Mittel gegen den Männerfußball

0:0

Würde sich Manchester Uniteds Trend zu einem ballbesitzfokussierten Spiel auch gegen Liverpool fortsetzen?

Nein.


Gegen die von Jürgen Klopp trainierten Reds stellte José Mourinho seine Mannschaft so ein, wie man es aus vorangegangen Partien gegen andere Spitzenteams kennt. Auch formativ gab es keinerlei Experimente. Statt im mit demselben Personal möglichen 5-3-2 lief Manchester United im üblichen 4-2-3-1 auf. Die Viererkette vor Torhüter De Gea bildeten Valencia, Smalling, Jones und Darmian. Davor agierten Matic und Herrera auf der Doppelsechs. Die offensive Dreierreihe hinter Lukaku wurde von Young, Mkhitaryan und Martial gebildet.

In den seltenen Ballbesitzphasen hielten sich entweder zunächst viele Spieler tief und ließen den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren ohne dabei in gefährlichere Zonen vorstoßen. Diese sollten dann im Anschluss oder oftmals auch ohne jede Vorbereitung mit langen Bällen erreicht werden. Hierfür stand Lukaku als Zielspieler zur Verfügung. In der Regel wurden hohe Pässe in die Flügelzonen geschlagen, vor allem auf die rechte Seite. Ballnah rückte der Außenverteidiger dann mal etwas auf, auch Mkhitaryan schob zur Seite mit. Ziel war es, den jeweiligen Außenverteidiger Liverpools auf der Seite entweder herauszulocken oder im 2v1 auszuspielen. Gegenpressing oder Ballsicherung gegen Gegenpressing übernahm Matic praktisch alleine.

Die Reds formierten sich wie üblich in einem engen 4-3-3 mit Mignolet im Tor. Die Viererkette bestand aus Gomez, Matip, Lovren und Moreno. Kapitän Henderson gab wie üblich den Sechser und wurde von der Doppelacht aus Wijnaldum sowie Can unterstützt. In der Angriffsreihe agierten (unter Abwesenheit des verletzten Mané) Salah, Firmino sowie Coutinho. Im Pressing wurde durch Vorschieben eines Achters, meist Wijnaldum, immer mal wieder ein 4-2-3-1/4-2-2-2 gebildet, das im tieferen Pressing zum 4-1-4-1 wurde.

Letztlich wurden die Gastgeber in dieser Disziplin jedoch kaum gefordert und es lief auf das Duell zwischen Liverpools Ballbesitz und dem zumeist passiven, stets mannorientierten Pressing Manchester Uniteds hinaus. Dieser Aspekt bietet auch einigen Stoff zu einer etwas detaillierteren Analyse – siehe beispielsweise den außerordentlichen Theorie-Beitrag JDs zum „Dismarking“ auf unserem englischsprachigen Blog.

Funktionsweise des United-Pressings und was Liverpool dagegen einfiel

Phasenweise stellten die Gäste höher mannorientiert zu, konnten das geordnete Aufbauspiel der Liverpooler dadurch aber kaum unterbinden. Zumeist spielte Manchester United in einem Mittelfeldpressing, bei dem sie die direkten Zuordnungen des 4-2-3-1 gegen das 4-3-3-Aufbauspiel nutzten.

Während die Flügelspieler sich durchgehend an ihrem Gegenspieler orientierten, gab es in den Zonen um den Mittelkreis vonseiten der zentralen Mittelfeldspieler auch immer mal wieder andere Verhaltensweisen zu sehen. Gelangte der Ball auf den Flügel, wurden lokal Kompaktheiten erzeugt. Hierfür löste sich der ballferne Sechser beispielsweise von seinem Gegenspieler und nahm diesen oder mögliche andere Optionen in seinen Deckungsschatten. Auch die Innenverteidiger konnten auf entsprechende Spieler herausrücken sobald sich ein Pass unmittelbar andeutete oder bereits gespielt wurde.

Je näher sie am eigenen Tor verteidigten, desto klarer deckten die Red Devils ihre Gegenspieler. Die Viererkette wurde häufig von verschiedenen Spielern aufgefüllt: Etwa, wenn die Sechser Läufe in die Tiefe verfolgten oder die Flügelspieler gegen die hochschiebenden Außenverteidiger eine Sechserkette erzeugten.

Ein logisches Mittel Liverpools gegen diese Art der Verteidigung war es, eine 3 gegen 2-Überzahl gegen die beiden Sechser des Gegners herzustellen. Diese Aufgabe konnten verschiedene Spieler übernehmen, da die Positionen häufig getauscht wurden, wobei die grundsätzliche Struktur ähnlich blieb. Zwei Spieler provozierten dann eine engere Deckung durch Herrera und Matic, um beide idealerweise nach außen zu ziehen. Der zentrale Bereich konnte dann von einem dritten Spieler aufgefüllt werden.

Tat dies zunächst häufiger einmal Firmino, wurde Coutinho nach etwa 20 Minuten deutlich aktiver und weiträumiger in seinem Freilaufverhalten. Zum Ende der ersten Halbzeit spielte er, wie in nachfolgender Grafik zu sehen, des Öfteren die tiefste Mittelfeldrolle, wenn Henderson zwischen die Innenverteidiger abkippte oder sich neben einen von ihnen zurückfallen ließ.

Aus dieser Position und ohne direkten Gegenspieler konnte der Brasilianer Dynamik erzeugen und kleinräumig mit seinen Teamkameraden kombinieren. In der simpelsten Form mithilfe von 2 gegen 1-Situationen, die entstanden, wenn er sich quasi in ein direktes Duell hineinbewegte und dieses „ergänzte“. In der zweiten Halbzeit agierte er dann wieder weiter vorgerückt als freier Spieler vor der Abwehr des Gegners. In jedem Fall blieb er der mit Abstand präsenteste Akteur seines Teams.

3 gegen 2 im Zentrum, Coutinho tief

3 gegen 2 im Zentrum, Coutinho tief

Waren alle direkten Optionen im Mittelfeld zugestellt, wenn etwa der Außenverteidiger United mit vorschob, ergab sich auch aus tieferen Positionen die Möglichkeit zum Dribbling. Dieses provoziert das Auflösen der Manndeckungen, um Zugriff zu erzeugen. Geschieht das nicht, ist es ein Einfaches, den Ball auf einen höher postierten Spieler beziehungsweise direkt hinter die Abwehrkette zu bringen (in nachfolgender Grafik orange eingefärbt).

Alles zugestellt, Henderson dribbelt

Alles zugestellt, Henderson dribbelt

Weiter vorne zeigten sich die Gastgeber noch deutlich effektiver, indem sie einige gruppentaktische Freilaufbewegungen zu ihrem Vorteil nutzten. Es konnte erstens sehr effektiv sein, wenn zwei Spieler durch horizontale Bewegung zueinander ihre Zonen so tauschten, dass der Zugriff für die Hintermannschaft Manchesters etwas unklar wurde.

Dieser Moment des Zögerns ließ sich dann wiederum für ein Zuspiel nutzen. In folgender Grafik geht zum Beispiel Wijnaldum so nach außen, dass er leicht hinter Matic kommt und nicht ganz klar in dessen Zugriffsbereich ist. Darmian muss sich für ein eventuelles Zuspiel nach außen bereithalten, während Salah gleichzeitig von dort ebenfalls in seinen Nähe kommt. Der Italiener übernimmt ihn nicht sofort und Henderson kann den Pass anbringen.

Horizontaler Positionswechsel

Horizontaler Positionswechsel

Diese Wechselbewegung zweier Spieler geht natürlich auch vertikal, typischerweise zwischen Flügelspieler und Außenverteidiger. Ersterer lässt sich fallen und wird vom gegnerischen Außenverteidiger verfolgt. In den so geöffneten Raum kann dann der eigene Außenverteidiger mit Dynamikvorteil hineinstarten – wie Moreno es in der untenstehenden Grafik auch tut.

Vertikaler Positionswechsel

Vertikaler Positionswechsel

Insgesamt fiel bei Klopps Team die häufig hohe Präsenz an der letzten Linie auf. Can und vor allem Wijnaldum zog es regelmäßig nach vorne und auch jeweils einer der Außenverteidiger konnte weit mit vorrücken. Die vielen Spieler sollten vor allem einen gegnerbindenden Effekt auf die Hintermannschaft Uniteds ausüben. Jeder hatte Zugriff auf einen Mann und achtete dann zunächst nicht mehr darauf, was in seinem Rücken passierte.

In folgender Szene hat sich United unter anderem dadurch dann weit zurückdrängen lassen, wodurch Young vor einem Dilemma steht. Entweder er lässt Coutinho offen und dieser läuft mit Tempo in Richtung Strafraum oder er verliert Moreno aus dem Blick, der den Ball im Rücken von Valencia in Nähe des Tores erhalten kann. Young bleibt unentschlossen und Moreno kommt nach diagonalem Chip von Henderson zur Chance.

Diagonales Spiel hinter die Kette gegen ballferne Zuordnungsschwierigkeiten

Diagonales Spiel hinter die Kette gegen ballferne Zuordnungsschwierigkeiten

Was passieren kann, wenn Coutinho den Ball nahe des Strafraums erhält, sieht man im nächsten Beispiel. Erneut decken zwei Spieler Uniteds ballfern ihre direkten Gegenspieler, während Smalling neben ihnen die Mitte sichert und Firmino nicht verfolgt. Young bleibt bei Moreno, als Valencia Herrera gegen Coutinho unterstützen will. Keiner von beiden erzeugt jedoch entscheidend Zugriff und der Ball wird über alle hinweg gechippt.

Chip hinter die Kette gegen ballnahe Zuordnungsschwierigkeiten

Chip hinter die Kette gegen ballnahe Zuordnungsschwierigkeiten

Bei einer der größten Chancen des Spiels gab es in der letzten Linie erneut eine klare 3 gegen 3 Zuordnung. Allerdings postierte sich Can dieses Mal knapp hinter den drei vorderen Spielern und konnte von dort unbeachtet zum ballnahen Pfosten durchlaufen. Selbst wenn ein Spieler Manchesters ihn von weiter vorne verfolgen würde, wäre die Szene überaus schwierig zu lösen, da Can sowohl den Vorteil des früheren Starts auf seiner Seite hat als auch aus dem 3 gegen 3 heraus noch relativ einfach ein Block gestellt werden kann, möglicherweise gar unbeabsichtigt.

Lauf aus der zweiten Reihe hinter die Kette gegen klare Zuordnungen

Lauf aus der zweiten Reihe hinter die Kette gegen klare Zuordnungen

Was fehlte zum Erfolg?

Auf diesen Wegen kam Liverpool zu ausreichend Abschlussaktionen – sämtliche Expected Goals-Modelle sahen die Mannschaft von Jürgen Klopp deutlich vorne und hätten mit etwa zwei Toren der Reds gerechnet. Auffällig hierbei allerdings: Diese Zahl setzt sich aus eher vielen geringen xG-Werten zusammen statt aus wenigen, aber dafür höheren. Genau das ist eines der naheliegenden Ziele von Mourinhos Taktik und vielleicht sogar ein Faktor dafür, dass die Modelle Liverpools Leistung überschätzen.

Ein grundsätzliches Problem der Gastgeber war es, dass sie in tieferen Zonen – also dort, wo United eigentlich noch gar nicht presst – zu viele Spieler postierten. Henderson blieb praktisch dauerhaft tief. Selbiges galt während der ersten Halbzeit zumeist für Moreno. Zudem rückte Can, auch als Coutinho kontinuierlich näherkam, nicht konsequent auf.

Dadurch wurden einerseits Räume versperrt, welche die beiden Innenverteidiger oder Henderson zum Andribbeln hätten nutzen können. Andererseits nahm die Präsenz in vorderen Zonen so weit ab, dass die Lücken, welche sich durch Manchester Uniteds Manndeckung ergaben, nicht konsequent und direkt besetzt werden konnten. Angriffe konnten nicht schnell genug durchgespielt werden, sondern wurden vielmehr in eine Phase der tiefen und eine Phase der hohen (Über-)Präsenz zergliedert.

So rief Liverpool deutlich seltener Entscheidungskrisen aufseiten des Gegners hervor als es möglich gewesen wäre. Sie brachten sich vielmehr selbst in eher aussichtlose Situationen, indem sie nahezu auf den Ballführenden aufliefen. Der Ballbesitz ging zwar nicht verloren, aber Gefahr erzeugten die Gastgeber eben auch nicht.

Beispiel: Can öffnet praktisch den gesamten linken Halbraum, indem er Herrera mit nach rechts zieht. Würden sich die anderen Spieler so bewegen wie die roten Pfeile es zeigen, könnte Henderson Mkhitaryan binden und Matip könnte direkt zu Lovren durchspielen. Je nachdem, ob Coutinho nun von einem der Spieler Uniteds übernommen wird, ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten.

Verfolgt Young ihn, kann Moreno sich zurückfallen lassen und entweder Valencia herausziehen oder den Pass in offener Position selbst erhalten. Geht Valencia auf Coutinho heraus, steht Moreno der gesamte Raum hinter Valencia direkt offen. Kommt Smalling aus der Kette heraus, ergibt sich wiederum viel Platz für Firmino. Nimmt keiner Coutinho auf, dann rennt der einfach selbst durch.

Zu viele Spieler außerhalb der gegnerischen Formation: Linker Halbraum ist offen, kann aber nicht direkt bespielt werden

Zu viele Spieler außerhalb der gegnerischen Formation: Linker Halbraum ist offen, kann aber nicht direkt bespielt werden

In der Anfangsphase fokussierte sich Liverpool zudem übermäßig stark darauf, die rechte Seite zu überladen, ohne dabei jedoch Anschluss nach links zu finden, da sich Moreno eher tief hielt und Coutinho für Pässe ins Zentrum einrückte. Erhielt er den Ball dort, hatte er keine unmittelbaren Anspielstationen und auch keine wirkliche Dynamik, um selbst etwas zu kreieren. Die vielzählige Besetzung der letzten Linie wurde hier statisch und es gab niemanden, der wirklich die Tiefe attackieren konnte.

Rechtsüberladung ohne Anbindung

Rechtsüberladung ohne Anbindung

Im Zusammenhang mit dieser Überladung und anderen vergleichbaren Situationen hätte sich die Manndeckung der ballfernen Spieler Uniteds deutlicher für ein Bespielen des ballfernen Halbraums nutzen lassen, zumal gerade Herrera diesen Bereich gerne verließ. Ein kurzer Sprint in den Raum von Can würde ihn genau in den Bereich bringen, der gleich zwischen vier gegnerischen Spielern liegt. Wer soll den deutschen Nationalspieler dort denn nun aufnehmen?

Ballferner Halbraum muss gegen ballferne Manndeckung häufiger attackiert werden

Ballferner Halbraum muss gegen ballferne Manndeckung häufiger attackiert werden

Gegen mehr oder weniger enge Manndeckung gibt es einige Dinge zu beachten, wenn man zu einem Spieler passt, der mit dem Rücken zum Tor steht. Die Momente, in denen er sich kurz befreien kann und frei ist, müssen unmittelbar erkannt und der Pass so schnell wie möglich gespielt werden.

Geschieht dies etwas zu spät, müssen wenigstens ein bis zwei ballnahe Spieler direkte Passoptionen für Ablagen herstellen. Ansonsten kommt der große Vorteil der Manndeckung zur Geltung: unmittelbarer Zugriff. Aus diesem konnte sich nur Coutinho konstant befreien, worauf sich jedoch keine kollektive Angriffsstrategie machen ließ.

Spieler mit Gegner und Tor im Rücken braucht Optionen für Ablagen

Spieler mit Gegner und Tor im Rücken braucht Optionen für Ablagen

Fazit

Diesen unmittelbaren Zugriff hatte Jürgen Klopps Mannschaft übrigens ihrerseits in der Paradedisziplin des Deutschen: dem Gegenpressing. Wenn man durch die Grafiken schaut, sieht man, dass Liverpool neben Henderson stets noch über zwei weitere Spieler und die beiden Innenverteidiger als Absicherung verfügte. Die enge Staffelung in vorderen Zonen ermöglichte es zudem, dass die ballnahen Spieler schnell Druck auf den Ball ausüben konnte.

Allerdings hatte Manchester United schlichtweg auch kaum bis gar keine Präsenz für Konter. Für die Mannen von José Mourinho lässt sich aus diesem Spiel so wohl am ehesten etwas ableiten: Gegen die absoluten Spitzenteams in der Champions League wird es mit einer derart passiven Ausrichtung kaum mehr als vereinzelte Zufallserfolge geben können.

Wenn man PSG oder Real einfach den Ball überlässt, werden diese einem bloß zeigen: Liverpool mag einen Coutinho haben, wir haben noch zwei bis fünf mehr von der Sorte.

Len 16. Oktober 2017 um 16:47

Gute Analyse, die aber meines Erachtens außer Betracht lässt, dass United mit hohem Selbstvertrauen und guter Torquote ins Spiel gegangen ist. Eine Risikoerhöhung von Liverpool durch einige der vorgeschlagenen Maßnahmen und dadurch Aufgeben der Konterabsicherung hätte das Ergebnis gefährden können. Liverpool hatte auch mit der Absicherung vier Aktionen, die gut zu einem Tor hätten führen können, nämlich Salahs Verpassen einer abgefälschten Firmino-Flanke, die Matip-Salah Doppelchance mit Weltklasseparade von DDG, Cans Volley in der 2. HZ, den er aus 5 Metern ruhig mal aufs Tor bringen kann und die leicht zu weite Flanke von Firmino für den einköpfbereiten Salah. ManU dagegen war nur 2 mal überhaupt in Abschlusssituationen.

Antworten

HW 16. Oktober 2017 um 19:57

Das war auch in etwa die Einschätzung auf der Seite des Guardian. Mourinho hat eigentlich nur darauf gewartet, dass Klopp offensiver wechselt. Genau das ist aber nicht passiert.

Antworten

fcb 16. Oktober 2017 um 15:34

Liverpool so far nur 13 Punkte aus 8 spielen. Wenn es aber nachdem expected goals modell ging, hätten sie wesentlich mehr Punkte holen müssen, da sie dort oft das Spiel zu 90%+ gewinnen müssten, aber es nicht tun.
Z.B. Liv vs ManU= 2,16 : 0,29
Ich kann leider nicht mehr Beispiele bringen, da ich auf twitter ewig lange suchen müsste. Aber imo waren es etliche Spiele wie das ManU SPiel.

Wie bewertet ihr das expected goals Modell? Ist es für euch ein starker Indikator für die „wirkliche“ Leistung? Oder findet ihr das Modell überhöht?

Antworten

tobit 16. Oktober 2017 um 15:47

Es ist in sehr vielen Fällen sehr nützlich, gerade durch die Visualisierungen und Siegwahrscheinlichkeiten, die oft mit angegeben werden. Liverpool wird da denke ich etwas überschätzt, da sie (typisch für Klopps Teams) sehr viele bedrängte Abschlüsse aus mittelmäßigen bis schlechten Positionen haben. Andere Teams werden dafür systematisch unterschätzt, da sie weniger, dafür aber sehr gute chancen haben (Fergies United, Gladbach besonders unter Favre).
Größter Nachteil ist natürlich, dass nur tatsächlich abgegebene Schüsse gezählt werden. Klärungen in letzter Sekunde, fehlgeschlagene letzte Pässe oder abgebrochene Durchbrüche zugunsten einer möglicherweise besseren Schussoption (das war eines der „Geheimnisse“ von United unter Ferguson) gehen überhaupt nicht ein obwohl sie auch ein Symptom/Ausdruck der Kräfteverhältnisse in einem Spiel sind.

Antworten

Noam 16. Oktober 2017 um 20:37

Hierbei gilt es zu beachten, dass einige ExpG-Modelle sehr wohl mit einbeziehen, dass viele kleine Chancen nicht gleichwertig mit wenigen Grosschancen sind, obwohl der ExpG-Wert der gleiche ist. Zu sehen bei Twitter z.Bsp. bei 11Tegen11, der Spiele mit der Poisson-Verteilung simulieren lässt, was den Teams eine Gewinnwahrscheinlichkeit zuordnet, die tatsächlich grösser wird bei wenigen Grosschancen im Vergleich zu mehreren kleinen Chancen. Teams, die bei ExpG-Modellen mit puren Werten wie 2,16:0,29 über- oder unterperformen, sollten da also realistischere Werte erhalten (müsste man mal überprüfen, ob das auch zutrifft). Es gibt übrigens auch non-shot ExpG-Modelle, die so ziemlich das darstellen sollten, was du im zweiten Abschnitt deines Kommentars erklärst (z.Bsp. bei fivethirtyeight.com).

Antworten

tobit 16. Oktober 2017 um 22:26

Danke für die Ergänzungen. Dass es auch Modelle abseits von Schüssen gibt wusste ich z.B. gar nicht. Weiß jemand, warum man das nicht immer anwendet?

Antworten

Peda 17. Oktober 2017 um 12:01

Die sind natürlich weit komplexer, da ich nicht nur Informationen zu den abgegebenen Schüssen brauche, sondern quasi für jede Ballbesitzphase.

Ich hab auch so meine Probleme mit der Metrik (das „Big Chance“ Dilemma bei Opta-Daten zum Beispiel) und die Abweichungen zwischen den einzelnen Modellen zeigen auch recht deutlich, dass es da noch einiges an Verbesserungspotential gibt. Aber gerade in der Präsentation von 11tegen11, mit Passmap und Match Odds lassen sich die Leistungen zweier Mannschaften sehr gut erfassen.

Antworten

Noam 17. Oktober 2017 um 16:27

Weiss ich nicht, ebenso wenig ist mir bekannt wie diese Werte erstellt werden.. vielleicht gibt es also auch einfach noch keine wirklich mit Toren korrelierende Methode

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*