Mittwoch, 22.10.2014

SC Freiburg – Hannover 96 3:1

Der SC Freiburg zeigt sein dominantes Gesicht und besiegt Hannover 96 mit 3:1. Christian Streichs Team baut auf ihr ureigenes Pressing und nimmt das Hannoveraner 4-4-2 auseinander.

Grundformationen

Grundformationen

Am Freitagabend trafen mit Freiburg und Hannover zwei Europa-League-Aspiranten aufeinander. Beide Trainer schickten ihre Teams in einem 4-4-2 auf das Feld. Auch in der Wahl der taktischen Mittel agierten beide Teams recht Ă€hnlich: Ein Mittelfeldspieler kippte jeweils ab, wodurch die Außenverteidiger weiter aufrĂŒcken konnten. Auf Hannoveraner Seite war dies Hoffmann, bei Freiburg wechselten sich Schuster und Ginter ab. Im Sturm gab es bei beiden Teams eine Aufteilung zwischen einem weiter vorne postierten Zielspieler (Santini und Diouf) und einem mobileren und zurĂŒckfallenden Angreifer (Kruse und Schlaudraff).

Pressing

Der grĂ¶ĂŸte Unterschied der beiden Teams war die Höhe des Pressings: WĂ€hrend die Hannoveraner den Zugriff erst in der eigenen HĂ€lfte suchten, störten die Freiburger frĂŒh. Sie setzten dabei auf ihr gewohntes, mannorientiertes Pressing: Sobald der Pass auf die Außenverteidiger kam, wurden sie von den AußenstĂŒrmern attackiert. Gleichzeitig verfolgten Schuster und Ginter im Mittelfeld die gegnerischen Sechser Stindl und Hoffmann bis weit in deren HĂ€lfte.

Hannover fand gegen das gegnerische Pressing nie zum gewollten Vertikalspiel. Sie versuchten zwar, nach Ballgewinnen den zurĂŒckfallenden Schlaudraff mit vertikalen PĂ€ssen einzusetzen. Freiburg verhinderte diese Zuspiele mit dem eigenen Pressing jedoch bereits im Ansatz. Auch im ruhigen Spielaufbau hatten die Hannoveraner viele Probleme. Dieser lĂ€uft normalerweise ĂŒber ihre Außenverteidiger – ein gefundenes Fressen fĂŒr das Freiburger Pressing. Unter dem hohen Druck des Gegners bolzte Hannover ungewohnt viele BĂ€lle nach vorne, welche die Freiburger Innenverteidiger einfach nur aufzusammeln brauchten. Freiburg konnte somit weit mehr Ballgewinne erzielen als die Hannoveraner.

Bei Ballbesitz ließen die Freiburger die Kugel laufen. Slomka bemĂ€ngelte nach dem Spiel gegenĂŒber dem TV-Sender sky, sein Team sei vor der Pause „nicht weit genug vorgerĂŒckt bis zur Mittellinie“. Die vergleichweise tiefe Stellung der Hannoveraner sorgte dafĂŒr, dass Freiburg bis zur Pause zwei Drittel des Ballbesitzes verbuchen konnte. Vor allem die Freiburger Sechser sahen sich keines Drucks der Hannoveraner ausgesetzt. Ein Sechser kippte in die Abwehr ab, wĂ€hrend der Zweite sich davor horizontal bewegte. Ginter hatte am Ende des Spiels 96 Ballkontakte, Schuster gar 106.

Von Dreiecken und kreativen Standards

Freiburg konnte daher den Spielaufbau aus der eigenen HĂ€lfte ruhig angehen lassen und auf die entscheidende LĂŒcke warten. Sie setzten dabei auf das klassische Dreieckspiel. Über die freien Sechser konnten die Freiburger viele Dreiecke herstellen, mit denen sie die Gegner aus den Positionen zogen. Ein klassisches Beispiel hierfĂŒr war das Spiel mit den aufrĂŒckenden Außenverteidigern: Beim AufrĂŒcken zogen sie leicht diagonal in die Mitte, sodass sie die gegnerischen Außenspieler in die Mitte zogen. Wenn sie angespielt wurden, passten sie den den Ball zurĂŒck zum in der Mitte wartenden Mitspieler, der wiederum den breit gebliebenen AußenstĂŒrmer einsetzte. So kam Freiburg relativ oft auf den Außen an die Grundlinie.

Ebenfalls erfolgsversprechend waren Angriffe ĂŒber den zurĂŒckfallenden Kruse. Hannovers Mittelfeld operierte mit der von ihnen gewohnten Tiefenstaffelung, was bedeutet, dass ein Sechser tiefer agiert als sein Nebenmann. Stindl war meist der höher postierte Sechser. Kruse schlich sich in den Raum hinter ihm. Wenn er angespielt wurde, musste ein Innenverteidiger oder Außenverteidiger rausrĂŒcken, um ihm aufzunehmen. Die ĂŒbrigen Abwehrspieler reagierten, indem sie zusammenrĂŒckten. Kruse nutzte dies, um die breit wartenden AußenstĂŒrmer einzusetzen.

Auch wenn Freiburgs flĂŒgellastiges Spiel nur wenige Torchancen kreierte, holten sie doch zumindest einige Standards raus – eine Kategorie, die Freiburg beherrscht. Kein Team zeigt sich derart kreativ, wenn es um die Anwendung von kurzen Varianten bei Ecken und FreistĂ¶ĂŸen geht. Das 1:0 war hierfĂŒr ein gutes Beispiel, als Freiburg ĂŒber eine Dreieckskombination den EckenschĂŒtzen Schmid freispielte. Schulz stolperte den Ball ins eigene Tor (24.). Das 2:1 fiel – Freiburgs Strategie entsprechend – nach einer Hereingabe von links, Schmid hatte hier eine Überzahlsituation geschaffen. Kruse verwertete, obwohl drei Gegenspieler zwischen ihm und dem Tor standen (44.). Zwischenzeitlich hatte Hannover ausgeglichen – wohlgemerkt nach einem krassen Fehler der Freiburger, nicht nach einem eigenen Angriff (36.).

Zweite Halbzeit

Bis zur Halbzeitpause waren die Freiburger absolut dominant und spielbestimmend. Hannover versuchte nach der Pause, etwas weiter vorzuschieben und das Pressing frĂŒher anzugehen. Gleichzeitig rĂŒckten die Außenverteidiger bei eigenen Angriffen weiter auf. Die Hannoveraner versuchten nun ebenfalls, den Gegner ĂŒber die FlĂŒgel zu knacken. Gegen Freiburgs Pressing und die abkippenden Sechser hatten sie jedoch noch immer keine Antwort gefunden, sodass Freiburg weiterhin den Ballbesitz dominieren konnte. Selbst wenn Hannover jetzt frĂŒh störte, konnten sie sich ĂŒber lange BĂ€lle auf den Zielspieler Santini befreien.

Erst mit der Einwechslung Pintos (63. fĂŒr Stindl) verbesserte sich das Hannoveraner Spiel merklich. Einerseits stand er als Sechser beim gegnerischen Ballbesitz höher und presste die gegnerischen Sechser intensiver. Gerade den Druck auf Schuster erhöhte er. Freiburg konnte nicht mehr in das eigene Dreiecksspiel finden, das sie in Halbzeit Eins auszeichnete. Andererseits bereicherte er das eigene Aufbauspiel mit seiner PrĂ€senz. Er zeigte sich sehr beweglich und wich der gegnerischen Mannorientierung aus. Mal baute er das Spiel aus der eigenen Abwehr auf, dann wieder stieß er vor in den Sturm. Er behob damit auch das Manko, dass Schlaudraff nicht weit abkippen konnte, ohne vorne eine große LĂŒcke zu hinterlassen. Nach Pintos Einwechslung ging Schlaudraff wesentlich tiefer. So bereitete er die große Chance von Diouf aus der eigenen HĂ€lfte vor (73.).

Durch die höhere Positionierung der gesamten Mannschaften wurde Hannover im Gegenzug anfĂ€lliger fĂŒr Konter. Gerade in ihre stĂ€rkste Phase platzte ein schneller Gegenstoß der Freiburger, der gespickt war mit Hannoveraner FlĂŒchtigkeitsfehlern. Schmid erzielte das 3:1 (73.). Dieses beendete das Spiel praktisch. Hannover warf nun alles nach vorne. Slomka brachte Abdellaoue (75. fĂŒr Ya Konan) und Sobiech (77. fĂŒr Pocognoli) und spielte nun effektiv mit vier Spitzen, die allesamt recht hoch standen. Ihnen fehlte die Verbindung zwischen Mittelfeld und Sturm, die sie nur mit langen BĂ€llen herstellen konnte – eine leichte Beute fĂŒr die Freiburger Verteidiger. Diese nutzten ihrerseits klug das Loch auf rechts aus, das in Ermangelung eines Hannoveraner Rechtsaußen entstand. Freiburg konnte das 3:1 bis zum Abpfiff verwalten.

Fazit

Dieses Spiel bewies, dass man gegen Freiburg mit einem klassischen 4-4-2 kaum gewinnen kann. Hannover lief in jede Pressingfalle des Gegners und konnte mangels eigenem Angriffspressing die Dominanz der Freiburger nie brechen. Einzig nach der Einwechslung Pintos hatten sie eine starke Phase.

Die Hannoveraner waren nicht die Ersten in dieser Saison, die mit einem 4-4-2 gegen Freiburg untergingen. Es verwundert, dass mittlerweile noch Trainer mit einer derartigen Formation gegen Freiburg antreten – einfacher kann man es Streichs Truppe kaum machen. Diese ĂŒberzeugten abermals mit einem extrem ballsicheren Mittelfeld (Schuster! Ginter!!) und einem leidenschaftlichen Pressing. Mal schauen, ob der VfB Stuttgart es nĂ€chste Woche im Pokal-Halbfinale besser macht.

seb123 16. April 2013 um 13:32

Ich konnte das Spiel auch im Stadion sehen…
Mir sind immer wieder kleinere SchwĂ€chen der Freiburger aufgefallen, diese besinnen sich aber lieber auf ihre StĂ€rken. Laufarbeit, Siegeswille, und individuell starke Spieler. Die höhere Konzentration war aber nicht immer in dieser Saison vorhanden…
Relativ auffĂ€llig war das FlĂŒgelspiel der Freiburger. Sie sind sehr oft zur Grundlinie durchgekommen, allerdings war die Verwertung der hohen BĂ€lle eher mies. Schon gegen Gladbach ist mir das aufgefallen, dort hat der starke ter Stegen viele der unzĂ€hligen Ecken abgefangen. So war das 1:0 nicht unbedingt das zwangslĂ€ufige Resultat des guten FlĂŒgelspiels.

Ich als Freiburger hoffe natĂŒrlich, dass die starke Saison durch den Finaleinzug am Mittwoch gekrönt wird. Ich freue mich auch schon auf die Analyse des Spiels!
Ich finde super, dass ihr (dank der starken Saison) auch einige Freiburg-Spiele analysiert.
Interessant fĂ€nde ich einen Artikel ĂŒber Überraschungsteams im Allgemeinen in der Bundesliga. Wie schaffen es kleinere Vereine eine Ausnahmesaison zu spielen? Was steckt hinter dem Erfolg?
Es gibt ja jedes Jahr eine Mannschaft, die mehr oder weniger ĂŒberraschend oben mitkĂ€mpft. Die Hoffenheimer Herbstmeisterschaft, letztes Jahr Gladbach, dieses Jahr Frankfurt oder Freiburg. Lassen sich da irgendwelche Parallelen aufweisen?

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PAD 16. April 2013 um 10:07

Was mich im Spiel gewundert hat war, dass Slomka auf ziemlich vertikale und zielstrebige Außen gesetzt hat. Ich hatte eigentlich noch das Bild von spielstarken ballsicheren Außen bei Hannover im Kopf, welche in diesem quasi 4-2-4-Pressing von Freiburg richtige Brandherde sein können.
Bin mir ohnehin nicht sicher, auf was sich das aktuelle Hannover-System reduzieren lĂ€sst, das scheint ja mittlerweile nichts halbes und nichts ganzes zu sein…

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Sebastian 14. April 2013 um 15:57

Ich konnte mir diese erfrischende Partie im Stadion anschauen am Freitag. Der Angriffsfußball und die Dominanz des SC war klasse, beruhte aber auch auf einer höheren Laufarbeit und Konzentration in den meisten Szenen und SchwĂ€chen bei Hannover.

Hannover ist bereits seit einigen Wochen auf dem absteigenden Ast. In ihrer Hochform hÀtten sie ihre Freude gehabt an der mangelnden Verwertung der SC-Chancen, Diouf das 2-2 gemacht und vllt noch einen Konter gefahren und nicht zwei Tore durch Zieler hergeschenkt.
Das zeigt, dass es nicht am System lag, sondern an Laufwege und Konzentration und der bei Hannover nicht mehr so wie vor 2 Jahren vorhandenen FĂ€higkeit zum effektiven Konter.

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Pioneer 13. April 2013 um 18:57

Schön, dass ihr dieses Spiel analysiert habt. Kann dir nur zustimmen, Hannover war erschreckend schwach. Zwei Anmerkungen zum Freiburger Spielaufbau:
-In der Grafik sieht so aus, als ob Ginter zwischen die Innenverteidiger gefallen wÀre, war dies nicht Schuster?
-Was sehr offensichtlich war, dass Freiburg den Aufbau/Angriff gleich nach den Innenverteidigern ĂŒber außen gefĂŒhrt hat. Aus meiner Sicht hat da Hannover meist nicht genug verschoben…

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blub 13. April 2013 um 16:42

kleine sache: Kruses tor war 44. nicht 73.

Ich war von Ahnnover ĂŒberrascht. Eigentlich hatte ich Pinto auf der 6 und Stindl RA erwartet, das hĂ€tte ihrem Spiel besser gepasst.

Habd as Spiel genauso gesehen wie du.

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TE 13. April 2013 um 17:25

Danke, ich habe es geÀndert.

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AP 13. April 2013 um 16:17

Hat mich doch sehr ĂŒberrascht, dass Slomka im 4-4-2 antratt. Die Freiburger Spielweise ist ihm ja nicht unbekannt. Was hat er sich dabei nur gedacht… :-) WĂ€re es nicht besser in einem 4-1-2-3 bzw. 4-1-4-1
anzutreten?

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Paul 13. April 2013 um 15:29

Seit dieser Saison bin ich ein großer Fan des SCs geworden. Sie haben einen interessanten Spielstil und auch ihre Jugendarbeit ist hervorragend. Ich rechne ihnen durchaus Chancen aus nĂ€chste Saison in Europa zu spielen. Ob es fĂŒr die CL reicht bezweifele ich allerdings, denn selbst in der Quali könnten dann Teams wie Valencia, Arsenal und Milan warten

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