Kölns saubere Stabilität als einzig positives Zeichen

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Auswärts in Bremen mauern sich die Kölner ein – und Bremen hilft ihnen mit ihrem unkreativen Offensivspiel dabei.

Mit der Raute und dem asymmetrischen Sturmduo in die Chancenlosigkeit

Nominell begannen die Bremer mit einem 4-3-1-2/4-1-3-2, welches Ansätze eines 4-3-2-1 hatte. Viel Zahlengerede um nichts, möchte man meinen, weil sich die formativen Umformungen weder wirklich positiv noch negativ auswirkten. Bei Versuchen des höheren Pressings wurde aus der Raute (häufig auch im klassischen 4-1-2-1-2) ein 4-1-3-2. Die beiden Stürmer schoben auf die Innenverteidiger drauf, die Halbspieler rückten nach. Bei Abkippen eines gegnerischen Sechsers ging auch der Zehner nach vorne und verfolgte ihn mannorientiert. Dadurch entstanden dann 4-3-3-Formationen.

Die Grundformationen

Die Grundformationen

Wirklichen Druck, zum Beispiel durch leitende Elemente, Pressingfallen oder die intelligente Vorbereitung von effektivem Zugriff, konnten die Bremer trotzdem nicht ausüben. Beim Attackieren des Gegners mangelte es meistens an der Harmonie. Meistens presste nur ein Spieler wirklich dynamisch und tat dies plötzlich, seine Mitspieler reagierten zwar auf dieses Pressing, aber es schien improvisiert. Dadurch benötigten sie immer eine Situation zu lange und konnten nicht wirklich kompakt in Ballnähe pressen, ließen kleine Löcher und Räume offen, durch welche sich die Kölner nach vorne kombinieren konnten. Aber selbst wenn das den Kölnern nicht gelang, konnten sie halbwegs passable lange Bälle in die offenen Räume der Bremer Formation spielen.

Das höhere Bremer Pressing schlug also meistens fehl. Daraufhin positionierten sich die Bremer tiefer und standen in einem tiefen Mittelfeld- oder hohen Abwehrpressing. Die Formation blieb gleich: In ihrer Raute verteidigten sie, der Zehner ließ sich aber weit zurückfallen und unterstützte nach hinten, wodurch vereinzelt auch 4-4-1-1ähnliche Staffelungen entstanden. Meist blieb es aber beim 4-3-1-2/4-1-2-1-2, obgleich sich Hajrovic unterstützend nach hinten auf dem rechten Flügel orientierte.

Defensiv war man gegen vergleichsweise harmlose Kölner relativ stabil. Die offenen Räume bespielte die Stöger-Elf selten effektiv und dynamisch genug, das unsaubere Defensivspiel Bremens zwang sie meistens auf die Seiten und die Absicherung Werders durch mindestens einen zentralen Mittelfeldspieler, die zwei Innenverteidiger und einen tief bleibenden Außenverteidiger sorgte für schwierig zu Ende spielbare Konter auf beiden Seiten. Teilweise ließ sich sogar einer der Sechser zurückfallen; in einzelnen Situationen standen sie in einer 5-3-2-ähnlichen Formation in ihrer Hälfte und die Flügelverteidiger konnten gut abgesichert herausrücken und pressen. Erst als die Kölner in der zweiten Halbzeit mehr Initiative übernahmen und mehr Leute in ihren Angriffen vorne einbezogen, wurden sie gefährlicher und erzielten auch das 1:0.

Zuvor hatte Bremen mehr vom Spiel, wobei von „Spiel“ nicht wirklich die Rede sein kann.

Das Abkippen als einziger effektiver Offensivablauf auf beiden Seiten

„Der Ball ist im ersten Drittel, die zwei Innenverteidiger werden nicht gepresst. Der Sechser lässt sich zurückfallen, um erste Pressingansätze des Gegners direkt zu vermeiden. Nun steht man in einer Dreierreihe im Aufbauspiel. Sie lassen den Ball ideenlos laufen. Oh, ein langer Ball.“

Diese Beschreibung hätte man auf beiden Seiten häufig in dieser Partie nutzen können. Immer wieder ließen sich sowohl bei Köln als auch bei Bremen die zentralen Sechser zurückfallen, wurden dann aber nicht ordentlich unterstützt und es gab keine Mittelfeldpräsenz. Besonders auffallend war dies bei Bremen, weil sie eigentlich drei weitere Spieler zentral gehabt hätten müssen; nur leider waren die selten zu sehen. Zu groß war der Vertikalabstand zwischen den beiden Achtern und der Dreierreihe mit dem abgekippten Sechser. Die beiden Stürmer Kölns konnten im 4-4-1-1 diese Räume einfach abdecken, außerdem waren so lange Pässe ohnehin kaum praktikabel. Die Abwehrreihe Bremens konnte dann nur auf die Seiten spielen, wo bei Köln die Flügelstürmer früh herausrückten und die zwei Stürmer in ihrem 4-4-1-1-Pressing unterstützten. Zahlreiche Angriffe von Bremen wirkten dann wie ein versuchter Angriff über Außen, der nicht funktioniert, woraufhin gefährliche Pässe in die unpassenden Mittelfeldstaffelungen oder lange Bälle gespielt wurden.

Köln hatte zumindest etwas mehr Präsenz im Zentrum und – am wichtigsten – konnte Überladungen am Flügel erzeugen, die sie mit einigen Dribblings und mehr Kompaktheit in den Halbräumen garnierten, um zumindest dadurch aufrücken zu können. Dieses Spielchen ging bis zur Schlussphase; wo sich der Unterschied zwischen den beiden Teams am deutlichsten zeigte.

Bremer Schlussoffensive gegen Kölner gruppentaktische Sauberkeit

Was genau Bremen am Ende spielte, ist nicht eindeutig zu erkennen. Robin Dutt brachte im 4-3-1-2 mit Selke, Gebre Selassie und Petersen drei offensive Spieler für Hajrovic, Makiadi und Caldirola. Die Staffelungen blieben aber häufig gegen den Ball im 4-3-1-2, wobei in der Schlussphase auch häufig 4-2-1-3hafte Formationen zu sehen waren. Die Frage lautet allerdings, ob dies eine gewollte Umstellung war oder der generellen Unsauberkeit im Verbund mit der Ermüdung und dem Spielstand in der Schlussphase geschuldet war.

Am Ende waren das Umschaltspiel, das Freilaufen und die Aufbaubewegungen extrem unsauber. Die Außenverteidiger Bremens wirkten noch unsauberer als sonst; sie standen auch im Aufbauspiel nahe an den Innenverteidigern, fächerten ziemlich langsam auf, beteiligten sich (wie generell im Spiel) nur mäßig und situativ am Offensivspiel, dazu kamen auch geringe Dynamik des Kollektivs im Gegenpressing.

Stattdessen dominierte Köln in der Schlussphase das Spiel und ließ kaum Chancen in der Endphase gegen Bremens vermeintliche Offensiv zu. Bremens ineffektives Spiel brachte kaum Chancen, Kölns über die gesamte Spielzeit hinweg sehr simples, aber sauberes Spiel funktionierte gut. Sie hatten eine gute Kompaktheit in alle Richtungen, auch wenn es an der Dynamik und Intensität mangelte. Erst gegen Ende wurde Köln etwas weniger sauber in den Abläufen, die Mittelfeldkette wirkte verschoben und insbesondere rechtsseitig stimmten die Positionierungen nicht mehr ganz, doch das brachte eigentlich keinen nennenswerten Nachteil gegen die Bremer.

Fazit

Eine mäßige Partie von beiden Seiten, in welcher die Kölner mit ihrer höheren Stabilität Großchancen für Bremen vermeiden konnten und letztlich das entscheidende 1:0 erzielten. Dies kam dadurch, dass Bremen in der zweiten Halbzeit etwas fahriger wurde, was auch wegen der erhöhten Nutzung von Offensivspielern beim 1. FC Köln im eigenen Angriff bedeutete. Bremen hatte zwar immer wieder einzelne Halbchancen, sie konnten aber trotzdem aus dem Spiel nichts kontant durch gute Spielzüge und Angriffe erzeugen. Besonders der Mangel an zentraler Präsenz und das Abkippen des Sechsers ohne passender Folgebewegungen des Kollektivs sowie das zugriffslose Pressing sorgten für eine schwache Leistung und neuerliche Niederlage der Hausherren. Köln war keineswegs stark, hatte aber einige prinzipielle strategische Vorteile, die ihnen den knappen Sieg bescherten. Ein schönes Spiel sieht aber anders aus.

Fredi 30. Oktober 2014 um 09:52

Dass du den Rechtsaußen vom FC in der Grafik auf seine Nationalität reduzierst, finde ich schon etwas grenzwertig. 😉

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NanLei 27. Oktober 2014 um 13:32

Hyballa kann aber auch wie in Aachen nicht weiterkommen. Frings und Skriptnik oder beim Hsv Zinnbauer ist genau wie damals in Mainz mit Tuchel nach Andersen Jörn, es könnte funktionieren, wenn nicht dann auch nicht schlimm.
Danke auch an Robin Dutt, er hat Makiadi nach Bremen geholt. Christian Streich war sauer, wegen der Klausel im Vertrag von Makiadi, weil Robin Dutt den Vertrag aufgesetzt hatte für Makiadi. Makiadi kann entscheiden ob SC Freiburg oder Bremen am Ende 15. oder 16. oder noch weiter unten steht. Makiadi wird entweder das Tor schießen bzw vorbereiten.

Zum Freitag
Interessant ist Mavraj und Wimmer die hinten absichern als Rettungsanker dienen und ansagen wie verteigdigt wird. Hector offensiv wie üblich Olkowski ist mehr als Russe den Rücken freihalten er geht selber mit nach vorn. Allederdings fiel das Tor über links. Die linke Seite von der Grundlinie im Sechzehner aus hat in die Mitte flach auf Ujah gespielt.
Wolf war zudem oft mit Kopf als Libero zu Stelle weil Pässe von Lehmann und Vogt durchkam.
Wenn die Bremer AuslandNationalspieler zusammenfinden kann es gut als Waffe im Abstiegskampf sein. Fritz Junuzovic Prödl Gebrelassie mit Makiadi di Santo, auf dem Papier alle Spieler recht gut Garcia Caldirola. Wolf behält hoffentlich noch lange die No 1, weil seit langem keinen Wiese Rost Reck Reinke mehr gab. Pascal Borel hat anfangs mit Wolf sich um die 1 konkurriert und Wolf hat Borel besiegt.

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JS 27. Oktober 2014 um 17:49

Auf diesem Papier sind die genannten Spieler nicht sehr gut.

http://www.goalimpact.com/2014/10/werder-bremens-demise.html

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Schimanski 26. Oktober 2014 um 08:29

Danke für die Analyse.

Ich habe mir als Duisburger für das bevorstehende DFB-Pokal-Duell am Dienstag zwar mal etwas anderes als die immer wiederkehrende Leier von der Kölner Stabilität gewünscht, aber man kann es wohl nicht ändern.

Ich kann mir deswegen auch schwerlich vorstellen, dass der MSV diese Kölner irgendwie gepackt bekommt. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die Kölner in Duisburg offensiv-dominanten Ballbesitzfussball zelebrieren und dem MSV irgendwelche Räume öffnen werden?

Da sich der MSV derzeit in einer etwas undefinierten Phase zwischen guten Offensiv-Umschaltspiel-Ansätzen, Festigung der defensiven Stabilität und einem zarten Pflänzchen Ballbesitzspielfussball befindet (und damit taktisch den Geißböcken nicht unähnlich, aber noch nicht so gefstigt ist), deutet vieles auf einen ziemlich drögen Pokalabend hin, in dem irgendwann die individuelle Klasse den Unterschied ausmacht….

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HW 26. Oktober 2014 um 10:27

Ist schon richtig, dass von Köln nicht Kombinationsfußball auf engstem Raum erwartet werden kann. Zumindest solange Duisburg die Räume nicht bietet.
Wenn aber ein Tor fällt, kann ein Pokalspiel noch richtig interessant werden, weil die zurückliegende Mannschaft irgendetwas probieren muss. Da ist es dann egal ob Kölns individuelle Klasse vermeintlich höher ist, wenn Duisburg die gut verteidigt. Es kommt ja nur auf eine Situation an, die als Tür- (oder Tor-)öffner dient. Das kann dann auch durch „pure Gewalt“ erzwungen werden.

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SB 25. Oktober 2014 um 14:26

Ich glaube, dass, wenn Dutt entlassen wird, Peter Hyballa ein geeigneter Nachfolger wäre. Er könnte Werder ein wenig Positionsspiel und Direktheit in den Angriffen vermitteln, sowas ist im Moment Mangelware. Der Kader scheint zwar qualitativ (zusammen mit Paderborns) der schwächste zu sein, aber mit einer guten Anordnung könnte man den Abstieg auf jeden Fall vermeiden.

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HW 25. Oktober 2014 um 15:27

Hab es gerade gelesen, Dutt wird vorerst durch Viktor Skripnik ersetzt. Ich hatte vor ner Woche noch gedacht, Werder würde bis zum Winter warten. Wobei eigentlich klar war, dass wenn es gegen Köln nicht läuft Eichin handeln wird.
Viel Hoffnung für Werder macht mir dieser Wechsel aber nicht.

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