Test im Testspiel endet früh

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Jogi Löw packt die Dreierkette aus; mit unklarem Ergebnis.

Offensiver Überzahl- und Überfallfußball

Mit der Dreierkette im Rücken wirkten die Deutschen im Angriffsspiel teilweise extrem kombinationsstark und gefährlich. Hector und Bellarabi gaben auf den Flügeln die Breite, wobei Bellarabi sich schon früh sehr weit vorne positionierte und häufig vom Flügel aus auch in die Mitte einrückte. Interessant waren hierbei die Rollen der Stürmer und zentralen Mittelfeldspieler. Die Rollenverteilung von Khedira, Özil und Gündogan war besonders auffällig.

Grundformationen

Grundformationen

Khedira war der Sechser und spielte in der 3-1-4-2haften Formation als tiefster Mittelfeldspieler. Persönlich hätte ich ihn nicht in dieser schwierigen Rolle aufgestellt, doch zumindest auf seine kombinationsfreudige, weiträumige und sehr offensive positionelle Interpretation wurde Rücksicht genommen – ob von ihm selbst oder von Bundestrainer Löw ist jedoch nicht überliefert. Immer wieder schob Khedira nach vorne und besetzte weit vorne unterschiedliche Räume, mal gab es Diagonalläufe in den rechten Halbraum, mal beteiligte er sich einfach sehr hoch an Kombinationen und ein paar Mal lief er plötzlich durch das Bild in Richtung Sturmzentrum.

Özil interpretierte seine Rolle als offensiver Achter ebenso sehr weiträumig. Er besetzte den Zehnerraum, ließ sich manchmal zurückfallen oder wich auf beide Flügel aus. In ein paar Situationen ging er sogar in den Raum hinter Bellarabi. Diese enorme Bewegung von Khedira und Özil durch eine Vielzahl unterschiedlicher Zonen sollte Gündogan absichern und unterstützen. Der BVB-Star fungierte somit als Balance- und Verbindungsgeber, der sich selbst frei bewegte, offene Räume füllte und für die beiden absicherte. Dadurch gab es gelegentlich auch Staffelungen zu sehen, wo Khedira und Özil quasi als Halbspieler fungierten und Gündogan den Sechser gab.

Neben dieser weiträumigen Spielweise und interessanten Rollenverteilung der zentralen Mittelfeldspieler sowie der schon erwähnten Asymmetrie der Flügel hatten auch die Mittelstürmer eine recht kombinationsorientierte Ausrichtung in ihrem Bewegungsspiel. Götze und Reus wichen häufig aus, bewegten sich weit mit nach hinten, um nach Balleroberungen sofort zu unterstützen und überluden flexibel Räume.

Generell war die deutsche Mannschaft in einzelnen Situationen extrem präsent und durchschlagskräftig aufgrund dieser Spielweise. Die Flügelverteidiger konnten nach Ballgewinnen schnell aufrücken, teilweise eben auch aus höherer Position als ein üblicher Außenverteidiger, die Achter waren dazu sehr unterstützend und die freien Mittelstürmer überluden gemeinsam die Räume. Vereinzelt befanden sich beide Mittelstürmer, beide Achter (oder Khedira) und der ballnahe Flügelspieler alle samt kompakt in Ballnähe.

Das brachte aber auch einige Probleme mit sich.

Defensive Stabilität noch fraglich

Die schon erwähnte Rollenverteilung und die resultierenden Staffelungen führten zu ein paar Mängeln, welche Australien gut bespielen konnte:

1)      Teilweise waren enorme Räume offen im zentralen Mittelfeld und auf den Flügeln, weil die Flügelverteidiger weit nach vorne schieben, beide oft gleichzeitig hoch standen und auch die zentralen Mittelfeldspieler eben weiträumig unterstützten. Nach Ballgewinnen konnte Australien über Vertikalpässe, Ablagen und nachstoßende Läufe relativ schnell und effektiv nach vorne kommen.

2)      Das Gegenpressing war nicht immer griffig, wenn die Halbverteidiger herausrücken sollten, wo sie noch Probleme in der Abstimmung hatten.

3)      Im Pressing waren das Herausrücken und die Grundausrichtung nicht ganz sauber, es variierte zwischen sehr aggressivem und zu spätem Herausrücken der Mittelfeldspieler sowie 3-1-4-2 und 3-5-2-Staffelungen mit flacher Fünf. Letztere schienen insgesamt adäquater.

4)      Die Kettenmechanismen und Abstände im Verschieben von den drei Verteidigern und auch den Flügelverteidigern waren nicht immer klar zu sehen und vom Ablauf her oft unsauber.

5)      Nach tiefen Ballverlusten hatten sie Probleme in der Reaktion auf den australischen Folgeangriff und auch die Staffelungen waren nicht passend, um möglichst schnell wieder kompakt zu werden.

Diese Aspekte sorgten dafür, dass die Socceroos einige sehr gute Chancen und mehrere aussichtsreiche Situationen in der deutschen Hälfte hatten. Doch es wäre falsch zu sagen, nur die deutschen Mängel hätten für die Chancen der Australier gesorgt.

Überraschung: Australien ist schon ganz gut

Die Gäste zeigten eine starke Leistung. Zwar waren sie in ihren Kombinationen nicht ganz so erfolgsstabil, um Deutschland auch in schweren Situationen konstant auszuspielen, doch immer wieder konnten sie mit einzelnen guten Pässen und Läufen nach vorne kommen. Der ausweichende Leckie war besonders gefährlich, da er sich in vielen Zonen bewegte und schlichtweg einige enorm schnelle Läufe zeigte, die schwer zu verteidigen waren.

Was ebenfalls auffiel war die Variabilität der Australier in der Arbeit gegen den Ball. Sie wechselten flexibel zwischen einem 4-1-4-1, einem 4-5-1 und einem 4-3-3 sowie einer asymmetrischen Variante dazwischen. Vielfach blieb einer der beiden Flügelstürmer tiefer und agierte am Mittelfeld, während der andere in höheren Zonen entweder herausrückte und mit dem Mittelstürmer presste oder in tieferen Pressingsituationen zockte und nach offenen Räumen Ausschau hielt.

Diese teilweise asymmetrische Defensivformation funktionierte eigentlich ganz gut, dazu gab es mit dem mannorientierten Herausrücken auf Khedira und Co. auch einige starke Aktionen und Ballverluste auf Seiten der deutschen Nationalelf. Australien legte also ein recht gutes Pressing an den Tag mit netten Abständen; sowohl Vertikal- als auch Horizontalkompaktheit waren passend. Phasenweise waren die ballfernen Spieler weiter eingerückt als bis zur Spielfeldmitte und gewährten den relativ eng agierenden deutschen keinen Raum.

Später gab es auch vermehrt 4-4-2hafte Pressingformationen zu sehen, als Deutschland zuerst Mustafi höher schob im Aufbauspiel und später endgültig auf eine Viererkette zurückumstellte. Australien probierte nach dem Seitenwechsel den Ball verstärkt auf Khedira zu leiten und hatte einige starke Angriffe dadurch.

Fazit: Testende ungleich Testspielende

Spätestens die Einwechslung von Rudy für Badstuber bedeutete das Ende der Dreierkette in diesem Spiel; obgleich sie häufig eher als pendelnde Viererkette zu bezeichnen war. Hierzu zitiere ich Kollege Tobias Escher aus seinem Twitterfeed:

Verstehe, wer will, warum man in einem TESTspiel den Test der Dreierkette nach einer Halbzeit abbricht.

Wieso die Dreierkette nicht weiter getestet und mit unterschiedlichen Spielern ausprobiert wurde, ist mir nicht ganz klar. Mit Rudy für Badstuber gab es wie schon erwähnte eine klassische Viererkette, Bellarabi agierte fortan als Flügelstürmer. Bundestrainer Löw brachte Kramer für Khedira, Schürrle für Bellarabi sowie mit Podolski und Kruse als Doppelwechsel für Reus und Götze unterschiedliche Spielertypen; der große Test mit drei Innenverteidigern war jedoch gegen gute Australier mit ähnlichen Stärken und Schwächen bei geringerer individueller Qualität und etwas vorteilhafterer strategischer Ausrichtung vorbei.

Benj 27. März 2015 um 22:04

Weil hier die 3-er-Verteidigung häufig besprochen wurde: Gibt es eine Chance, eine Retro-Analye zu WM-Finale Italien (1-4-1-3-1) vs Deutschland (1-4-2-3) aus 1982 zu lesen? Oder wenn wir da schon dabei sind: 1978 Argentinien vs Niederlande? Wäre absolut geil.

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RM 28. März 2015 um 01:54

Früher oder später wird es kommen, ja. Sobald wir Zeit finden, dem gerecht zu werden.

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CE 29. März 2015 um 12:46

1982er-Finale wäre echt eine Betrachtung wert. Beim 1978er-Finale möchte ich keine Eigenwerbung machen, aber wer einen kurzen Einblick erhalten möchte…http://goo.gl/zaF8ou

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Benj 29. März 2015 um 20:43

Danke für die mehr als berechtigte Eigenwerbung (zuviel Bescheidenheit ist ohnehin überschätzt), werde bald dazu mehr schreiben, schon allein deshalb, weil sich diese Analyse sehr stark mit meinen deckt, und mir dabei aber ein sehr interessanter Aspekt gerade bei Argentinien und Peru aufgefallen ist, der diese Mannschaften grosse Defensiv-Stabilität gekostet hat.

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Benj 30. März 2015 um 16:55

Ich besitze alle WM-Spiele seit 1966, ich sehe mir noch oft alte Spiele an, und meine Lieblings-WM ist jene von 1978. Warum? Weil das sie letzte WM war, in der Spieler das ausleben konnten, was Du als „Doch dies war eher der individuellen Spielintelligenz als den strategischen Vorgaben geschuldet“ beschrieben hast. Vielleicht kann man das so festhalten: Die Spielstile der WM 1978 war der Ausdruck des abflauenden Zeitgeistes, der sich gesellschaftlich (Hippies und Kommunen) und kulturell (Pop Art und Studio 54) gezeigt hatte. Leider wurden die Freigeister immer weniger bzw. mussten sich immer unterordnen, so dass die WM 1986 die letzte WM war, in der noch „Lass uns einfach nur Fußball spielen“-Spiele statt fanden ua. Marokko gg Portugal, Spanien gg Dänemark, Belgien gg UdSSR und Frankreich gg Brasilien (fairnesshalber halte ich fest, dass es auch später immer wieder geile Spiele gab, aber eben als Ausrutscher, wie Dänemark gg Nigeria 1998, Senegal gg Schweden 2002, Australien gg Kroation 2006 oder Ghana gg USA 2010).

Ich hatte mit die Mühe gemacht, mir die Spiele der Gruppe D sowie die Spiele Argentiniens genauer anzusehen. Warum Gruppe D? Diese war auf dem Papier die Todesgruppe: Niederlande war Nr. 1 der Welt, Schottland der große Turnierfavorit und bei den Buchmachern die Nr. 1, Peru der aktuelle Südamerikameister, der Iran gleich stark wie die europäischen Spitzenteams (ua. als überlegene Mannschaft 1:1 gg Argentinien 1977).

Was mir bei Peru (und deckungsgleich bei Argentinien) auffiel: Das war eine Eigenart des 3-1-1-1-1-3, die ihre Vorzüge im Spiel nach vorn hatte, aber im Spiel nach hinten wenig Zugriff in defensiven Zentrum erlaubte, Beide spielten mit quasi 3 Innenverteidigern (Duarte/Manzo/Diaz bzw. Olguin/Glavan/Tarantini) plus kleinem Libero (Chumpitaz bzw. Passarella), einem zentral-defensiven Mittelfeldspieleer (Valasquez bzw. Gallego), einem Verbindungs-Spielmacher (Cuerto bzw. Ardiles), einem Offensiv-Spielmacher (Cubillas bzw. Kempes) und 3 Stürmern (Munante/Larosa/Oblitas bzw. Tarantini/Luque/Ortiz). Um bei der Defensive zu bleiben: Die 3 Verteidiger spielten relativ zentral und ließen sich kaum auf die Seiten herausziehen. und die Aufgabe des Liberos war es, in der ballnähe Überzahl zu schaffen, dazu sollte der defensive Mittelfeldspieler den Raum vor der Abwehr zuzustellebn, Nur gelang dies bei schnellen Kombinationsspielen selten, wie diese beiden relativ deckungsgleichen Gegentore (Italien gg Argentinien http://bit.ly/1IeHIiJ sowie Schottland gg Peru http://bit.ly/1ys8RJY ) und auch viele andere Situationen, die aber zu keinem Gegentor führten, zeigen: Spielten die Gegner einmal schnell von der Halbseite nach innen, fehlte der Zugriff durch sowohl die Aussenverteidiger als auch das defensive Mittelfeld, und der Libero antizipierte bzw. bewegte sich viel zu spät heraus, womit sich viel Platz für die gegnerische Offensivwelle ergab (das hatten die Iraner perfekt erkannt und gespielt, allein fehlten dort die Tore). Somit mußte der Libero, auch knapp VOR der Abwehr wie ein Scheibenwischer die Löcher stopfen, was oft mißlang.

Happel ließ die Niederländer einfach kompakter und „geregelter“ spielen, aber keineswegs defensiver. Vergleichbar mit einem Tischtennisspieler, der ein langsameres Holz und schnellere Beläge verwendet, wollte er (ähnlich in Brügge) Kompaktheit mit Variabilität verbinden: Beipielsweise probierte er viele Optionen auf den Abwehrseiten, um am Ende dann doch mit den zwei Mittelfeldspielern Jan Poortvliet und Wim Jansen die Abwehrseiten zu besetzen, um damit auch die Räume vor der Abwehr näher zum Tor zuzustellen. Umgekehrt zog er Arie Hahn ins Mittelfeld, um eine Defensivbalance herzustellen (1974 spielten die Niederländer mit dem offensiven Neeskens zentral), und mit Neeskens und Willy van de Kerkhof sollten 2 zentralere Außen-Mittelfeldspieler passender zu Rensenbrink und Rene van de Kerkhof die Räume dahinter besetzen. Ich traue mich zu behaupten, bißchen längere Vorbereitung (Happel war erst knapp vor der WM verpflichtet worden), und die Niederlande hätte Argentinien aus dem Stadion geschossen.

Zu Schottlands Scheitern 1978 wurden gefühlt mehr Bücher geschrieben als zu allen anderen existierenden Themen (mehr als empfehlenswert: „’78: How a Nation Lost the World Cup“). Trotz aller Erfolge in der Vergangenheit galt diese Mannschaft als die beste der eigenen Fussballgeschichte, und das Scheitern entsprechend als die größt mögliche Demütigung. Taktisch spielten sie einen – aus heutiger Sicht – unausgereiften 4-2-4/4-3-3-Hybrid, wobei der Mannschaft die Defensiv-Stabität der WM 1974 abhanden gekommen war. Danny McGrain war verletzt ausgefallen (er wurde 1974 zusammen mit Sandy Jardine trotz nur 3-er absolvierter Spiele zu den besten Abwehrspielern gewählt), und Billy Bremner, der vielleicht beste britische defensive Mittelfeldspieler der 70-er, war zuvor aus disziplinären Gründen aussortiert worden. Somit spielte die Mannschaft mit 4 Verteidigern und letzten Endes ohne einen echten defensiven Mittelfeldspieler, da einfach zu viele offensive Weltklassespieler vorhanden waren (Brian Glanville: „The Scots had an abundance of fine midfield players at a time … Bruce Rioch, … Asa Hartford, Archie Gemmill …“), und auch da fehlte der zugriff im Mittelfeld, wenn schnell über die Halbseiten durch die Mitte gespielt wurde (http://bit.ly/1BE3B6e). Einmal im Spielrausch, konnten sie jeden Gegner demütigen (beim 1-3 gg Peru fehlten einfach nur die Tore, und das 3-2 gg die Niederlande fiel auch aufgrund zweier schwerer Fehlenstcheidungen des Schiedsrichters entsprechend zu niedrig aus), aber das passierte eben selten (für die Jüngeren: http://bit.ly/1F9xYG9)

Der Iran war der Pechvogel dieser Gruppe. Erstens fiel der beste Spieler dieser Mannschaft Parviz Ghelichkhani und der vielleicht beste defensive zentrale Mittelfeldspieler der Welt aus politischen Gründen aus (für ihn boten die Bayern 1974 sehr viel Geld, der iranische Geheimdienst liess ihn nicht ins Ausland wechseln), zum andere verletzte sich Hassan Rowshan (für ihn boten Paris St. Germain und Chelsea 1978 rund $ 500.000 Ablöse) vor der WM schwer, er galt als einer der weltbesten Stürmer. Der Iran spielte einen sehr modernen 4-4-2. Die Abwehr spielte mit einer luppenreinen 4-er-Kette (http://bit.ly/1IJq6MQ), davor mit zwei 6-ern, zwei offensiven Aussen-Mittelfeldspielern und zwei Stürmern. Die Idee war, relativ tief zu verteidigen, das Spiel der gegner sehr schnell auf die außen zu leiten, um dann schnell den Ball nach vorne zu bringen (ua. http://bit.ly/1aaO20h). Die Spieler waren allerdings gerade in der Defensive überfordert. Die offensiven Mittelfeldspieler Sadeghi (schoss gg Bayern München in einem Freundschaftspiel 1974 3 Tore, und hatte ein $250.000 Angebot von Nantes 1978) und Ghasempour mussten in der Defensive spielen, was sie nicht umsetzen konnten, und es fehlte in den ersten beiden Spielen eben dieser Rowshan und damit ein technisch versierter Dribbelstürmer. Dass die mannschaft viel Qualität besaß, zeigten sie in allen 3 Spielen: Beim 0-3 gg die Niederlande gab es 2 ungerechtfertigte Elfmeter, beim 1-1 gg Schottland bekamen sie ein das Gegentor nach einem Stürmerfoul, und die Torschußbilanz beim 1-4 gg Peru lautete 17-7.

Ich komme zurück auf Deine mehr als treffend beschriebene Analyse:

„Bei den Niederländern beeindruckte in diesem Punkt vor allem der Dreierblock im Mittelfeldzentrum, der eine verhältnismäßig enorme Intensität im Gegenpressing an den Tag legte. Auf der anderen Seite war das Finale zwischen eben jener Oranje-Auswahl und den Gastgebern auch der Beweis, dass eigentlich von Minute eins an die Zwischenlinienräume groß und der normale Pressingdruck recht gering erschien. Happels Mannschaft glich dies durch eben das erwähnte Bollwerk aus, welches im Zusammenspiel mit Außenverteidiger und Außenstürmer eine wirksame horizontale Kompaktheit entfaltete.“

Das sollte für alle Mannschaften dieser WM gelten: Es war allen Mannschaften eines gleich, es fehlte im Defensivspiel das Ineinandergreifen der Mannschaftsteile, obwohl innerhalb der Mannschaftsteile die Intention groß war, gemeinsam kompakt zu agieren. Und der taktische Fokus lag eindeutig auf die Offensive, beachtet man die Staffelungen im Spiel nach vorn (wie häufig bei Polen und Brasilien beobachtet).

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CE 30. März 2015 um 20:09

Besten Dank erst einmal für deine detaillierten Schilderungen. Wenn ich morgen den Kopf frei habe, antworte ich nochmal ausführlich.

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Mario 27. März 2015 um 20:36

Mit mir hätten wir gewonnen. Es wird langsam Zeit für mich! Euer Mario Gomez

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kolle 27. März 2015 um 12:54

Hab das Spiel nicht gesehen, finde die 3er Kette aber nicht verwunderlich. Löw war desletzt im ASS und hat das Niveau angehoben :-). Ne im Ernst er hat da ausführlich über 3er Kette gesprochen, u.a. die italienischen und vor allem die offensiven 3er Ketten aus Chile. Insofern nicht verwunderlich das er die nun auch mal antestet. BTW – 3er Ketten aus Chile habe ich ansonsten nur von euch gehört thx

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Peter Vincent 27. März 2015 um 12:22

Im Hinblick auf die EM16 würde ich mir folgendes Muster wünschen:

——–Reus——————Götze——- // Draxler, Müller, Bellarabi
———————Özil——————— // Meyer
—-Gündogan———–Schweini—– // Kimmich, Khedira/Kramer/Goretzka
——————-Kroos——————– // Geis
Hector—HB————Boa——-Can // BH, Hummels, L. Bender
——————Neuer——————- // ter Stegen, Leno, Zieler

Die Dreierkette ist sicher auch eine Option und mit dem Spielermaterial auch spielbar,
aber ich sähe i. A. lieber einen zürückfallenden Sechser Kroos.

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BinDagegen 27. März 2015 um 14:16

Du willst eine Mittelfeldraute mit Schweinsteiger halbrechts? Und dazu Can als RV und Götze als rechter Stürmer? Bitte weihe mich ein. Was versprichst du dir davon?

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DH 26. März 2015 um 22:14

Warum Löw Can so beharrlich ignoriert, verstehe ich nicht. Der hat doch ein ganz anderes Spielverständnis als ein Mustafi, gerade für eine Dreierkette. Can lässt sich auch nicht so einfach isolieren, sondern hat intelligentere Bewegungen drauf. Das soll kein Rant gegen Mustafi werden – als IV in der Viererkette ist der durchaus gut. Aber für solche Test brauchst du dann doch Spieler mit etwas besserem Spielverständnis und intelligenteren Moves.

Ist eh schade, dass Löw nicht der größte Leverkusen-Fan zu sein scheint. Castro und auch Leno hätte ich gerne mal in der gestrigen N11 gesehen – eine Bevorzugung Zielers gegnüber Leno ist in meinen Augen nicht zu rechtfertigen (und das sage ich als Kölner!).

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CE 26. März 2015 um 22:30

Jetzt will ich hier nicht unbedingt Löw verteidigen, aber es hat schon einen Grund, warum die U21-Spieler wie Leno oder Can im Moment bei Hrubesch bleiben. Stichwörter: EM im Sommer und Quali für Rio.

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DH 26. März 2015 um 23:00

Wenn Löw einen Spieler wollte, hat der bislang nie Rücksicht auf die U21 genommen. Gut, auf der Torwart-Position muss man nicht handeln, aber auf R(A)V?

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Dingens 26. März 2015 um 23:28

„Mir ist lieber, sie spielen bei der U21 ein Turnier mit internationalem Vergleich als dass sie bei uns dabei sind und vielleicht 90 Minuten auf der Bank sitzen“ J. löw
http://www.focus.de/sport/fussball/dfb-loew-volland-meyer-und-co-bleiben-bis-nach-em-bei-u21_id_4566440.html

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Benj 26. März 2015 um 18:05

Viele Trainer machen zwei fundamentale Fehler,

a) eine 3-er Kette zu spielen automatisch mit Spielern, die ansonsten gewöhnliche Innenverteidiger oder Außenverteidiger spielen (das hat schon der liebe „offenbar alles wissende“ Pep Guardiola versemmelt, nämlich bei Barcelonas 2:2 gegen Chelsea 2012, als er hinten mit Puyol-Pique-Mascherano, nach 26 Minuten mit Alves-Puyol-Mascherano, spielen ließ, das war für mich ein taktischer Offenbarungseid – die Pep-Entschuldigungen, von wegen er sei eben ein Fussballromantiker, kann ich nicht mehr hören);

b) auf den „tiefen“ 6er zu verzichten (das hat Hitzfeld in seinen guten Tagen hervorrragend gemacht, mit Paul Lambert bzw. Owen Hargreaves zwei CL-Titel einzufahren).

Ich kann das deutsche nicht beurteilen, kann aber feststellen (u.a. auch mit dem gestrigen Anschauungsmaterial), dass das System mit der 3er-Kette nur dann funktionieren kann, wenn die 3 relativ eng im Zentrum bleiben, einer davor aufräumt und 2 Balancespieler auf den Seiten ihr Unwesen treiben (siehe Brasilien 2002 mit Gilberto Silva sowie Cafu und Carlos oder Deutschland 2014 über weite Strecken verkappt/assymetrisch mit dem großartigen und weit unterschätzten Schweinsteiger in der Mitte sowie Lahm und Kroos auf den Seiten).

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Lenn 26. März 2015 um 20:15

Öhm… nö. Vor allem ganz gewiss nicht in dieser selbstgewissen Bestimmtheit. Als Anschauungsunterricht, dass deine Version der Dreierkette nicht die einzig wahre sein kann, seien dir die Spiele im 343/334 von Peps Barça11/12 ans Herz gelegt.

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Benj 26. März 2015 um 20:55

Ich widerspreche ungern, aber von einer einzig wahren Form der 3-er-Kette war nicht der Rede, sondern davon, was auf KEINEN Fall sein darf, nämlich Innenverteidiger wie Puyol in eine 3-er-Kette hineinzustopfen getreu dem Motto, „was er in einer 4-er-Kette kann, das kann er auch sicher in einer 3-er-Kette“. Und dass ein tiefer 6-er der Defensive grosse Stabilität verleiht, ist wahrlich kein Geheimnis. Dazu verweise ich gerne auf die Retro-Analyse Argentinien gg Deustchland 1986 (http://spielverlagerung.de/2012/04/06/retroanalyse-argentinien-deutschland-wm86-in-depth/) sowie die Rollen von Batista bzw. von Norbert Eder.

Die Barca-Spiele habe ich sehr wohl mitverfolgt, und da möchte gerne festhalten, dass drei Gründe für die erfolgreichen 3-3-4-Spiele auszumachen waren: 1) Busquets Anwesenheit im Zentrum, 2) Abidals Anwesenheit und Kompaktheit im Halbraum, 3) wenn Puyol dabei dann niemals zentral, 4) die generelle Überlegenheit der Barca-Mannschaft in der Offensive.

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Lenn 26. März 2015 um 22:40

„kann aber feststellen (u.a. auch mit dem gestrigen Anschauungsmaterial), dass das System mit der 3er-Kette nur dann funktionieren kann, wenn die 3 relativ eng im Zentrum bleiben, einer davor aufräumt und 2 Balancespieler auf den Seiten ihr Unwesen treiben“ ->http://spielverlagerung.de/2011/09/18/in-depth-analyse-des-fc-barcelona/

Das war´s von meiner Seite.

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Benj 27. März 2015 um 10:31

Ich antworte gerne darauf:

Ja, selbstverständlich war das ein großartige Leistung von Barca, und das schliesst meine Analyse nicht aus: Es spielten hinten 4 hochspezialisierte Defensivspieler. Ich sehe den Wink mit Puyol sehr wohl, glaube aber schon, dass gegen eine Mannschaft wie Osasuna die Defensive nicht so gefordert ist wie gegen Chelsea (kann mich auch nicht erinnern, dass Barca gegen Real jemals mit 3-4-3 /3-3-4 gespielt hätte), wo die 3-er-Kette auch dank Alves extrem unkoordiniert gespielt hat, zudem ist in jenem Artikel die Analyse über Barca 2011 faktisch fehlerhaft, Barca spielte in jener Saison die Stamm-3-er-Kette mit Abidal-Mascherano/Pique-Puyol.

Was die Deustche Mannschaft betrifft, so verstehe ich nicht, warum nicht ein Daniel Baier (wenn schon Schweinsteiger nicht verfügbar) für eben diese 6-er-Position in Frage kommt, dazu Khedira als rechter Aussenspieler, und so denke ich, die starken und zu Unrecht unterschätzten Australier hätten in der Offensive keine Torchancen vorgefunden.

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HW 27. März 2015 um 10:47

Schweinsteiger ist doch bei der N11.

Das war ein Testspiel. Also lasst den Löw doch mal eine Sache testen, bevor er die nächste testen kann. Ich schätze aber, dass wir Khedira nicht fest in der Abwehrlinie sehen werden.


Krawu 26. März 2015 um 14:01

Würde generell ein 3-6-1, wie von RM schon analysiert wurde, bevorzugen. Mit Müller ganz vorne als Raumdeuter und einzigen Stürmer. Dahinter hybride offensive Dreierkette mit Reus-Götze-Özil. Im zentralen / defensiven Mittelfeld Kroos- Schweinsteiger-Kramer. Halbverteidiger Boateng-Höwedes/Badstuber/Mustafi/Khedira? Und im Zentrum natürlich Hummels.

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HK 26. März 2015 um 12:53

Die erste echte Dreierkette die ich je gesehen habe. Dies in dem Sinn, dass man die drei Unglücksraben dort wirklich alleine hat werkeln lassen. Da war mal nichts zu sehen von der berühmten „Dreierkette die im V-Fall zu …mutiert“
So war das schon verdammt viel Tundra was die drei abzudecken hatten.

Khedira als Sechser wie immer als Running Gag unterwegs. Ich weiß nicht wass Löw ihm vor dem Spiel erzählt. Aber was bei ihm ankommt ist offensichtlich: „Sami, mach einfach immer nur das worauf du gerade Lust hast und kümmere dich nicht um Mit- oder Gegenspieler.“

Australien wirklich beeindruckend. Wo muss man heutzutage noch hingehen um die sogenannten „Kleinen“ zu finden.

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HW 26. März 2015 um 13:26

Finde es echt interessant wenn über die „Kleinen“ (die es angeblich nicht mehr gibt) gesprochen wird. Aus Sicht eines Weltmeisters ist fast jeder Gegner klein. Dass Australien nicht Georgien oder gar Andorra ist, logisch. Löw hat vor dem Spiel gesagt, Australien sei ähnlich wie Irland oder Schottland und daher ein guter Test. Man spielt in der Quali gegen ein paar wirklich kleine Teams, da macht es Sinn in Freundschaftsspielen eine höhere Qualität zu gast zu haben. Australien ist zwar nicht Argentinien oder Frankreich, aber immerhin Asienmeister.

Khedira alleine auf der 6 ist gewagt und auch nach meinem Verständnis nicht seine Position. Aber Löw will vielleicht einfach mal etwas Risiko gehen und die Elf ist auch nicht in einem Turniermodus in dem man eine wesentlich bessere Abstimmung erwarten muss.

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K1 26. März 2015 um 10:56

Ich würde das getestete System mit Dreierkette nicht abschreiben. In einer Staffelung Boateng-Hummels-Badstuber, bei allen in Topform und bei längerem Einstudieren, dürften die Abstimmungsprobleme weniger werden. Auch beim Thema Schnelligkeit sehe ich bei Hummels und insbesondere Boateng weit weniger Probleme als bei Mustafi und Höwedes. Denke bei Badstuber brauchts einfach noch etwas Zeit und Training nach der langen Pause. Problematisch sah ich eher die rechte Seite in der Rückwärtsbewegung, wo es bei Bellarabi und bei Özil enorme Probleme in der ordentlichen Zweikampfführung oder auch überhaupt im Spiel nach hinten gab. Dadurch wurde immer wieder Mustafi allein gelassen und Höwedes musste zur Unterstützung weiter nach Außen, sodass in der Mitte Badstuber alleine war, sofern nicht der (durchaus gute) Hector rechtzeitig mit zurückgeeilt war. Hier hätte ich auch Khedira mehr in der Verantwortung gesehen, solche Situationen intelligenter abzusichern. So entstand auch das erste Gegentor, bei dem schlichtweg die Flanke hätte verhindert werden müssen und können.
In der Ersten Hälfte hat man aber auch gesehen, dass das Offensivspiel vorne (bei der Dreierkette hinten mit 3 echten Verteidigern) erheblich profitierte und durchaus kreative Ansätze zur Erspielung von Chancen zu sehen waren. Denkt man sich z.B. einen Müller, ggf. statt Bellarabi, noch hinzu, könnte das durchaus interessant sein.
Ich denke also das getestete System an sich dürfte durchaus zukunftsträchtig sein, wenn auch sicher personell etwas anders besetzt.

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king_cesc 26. März 2015 um 10:02

„Khedira war der Sechser und spielte in der 3-1-4-2haften Formation als tiefster Mittelfeldspieler. Persönlich hätte ich ihn nicht in dieser schwierigen Rolle aufgestellt, doch zumindest auf seine kombinationsfreudige, weiträumige und sehr offensive positionelle Interpretation wurde Rücksicht genommen – ob von ihm selbst oder von Bundestrainer Löw ist jedoch nicht überliefert. Immer wieder schob Khedira nach vorne und besetzte weit vorne unterschiedliche Räume, mal gab es Diagonalläufe in den rechten Halbraum, mal beteiligte er sich einfach sehr hoch an Kombinationen und ein paar Mal lief er plötzlich durch das Bild in Richtung Sturmzentrum.“

->perfekte Beschreibung!

Fand die Einbindung von Khedira komisch, ich hätte ihn ja gerne mal in einer Alaba-Rolle gesehen 🙂 Die Läufe hat er ja drauf und wer sieht schon nicht gern den Halbverteidiger in den gegnerischen 16ner rennen.

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KK 26. März 2015 um 10:52

Mein lieber HW bist du wirklich der Meinung, dass Khedira über genug Spielintelligenz verfügt, um die „Alabarolle“ zu spielen? Mmn war Khedira einer der Hauptgründe, weshalb die Mannschaft völlig frei von jeder Balance gespielt hat.

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HW 26. März 2015 um 11:22

Bitte was?

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HW 26. März 2015 um 11:30

Was ist denn überhaupt die Alaba-Rolle? Der hat in den letzten Monaten doch fast alles vom LV über DM zum rechten ZM gespielt. Welche Rolle hat King_cesc gemeint?

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KK 26. März 2015 um 11:39

Sorry HW das war ein freuscher Vertipper

denke er meint die Rolle des situativ vorrückenden IVs von den SVBoys als Halbraumlibero bezeichnet

http://spielverlagerung.de/2015/01/14/aspektanalyse-david-alaba-der-halbraumlibero/

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HW 26. März 2015 um 08:51

Warum man den Test der 3er-Kette zur Pause beendet, weil man die 4er-Kette testen möchte. In der zweiten Hälfte sah es für mich nach dem Testfall aus: Wir haben keine Spieler von Bayern (außer Götze) zur Verfügung. Das war vielleicht nur ein Zufall. Ich vermute Löw wollte vor allem Personal testen.
Die Umstellung zum 4-4-2 hat mir nicht wirklich gefallen. Das liegt weniger an der 4er-Kette als an den vielen zentralen Mittelfeldspielern, die Deutschland hat. 4-3-3 würde den Stärken des Teams eher entsprechen, was aber nicht bedeutet, dass 4-4-2 nicht auch eine Option in manchen Spielen sein kann.
Ich verbinde die Nationalelf wieder mit dem Begriff Turniermanschaft und dieses ‚Projekt‘ ist einfach vorbei. Von der Elf bei der WM scheint nur wenig übrig zu sein. Löw nutzt Testspiele tatsächlich zum Testen.

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KK 26. März 2015 um 01:58

*EM

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KK 26. März 2015 um 01:56

Gerade mit Blick auf die EM und auch schon vor der WM schien mir eine 3er Kette egal ob pendelnde 4er Kette oder als echte interpretiert eine interessante Option. Nun mit Bellarabi in der Mannschaft hat das ganze nochmal einen riesig großen Extrapluspunkt. Durch seine physischen Qualitäten und Schnelligkeit kann er den rechten Flügel als (sehr offensiver) Wingback prima beackern, klar muss er noch etwas an seinen Defensivkünsten feilen, aber den kriegen Jogi und Roger schon noch bis nächstes Jahr hin. Auf dem linken Flügel sieht es da schon ein wenig suboptimaler aus, Jonas Hector hat sich da heute zumindest nach seinen Möglichkeiten tapfer geschlagen (wenn auch mit hier und da ein paar kleineren Schwächen). An Innenverteidigern haben wir eh Qualität en masse, Namen brauch ich da keine erzählen. Auch unserem Toni würde eine Art 3-1-4-2 ziemlich gut zu Gesicht stehen, er könnte da noch pirloesker wie jetzt schon gestaltend wirken.

Die kleinen Kompaktheitsprobleme und Abstimmungsschwächen zwischen den Spielern sind zu verzeihen, die Formation hat mir Lust auf die WM gemacht, nur glaube ich nicht, dass sich Löw von seinem Turnier 4-3-3 trennen wird.

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studdi 26. März 2015 um 09:55

Was würdet ihr von Podolski als linken Wingback halten? Im 4 3 3 oder 4 2 3 1 finde ich ihn immer etwas zu kombinationsschwach wenn er in die mitte ziehen muss aber im 3 5 2 als breiten wingback könnte er ja mehr die außen halten?

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KK 26. März 2015 um 10:54

Rein theoretisch hat er durch seine Dynamik die Anlagen dafür, doch ich glaube, dass wir ihn, falls er sich nicht langsam mal bei Inter zusammenreißt, nicht mehr allzu oft in der Nati sehen werden

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HW 26. März 2015 um 11:24

Denke ich auch, ohne Einsatzzeit und Leistung im Verein wird das für Podolski nichts. Ich fand es aber gut, dass er mal (halb) rechts gespielt hat. Als Wing Back sehe ich ihn eigentlich nicht.

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razor19911 26. März 2015 um 11:14

Meiner Einschätzung nach hat Hector einen außerordentlich guten Job gemacht, gemessen an seinen Erfahrungen. Kombinationsstark, sehr gute physische Konstitution, technisch stark und Stellungsspiel absolut solide. Ich halte generell recht viel von ihm und sehe ihn nächste Saison in einem Top5-Team der Bundesliga.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Löw sich punkto 3-er-Kette stark an Bayern orientieren wird, vor allem in Hinsicht der benutzten Spielertypen: Linker Flügelläufer ein gelernter Linksverteidiger mit Offensivpotential und rechter Flugelläufer eine Offensivkraft mit Defensivqualitäten a la Bernat links und Robben rechts (Bayern vs Rom).

Damit würde sich eine gewissen Asymmetrie in der Spielanlage ergeben, welche potentiell durchaus interessant wäre. Das Umfeld wäre ebenfalls prädestiniert für solch eine Spielweise mit Boateng als rechtem Halbverteidiger und Gündogan als halbrechtem Achter mit balancierenden Aufgaben.

—————————————————————————————Götze———————————————————————————-
—————————————————————————-Reus———————————————————————————————-
——————Hector—————————-Kroos—————————————Gündogan———————————–Müller—————–
—————————————————————————-Schweinsteiger——————————————————————————–
———————————-Badstuber——————————Hummels————————————-Boateng————————————
———————————————————————————-Neuer————————————————————————————–

Hector´s Rolle links etwas linearer ausgelegt mit moderatem Diagonalfokus während Müller auf der rechten Seite praktisch einen Rechtsaußen gibt mit enormen Diagonalfokus, um hinter die Linien zu kommen. Ein etwaiger Linksfokus mit Hector, Kroos, Reus und Götze könnte Müller die Möglickkeit geben den Strafraum für Hereingaben zu besetzen.

Boateng würde dann phasenweise sehr weit rechts pendeln und könnte diese Rolle mit Bravour ausfüllen. Hummels und Badstuber würden mit der zentralen Spieleröffnung beauftragt werden und könnten Schweinsteiger diesbezüglich entlasten und ihm eine weiträumige 6-er-Raum-Besetzung ermöglichen. Gündogan als halbrechter Balancespieler und Kroos als spielmachender 8er in höheren Zonen wären ebenfalls sehr passend.

Reus und Götze haben mir potentiell ebenfalls sehr gefallen während dem Testspiel. Götze als Verbindungsspieler im letzten Drittel und Reus als Nadel-Dribbler-Dynamik-Kombinations-Mischung würde das Gefüge sehr stark ergänzen. Gerade zwischen den beiden könnten sich potentiell sehr fluide Rollenbesetzungen ergeben.

Wäre chillig diese Aufstellung und Rolleninterpretation mal so zu sehen!

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KK 26. März 2015 um 11:44

Ich sehe wie oben schon geschrieben Bellarabi prädestiniert für die Rolle des RLB – Müller wird als höchster Spieler benötigt. Ich finde man hat gestern gesehen, dass sowohl Reus als auch Götze als Sturmduo dahingehend wenig harmonieren, dass beide zu gern in den linken Halbraum ziehen und Spieler vor ihnen sehen wollen, wenn einer von beiden als hoher Raumöffner fungiert (Müller’s Paraderolle) ist dessen Kreativpotential verschenkt. Götze als offensivster Achter wäre eine Überlegung wert, vor allem seine Pressingresistenz und super Gegenpressingverhalten würden dafür sprechen. Gegen Götze als offensivster 8er/10er Hybrid spricht, dass Löw in Mesut verliebt ist.

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razor19911 26. März 2015 um 14:07

Die Positionierung mit Reus und Götze in der Spitze war ja auch mit der Idee verbunden einen beabsichtigten Linksfokus zu erzeugen. Die Asymmetrie könnte Müller von der rechten Außenbahn befreien und ihm eine deutlich höhere und zentralere Rolle ermöglichen und aufgrund seiner Athletik und defensiven Qualitäten könnte das DFB-Team bei Ballverlust im Verbund mit Boateng´s Weiträumigkeit und Gündogan´s Balanceakten die rechte Seite stabilisieren.

Bei Bellarabi habe ich immer das Gefühl, dass er seine Rolle viel zu linear interpretiert. Er klebt mir teilweise zu arg auf der rechten Außenbahn fest und wird auf seine Dribblings reduziert; inwiefern das Jogi´s Vorgabe beziehungsweise seiner Rolleninterpretation geschuldet ist, kann ich nicht beurteilen.

Gebe dir aber Recht bezüglich Özil: Kann ihn mir nur schwer in so einer Umgebung vorstellen. Dafür ist er einfach zu schwach im Ausbalancieren der Bewegungen seiner Mitspieler.

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blub 26. März 2015 um 01:28

Ich hab noch n Paar Punkte a

– Dieser Leckie ist schon verdammt schnell. Ich sollte mal Ingolstadt gucken.
Derartige Problem lösen sich schon durch die Aufstellung von Boateng in Luft auf: Dem läuft halt einfach keiner weg. Höwedes hatte erkennbare Tempoprobleme.

– Australien hat nur Druck auf den Aufbau bekommen wenn Khedira Material für seine Sonder DVD „10 schlechte Aufbausituationen für Sechser“ gesammelt hat.
Kam man da raus hat sich das meist ziehmlich schnell aufgelöst. Da kann Australien aber einfach nix machen.

– Das Mittelfeld stand garnicht soo schlecht gestaffelt fürs Gegenpressing, aber die Abstände der 3er-Kette dahinter und die horizontalen Abstände untereinander waren unpassend, das lässt sich aber mit der Zeit einspielen. Hier stelle ich die gleiche Frage wie TE: warum beendet man den Test einfach so?

-Ein Lob an den Australischen Keeper Ryan, der hat ordentliche Cojones gezeigt. Bitte mehr davon.

-Mir hat Özil seit langem mal wieder richtig gut gefallen. wenn man seine gute freie Positionswahl so einbindet kommen ziehmlich gut sachen bei raus. Macht spass 🙂

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fs984 26. März 2015 um 08:39

Stimm dir zu Boateng ist für die 3er Kette optimal. Als Test hätte ich Hummels gern in der Halbrechten Verteidiger Rolle gesehen. Kann mich nicht erinnern in das letzte Mal in einer 3er Kette spielen zu sehen. Mustafi war in manchen Aufbau Situationen isoliert, da fragte ich mich, ob dies an ihm lag oder an der schlechten Positionierung von Bellerabi und Khedira. Emre Can spielt die Position bei Liverpool ganz ordentlich. Wenn Löw im Mittelfeld nun noch Castro für Khedira bringt, ist dies die absolute Kurzpasskombinations-Maschine. Götze sehe ich eher auf der Position von Özil. Reus hat im Vergleich zu ihm mehr Zug zum Tor, ist in seinen Aktionen direkter, sucht schneller den Abschluss. Vielleicht wäre Volland eine Option. Bei einem der beiden Stürmer, wäre ein gewisse körperliche Robustheit, die Möglichkeit lange Bälle festzumachen ideal. Australien zwang Zieler immer wieder zu langen Bällen, wobei Neuer dies spielerisch in manchen Szenen hätte besser lösen können.

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mk 26. März 2015 um 09:18

Das mit den langen Bällen bezweifle ich ein bisschen. Vielleicht in zwei, drei Situationen schon, aber nicht systematisch. Ist ja mit ner Dreierkette davor auch ein wenig problematischer für den Torwart, oder? Wenn er auf den nahen Halbverteidiger spielt wäre der ja oft auch schlecht verbunden (gestern zumindest aus meiner Sicht ein paar Mal und eigentlich auch generell) und unnötig unter Druck. So richtig voran kommt man nicht unbedingt aus meiner Sicht, da ist dann der lange Ball bei entsprechendem (guten) Druck schon nicht so sinnlos. Zumal Deutschland gestern in der ersten Halbzeit doch viele zweite Bälle geholt hat. Klar ist Neuer insgesamt besser als Zieler, aber man stelle sich mal das gestrige Spiel mit Weidenfeller vor… 😉
Muss man eben auch im Bereich Einbindung des Torwarts noch dran feilen, egal wer da drin steht (wird ja eh Neuer sein).

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blub 26. März 2015 um 13:01

Götze gefällt mir an vorderster front ganz gut. Der gewegt sich gut und kann sinnvoll mit dem Rücken zum Tor agieren.
Müller kommt ja noch dazu und mag eher bewegungen nach rechts draußen.
Deswegen präferiere ich eine andere Asymetrie mit LWB(Reus) hoch und RWB eher tiefer. Den würde ich dann mit Emre Can besetzen. Da is noch viel Potential, mal sehen was kommt!

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BinDagegen 26. März 2015 um 12:21

Hummels könnte als rechter Halbverteidiger zwar aggressiv herausrücken, womit eine Stärke eingebunden wäre, allerdings fehlt im das Tempo, um bei einem fehlgeschlagenen Herausrücken (das Timing ist ja nicht immer perfekt) noch irgendwie eingreifen zu können, im Gegensatz zu Boateng. Man muss ja auch sehen, dass Hummels, wenn er nicht aggressiv herausrücken kann, teilweise zu passiv ist (also zu lange zurückweicht). Das kann, falls der Gegenspieler abspielen kann, beschissen werden, wenn nicht noch von irgendwo ein Deutsch-Ghanaer angeflogen kommt. Dann lieber als zentralen Verteidiger, da kann und muss er aggressiv Antizipieren, wenn irgendwas mit einem langen Ball in die Zentrale schiefgeht, und ansonsten etwas absichernder agieren. Castro wäre natürlich echt nett. Es gibt für die Rolle aber auch einen Typen namens Lahm .. das wäre Wahnsinn, wenn man den irgendwie für Jogis Elf begeistern könnte 😉 Achja, jemand ne passende Einbindung für Schweinsteiger auf Lager?

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blub 26. März 2015 um 12:55

Also ich sag mal: Mit Schweini an Stelle von Khedira hätte Australien in der ersten hälfte gar kein Land gesehen. Da is schonnoch Platz.

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BinDagegen 26. März 2015 um 16:19

Sind die Australier der Maßstab?

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blub 26. März 2015 um 20:00

Da gabs in Grupenphasen der letzten 3 großen Turniere schon schlechtere Mannschaften. Allerdings nicht notwendiger weise in der deutschen Gruppe. Von daher sage ich: ja, ausreichend für 90% aller Gegner.

Aber bestätigt doch nur was wir alle wussten: Khedira ist ein offenbarungseid, wenn er bei eigenem ballbesitz in der eigenen hälfte agiert.

BinDagegen 27. März 2015 um 08:50

Ist ja grundsätzlich ne interessante Idee, den tiefsten 6er vor einer Dreierkette im Bewegungsspiel extrem weiträumig agieren zu lassen. Vor allem, wenn man einen Spieler wie Gündogan zum absichern hat. Ich sehe vielleicht auch noch ein, dass man Schwächen im Aufbaubauspiel in Kauf nimmt, wenn ein Spieler eine solche Rolle spielen soll und man sich davon einen Mehrwert verspricht (ich finde S.bender auch blöd, aber das ist ja nur meine Meinung). Aber wenn ich eine Mannschaft habe die einen Tag zusammen trainiert und dieses System noch nie langfristig eingeübt hat, dazu noch zwei Wingbacks, von denen ich keine Ahnung habe, wie sie das spielen, dann stell ich doch da um Himmels Willen einen Spieler auf die 6, der weiß, was er tut. Ist ja nicht so, dass Daniel Baier in dieser Liga rumspringen würde.


Alex 26. März 2015 um 00:07

Es sollte ‚Götze und Reus wichen aus‘ heißen. 🙂

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ZY 26. März 2015 um 21:09

Oder ‚weichten auf’…

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