Wie Neymar aus der Asche

barca6:5paris st germain

Es geschah mal wieder so ein Fußballwunder. Die emotionale Ebene davon wird sicherlich im Laufe des Tages durch alle Fußballmedien der Welt geprügelt. Auf sportlicher Ebene hat Barcelonas unglaubliche Aufholjagd aber noch eine weitere spektakuläre Ebene: Wie kann eine Mannschaft in einem Spiel so untergehen und den Gegner im nächsten Spiel so untergehen lassen?

Das hat ohne Zweifel große psychologische Gründe, aber auch diese müssen erst einmal in Spielaktionen übertragen werden. Wir wollen den Unterschied zwischen beiden Spielen herausarbeiten, denn der war aus taktischer Sicht ganz enorm. So viel vorweg: Am Ende sind beide spektakuläre Siege ein großer Appell für dominanten Fußball.

Beginnen wir mit der Analyse des Hinspiels, die übrigens zu einem großen Teil schon vor dem Rückspiel verfasst wurde. Ich möchte sie bewusst nicht umschreiben, um die analytische Sicht möglichst unverfälscht und ohne „Rückschaufehler“ wiederzugeben.

Ich habe das Wort Einstellung nie gemocht und das Thema trifft es auch heute nicht. Es geht um Fußball und die Frage, ob man gut positioniert ist auf dem Platz.

– Andrés Iniesta, 14.02.2017

Wenn der vielleicht beste Nadelspieler der Welt uns so eine Spielverlagerung zuspielt, dann nehmen wir die dankend an. Was fehlte den Katalanen im ersten Spiel zu einer besseren Positionierung?

PSG-Barca HinTolle Anfangsphase

Erst einmal muss man herausheben, was für ein außergewöhnliches Spiel das war. Besonders zu Beginn war es eine Form von „totalem“ Fußball, die ich so selten – vielleicht nie – gesehen hab: Beide Mannschaften versuchten den Ballbesitz zu dominieren und pressten sehr hoch, beide hatten einen konsequenten Fokus auf technisch und strategisch hochwertige Aktionen und alle 22 Spieler auf dem Feld waren taktisch und technisch sehr gut. Allein das letztere sieht man fast nie und es brachte eine sehr ästhetische Vielfalt und Konstruktivität in die Partie.

Die taktische Organisation der beiden Teams – Abläufe, Abstände, Laufstärke – war zwar in vielerlei Hinsicht lasch und hatte viele Defizite, doch dadurch dass es schlichtweg so viele schlaue Fußballer auf dem Platz gab und der grundsätzliche Spielstil der Mannschaften so kreativ geprägt ist, war das weit weniger problematisch als normalerweise. Es entstanden zwar viele Situation ungeordnete Situationen mit schwächeren (Defensiv-)Staffelungen, doch die Reaktionen auf diese Situationen waren sehr gut. Gerade in den ersten 10 bis 20 Minuten war die Intensität zudem recht hoch, sodass Lücken schnell zugelaufen wurden.

Barca mit kuriosem 4-0-4-2-Angriffspressing

Bei aller individuellen Qualität wurde die erste Hälfte dennoch von einem massiven taktischen Problem bestimmt. Barcelona hatte einen Pressingplan, der katastrophal schiefging und auch auf dem Papier kaum nachvollziehbar ist: In einem etwas asymmetrischen 4-4-2 mit Andre Gomes als Rechtsaußen schoben immer wieder Busquets und Iniesta gemeinsam weit nach vorne. Die Doppelsechs wurde zur Doppelzehn – und der Sechserraum wurde als riesige Lücke hinterlassen.

Paris mit sehr sauberer Aufbaustruktur. Busquets und Iniesta rücken raus und können hier zumindest den Ball direkt in den offenen Raum verhindern. Doch die Abstimmung in dieser seltsamen 0-2-2-2-Staffelung funktioniert nicht, Paris findet immer wieder den freien Mann.

Paris mit sehr sauberer Aufbaustruktur. Busquets und Iniesta rücken raus und können hier zumindest den Ball direkt in den offenen Raum verhindern. Doch die Abstimmung in dieser seltsamen 0-2-2-2-Staffelung funktioniert nicht, Paris findet immer wieder den freien Mann.

Da das Pressingverhalten von Messi und Suarez zu inkonstant und zuweilen unkompakt war, konnte Paris in einer guten Struktur recht gut um die erste Linie herumspielen. So bekamen sie Veratti oder Rabiot im Zentrum freigespielt oder kamen entlang des Flügels nach vorne auf Draxler oder di Maria, weil sich Gomes und Neymar tief hielten und diese Bälle nicht verhindern konnten. Sie liefen dann aber dennoch die Außenverteidiger an, statt wenigstens den Pass in die Mitte zu schließen und die breit stehenden Stürmer anlaufen zu lassen. So hatte Barca in einigen Szenen quasi keine Mittelfeldlinie mehr, quasi ein 4-0-4-2. Manchmal konnte Paris zwar dadurch auch auf den Flügel gedrängt und isoliert werden, aber insgesamt brach das Pressing viel zu oft zusammen.

Nur ein Beispiel dafür, wie Veratti die seltsame Pressingstruktur aushebelte. Sehr starke Besetzung des (offenen) Zwischenlinienraums auch hier.

Nur ein Beispiel dafür, wie Veratti die seltsame Pressingstruktur aushebelte. Sehr starke Besetzung des (offenen) Zwischenlinienraums auch hier.

Wie es zu so einem völlig unpassenden taktischen Verhalten kommen kann, ist einigermaßen mysteriös, gerade wenn es Busquets und Iniesta betrifft. Könnte was damit zu tun haben, dass Busquets so ein Herausrücken im 4-3-3 öfters nutzte, wo dann aber die Achter quasi zur Doppelsechs wurden. Vielleicht war die Idee, Rabiot und Veratti mannorientiert aus dem Spiel zu nehmen. Oder Enrique nahm an, Busquets und Iniesta könnten den Sechserraum einfach permanent über ihre Deckungsschatten kontrollieren. Dies funktionierte zumindest teilweise, aber letztlich war es über so eine lange Dauer gegen so starke Gegner ein Irrtum. Gerade Veratti zerschnitt die vorgeschobene Linie ein ums andere Mal.

Paris dominiert den Rhythmus von allen Positionen

Generell zeigte sich PSG ungemein attraktiv und spielstark. Neben der technisch starken Besetzung und der strategischen Ausrichtung auf Kurzpassspiel durch das Zentrum überzeugte dabei vor allem das aktive Bewegungsspiel von allen Positionen. Die Freilaufbewegungen der Spieler griffen hervorragend ineinander, sodass Barcelona im Pressing immer wieder unangenehm von mehreren Spielen umstellt wurde, sodass kein Druck möglich war. Letztlich besteht Fußball während des Aufbauspiels ja daraus, dass die einen Verbindungen kaputt machen wollen, während die anderen Verbindungen herstellen wollen und besser sind die, die es schneller hinbekommen. Hier war es sehr oft Paris, denen das in unterschiedlichen Zonen auf ganz flexible Weise gelang.

„Das Ergebnis hat nichts mit unserer Einstellung zu tun, sondern mit fußballerischen Dingen. Sie hatten einen Plan, haben uns gut attackiert und waren uns taktisch wie physisch überlegen.“
– Sergio Busquets, 14.02.2017

Herausragend war die Abstimmung zwischen Rabiot und Veratti. Beide waren permanent präsent, hielten dabei gut die Verbindung untereinander und balancierten Freilaufbewegungen ständig gegenseitig aus. Veratti war natürlich etwas prominenter eingebunden und Rabiot war eher der Raumöffner für ihn. So rochierten sie teilweise umeinander und besetzten die Räume um Iniesta herum sehr geschickt, um sich gute Positionen für Vertikalpässe zu erspielen.

Selten hab ich zudem ein Spiel gesehen, in denen die Außenverteidiger so präsent und komplett ablieferten wie hier. Kurzawas Technik und Kreativität sowie Meuniers umfassende Cleverness und Athletik sorgten immer wieder dafür, dass Flügelsituationen sehr schnell und sinnvoll aufgelöst wurden und eine Isolation durch Barca verhindert wurde. Beide waren dabei diagonal in ihrer Orientierung und auch immer wieder in Aktionen. Dass beide im zweiten Durchgang jeweils ein Tor vorbereiteten – aus der eigenen Hälfte heraus! – war nur die Spitze des Eisbergs. Über die spielerische Stärke hinaus waren beide auch noch im Pressing sehr aktiv und präsent. Diese Leistungen können ein Fingerzeig für modernes Außenverteidiger-Spiel, gerade wo diese Position durch die Dreierketten ja etwas verdrängt wird.

Nach vorne setzte sich die Komplett von Paris fort. Matuidi spielte seine Musterrolle als vorstoßender, raumöffnender Achter, der mit Dynamik den Strafraum und die letzte Linie attackiert. So konnte er im Zentrum Räume für Draxler öffnen, im Zwischenlinienraum für Vertikalpässe präsent sein und bei Flügelszenen auf der linken Seite aushelfen, wenn die Verbindung zu Rabiot und Veratti abbrach. Das harmonierte gut mit Draxler, der seine Rolle etwas variierte – mal normaler Breitengeber, mal zurückfallend, um Bälle von Kurzawa abzuholen und in den Raum zu dribbeln, mal diagonal in den Strafraum startend.

So hatte Paris neben der guten Bewegungen in der Ballzirkulation eben auch viel Dynamik in die letzte Linie hinein. Cavani ist ohnehin ein arbeitender, wühlender Stürmer, der eine Kette beschäftigt. Matuidi und Draxler nutzten das und auch Di Maria startete vereinzelt vorne rein. Ansonsten besetzte er hauptsächlich den rechten Halbraum oder die Zehnerposition und agierte dort als entscheidender Kreativspieler vor der katalanischen Abwehr – aus dem Loch heraus, welches Barca ihm natürlich auch anbot.

Diese umfassende kontrollierte und spielerische Herangehensweise wurde ganz entscheidend noch dadurch veredelt, dass Unai Emerys Mannschaft in tiefen Abwehrsituationen sehr ruhig blieb und dadurch das katalanische Gegenpressing einige Male entscheidend umspielen konnte. Dieses war nicht auf höchstem, aber doch auf ziemlich hohem Niveau. Doch gerade in den ersten, schwierigsten Sekunden nach Balleroberung unter höchstem Gegnerdruck blieb Paris enorm konzentriert und locker und kombinierte sich zügig, aber dennoch geduldig aus den Drucksituationen. Hierbei sind auch Kimpembe und Marquinhos noch einmal zu loben, womit dann auch alle Pariser Spieler (zurecht!) namentlich genannt wären. Der 21-jährige Kimpembe stand in seinem ersten Champions-League-Spiel Stammspieler Thiago Silva in puncto Gelassenheit am Ball in nichts nach – und das ist ein überschwängliches Lob. Folgende Szene bietet ein hervorragendes Beispiel dafür:

Nach der Balleroberung an der Seite des Strafraums lässt Meunier den Ball eiskalt in die Mitte des Strafraums klatschen. Was in der F-Jugend falsch ist, kann auf Weltklasse-Niveau nur richtig sein: Kimpembe bleibt unter dem Druck von drei anlaufenden Barca-Spielern cool und schiebt den Ball im richtigen Moment auf Rabiot weiter, der hinter Messi andribbeln kann. Die drei ballfernen Spieler starten alle aufwendige Läufe, sodass der Konter links in Überzahl weitgerspielt werden kann.

Nach der Balleroberung an der Seite des Strafraums lässt Meunier den Ball eiskalt in die Mitte des Strafraums klatschen. Was in der F-Jugend falsch ist, kann auf Weltklasse-Niveau nur richtig sein: Kimpembe bleibt unter dem Druck von drei anlaufenden Barca-Spielern cool und schiebt den Ball im richtigen Moment auf Rabiot weiter, der hinter Messi andribbeln kann. Die drei ballfernen Spieler starten alle aufwendige Läufe, sodass der Konter links in Überzahl weitgerspielt werden kann.

Barcelona sucht Kontrolle statt Tore

Auch gegen den Ball agierte Paris phasenweise und vor allem zu Beginn mutig. Im 4-3-3-Angriffspressing schoben sie lose mannorientiert nach vorne zu. Die Achter orientierten sich hinter die Schnittstellen des Dreiersturms – immer eine praktische und simple Organisation für ein Angriffspressing. Die Räume neben Rabiot gingen dann teilweise etwas zu groß auf, wurden aber stark von den Außenverteidigern verteidigt, wenn Barca versuchte (oder versuchen musste), sich mit langen Bällen zu befreien.

Dennoch war das Angriffspressing nicht überragend abgestimmt und intensiv und wie das so der Stil von Iniesta und Co. ist, konnten sie sich schon einige Mal flach durch die erste und auch zweite Linie kombinieren oder dribbeln. Hier zeigte sich ein wesentlicher Unterschied zu der Barcelona-Mannschaft, die zuletzt die Königsklasse gewann: Anders als zum Beispiel gegen Guardiolas Bayern schaltete „MSN“ nicht sofort den Turbo an und startete seine brutalen Schnellangriffe, wenn man den Gegner ein Mal mit hoher Abwehrlinie vor dem Visier hatte.

Stattdessen schien sich Barca – vielleicht wegen der großen Präsenz des Gegners – etwas unwohl zu fühlen und versuchte in solchen Szenen eher Ruhe reinzubekommen, um die Ballkontrolle zu festigen und mal längere Ballbesitzstafetten zu erzielen. Sie suchten nach ihrem gewohnten Rhythmus, statt das Spiel anzunehmen und auf Tore zu gehen. Auf der einen Seite logisch: Wenn ich den Gegner ohne Ball nicht kontrollieren kann, dann wird es umso wichtiger, dass es mir mit Ball gelingt. Letztlich verpasste man dadurch aber ein wichtiges Auswärtstor, lud Paris quasi zum hohen Pressing ein und bekam später noch andere taktische Probleme.

Kastrierte Achter

Wenn sich Paris nämlich zurückzog, formierten sie meist ein 4-5-1. Aus dem rückten Matuidi oder Rabiot dann oft heraus und stellten mit Cavani gemeinsam den Weg ins Mittelfeldzentrum zu. In erster Linie orientierten sie sich aber passiv nach hinten, schlossen die Flügel und versuchten den Zwischenlinienraum zu isolieren. Herauszuheben ist dabei die gute Orientierung und Athletik von Rabiot, der Messi sehr gut beobachtet, in guten Szenen verfolgte oder doppelte und im Zweikampf zudem überraschend viel Zugriff bekam, manchmal sogar körperlich klar besser wirkte (wohl auch ein Grund, dass Busquets von physischer Überlegenheit sprach).

Gegen so ein passives 4-5-1 ist es wichtig, dass man die Räume neben dem Stürmer nutzt und dann diagonale Anspielstationen zwischen den Linien schafft. Das war für Barca kaum möglich, da sich Gomes und Iniesta unpassend verhielten. Gomes‘ Rolle war ebenso merkwürdig (und einigermaßen unnütz) wie gegen den Ball. Er besetzte teilweise den Achterraum, ohne aktiv den Ball zu fordern, und driftete dann unambitioniert und in eher tiefer Position nach außen, wie um Roberto abzusichern oder Konter von Draxler oder Matuidi zu kontrollieren.

Iniesta hatte eine ähnliche Grundposition, wenn auch aus anderem Grund. Er bewegte sich relativ normal auf seiner Position als Spielmacher und wurde oft gesucht. Er hätte aber höher schieben müssen, um seine Stärke in Zwischenräumen ausspielen zu können. Stattdessen erhielt er enorm viele Bälle außerhalb des gegnerischen Blocks, wo er dann quasi neun Gegenspieler vor sich hatte und nur zwei oder drei Mitspieler. Beim BVB würde typischerweise der linke Innenverteidiger in diesen Raum dribbeln. Wenn man stattdessen einen Mittelfeldspieler dort einbindet, fehlt einem die Besetzung der nächsten Räume – ein Klassiker beim Bespielen von sehr tiefen und flachen Defensivstaffelungen.

Paris zieht sich zusammen und sticht zu

Die intensive Anfangsphase und der Rückstand waren Gift für Barca – vor allem weil Paris weiterhin Fußball spielte. Das Pressing nahmen die Franzosen immer mehr zurück. Sie fokussierten sich nun mehr auf Kompaktheit in der eigenen Hälfte und versperrten dabei sehr geschickt durch Herausrücken die Wege zu Messi. Aus dem 4-5-1 mit Schieben ins 4-4-2 wurde nun flexibel auch mal ein 5-4-1 oder 5-3-2. Dabei gaben sie schon Räume Preis, aber Barcelona war in dieser Halbzeit auch zu ungeduldig, um diese Räume konsequent genug zu nutzen. Die Abwehrspieler wurden in der Vorwärtsbewegung zu selten eingebunden. Iniesta kurbelte das Spiel aus zentralerer, aber weiterhin zu tiefer Rolle an.

Im Pressing versuchte es Barca nun etwas orthodoxer, war dabei im Zugriffsverhalten jedoch etwas zu mannorientiert und unkollektiv. So konnte sich Paris mehrfach herausspielen, im Zweifelsfall schlichtweg durch gutes Andribbeln gegen die Manndecker. So konnten Kurzawa und Meunier vor den Toren drei und vier mit relativ simplen Diagonalläufen hinter die Mittelfeldlinie kommen und fanden dann ein riesiges Loch vor, weil Barcas Abwehr nicht nachschob.

Insgesamt war die zweite Halbzeit etwas normaler strukturiert und erwartungsgemäßer – dennoch konnte Paris klar dominieren und wirkte im Laufe der Partie vor allem körperlich ziemlich deutlich voraus. Keine guten Voraussetzungen also für das Rückspiel, selbst wenn man das Ergebnis mal beiseite ließ. Aber Barcelona hat eben trotz allem immer auch einzigartige Qualitäten in der Elf.

Rückspiel

Barca-PSG RückDiese einzigartigen Qualitäten versuchten sie in den Wochen zwischen den Spielen wieder fokussierter auf den Platz zu bringen und Luis Enrique spielte dafür etwas am System herum. In der Liga gegen Atletico Madrid begann er aus der Viererkette bei Ballbesitz eine Dreierkette zu machen, indem Roberto auf die Halbposition reinschob. Gegen Celta Vigo wurde es erfolgreich wiederholt. Das System war dann eine Mischung aus einem 3-1-4-2 und einem „3-Raute-3“. Ersteres sollte als Schablone für Paris herhalten.

4-3-3-0-0-Abwehrpressing von Minute 1

Mit vier Toren vorne und guten Konterspielern nicht so mega überraschend: Paris setzte von der ersten Minute an auf eine ganz tiefe Verteidigung am eigenen Strafraum. Es war ein klares 4-3-3-0-0. Diese „-0“ in Formationen nutzt man ja oft, um zu zeigen, dass die Sturmreihe auf Höhe des offensiven Mittelfelds agierte. Hier agierten Moura, Cavani und Draxler quasi auf Höhe des defensiven Mittelfelds und die Mittelfeldspieler meist etwa auf Höhe der Sechzehner-Linie.

Aus strategischer Sicht muss so eine tiefe Verteidigung sehr skeptisch betrachtet werden: Keine Präsenz in der Offensive, kein Raum zur Auslösung von Kontern, schwierige Organisation bei gegnerischem Gegenpressing und daher Anfälligkeit für Gegenkonter, viele tornahe Standards für den Gegner und sehr viele unübersichtliche Strafraumsituationen, in denen man schlichtweg vom Zufall kalt erwischt werden kann. Das überaus kuriose 1:0 war dann auch direkt ein Musterbeispiel für Letzteres.

Die Ausführung dieser Strategie war aber zunächst überaus stark, was man so nicht gewohnt ist; vielleicht auch, weil selten so verteidigt wird, wenn eine Mannschaft noch topfit und konzentriert ist. So „ängstlich“ die Strategie der Franzosen war, so wenig ängstlich agierten zumindest innerhalb des Abwehrdrittels: Sie wichen nicht unnötig vor das Tor zurück, agierten nicht hektisch im Zweikampf oder auf verlorene Zweikämpfe und rannten nicht chaotisch aus ihren Positionen. Stattdessen spielten sie ein absolut konsequentes und positionsorientiertes 4-3-3, welches durch die Nähe zum Tor wahnsinnig werden konnte. Selbst innerhalb des Strafraums behielten sie dabei ihre Positionen bei, sodass sie sich sehr gut gegen katalanische Dribblings unterstützen konnten und keine Probleme in der Deckungsorganisation bekamen:

Der Ball ist mitten im Strafraum, dennoch erkennt man das klare 4-3-3 bei PSG. Barca ist hervorragend für's Gegenpressing positioniert.

Der Ball ist mitten im Strafraum, dennoch erkennt man das klare 4-3-3 bei PSG. Barca ist hervorragend für’s Gegenpressing positioniert.

Vom Flügel wegschieben, den Halbraum zumauern

Ein sehr guter Effekt dabei waren die Staffelungen bei breiter Ballposition: Rabiot und Cavani verschoben sehr sauber, während Moura und Draxler sich passiv verhielten. So entstanden im Halbraum enorm kompakte Viererblöcke (Sechser-Achter hinter Mittelstürmer-Außenstürmer). Diagonale Angriffe durch den Halbraum, die gerade gegen so eine tiefe Abwehr ein überaus wichtiges Mittel sein können, konnten dadurch hervorragend abgeschirmt und verteidigt werden.

Das war umso effektiver und entscheidender, weil Barca in diesem System kaum Möglichkeiten hatte, um vertikal zur Grundlinie durchzubrechen; durch ein sehr frühes und bogenförmiges Herausschieben der Außenverteidiger leitete Paris die Angriffe auch gut aus diesem Vektor weg.

Nach einem Zuspiel auf Neymar läuft Meunier ihn so an, dass er ihn zurückdrängt. Daneben formiert sich der Viererblock, um ein horizontales Andribbeln zu verteidigen sowie Kombinationen durch den Halbraum oder ein Anspiel auf Iniesta. Wiederum ist Barca sehr gut für das Gegenpressing positioniert.

Nach einem Zuspiel auf Neymar läuft Meunier ihn so an, dass er ihn zurückdrängt. Daneben formiert sich der Viererblock, um ein horizontales Andribbeln zu verteidigen sowie Kombinationen durch den Halbraum oder ein Anspiel auf Iniesta. Wiederum ist Barca sehr gut für das Gegenpressing positioniert.

Den Raum zwischen Außen- und Innenverteidiger (der nicht durchschob) konnten dann nur Iniesta und Rakitic attackieren, mussten dafür aber nach außen starten, sodass der Spielzug nicht schnell fortgesetzt werden konnte. (Rakitic hätte quasi Rafinha aus der Mitte hinterlaufen müssen.) Bei etwas unangenehmen Szenen konnten außerdem die Achter oder Außenstürmer von Paris sehr schnell in diese Lücken fallen; das führte dann aber durchaus zu Unordnung bei der Halbraumverteidigung.

Im Laufe der ersten Halbzeit verstanden die Gastgeber aber immer besser die Problematik und passten sich an. Suarez forderte verstärkt Bälle von außen, um die Innenverteidiger ins Duell zu zwingen, Verlagerungen wurden druckvoller gespielt und: Iniesta und Rakitic machten die besagten Läufe in die Flügelzonen häufiger. Genau so fiel dann letztlich nämlich auch das 2:0, welches Iniesta mehr oder minder „erzwang“, nachdem er sich links an Marquinhos vorbeigeschoben hatte.

Barca mit Quantität statt Qualität

Ansonsten agierte Barca konsequent und konzentriert aber nicht herausragend. Es gelang ihnen fast nie, die Qualitäten von Messi und Iniesta effektiv einzubinden (Opta zähle ein Dribbling von Messi, gar keins von Iniesta). Die überaus enge Staffelung der Gäste erstickte das zum einen im Keim. Zum anderen versuchten sie aber auch zu wenig, mit dynamischen Freilaufbewegungen oder kurzen Kombinationen an den Rändern des Blocks, Spieler herauszuziehen, um mal kleine Räume zu öffnen, die den beiden Nadelspielern ja reichen.

Messi hatte seine besten Aktionen dann meist, wenn Paris mal im Konter oder Angriff ein bisschen aufgerückt war und Busquets kurz die Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte, um den Ball dann auf Messi zwischen die Linien zu feuern. Überhaupt nutzte Barca solche Umschaltszenen sehr fokussiert, was wohl dazu beitrug, dass sich PSG im Laufe des Spiels weniger nach vorne traute.

Primär funktionierte Barcelonas Offensive aber schlichtweg über die Präsenz, also die permanente Nähe zum Strafraum. Die vier Defensivspieler positionierten sich gut im Rückraum der Ballposition – meist links oder halblinks. So konnten sie nach Ballverlusten sehr schnell ins Gegenpressing kommen, um etwaige Konter zu ersticken und sofort den nächsten Angriff starten zu können. Umtiti, Mascherano und Busquets sind natürlich eine herausragende Gegenpressing-Linie und wegen der Defensivbeteiligung von Cavani konnte sich Paris auch nicht mit langen Bällen befreien.

So ließ Barca dann den Ball um den französischen Block laufen und attackierte dann spontan mit irgendwelchen Bällen in den Strafraum. Mal waren es kleine simple Kombinationen wie vor dem 2:0, manchmal Standards nach Dribblings von Messi oder Neymar, oft waren es Flanken oder flankenartige Lobs in den Strafraum. Die Gefahr wurde über Quantität erzeugt, weniger über die Qualität der Angriffe. Bei der guten Defensivorganisation von Paris war das durchaus eine logische und akzeptable Herangehensweise; sie konnte trotzdem nur reichen, weil die Endphase so verrückt werden sollte.

Echtes 3-3-2-2-Pressing – richtig nice!

Zur Quantitätsoffensive von Barca (haha!) gehörte dann auch ein sehr gutes Angriffspressing, mit dem die Wehrhaftigkeit der Franzosen lange Zeit sehr gut erstickt werden konnte. Die Idee des 2-2-Blocks wurde aufrechterhalten, aber aus der veränderten Grundformation natürlich viel sinnvoller: mit den Achtern hinter den Stürmern und Busquets als kontrollierende Instanz im Sechserraum.

Typische Situation bei Barcas Pressing in der Anfangsphase.

Typische Situation bei Barcas Pressing in der Anfangsphase.

Auch die Rollen der Flügelspieler waren deutlich besser angepasst, quasi als breite Halbläufer, die sich klar zu Busquets orientierten. So entstand ein sehr kompaktes 3-3-2-2-Angriffspressing mit hervorragenden Abständen und überraschend guter Abstimmung zwischen den Positionen.

Diese Formation ist an sich hochinteressant durch die grundsätzliche Struktur und die Wechselwirkungen zwischen Mannschaftsteilen. Der hohe Viererblock kann den Gegner sehr effekt auf den Flügel leiten, dort kann man mit drei Spielern Druck machen und hinter denen hat man in jede Richtung eine Absicherung. Da sich alle Spieler sehr aufmerksam am Pressing beteiligten und gut nach vorne orientierten, war das sehr unangenehm zu bespielen.

Geschickt war dabei, dass Messi noch etwas höher startete als Suarez, sodass er Thiago Silva versperrte und das Spiel nach links leitet, wodurch Suarez den mühsamen Sprint nach außen machen musste. Wenn Messi etwas faulenzte, rückte Rakitic für ihn auf und es wurde ein „3-Raute-3“ – auch immer wieder schön. (Wenn Messi und Suarez mal tauschten, war das stattdessen Iniesta.)

Neben Silva wurden damit auch Kurzawa und Matuidi weitestgehend aus der Partie genommen und Paris baute fast nur über die Seite von Meunier auf. Dort machten Iniesta, Suarez und Neymar gut Druck und vor allem bestach Umtiti durch ein sehr gutes Herausrücken, womit er einige Vertikalpässe auf Lucas Moura direkt abfing und kaum einmal in die Verlegenheit kam, gegen den trickreichen Brasilianer ins Eins-gegen-Eins zu müssen.

Die Verlagerung auf Draxler bleibt aus

Sehr merkwürdig und vielleicht gar spielentscheidend war die Rolle von Julian Draxler gegen dieses Pressing. Das Risiko, was Barcelona nämlich ging: Sie spielten in der Abwehr permanent 3-gegen-3 – gegen Moura, Cavani und Draxler erst einmal keine supergeile Idee. Das muss dann natürlich aber auch ausgespielt werden. Ballnah bekam der Halbverteidiger durch das kompakte Verschieben gute Unterstützung.

Da die ganze Dreierkette aber mit rüberschob, wurde der ballferne Flügelstürmer häufig komplett offen gelassen mit unheimlich viel Platz; das war typischerweise Draxler. Nur hielt Draxler schlichtweg nicht die Breite, sondern schob mit Mascherano ziemlich weit in die Mitte rein. So waren die potentiell extrem gefährlichen Verlagerungen von rechts nach links schlichtweg nicht möglich, da die Außenverteidiger gegen das hohe Pressing auch nicht enorm weit vorschoben.

Paris tat somit Barca den Gefallen, bei den meisten Spielzügen auf einer Seite zu bleiben, was gegen eine so enge Formation wie das 3-3-2-2 ein massiver Vorteil ist. Zwar ist eine Verlagerung unter so einem Pressingdruck nicht ganz einfach und ein total blinder Ball in die grobe Richtung hätte wohl Rafinha ablaufen können, aber gerade bei der individuellen Qualität von Moura, Meunier und vor allem Veratti hätte PSG in der Lage sein müssen, sich kurze Zeitfenster zu öffnen, um diese Verlagerungen gezielt zu spielen. Neben Draxlers unnötiger Positionierung merkte man ihnen aber auch an, dass sie zum einen einen kürzeren Passstil gewohnt sind und die Orientierung auf die ballferne Seite oft fehlte und dass sie auch übervorsichtig im Aufrücken waren. Gerade Matuidi spielte sehr defensiv.

PSG reagiert richtig

…und zwar: offensiv! Nach der Halbzeitpause mobiliserte Paris die Kräfte, die sie in der tiefen Verteidigung vielleicht geschont hatten, und spielten viel offensiver als im ersten Durchgang. Nicht erst als Reaktion auf das 3:0 sondern schon zuvor gingen die Gäste ins Angriffspressing über. Der Dreiersturm setzt nun konsequent die Dreierkette von Barca unter Druck, Matuidi schob als vierter Mann hinterher. So verlor Barcelona erst einmal eine Menge Kompaktheit und Präsenz, die Mannschaftsteile wurden auf beiden Seiten auseinandergezogen.

So kam Unordnung ins Spiel und Paris hatte in Umschaltsituationen eine viel bessere Ausgangslage. Auch der Spielaufbau vom Torwart aus wurde funktionaler und offensiver gestaltet, indem der Pass zum Flügel ausgelassen wurde und der Ball stattdessen schlichtweg gebolzt wurde. Nun ergab die engere Position von Draxler (und Moura) mehr Sinn, denn Paris konnte einige zweite Bälle gewinnen und damit Raum. Matuidi und Meunier schalteten sich nun auch deutlich freimütiger nach vorne ein. So war das Torschussverhältnis – und folgerichtig das Torverhältnis – zwischen der Halbzeitpause und der 80. Minute ausgeglichen. Dazu kamen die beiden riesigen Chancen von Cavani und Di Maria nach Kontern.

Paris hätte diese Phase noch dominanter gestalten können, wenn sie individuell ein bisschen geschickter verteidigt hätten. Die aggressivere Marschroute führte nun häufiger zu Fouls. Das sorgte dafür, dass Barca aufrücken konnte und Paris sich wieder zurückziehen musste, wieder Präsenz verlor. Nach neun Fouls im ersten Durchgang, beging Paris nach der Pause 16 Stück. Sechs davon nach der 85. Minute. Drei davon spielentscheidend. (Eins davon natürlich fragwürdig gepfiffen.)

Angst essen Seele auf, das Übliche halt

Diese Statistik weißt schon darauf hin, dass Paris ganz am Ende eben doch kalte Füße bekam. In den letzten zehn Minuten, nach der vergebenen Chance von Di Maria, kamen sie kaum mehr nach vorne. Die Bewegung gegen den Ball ging jetzt fast nur noch nach hinten, es sollte nur noch der eigene Strafraum geschützt werden. Dabei verlor man dann auch jede Staffelung, die im ersten Durchgang das Abwehrpressing noch stabilisiert hatte. Die Gäste rutschten immer wieder in eine Sechser- und Siebenerkette, wodurch sie die Räume im Strafraum schlecht kontrollieren konnten.

Das Highlight war dann das finale 6:1, bei dem die Mannschaft auf den geblockten Freistoß quasi gar nicht reagiert, sondern als zittrige Wand an der Strafraumgrenze stehen bleibt, statt nach vorne oder nach hinten zu antizipieren. Natürlich ist so etwas eine unangenehme Situation, taktisch und individuell wie auch psychologisch, aber gerade solche chaotischen, unstrukturierten Szenen erfordern dann eben aktives, mutiges Mitdenken, Mitmachen und Improvisieren. Neymar fand die perfekte, spielerische Lösung in diesem Moment (Siegermentalität?), Paris suchte keine Lösungen mehr.

In den letzten 10 Minuten hatte Barca cirka 85% Ballbesitz. Das kann man eben entspannter lösen. Beispiel: Hier im Artikel. Die Szene aus dem Hinspiel, wo über Kimpembe das Gegenpressing aufgelöst wurde, fand in der 43. Minute statt und sorgte dafür, dass Paris sich anschließend bis zum Halbzeitpfiff in der gegnerischen Hälfte aufhielt. Solche Entlastungsaktionen sind gerade in so einer Extremsituation wohl die wichtigste Defensivstrategie. Sonst kann sich das Pech aufsummieren.

Ob das Weiterkommen verdient ist, lässt sich bei diesem Aufeinandertreffen wohl stundenlang diskutieren. Durch die Spielverlagerung-Brille ist das erst einmal egal. Interessant ist, welche Ausgangslage die Partien hatten und durch welche Wendungen sie gingen. Wie unterschiedlich sich das Spiel gestalten kann zwischen zwei einigermaßen gleich besetzten Mannschaften und welche Folgen das hat. Darüber konnte man bei diesem Fußballwunder so einiges lernen.

Mananski 10. März 2017 um 15:46

1. Richtig coole Sache mit Neymar als Linksverteidiger, das verspricht auf jeden Fall ein lustiges Spiel:)
2. Umtiti und Barcas Gegenpressing waren wirklich super stark! 3vs3 hinten gut verteidigt, übers ganze Spiel
3. Die Taktik von PSG in der ersten Halbzeit war nicht gut. Von Anfang an oder nach dem ersten Gegentor hätte man schon höher stehen sollen. So war man nur am verteidigen. Hätte ja in einem normalen Spiel trotzdem gereicht. Das Ende war nun wirklich Glück für Barca.
4. Rabiot: Im ersten Spiel so stark, körperlich dominant und spielerisch gut. Im Rückspiel so unsicher, dass er ausgewechselt hätte werden müssen. Motta hätte da geholfen

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fcb 10. März 2017 um 14:42

Weiß jemand wie der expected goals war?

Antworten

SM 10. März 2017 um 16:51

lt. @Caley_graphics (twitter) im Rückspiel
Barcelona 1.6 (+2 Pens and +1OG) : 1.2 PSG

Antworten

Koom 10. März 2017 um 09:06

Böserweise muss man wirklich sagen: Clever war das nicht von Paris. Eine Mannschaft haben, die mit Ballbesitz wirklich viel anfangen kann, die lauter richtig bockstarke Spieler hat – und die dann zu 11 Kesselflickern vorm Strafraum zusammenziehen. Gut, natürlich gehört da Glück, Pech und der Schiedsrichter (Aytekin!) dazu, aber an sich kann man das intelligenter lösen. Aber das sind eben die Spiele, die man zwar vom Geschehen her analysieren kann, aber wo man sich fragt, WARUM sich Trainer/Spieler für das entschieden haben. Ist aber auch einfach das, warum Fußball an sich so ein interessanter Sport ist – ist eben nicht nur Schach.

Nur falls es falsch rüberkommen sollte: Prima Artikel. 🙂

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Camp Mou 10. März 2017 um 16:54

Ja, den Schiedsrichter Aytekin trifft total viel Schuld, gut dass die UEFA den für den restlichen Wettbewerb aus dem Verkehr zieht, statt ihre strukturellen Probleme mal endlich zu beheben.

Antworten

Bernhard 9. März 2017 um 21:58

Wie immer ein feiner, angenehm lesbarer und gut verständlicher Artikel deinerseits, MR.
Vielen Dank dafür!

Antworten

Gh 9. März 2017 um 21:19

emery löst das größte barca problem dieser saison gleich mal selbst: barca blieb gar kein platz, um sich schlecht zu positionieren.

Antworten

Christoph 9. März 2017 um 20:49

Super Artikel zu 2 denkwürdigen Spielen! Toll wie du auch die Probleme der engen Positionierung der Außenstürmer von PSG herausarbeitest. Gegen Teams die ein hohes Pressing spielen und dabei die letzte Linie nur mit 3 Mann abdecken, wäre eine hohe und breite Positionierung der Außenspieler extrem wirkungsvoll. Zwischen den Verteidigern gäbe es riesige Räume und auch das gegenseitige Absichern würde so erschwert. Das würde auch lange Befreiungsschläge sehr gefährlich machen, da in letzter Linie ohne wirkliche Absicherung 3 mal 1vs1 verteidigt werden muss. Ähnlich hat Enrique vor 2 Jahren Peps Bayern quasi überrannt (3er Angriff hoch und breit gegen 3er Verteidigung) und diesen zu seiner schnellen Umstellung auf 4er-Kette gezwungen. PSG hätte mMn auch sehr passende Spieler dafür gehabt. Kann vielleicht jemand der PSG diese Saison schon etwas öfter gesehen hat erklären warum Di Maria nur von der Bank kam? Seine Pressingresistenz wäre in so einem Spiel doch Gold wert gewesen?

Antworten

August Bebel 10. März 2017 um 13:26

Ich hab irgendwo gelesen oder gehört, dass di Maria angeschlagen gewesen wäre. Angesichts seiner Leistung im Hinspiel fände ich es auch sehr verwunderlich, wenn Emery ihn einfach so auf die Bank gesetzt hätte.

Antworten

Moro9 10. März 2017 um 14:55

DiMaria war angeschlagen.. (leider)

Antworten

SM 9. März 2017 um 20:24

Sehr gute Analyse. Glaubt ihr die Barça-Formation bietet sich der weiteren (standardmäßigen) Anwendung an oder war doch eher ein Griff aus „Mut der Verzweiflung“, da eine solche Dreierkette gegen (breitere) 4-3-3 zu offen ist?

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Onil 10. März 2017 um 03:02

Hat ja jetzt zumindest die letzten drei Spiele wunderbar funktioniert. Klar hat das System defensiv seine Schwächen, aber die werden dadurch wett gemacht, dass die grundsätzliche Struktur auf dem Platz wieder stimmt und Barcelona annähernd wieder aussieht wie Barcelona. Die Abläufe im 4/3/3 war jedenfalls davor so unsäglich schlecht was Positionsspiel und (Gegen-)Pressing angeht, das eine Rückkehr dazu mich dazu verleiten könnte, mein Barca-Trikot zu verbrennen. Außerdem gibt es ja auch noch die Möglichkeit vom Wochenende, als Sergi Roberto bei Ballbesitz den rechten 8 in der Raute gegeben hat und bei Ballverlust sich sofort als RV eingereiht hat. So könnte man gegnerische Breite durchaus verteidigen und ich glaube, dass wird auch der Normalfall in den nächsten Wochen werden, denn die 3er-Kette von gesteren (ohne Option auf 4er-Kette zu wechseln) ist schon extrem riskant und abhängig davon, dass das Gegenpressing über 90 Minuten fehlerfrei klappt. Aber gestern musste man einfach Risiko gehen 😉

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Onil 10. März 2017 um 11:51

*dass

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SM 10. März 2017 um 12:41

Bei dem 3-4-3 mit falschem AV sehe ich das Problem, dass Barça wieder nur mit echten 2 zentralen MFs verteidigt und wieder in diese 4-4-2 Verteidigung fällt, die ich für ungünstig bei Barça halte… das Atletico-Spiel war ja auch keine Offenbarung.

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Onil 10. März 2017 um 13:37

Das stimmt. Allerdings war es gg. Atletico defensiv relativ stabil (offensiv war es ziemlich mau, aber das ist normal gg. Atletico). Gg. PSG haben die Außenstürmer mannorientiert mit nach hinten gearbeitet. Das wäre natürlich auch noch denkbar. Ich glaube allerdings, dass generell die Umstellung auf das 3/1-2-1/3 die defensiven Probleme schon alleine dadurch relativiert, dass Barca wieder sinnvoll bei Ballbesitz positioniert ist und somit wieder ins Gegenpressing kommt. Zudem kann Messi auf der 10 vielmehr zocken als als rechter Außenstürmer. Die defensive Grundordnung dürfte daher eher sekundär sein, insbesondere dann wenn der Ballbesitz hoch ist…

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SMR 10. März 2017 um 11:54

Volle Zustimmung zur Dreierkette (mit oder ohne einpendelnden Roberto):
Das defensive Risiko dieser Variante ist deutlich vorhanden. Paris hat es ja, wie im Artikel sehr schön beschrieben wurde, schlecht ausgenutzt. Aber es gibt Teams in Europa, die das besser ausnutzen würden. In diesem Spiel musste man Risiko gehen. Aber ohne defensive Absicherung der Flügel würde das schwierig gegen Real, Bayern etc.

Dazu eine andere Frage: Hat Pep Guardiola in seiner letzten Saison 2011/12 bei Barca nicht auch eine zumindest ähnliche Formation gewählt, um Busquets, Xavi, Iniesta und Fabregas gemeinsam im Mittelfeld unterzubringen zu können? Also eine Abkehr der Viererkette aus Abidal, Pique, Puyol und Alves?

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tobit 10. März 2017 um 13:55

Ja hat er. Dabei hat dann oft Dani Alves den RA gespielt. Ein solcher Spielertyp fehlt seit Vidals Verletzung. Auf links könnte Alba wohl so ähnlich spielen, dann müsste aber Neymar die Seite wechseln und eher Mascherano statt Roberto als RV/RIV auflaufen.

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SMR 10. März 2017 um 19:23

Danke, ich hatte so was noch im Hinterkopf…

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tobit 10. März 2017 um 21:09

Zu dieser Barca-Phase gibts hier auch eine unheimlich detaillierte Analyse von RM. Sprachlich noch nicht so ausgefeilt (noch offense – ich könnte es definitiv nicht so gut), wie man das heute von SV gewohnt ist, aber inhaltlich ganz große Klasse.

SK93 10. März 2017 um 14:59

Um deine Frage zu beantworten… Pep setzte 2011/2012 mehrmals auf eine 3er Kette und ließ mit Raute im Mittelfeld spielen. In Erinnerung blieb mir das Heimspiel gegen CA Osasuna am 17.9.2011, welches 8:0 endete. Meiner Meinung nach ein absoluter Höhepunkt in Pep’s Barca-Ära.

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SMR 11. März 2017 um 23:12

Vielen Dank für den Tipp, bin hier im Archiv fündig geworden:
1. Das 8 zu 0 gegen Osasuna mit besagtem Rechtsaußen Dani Alves im 3-4-3/3-3-4. Stern und Kreisel…

http://spielverlagerung.de/2011/09/18/in-depth-analyse-des-fc-barcelona/

und…

2. Ein Artikel vom Hinspiel des Classico aus derselben Spielzeit.

http://spielverlagerung.de/2011/12/11/real-madrid-fc-barcelona-13-eine-in-depth-analyse/

Hat Spaß gemacht, das zu lesen 😉

Schönen Abend!

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August Bebel 9. März 2017 um 16:28

Ich habe nicht damit gerechnet, dass Barca das noch drehen kann. Ich habe aber auch nicht damit gerechnet, dass PSG, die ich eigentlich noch nie von ihrem dominanten Stil habe abweichen sehen, sich größtenteils darauf beschränkt, den eigenen 16er zu verrammeln. Kaum gehen sie mal nach vorne, läuft’s viel besser und sie machen das wichtige Auswärtstor. Eine wichtige Lehre dieses Spiels dürfte sein, dass tief stehen und den Bus parken keineswegs die beste Art zu verteidigen ist, selbst bei großem Vorsprung. Das kann zwar gut gehen (Chelsea 2012), aber es führt zu einer einzigen Zitterpartie: der Ball ist durch Flanken usw. ständig im 16er, der Gegner kann viele strafraumnahe Standards und Elfmeter bekommen, es kommt zu unkontrollierten Szenen, die womöglich in Eigentore münden…
Danke für die Analyse jedenfalls, nach diesen Spielen hatte ich einigen Erklärungsbedarf.

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AL 9. März 2017 um 15:16

Es ist schon witzig zu sehen was Angst mit einem anstellen kann… PSG hat teilweise in Schockstarre verteidigt, wenn man sich alleine das letzte Tor ansieht, wie viele PSG Spieler einfach stehen bleiben.

Bei Barca hat einfach alles gepasst an dem Abend, im Angriff hatte man das Glück an der Seite und der Gegner gleichzeitig sehr viel Pech

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CR 9. März 2017 um 14:06

Gegenpressing Gegenpressing Gegenpressing!

Wie mascherano und umtiti immer wieder vorwärts verteidigen rausrücken, wie gefährlich das war dieses 3 gegen 3 und dieses Gegenpressing irre! PSG eine technisch so starke Mannschaft, die so überragende Passwerte hat, das Kurzpassspiel beherrscht so pressingresistente Mittelfeldspieler hat und man über 90 Minuten bei um die 60 Prozent Passgenauigkeit hält, hammer! ok die defensive Ausrichtung ok, Cavanis tiefe Position ok, aber teilweise jeder zweite spätestens dann der dritte Ball ist weg! und das über die gesamte Spielzeit! irchendwann muss man doch mal in die Ballzirkulation rein kommen, wenigstens ein bisschen! PSG!!

Das Angriffsspiel von Barca war gut ja, nicht mehr nicht weniger, wie waren die Tore 3 Standards ein Eigentor einmal Gewusel im Strafraum einmal ein Chip aller letzte Minute im Spiel! wie oben richtig beschrieben die Qualität der Chancen hat gefehlt und fand ich gar nicht so überragend aber alles was gegen den Ball war, auch wenn ihn PSG nur kurz hatte war für mich atemberaubend! Wahnsinn!!

Angriffspressing top dazu Gegenpressing hoch 1000! Überragend Wahnsinn Irre..

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Viktor Dünger 9. März 2017 um 13:56

Großes Lob für den Artikel.
Leider muss ich sagen, dass ich mir sehr ein Weiterkommen von PSG erhofft habe um 1. mehr Marco Veratti zu sehen und 2. es meiner Meinung nach die interessanteste Mannschaft von den Einzelspielern ist.

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Mika 9. März 2017 um 12:06

Wow. Was für ein Spiel. Das letzte mal habe ich so etwas im Finale 2005 gesehen. Doch das Rückspiel in Barcelona war noch krasser. Dreser hat recht, das wird Paris noch lange beschäftigen: Gestern Abend wurden Verlierer geboren.

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Rosi 9. März 2017 um 11:43

Sehr schöner Text mit einem schönen Fazit. Es freut mich, dass MR wieder mehr schreibt.

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Dreser 9. März 2017 um 11:10

Hervorragender Artikel, vielen Dank! Das hilft mir sehr, meine Fassungslosigkeit zu überwinden und wieder einen nüchternen, analytischen Blickwinkel einzunehmen.

Sehr gut herausgearbeitet ist, daß es zweierlei bedarf: Einerseits ist ein guter taktischer Plan notwendig, der aber auch entsprechend umgesetzt werden muß – man an Draxler’s Positionierung sehen kann, die in HZ1 sozusagen daneben ging, da er das dafür notwendige Pressing nicht ausspielte, in HZ2 dann allerdings richtig umgesetzt wurde.

Wie auch immer. Dieses Ausscheiden wird PSG noch sehr lange beschäftigen, denke ich.

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