Von ungeschlagenen Nagelsmännern

Als einziges Team der Bundesliga nach 14 Spielen noch ohne Niederlage: Hoffenheim rockt die Liga. Was macht die Mannschaft aus dem Kraichgau so erfolgreich und interessant?

Zunächst wäre da ein Kader voller interessanter Spielertypen, der auch in der Breite gut aufgestellt ist und, vermutlich dank akkurater Periodisierung, von Verletztenmiseren verschont bleibt. Im idyllisch gelegenen Trainingszentrum in Zuzenhausen gilt der Fokus ganz der ungestörten inhaltlichen Arbeit.

Mit Baumann steht ein aufbau- und antizipationsstarker Torhüter zur Verfügung, der für eine ambitionierte Mannschaft unerlässlich ist. Davor gibt es eine Reihe stabiler Verteidiger, die sich funktional einfügen können und wie etwa Benjamin Hübner eine gute individuelle Entwicklung zu verzeichnen haben. Am talentiertesten ist dabei sicherlich Niklas Süle, dem jedoch noch die letzte Konstanz abgeht, gerade was die Entscheidungsfindung mit Ball angeht.

Auf den Außenbahnen gibt es weiterhin dynamische und beidseitig einsetzbare Akteure wie Kaderabek und Toljan, die jedoch keineswegs linear agieren und sich gut in Kombinationen einbringen. Selbiges gilt genauso für den dribblingfokussierteren Zuber und erst recht für Neuzugang Lukas Rupp – ein vielseitiger, kluger und pressingresistenter Akteur, der vor allem für umtriebige Achterrollen prädestiniert ist und in dieser Hinsicht Nadiem Amiri ähnelt, der fast noch weiträumiger als „Lauf-Zehner“ agiert.

Rudy und Polanski sind zwei strategischere Typen, vor allem für die Sechserpositionen. Polanski am ehesten als Fixpunkt vor der Abwehr. Rudy klarer pendelnd, manchmal vom Stil fast an Modric erinnernd. Mit Demirbay kam zudem ein interessanter Spieler aus Düsseldorf, der bereits in einem teils desolaten Zweitligateam zu überzeugen wusste.

Gegenüber „Mentalitätsspieler“ (N. Kovac) Wagner, der mit hoher körperlicher Präsenz punktet, sind Mark Uth und Andrej Kramaric ausweichende Spielertypen, beide kombinativ, letzterer gerne spielmachend. Eduardo Vargas und Adam Szalai kommen trotz teils herausragender Qualitäten nur sporadisch zu Einsätzen.

Sichtbare Prinzipien und (Viererketten-)Stabilitäts-Probleme

Wenngleich Julian Nagelsmann zurecht und wiederholt dargelegt hat, dass das Spiel seiner Mannschaft auf formationsübergreifenden Spielprinzipien basiert, so gibt es doch im Wesentlichen zwei hauptsächlich genutzte Aufstellungen, die gewisse Unterschiede zueinander aufweisen. Einerseits vom 3-5-2 abgeleitete Grundordnungen, andererseits vom 4-3-3 ausgehende. Letztere überwogen zu Saisonbeginn.

Am 3. Spieltag gegen den VfL Wolfsburg presste Hoffenheim beispielsweise aus einer 4-3-3-Staffelung heraus. Gegen ein relativ standardmäßiges 4-2-3-1 gibt es dabei von Haus aus recht klare Zuordnungen, die durchaus dazu verleiten, gerade im zentralen Mittelfeld zu mannorientiert zu agieren und sich so letztlich aus der Position ziehen zu lassen. Aus der gleichen Grundformation heraus lässt sich allerdings auch eine vergleichsweise optionsorientierte Spielweise generieren.

Mannorientierte Interpretation des 4-3-3.

Mannorientierte Interpretation des 4-3-3.

Hoffenheim agierte irgendwo zwischen den beiden Polen. Häufiger einmal waren es beispielsweise die Außenstürmer Uth und Kramaric, die den jeweiligen Innenverteidiger anliefen und so, unterstützt vom Zustellen durch Mittelstürmer Wagner, das Spiel in einen der Halbräume lenkten. Hier stellte das Team aus dem Kraichgau im Anschluss Lokalkompaktheiten her und war gewillt, das Spielgeschehen möglichst am Flügel zu halten. Im Zuge dessen rückte der ballferne Achter teilweise extrem weit mit herüber – etwas, das auch in anderen Ausrichtungen zu beobachten ist.

Dies kann einerseits für hervorragende Zugriffsstaffelungen sorgen, sich bei leicht unsauberer Ausführung oder schlichtweg unglücklichen Umständen jedoch ins Gegenteil wenden und die gegenüberliegende Seite für den Gegner zu leicht erreichbar machen. Über ein Bespielen dieses Raums kann dieser so isolierte Duelle gegen den Außenverteidiger provozieren und Hoffenheim einfach zum Rückzug zwingen. Aus einer Dreier-/Fünferkette wäre hier beispielsweise ein aggressiveres Spiel des Wingbacks möglich, da ein zusätzlicher Spieler für die Absicherung zur Verfügung steht.

Andererseits kam die Mannschaft von Nagelsmann im Aufeinandertreffen mit den Wölfen nicht konstant in die gewünschten Situationen, da die Mannorientierungen überwogen und zentrale Passwege allzu leicht öffnen konnten, was ebenfalls unangenehme Anforderungen an die Endverteidigung stellte.

Die Viererkette agierte ihrerseits häufig mannorientiert. Gerade wenn der ballnahe Außenverteidiger nach vorne verteidigte und der nebenstehende Innenverteidiger nachschob, ergaben sich große Abstände zwischen ihm und seinem Partner. Da gleichzeitig der Achter statt dem Außenstürmer auf den Außenverteidiger ging und das ballferne Nachschieben auch hier nicht optimal war, ergaben sich Lücken, die sowohl bei einem Spiel ins Zentrum als auch über Bälle in die Tiefe gefährlich werden konnten. Für eine derartige Verteidigungsweise erweist sich in der Regel ein zusätzlicher Innenverteidiger ebenfalls als hilfreich.

Optionsorientierte Interpretation des 4-3-3.

Optionsorientierte Interpretation des 4-3-3.

Alternativ formierten die Hoffenheimer sich bei enger aufbauenden gegnerischen Innenverteidigern mit vorrückendem Achter im 4-4-2, das sich sowohl in ein 4-2-2-2 als auch über eine mannorientierte Spielweise oder im Zuge des Verschiebens zum 4-2-4 umwandelte, was wiederum die ein oder andere bespielbare Lücke ließ. Zog sich das Team weiter zurück, formierte es sich im 4-1-4-1/4-5-1, das vereinzelt zu einem 5-4-1 werden konnte, wenn Uth sich auf seiner Seite tiefer hielt.

In Ballbesitz ließ sich Sechser Polanski standardmäßig zwischen die Innenverteidiger zurückfallen, womit eine sichere Zirkulation in der ersten Linie gegeben war. Bei Abstößen orientierte sich teilweise auch der hier noch als Außenverteidiger eingesetzte Rudy tiefer. Der Raum zwischen der Aufbaudreierkette und den oftmals hoch agierenden und in die letzte Linie schiebenden Achtern Rupp und Amiri verwaiste jedoch ein ums andere Mal, wenngleich Polanski im weiteren Angriffsverlauf immer wieder hochschob oder einer der Achter etwas zurückfiel. Verbindungsräume, gerade für die Außenverteidiger, waren zu häufig nicht besetzt und sorgten vermehrt auch für Schwierigkeiten im Gegenpressing. Gewisse erfolgsversprechende Muster ließen sich dennoch bereits erkennen.

So bewegte sich Kramaric immer wieder von der linken Seite aus in den Zehnerraum, was für situative Rautenstaffelungen im Mittelfeld sorgte oder durch entsprechende Bewegungen von Rupp ausgeglichen wurde. Darüber hinaus gab es auch weitere Rochaden auf der rechten Seite. Uth konnte sich im Halbraum etwa tiefer anbieten, der dann überladen wurde. Kramaric kreuzte vom Zentrum diagonal auf die Seite hoch, während Wagner gegnerbindend aktiv wurde. So ergab sich Raum für Verlagerungen auf den links hochschiebenden, dynamischen Kaderabek.

Neben dieser gegnerbindenden Funktion wurde Wagner zusätzlich als Zielspieler für Ablagen eingesetzt. Diese wurden vermehrt auch über einen Winkel gespielt. Alternativ konnte Wagner den Ball erst annehmen und beim Zugriffsversuch des Gegners in den ballfernen Raum, häufig nach rechts, verlagern. Ablagen konnten beispielsweise auch dafür genutzt werden, um Polanski freizuspielen und mit gutem Blickfeld einzubinden. Sie können allgemein eine Übergangsaktion von eher kleinräumiger und vertikaler Spielweise zu weiträumigerem Aufrücken mit mehr Breite darstellen.

Die teils hervorragend abgestimmten Bewegungen zeigten sich hier vor allem in offensiven Umschaltsituationen, die das Spiel insgesamt prägten. Noch zu häufig endeten die Angriffe Hoffenheims relativ isoliert auf den Außenpositionen, von wo aus in den gut besetzten Strafraum geflankt wurde. Diese Tendenz sollte in den kommenden Spielen zurückgehen – auch wegen der Formationsänderung.

Das neue Standardsystem

Grundformation Hoffenheim gegen Schalke aus TEs Kolumne (Klick aufs Bild).

Grundformation Hoffenheim gegen Schalke aus TEs Kolumne (Klick aufs Bild).

Seit der vergangenen Saison wurde bereits des Öfteren ein 3-1-4-2 eingesetzt. In der aktuellen Version gab es die Premiere praktisch am 5. Spieltag gegen Schalke 04. Die dort gezeigte Vorstellung sollte der Ausgangspunkt für weitere Entwicklungen werden.

Rudy wechselte dabei auf seine eigentlich angestammte Sechserposition, Demirbay und Rupp kamen auf den Achterpositionen zum Einsatz, während Toljan und Kaderabek die Flügel besetzten. Die Dreierkette bestand aus Bicakcic, Vogt und Süle. In vorderster Front kamen Kramaric und Uth zum Einsatz.

Gegen den Ball ergab sich ein 5-3-2/5-1-2-2 mit asymmetrischen Umformungen, häufig gemäß der Logik einer pendelnden Viererkette (4-1-3-2/4-3-3), was die zuvor vorhandenen Schwierigkeiten abschwächte und Spielern wie Vogt eher gewisse Unsauberkeiten erlaubte.

Auf der rechten Seite attackierte Uth den Innenverteidiger per Bogenlauf und leitete das Spiel der Königsblauen nach außen. Bei Pass zum Außenverteidiger schob Wingback Toljan dann aggressiv und weit mit hoch. Den Raum hinter ihm konnte im Anschluss der etwas rausrückfreudigere und dabei grundsätzlich stark agierende Süle abdecken. Gleichzeitig konnte Rupp weit mit rüberschieben, was Kaderabek situativ balancierte, indem er in etwas höherer Position auf Verlagerungen lauerte.

Das Pressing auf rechts gegen Schalke.

Das Pressing auf rechts gegen Schalke.

Baute Schalke über Hoffenheims linke Seite auf, agierte Kaderabek zurückhaltender. Nach Leiten auf die Außenbahn war es hier Rupp der diagonal ins Pressing ging. Auf beiden Seiten gleichsam auffällig: Für den Pass von außen nach innen wurde jeweils eine Pressingfalle um den ballnahen Sechser aufgebaut. Nach diesem Muster fiel auch der letztlich entscheidende Treffer zum 2:1.

Das Pressing auf links gegen Schalke.

Das Pressing auf links gegen Schalke.

In angepasster Form kamen derlei Mechanismen im Spiel gegen den SC Freiburg, der seinerseits mit Dreierkette spielte, zum Einsatz. Noch unmittelbar vor dem Spiel lief Julian Nagelsmann mit Taktiktafel durch seine Reihen und erklärte während des Aufwärmens die entsprechende Reaktion. Auch hier zeigten sich je nach Seite etwas unterschiedliche Abläufe, die der entsprechenden Situation angepasst wurden.

Pressingfalle im Zentrum gegen Freiburg.

Pressingfalle im Zentrum gegen Freiburg.

Einerseits gab es gegen das 3-4-3/5-2-3 des badischen Rivalen vermehrt auch leitende Aktionen ins Zentrum, wo man insbesondere durch Rückwärtspressing in vielversprechende Situationen kommen konnte und die mangelnde Präsenz des Gegners ausnutzte. Insgesamt nahm Rudy im Zuge dieser Ausrichtung auch eine dominantere Rolle ein, zumal die Achter sich beidseitig häufiger an den Halbverteidigern orientierten, insbesondere nach Verlagerungen. Immer wieder wurden zudem Phasen mit eher abwartendem Pressing eingestreut, in denen das grundsätzliche Versperren von Passwegen im Vordergrund stand.

Pressing auf links gegen Freiburg.

Pressing auf links gegen Freiburg.

In unpassenden Situationen und bei zurückfallenden Bewegungen der Freiburger gegen die Verschiebedynamik konnte die Ordnung im Zentrum trotzdem verlorengehen. Da die Zuständigkeiten bei Zuspielen zwischen die Linien dann nicht absolut klar waren, gab es den ein oder anderen gefährlichen Angriff. Diesen Umstand sollte auch Bayern München in einer wechselhaften Partie für sich nutzen.

In den folgenden Begegnungen gab es immer wieder gegnerabhängige Detailanpassungen, die das Pressing beispielsweise mal eher wie 5-1-3-1/5-4-1 aussehen ließen. Vor allem mögliche Pressingopfer wechselten: Gegen Leverkusen ergab sich beispielsweise unmittelbar zu Beginn eine riesige Chance, als Baumgartlinger bewusst freigelassen und schließlich mit Rücken zum Feld überrascht wurde.
Auch der Grad der Mannorientierung variiert ebenso wie die Aggressivität der Wingbacks von Spiel zu Spiel. Das Fundament bleibt in der Regel jedoch gleich.

Ballbesitzspiel als (Entwicklungs-)Motor

Mit Dreierkette, und vor allem der entsprechenden Rollenverteilung davor, gestaltete sich gleichzeitig der Übergang vom ruhigen Ballbesitzspiel in höhere Zonen ausgewogener und letztlich als eine vertikalere und dynamischere Version des spanischen Positionsspiels.

Hoffenheim nutzt Lücken im Zentrum. Wagner kann ablegen.

DFB-Pokal gegen Köln: Hoffenheim nutzt Lücken im Zentrum. Wagner kann ablegen.

Julian Nagelsmann mag Halbräume, Julian Nagelsmann mag flache Diagonalpässe in zentralen Bereichen. Dazu passt doppelte Flügelbesetzung nicht unbedingt. Vielmehr hat sich im Laufe der Spielzeit ein immer saubereres System herausgebildet, das für eine wechselnde Besetzung der Breite sorgt. Auch wenn Hoffenheim bisweilen die Flügel aktiv und gezielt für Angriffe nutzt – die Achse der Angriffe befindet sich meist im Zentrum. Stellt der Gegner eher vorwärtsgerichtete Diagonalpässe zu, ergeben sich Optionen um diese eher horizontal zwischen den Gegnern hindurch zu spielen und dann wieder ins Zentrum zu gelangen.

Der HSV verstellt die bevorzugten Optionen, Hübner spielt seitlich zwischen die Linien. Der Pass ist allerdings etwas zu weit und überraschend.

Der HSV verstellt die bevorzugten Optionen, Hübner spielt seitlich zwischen die Linien. Der Pass ist allerdings etwas zu weit und überraschend.

Insbesondere beim dominanten Auftritt gegen den 1. FC Köln, dessen erster Abschnitt den bisherigen Höhepunkt der Saison bildete, gestaltete sich das Übergangsspiel mit Polanski als Sechser und Rudy als rechtem Achter sehr gut, zumal auch die Halbverteidiger immer wieder in freie Räume andribbelten. Süle vorderlief beispielsweise sogar wiederholt seinen Wingback und band so Gegenspieler, was dabei half, Köln nach hinten zu drücken. Derlei unterstützende Bewegungen sind ein entscheidender Teil des Hoffenheimer Fußballs und treten in unterschiedlicher Form auf, was im Zusammenspiel mit guten Kombinationsstrukturen idealerweise für vielerlei Optionen am Ball sorgt.

Aus dem Spiel gegen Freiburg: Hoffenheim hat nach dem Zurückfallen von Kramaric Optionen auf verschiedenen Ebenen.

Aus dem Spiel gegen Freiburg: Hoffenheim hat nach dem Zurückfallen von Kramaric Optionen auf verschiedenen Ebenen.

Mannschaftlich können die Staffelungen sich zwischen Kombinations- und Bewegungsfokus unterscheiden und werden immer wieder angepasst. Kombinativer wird es in der Regel, wenn Kramaric, wie schon im 4-3-3, zurückfällt und sich eine Raute im Mittelfeld bildet. In dieser kann man eher kleinräumig vorgehen, ehe sich die Möglichkeit eines Fokuswechsels ergibt und beispielsweise eine Verlagerung angebracht wird oder ein Wingback überraschend in die Sturmspitze einläuft.

Ebenso können aber die Ausgangsstaffelungen mehr auf die letzte Linie oder den Raum direkt vor der gegnerischen Abwehr fokussiert sein und den Ausgangspunkt für Positionsrochaden bilden, welche wiederum Angriffe mit mehr Dynamik initiieren.

Leverkusen staffelt sich nach Platzverweis für Volland in einem interessanten 4-2-1-2. Hoffenheim fokussiert sich auf vordere Zonen. Angdeutete Asymmetrien durch unterschiedliche Bewegungen je nach Seite.

Leverkusen staffelt sich nach Platzverweis für Volland in einem interessanten 4-2-1-2. Hoffenheim fokussiert sich auf vordere Zonen. Angdeutete Asymmetrien durch unterschiedliche Bewegungen je nach Seite.

Mag ein wenig verwirrend formuliert sein, sagt aber letztlich nur: Kombination und Dynamik sind bei Hoffenheim untrennbar miteinander verbunden. Der Rhythmus gestaltet sich im Idealfall variabel. Letztlich bildet allzu häufig das Prinzip von Bewegung und Gegenbewegung, von Aktion des Mitspielers und Reaktion darauf das Grundgerüst.

Beispiele hierfür sind Szenen wie jene zwischen Uth, Demirbay und Toljan gegen Schalke, wo die drei sich nach einer Verlagerung kreisförmig zueinander bewegen und die Positionen immer wieder tauschen, ohne das Kombinieren dabei zu vergessen. Auch gegen Köln gab es etwas in dieser Art auf links zu sehen:

kombination-koeln-1

1. Hübner dribbelt in den freien Raum an und wird nicht attackiert. Kramaric fällt zunächst zurück, woraufhin Amiri ausweicht.

kombination-koeln-2

2. Als Hübner noch weiter vorstoßen kann, zieht Amiri wieder zum Zentrum und öffnet den Weg zu Wagner. Die Kölner sind auf Toljan und Kramaric fokussiert.

kombination-koeln-3

3. Zeitgleich hatte Kramaric einen Lauf nach außen gestartet, der Sörensen nach linienüberwindendem Pass Hübners vor erhebliche Probleme stellt. Wagner kann auf den ebenfalls vorstoßenden Toljan ablegen.

kombination-koeln-4

4. Toljan hatte schnell auf Kramaric weitergeleitet und ihn vorderlaufen. Köln ist nun weit zurückgezogen. Amiri orientiert sich geschickt in den Rückraum. Seine Ballverarbeitung ist jedoch unsauber. In der Folge zieht er jedoch einfach nach rechts und läuft dort gegnerbindend durch, nachdem er auf den eingerückten Kaderabek passt. Es öffnet sich wiederum Raum für Rudy im Zentrum. Hoffenheims Angriff kann mit Amiri als rechtem Flügelspieler weitergehen.

Ausblick: Was kann eigentlich schiefgehen?

Die TSG Hoffenheim unter Julian Nagelsmann ist ein gutes Bundesliga-Team, welches ansehnlichen Fußball spielt – das lässt sich ganz allgemein und wenig kontrovers festhalten. Dass es noch immer ungeschlagen ist, mag hingegen zu einem gewissen Teil glücklich sein. Einige der insgesamt acht Unentschieden tendierten eher in Richtung Niederlage. Wie schon in der vergangenen Spielzeit wirkt das tiefere Verteidigen der Kraichgauer teilweise sehr ungeordnet, der Zugriff im Gegenpressing und vor allem nach Überspielen der ersten Druckwelle, gestaltet sich ebenfalls wechselhaft.

Zuletzt bereiteten mannorientierte Gegner (Hamburg, Gladbach und Frankfurt) dem Team einige Schwierigkeiten. Hier scheint durch, dass die Dreierkette gerade bei frühem Anlaufen individuell nicht ganz so spielstark ist und die Verbindungen über den Sechserraum unter hohem Druck nicht völlig stabil sind. Gegen die Elf vom Niederrhein folgten zahlreiche Umstellungen bis schließlich fest in der Viererkette verteidigt wurde, nachdem Schär zuvor zwischen der Position des zentralen Verteidigers und Sechser pendelte („Switch-Innenverteidiger“).

Leverkusen kann in Unterzahl die mannorientierte Spielweise Hoffenheims nutzen und Lücken reißen.

Leverkusen kann in Unterzahl die mannorientierte Spielweise Hoffenheims nutzen und Lücken reißen.

In dieser Ausrichtung gab es einige gravierende Mängel im Pressing, die auch sonst des Öfteren einmal zu beobachten sind. Die Abstände stimmten bei weitem nicht immer. Gerade in der Kette fehlte teilweise jegliche Abstimmung, wenngleich es im höheren Pressing schöne, mitunter sehr diagonale Pressingstaffelungen gab.

Hoffenheim ist irgendwie eine Wundertüte, von der man weiß, dass sie einen niemals in Gänze enttäuschen wird – auch wenn einzelne oder gar mehrere Dinge nicht passen werden. Auch eine Niederlage wird sicherlich mal dabei sein, aber selbst dann wird erst mal nichts komplett schiefgehen.

FAB 20. Dezember 2016 um 16:07

Kann mir einer erklären, was Rudy bei den Bayern machen soll?
So viele Transfers (im Sommer Rode, Schürrle zum BVB???) ergeben für mich keinen Sinn mehr!
Der einzige Hoffenheimer der eine Verstärkung für die Bayern wäre ist Nagelsmann. Auch Süle ergibt keinen Sinn, wenn man Boateng, Hummels und Martinez hat, dafür aber in der Offensive die Durchschlagskraft, altersbedingt, immer mehr nachlässt!
Süle wird ja nicht gerade billig sein, wenn Chelsea im Sommer mit einem 30 Mio. Angebot abgeblitzt ist.
Der für mich interessanteste Spielertyp ist übrigens Amiri. Möglicherweise fehlt im etwas die Qualität, aber seine flexible Spielweise in den verschiedenen Räumen ist hochinteressant.

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Koom 20. Dezember 2016 um 17:40

Rudy ist vermutlich ablösefrei, zudem als RV sicherlich eine (günstige) Lösung, da Lahm vielleicht aufhört und Rafinha nicht der Jüngste ist und man sowieso mehr deutsche Spieler braucht wegen Richtlinien.

Und Süle… blutjunges Talent, weil man an Badstuber vermutlich nicht mehr glaubt. Kann Sinn machen.

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Daniel 20. Dezember 2016 um 17:57

Süle ergibt durchaus Sinn, da mit Badstuber, Boateng, Martinez und Hummels alle IV des FC Bayern gleich alt sind (27/28). Und dann innerhalb weniger Jahre die komplette zentrale Verteidigung über den Haufen zu werfen wäre aus verschiedenen Gründen (Ablösesummen, Eingespieltheit) sehr problematisch.
Bei Rudy habe ich auch gestutzt. Sollte sich der Transfer wirklich realisieren, kann ich mir das nur so erklären, dass Bayern eine günstige Übergangslösung als RV sucht. In meinen Augen gibt es, seitdem Lahm begonnen hat nachzulassen, keine Rechtsverteidiger mit Weltklasseformat mehr. Der FC Bayern muss aber jetzt handeln, weil Lahm aus Altersgründen nicht mehr das Niveau hat und Rafinha schon immer Rotationsspieler war und es bei einem Verein wie Bayern bei ihm leider für mehr nicht reicht. Vielleicht ist das Kalkül, dass man dann mit Rudy halt eine Übergangslösung installiert, bis sich auf dem Markt wirklich ein Spieler aufdrängt. Die aktuellen Alternativen wie Bellerin oder Carvajal sind in meinen Augen nicht annähernd so viel besser als Rudy wie die um ein vielfaches höheren Ablösesumme erwarten lassen würde. Wobei mein Wunschtransfer hierfür Weiser wäre…er kann perspektivisch in meinen Augen zu dem Spieler werden, den Bayern dort braucht, ohne Mondpreise zu kosten.

Dein Verweis auf die Offensive ist allerdings in meinen Augen total richtig. Diese ist einerseits dünn besetzt (6 Spieler für 3-4 Positionen, wovon 2 (Rib und Rob) seit Jahren jede Saison mindestens ein Drittel ausfallen und 2 weitere (Costa und Coman) ebenfalls recht verletzungsanfällig sind) und andererseits sind zwei der vier stärksten auch noch deutlich über 30. Zumindest bei Costa ist in meinen Augen zudem absehbar, dass er nie auf das Niveau von Robbery kommen wird. Bei Coman ist das noch unklar, wenn überhaupt dauert es aber noch 4-5 Jahre. Um dieselbe Kaderqualität- und Tiefe wie in der Defensive zu erreichen bräuchte man in meinen Augen einen flexiblen Offensivakteur mit Startelfpotential (z.B. Alexis Sanchez) und einen „Kaderspieler“ wie defensiv Rafinha oder Bernat, der zwar in wichtigen Spielen normalerweise nicht spielt, aber die Stammkräfte in Spielen wie gegen Darmstadt oder Ingolstadt entlasten kann (Max Kruse wäre ein günstiger, systemkompatibler Spieler, der mir da spontan einfällt). Dieses Problem halte ich für wesentlich dringlicher als die oben besprochenen Baustellen in der Verteidigung. Insofern versteh ich schon was man sich von Süle und Rudy verspricht…aber das wären für mich auch eher Transfers der niedrigeren Prioritätsstufe gewesen.

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Max Mustermann 19. Dezember 2016 um 14:25

Klasse Artikel! Sympathische Mannschaft, macht einfach Spaß die Spiele zu schauen!
Mit Nagelsmann, Wolf, jetzt Kwasniok möglicherweise, da wächst gerade ne mächtig talentierte Trainerriege in Deutschland heran. Mich würd interessieren, wo es noch so junge Trainer unter 40 (oder vielleicht sogar unter 30) gibt und welchen „Jungcoach“ ihr am talentiertesten haltet.

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tobit 17. Dezember 2016 um 13:46

Ich fand es gestern nach der Pause sehr interessant, dass die Dortmunder ähnlich wie Leverkusen auch in einer 4212-Ordnung agiert haben.
Defensiv kann man so wohl nur gegen wenige Teams spielen, da kaum ein Team so konsequent die Mitte bespielen will wie Hoffenheim.
Offensiv wurde dann oft einfach „nur“ schnell zu Dembélé (später Mor) gespielt, der sich mehrfach durchs Mittelfeld wuseln konnte um dann die diagonal aus sehr breiter Position hinter die Abwehr sprintenden Aubameyang/Pulisic zu schicken, was sehr schnell zum Ausgleich führte aber später wegen des fehlenden Nachrückverhaltens nur noch wenig Gefahr ausstrahlte (konstante Gefahr aus Unterzahlangriffen können nur Messi und Maradonna erzeugen).
Insgesamt fand ich Dortmund zu zehnt wesentlich besser als zu elft, da sie klarer und „einfacher“ gespielt haben – meist ging es mit 3-4 diagonalen OneTouch-Pässen zu einem der Offensiven, der dann seine Geschwindigkeit gegen die relativ hoch stehende Mittelfeld- und Abwehrreihe ausspielen konnte.

Was Hoffenheim unter Nagelsmann zeigt, ist absolut beeindruckend. Natürlich profitieren sie massiv von den fehlenden englischen Wochen, da sie so viel Zeit für explizite Gegnervorbereitung haben. Trotzdem sind die Grundmechanismen (diagonal durchs Zentrum, teilweise sehr bewusstes Engenspiel) und die Einbindung der Wingbacks (trotz Zentrums-/Halbraumfokus) herausragend gut.
Gestern hatten sie auch Glück mit ein paar Schiri-Entscheidungen (Reus Platzverweis, Wagners Schubser beim 2:1, einige Fouls von Vogt) wo das Spiel bei anderer Entscheidung schnell gegen sie hätte laufen können.

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Dr. Acula 16. Dezember 2016 um 20:40

während des spiels so nen artikel zu lesen, ist schon was feines 🙂

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Martin 16. Dezember 2016 um 17:16

Super Artikel, vielen Dank!
Sehr verständlich dargestellt und perfekt zur Spielvorbereitung für heute Abend.

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