50 Flanken. Null Tore.

Portugal0:0Austria

Österreich hat noch Chancen auf das Weiterkommen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Auch mit völlig veränderter taktischer Ausrichtung offenbarten sich bei Marcel Kollers Team gegen Portugal große Probleme.

Grundformationen Portugal gegen Österreich

Grundformationen Portugal gegen Österreich

Nach der 0:2-Niederlage gegen Ungarn konnte Marcel Koller nicht weiter machen wie zuvor. Zu groß waren die taktischen wie personellen Probleme: Die Abstände zwischen Mittelfeld und Abwehr stimmte nicht, der Spielaufbau stotterte gegen die Mannorientierungen der Ungarn. Im zweiten Spiel kehrte Koller von seiner Pressing-Philosophie ab. Statt aggressives Anlaufen stand das kompakte Verteidigen im Vordergrund.

4-5-1-Tendenzen aus dem 4-4-1-1

Nach der Verletzung von Zlatko Junuzovic übernahm David Alaba den Part im offensiven Mittelfeld. Junuzovic war im Pressing der Österreicher einer der wichtigsten Akteure; sein dynamisches Vorstoßen aus dem offensiven Mittelfeld leitete das Angriffspressing oft ein. Alaba erfüllte diese Rolle nicht eins zu eins, sondern agierte etwas tiefer.

Die Österreicher agierten daher gegen den Ball oft nicht in einem 4-4-1-1, sondern in einem 4-5-1. Alaba ließ sich in den linken Halbraum fallen, um so als zusätzliche Absicherung zu dienen. Die Außenstürmer konnten durch das Drei-Mann-Zentrum wiederum mannorientiert den gegnerischen Außenverteidigern folgen. Das weite Aufrücken der Außenverteidiger ist ein zentrales Merkmal des portugiesischen Spiels.

Durch die tiefere Anordnung war ein hohes Pressing allerdings kaum mehr möglich. Im Gegenteil: Österreich zog sich früh an den eigenen Sechzehner zurück und baute dort seine 4-5-1-Ordnung auf. Das Zentrum sollte durch das Zurückfallen Alabas gesichert werden, die Flügel durch die mannorientierte Verteidigung der Flügelstürmer.

portugal österreich 4-5-1 tendenz

Szene von Österreich gegen den Ball: Alaba lässt sich in das halblinke Mittelfeld fallen. Aus dem nominellen 4-4-1-1 wird ein 4-5-1. Die Außenstürmer haben dabei stets die gegnerischen Außenverteidiger im Blickfeld.

Portugal setzt die Flügel ein

Die Portugiesen konnten gegen die passiven Österreicher ruhig aufbauen. Portugal agierte erneut in einem 4-4-2 mit Cristiano Ronaldo und Nani als Stürmer, wobei die Angreifer häufig mit den Flügelstürmern die Positionen tauschten. Österreich lief die gegnerischen Innenverteidiger praktisch nie an, die gegnerische Doppelsechs nur selten. Somit konnten die Portugiesen ihre Doppelsechs im Spielaufbau früh einbinden.

Als Verbindungsspieler zwischen zentralem Mittelfeld und Angriff boten sich die Außenstürmer an. Quaresma forderte tief auf dem rechten Flügel die Bälle, Gomez bot sich im linkenHalbräumen an. Die Breite im letzten Drittel besetzen die Außenverteidiger. Oft ließen die Portugiesen den Ball zwischen Außenstürmer und zentralem Mittelfeld zirkulieren, um dann mit einem langen Diagonalball das Spiel auf die Flügel zu tragen.

Das war ein weiteres taktisches Merkmal, das die Portugiesen bereits gegen die Isländer zeigten: ihre enorme Flügellastigkeit. Sie rennen sich dabei aber nur selten auf dem Flügel fest, sondern können die Angriffe meist zu Ende spielen. Das hatte gegen Österreich verschiedene Gründe: Zum einen wichen die Stürmer immer wieder auf die Flügel aus, sodass immer einer oder sogar mehrere Akteure den Außenverteidiger unterstützten. Zum anderen konnten Quaresma und Nani im Eins-gegen-Eins ihre Gegenspieler narren und Löcher kreieren.

Last but not least trug auch die österreichische Flügelverteidigung ihren Teil dazu bei, dass die Portugiesen einige Male an die Grundlinie vorstoßen konnten. Die österreichischen Außenverteidiger ließen sich oft von den Außenstürmern herauslocken. Sie agierten in manchen Situationen zu mannorientiert, liefen dabei zu weit nach vorne und öffneten damit die Gassen:

Chance aus der 22. Minute: Die Außenverteidiger und Außenstürmer sind mannorientiert und damit nicht auf einer Höhe mit den anderen Verteidigern. Österreich greift auf den Flügeln nicht zu, sichert aber auch nicht ab. Die Szene endet mit einer Flanke von der Grundlinie und einem Kopfball von Ronaldo.

Chance aus der 22. Minute: Die Außenverteidiger und Außenstürmer sind mannorientiert und damit nicht auf einer Höhe mit den anderen Verteidigern. Österreich greift auf den Flügeln nicht zu, sichert aber auch nicht ab. Die Szene endet mit einer Flanke von der Grundlinie und einem Kopfball von Ronaldo.

Keine österreichischen Gegenangriffe

Dennoch konnten die Österreicher die Angriffe der Portugiesen halbwegs eindämmen. Ihre Strafraumverteidigung funktionierte zumeist, oft kamen die Portugiesen nur zu Kopfbällen unter Begrängnis oder zu Nachschüssen aus der zweiten Reihe. Dennoch bekam man als neutraler Zuschauer das Gefühl, als wären die Portugiesen drückend überlegen. Und das lag hauptsächlich an der nicht vorhandenen österreichischen Offensive.

Bereits im Auftaktspiel ließen sich die Österreicher durch eine mannorientierte Defensive komplett lahmlegen. Portugals Coach Fernando Santos hat das Spiel anscheinend gut studiert, denn er ließ seine Mannschaft ebenfalls mannorientiert verteidigen:

portugal österreich mannorientierungen

Szene aus der 13. Minute: Portugal agiert komplett mannorientiert, bis auf einen absichernden Verteidiger decken alle Akteure einen Gegenspieler.

Die Österreicher hatten gegen diese mannorientierte Defensive mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie im ersten Spiel: Ihr Positionsspiel war zu wenig beweglich, als dass man Gegner aus den Positionen hätte ziehen können. Abgestimmte Läufe gab es zu selten. Es genügte den Portugiesen, den Spielaufbau ins zweite Drittel durch Manndeckungen zu verhindern. Lange Bälle eroberte Österreich nie, clevere Läufe in die Spitze gab es viel zu selten. Auch geglückte Dribblings oder gewonnene Eins-gegen-Eins-Duelle sah man von den Österreichern nie; es wäre die einfachste Möglichkeit gewesen, die recht unkompakte, enorm mannorientierte Formation der Portugiesen zu knacken.

Gerade die Außenstürmer standen meist viel zu breit, konnten dadurch nur über schwer zu verarbeitende Vertikalbälle auf dem Flügel ins Spiel gebracht werden. Alaba wiederum postierte sich im Spielaufbau wesentlich höher als ohne Ball, gab hier einen echten Zehner. An ihm lief das Spiel jedoch vorbei. Er wirkte außer Form.

Zu Alabas Verteidigung muss man allerdings sagen, dass es nicht unbedingt die beste Strategie ist, einen Zehner wie Alaba mit hohen oder halbhohen Bällen zu füttern – gerade wenn er oft gegen William Carvalho oder den herausrückenden Pepe agieren muss. Alaba bekam selten Zuspiele in den Lauf, konnte nie seine Dynamik ausspielen.

Zweite Halbzeit

Nach der Pause wagten beide Teams zunächst ein höheres Pressing. Österreich lief in den ersten Minuten die gegnerischen Innenverteidiger im gewohnten 4-4-2-Pressing an. Diese Phase hielt jedoch nicht lange an. Schnell zogen sich die Österreicher in ihre 4-5-1-Staffelung zurück.

Portugal schaltete indes keinen Gang hoch, sondern zwischenzeitlich sogar einen Gang zurück. Die Außenverteidiger agierten nach der Pause zunächst nicht mehr ganz so offensiv, gingen seltener ins letzte Drittel. Erst in der Schlussphase warf Portugal mehr nach vorne – und wurde fast belohnt. Doch Ronaldo vergab einen Elfmeter (79.). Da auch die Wechsel auf beiden Seiten aus taktischer wie spielerischer Sicht nichts an der Partie änderten, stand es am Ende 0:0.

Fazit

23 zu 4 Schüsse, davon 6 zu 1 aufs Tor, 37 zu 13 Flanken: Die Portugiesen dominierten alle Statistiken des Spiels. Portugal hat nach zwei Spielen mit Abstand die meisten Torschüsse dieses Turniers. Auch wenn viele bedrängte Abschlüsse dabei waren, bspw. Kopfballduelle oder Fernschüsse, waren sie doch in beiden Partien komplett überlegen. Für sie dürfte das Weiterkommen realistisch sein, auch wenn sie wohl einen Sieg gegen Ungarn benötigen.

Österreich bekam zwar die Probleme mit der vertikalen Kompaktheit in Griff, die das Spiel gegen Ungarn prägten. Der schwache Spielaufbau sowie die fehlende Form der meisten Akteure sind aber weiterhin augenfällig. Portugal konnte sich oft in Eins-gegen-Eins-Duellen durchsetzen, Österreich fast nie. Somit lassen sich die Österreicher auch leicht durch Mannorientierungen aus dem Spiel nehmen; sie kommen an ihren Gegenspielern einfach nicht vorbei. Österreich muss trotz des wichtigen Punkts bangen. Wenn sie ihre Probleme mit gegnerischen Mannorientierungen nicht in den Griff bekommen, dürfte es gegen Island schwer werden.

Gh 20. Juni 2016 um 17:54

Portugal ist eine Mannschaft, die stetig das Offensivspiel sucht. Dass das auf NatiNiveau knirschig ist, geschenkt. Harmonische Offensivstrukturen ist halt die Koenigsetappe. Trotzdem ist mir das teilweise ratlose Geflanke von Portugal lieber als jede Defensivtaktik, GEschmackssache… Der Ronaldo spielt auch ordentlich bis gut.

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Daniel 20. Juni 2016 um 16:09

Ich versteh irgendwie nicht woran hier festgemacht wird, dass Alaba außer Form ist. Das kann man doch gar nicht beurteilen, weil Alaba ja gar nicht das spielen darf, was er kann. Natürlich spielt er da schlecht. Wenn ein Trainer auf die Idee kommen würde Lionel Messi ins Tor, Zlatan Ibrahimovic in die IV und Manuel Neuer als linken Flügelstürmer aufzustellen wären die herauskommenden Leistungen auch schlecht. Völlig unabhängig von der Form der betreffenden Spieler.

Generell scheint mir das eines der großen Probleme Österreichs zu sein: sie bekommen ihre (durchaus vorhandene) individuelle Klasse nicht auf den Platz. Entweder stehen die wirklich guten Spieler gar nicht auf dem Feld (Wimmer, Schöpf, Sabitzer) oder sie werden in komische Rollen gequetscht, die ihren Stärken nicht entsprechen und in denen sie untergehen müssen (Alaba). Zugeschnitten ist das österreichische System stattdessen auf individuell deutlich schwächere Akteure (Prödl, Fuchs, Klein, Harnik sind da zu nennen), die zwar aus irgendeinem Grund besseren Alternativen vorgezogen werden, aber halt auf EM- Niveau Schwachstellen sind (Harnik zB hätte Österreich in diesem Spiel nach wenigen Minuten in Führung bringen müssen. Aus vier Metern muss man unbedrängt das Tor treffen können.) Mit Österreich ließe sich mMn viel machen. Ein 3-4-2-1 wäre mMn ein tolles System, dass die besten Spieler gut zur Geltung bringt:
http://lineupbuilder.com/?sk=by8c9

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Bernhard 20. Juni 2016 um 12:32

Meiner Meinung nach sind folgende zwei Aspekte ausschlaggebend für die schlechten Spiele der Österreicher:
1) Sie haben keine Führungsspieler.
2) Singen alle die Hymne auch laut genug mit?

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Morred 21. Juni 2016 um 09:12

Deine Analyse finde ich super. Ich habe mir genau die selben Gedanken gemacht.

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Bernhard 21. Juni 2016 um 10:19

Finde es komisch, dass TE nicht auf diese Sachen eingegangen ist. 😉

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GatlingJ 19. Juni 2016 um 20:45

zum Koller und Alaba:
wollte eigentlich schon nach den ersten Spiel kräftig losschießen, aber das zweite war nun der Gipfel der Lächerlichkeit.
Das Grundproblem von Koller ist, dass er denkt Österreich könne wie in der Qualifikations-Gruppe das Spiel machen oder zumindest gleich starke Spielanteile haben. Das hat in der Quali einigermaßen geklappt, daher war Alaba auf einer 8er oder offensiven 6er Position oft gut beschäftigt und konnte folglich seinen Weltklasse Status effektiv einbringen.
Bei diesen beiden Spielen nun war gegen Ungarn nicht mehr viel zu sehen von spielerischer Dominanz und gegen Portugal wurde Österreich nahezu 70% der Gesamtspielzeit ins letzte Drittel und die eigene Hälfte reingedrückt.
Was macht Koller? Er stellt Alaba bei dieser vorhersehbaren Situation noch bescheuerter als gegen Ungarn quasi als puren 10er auf. Da verhungert der einzige regelmäßige CL KO-Rundenteilnehmer natürlich. Der Gipfel der beknackten Entscheidungen kam dann mit seiner Auswechslung.
Wie hätte Koller nun grundsätzlich planen müssen?
Erstmal in dem er in EM-Spielen Alaba eben als einzigen Weltklassler maximal auf eine 6 mit eingeschränkten offensiven Freiheiten stellt, dann hätte dieser Spieler nämlich insbesondere gegen Portugal weitaus mehr Spielanteile gehabt und einige wenige Male wären die Angriffe der Österreicher vielleicht sogar mal an oder in den Strafraum gekommen.
Zur Auswechslung: Nicht Alaba auswechseln sondern z.B. Sabitzer oder Klein. Dann hätte Alaba eine dieser Positionen eingenommen und als Einwechselspieler wäre ein Angreifer gekommen. Im Prinzip pointiert ausgedrückt, scheißegal wer als Angreifer aus dem Kader, nur eine Sache war die grottenschlechte Option, Alaba aus dem kompletten Spiel zu nehmen.
Das ist weißgott nicht die einzige Baustelle die Österreich hat, aber eine die der Trainer mit seinen Grundannahmen für die EM Begegnungen vermasselt hat.

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The Soulcollector 20. Juni 2016 um 07:19

Es ist aber auch nicht einfach eine Mannschaft auf ein Defensivsystem umzustellen, wenn man 2 Jahre lang offensiv gespielt hat und damit auch ziemlichen Erfolg hatte. Und selbst in der Vorrunde war es doch im Vorfeld vielversprechend, weil eben nur Portugal als stärkerer Gegner in der Gruppe ist. Ungarn und Island sind doch schon mit den Gegnern aus der Quali vergleichbar. Deshalb wäre eine solche Umstellung mMn gar nicht nötig, zumindest nicht aus den Überlegungen die man im Vorfeld eines solchen Turniers hat.

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HW 22. Juni 2016 um 08:31

Viele Teams schaffen den Sprung von der Quali zum Turnier nicht. Da sieht man dann wer wirklich ein stabiles Team hat und wer nicht.

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Peda 20. Juni 2016 um 08:48

Ach die Lösung ist so einfach – na dass da noch keiner drauf gekommen ist!
Alaba spielt zu offensiv und ist zu wenig eingebunden, man hätte ihn daher auf den rechten (!) Flügel schieben sollen. Dass dir das selbst nicht peinlich ist.

Alaba glaubt – wie auch CR7 – aufgrund seines Kontorahmens das Spiel seiner Nationalmannschaft im Alleingang entscheiden zu müssen. Bei Ronaldo äußert sich das vorrangig in zahlreichen Verzweiflungsschüssen (deshalb ist die Schusstatistik mit 23 zu 4 auch völlig zahnlos, da ein portugiesischer Abschluss auf durchschnittlich nur 0,0470,061 xG kommt, je nach Quelle), bei Alaba kommen noch aussichtslose Dribblings und überoptimistische Vertikalpässe dazu. Schöpf hatte in seinen 25 Minuten mehr angekommene Pässe als Alaba in 65, das spricht doch schon Bände.

Ich habe keine Ahnung, warum ausgerechnet, einzig und allein die Österreicher so große Angst vor ihren eigenen Stärken haben. Gegen Ungarn spielt man wie in Schockstarre und als der Gegentreffer scheinbar den Knoten löst, gibt es vom Schiedsrichter eine ordentliche Gnackwatschn (ja, isoliert betrachtet war es Gelb, aber bei der „Linie“ war der Ausschluss einfach lächerlich).

Dass Koller gegen Portugal seine Stammformation, die bei uns wohl jeder Volksschüler schon auswendig kennt, an fünf Positionen ändert, die Defensivabläufe komplett umkrempelt und seinen Star außer Form mit dem ersten Wechsel runternimmt, ist ihm immens hoch anzurechnen. Gerade in Anbetracht der Tatsache wie wichtig ihm Kontinuität in den letzten Jahren war ist das aus meiner Sicht eine unglaubliche Trainerleistung. Das Risiko wurde belohnt. Jetzt gilt es gegen Island die eigenen Stärken wiederzufinden. Man hat ja nichts mehr zu verlieren.

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GatlingJ 20. Juni 2016 um 11:49

@Peda: Du solltest diesen Satz meines comments vlt. nochmal langsam lesen.
„Das ist weißgott nicht die einzige Baustelle die Österreich hat, aber eine die der Trainer mit seinen Grundannahmen für die EM Begegnungen vermasselt hat.“
Nochmal eine Übersetzung: Ich weiß auch, dass Ö eine Reihe anderer Schwächen und Fehler hat. Aber die offensive Ausrichtung auf einer 8, erst recht auf der 10 gegen Portugal bei der EM ist für mich ein Fehler des Trainers – diesen Fehler hat er begangen in Vorbereitung auf das Turnier. Und nach dem Ungarn Spiel hat er das Ausmaß des Fehlers in negativer Weise verstärkt in dem er ihn noch weiter vorne auf die 10 setzt.
Das war grundsätzlich falsch, selbst wenn Alaba in guter Form wäre, weil der Ball simpler Weise ihn einfach nicht oder viel zu wenig erreicht.
Und wie wir alle wissen, ist Alaba kein Dribbelkönig und kann sich einen Ball nach der Mittellinie abholen und dann zum 16er durchdribbeln. Als 10er hat er keine Passstation mehr von einem Embolo/Sefero abgesehn. Alaba kommt über seine Dynamik mit Kombinationspässen an Gegnern vorbei. Das geht nur wenn er das Spiel vor sich hat. Also eben maximal auf einer 6er Funktion oder eben Außen.
Gegen Portugal gab es die meisten Ballverlust in der Vorwärtsbewegung in genau diesem Raum – ca. um die Mittellinie bis 15 m vor dem 16er Raum. Hinter diesem Raum also in Nähe zum Portugal 16er trabte dann ein Alaba rum – und bekommt, wie überraschend, kaum Zuspiele. Wenn er welche bekam waren es a) Flanken mit 3-4 Gegner um ihn herum oder b) Schusspässe über 20-30 m, die selbst die besten Dribbler schwer verarbeiten können.
Ich wünsche es Ö, dass sie gegen Island das AF schaffen und hoffe ebenfalls auf die 6er für Alaba.

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Peda 20. Juni 2016 um 13:35

Erstens muss ich deine Zeilen sowieso öfter lesen, da sie grammatikalisch ziemlich ungebunden daherkommen und zweitens: nein, sehe ich absolut nicht so.

Junuzovics Arbeitspensum als Pressingzehner kann niemand im Kader gleichwertig ersetzen, Alaba noch am ehesten. Er ist nach Janko außerdem unser torgefährlichster Spieler. Gegen Ungarn hatte er zwei der größten Chancen, gegen Portugal mit dem Freistoß auch. Seine Klasse erlaubt es, nein macht es eigentlich unumgänglich ihn im A Team zentral aufzustellen.
Gegen Portugal sind die schwierigen Zuspiele auf ihn keine Erklärung für seine Leistung, seine schlechte – weil frühzeitig zu hohe – Positionierung zwang die Kollegen zu riskanten Zuspielen. Anschließend fehlte ihm die Ruhe und er wollte wenn möglich mit dem nächsten Pass das Spiel entschieden, statt den Ball in den eigenen Reihen zu halten, um kontrolliert aufrücken zu können.

Das hat aber aus meiner Sicht weder mit seinen Fähigkeiten oder einer Verfehlung des Trainers zu tun, sondern liegt an seiner momentanen Form und den hohen Erwartungen, die er an sich selbst hat.

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GatlingJ 20. Juni 2016 um 12:02

Korrektur: anstatt Embolo/Sefero war natürlich Harnik/Arnautovic gemeint, wie einen die Alpen doch verwirren können 🙂

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Sir Hadinger 20. Juni 2016 um 09:27

Ehrlich gesagt war die Maßnahme Alaba rauszunehmen, eigentlich eine folgerichtige Maßnahme. Alaba läuft seiner Form hinterher. 55% angekommene Pässe sprechen eine deutliche Sprache. Auch wenn die Position für ihn ungewohnt ist. Gegen Ungarn war es auch nicht besser. Schöpf zeigte zumindest Ansätze, wie man die langsamen Innenverteidiger der Portugiesen beschäftigen kann.
Und Ilsanker und Baumgartlinger wurden auf der Doppelsechs gebraucht. Links hinten spielt Fuchs. Und rechts hinten hat Alaba auch nie gespielt.
Koller hat halt das Problem, dass die Österreicher halt doch nicht Turniererfahren sind und das einige Spieler einfach ausser Form sind. Das geben die Spieler auch selber zu. Schade, aber der Trainer kann das auch nicht ändern.
Ich denke, er wird gegen Island die „alte“ Doppelsechs mit Alaba und Baumgartlinger bringen und davor Schöpf.

Antworten

Koom 20. Juni 2016 um 11:56

Gedankengang: Die Bayernspieler tun sich schwer, in einem „herkömlicheren“ System ihre Stärken einzubringen. Thomas Müller findet keine Räume mehr, Alaba keine Klarheit in seinem Spiel. In ihrer Vereinsmannschaft spielen sie extrem abgesicherten Ballbesitzfußball, in ihrer Nationalelf insgesamt deutlich umschaltlastiger.

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Peda 20. Juni 2016 um 19:03

Naja, der Kader einer Vereinsmannschaft ist in der Regel weit kohärenter als der einer Nationalmannschaft, die Trainingszeiten sind nicht zu vergleichen.

Im Verein werden die Spieler daher halt einfach weit besser eingebunden.

Antworten

Koom 21. Juni 2016 um 10:52

Absolut. Ich hab nur den Verdacht, dass der Rhytmus der Bayernmannschaft Müller und Alaba gerade in der Nationalmannschaft jeweils schadet, weil sie das „normalere“ Spiel so nicht mehr gewohnt sind. Sie haben jetzt 3 Jahre lang Positionsspiel gebimst, gerade im letzten Jahr war der Absicherungswahn von Guardiola extrem und beide haben sehr oft gespielt. Kann mir schon vorstellen, dass man da die „alten“ Wege etwas verlernt.

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HW 22. Juni 2016 um 18:21

Alaba hat momentan keine strategische Bedeutung wenn er auf der 10 spielen soll. Natürlich kann er sich an so eine Rolle nicht gewöhnen. Man sieht es bei Offensivielern oft, wenn sie keine Bindung zum Spiel haben, lassen sie sich Fallen. Auch wenn das nicht ihren Fähigkeiten entspricht. Bei Alaba ist es aber so, dass er momentan taktisch aus dem Bereich in dem er normalerweise spielt herausgehalten wird. Er müsste sich fallen lassen um Bindung zu bekommen, und bei ihm würde es sogar seinen Fähigkeiten entsprechen.

Wenn Österreich ausscheidet, dann ist das kanz klar unter der Akte „Vercoacht“ einzusortieren. Wie kann man seinen besten Mann so falsch aufstellen? Ich könnte verstehen, wenn man einen Angreifer zu weit zurück zieht um ihn mehr einzubinden. Aber einen defensiven Mittelfeldspieler zu weit vorne? Dann darf man sich nicht wundern, wenn der nie den Ball bekommt und schlecht spielt.

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HW 22. Juni 2016 um 18:14

Alaba spielt wieder auf der 10. Spieler die hauptsächlich im letzten Drittel oder in der gegnerischen hälfte spielen sind natürlich leichter zu isolieren. Koller nutzt Alaba also komplett anders als er im Verein genutzt wurde. Dort war Alaba im offensivsten Szenario ein Box to Box Spieler, ansonsten eben linker Verteidiger, defensiver im Mittelfeld oder sogar in der Abwehr. Alles Positionen in denen man den Ball (oder Zweikampf) oft bekommt und so einen Rhythmus aufbauen kann. Vorne kommt es dagegen auf wenige Aktionen mit dem Ball an.

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DaWerdenSieGeholfen 19. Juni 2016 um 19:09

11 Fussballer schlagen zusammen 88 Flanken und schiessen trotzdem 0 Tore!!

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rodeoclown 19. Juni 2016 um 16:26

Wenn ich es einer Mannschaft aktuel verzeihe, flügelfokussiert zu sein, dann sind das die Portugiesen. Selbst wenn keine Anbindung ans Zentrum, sondern eine Flanke am Ende steht. Mit Nani, Quaresma, Vierinha und Guerreiro haben die sie außergewöhnlich gute Flankengeber und Christiano ist für mich vielleicht der beste Kopfballspieler, den das Spiel bisher gesehen hat. Kombinationen über den 10er-Raum sind natürlich auch mit diesem Personal möglich, aber gerade bei diesem Vorrundenmodus, bei dem es für alle Teams vorrangig um Risikovermeidung geht, fand ich Portugal bislang sher überzeugend.

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Fabian 20. Juni 2016 um 08:43

Spricht es nicht Bände, dass selbst aus 37 Flanken von außergewöhnlich guten Flankengebern auf den weltbesten Kopfballspieler kein Tor entsteht? Es ist einfach zu einfach Flanken zu verteidigen. Aber hierzulande schreien schon wieder alle Bundeshobbytrainer nach hohen Bällen auf Gomez *facepalm*

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The Soulcollector 20. Juni 2016 um 09:31

Etwas Pech im Abschluss ist aber auch dabei gewesen. Portugal hatte 4-5 klare Torchancen und das auch nicht nur durch hohe Flanken sondern auch durch flache Hereingaben. Deshalb ist es schon wichtig auch mal Flanken mit einzubringen, wenn man einen solchen Abnehmer wie Ronaldo hat (der springt ja 20cm höher als jeder Abwehrspieler).

Bei Gomez würde ich aber auch sagen, dass er nicht unbedingt nur mit Flanken gefüttert werden muss. Schon gar nicht wenn er im Strafraum steht. Dann schon eher aus einem Lauf in den Strafraum hinein, dann kann er seine Physis einbringen im Luftzweikampf. Und als alleiniger Abnehmer auch nicht, sondern im Verbund mit Müller und Khedira, das wären dann nämlich schon 3 potentielle Abnehmer, was es für die Verteidiger schwer macht.

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Koom 20. Juni 2016 um 09:58

Vor allem ist Gomez ja kein typischer Kopfballspieler. Er ist großgewachsen, aber wie schon früher: Er ist eigentlich ein Stürmer, der auch mit Anlauf aufs Tor am Stärksten ist. Bei den Bayern hat er das verfeinert und seine Strafraumqualitäten auch verbessert. Ein Stehgeiger war und ist er aber nicht.

Das ist ja meistens das Problem mit Mannschaften im allgemeinen: Du stellst einen bulligen Mittelstürmer hin und sofort wird in Bedrängnis (oder auch nicht) der Ball hoch auf eben jenen gehauen. Dabei fällt mir spontan kein Mittelstürmer ein, der nur noch kopfballstark ist.

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rodeoclown 22. Juni 2016 um 19:20

Ich denke wir sehen gerade diesbezüglich die Regression zur Mitte und können die bisherige Erfolgsquote getrost als Pech abtun?

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Sebastian 19. Juni 2016 um 16:19

Interessante Analyse,
welche Änderungen würdet ihr fürs Islandspiel vorschlagen um die aktuellen Schwierigkeiten zu minimieren?
Die angesprochene Mannorientierung verhinderte meiner Meinung nach, dass Österreich offensiv wirklich Druck ausüben konnte. Arnautovic war häufig schwer anspielbar, was eventuell auch an taktischen Vorgaben lag, wärs aber nicht besser, wenn er mehr Freiraum bekommen würde, Positionswechsel durchführen könnte um so die Abwehr stärker zu beschäftigen. Man würde ja gerade seine Fähigkeiten brauchen um in eins-zu-eins-Situation zu gehen. Deshalb würde mir auch zb Schöpf im Zentrum gefallen, der sicher mit seiner Technik und Wendigkeit mehr Bewegung ins Spiel bringen kann.
Auch wenn Alaba im Moment nicht in besonders guter From ist, würde ich nicht auf ihn verzichten, da er trotzdem einer der Spieler ist, der durch Einzelaktionen entscheidend sein kann.

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Truu 20. Juni 2016 um 12:00

http://sharemytactics.com/68539/

1) Defensiv: Die Aussen-Spieler lassen sich gut isolieren, die Stürmer gut aus dem Spiel nehmen
2) Offensiv: Der Zwischenlinienraum lässt sich gut anspielen, mit inversen Läufen von aussen bzw mit schnellen zentralen Offensiv-Spielern der direkter Zug zum Tor herstellen

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Peda 20. Juni 2016 um 19:17

Ich würde auf die Stammformation setzen,mit Schöpf als Ersatz für Junuzovic.
Arnautovic öfter einrückend und Fuchs höher. Nautl kann gerne mit schwierigen Bällen gesucht werden, dafür braucht es aber einen Captain an der Seitenlinie, auf den er nötigenfalls ablegen kann. In den beiden bisherigen Partien war er dafür aber immer zu tief. Baumgartlinger und Alaba sollen sich mehr auf die Balance konzentrieren und die Präsenz in hohen Zonen anderen überlassen.

Im Prinzip sollen sie einfach eine Leistung auf den Rasen bringen, wie wir sie in der Qualifikation einige Male bewundern durften.

Gegen Ungarn und Portugal gab es jeweils kurz nach Anpfiff die wohl größte Möglichkeit. Vielleicht geht sie ja im dritten Versuch rein und der Knopf geht damit endlich auf…

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