Mittwoch, 17.09.2014

Real Madrid 2012/13

Am Mittwoch muss Real Madrid im Champions-League-Halbfinale gegen Borussia Dortmund ran. Wir porträtieren das Team von Erfolgstrainer Jose Mourinho.

Von Jose Mourinhos Engagement bei Real hat vor allem eine Berufsgruppe profitiert: Die Boulevard-Redakteure. Kein Tag vergeht ohne ein neues Gerücht. Mourinho habe sich mit dem Team zerstritten, Mourinho habe einen Reporter bedroht, Mourinho wolle seinen Vertrag auflösen. Aktueller Gerüchtestand: Mehrere Spieler haben sich angeblich für einen Rausschmiss des zweimaligen Champions-League-Siegers starkgemacht.

Real Madrids Standardsystem: Das 4-2-3-1

Real Madrids Standardsystem: Das 4-2-3-1

Wegen seiner Außenwirkung ist Mourinho in Madrid nie so richtig angekommen. Seine Querelen mit Schiedsrichtern, Journalisten und Spielern überschatten seine Erfolge. Und die gibt es in der Tat: Mourinho hat den Verein nach einer Durststrecke in den Nuller Jahren zurück an die europäische Spitze geführt. In diesem Jahr hat das Team das dritte Champions-League-Halbfinale in Folge erreicht.

Jose Mourinhos hat den Fußball in Madrid modernisiert. Er lässt ein 4-2-3-1-System spielen, das er auf die Rollen seiner Spieler zugeschnitten hat. Real Madrid kombiniert somit die Tradition der Superstars (‚die Galaktischen‘) mit einer neuen, taktischeren Ausrichtung. Wer Mourinhos Madrid verstehen will, der muss die einzelnen Spieler und die Wechselwirkungen zwischen ihnen verstehen.

Alle Wege führen zu Ronaldo

Cristiano Ronaldo ist der Megastar unter den Madrider Superstars. Der Dribbelkünstler spaltet die öffentliche Meinung: Die einen halten ihn für den besten Spieler der Welt, andere sehen ihn als arroganten Schnösel. Fakt ist: Ronaldo schoss in dieser Saison mehr als ein Tor pro Spiel (51 Tore in 49 Pflichtspielen) – eine Fabelquote, die auf einem Niveau mit Gerd Müller in seinen besten Zeiten liegt.

Bei Real bekommt er alle Freiheiten, die er haben möchte. Meistens spielt er in seiner Paraderolle auf dem linken Flügel. Von dort aus startet er zu seinen berühmt-berüchtigten Dribblings in die Mitte, die er mit seinem rechten Fuß abschließt. Ronaldo schießt aus allen Lagen. 7 Schüsse gibt er durchschnittlich pro Partie ab. In der Primera Division schoss er diese Saison 216mal in Richtung Tor. Der zweitbestplatzierte Madrid-Spieler, Karim Benzema, liegt bei 50.

Gleichzeitig gönnt er sich Auszeiten im Spiel gegen den Ball. Reals Spiel hat mit Ronaldo eine natürliche Asymmetrie:  Er ‚zockt‘ bei gegnerischem Ballbesitz und bleibt auf Höhe der gegnerischen Viererkette. Angel di Maria auf der anderen Seite gleicht dies durch seine verstärkte Arbeit nach hinten aus. Ronaldos fehlende Defensivarbeit hat zum Irrglauben geführt, dass er schwach in Defensivzweikämpfen sei. Er kann jedoch sehr wohl Bälle erobern, grätschen und mit nach hinten sprinten – wenn er denn möchte. Seine Zeit in England hat ihn die nötige körperliche Robustheit und Zweikampfhärte gelehrt. So zeigte er in den Clasicos gegen Barcelonas Dani Alves, dass er zu aufreibender Defensivarbeit fähig ist. Allerdings kommt diese Seite an ihm nur selten zum Vorschein.

Dieser Abschnitt zu Ronaldo mag redundant erscheinen. Die meisten Fußballfans wissen diese Dinge über ihn, und doch sind sie elementar, um Real Madrid zu durchdringen. Real Madrids Offensive ist Cristiano Ronaldo. Alle Wechselwirkungen sind auf ihn ausgerichtet.

Di Maria

Reals 4-3-Stellung, wenn Ronaldo zockt und di Maria nach hinten eilt.

Reals 4-3-Stellung, wenn Ronaldo zockt und di Maria nach hinten eilt.

Angel di Marias Rolle ist das beste Beispiel hierfür. Er steht seit jeher im Schatten von Ronaldo. Er hat auf der rechten Seite die undankbare Rolle, einen Ausgleich zu Ronaldo zu schaffen. Er muss die Angreifer mit Bällen füttern. Mit seinen verspielten Dribblings versucht er, sich Freiräume zu erschaffen. Oft zieht er mit seinem starken linken Fuß in die Mitte, um von hier seine Mitspieler einzusetzen. Im Vergleich zu Ronaldo sucht er eher selten den Abschluss. Hier obffenbart sich eine Asymmetrie zwischen ihm als eher kombinierenden Flügelspieler und dem invers agierenden Ronaldo.

Zudem muss di Maria jene Lücken in der Defensive stopfen, die Ronaldo offen lässt. Oftmals agiert er dabei fast schon als „dritter Sechser“ neben Xabi Alonso und Sami Khedira. In schnellen Umschaltsituationen kehrt er im Rückwärtspressing schnell zurück, sodass Khedira etwas weiter nach links einrücken kann. Sollte der Gegner über einen einfachen Pass oder eine Verlagerung über Reals linke Seite spielen, kann Khedira weit einrücken, ohne dass Real sich dadurch im Zentrum vollständig entblößt.

Mesut Özil: Der falsche Zehner

Zwischen Ronaldo und di Maria spielt mit Mesut Özil der Prototyp des modernen Zehners. Während klassische Zehner wie Diego oder auch Rafael van der Vaart ballorientiert agieren und viel Freiheiten für starke Leistungen benötigen, ist Mesut Özil ein Raumdenker. Er sucht die Löcher im gegnerischen System, bietet sich an und lenkt von dort das Spiel seines Teams.

Auch im eigenen System stopft er Löcher, nämlich jene, welche die beiden Flügelspieler bei ihren Dribblings hinterlassen. Wenn di Maria und Ronaldo nach innen ziehen, übernimmt er ihre Positionen auf Außen. Besonders rechts fühlt er sich wohl. Özil hat ein besonderes Gespür dafür, wo er wann zu sein hat. Es ist die richtige Mischung aus teamorientierter Zurückhaltung und forschen Fordern des Balles, was ihn so wertvoll macht.

Das undankbare Leben eines Real-Stürmers

Vor dem Mittelfeld-Trio, das in wichtigen Spielen gesetzt ist, wechselt Mourinho zwischen zwei Optionen: Karim Benzema ist etwas spielgestaltener und stärker im Konter als sein Konkurrent Higuain, der dafür im Strafraum punkten kann. Beide haben sie gemeinsam, dass sie bei Real Madrid nicht vorrangig die Rolle als Torjäger einnehmen sollen. Dies klingt bei einem Stürmer zunächst ungewohnt, ist aufgrund des enormen Tordranges von Ronaldo aber verständlich.

Vielmehr müssen die Stürmer mit ausweichenden Bewegungen Räume für den Superstar öffnen. Einerseits funktioniert dies, indem sie gegnerische Innenverteidiger binden. Ronaldo und teilweise auch di Maria starten gerne diagonal, wenn der Stürmer den Innenverteidiger ablenkt. Beide Stürmer weichen aber auch oft auf die Flügel aus, wenn Ronaldo ins Zentrum geht.

Letzteres ist gerade dann ein Stilmittel, wenn der Gegner sich auf dem Flügel eine ausgeklügelte Deckung gegen Ronaldo ausgedacht hat. Im Spiel gegen Manchester United ging der Portugiese immer wieder in den Sturm, während der nominelle Angreifer nach rechts oder nach links rückte – je nachdem, wo sich Özil und di Maria gerade befanden. Sie sind damit Teil des Wechselspiels, das sich durch Ronaldos Bewegungen ergibt. Real agiert dementsprechend nicht frei-fluide, wie es beispielsweise Manchester United vor einigen Jahren mit Rooney und Ronaldo tat. Vielmehr sind die Positionswechsel von Özil und den Stürmern Reaktionen darauf, wie sich di Maria und besonders Ronaldo bewegen – eine abgeschwächte Form der Fluidität, sozusagend.

Kombinationen der vier Angreifer

Die wohl größte Stärke von Reals Offensive sind die Wechselwirkungen der vier Angreifer. Die vier völlig unterschiedlichen Spielertypen ergänzen sich dabei bestens. Özil und di Maria sind äußerst kreativ und bringen kombinierende Elemente ins Spiel. Benzema und Higuain können einen Ball abschirmen und prallen lassen. Ronaldo kommt mit all seiner Wucht vom linken Flügel.

Die vier Angreifer funktionieren demnach nicht nur als einzelne Elemente, sondern auch im komplexen Zusammenspiel. Gerade Özil schafft es als verbindendes Element, dass die individuellen Stärken seiner Mitspieler zum Vorschein kommen. Die Positionswechsel sind dabei ein wichtiges Element: Mal überlädt Real mit di Maria, Ronaldo und Özil die Mitte, dann wieder schafft Özil oder auch der nach links rückende di Maria Überzahlsituationen auf dem Flügel. Auch Ronaldo ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Überladungen, wenn er vom linken Flügel in die Mitte zieht; selbiges gilt für Stürmer, wenn sie auf die Flügel weichen. Durch die hohe Beweglichkeit aller Angreifer gelingt es Real sehr gut, situtive Überzahlen zu schaffen und dadurch den Ballbesitz zu sichern und sich in aussichtsreiche Positionen zu kombinieren.

Ein interessantes Detail bei diesen Positionswechsel: Alle Angreifer dribbeln und fintieren komplett unterschiedlich. Di Maria ist sehr verspielt und baut viele Tricks ein. Özil führt den Ball eng am Körper und reagiert sehr stark auf die Bewegungen seines Gegenübers. Ronaldo ist der explosive Typ, der sich einen Ball auch mal ein paar Meter vorlegt. Dies erschwert den Verteidigern enorm die Arbeit, die sich teilweise in Abständen von wenigen Sekunden auf einen komplett anderen Stil des Gegenspielers einstellen müssen.

Die klassische Doppelsechs

Hinter den vier offensiven Kräften hat Jose Mourinho eine klare Präferenz auf der Doppelsechs: In wichtigen Spielen stellt er dort Sami Khedira und Xabi Alonso auf. Auf den ersten Blick ist die Doppelsechs mit den beiden klassisch besetzt: Ein vertikaler Box-to-Box-Runner läuft, kämpft und verbindet die Mannschaftsteile, während ein tief agierender Spielmacher die Bälle aus der Tiefe verteilt. Khedira startet viele vertikale Sprints, während sich Alonso meistens horizontal an der Mittellinie bewegt.

Alonso ist dabei das Herz und die Seele der Real-Mannschaft. Fast alle Pässe gehen zu ihm. Er entscheidet, ob das Spiel mit diagonalen Bällen auf die Außen oder mit vertikalen Flachpässen ins Zentrum geöffnet wird. Dementsprechend spielt kein Real-Spieler derart viele Pässe pro Spiel. Khedira entlastet ihn im Spielaufbau eher selten, das ist aber auch nicht seine Aufgabe. Er soll sich für vertikale Anspiele anbieten oder als Ablagestation, wenn Alonso einen Angreifer in der Spitze anspielt. So zieht Khedira vor allem in die Halbräume.

Die gewaltige Präsenz von Alonso kann bei Real zum Schwachpunkt werden. Manche Gegner haben es geschafft, ihn durch kluge Arbeit im Pressing aus dem Spiel zu nehmen. Vor allem dem BVB gelang dies. Alonso kann sich zwar durch seine starke Ballbehauptung aus Drucksituationen befreien, allerdings benötigt er für seine langen Bälle Raum und Zeit. Wenn er diese nicht bekommt, haben vor allem in der vergangenen Saison bei Real die Verbindungen zwischen Defensive und Offensive gefehlt. Khedira kann diesen Mangel naturgemäß nicht wettmachen.

In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung von Alonsos Rolle interessant zu beobachten: In den vergangenen Jahren hat er sich im Spielaufbau immer weiter zurückgezogen. Mittlerweile kippt er in nahezu jedem Spiel ab, mal zwischen die Innenverteidiger, oft auf die Außenverteidigerpositionen. Diese tiefere Rolle scheint eine Reaktion auf das stärker werdende Pressing der Gegner zu sein. Reals Gegner werden durch die tiefere Rolle Alonsos weiter auseinandergezogen. Gleichzeitig hat sich sein Anteil an hohen Bällen, vor allem diagonal auf Ronaldo, merklich erhöht.

Die Viererkette

Dennoch: Die Abhängigkeit von Alonso war lange Zeit ein großes Problem. Dies erklärt zu Teilen, warum das Innenverteidiger-Talent Varane von Kritikern und Fans derart gefeiert wird. Seitdem er sich in der ersten Elf festspielen konnte, ist Real variabler und weniger ausrechenbar geworden. Gegen Pepe, Ramos und Alonso reichte es oft, Alonso zu pressen und dessen Passweg zu Ramos zu verschließen. Der Spielaufbau wurde so zu Pepe geleitet, der Schwächen im Passspiel aufweist.

Varane hat Real variabler gemacht. Er überzeugt mit tollen vertikalen Pässen, welche die für Real sehr wichtige Geschwindigkeit in den Spielaufbau bringen. Im Zusammenspiel mit Sergio Ramos hilft er, den Druck von Alonso zu nehmen. So musste Pepe in letzter Zeit öfters auf der Bank sitzen. Selbst ein Verteidiger-Duo Pepe-Varane passt immer noch besser zum vertikalen Spiel Reals, da Varane den risikoreicheren und schnelleren Weg nach vorne sucht als Ramos.

Die Linksverteidiger-Position ist bei Real ebenfalls eine immens wichtige: Dieser muss die fehlende Defensivarbeit von Ronaldo ausgleichen, gleichzeitig aber auch den Superstar offensiv unterstützen. Da dieser häufig in die Mitte zieht, muss jemand auf dem linken Flügel für die Breite sorgen – meist der Linksverteidiger. Zudem kann er bei Vorstößen den Druck auf Ronaldo verringern, indem er Gegenspieler auf sich zieht.

Die Position ist jedoch ein Sorgenkind Reals in dieser Spielzeit. Marcelo, der offensiv mit Ronaldo harmoniert, fiel lange Zeit aus. Erst am Wochenende verletzte er sich gegen Betis Sevilla erneut. Die meisten Spiele machte Coentrao, der allerdings nicht so perfekt mit Ronaldo harmoniert wie Marcelo. Dafür ist er von seinen Anlagen her defensiv etwas sicherer als Marcelo, auch wenn er dies in der aktuellen Spielzeit mangels Form nicht immer beweisen konnte.

Auch auf der Rechtsverteidiger-Position hat Mourinho mehrere Optionen. Arbeloa ist Stammaußenverteidiger. Sergio Ramos, etatmäßiger Innenverteidiger, ersetzt ihn, wenn er ausfällt oder mehr defensive Stabilität gefragt ist. Eine dritte Option ist Essien, den Mourinho besonders dann aufstellt, wenn der Spielaufbau vermehrt über die rechte Seite laufen soll.

Torhüter

Nicht unerwähnt bleiben soll das Hickhack um die Torhüter-Position. Mourinho warf Real-Legende Iker Casillas aus der Stammelf und setzt mittlerweile auf Diego Lopez. Taktisch hat der Wechsel wenig Einfluss auf das Spiel der Mannschaft. Beide gehören nicht zu den spielstärksten Keepern der Welt, sind aber auch keine große Schwachstelle. Vielmehr ist der Konflikt Casillas-Mourinho ein Beleg für die Schwierigkeiten, die Mourinho mit der Mannschaft und dem Umfeld hat. Spanische Medien spekulieren, er habe sich mit Casillas überworfen. Nur wenige Fans verstehen diesen Torhüter-Wechsel – Casillas ist eine Madrider Institution. Da wir hier jedoch nicht bei Boulevardverlagerung sind, wollen wir uns wieder um die Taktik der Madrilenen kümmern.

Vertikalität

Wer über Mourinho-Mannschaften redet, kommt am Thema „vertikales Spiel“ nicht vorbei. Ob es sein Chelsea-Team oder seine Inter-Mannschaft ist: Mannschaften von Mourinho überzeugten stets  mit überfallartigen Angriffen und schnellen Kontern. Bei Real Madrid ist dies nicht anders. Hier ist Xabi Alonso der Ausgangspunkt der vertikalen Angriffe.

Madrid ist dann am stärksten, wenn das Spiel schnell von Strafraum zu Strafraum läuft. Xabi Alonso kann formidabel Konter einleiten. Von ihm führt der Weg entweder diagonal zu Ronaldo, der in Kontergelegenheiten den Raum hat, den er braucht. Oder aber Alonso setzt di Maria oder Özil ein, die schnell in das gegnerische Zentrum stoßen und versuchen, den startenden Ronaldo einzusetzen.

Real ist zwar kein reines Konterteam; sie können mit ihren passstarken Spielern den Ball behaupten und im Zweifelsfall durch die eigene Verteidigung laufen lassen. Sie lieben es aber, nach Führungen oder gegen große Teams das Spiel schnell machen zu können. Der unbedingte Wille, eine Situation durch einen vertikalen und nicht durch einen Rückpass lösen zu wollen, zeichnet sie in solchen Situationen aus. Dementsprechend sind ein gutes Gegen- und Rückwärtspressing gegen Real unabdingbar, damit diese nicht in ihr schnelles Vertikalspiel finden können.

Real Madrids 4-3-3 mit Ronaldo auf Linksaußen. Alternativ kann er auch als Stürmer agieren.

Real Madrids 4-3-3 mit Ronaldo auf Linksaußen. Alternativ kann er auch als Stürmer agieren.

Alternativformation: 4-3-3/4-1-4-1

Neben dem standardmäßigen 4-2-3-1 hat Real Madrid ein Alternativsystem: ein Mischmasch aus einem 4-1-4-1 und einem 4-3-3. Im Zentrum agiert ein tiefer Spielmacher, meist Alonso. Vor ihm sichern zwei Spieler ab. Auf den Flügeln spielt Ronaldo gewohnt invers, der Flügelspieler auf der anderen Seite ebenfalls. Für die Breite sind hier die Außenverteidiger zuständig.

Diese Variante spielt Mourinho gerne mit Luka Modric. Der wohl bedachteste Mittelfeldspieler dieses Planeten hatte lange Zeit keinen Platz im Real-System gefunden. In einem Team, das in den Automatismen perfekt abgestimmt ist, konnte in den sehr klar definierten Rollen im 4-2-3-1 nicht an seinen eingespielten Konkurrenten vorbeikommen. Xabi Alonso ist der unangefochtene Ballverteiler. Für die Rolle neben dem Spanier fehlt ihm die Dynamik eines Khediras, für die Rolle auf der Zehn das Geniale eines Özils. In diesem System kann er als Achter für die Balance sorgen und sowohl mit seinen Offensiv- als auch mit seinen Defensivqualitäten punkten.

Aus dem 4-1-4-1/4-3-3 lässt sich ebenfalls schnell ein 4-5-1 formen, das Mourinho gerne nutzt, um das Zentrum zu kontrollieren und Führungen abzusichern. So wechselt Mourinho gerne Spieler wie Modric oder Pepe ein, um im Mittelfeldzentrum defensiv sicherer zu stehen.

Als weitere, taktische Alternative kann Ronaldo auch als zentraler Stürmer agieren. In diesem kann Real viel Gefahr über Flanken ausstrahlen. So parkt Real Ronaldo als kopfballstarken Spieler im gegnerischen Sechzehner. Auf dem Flügel spielt hierbei oft Callejon, der etwas flankenorientierter agiert. Gleichzeitig überlaufen die Außenverteidiger, um Flanken auf Ronaldo schlagen zu können. Allerdings fehlt in diesem System Ronaldos Dribbelstärke – er kann nur peripher genutzt werden, viel ist abhängig von den Flanken der Flügelspieler. Dieses System ist jedoch besonders in Schlussphasen effektiv, wenn Real mit hohen Bällen einen Treffer erzwingen möchte, oder wenn der Gegner durch eine Manndeckung bzw. durch Doppeln oder Trippeln auf dem Flügel Ronaldo aus dem Spiel nimmt.

Das Pressing

Ein Schlüsselelement Madrids in dieser Saison ist das Pressing. Die Veränderung in der Intensität und Höhe des Pressings lassen sich am besten an den Clasicos nachvollziehen: In der ersten Saison unter Mourinho agierte Real praktisch über 90 Minuten hinweg destruktiv und setzten auf ein reaktives Abwehr- bzw. Mittelfeldpressing. In den letzten Clasicos spielte Real jedoch ein hohes Angriffspressing und setzte Barcelona bereits in deren Hälfte unter Druck.

Reals Angriffspressing: Mit viel Dynamik und Wucht laufen sie den ballführenden Gegenspieler an. Dabei rücken sie weit auf einen Flügel ein und agieren mannorientiert.

Reals Angriffspressing: Mit viel Dynamik und Wucht laufen sie den ballführenden Gegenspieler an. Dabei rücken sie weit auf einen Flügel ein und agieren mannorientiert.

Anders als bei Barcelona oder Dortmund ist das Pressing nicht so stark kollektiv ausgeprägt, sondern vielmehr individuell angelegt. Die Madrilenen laufen den ballführenden Gegner mit großem Abstand vertikal an, um ihn zu einer Entscheidung zu zwingen. Anders gesagt: Sie sprinten ihre Gegner über den Haufen. Gerade technisch wenig versierte Gegenspieler haben ihre Probleme, wenn ein Real-Spieler in vollem Sprint auf sie zuläuft.

Das Ziel dieses Pressings ist es, das Spiel hektisch zu gestalten. So wird auch die darauf folgende Anspielstation mannorientiert unter Druck gesetzt. Real setzt dabei auf ihre enorme Dynamik gepaart mit ihrer individuellen Klasse: Der Gegner wird von Hochgeschwindigkeits-Zweikampf zu Hochgeschwindigkeits-Zweikampf getrieben und soll unter diesem Druck den entscheidenden Fehler machen. Ob dies eine schlechte Annahme, ein Fehlpass oder einfach nur ein lang geschlagener Ball nach vorne ist, ist für Real dabei zweitrangig. Mindestens ebenso wichtig ist die psychische Komponente, keine Ruhe ins Spiel bringen zu können.

Diesen Effekt nutzen sie auch, wenn sie einen Flügel im Pressing stark überladen. So führen sie ihr Angriffspressing oft in einem 4-2-4 aus. Wenn der Gegner den Ball auf den Rechtsverteidiger spielt, rückt das ganze Madrider Offensivquartett weit ein. Der Außenstürmer presst nun. Wenn der gegnerische Verteidiger den Ball nach Außen weiterleitet, wird dieser Außenspieler sofort vom Außenverteidiger angegangen. Dabei ist er komplett isoliert von seinen Mannschaftskollegen durch das weite Einrücken von Madrid.

Das 4-4-1-1-Mittelfeldpressing: Özil und der Stürmer postieren sich zwischen den zentralen Gegenspielern, um ein horizontales Ballbesitzspiel des Gegners zu verhindern.

Das 4-4-1-1-Mittelfeldpressing: Özil und der Stürmer postieren sich zwischen den zentralen Gegenspielern, um ein horizontales Ballbesitzspiel des Gegners zu verhindern.

Das 4-4-1-1-Mittelfeldpressing

Wenn Real nicht in der vordersten Linie presst, greifen sie auf ein 4-4-1-1 zurück. Dabei wollen sie nicht in erster Linie den Ball gewinnen, sondern dem Gegner den Passweg aufzwingen: Der Stürmer postiert sich zwischen den Innenverteidigern und läuft diese bogenförmig an. Er versperrt ihnen so den Passweg zu ihrem Nebenmann. Der Gegner wird damit zu einem Pass nach Außen oder – für Real noch besser – zu einem Dribbling oder Pass nach vorne gezwungen.

Mit dieser Form des gelenkten Spielaufbaus zwingt Real ihren Gegnern ein schnelles Spiel auf. Je vertikaler und hektischer das Spiel ist, umso besser für Real. Ihre technisch starken Spieler und ihre Konterstärke sorgen dafür, dass sie bei schnellen Spielen von Strafraum zu Strafraum die Oberhand behalten.

Das 4-4-1-1 ist zwar Reals Standardvariante, sie können aber ebenso gut im 4-4-2 mit Özil neben dem Angreifer, im 4-1-4-1 oder im 4-3-3 verteidigen. Dies hängt ganz vom Gegner und der jeweiligen Aufstellung ab. So ist Real extrem variabel gegen den Ball: Zwischen einem hohen 4-2-4 mit viel Druck und einem tiefen 4-1-4-1 beherrschen sie alle möglichen Defensivvarianten.

Stilmittel: Gegenspieler übergeben und Mannorientierungen

Oftmals ist in Gesprächen über Mourinho zu hören, dass er „ein Auge für Details“ habe. Was genau dies bedeutet, bleibt meist offen. Ein möglicher Erklärungsansatz ist das gruppentaktische Verhalten von Mourinhos Teams in der Defensive. Besonders kleine Details wie das Übergeben der Gegenspieler funktioniert bei seinen Mannschaften stets gut. Hierin steckt viel Detailarbeit, denn ein zu spät oder zu früh übergebener Gegenspieler kann großes Unheil bedeuten.

Bereits im Abschnitt zum Pressing habe ich erwähnt, dass Real relativ mannorientiert spielt. Dies bedeutet, dass die Gegner in den jeweiligen Zonen von den Real-Spielern verfolgt werden. Der Kontrapunkt hierzu ist eine positionsorientierte Verteidigung, in der die Spieler vorrangig ihren eigenen Raum decken. Mourinhos Real orientiert sich stark am Gegner, die Verteidiger bleiben aber meist in ihren Zonen und übergeben die Gegenspieler zur richtigen Zeit an Hinter- oder Vorderleute. Das ist bei Real dank dem Zocken von Ronaldo auch dringend nötig, denn mit der oftmals entstehenden 4-3-Ordnung reicht ein kleiner Freiraum für einen Gegenspieler aus, um großen Schaden zu verrichten.

Bereits mehrere Male verzichtete Mourinho diese Saison auf das Übergeben und setzte auf totale Mannorientierungen.  Dies bedeutet, dass ein Verteidiger seinen Gegenspieler nicht an seinen Mitspieler hinter oder neben sich übergibt, sondern ihn weiterverfolgt. Vor allem gegen Barcelona wendete Real eine solche Strategie an. In diesem Video ist es sehr gut erkennbar: Di Maria übergibt nicht an seinen Hintermann, sondern verfolgt ihn in die eigene Hälfte.

Ronaldos Lücke auf links

Real Madrids Loch, wenn Ronaldo nicht nach hinten mitarbeitet.

Real Madrids Loch, wenn Ronaldo nicht nach hinten mitarbeitet.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal auf einen Punkt zurückgreifen, den ich bereits mehrfach erwähnt habe: Ronaldos Rückwärtsarbeit. Die Asymmetrie in der Defensive ist selbst für Taktiklaien leicht erkennbar. Auf dem Papier lässt sich schlussfolgern: Hinter Ronaldo ist eine Lücke, also sollte man versuchen, mit einem offensiven Spieler in diese Lücke zu stoßen.

Nur leider funktioniert Fußball nicht so einfach. Real weiß natürlich, dass Ronaldo im Zweifelsfall weiter vorne bleibt, und rückt dementsprechend mit dem Mittelfeld nach links. Vor allem Khedira, aber auch Xabi Alonso leistet hier viel Arbeit. Des Weiteren hat Ronaldos Zocken eine taktische Funktion: Er bindet einen gegnerischen Außenverteidiger, der nicht nach vorne rücken kann, ohne Lücken für Konter zu lassen. Ein Überladen der Flanke ist demnach nur schwer möglich.

Das eigentliche Problem durch Ronaldos fehlende Defensivarbeit ist ein anderes: Real kann nie vollkommen kompakt hinter dem Ball stehen. Besonders bei Spielverlagerungen kann dies negative Auswirkungen haben. Beispiel: Ein Team spielt einen Spieler hinter Ronaldo an, Real rückt ein und wird bei der anschließenden Spielverlagerung offen gelegt.

Außerdem erhöht sich die Gefahr, dass der Gegner die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld bespielt. Ein vertikal versetztes Spiel im Mittelfeldzentrum ist bei Real nicht ohne Weiteres möglich. Reals Mittelfeldspieler müssen die horizontale Kompaktheit stärker beachten denn die vertikale Kompaktheit. Zugleich müssen sie allzeit bereit sein, herauszurücken und einen Gegenspieler aufzunehmen, der hinter Ronaldo freigespielt wird. Deshalb sieht man bei Real auch oft einen Innenverteidiger herausrücken, wenn ein Gegenspieler zwischen Verteidigung und Mittelfeld angespielt wird. Fakt ist jedoch auch: Reals Offensivspiel ist Ronaldo, und wenn man ihn neutralisieren bzw. seine Defensivlethargie nutzen kann, hat man einen wichtigen Eckpfeiler für einen möglichen Sieg gegen Real gelegt.

Fazit

Real Madrid ist in der Spielanlage ein typisches Jose-Mourinho-Team: Sie kontern, beißen und taktieren auf höchstem Niveau. Die Säulen der Mannschaft sind eindeutig Cristiano Ronaldo und Xabi Alonso. Der Kader hat aber auch genug personelle wie taktische Alternativen, um auf verschiedene Spielverläufe und Gegner reagieren zu können.

Dennoch unterscheidet sich Mourinhos Real von Mourinhos Porto, Mourinhos Chelsea und Mourinhos Inter. Bei jenen Teams hatte man das Gefühl, eine verschworene Einheit tritt auf den Platz, allzeit bereit, für ihren Trainer alles zu geben. Bei Real fehlt dieses Mourinho-Etwas. Es lässt sich nicht statistisch erfassen, es ist kaum taktisch greifbar, ich kann es nicht einmal richtig beschreiben und doch – irgendwie ist dieser Makel da. Vielleicht kann Borussia Dortmund dieses fehlende, kollektive Puzzlestück im Champions-League-Halbfinale erneut ausnutzen, wie sie es bereits in der Gruppenphase taten.

TW 26. June 2013 um 17:24

Es wird interessant. Mit Ancelotti hat Real nun einen Trainer, der gern auch mal die Raute (z. B. http://spielverlagerung.de/2013/02/05/das-wunder-von-istanbul-teil-1-ac-mailand-fc-liverpool-33-56-n-e-champions-league-finale-25-05-2005/, http://spielverlagerung.de/2012/10/08/blick-uber-den-tellerrand-folge-2/) oder das 4-3-2-1 (http://spielverlagerung.de/2012/08/13/paris-st-germain-lorient-22/) auspackt. Da er außerdem angekündigt hat, begeisternden Offensivfußball spielen zu lassen, dürfen wir gespannt sein, was uns erwartet. Eine Doppelzehn mit Isco und Özil + Mittelstürmer Ronaldo, die effektiv drei schwimmende Neuner/falsche Zehner-Hybriden geben. Dahinter Alonso, Modric und Di Maria. Dazu noch Marcelo und Carjaval als diagonale AV. Wann beginnt La Liga 2013/2014?

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RM 26. June 2013 um 18:02

Cristiano/Benzema/Morata
Cristiano/Isco/Jesé – Özil/Benzema/Di Maria
Coentrao/Di Maria/Isco – Modric/Alonso/Casemiro (oder geht er doch?) – Khedira/Isco/Di Maria
Marcelo/Coentrao – Varane – Ramos – Carvajal/Arbeloa

José Rodriguez, Álex, Cheryshev würde ich auch mal gerne sehen. Hört sich jetzt so nicht schlecht an, das Team. Raute wäre auch interessant, eventuell mit sehr variabler Positionsbewegung vorne und sehr offensiven Halbläufern in der Dreierreihe?

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juventino 29. June 2013 um 16:24

War es nicht Ancelotti der Ramires zu Chelsea geholt hat? Er würde sich doch eigentlich anbieten für so ein Tannenbaum System. Also offensiv dann ungefähr so:

Ramires – Modric/Xabi – Coentrao/di Maria
Di Maria/Özil – Cristiano/Isco
Benz/Cristiano

Er ist ja eigentlich ein Spieler der 90 Minuten durchrennt, schnell wie auch technisch beschlagen und, so weit ich weiss, auch nicht schlecht im Zweikampf. Wäre er nicht ideal für so eine Rolle? Und was denkt ihr zu einem eventuellen Transfer von Gareth Bale? Bei den vorderen 3? Linkes Mittelfeld? Vlt sogar Linksverteidiger?

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RM 29. June 2013 um 19:42

Ja, war er. Sieht nicht schlecht aus, die Taktik. Gibt es denn Interesse an Ramires? Bale wäre maximal im Mittelfeld (also bei den zwei oder den drei) zu gebrauchen, Linksverteidiger würde er nicht spielen und sollte er auch nicht, Mittelstürmer wäre unpassend.

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juventino 29. June 2013 um 23:20

Danke für die Antwort! Ich weiss leider nichts von einem Interesse, war mehr ein Gedankenspiel. Aber wenn er ihn ja schon mal geholt hat, wird er es sich vielleicht zumindest überlegen.

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Ferero 24. April 2013 um 19:09

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen – vorzüglicher Artikel! :)

Das einzige was ich noch ansprechen möchte ist das Thema “linker AV”.
TW hat das ja bereits kurz angesprochen jedoch möchte ich noch ein paar Worte dazu verlieren.

Bevor sich Marcelo verletzt hat war er die klare Nummer eins auf der Position des linken AV. Durch seine Verletzung wurde Coentrao in die Mannschaft geworfen – was vollkommen klar ist! Jedoch ist Marcelo seit einiger Zeit wieder fit und auskuriert (ausgenommen von der Verletzung vom letzen Liga-Spiel gegen Betis).

Mein Problem: Ich kann nicht verstehen warum Mourinho in den wichtigen Spielen – vorallem in der CL – auf Coentrao setzt und nicht auf Marcelo.
Ich halte Marcelo für einen sehr wichtigen Spieler (der vorallem das Offensiv-Spiel ankurbelt) in der Mannschaft von Real, da durch ihn auch Ronaldo’s Spiel wesentlich besser wird (weil sich Marcelo mehr in die Offensive einschaltet und meiner Meinug nach besser mit Ronaldo harmoniert, als Coentrao).

Mir ist auch klar, dass die Defensiv-Leistung von Marcelo nicht gerade besser ist als die von Coentrao, aber das kann doch nicht der Grund sein, warum Mourinho in wichtigen Spielen auf Coentrao und nicht afu Marcelo setzt? :D

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TW 24. April 2013 um 19:51

Mourinho war mit der Fitness von Marcelo noch nicht einverstanden. Bei seinen letzten Einsätzen in La Liga war Marcelo auch noch ein gutes Stück von seiner Dynamik und Offensivstärke im vergangenen Jahr entfernt. Damals fand ich Marcelo auch defensiv besser als Coentrao, vor allem da sein Stellungsspiel etwas besser ist (siehe obiger Kommentar).

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Thomas 24. April 2013 um 13:42

Kompliment, bester Artikel auf spielverlagerung.de bis dato.

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nifan 24. April 2013 um 03:00

“… gerne mit Luka Modric. Der wohl bedachteste Mittelfeldspieler dieses Planeten… ”

bedachteste? o_O Was genau ist damit gemeint?

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RM 24. April 2013 um 03:22

Wenn Modric einen Pass spielt, denkt er meistens an Bücher von Herrmann Hesse. Besonders Siddharta hat es ihm angetan.

Soll (wohl) bedeuten: Modric wählt seine Pässe mit Bedacht, ist also in seinem Passspiel strategisch veranlagt (welche Räume sind frei, welcher Pass entspricht dem gewünschten Spieltempo) und spielintelligent.

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TE 24. April 2013 um 14:25

Das Wort hat übrigens TR in den Artikel editiert. In meiner Original-Version stand “der wohl intelligenteste Mittelfeldspieler”, was es wohl auch nicht so richtig trifft. Was ich sagen wollte: Modric kann sich sehr gut auf Situationen, Räume und Gegner einstellen und wirkt in seinen Aktionen sehr überlegt.

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Nuetraler Experte 23. April 2013 um 21:54

Ich weiß nicht warum die größte Schwäche von Real Madrid nämlich der Präsident Florentino Perez nicht erwähnt wird. Das GANZE Spiel ist seit Jahren auf Ronaldo zugeschnitten mit mäßigem Erfolg, weil er im Vergleich zu vielen anderen Fussballern sehr viele Torchancen benötigt um zu treffen. Gerade deshalb hat man sogar mehrere Ligaspiele in dieser Saison VERLOREN. Von Unentschieden und knappen Ergebnissen ganz zu schweigen. Higuain, Özil und Benzema sind dagegen um ein vielfaches ffektiver, wenn sie nach einem MÜHSAMEN Angriff öfter mal abschließen DÜRFTEN anstatt Ronaldo mal wieder aus allen Lagen ohne Rücksicht auf Verluste. Ronaldo ist leider für Perez DAS Aushängeschild aber Marketing alleine kann’s doch auch nicht sein. Di Maria und Marcelo werden hier außerdem ganz klar überschätzt. Außer Ballverluste und Fehlpässe bringen die doch kaum etwas zustande wie damals Lass Diara um dann schnell mal ausgekontert zu werden. Dieses fehlende Puzzlestück TEAMGEIST resultiert übrigens aus der taktischen Ausrichtung. Kein professioneller Mitspieler macht das auf Dauer mit und die fehlende Begeisterung sieht man den Spielern oft an, wenn sie mal wieder nicht angespielt werden in Tornähe trotz besserer Schusstechnik und damit meine ich nicht Callejon oder Di Maria. Hauptsache Ronaldo verballert mal wieder alles weg wie bei seinen “Freistößen” dank seinem EGO. Wer auch alle Ligaspiele gesehen hat wie ich wird mir vielleicht zustimmen bei dem einen oder anderen Punkt.

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blub 23. April 2013 um 22:46

Ja, Roanldo nimmt sich viele Torchancen, auch viele halbgare aus 25m, aber von diesen trifft er dann auch überdurchschnittlich viele.(im bereich 2-3% mehr als der schnitt) ob das gut ist oder nicht sei mal dahingestellt.

Gekürzt von TE: Bitte sachlich diskutieren und nicht persönlich werden. Vielen Dank.

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OJDD 23. April 2013 um 23:57

2-3% mehr als der schnitt ist also überdurchschnittlich??…na dann bitte weitermachen..

mich würden echt mal freistoßstatistiken interessieren, möcht nicht wissen, was real da liegen lässt, nur damit herr ronaldo mal in 30 spielen 1 tor aus 25m schießt…

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juventino 23. April 2013 um 19:27

wieso “darf” ramos eigentlich nicht mehr rechts aussen spielen? ich sehe ihn offensiv wie deffensiv besser als arbeloa. man hätte dann eine sehr starke deffensive mit marcelo/coentrao, varane, pepe und ramos und könnte alonso durch ramos und varane besser entlasten. hat das eine taktische begründung?

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TW 23. April 2013 um 20:03

Wenn Mourinho auf der PK grad die Wahrheit gesagt hat, dann spielt genau die von Dir genannte 4er-Kette, also mit Ramos als RV und Varane und Pepe innen.

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RM 23. April 2013 um 20:06

Das sagte er schon so nach dem letzten Liga-Spiel – geht gar nicht anders wegen Verletzungen und Sperren.

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TW 24. April 2013 um 13:54

Stimmt, mir war entgangen, dass Arbeloa und Essien nicht dabei sind.

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juventino 24. April 2013 um 19:22

ok jetzt hat er ja praktisch keine andere wahl. aber generell lässt er ja eigentlich immer arbeloa oder sonst essien auf rechts auflaufen. wieso?

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TheSoulcollector 23. April 2013 um 16:58

Meiner Meinung nach wird die fehlende Kompaktheit Reals in der Defensive oft auch mit Härte im Zweikampf bzw. taktischen Fouls ausgeglichen. Gibt es dafür irgendwelche Belege oder ist das nur ein Hirngespinst von mir?

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UF 23. April 2013 um 15:29

Kleiner Nachtragnoch dazu: Interessant finde ich auch die Tatsache, dass aus dem auswärtsstärksten Team der Liga ein Team geworden ist, dass sich je nach Auswärtspartie schon über einen Punkt freuen muss…

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UF 23. April 2013 um 15:00

Freut mich sehr, endlich etwas längeres über Real zu lesen. Das Einzige, was mir hier ein bisschen fehlt, ist ein Abschnitt zum Thema “Wie schafft man es, mit ein- und derselben Mannschaft von einer Saison auf die andere komplett einzubrechen”. Denn ganz ehrlich, das Real aus dieser Saison erinnert nur noch sehr selten an die genialen Momente aus dem Jahr der Meisterschaft davor. Die (gute!) Analyse beschreibt das unglaubliche Offensivpotenzial Reals, aber leider sieht man zur Zeit oft genug nur 10 lethargische Männer in weißen Trikots.

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TW 23. April 2013 um 15:14

Naja, ganz so extrem würde ich das nicht sehen. Die lange Verletzung von Marcelo sowie die schwankende Form von Di Maria sind sicher wichtige Faktoren. Über die Möglichkeiten mit einem Marcelo in Topform habe ich ja bereits weiter oben geschrieben.

Ein weiterer Aspekt ist die fehlende Motivation in La Liga. Die Meisterschaft ist verloren und somit schont Real in der Liga viele Spieler für Pokal und CL – grad da viele wichtige Spieler (Alonso, Ramos) kleinere Wehwehchen plagen. Eine blinde Eingespieltheit wie im letzten Jahr wird so etwas erschwert. Die fehlende Motivation schlägt sich auch in einer fehlenden Intensität des Pressings nieder – insbesondere die 4-3-3/4-2-4 Phasen sieht man diese Saison doch deutlich seltener.

Nichtsdestotrotz schafft es Real immer wieder die nötigen 1-2 Gänge hochzuschalten. Ich weiß nicht wie viele Spiele in La Liga bereits gedreht wurden. Auch im Rückspiel gegen Galatasaray hat Real immer dann einen drauf legen können, wenn es darauf ankam. Die Clasicos sprechen ebenfalls für sich.

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UF 23. April 2013 um 15:25

Dass die Liga bereits so früh in der Saison verloren war, erklärt doch aber nicht, dass die Liga bereits so früh in der Saison verloren war?!

Klar, zum jetzigen Zeitpunkt wird in den Ligaspielen auch kräftig durchrotiert, da können nur schwer Galavorstellungen angeboten werden. In der CL gegen Gala ist man fast rausgeflogen (wo waren denn da 1 oder 2 Gänge?!). Das Komische ist für mich ja eben, dass es seit Anfang der Saison nicht mehr richtig läuft, auch in den CL-Spielen und im Pokal (Celta anyone) war das nicht das Gelbe vom Ei.

Übrigens finde ich auch, dass gerade die Konter, letzte Saison ja das Aushängeschild Reals, doch deutlich nachgelassen haben. Wie oft da die Abstimmung fehlschlägt oder das Tempo rausgenommen wird, brrrrrh….

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TW 23. April 2013 um 15:39

Zu Beginn gab es viele kleine Dinge, die Real nicht haben richtig in Tritt kommen lassen. Beide LV waren länger verletzt, Özil war deutlich überspielt, Modric noch nicht richtig in der Mannschaft angekommen, etc. Außerdem hat Barca in der Hinrunde ALLE Spiele (außer gegen Real) gewonnen. Ab 10-12 P beginnt dann auch irgendwann die Psychologie. Da ging das mit der Vorentscheidung ziemlich schnell.

Beim Rückspiel gegen Gala hat Real doch sofort das nötige Auswärtstor erzielt. Danach hätte Gala 5! Tore gebraucht. Dementsprechend hat Real in Standby geschaltet. Als es dann 3 Tore für Gala waren (also noch 1 Tor Puffer), konnte Real wieder hochschalten und mit dem 2. Tor das Spiel endgültig klar machen. Ich sehe nicht wo Real da fast rausgeflogen wäre.

Das mit den Kontern hängt eventuell auch damit zusammen, dass Real häufig in Rückstand gerät. Gegen eine tiefstehende Mannschaft ist es schwer zu kontern. Die Tore gegen Barca im Clasico (1:3) haben gezeigt, dass Real in wichtigen Spielen durchaus noch Hochgeschwindigkeitskonter zu Stande bringt.

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CJ 23. April 2013 um 14:17

Wunderbare leicht verständliche Analyse. Real ist inzwischen eine klar konzipierte Mannschaft (ganz im Gegensatz zu den etwas konfusen Möchtegern-Dreamteam-Jahren), doch für meinen Geschmack ist die Fokusierung auf Ronaldo einfach zu stark. Ein Verein mit diesen Möglichkeiten muss seine Offensive doch nicht derart stark auf einen Spieler ausrichten.

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TW 23. April 2013 um 13:55

Sehr schöne Analyse des aktuellen Teams von Real Madrid. Die erwähnten Probleme mit der 4-3 Ordnung treten jedoch nicht so häufig zu Tage, da häufig Özil oder der Stürmer in die zweite Vierkette zurückfallen, um Ronaldos Zocken zu kompensieren. Es ist grad in den Ligaspielen, wo es keine speziell gegnerorientierten defensiven Anpassungen gibt, gut zu sehen, dass Real sehr bemüht ist, defensiv in einer 4-4-2 bzw. 4-4-1-1 Ordnung zu stehen – natürlich außerhalb der aggressiven Pressingphasen im 4-3-3 bzw. 4-2-4.

Bei der Diskussion der Linksverteidiger lässt sich noch ergänzen, dass der Hauptunterschied zwischen Coentrao und Marcelo in Ihrer Ausrichtung liegt. Ersterer ist extrem vertikel während Letzter eher Diagonal spielt. Für Ronaldo bedeutet dies, dass Coentrao eher hinterläuft und Ronaldo somit den Weg ins Zentrum aufzwingt. Marcelo hingegen bietet sich schräg nach hinten versetzt für einen einfachen Rückpass an. Er steht dabei in dem Winkel den der AV beim Zustellen üblicherweise frei lässt. Ronaldo kann also sowohl einen Doppelpass suchen und Tempo aufnehmen, selbst an die Grundlinie gehen, oder das Spiel über Marcelo neu aufbauen lassen. Bindet Ronaldo mehrere Spieler kann Marcelo nach dem Pass selbst diagonal aufs Tor ziehen.

Defensiv ist es ähnlich. Coentrao bevorzugt das klare Kettenspiel mit vertikalem Herausrücken auf den Gegner. Marcelo rückt versetzt vor dem breiteren IV ein. Somit wird er aus einem Hybrid aus IV und linkem Sechser. Aus der Stellung hat er guten Zugriff auf den freien Raum aus TRs Grafik.

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blub 23. April 2013 um 12:13

Herausragende Arbeit. Wie man mit ~3,5k Wörtern so viel beschreiben kann ohne das der Text langatmig wirkt ist wirklich außergewöhnlich.

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Ian 23. April 2013 um 12:05

Spielt Khedira nicht halbrechts im DM und Alonso halblinks?

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TE 23. April 2013 um 12:22

Gute Anmerkung. Ich habe kurz überlegt, ob ich drauf eingehen soll, fand den Text aber schon so lang genug ;) Grundsätzlich ist es richtig, dass Khedira lange Zeit ausschließlich halbrechts und Alonso ausschließlich halblinks gespielt hat. Zuletzt haben die beiden jedoch häufiger gewechselt, auch weil Alonso mit Essien als Rechtsverteidiger öfter nach rechts gekippt ist. Wer will, kann sich die Grafiken andersrum denken – es ist nicht falsch.

Edit: Die Kollegen haben mich jetzt überzeugt, meine Grafik umzuändern.

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Janne 24. April 2013 um 14:05

phaaaa
eure Texte können garnicht lang genug sein.

Ich bin immer zutiefst betrübt wenn ein Text zuende geht.
Wie bei einer guten Serie wo die aktuelle Folge schon leider weider vorbei ist und man sich nach mehr sehnt^^

Grade bei diesen Gesamtanalysen sollte man nicht sparen. Die sollten ausführen was in Spielanalysen oft auf der Strecke bleibt.

Also Mut zu mehr Text :D

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