Paraguay – Venezuela 5:3 n.E.

0:0 – Das Ergebnis war Programm. Das zweite Halbfinale der Copa América geriet zum torlosen Langweiler. Letztlich setzte sich Paraguay erneut im Elfmeterschießen durch.

Trainer Gerardo Martino nahm im Vergleich zur eher schwachen Leistung gegen Brasilien einige Umstellungen vor: Für Alcaraz, Torres, Caceres, Vera und Estigarribia kamen der andere Caceres, Piris, Ortigoza, Barreto und Santana in die Mannschaft. Bei Venezuela durfte sich ein neues Sturmduo versuchen: Für Moreno und Rondon mussten Miku und Maldonado auf die Bank weichen.

Das Spiel selbst war ziemlich ereignisarm und uninteressant. Zwei jeweils leicht modifizierte 4-4-2-Formationen trafen hier aufeinander, so dass sich klare Zuordnungen ergaben. Dadurch fanden es die ohnehin eher lieber abwartend spielenden Mannschaften schwer, von hinten heraus aufzubauen, weil Innen- und Außenverteidiger immer von einem Gegner abgedeckt werden konnten. Hinzu kam hier, dass beide Teams Probleme hatten, die einzelnen Mannschafsteile zu verbinden.

Die logische Folge waren viele lange Bälle und wenige Kombinationen und in Zusammenhang mit einer generell hohen Fehlerquote viele Ballverluste und so gut wie keine Torchancen.

Paraguay: Keine Schärfe und keine Breite

Die Paraguayos zogen Mittelfeldspieler Santana im Lauf der ersten Halbzeit nach hinten zurück, gerade im Spielaufbau stand er sehr tief, fast zwischen den Innenverteidigern um weitere Anspielstationen  zu kreieren. So konnte man den Ball recht gut halten, allerdings spielt man meistens nur vor der gegnerischen Abwehr, die konsequent und kompakt verteidigte.

Ortigoza ließ mit einigen guten Pässen in der Anfangsphase sein Können aufblitzen, trug dann zwar noch zur Spielkontrolle bei, wurde aber unauffälliger – so wurde es nur gefährlich, wenn die beiden eng stehenden äußeren Mittelfeldspieler (ganz besonders Barreto) mal in den Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld vorstoßen konnten.

Im Gegenzug fehlte es dafür an Breite – einzig der wieder einmal driftende Valdez sowie Rechtsverteidiger Caceres wollten dies ändern, aber vor allem Letzter war viel zu ineffektiv. Die Mittelfeldspieler standen sehr eng, gerade Riveros half wegen des tiefen Santana immer wieder in der Zentrale. Es war also kein Wunder, dass man mit fünf tiefen Spielern, nicht verbundenen Mannschaftsteilen und ohne Breite keine Chancen erspielen konnte.

Venezuela: Von Paraguay gut verteidigt

Was die Außenbahnen anging, so waren die Außenseiter um den bei Mönchengladbach spielenden Kapitän Arango besser anzuschauen. Rosales und Cichero unterstützten die beiden Flügelspieler vor ihnen auf ordentliche Weise und auch die beiden Stürmer versuchten, auf der Seite Anspielstationen zu kreieren.

Die großen Chancen sprangen auch hier nicht heraus, weil für die Defensive Paraguays das Ganze zu einfach zu verteidigen war. Aus dem Zentrum kamen bei Venezuela nämlich zu selten Impulse, das stetige Spiel nach außen die Linie entlang war dann aber zu berechenbar. Weil man aus dem Zentrum nichts befürchten musste, konnte der Mittelfeldblock Paraguays auch recht weit nach außen verschieben und dort die Räume verdichten – Seitenverlagerungen sah man häufig von den Außenspielern selbst.

Weiterer Spielverlauf

Die zweite Halbzeit war zum Vergessen – die Charakteristik des Spiels an sich blieb unverändert, nur ihr Ausmaß veränderte sich zum Schlechten. Beide setzten auf Sicherheitsfußball, beiden fehlte das Tempo. Es kam, was man bereits hatte erwarten können: Müdes 0:0 und Verlängerung.

Dort gab es sogar Besserung in Sachen Unterhaltung zu vermelden. Grund dafür war, dass sich der Underdog aus Venezuela nun steigerte und die Initiative übernahm. Mit einem dritten Stürmer machte man vorne mehr Druck – keine Offenbarung, aber eine wirkungsvolle Maßnahme. Auf die erhöhte Power war Paraguay nicht vorbereitet.

Als dann Santana vom Platz gestellt wurde, setzte Venezuela auf die Schlussoffensive. Gegen einen dezimierten und sichtlich genervten Gegner brachte man nun mehr Spieler nach vorne, Cichero auf links wurde deutlich offensiver. Eine ganze Reihe gefährlicher Szenen – darunter mehrerer Aluminium-Treffer – musste das Team von Martino überstehen, bis es sich glücklich ins Elfmeterschießen retten konnte.

Dort sahen sie ihre Vorteile und konnten diese mit fünf eiskalten Treffern auch in ein Weiterkommen ins Finale ummünzen.

Fazit

Es war ein zermürbendes Spiel mit ganz wenigen Höhepunkten  und einem glücklichen Seiger. Nicht nur, dass Paraguay kein einziges Spiel gewonnen hat – es war das zweite Spiel hintereinander ohne Tor, bei dem man nicht die bessere Mannschaft war, aber im Elfmeterschießen dann doch noch gewinnen konnte.

Beide Mannschaften spielten defensiv diszipliniert und sehr abgeklärt, waren nach vorne allerdings wenig kreativ und harmlos. Venezuela muss sich ärgern, weil man aufgrund der starken Steigerung in der Verlängerung den Sieg verdient gehabt hätte. Wenn Paraguay sich im Finale gegen das sicherlich stärker einzuschätzende Uruguay nicht wieder auf sein Glück verlassen will, muss man gerade offensiv wieder mehr anbieten.

LUIZ GUSTAVO 21. Juli 2011 um 19:35

Hallo ,

ersteinmal super Seite die Ihr hier aufstellt.

Was ich mich frage: Habt ihr die Spiele „nur“ geschaut oder habt ihr auch andere Quellen oder Daten dazu ? Ich fände es z.b. auch sehr interessant Laufwegweite oder Erfolgreiche Pässe oder sowas zu euren (sehr guten) Artikeln dazu liefern könntet.

Gruß

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TR 21. Juli 2011 um 19:46

Danke für deinen Kommentar!

Generell sind wir natürlich sehr bemüht, derartige Quellen zur Unterstützung und Veranschaulichung zu finden. Dies ist allerdings nicht bei allen Spielen möglich. Bei der Copa ist die Datenlage allerdings extrem dünn, man findet sogar nur höchst selten Ballbesitzstatistiken.
Wenn die neue Saison wieder beginnt, werden unsere Analysen in der Bundesliga, der CL und EL und den anderen großen Ligen aufgrund der höheren Verfügbarkeit solcher Quellen diese auch vermehrt enthalten.

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