhoff (61., für Stieber) und zog Soto nach links, was Farfan zunächst etwas aus dem Spiel nahm. Zudem war Choupo-Moting in der offensiveren Rolle besser aufgehoben. Die Änderungen griffen: Obwohl das Momentum auf der Seite von Schalke war, fand Mainz zurück ins Spiel. Sie umgingen das nun weit in der gegnerischen Hälfte stattfindende Pressing der stürmenden Schalker geschickt und schafften es, zwei riesige Chancen herauszuspielen (Allagui in der 67., Polanskis Pfostenschuss in der 75.).

Dies war offensichtlich der Ansporn für Tuchel, auf Sieg zu spielen und einen weiteren Offensivmann zu bringen. Die Einwechslung von Sliskovic (79.) veränderte das System zu einem Mix aus 4-3-3 und 4-2-3-1 und sorgte dafür, dass nunmehr vier offensive Akteure auf dem Feld standen. Für Schalke eröffnete dieser Wechsel Räume, die sie auszunutzen wussten. Für das 2:3 benötigten sie einen Eckstoß, den Mainz abermals schlecht verteidigte (82.). Das finale 2:4 besorgte Fuchs durch einen Freistoß, den Farfan zuvor rausholte (90.).

Fazit

Rangnick gebührt Lob für seine Einwechslungen. Allerdings muss man kritisch anmerken, dass die Wechsel auf Außen das System nicht veränderten. Einzige taktische Änderung war die größere Unterstützung für Holtby in der Zentrale. Farfan und Draxler waren von ihrer Form her schlichtweg die bessere Wahl im Vergleich zu Moravek und Jurado. So richtig und gut Rangnicks Einwechslungen waren, so schlecht agierte seine Anfangsformation. 45 Minuten lang darbte das Offensivspiel des FC Schalkes – unnötig, wie die zweite Hälfte zeigte.

Während sein Gegenüber bei den Einwechslungen alles richtig machte, waren die personellen Veränderungen bei Thomas Tuchel an diesem Nachmittag die Achillesverse. Die Wahl, Choupo-Moting zunächst gegen Höger und Farfan spielen zu lassen, war der erste Fehler, die allzu forsche Einwechslung von Sliskovic war ebenso ein Fehlgriff. Zudem zeigten die Mainzer ein schwaches Verhalten bei Eckbällen. So mussten sie trotz einer komfortabel wirkenden 2:0-Pausenführung ihre erste Niederlage in dieser Saison hinnehmen.

Kroos39 22. August 2011 um 12:30

Guter Artikel!

Ich finde das System von Schalke furchtbar. Papadopoulus spielt viel zu tief, er ist praktisch ein vorgezogener IV. Raul spielt zu hoch und Holtby ist deshalb der einzige Spieler im Zentralen Mittelfeld und auf die Unterstützung der Außen angewiesen.. Man könnte Schalkes System fast schon als ein modifiziertes 5-3-2 bezeichnen.

Ich sage einfach mal, dass Schalke mit diesem System ständig Probleme haben wird.

Antworten

Paul 22. August 2011 um 13:58

Naja aber es ist natürlich nicht die Stammformation. Papa spielt normalerweise IV, Matip auf der 6. In der Spieleröffnung ist er ihm überlegen.

Aber Papa-Bene war in den letzten Spielen keine Bank. Obwohl er zu langsam ist, bringt Metze wohl ein wenig Sicherheit in die Defensive. Oder weil Metze so langsam ist, steht sie dann immer tiefer?

Aber natürlich muss Raul mit in die Spitze kommen, um seine Torgefährlichkeit auszuspielen.

Antworten

Juve experte 22. August 2011 um 11:32

Ich kann das system
Von r r nicht ganz nachvollziehen ein 4 3 3 waere bei dem kader von s04 deutlich sinnvoller, so koennten im mittelfeld zusammem mit jurado auf die 6 vobei jurado den offensiveren part übernehmen wuerde, davor holtby auf der 10 und ueber aussen farfan und raul, dass raul da spielen kann hat er einige male in der letzten saison eindrucksvoll unter beweis gestellt, mit seiner technik, laufarbeit und willen waeren diese drei ( hunter, farfan und raul ) davorn baerenstark, dazu marica, gavranovic und draxler als starke back ups.
Fazit rr entzieht schalke mit diesem system schalke sein potenzial, mit dem sie in die cl kommen koennten.

Antworten

Philipp1234 22. August 2011 um 10:48

Schönes Spiel. Endlich ist Farfan wieder da!!
Ist der Unterschied zwischen einem 4-1-4-1 und einem 4-1-3-2 denn so groß? Raul hat doch wieder recht hängend gespielt.

Hmm… Jurado ist einfach kein Außenspieler, gehört m.M.n. auf die Doppelsechs. Wenn da nur nicht die gelegentlichen Unkonzentriertheiten wären, wie Fehlpässe… Aber Holtby gehört auch nicht auf die Außenbahn.

Die beiden vielleicht auf der 8 in einem 4-3-3 und dann Raul (naja schneller wäre sicher Marica) als linker Außenstürmer?

Antworten

HW 22. August 2011 um 15:25

Oder Raul als false 9 im 4-3-3 mit Farfan und Huntelar außen.

Totti hat ja mal sowas gespielt. Wie ein Spielmacher und die Außen stoßen ins Zentrum.

Ich will mich lieber nicht in diesen taktischen Spielchen verlieren. Rangnick scheint ja eine Lösung gefunden zu haben.

Antworten

HW 21. August 2011 um 21:49

Ich bin über Rangnicks 4-1-3-2 etwas überrascht. Das ist ein sehr risikoreiches System, besonders wenn die Außenverteidiger dazu noch offensiv spielen.
Der defensive Mittelfeldspieler muss sich ums Zentrum kümmern, kann also nicht für einen Außenverteidiger absichern oder mit ihm doppeln.
Für mich ist das ein System, dass sehr gut abgestimmt sein muss und in dem die drei offensiven Mittelfeldspieler keinen schlechten Tag haben dürfen, weil sonst die Defensive allein gelassen wird.

Antworten

Datschge 21. August 2011 um 23:16

Er will offensichtlich das System beibehalten und merkt gerade, dass das nicht mit allen Spielern funktioniert. Hätte nach Helsinki sowie hier nach der ersten HZ ein anderes erwartet.

Antworten

HW 22. August 2011 um 15:21

Ich sehe das auch so und Philipp1234 deutet es im unteren Kommentar auch an.
Es kommt zum einen auf die Spieler an. Mit Raul scheint die Verbindung zwischen Mittelfeld und Sturm besser zu klappen als in Helsinki.
Dazu ist der Übergang von 4-1-3-2 zu 4-1-4-1 fließend wenn die Spieler es richtig machen. (wie auch zu einem 4-2-3-1)

Rangnick scheint wohl eine Lösung zu suchen wie er Raul besser als Stürmer ins Spiel bringt (nicht auf der 10 oder als Spielmacher) ohne dabei ganz auf zwei Stürmer umzustellen.
Ich habe dieses Spiel aber nicht gesehen und hab meine erste Aussage nach der Grafik oben getroffen.

Antworten

44² 22. August 2011 um 18:21

Meines Erachtens ist beim 4-1-3-2 sehr wichtig, dass das Team sehr intensives Rückwärtspressing betreibt, sobald die ersten beiden Linien überspielt sind. Wenn man den Gegner in einer Frühphase seines Angriffs ins offensive Mittelfeld locken kann, solange er dort noch nicht viele Spieler positioniert hat, dann kann man sehr gut die Mannschaftsteile isolieren. Die vorderen 5 müssen dann sehr aufmerksam pressen, dann kann der Gegner kaum noch zurück und ist gezwungen in den Strafraum zu spielen. Gerade, wenn man individuell überlegen ist oder der Gegner auf so ein Spiel nicht eingestellt ist, kann das glaub ich durchaus stabil funktionieren.

Alternative ist die, dass man es wirklich fast als 5-3-2 spielt und das offensive Mittelfeld sehr eng und tief agiert, aber das ist gegen die meisten Gegner ziemlich ineffizient, denk ich.

Die Achillesferse hat das 4-1-3-2 m.E. gegen einen Gegner der mit Doppelacht agiert, da dann ein horizontales Paar von zwei vertikal aufgereihten Spielern verteidigt werden muss, was sehr schwierig und unvorteilhaft ist.

Antworten

christoph 21. August 2011 um 21:28

Farfan ist erst seit kurzem wieder im Mannschaftstraining, nachdem er sich bei der Nationalmannschaft verletzt hatte. Ob er schon wieder Luft für 90 min hat, ist daher fraglich. Draxler hätte sie auf jeden Fall gehabt.

Antworten

Philipp 21. August 2011 um 21:12

Schöne Zusammenfassung, genau meine Meinung.

Tuchels Auswechslungen waren (im besten Fall) einfach extrem fahrlässig. Erst nimmt er – hoffentlich verletzungsbedingt, eine andere Erklärung kann es nicht geben – mit Risse den besten Mann vom Feld und bringt dafür Choupo-Moting, der auf seiner Position dem starken Farfan viel zu viele Freiheiten gab.

Dann korrigiert er seinen Fehler mit Kirchhoff, Soto kann die linke Seite beackern… nur um dann schließlich Sliskovic für Soto zu bringen?

Ich glaube ja auch, dass er nach dem Freiburg-Erfolg zwanghaft wieder mehrfach das System (4-2-3-1 auf 4-3-1-2 auf 4-3-3) ändern wollte; heute war das allerdings ein Schuss in den Ofen. Nach meiner Ansicht trägt Tuchel heute eine ganz gehörige Mitschuld… dabei hat das Spiel so gut angefangen ;-(

Antworten

BenHasna 22. August 2011 um 00:03

Risse hatte Kreislauf-Probleme, Soto war nach Grippe bis Donnerstag noch geschwächt und hätte schon früher raus wollen, dazu fehlte nebst den Verletzten mit Baumgartlinger eine Defensiv-Option wegen Krankheit.

Mag sein, dass Tuchel nicht überall richtig lag heute, aber das Spiel war auch schwierig zu coachen. Sooo überragend hatte Mainz ja gar nicht ins Spiel gefunden, selbst nie extrem guten Zugriff gehabt, fand ich – Schalke war einfach desaströs anfangs – und Mainz jedenfalls dann Richtung Pause schon merklich nachgelassen.

Tuchel hat ja angemerkt, dass er vielleicht lieber 20 Meter tiefer hätte verteidigen lassen sollen nach der Pause. Triffts wohl eh, bin allerdings skeptisch, ob das so viel gebracht hätte letztlich. Jedenfalls, heute hat er System und Personal sicher nicht gewechselt, nur weil er lustig war… Irgendwas musste er tun angesichts Schalkes Reaktion und der eigenen schwindenden Kräfte.

@TE: Ich hab bei Mainz ab der 65. mehr oder weniger durchgehend eine Raute gesehen, auch im Finish, da mit Kirchhoff defensiv, Polanski halbrechts, Ivanschitz halblinks, Choupo-Moting offensiv, Allagui-Sliskovic Sturm, wobei die vorderen drei schon eher fluide agierten.

Antworten

TE 22. August 2011 um 10:32

Die Aufstellung ab der 65. Minute, die ich oben eingezeichnet habe, kann man ja als Raute interpretieren, gerade da die Pfeile bei Choupo-Moting und Allagui andeuten, dass sie eine offensivere Position einnahmen. Nach der Einwechslung von Sliskovic habe ich die Aufstellung aber nicht mehr als Raute empfunden, sondern als eine Mischung aus dem System, das ich oben eingezeichnet habe, und einem 4-3-3 mit Ivanschitz auf halblinks und Polanski auf halbrechts, wie du es beschreibst.

Antworten

firedo 21. August 2011 um 20:55

Wären Frafan und Draxler denn fit gewesen für 90 Minuten?
Das der Farfan nicht der schlechteste auf Schalke ist, weiß man ja nciht erst sein heute Abend.

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*