Bayern München – Borussia M’Gladbach 0:1

Mit einer überraschenden Niederlage startete der Rekordmeister aus München seine Bundesligasaison. Der Gegner aus Mönchengladbach konnte dank Lucien Favre und etwas Glück einen knappen Auswärtssieg für sich verbuchen und setzt die Bayern und Neo-Trainer Jupp Heynckes bereits nach dem ersten Spiel unter Druck.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Der FC Bayern agierte in seinem klassischen Hybridsystem aus 4-2-3-1 und 4-4-2, wobei Kroos die Rolle Müllers übernahm, welcher den angeschlagenen Ribéry auf links ersetzte.

Der japanische Neuzugang Takashi Usami nahm auf der Bank Platz , was bedeutete, dass sich Heynckes bewusst für eine asymmetrische Taktik in der offensiven Dreierreihe entschied, wohl auch aufgrund des inversen Außenverteidigers in Person von Philipp Lahm.

In der Abwehr agierte man wie erwartet mit Badstuber und Boateng vor Manuel Neuer, auf rechts spielte Rafinha und Luiz Gustavo erhielt den Vorzug vor Anatoliy Tymoshchuk.

Bei den Gästen aus Mönchengladbach war über eine Pause für den Copa-America-Teilnehmer Juan Arango diskutiert worden, doch er spielte dennoch und Lukas Rupp musste sich mit der Bank begnügen.

Ansonsten zu großen Teilen die erwartete Aufstellung, Riesentalent Ter Stegen im Tor, Brouwers spielte für den angeschlagenen Stranzl neben Dante, flankiert wurden die beiden Innenverteidiger von Daems und Jantschke.

Im defensiven Mittelfeld agierten mit Nordtveit und Neustädter zwei defensivorientierte Spieler, die ein klassisches Mittelfeldduo bildeten, ebenso wie es ein klassisches Duo im Sturm gab mit dem Arbeiter Hanke und dem Knipser De Camargo, welcher den 1:0-Treffer erzielte.

Das Spiel begann wie ganz Fußballdeutschland es sich erwartet hatte, die Bayern belagerten das Tor der Borussen, doch fanden kein wirkliches Mittel, um die beiden Viererketten zu überwinden.

Der Rekordmeister zeigte sich ideenlos und gute Phasen mit gefährlichen Vorstößen wechselten sich mit unkreativem Ballgeschiebe und Fehlpässen ab, was im Laufe des Spiels immer deutlicher wurde.

Gladbach zeigte von Beginn an eine höchst disziplinierte Leistung, besonders beeindruckend war das das kollektive Verschieben des Defensivverbundes, bei dem sich auch die beiden Stürmer beteiligten.

124 gelaufene Kilometer sind ein imposanter Wert und trotz deutlich geringerem Ballbesitz als der Rekordmeister lief man sieben Kilometer mehr, was einer der Ursache für die Ineffektivität der Angriffe der Bayern war.

Eine ähnliche Abwehrstrategie benutzte letztes Jahr auch Borussia Dortmund, wobei Klopp die Mitte schematisch enger machen ließ als es Gladbach tat, was jedoch auch auf die veränderte Aufstellung der Bayern zurückzuführen ist, Müller als Flügelstürmer auf links und Philipp Lahm als inverser Linksverteidiger erlauben eine Doppelung Robbens ohne die Außen öffnen zu müssen.

Das Problem von Lahm auf links zeigte sich jedoch nicht nur in der vereinfachten Doppelung Robbens, die sowohl durch die Kombination Müller-Lahm als auch das weniger breite bespielte Feld entsteht, sondern man konnte es auch in der Defensive erkennen.

Boateng und Badstuber waren auf sich alleine gestellt, während Schweinsteiger nur im halblinken Mittelfeld agieren kann und man hat somit drei Rechtsfüße auf der linken Seite und mit Holger Badstuber einen einzigen Linksfuß im gesamten Abwehrverbund, außer Luiz Gustavo, der jedoch halbrechts agieren muss.

Da Lahm im Offensivspiel zentral verschiebt und Müller die Aufgabe hatte, das Spiel breit zu machen, ergab sich ein großes Loch im Abwehrverbund.

Gustavo, der ein toller Spieler, aber kein Spielmacher ist, muss zentral absichern, während Schweinsteiger auf links gehen muss, um die Lücke zu füllen.

Bei Kontern ist somit das Zentrum nur teilweise gesichert und auf der schematischen Position in der linken Abwehr findet sich ein Spieler wieder, der von seinen körperlichen Anlagen nicht auf diese Position passt und als Rechtsfuß auch noch ein weiteres Handicap hat.

Es ergibt sich im Spiel dann folgendes Bild:

schlechte Raumaufteilung aufgrund inversen AVs

Das Angriffsspiel erstickt, Gomez isoliert sich vom Mittelfeld und Kroos muss auf engstem Raum spielen, was er aufgrund seiner Technik kann, doch es geht seine Fähigkeit für den vertikalen Pass und seine Spielübersicht etwas verloren.

Auf rechts wird Robben gedoppelt und der Passweg zu ihm zugesperrt, was letztlich dafür sorgt, dass auch Rafinha sich nicht effektiv in die Angriffsbemühungen einschalten kann.

Dass Kroos weiter nach links verschieben muss, verstärkt dieses Problem zusätzlich.

 

Besonders interessant ist dazu die Flankenstatistik, denn Gladbach konnte keine einzige für sich verbuchen, während die Bayern 27 platzieren konnten – jedoch nur drei von der rechten Seite.

Fragwürdig ist allerdings Heynckes Kommentar zum Spiel: „wir hätten mehr flanken müssen.“

Ein deutlich größeres Problem als die, aufgrund der Spielerwahl zwangsläufig, schlechten Flanken ist die Feinabstimmung der Bayern.

Die Passgeschwindigkeit ist oftmals sehr niedrig, die Erfolgsquote der Pässe ist maximal gut, nicht mehr und der hohe Ballbesitz (59%) ist eher  dem Gegner und den 60% gewonnen Zweikämpfen geschuldet, doch die fehlende Effektivität in der Vorwärtsbewegung -ob mit oder ohne Ball- lässt sich nicht leugnen.

Zwei Paradebeispiele dafür sind das eigene Pressing und der Siegtreffer der Gladbacher.

Das Pressing der Bayern verlief zumeist im Sande, die Stürmer attackierten zwar, doch die restliche Mannschaft hing in der Luft und agierte vorsichtiger, zog sich lieber zurück, um wieder geordnete Positionen einzunehmen. Besonders auffallend war es bei Toni Kroos, der im ganzen Spiel nur sechs Sprints machte – Robben und Müller hatten um die 25, Mittelstürmer Gomez immerhin über 15.

In der Defensive fielen die fehlenden Automatismen ebenso auf, das Tor war sinnbildlich: Holger Badstuber deutet Torhüter Manuel Neuer nach einem Befreiungsschlag, er soll herauskommen.

Neuer kommt aus seinem Kasten, Boateng dreht ab und lässt sich von de Camargo überlaufen, welcher vor Neuer an den Ball kommt und ein glückliches Tor erzielt. Der Spott ist nun medial sicherlich beim Nationalkeeper der DFB-Auswahl, doch sein Patzer war nur das Ende einer Fehlerkette, welche konsequent bestraft wurde.

Wenige Minuten später hatten die Münchner den Ausgleich eigentlich schon auf ihrer Habenseite, doch der Schiedsrichter entschied aufgrund Gomez fast-Eingreifen auf Abseits – vertretbar, dennoch umstritten.

Die Gladbacher hielten die Führung bis zum Ende und auch die statistische Überlegenheit konnte dem Rekordmeister nicht helfen, letztendlich muss bei 19 Schüssen einer ins Tor gehen, um einen Sieg oder zumindest ein Unentschieden zu erreichen.

Fazit

Ein fast schon klassischer Underdog-Sieg über den hohen Favoriten.

Lucien Favre agierte mit einem 4-4-2/4-4-1-1 und machte den Raum dicht, seine Mannschaft kämpfte aufopferungs- und hingebungsvoll und gewann glücklich, aber nicht unverdient.

Jupp Heynckes wird sich überlegen müssen, wie er diese herausragenden Solisten möglichst schnell zu einer Mannschaft formt und mit der Asymmetrie des Systems umgeht, denn spätestens auf höchster Klubebene werden sich noch größere Probleme zeigen, als dies heute der Fall war.

Auch die Einwechslungen waren fragwürdig, Ribéry sorgte zwar für etwas Belebung, aber mit Petersen kam ein weiterer Spieler, der vorne nicht effektiv war und auch nicht sein konnte, Usami wäre wohl die vielversprechendere, wenn auch riskantere Alternative gewesen.

Maxl 10. August 2011 um 09:39

Ich weis nicht ob ich mich richtig erinnere. Aber ich denke oft hat man gesehen wie Schweinsteiger am Ball war um den Spielaufbau zu gestalten. Hinter ihm bzw. auf gleicher Höhe waren die Innenverteidiger, die Außenverteidiger und Gustavo. Gladbach stand mit 9 oder sogar allen 10 Feldspielern kompakt vor Schweinsteiger. Das heisst Schweinsteiger sollte die Offensive ans Spiel anbinden, diese hatte aber eine 4 zu 9 Unterzahl. Sollten die Sechser zusammen mit dem 10er nicht versuchen sich in den Schnittstellen des gegnerischen Mittelfeldes anzubieten und den Spielaufbau den Innenverteidigern überlassen?

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44² 10. August 2011 um 11:16

Ist grundlegend eine Frage des Risikos. Offensiv gesehen ist das natürlich richtig, wird aber halt bei einem Ballverlust potentiell arg gefährlich. Gutes Beispiel, wo das auch sehr prägend war, war das dritte Classico im Mai, also das CL-Hinspiel. Da wurde ja Real extreme Defensive vorgeworfen, dabei hatten die ihre Pressinglinie immerhin an der Mittellinie. Aber Barca wollte keine Konter riskieren, deshalb haben sich Xavi und Busquets fast garnicht zwischen die Gegner bewegt, sondern haben durchweg in deren Front agiert, weshalb dann kaum was nach vorn ging. Dafür ging aber eben auch bei Real nichts nach vorne.

Hab das Spiel hier nicht gesehen, aber wenn der Abstand zwischen Mittelfeld und Angriff klein ist, bzw generell das Mittelfeld sehr kompakt, ist es halt auch sehr schwer da noch in den Zwischenräumen zu agieren. Kann durchaus klug sein, diesen Raum dann stattdessen eher zu überbrücken. Das muss man dann aber eben auch konsequent tun. Und nicht immer zurückspielen oder langsam, ohne Raumgewinn, über Außen umspielen.

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Robert 10. August 2011 um 00:02

Ich finde die Analyse auch sehr treffend.

Die Schwierigkeiten von Bayern bei einem disziplinierten und laufstarken Gegner im 4-4-1-1 System sind offensichtlich. Die hängende Spitze setzt den Spielmacher Schweinsteiger unter Druck und die Außen sind gedoppelt.

Ich hatte wie Niklas den Eindruck dass die offensiven Außen von Gladbach im Defensivverhalten sehr gut waren, genauso wie Hanke.

Und wie wildsau ist mir aufgefallen dass das Offensivspiel von Rafinha ein komplett anderes war als gegen Braunschweig. Ich vermute es liegt daran dass Robben sehr weit außen spielt und keinen Raum zum Überlaufen läßt. Zumindest hat das Lahm letzte Saison auch nicht allzu oft geschafft. Müller klebt rechts nicht so an der Auslinie. Damit war Rafinha in der Offensive aber eingeschränkt. Auf der anderen Seite hatte Lahm eher die Möglichkeit dazu. Ich denke daher kam auch die Linkslastigkeit. Das war vermutlich weniger geplant. Aber Schweinsteiger hat Lahm desöftern links abgesichert, Bayern will ja defensiv kompakter sein als letzte Saison, und Kroos hat dann die Verbindung auf die linke Seite zu Lahm und Müller gesucht.

Meiner Meinung nach hat die Einwechslung von Ribery schon Sinn gemacht. Er hat es mit seiner Dynamik immerhin ein paar mal geschafft auf die Grundlinie zu kommen. Die Einwechslung von Petersen samt Umstellung auf 4-4-2 war dagegen völlig wirkungslos.

Wie ist die Rolle von Kroos zu sehen? Ich denke er schafft es zu selten den Ball zwischen den beiden Viererketten zu halten und sich Richtung Tor zu drehen. Fehlt es ihm an Dynamik? Die Anzahl der fehlenden Sprints läßt das vermuten. Oder fehlt es ihm an vertikalen Anspielen aus dem defensiven Mittelfeld und der Innenverteidigung?

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Ich 9. August 2011 um 19:44

„124 gelaufene Kilometer sind ein imposanter Wert und trotz deutlich geringerem Ballbesitz als der Rekordmeister lief man sieben Kilometer mehr“

Muss nicht „trotz“ sondern „wegen“ heissen, schliesslich heisst es ja „Ball und Gegner laufen lassen!“

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RM 9. August 2011 um 21:08

Barcelona lief letztes Jahr in der Champions League in jedem Spiel mehr als der Gegner.
Desweiteren sind 7 Kilometer eine exorbitante Zahl, wäre der Unterschied gering, dann wäre dein Einwand berechtigt, diese Zahl zeugt von herausragendem taktischen Verhalten in Symbiose mit sehr starker Fitness.

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Maxl 9. August 2011 um 14:05

Reif und TuT, egal ob Bayern fan oder nicht, sind absolute Vollpf…..
Hoppla, nein. Wir wollen ja auf dieser noch jungen aber schon sehr guten Seite das Niveau möglichst weit oben halten.

Zu folgenden zwei Themen hätte ich gerne mal eine ausführliche Analyse:

1. Lahm: Was genau bedeutet es für Bayern das er nun auf Links spielt. Rafinha scheint mir eine sehr gute Verstärkung zu sein. Aber ist Lahm für Bayern auf Links nicht sogar ein Problem? Auch wenn er dort sicherlich gute Leistung bringen kann. Wie sieht das ganze in der Nationalelf aus?

2. Robben/Ribery: Die zwei haben im Vorjahr sehr gute Scorerwerte, obwohl viel verletzt. Aber ich habe manchmal das Gefühl ohne die beiden spielt Bayern manchmal besser. Zumindest am Sonntag hab ich mit Olic für Robben ab der Halbzeit gewünscht. Wie verändert sich das Spiel der Bayern mit den beiden?

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RM 9. August 2011 um 14:45

1. dazu gibt es eine irgendwann eine ausführliche Analyse, das Grundproblem steht bereits im Artikel.
2. Man steht kompakter und spielt variabler, ob man wirklich besser ist, wage ich zu bezweifeln, da Robben und Ribéry eine Kreativität und Gefährlichkeit mit sich bringen, die sonst keiner in der Liga hat, exkl. ein paar wenigen Ausnahmen wie Götze.

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duderich 9. August 2011 um 13:22

folgendes noch zu Thurn und TAxis:
„Er (gemeint war Robben) wird nicht nur gedoppelt – er wird sogar gedrittelt“
zusammen mit Reif der unangenehmste Reporter im deutschen Sprachraum!

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Andreas 9. August 2011 um 12:05

RM: Danke fuer deine Muehe und eine wirklich gute Analyse!

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wildsau 9. August 2011 um 10:07

Mir ist aufgefallen, dass Rafinha im gesamten Spiel nicht einmal hinterlaufen hat. Gegen Braunnscchweig hat Müller rechts gespielt und man konnte das dauernd sehen, wie Rafinha in Richtung Torlinie durchgestartet ist.

Doch ebenso wie Lahm in der vergangenen Saison hat auch Rafinha am Sonntag dies komplett unterlassen.

Was mich wundert ist, dass es die Trainer beim FCB seit Jahren nicht hinbekommen, gefährliche Standards zu erzeugen. Am Sonntag hatte der FC Bayern satte 12 Ecken und dabei ist nur ein Pfostentreffer herausgesprungen. Wobei man sagen muss, dass die Ausbeute in der Vergangenheit auch schon deutlich schlechter war.

Wie soll der Rekordmeiste aber so eine Mannschaft, die sich nur hinten reinstellt, überwinden wenn nicht mit Laufbereitschaft, Passschnelligkeit und Spielverlagerung? Ein zweiter Stürmer von Beginn an wäre auch keine schlechte Idee. Denn die von JH angekündigkte Felxiblität im Spiel der Bayern war am Sonntag nirgends zu sehen. Die Seitenwechsel von Robbery, die man unter Jonker noch sehen konnte, waren vollständig verschwunden.

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datschge 10. August 2011 um 19:32

Die Vernachlässigung von Standards ist bei Bayern schon hochgradig symptomatisch. Standards bieten eigentlich gerade bei hoher individueller Qualitäten eine Möglichkeit, dass Glück zu erzwingen. Bei Bayern wird das, ebenso wie Passstafetten und Überzahlsituationen, aber offensichtlich lieber dem Zufall überlassen. Und dann wundern sie sich, dass sie die ganze (durch individuelle Qualität bedingte) Überlegenheit nicht zuverlässig in Tore und Siege ummünzen können.

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BerlinTrainer 8. August 2011 um 23:56

„trotz deutlich geringerem Ballbesitz als der Rekordmeister lief man sieben Kilometer mehr…“ – Ich denke, wenn man wenig am Ball ist, ist es eine logische Folge, dass man mehr (hinterher)läuft, also ist das „trotz“ fehl am Platz.

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PotsdamTrainer 9. August 2011 um 09:45

Viel Ballbesitz bedeutet aber nicht gleich weniger geschrubbte Kilometer. Bestes Beispiel ist Barcelona. Sie generieren noch höhere Ballbesitzstatistiken als Bayern, aber legen in der Regel mehr Kilometer als der Gegner zurück. Ähnliches Bild zeigte sich im Spiel BVB:HSV.

Und da seh ich momentan das größte Problem bei Bayern. Generell fehlt die nötige Laufbereitschaft, wie man sie die letzten Jahre bei Barca oder jetzt auch bei Dortmund sieht.
Bewegung schafft Räume, schwächt die Organisation der gegnerischen Defensive und ermöglicht Überzahlsituationen.

Deshalb kann man schonmal hinterfragen, ob es nicht ein wenig an Leidenschaft oder der nötigen Einstellung gegen einen Außenseiter mangelt.

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Ratinger 9. August 2011 um 10:11

@BerlinTrainer
Den meisten Fussballspielern geht das Spiel ohne Ball ab.
Und das gerade hinterher rennen macht überhaupt keinen Spass, gerade wenn man nur im Raum verteidigt und keinen Ball sieht.

Deswegen ist das „trotz“ absolut berechtigt, und die Leistung der Gladbacher nicht hoch genug anzurechnen.

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amateur 8. August 2011 um 23:32

Also ich fühlte mich gestern sehr stark an letzte Saison erinnert: viel Ballbesitz (meistens höchstens auf Mittelkreis-Höhe), sehr statisch und wenig Torchancen.

Und das Gladbach mit Favre einen exzellenten Trainer, der seine Mannschaften in der Defensive gut ausbildet bzw. organisiert, hat, ist seit Hertha-Zeiten und der letzten Saison mehr als deutlich geworden.

Aus diesen Gründen hätte ich mir erhofft, dass sich die AV Lahm und Rafinha öfters mit einschalten. Auch nur wenn es darum geht einen Gegner zu binden und damit (vorallem Robben) „Raum“ zuschaffen bzw. eine offensive Anspielstation zu bieten. Auch ein Lahm muss diese Wege mehr gehen, auch wenn seine Flanke mit links nicht sonderlich gut sind.

Das Tor des Tages: Ohne Worte!

Mit Ribery kam noch einmal ein bissle Schwund rein. Ribery hat sich zu seinen Vorgängern (Müller und Kroos) die Bälle (von Lahm) schon viel tiefer geben lassen und hat so Müller ein paar mal in den Raum (links) schicken können, was einige Offensivaktionen ermöglicht hat.

Abschließend fand ich die Auswechselungen bzw. überhaupt die Bank schlecht zusammengestellt. Wo war denn ein Olic (!), der immer Power gibt und jedem Ball hinterrennt, vllt hier oder dort Räume hätte schaffen können oder zumindest ein wenig Unordnung in das gut organisierte Abwehrbollwerk hineinbringen können!

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kune 8. August 2011 um 23:20

Die Linkslastigkeit im Bayernspiel ist wirklich extrem. Es sieht fast so aus, als ob die vordere rechte Seite für alle Bayern-Spieler außer Robben eine No-Go-Area ist. Gustavo geht über die Mitte. Kroos, Schweinsteiger, Lahm und Müller wurden im Artikel schon diskutiert. Petersen und Gomez bearbeiten nur einen schmalen Kanal im Zentrum vor dem Tor. Selbst Rafinha scheint die Außenbahn lieber zu meiden und kommt auch nicht einmal in die Nähe der Eckfahne. So schlägt Rafinha nur zwei Flanken von rechts, Arjen Robben natürlich gar keine. Möglicherweise hat Heynckes sich vor allem auf die rechte Seite bezogen als er von zu wenig Flanken sprach. Bis auf einen Schuß von Rafinha hat Robben das Torschußmonopol auf der rechten Seite, was er aber gar nicht so häufig nutzen kann, da er rechts allein zu Haus ist und Gladbach mit zwei bis drei Spielern immer in der Überzahl ist.

Kann es sein, dass Robben für die Linkslastigkeit verantwortlich ist?

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Jennifer8 8. August 2011 um 21:47

@Niklas

TuT ist ein Blauer und kann die Bayern so gut leiden wie Fusspilz.

Es gibt keinen anderen Sky-Kommentator, der bei Bayern-Fans derartig unbeliebt und schon so oft durch seine permanente Anti-Bayern-Attitüde aufgefallen ist.

Dies nur als Anmerkung am Rande… 😉

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Niklas 8. August 2011 um 12:30

Habe hier zwei Fragen:
1. Warum erlauben Lahm/Müller auf links eine Doppelung ohne die Außen zu öffnen? Meinst du es so, weil Müller und Lahm nach innen ziehen und somit keine wirkliche Spielverlagerung möglich ist?
2. Was hat Lahm damit zu tun, dass Kroos wenig Raum hat und Gomez sich vom Mittelfeld isoliert?

Zu Gladbach:
Wie du schon angesprochen hast, war das Verschieben der Mannschaftsteile hervorragend, aber auch das Zumachen der Außen. Denn die Außen Arango und Reus halfen defensiv gut mit und zudem unterstützte auch meist ein 6er das Bekämpfen der Außen vor allem gegen Robben. Hier sieht man auch, dass ein 4-1-4-1 gegen Bayern unvorteilhaft ist, denn mit einer Doppel Sechs kann einer jeweils nach außen ziehen. Eine Maßnahme bei Bayern wäre sicherlich das Überlaufen von Rafinha gewesen, denn Robben band fast drei Gegenspieler und somit wäre für Rafinha ein wenig Raum da gewesen, der aber auch mehr im Zentrum auf Außen zu finden war. Was mir auch gefiel, war das Quadrat bestehend aus den Stürmern und den beiden Sechsern, die den Abstand sehr eng ließen und somit die Sechser der Bayern Gustavo und Schweinsteiger zustellten. Wer mir darüber hinaus auch sehr gut gefiel, war Mike Hanke, denn dieser wurde meist bei Ballbesitz durch einen langen Ball angespielt und hielt die Bälle sehr gut. Auch seine Bewegungen waren sehr gut, denn er ging meist, bedingt sicherlich auch durch das Loch auf links in der Bayern Abwehr, rüber auf die Seite ging und dadurch konnte Reus ins Zentrum gehen und seine Schnelligkeit und Dynamik gepaart mit einer guten Technik ausspielen. Mit dem etwas zurückgezogenen Hanke versucht Favre aber auch eine Schwäche bei Gladbach auszugleichen. Denn die 6er Nordveit und Neustädter sind in der Balleroberung recht gut, aber nach vorne haben sie wenig Qualitäten und somit spielen die Verteidiger meist einen langen Ball auf Hanke.
Ein Kommentar muss ich noch zum Kommentator (Fritz von Thurn und Taxis) auf Sky abgeben: Denn ich fand es gestern schon unverschämt, wie sehr er für Bayern kommentierte. Das fing damit an, dass es fast schon Tradition hat, dass Bayern iwann das 1:0 macht und er darauf nur wartete. Des Weiteren tat er so, als ob Gladbach ein Drittligist wäre, indem er ständig sich fragte, wann Gladbach endlich müde wird. Der Höhepunkt war aber bei der Kopfballchance von Mario Gomez, die an den Pfosten ging. Es sah so aus, als ob der Ball reingehen würde und jubelnd brüllt er ins Mikrofon: „JAAAAAAAAAAAAAA!“. Sry aber dafür habe ich kein Verständnis.

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RM 8. August 2011 um 16:36

1) Weil das effektiv bespielte Feld kleiner ist und man auf außen nur einen Gegenspieler hat, der auch dort auch noch eher ineffektiv ist und man kann sich somit auf rechts konzentrieren.
2) Weil Lahm nach innen zieht und Müller die Aufgabe bekam, das Spiel breiter zu machen – Kroos fühlte sich dann berufen, hier als Verbindungsspieler zu dienen und agierte auch eher links, was für ein Loch in der Mitte sorgte, was zur Isolation Gomez‘ führte.

Zum Rest: sehe ich ähnlich, die beste Formation gegen die Bayern ist wohl das 4-1-3-1-1, welches zuerst Prandelli und dann Hecking vor zwei Saisons schon nutzten. Ähnlich agierte ja auch Dortmund letzte Saison und auch Gladbach hatte Ansätze davon (Neustädter etwas zurückgezogener und Arango und Reus sehr defensiv).

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jo 8. August 2011 um 12:02

@sky Boateng hat jedoch gesagt Neuer hätte torwart o.ä. gerufen. Insofern kann man ihm da keinen Vorwurf machen.

Ich finde Gomez´ Schwächen werden in solchen Spielen deutlich. Er steht direkt bei den zentralen Innenverteidigern und schafft keinen Raum, lässt sich nie fallen und versteht es nicht, durch Bewegung ohne ball, einen Angriff mal ohne direkte Beteiligung zu unterstützen. Im Pokal ist er noch durch aberwitzige Dribblings aufgefallen, hoffentlich nur eine fixe Idee.

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sky 8. August 2011 um 08:19

aus meiner sicht geht das tor zu 100% auf boateng, der muss sperren

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mik. 8. August 2011 um 03:32

Danke für die interessante Interpretation.

Ich war beim 0:1 etwas abgelenkt, somit habe ich Schweinsteigers Position zu dem Zeitpunkt nicht sehen können, vielleicht hat seine Bewegung gerade einen Freiraum eröffnet? Ich weiß es nicht.
Jedenfalls war Schweinsteiger nicht nur links, halblinks eingebunden, sondern auch sehr oft im Mittelfeld und hat im rechten Mittelfeld diverse Zweikämpfe bestritten, vermutlich mehr als in linker Position. Darüber hinaus habe ich den Gustavo auch überall auf dem Feld gesehen, sehr bemüht, aber erfolglos – meine C-Jugend-Spieler haben nicht solche Freiheiten. Rechts stand ohnehin Robben ohne Topform auf der uneingespielten Bayernseite und musste ab und an Löcher stopfen. Warum Gladbachs Chancen und Tore aber über rechts kamen, werde ich mal morgen schauen.

mik.

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datschge 8. August 2011 um 12:22

Sowas kann man sehr schön mit der Spiel-Matrix auf bundesliga.de überprüfen.

Schnell mal nachgezählt hatte Schweinsteiger von 28 ZK (16 gw, 12 vl) 8 links (2 gw, 6 vl!), 9 mittig (4 gw, 5 vl) und 11 rechts (10 gw!, 1 vl), Dein Eindruck hat also nicht getrügt. Gustavo hatte dagegen sehr seine ZKs sehr gleichmäßig übers Feld verteilt und zudem wesentlich mehr gewonnen (29 zk, 21 gw, 8 vl), insofern erfolgreicher als Schweinsteiger (auch viel bessere Passquote, 93,1% zu 77,1%).

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RM 8. August 2011 um 16:56

Gustavo ist ja auch der „Raumstopfer“ und Staubsauger, er muss sämtliche Löcher füllen, dies kann er auch vom Zentrum aus erreichen.

Zu den Zweikämpfen: Schweinsteiger ist ja nominell ZM, es ist klar, dass er seine Zweikämpfe im Zentrum am öftesten führt bzw. in der Gegend drumherum, interessanter ist hierbei eher die Sprint-Heatmap, die wie folgt aussieht:
http://img109.imageshack.us/img109/4549/schweinsteigersprinthea.png (von bundesliga.de extrahiert)

Einmal scheint er für Robben abzusichern, zweimal der Rückwärtsgang, einmal Pressing, die vorderen vier müsste man nochmal live sehen und der Rest sieht eindeutig wie Absicherungen für Lahm aus … was es auf der gegenüberliegenden Seite nicht gibt: Luiz Gustavo sichert einmal links ab, einmal rechts und ansonsten ist wohl alles unter Pressing bzw. viel mehr noch unter Rückwärtsgang einzuordnen:
http://img825.imageshack.us/img825/4051/gustavosprintheatmap.png

Noch interessanter / präziser wäre es natürlich, wenn man eine Matrix zu sämtlichen Läufen hätte, die man in die verschiedenen Geschwindigkeiten zerlegen könnte.

Nebenbei bin ich sehr über die seriöse, hoch qualitative und rege Diskussion bei unseren und insbesondere bei diesem Artikel erfreut, verschiedene Meinungen zeigen immer mehr Blickwinkel auf, von denen jeder noch etwas lernen kann.

Ist euch eigentlich aufgefallen, wie viel Neuer außerhalb seines Strafraumes so tat und dass er da fast schon übermotiviert wirkte, während Ter Stegen nur innerhalb seines Strafraumes war und dennoch die meisten Ballkontakte der Gladbacher hatte? Hat mich etwas fasziniert in der Nachbetrachtung.

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datschge 10. August 2011 um 19:25

Abgesehen von Neuers Übermotivation waren Neuer und ter Stegen schöne Veranschaulichungen der modernen Prägung spielender Torhüter. Neuer als Torhüter einer offensiven und stark aufgerückten Mannschaft hat durch seine Liberorolle zusätzlich Druck gemacht (einzig die Abstimmung wie beim Gegentor muss noch verbessert werden). Ter Stegen als Torhüter einer defensiven, stark mauernden und auf Konter lauernden Mannschaft hat mit seiner Ballsicherheit den hintersten Punkt geboten, ideal um selbst in der Enge den Gegner zu umspielen.

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datschge 8. August 2011 um 01:20

Treffender Artikel. Mehr Sprints als Kroos hätte Usami definitiv gemacht.

Stranzl war übrigens angeschlagen.

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#11 8. August 2011 um 01:05

Stranzl war verletzt. spielte deshalb nicht

ansonsten aber super analyse der die ganzen probleme des bayern spiels zusammenfasst.

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mettskillz 8. August 2011 um 01:02

Also ich interpretiere Badstubers Geste eher als Aufforderung an Neuer im Tor zu bleiben…

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