Sevilla FC – Málaga C.F. 2:1

La Liga bot eine interessante Paarung: Eine der stärksten Mannschaften des Landes gegen das neureiche und kräftig investierende Málaga. Am Ende behielt Sevilla im Derby die Oberhand.

Beim Gast standen mit Demichelis, Mathijsen und van Nistelrooy drei ehemalige Bundesliga-Spieler sowie mit Toulalan, Joaquin und Santi einige namhafte europäische Akteure auf dem Platz. Sevilla spielte im gewohnten 4-4-2 – im Vergleich zum Ausscheiden in der Europa League gegen Hannover kamen Javi Varas, Spahic, Cáceres und Manu für Palop, Alexis, Coke und Kanouté ins Team.

Ähnliche Strategien

Beide Teams versuchten, über ihre jeweiligen Flügelspieler nach vorne zu kommen – nicht ungewöhnlich für ein 4-4-2 bzw. ein 4-4-1-1, wie es Málaga praktizierte. Bereits nach zwei Minuten war die Strategie auf Seiten von Sevilla zum ersten Mal erfolgreich: Obwohl er gedoppelt wurde, konnte sich Navas im Dribbling durchsetzen, seine maßgenaue Flanke fand Negredo, welcher dankend zur frühen Führung einköpfte.

In der Tat war der gesamte Spielzug exemplarisch für das Spiel von Sevilla: Trochowski sollte die Bälle auf die Außenbahnen verteilen, wo man Flanken auf Negredo bringen (Navas über rechts) oder Kombinationen starten (Perotti über links) wollte.

In genau diesen Bereichen hatte Málaga dagegen Probleme: Sie brachten erstens den Ball im Spielaufbau nicht nach vorne, zweitens konnten sich ihre Offensivspieler nicht so in Szene setzen.

Aufgrund des Rückstandes mussten sie das Spiel machen und fanden damit im Spielaufbau einen kompakteren und defensiveren Gegner vor. Im Gegensatz zu Sevilla fehlte ihnen aber die Verbindung zwischen den beiden Mittelfeldspielern selbst. Während Medel und Trochowski im Spielaufbau sich beide anboten, wechselten sich Toulalan und Apono ab – einer ließ sich bis kurz vor die Innenverteidigung fallen, während der andere weit vorschob.

Doch somit blieben für den tieferen Akteur keinerlei Anspielstationen, was die Mannschaft zerteilte. Die einzige Möglichkeit, um die isolierten Offensivspieler einzubinden, waren lange Bälle – und diese waren meistens nicht erfolgreich, in den Luftduellen konnte man bloß einige Freistoße provozieren, welche die einzigen Torchancen Málagas in der ersten Halbzeit blieben.

Málaga fehlt die Breite

Auch über außen konnte man den Ball nicht nach vorne bringen – Santi spielte auf links einen inversen Winger und zog nach innen, so dass einzig Joaquin für Breite im Spiel sorgte, denn die Außenverteidiger rückten zwar auf, aber zunächst nur sporadisch und später nicht weit genug – im letzten Drittel suchte man sie vergebens.

So ballten sich die Offensivkräfte Málagas in der engen Mitte, womit es Sevilla noch einfacher gemacht wurde, den Gegner zu verteidigen, weil man sehr eng spielen konnte und es so noch besser gelang, die einzelnen Mannschaftsteile des Gegners voneinander zu isolieren. Mit Gary Medel hatten man einen giftigen Spieler, der intelligent verteidigte und zur Not auch zum taktischen Foul griff.

Santi Cazorla konnte kaum ins Spiel eingebunden werden und so verpuffte auch die Rolle von Róndon, der hängenden Spitze. Er sollte sich auf die Außen fallen lassen, um Santi Räume zu öffnen, doch es fehlte an potentiellem Raum und ebenso an Bällen.

Dies wurde Mitte der zweiten Halbzeit noch schlimmer – Sevilla konzentrierte sich nach dem 2:0, welches ebenfalls durch Negredo erzielt, aber über die andere Seite durch ein Dribbling von Perotti und einen Raum-schaffenden off-the-ball-run von Róndons Pendant Manu – welch Ironie – eingeleitet wurde, noch mehr auf eine engmaschige Defensive.

Die Maßnahmen von Málagas Bank zeigten keine große Wirkung – zwar standen die beiden zentralen Mittelfeldspieler nun näher beieinander, doch es fehlte weiterhin an Breite, um die Defensive Sevillas auseinander zu ziehen: Die Außenverteidiger waren, wie bereits erwähnt, nicht konsequent genug und auch die Seitenwechsel von Santi und Joaquin konnten dies nicht beheben.

Sevilla stets gefährlich

Auch wenn man in der Phase vor der Halbzeit defensiv von der Konzentration her etwas nachließ, war man doch selbst die gefährlichere Mannschaft und  dem dritten Tor näher als Málaga dem Anschluss. In dieser Grafik der Schüsse der ersten Halbzeit erkennt man erneut Sevillas Ausrichtung – von rechts kamen hauptsächlich Flanken, während auf links Perotti, Manu und Negredo sich miteinander verbanden und kombinierten:

Auffällig sind hier die vielen Schüsse aus etwa 20 Metern Entfernung: Dies lag daran, dass Málaga nun auch begann, aggressiver zu pressen, was aber keine großen Erfolge verbuchen konnte, da vielversprechende Ballgewinne fehlten. Medel und Trochowski halfen der Verteidigung, zur Not konnte man, wissend um die exzellent geeigneten Abnehmer Negredo und Manu, einen langen Ball spielen und wenn die beiden zentralen Mittelfeldspieler Málagas zum Pressing aufrückten, hinterließen sie große Räume zwischen den Linien für das Offensivtrio Sevillas. So konnte man gut auf die tiefe Verteidigung zulaufen und abschließen.

Zweite Halbzeit

Dies war auch ein bestimmendes Element in der zweiten Halbzeit – Málaga kam mit sehr viel Aggressivität und Risiko wieder zurück. Auch hatten sie gleich doppelt gewechselt und auf ein 4-3-3 umgestellt.

Das System an sich war sehr interessant: Joaquin spielte auf rechts nun deutlich breiter, während der Linksaußen Seba Fernandéz viele Freiheiten hatte, umher zu driften. Santi spielte nun im zentralen Mittelfeld und übernahm dort die offensivere Rolle als Toulalan. Das Spiel war jetzt komplett auf ihn zugeschnitten – durch seine tiefere Positionierung sollte er mehr eingebunden werden, Spielzüge einleiten und sich auch selbst nach vorne wagen. Dafür musste Maresca im offensiven Mittelfeld extrem viel arbeiten, um Santi Räume zu eröffnen.

Die neue Strategie funktionierte auch recht gut und man wirkte sehr dominant, da man im Mittelfeld numerisch überlegen war, Santi sich nun entfalten konnte, er und Seba Überzahlsituationen zu kreieren vermochten und man auf diese Weise zu echten Kombinationen und auch einer nicht-numerischen Überlegenheit kommen konnte, doch es fehlte an konkreten Torabschlüssen.

Einmal wurde eine Hereingabe von Joaquin oder einem der nun auch deutlich konsequenteren Außenverteidiger knapp verpasst, einmal scheiterte der letzte Pass, einmal verpasste man den richtigen Moment zum Abschluss. So kam es, dass Sevilla auch in der zweiten Halbzeit mehr Schüsse verbuchte.

Hierbei profitierte man von der defensiven Sonderrolle Santis, welcher sich bei einem Ballverlust ziemlich weit nach links orientierte, um nicht mit Verantwortung für das Zentrum „beschädigt“ zu werden und bei einem Abbruch des gegnerischen Angriffes direkt auf der weniger engen Seite den Ball für eine Gegenattacke bekommen zu können.

Maresca konnte aber häufig nicht schnell genug zurückkommen, was das Zentrum und die rechte Seite von Navas entblößte – jener leitete auch die beiden Riesenchancen Sevillas ein und hätte Negredo wenigstens eine genutzt, dann wäre in der Schlussphase nicht mehr solche – aus Sicht der pfeifenden Zuschauer – unliebsame Spannung aufgekommen.

So startete Málaga nach Santis brillantem Zauberfreistoßtor (81.) noch eine Schlussoffensive, welche allerdings erfolglos endete. Dem Freistoßtor vorausgegangen war ein Vorstoß von Demichelis aus der Innenverteidigung – gegen die massierte Defensive Sevillas hätte man dies häufiger machen sollen. Dass Demichelis ein sehr fähiger Innenverteidiger ist, zeigte seine enorme Verantwortung im Spielaufbau – allerdings musste er häufig hinten bleiben und den Pass spielen anstatt vorzustoßen.

Fazit

Sevilla hatte einen klaren Plan, während Málaga Breite und eine Anbindung zwischen Offensive und Defensive fehlten – zur Halbzeit war es eine klare Angelegenheit.

Nach der Pause trug das neue, interessante System zu einer Verbesserung bei, doch weil man sich keine zwingenden Chancen erarbeiten konnte, bleiben vor allem die defensiven Schwächen hängen. So war es ein verdienter Derby-Sieg für Sevilla gegen Málagas Startruppe.

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