Kurz ausgeführt: Bayerns „pepige“ Elemente im Spiel gegen den HSV

Hamburger SV1:3bayern

Mit 3:1 gewann der FC Bayern das Auswärtsspiel beim Hamburger SV und steht damit im Viertelfinale des DFB-Pokals. Dabei offenbarten die Münchner – trotz zwischenzeitlichem 3:0 – einige Probleme bezüglich der Ballzirkulation im letzten Drittel und in puncto Durchschlagskraft. Über Allgemeines zur bayerischen Ausrichtung, den Offensivproblematiken und der ein oder anderen Eigenheit des Münchner Systems soll dieser Artikel Aufschluss geben.

Bayerns 4-3-3-Grundordnung mit taktisch flexiblem David Alaba

Grundsätzlich agierten die Bayern beim Gastspiel an der Elbe in einem recht klaren 4-3-3. Dabei besetzte Robert Lewandowski das Sturmzentrum, wich aber immer wieder in horizontaler Manier auf die Flügel aus, um diverse Einrückbewegungen von vor allem Müller aber auch Ribery auszubalancieren.

Bayerns Aufstellung gegen den Hamburger SV

Bayerns Aufstellung gegen den Hamburger SV

Orientierte sich Müller klassischerweise mehr in die vorderste Linie, rückte der Franzose aus seiner grundsätzlich flügelorientierten Rolle immer wieder in den halbhohen Halbraum ein, um dort für Präsenz zu sorgen. Breite auf der linken Seite erzeugten die Münchner entweder durch Bernats Aufrücken oder durch balancierendes Ausweichen David Alabas aus dem Zentrum.

Überhaupt war die Rolle des jungen Österreichers eines der interessantesten taktischen Elemente des Münchner Spiels. Neben dem als tiefliegendem Spielmacher agierenden Xabi Alonso fungierte Alaba zu seiner Rolle als Balancegeber für Riberys Einrücken auch immer wieder situativ als linker Halbverteidiger, wenn der HSV mit seiner mannorientierten Spielweise Alonso in der Mitte zustellte. Alaba fiel dann in den linken defensiven Halbraum heraus – teilweise bis auf Sechzehnerhöhe – und bei den Bayern entstanden situativ 3-4-2-1-Stellungen mit ähnlichen Abläufen, wie in den Spielen mit Dreierkette.

Philip Lahm als rechter Achter hatte hingegen eine leicht veränderte Einbindung. Auch er bediente sich in der Spieleröffnung, genauso wie Alaba des Raumes hinter dem Außenverteidiger, fiel aber weniger weit zurück und wollte seine Position nutzen um aus der formativen Lücke des Hamburger 4-4-2 neben den Stürmern in die gegnerische Formation zu spielen. Lahm als auch Alaba zeigten dabei immer wieder nachstoßende Läufe in die Spitze, die sich potentiell gut mit den gegenläufig zurückfallenden Bewegungen von Lewandowski ergänzten, aber in der Abstimmung und im Timing unsauber waren.

Bayern packt die Hybridformation gegen den Ball aus

Gegen den Ball erinnerte das Spiel der Münchener stark an die Spielweise im letztjährigen Rückrundspiel gegen den HSV, als bereits hier die Grenzen zwischen 4-1-4-1 und einem System mit Fünferkette verschwammen.

Wurde das 4-1-4-1 im Mittelfeldpressing noch mit zwei klaren Viererketten gespielt, entstand durch Alonsos Einrücken in die Viererkette im späteren Verlauf der Hamburger Angriffe – die zugegebenermaßen relativ selten waren – eine Fünferkette. Alonso fiel hier zum einen zwischen Dante und Boateng, sodass diese mit ihren Gegenspielern zum Flügel schieben konnten, zum anderen aber auch das ein oder andere Mal zwischen Dante und Bernat, sodass letzterer seinen Gegenspieler verfolgen konnte.

Aber auch im hohen Pressing gab es die eine oder andere Besonderheit. So lief z.B. Ribery hin und wieder Hamburgs Innenverteidigung an, um Hamburgs Spiel auf deren linke Seite zu lenken, wo mit Heiko Westermann einer der schwächeren Akteure des Abends agierte. Bei diesen Läufen Riberys war dann auf der linken Seite Bernat dem Hamburger Außenverteidiger Götz zugeordnet.

Alonsos Omnipräsenz im Aufbau begründet Bayerns Offensivstil

Ähnlich wie in den beiden Spielen gegen Real Madrid im letztjährigen Championsleague-Halbfinale –aber natürlich in stark abgeschwächter Form -hatten die Bayern gegen den HSV Probleme im Kreieren klarer Torchancen durch die Mitte, obwohl sie insgesamt sehr dominant auftraten und gerade im eigenen Drittel keine großen Schwierigkeiten mit Hamburgs Pressing oder der sicheren Ballzirkulation hatten.

Einer der Hauptgründe für die angesprochenen Probleme lag in dieser Partie an der – wieder einmal – sehr dominanten Rolle von Xabi Alonso. Der Spanier agierte häufig zu tief, kippte ohne wirklichen Grund ab und zog so neben Gegenspielern auch Philip Lahm und David Alaba mit nach hinten, die in höheren Positionen Gefahr liefen vom Aufbau abgeschnitten zu werden. Dazu kam, dass gerade das oben beschriebene Herauskippen Alabas mit den Bewegungen Alonsos wenig harmonierte und insgesamt nicht stimmig war.

Als Folgeerscheinungen ergaben sich bei den Münchnern oft zu weite Abstände in der Offensive, gerade auch weil Müllers und Riberys Rollen tendenziell eher höher angelegt waren, eine mangelnde Präsenz in letzter Linie und generell nicht ideale Offensivstaffelungen. Hier fehlte es den Bayern noch an gruppentaktischer Sauberkeit, als dass sie die potentiell guten Ideen, wie das Nachstoßen der beiden Achter in Kombination mit Lewandowskis Zurückfallen hätten ausspielen können. Weil die Münchener einen starken Fokus auf die Einbindung von Laufwegen in ihren offensiven gruppentaktischen Aktionen fokussierten, war das Offensivspiel ausrechenbarer, als in anderen Spielen dieser Saison und es gelang weniger gut, zwischen die Hamburger Linien zu kommen.

DM33 1. November 2014 um 15:35

Hallo RT, Du vergisst in meinen Augen, dass das Spiel schon nach 6 Minuten entschieden war. Ab da galt für Bayern nur noch: Verwalten, absichern, Kräfte schonen. Dass man vorne vielleicht durch einen Weitschuss oder noch so eine HSV-Trotteligkeit ein weiteres Tor machen könnte ( aber ja gar nicht musste ), war ja auch klar. Warum hätten denn Alonso oder Lahm weiter nach vorne schieben sollen? Bayern hat ungefährdet gewonnen, keiner hat sich verletzt, keine gelbe Karte… war nur ein wenig langweilig.

Antworten

jerome 31. Oktober 2014 um 18:32

…wenn man das liest, könnte man glatt meinen, Bayern hätte verloren. Dabei spielte der FCB nur mit etwa 75%. Hätten sie Gas gegeben, hätte es für den HSV ein Waterloo gegeben. Ohne Drobny wär’s sowieso 5:1 bis 6:1 ausgegangen…der Vergleich mit dem Spiel gegen Real Madrid ist voll daneben, denn Real Madrid war ja beinahe tiefer gestaffelt als der HSV.

Antworten

RT 1. November 2014 um 14:01

Bei dem Vergleich mit Real ging es mir nur darum, zu betonen, dass es den Bayern in beiden Spielen nicht optimal gelungen ist, über zentrale Räume zu klaren Torchancen zu kommen. Gegen Real lag das sicher auch daran, dass Real einfach gut verteidigt hat, es gab aber auch strukturbedingte Sachen bei Bayern gab, wie z.B. das Kroos linker Achter war und spielmachend im Halbraum eingebunden war und man dadurch im Zentrum bisschen wenig präsent war. Das gleiche gegen den HSV. Lahm und Alaba waren bisschen viel in den Halbräumen – allerdings zu tief- unterwegs und Alonso war oft zu weit abgekippt (ob das jetzt Vorgabe war oder nicht sei einmal dahingestellt).

Antworten

NanLei 31. Oktober 2014 um 16:17

Um nochmal auf HW zurückzukommen. Okay die Tore sind zufällig durch Fehler von HSV gefallen, aber Fehler passieren aus HSV Sicht links außen aus Bayern Sicht rechts außen. Druck über Seite. Flügellastig wegen Ribery nun okay, aber noch steht Robben nicht in dieser Elf. Bayern versucht Marco Reus zu kaufen was dann bedeutet, einer sollte gehen. Linksfuß
Wenn Schweinsteiger auf die Mittelfeldposition zurückkommt, wird der vielseitige Lahm für Schweinsteiger und als Bayern Kapitän nach woanders beordert. Schweinsteiger spielt Fußball Technik vor Physis trotz Patellaprobleme. Bei deutschen Kandidaten zum Weltfußballer des Jahres hat Schweinsteiger die realistischste n Wahrscheinlichkeit und Chance. Kroos Götze Neuer Lahm sind gute Kandidaten, aber gemessen an der WM haben andere je nachdem sei es Position, Schwäche oder Fehler allerdings keine gravierende gehabt. Müller fehlt als Kandidat. Es wäre vielleicht besser auf einen deutschen Weltfußballer des Jahres zu einigen, das erhöht die deutsche Chance, weil sie sich nicht gegenseitig die Stimmen wegnehmen. CR7 ist schwach bei der WM und hat trotz Real Madrid die Chance Weltfußballer des Jahres zu werden. Es sind Bayern Kandidaten die zur Auswahl stehen, BVB fehlt, aber man wird sehen. TeamWeltmeister trifft zu in der Zusammensetzung BVB FCB S04 und BM plus LRklose RMKhedi ValMusta vorher Ita LukPudoArsLondözil
Samstag BVB FCB gute Chancen für BVB aber Bayern ist nicht Schwach. Taktisch beide, Klopp gegen Guardiola, beide sehr klug Bei BVB Hummels in Form Subotic muss Fehler vermeiden Ginter gute Alternative Durm Piszek starke Außen Großkreutz gut Reus links Kagawa zentral vorne einer aus Immobile Ramos Piere Emeri auf dem Blatt Bombenmannschaft mit Championsleague Asse. Bayern muss versuchen dagegenzuhalten. Wünschenswert Faires Spiel und keine Verletzung auf beiden Seiten, die Spieler mögen sich auch durch die WM, auch Sammer und BVB selbst Klopp und Bayern Bank Gerland und co, es ist alles nur Show, Fans müssen sich zurückhalten, es gibt kein Hass oder Duell, Watzke geht nicht essen, aber das ist auch nur für die Öffentlichkeit, ohne BVB und FCB gäbe es keinen Weltmeister. Spieler wissen es besser heute BVB morgen FCB und umgekehrt heute FCB morgen BVB. Auf dem Platz wird Bayrisch mit Westfälisch gemischt. Stuttgart und Frankfurt hatten ein fünf zu vier. das war ein schönes Spiel, als Vorbild für andere Spiele, nicht durchführbar aber wünschenswert. FCB BVB wird langweiliger als Stuttgart Frankfurt.

Antworten

HK 31. Oktober 2014 um 16:02

Der Vergleich zwischen dem CL-Halbfinale und diesem Spiel erscheint mir in jeder Hinsicht gewagt, und ehrlich gesagt ziemlich sinnlos.
Und das unnötige (?) Abkippen von Alonso bzw. seine tiefe Positionierung kann man auch anders sehen.
– Vielleicht war genau das Guardiolas Vorgabe?
– War das imo eine Reaktion auf die Spielweise der Hamburger. Die haben im Zentrum sehr aggressiv und physisch attackiert (zumindest bis zum 0:3) und hatten dabei besonders Alonso im Fokus, nach dem Prinzip erst den Mann dann der Ball.
Das wurde ziemlich geschickt gemacht, da immer wieder ein anderer Hamburger agierte. Der Schiedsrichter hat das weitgehend toleriert . Also musste Alonso sich irgendwie behelfen und hat sich eben teilweise aus der Pressingzone zurückgenommen.

Antworten

Dr. Acula 31. Oktober 2014 um 14:54

klasse artikel!
Besonderes Lob an dieser Stelle für die Kritik an Alonso, dessen Fehler zu o.g. Problemen führten.. Erkennt ihr Dinge wie seine zu Tiefe Positionierung und „unnötiges abkippen“ direkt beim live Spiel? Oder schaut ihr dann nochmal genauer hin?

Antworten

Fabi 31. Oktober 2014 um 15:30

Das würde mich auch mal interessieren. Ich bemühe mich jedes Mal wieder, Auffälligkeiten zu finden und ein Spiel taktisch zu analysieren. Ich bin dann immer ganz froh, wenn mir Manndeckungen oder Ähnliches auffallen.
Ist da auch viel Übung dabei?
An dieser Stelle ein großes Lob von mir an euch Alle!!!

Antworten

HW 31. Oktober 2014 um 17:41

Natürlich ist Übung dabei. Wenn man damit anfängt, nimmt man sich ab besten ein paar Dinge vor, die man beobachten will. Z. B. Abstände zwischen Mannschaftsteilen oder einen bestimmten Spieler. Dies beobachtet man dann kontinuierlich, leider verpasst man dann vielleicht auch mal was anderes auf dem Feld, weil man Boateng beobachtet hat als Ribery gerade den Ball hatte o.ä. Mit der Zeit werden diese Sachen aber ein wenig zur Routine und man bekommt ein kompletteres Bild.

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*