FC Augsburg – Bayer Leverkusen 1:4

Im Freitagsspiel empfing der Aufsteiger aus Augsburg den Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen, welcher nach anfänglichen Schwierigkeiten schließlich doch überzeugend mit 4:1 gewinnen konnte.

Bayers Offensive – alles neu

Das Leverkusener Offensivsystem in der Theorie

Robin Dutt änderte im Vergleich zur Vorwoche sein System und ließ seine Mannschaft in einem 4-2-1-3/4-2-3-1 agieren. Doch nicht darin lag die Umstellung, sondern in der Ausrichtung und Besetzung der verschiedenen Positionen. So agierte Kießling als falsche Neun, er ließ sich bei Angriffen meistens ins Mittelfeld fallen und erzeugte dort eine Überzahlsituation oder zog einen Innenverteidiger aus der Viererkette.

Auch die anderen Offensiven waren in schon gewohnter Art ständig unterwegs. Positionswechsel zwischen den Offensivleuten gehörten ebenso zum Leverkusener Repertoire wie das Überladen einer Seite, indem bspw. Sam auf den rechten Flügel wechselte, jedoch ohne dass Augusto ebenfalls die Seiten tauschte, sodass eine situative lokale Überzahlsituation für Bayer entstand bei gleichzeitiger Vernachlässigung der linken Seite.

Ein weiteres wichtiges Merkmal des Leverkusener Offensivspiels waren die Diagonalläufe von Sam, der damit die Defensive der Augsburger regelmäßig durcheinander brachte. Diese hatten Schwierigkeiten Sam zu übergeben, zudem hatten sie ihm gegenüber einen Geschwindigkeitsnachteil. Das 1:1 fiel aus einer Situation, in der Sam vom linken Flügel diagonal in die unbesetzte Spitze läuft, genauer gesagt in die Lücke hinten links und dort frei angespielt werden kann, weil die Übergabe des Gegenspielers von rechtem Verteidiger zu Innenverteidiger nicht geklappt hatte und schlussendlich niemand Sam folgte.

Auch Renato Augusto hatte in der Offensive große Freiheiten, er half immer wieder beim Spielaufbau eine Überzahl im zentralen Mittelfeld herzustellen, zog aber ebenso oftmals auf außen oder stieß in die Spitze vor. Beide offensiven Außen konnten nur so frei agieren, weil die Außenverteidiger sehr hoch agierten und für die nötige Breite sorgten. In den Spielaufbau aus der Abwehr waren sie überhaupt nicht involviert und in der gegnerischen Hälfte waren sie ebenfalls vor allem dazu gedacht, den gegnerischen Defensivverbund in die Breite zu ziehen und Freiräume für die Offensivspieler zu schaffen. Von dem etwas überraschend nominierten Michael Ballack erwartete Dutt ebenfalls, dass er mit seinen früher gefürchteten Laufwegen für „Präsenz im gegnerischen Strafraum“ sorgen würde.

Nun soll dieser Text keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass Leverkusen über weite Strecken des Spiels enorme Probleme mit dem taktisch gut eingestellten Gegner hatte. Doch gibt man Dutt noch etwas Zeit, dieses System zu vertiefen, erscheint es mindestens als eine sinnvolle Alternative zum direkteren Stil. Es wäre aber auch vorstellbar, dass Dutt seine Mannschaft langfristig in die oben geschilderte Richtung entwickeln will und dieses (Offensiv-)System zum bevorzugten im Laufe der Saison werden wird.

Augsburg defensiv überzeugend

Startaufstellungen

Der auch nach dem 5. Spieltag noch sieglose Aufsteiger überzeugte im Spiel gegen den Vize-Meister im Spiel gegen den Ball. Luhukay hatte den Gegner anscheinend gut analysiert und eine Antwort auf die viele Bewegung in den vorderen Reihen der Leverkusener gefunden, die wenn auch in abgemilderter Form schon die Wochen zuvor vorhanden war.

Der Aufstiegstrainer ließ seine Spieler früh attackieren, Baier setzte gemeinsam mit Mölders schon die Innenverteidiger unter Druck und versuchte diese zu isolieren und damit einen langen Ball zu provozieren. Anfangs gelang dies auch recht gut, Reinartz und vor allem Toprak hatten Probleme das Spiel ruhig aus der Abwehr heraus aufzubauen.

Nachdem der FCA nach fünf Minuten überraschend in Führung gegangen war, im Gegenzug jedoch sofort das 1:1 kassiert hatte, fanden die Aufbauspieler des Gegners nach und nach besser ins Spiel. Sam und Renato Augusto kamen nun immer wieder zur Hilfe und boten sich für kurze Zuspiele aus der Abwehr an, sodass die erste Augsburger Instanz immer seltener erfolgreich war.

In der Folge verlagerte sich das Spiel Mitte der ersten Halbzeit langsam, aber sicher in die Augsburger Hälfte. Der Defensivverbund zog sich daraufhin weiter zurück und postierte sich ca. 20 Meter vor dem eigenen Tor. Abwehr und Mittelfeld standen dabei dicht zusammen, Baier ließ sich fallen, sodass meistens neun Mann hinter dem Ball waren und verteidigten. Durch die engen Ketten konnten die Leverkusener selten Räume finden, in die sie stoßen konnten, sodass sie die Anzahl der Positionswechsel erhöhten.

Auffallend im Defensivkonzept der Gastgeber war, dass die Innenverteidiger ihren Gegenspielern ins Mittelfeld folgten, genauso wie Mittelfeldspieler ihren Gegenspieler in die Abwehr folgten, sodass zeitweise eine Zweierabwehrkette zu sehen war und häufig auch eine Fünferkette. Diese Marschroute Luhukays eröffnete Leverkusen zwangsläufig Räume, die man jedoch viel zu selten effektiv nutzte. Dennoch fehlte bei den Augsburgern in den entscheidenden Momenten die Abstimmung, wie beim geschilderten 1:1, aber auch beim 2:1 und beim vorentscheidenden 3:1. Bei den ersten beiden Toren hatten die Leverkusener zuvor einen Raum geöffnet, in den der Torschütze (Sam beim Ausgleich) bzw. der Vorlagengeber (Renato Augusto beim Führungstreffer von Kießling) hineinstieß.

Stattdessen erzielten die Augsburger viele wertvolle Ballgewinne in zentraler Position, die Konter wurden jedoch meistens nicht überlegt genug ausgespielt. Zudem rückten nicht genügend Spieler nach, sodass man sich selbst gegen weit aufgerückte Leverkusener einer permanenten Überzahl gegenüber sah.

Zwar hatte man Leverkusens Positionswechsel über weite Strecken der Partie im Griff, war aber dennoch kaum in der Lage selbst Druck aufzubauen, sodass eine Unaufmerksamkeit in der Defensive zu Sidney Sams 3:1 und der endgültigen Entscheidung führte. Beim 4:1 durch Derdiyok waren die Gäste erneut gedankenschneller als die Verteidiger des Aufsteigers.

Fazit

Leverkusen zeigte in einem veränderten Offensivkonzept viel versprechende Ansätze, schaffte es aber über weite Strecken der Partie nicht, das Augsburger Defensivkonzept auszuhebeln und sich Torchancen zu erspielen.

Der FCA spielte bis zum vorentscheidenden 3:1 in der 72. Minute defensiv überzeugend, brach in der Schlussphase jedoch ein, sodass am Ende ein Ergebnis stand, welches den Spielverlauf nur unzureichend dokumentiert. Doch auch die gute Defensivleistung konnte nicht die unzureichende offensive Durchschlagskraft kaschieren. Lediglich Bellinghausen sorgte im Augsburger Offensivspiel für Gefahr, doch seine Hereingaben waren meist zu überhastet, zudem wurde die Mitte nur unzureichend mit potenziellen Abnehmern besetzt.

Für den Klassenerhalt wird es nicht reichen, den Gegner gut zu analysieren und sich seinen Stärken anzunehmen, man muss auch die durchaus vorhandenen Schwächen der Leverkusener (z.B. die unsicheren Außenverteidiger, die häufigen Ballverluste im offensiven Mittelfeld, Sams Defensivarbeit) für das eigene (Offensiv-)Spiel nutzen. Schafft man dies in den kommenden Wochen nicht, wird der anvisierte Klassenerhalt für den Liganeuling sehr problematisch werden.

Sebastian 10. September 2011 um 14:33

Hast Du das Leverkusener Mittelfeld so gesehen? Bender war meiner Meinung nach offensiver eingestellt als Rolfes. Der turnte ab und an ja sogar an der Schulter der Augsburg Abwehr entlang. Für mich was das schon ne verkappte Raute, gerade Ballack und Bender haben gut die Halbpositionen gehalten, Rolfes saß eigentlich immer vor der Abwehr. Nur Augusto war etwas freier, der war häufig auch auf den Flügeln unterwegs, da stimme ich dir zu. Ab und an hat er aber auch die 8 gegeben. Sieht man auch hier im Gamecast>/a> sehr schön. Ich habe das hier weiter ausgeführt.

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