TEs Bundesliga-Check: Die Fußballsprache und der Libero

Die Kolumne läuft in dieser Woche unter dem Motto: Was TE schon immer mal sagen wollte, sich bisher aber nicht zu sagen gewagt hat. Das Aktuelle bleibt etwas auf der Strecke, dafür geht es um die Spielverlagerung-Sprache und um den Libero.

Spielverlagerung-Autor TE sucht sich nach jedem Bundesliga-Spieltag zwei bis drei Aspekte heraus, die er kurz und knackig analysiert. TEs Bundesliga-Check ist der Analysehappen für Zwischendurch – eine Spielwiese für taktische Beobachtungen, die in den “langen” Spielanalysen keinen Platz finden.

Die abkippende Sprache

Vor einigen Tagen habe ich (mit viel Gewinn) dieses Interview mit Frank Lußem gelesen. Lußem weiß, wie man Geschichten erzählt (eine Kunst, die gerade unter Sportjournalisten leider rar gesät ist). Dass er wiederum nicht der größte Fan von Spielverlagerung ist, dürfte regelmäßigen Kicker-Lesern bekannt sein – und ist auch vollkommen legitim.

Das Interview erinnerte mich an einen kritischen Artikel, den er vor einiger Zeit für den kicker schrieb. Er beschäftigte sich dort mit der Sprache im Fußball und stellte infrage, ob die vielen neumodischen Wortschöpfungen rund um den Fußball nottun. Der Artikel beinhaltete auch einen kleinen Seitenhieb auf Spielverlagerung. (Letztlich war der Text wesentlich weniger kritisch gegenüber Spielverlagerung, als er u.a. auf Twitter im Anschluss gemacht wurde.)

Frank war weder der Erste noch der Letzte, der die Sprache von Spielverlagerung kritisierte. Wobei ich glaube, Spielverlagerung steht letztendlich nur als Synonym für eine bestimmte Gruppe von Fußballverrückten, die über Fußballtaktik in einer bestimmten Weise reden. Denn auch wenn es gerne anders dargestellt wird, wir denken uns nur ganz, ganz selten Begriffe wirklich aus. Der Blog Fussballlinguistik hat vor einiger Zeit die taktischen Rollen gesammelt, die wir benutzen. Der größte Teil dieser Rollenbezeichnungen stammt aus dem allgemeinen Fußball-Sprachgebrauch (Sechser, Achter, Zehner sind beispielsweise als taktische Rollenbezeichnungen fast 100 Jahre alt). Der Rest sind die offiziellen Begriffe, die der DFB in seiner Literatur führt (ab- oder herauskippen, Verbindungsspieler), oder Übersetzungen englischer Begriffe (inverser Außenstürmer von „inverse winger“, Fluidität von „fluid formation“). Dort finden sich auch einige Begriffe, die relativ neu sind und erst in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren aufkamen.

Die Frage, die unterschwellig bei der Sprachkritik mitschwingt: Muss man den Fußball so kompliziert machen? Reicht nicht das Vokabular aus, das sich der Fußball in über hundert Jahren erarbeitet hat? Was ist dadurch gewonnen, wenn man einen Toni Kroos als „Verbindungsspieler auf der halblinken Seite“ bezeichnet, der „Synergien zum linken Halbraum“ ermöglicht?

Sprache befindet sich stets im Wandel. (Fünf Euro ins Linguisten-Phrasenschwein.) Dass sich die Fußballsprache in den vergangenen Jahren so stark verändert hat, liegt sicherlich auch daran, dass der Fußball selbst professioneller geworden ist. Wo früher ein einsamer Trainer seine Jungs um den Platz jagte, debattieren heute Taktikanalysten, Fitness-Coaches und Marketing-Experten auf Symposien über das Spiel. Es ist die logische Schlussfolgerung, dass damit auch eine Ausdifferenzierung der Fußballsprache einhergeht.

Manchmal ist mir die Sprache auf Spielverlagerung.de persönlich auch eine Nummer zu kompliziert. Andererseits sperre ich mich auch gegen die Mickey-Mausi-sierung des Diskurs. Denn letztlich ist ja die Frage, was überhaupt das Ziel einer Taktikanalyse sein soll. Möchte ich möglichst viele Menschen erreichen? Dann schreibe ich anders, als ich es auf Spielverlagerung tue. Will ich mit meinem Artikel fachlich möglichst korrekt liegen und eine Diskussion unter Experten anzetteln? Wer auf hohem Niveau diskutieren will, sollte sich präzise und vor allem: fachlich korrekt ausdrücken.

Ironischerweise lieferte Lußem selbst in seinem Artikel das passende Beispiel. Er beschreibt einen Vorfall, als ein Journalist Leverkusen-Coach Roger Schmidt mit der Aussage konfrontierte, er habe „vier Vorstopper“ auf dem Platz gehabt. Gereizt von der Niederlage „zischte“ Schmidt: „Vorstopper heißt das schon lange nicht mehr!“ Nun kann man, wie Lußem suggeriert, Schmidts Reaktion als überheblich und unnötig darstellen – schließlich wusste Schmidt genau, wer gemeint war, als der Reporter ihn nach den Vorstoppern befragte, also wen schert es schon, ob man den Verteidiger nun als Innenverteidiger oder Vorstopper betitelt.

Es hat aber durchaus logische Gründe, einen Vorstopper Vorstopper und einen Innenverteidiger Innenverteidiger zu nennen. Der Vorstopper entwickelte sich als taktische Rolle in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Wie der Name suggeriert, war der Vorstopper jener Akteur, der vor dem „Stopper“ agierte. Er war der vierte Verteidiger in einem System, das zuvor nur aus drei Verteidigern bestand. Der „Stopper“ wurde mit der Zeit zum Libero, der Begriff Vorstopper änderte seine Bedeutung und setzte sich als Bezeichnung für die Manndecker durch, die vor dem raumdeckenden Libero agierten.

Nun gibt es heutzutage keinen Libero mehr und auch sonst keinen Akteur, vor dem der Vorstopper vorstoppen könnte. Seit einigen Jahren verschiebt die Viererkette fröhlich-frech im Raum herum, ohne einen Libero als Absicherung. Vier Verteidiger – zwei innen, zwei außen. Zwei Innenverteidiger. Zwei Außenverteidiger. Ein Innenverteidiger hat innerhalb einer im Raum verschiebenden Abwehrkette andere Aufgaben als einst der manndeckende Vorstopper vor dem raumdeckenden Libero. Es macht aus fachlicher Sicht durchaus Sinn, diese Begriffe voneinander zu trennen. Das war gerade in den 90ern wichtig, als manche Teams noch mit Vorstoppern, andere aber bereits mit Viererkette spielten.

Dieses Pochen auf sprachlichen Details kann man durchaus als oberlehrerhaft bezeichnen. (Futter für die Hobby-Psychologen: Ich persönlich habe keine journalistische Ausbildung, sondern Englisch und Sport auf Lehramt studiert.) Aber: Wenn ich über etwas genau diskutieren will, muss ich es auch genau benennen. Man kann sich herrlich darüber streiten, ob der „Durchschnittsfan“ (wer auch immer dieser Kerl ist) wissen muss, was der Unterschied zwischen einem box-to-box-Mittelfeldspieler, einem spielmachendem Sechser und einem Verbindungsachter ist. Wenn ich mich aber, von Fachmann zu Fachmann, über die bestmögliche taktische Rolle von Toni Kroos und Sami Khedira austauschen will, kann ich nicht einfach sagen: „Toni Kroos und Sami Khedira sind gute Mittelfeldspieler“. Das wird der Sache nicht gerecht. Sie sind auf völlig unterschiedliche Weise gute Mittelfeldspieler.

Mit einer Simplifizierung der Sprache geht auch immer eine Simplifizierung der Sache einher. Und das ist auf dieser Seite ausdrücklich nicht gewünscht.

Kehrt der Libero zurück?

Eigentlich sollte dies oben nur eine kurze Einleitung werden, die mich zu meinem eigentlichen Thema führen sollte. Das eigentliche Thema lautet nämlich: Kehrt der Libero zurück? Diese Frage wurde mir in den vergangenen Wochen einige Male gestellt. Oft liegt hier die Fehleinschätzung zugrunde, dass eine Dreierkette automatisch bedeutet, dass eine Mannschaft auch mit Libero agiert. Der zentrale Innenverteidiger wäre, dieser Logik zufolge, der Libero.

Hier muss man wieder mit sprachlicher Genauigkeit agieren: Natürlich kann man den zentralen Innenverteidiger einer Dreierkette per se als Libero bezeichnen. Es beißt sich aber mit der historischen Definition, nach der ein Libero ein freier, raumdeckender Verteidiger hinter Manndeckern war. Und dies trifft in modernen Systemen nicht zu. Wenn der VfL Wolfsburg beispielsweise eher schlecht als recht im 5-3-2 über den Platz verschiebt, ist der zentrale Verteidiger ein normaler Teil einer raumdeckenden Verschiebebewegung, kein Libero hinter Manndeckern.

Nun ist es aber noch etwas verwinkelter mit der Frage nach dem Libero. Eigentlich, so könne man argumentieren, gab es den Libero überhaupt nur für eine sehr kurze Zeit. Ein freier Mann, der sich wie Franz Beckenbauer außerhalb des Systems befindet und taktische Fesseln (Manndeckung, Verteidiger rücken nicht auf) sprengt. In späteren Jahren wurde nämlich durchaus nicht mehr so rigoros manngedeckt wie in den Anfangsjahren des Liberos. Lothar Matthäus oder Matthias Sammer wurden beispielsweise in den Neunziger Jahren ebenfalls als Libero bezeichnet. Dabei agierten sie nicht immer hinter der Abwehr, sondern oft auch davor. Die Verteidiger deckten auch nicht mehr rigoros den Gegner, sondern agierten eher mannorientiert und verfolgten ihre Gegenspieler in bestimmten Situationen. Die Gleichung Libero = Raumdecker hinter den Manndeckern trifft nicht mehr vollends zu. Der Libero war eher ein herausrückender, freier Mann inmitten eines mannorientierten Systems, der im Spielaufbau zudem stark fokussiert wurde. Der Libero veränderte sich, und somit veränderte sich auch die Bedeutung des Wortes Libero.

Nun – und damit haben wir nach über 1000 Wörtern endlich das eigentliche Thema dieser Bundesliga-Kolumne erreicht – ist die Frage, ob der Libero zurück ist, doch nicht mehr ganz so leicht zu beantworten. Was Makoto Hasebe nämlich bei Eintracht Frankfurt spielt, enthält so einige Charakteristika des 90er-Jahre-Liberos. Die Frankfurter agieren mit einem mannorientierten 5-3-2-System, wobei Hasebe hier zuletzt den Part des zentralen Innenverteidigers einnimmt. Aber es gibt noch mehr Parallelen zum typischen 90er-Jahre-Libero:

Ist Hasebe gelernter Sechser? Check.
Interpretiert er seine Rolle vertikal? Check.
Rückt er häufig aus der Abwehr vor und ist damit im Pressing für einen flexiblen Wechsel zwischen 4-3-3 und 5-2-3 verantwortlich? Check.
Sichert er häufig hinter seinen mannorientiert vorrückenden Kollegen ab? Check.
Wird er im Spielaufbau fokussiert? Check.

Eintracht Frankfurt ist bei dieser Frage aber ohnehin ein Sonderfall. Ihr enorm mannorientiertes Zugriffsverhalten gepaart mit ihrem 5-3-2-System wirkt durchaus wie eine moderne Version des 90er-Jahre-Fußballs. Das Pressing ist aggressiver, es wird gegengepresst, im Spielaufbau spielt Frankfurt flacher – aber ansonsten gibt es von der Systematik und dem Zugriffsverhalten viele Parallelen zum Fußball, den Ottmar Hitzfeld beispielsweise in Dortmund spielen ließ. Dass ausgerechnet ihr zentraler Innenverteidiger stark an eine modifizierte Rolle eines Liberos erinnert, ist daher kein Zufall.

Und doch hat sich der Fußball in den vergangenen zwanzig Jahren so stark verändert, dass der Begriff „Libero“ falsche Assoziationen weckt. Immerhin verschiebt die Fünferkette auch beim Frankfurt im Raum, auch wenn die Innenverteidiger häufig mannorientiert herausrücken. Vielleicht sollte man einfach ein neues Wort für Hasebes Rolle in Frankfurt erfinden, „Neo-Libero“ oder Ähnliches. Aber dann stehen wieder die Kritiker auf dem Plan…

Ausführliche Analysen des 14. Spieltags

Bayern München – VfL Wolfsburg 5:0

Heini 16. Dezember 2016 um 10:46

Ich bin eigentlich kein Fußballer, das habe ich immer meinen beiden jüngeren Brüdern überlassen. Ich durfte allerdings ab und an mal mittrainieren und fand die taktischen Anweisungen immer irgendwie zu wenig (gewohnt war ich Volleyball in den unteren beiden Klassen und als Jugendtrainer).

Spielverlagerung füllt für mich eine Lücke, weil es eben als Laie total schwierig ist, die Bewegungen auf dem Platz halbwegs zu verstehen: warum wirkt es so, als habe eine von zwei Mannschaften im Spielverlauf in fast jeder Situation Überzahl(?); warum kommt eine Mannschaft aus ihrem eigenen Feld nicht raus(?); …

Die Erklärung aus der Jugendzeit „die sind einfach besser mit dem Ball“ mag auf einzelne Spieler zutreffen, ich gehe aber davon aus, dass die Leistungsdichte im Profibereich recht hoch ist und die Ausbildung am Ball eben nicht vernachlässigt wird.

Deshalb lese ich hier (naja: ich kann als sehr verkopfter Mensch mit den klassischen Fußballer-Heldensagen auch wenig anfangen) . Viele Ideen und Formationen erkennt man aus den Beschreibungen wieder, sogar bei Fernsehbildern.

Auch einige Bemerkungen über Trainingsideen finde ich interessant, weil ich in ähnlicher Form in meiner Sportart darüber diskutiert habe: wann und wie Feld verkleinern, wie im Training häufig vorkommende Spielsituationen simulieren, wie den Blick für Mitspieler und Gegner schulen, … und das Ganze immer möglichst mit Ball und in Bewegung, weil man im Spiel ja auch keine Zeit zum rumstehen hat.

Einen Nachteil hat SV: durch den Taktikfokus verliert man teilweise andere Aspekte ein wenig aus dem Auge und bewertet vielleicht auch – wie mir vorgeworfen wurde – Trainereinflüsse vergleichsweise zu hoch. Ausserdem fällt es einem natürlich schwerer, (taktisch) unbedarft ein Spiel zu sehen (auch wenn Spiele auf unterem Niveau, die man natürlich auch anschaut, mitunter mehr mit individuellen Defiziten zu tun haben als mit taktischen Minderleisten – wobei ich davon überzeugt bin, dass das zusammengeht).

In diesem Sinne lese ich zwar nicht regelmässig, aber immer wieder.

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HW 15. Dezember 2016 um 19:32

Finde die ersten Worte des Artikels schon interessant. Ich bin ja nun einer der bei SV am Anfang mit dabei war, aber ich habe es nie als eine Blechtrompete (oder irgend ein anderes Synonym) für Konzepttrainer gesehen. Es ging auch nie darum eine Hipster-Fußballsprache zu propagieren oder nur Theorie zu beschreiben. Im Gegenteil es ging vielmehr darum sich auf das zu konzentrieren (oder beschränken) was auf dem Feld für jeden zu sehen war und ist (ganz praktisch). Und dies verständlich auszudrücken (gut seit der Anfangszeit gab es eine gewisse Entwicklung.) Man versuchte vielleicht die Methode oder den Plan der jeweiligen Trainer zu verstehen. Man nimmt also eher an, dass jeder Trainer ein Konzepttrainer ist (oder sein sollte). Denn wer arbeitet schon ohne Konzept (oder Idee)? Es ging bei SV also nicht darum Gräben auszuheben, sondern um das Gegenteil. Es sollte eine Verbindung zum Fußballinhalt entstehen. Unabhängig von Vorurteilen, Stereotypen, Traditionen oder Oberflächlichkeiten. Dabei hat man versucht neue Wege zu gehen. Man wollte die Logik oder die Methodik und damit die Ursachen verstehen und beschreiben und hat dabei natürlich auch den Bereich der wissenschaftlichen Analyse betreten. Analysen, die Vereine und Trainer so oder so ähnlich auch machen. Dieser analytische Ansatz wurde ja leider von anderen Medien zeitweise stark ignoriert. (Völlig okay, wenn sie andere Schwerpunkte haben.)
Aber man hat bei SV eben auch die emotionale Schiene der Trainerarbeit beleuchtet. Vielleicht nicht so stark wie die Taktik oder die Trainingsarbeit. Aber es geht bei SV eben nicht um die Emotionen der Fans. Es geht nicht um die Fanszene, sondern um Motivation, Emotionalität, Athletik, Taktik, Strategie, Wissenschaft, Statistik als Werkzeuge für eine Fußballmannschaft oder ein Trainerteam.

Vielleicht müssen einige Leute in den Medien dieses Konzept und die Zielgruppe, bzw. den Themenschwerpunkt von SV noch verstehen.

Niemand kritisiert 11Freunde für ihre Ausrichtung. Niemand stellt den Kicker in Frage. Warum sollte man das bei SV machen? Es war und ist immer eine weitere Facette des Spiels, ein anderer Betrachtungswinkel. Es ist eine Bereicherung. Wenn jemand SV als Kritik an anderen Medien versteht, der sollte die Medienlandschaft nicht als ‚entweder … oder‘ sondern als ’sowohl … als auch‘ verstehen.

PS

Was die Kritik an der Wortwahl usw. betrifft. Das ist doch müßig. Zum einen hat hier niemand behauptet ein Portal von Profi-Journalisten zu betreiben. Jeder schreibt halt wie ihm der Schnabel gewachsen ist (bzw. wie ihm die Finger gewachsen sind).

Wenn sich ein Profi-Journalist (naja, „nur“ ein Sportjournalist) darüber echauffiert, dann braucht der doch eigentlich ein besseres Hobby. Hat er nicht genug Selbstbewusstsein um über dieser Webseite zu stehen? Steht seine Arbeit nicht für genug Qualität, dass er selbst versucht einen Kleinkrieg zu provozieren (erfolglos) und sich so über die „Amateure“ von SV zu stellen?
Das ist doch albern. Ich hätte mich mit so etwas an Stelle von SV nie beschäftigt. Wenn von Lesern Kritik komm: Okay. Aber so was in der Öffentlichkeit, mehr aus Selbstabgrenzung anstatt im Dialog, ist doch einfach langweilig.

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HB 15. Dezember 2016 um 12:21

TE, bitte entschuldige, dass ich den Kommentarbereich der Bundesliga-Kolumne für meine Off-Topic Anfrage verwende.

Bei der Betrachtung der derzeitigen Tabellensituation in den großen europäischen Ligen ist mir aufgefallen, dass AS Monaco derzeit die gefährlichste Offensivabteilung der Top-Ligen stellt. Unter Berücksichtigung der letzten Jahre ist mir Leonardo Jardim eher als ein Trainer mir einem gewissen Stabilitätsfokus in Erinnerung geblieben. Deswegen wäre ich sehr interessiert daran, ob einer der Autoren oder auch jemand aus der Community kurz erläutern kann, was diese Mannschaft im Moment für Offensivabläufe aus dem nominellen 4-4-2 heraus verwendet und wie diese offensive Durchschlagskraft zu Stande kommt?

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luckyluke 15. Dezember 2016 um 10:12

Wen das allgemein interessiert mit Fachsprachen, dem/der kann ich sagen, dass das in der Linguistik auch durchaus ein nicht ganz kleines Forschungsfeld ist…
Herausgegeben von Lothar Hoffmann gibts da z.B. ein „Handbuch“ (zwei Teile bisher) und auch Einführungswerke und so Zeug. Also wer zufällig Zugriff auf eine Unibibliothek hat, findet das bestimmt. Nur so, falls es mal jemand interessiert, scheint ja doch „heiß“ (zumindest für linguistische Verhältnisse :D) diskutiert zu sein…

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LOC 15. Dezember 2016 um 10:12

Im Grunde guter Artikel, und mit Recht muss man Sprache den möglicherweise komplexen Gegebenheiten anpassen, aber das Wort „Simplifizierung“ dafür zu verwenden um dem Artikel ein „intellektuelles Niveau“ zu geben halte ich für borniert … das Wort vereinfachen und Vereinfachung tut es auch 😉

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ulius 13. Dezember 2016 um 14:54

Gehts nur mir so, dass ich den Satz, der hier als Negativbeispiel von Frank Lußem zitiert wird, eigentlich gar nicht so geeignet dafür finde. Er ist recht inhaltsdicht und man kann sich was darunter vorstellen. Er ist jetzt auch nicht unverständlich oder so, als einzigen Kritikpunkt würde ich gelten lassen, dass „vielseitige Herausrückbewegungen“ ziemlich unspezifisch ist.

Aber mal im Ernst: Keiner von euch behauptet doch den Fußball wissenschaftlich erklären zu können. Ihr macht eine Taktikanalyse und nennt das auch so. Dass das was ihr schreibt, dabei Hand und Fuß hat, sieht man allein an der Vorhersagekraft. Ihr habt Heckings Wirken beispielsweise schon sehr lange kritisiert. Oder auch dieses Jahr bei Ancelotti einige Punkte angesprochen, die taktisch nicht gut laufen, als die Ergebnisse noch stimmten.

Ist auch irgendwie bezeichnend, dass ihr vor allem stilistisch kritisiert werdet ;-). Auf der anderen Seite kann ich euch nur beglückwünschen, dass ihr eine gewisse Prominenz erreicht habt. Weiter so!

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Benji 13. Dezember 2016 um 13:01

Sehr schöner und befriedigender Artikel. Ich danke euch! Wenn wir es nicht benennen können, kommen wir der Sache nicht näher!

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Zanetti 13. Dezember 2016 um 12:47

Fußball ist Unterhaltung, ihr seid Unterhalter und bedient eine recht große Nische.

Über den Teil am Fußball, der am wenigsten bloße Unterhaltung ist, das Training, schreibt ihr weniger als über Spiele und Menschen. Klatsch für Männer. Und das ist in Ordnung.

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Tont 13. Dezember 2016 um 11:08

Ich freu mich über diesen Artikel alleine schon weil mal wieder ein taktischer Aspekt eines „kleinen“ Vereins beleuchtet wird. Leider hat sich SV.de ja in den letzten Jahren in die Richtung entwickelt, dass am Spieltag das Spiel der Bayern plus entweder BvB, S04, Lev oder MGB analysiert werden. Der jeweilige Gegner wird dann mit drei Sätzen a la „spielte halt auch mit“ abgefrühstückt. Dazu kommt dann noch irgendein internationales Spiel (oder auch 2).
Bitte wieder mehr FC Köln, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, Hamburg (Von mir aus auch gerne Kaiserslautern, Nürnberg, Stuttgart). Das sind doch Vereine die ziehen. Und auch dort gibt es sicherlich taktische Aspekte zu analysieren. Wenn ich nur Bayern gegen XYZ sehe hat es was von Doppelpass von studierten.

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CHR4 15. Dezember 2016 um 04:17

dem einen so, dem anderen so …
ich vermisse dafür Analysen, der Duelle der großen Clubs z.B. in der Champions-League-Gruppenphase … 2x Barca-ManCity, Rückspiele von Real-BVB und Bayern-Athletico und auch den Classico in der PD – nur um mal zu zeigen, dass es auch andere Extreme und Wünsche gibt 😉

Hoffenheim und Leipzig finde ich vom Fußball-Taktischen derzeit sehr interessant (wer mit dem Konzept von RasenBallsport ein Problem hat, soll einfach keine Dosen trinken … das wirkt!) – beide sind aber hier durchaus schon behandelt worden – ob ich mir persönlich wirklich Zeit für die 2. Liga nehmen will … eher nicht – aber das bleibt jedem selbst überlassen – auch den Autoren hier – und wenn man sich die Kommentaranzahl unter den Analysen anschaut: ich würde auch häufiger die Spiele wählen, die für mehr Leute interessant sind

daher mal ein Vorschlag „an die Redaktion“: wie wärs mit einer Wunschanalyse/Wunschbegegnung pro Monat, über die hier von den Lesern abgestimmt wird?
dann wäre allerdings auch zu klären, ob die Abstimmung vor oder nach dem Spiel / den Spielen durchgeführt werden sollte … vorher schien mir zuerst das natürlichere zu sein, nachher hätte den Vorteil, das man ein Spiel das zuviel Erwartungen weckt, dann aber eher langweilig läuft, aussortieren kann

frohen Advent an alle!

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tobit 15. Dezember 2016 um 09:30

Die Idee finde ich gut.
Würde zur Abstimmung vor den Spielen tendieren, da man dann versuchen kann das Spiel auch zu sehen.

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Bembelguy 13. Dezember 2016 um 09:57

Ein Glück, dass hier nur – zurecht – über die Fachqualität des KICKER gesprochen wird, ohne böhmische Dörfer, die sich für Fußballanalyse verkaufen (*hust DOPPELPASS hust*) komplett ausgespart werden.

Macht weiter so, ich lese die Artikel gerne, lerne die Fachtermini und bilde mir eben sonst selbst ein Urteil, ob das nun einen Mehrwert für mich darstellt. Emanzipierter Leser und so…

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Koom 13. Dezember 2016 um 13:28

Doppelpass (und diverse andere Formate wie Sky90 oder KickerTV) hab ich schon länger nicht mehr gesehen, aber IMO haben die auch ihre Daseinsberechtigung – wenn man sie nicht als alleingültige Wahrheit oder gar als analytisches Format ansieht.

Fußball ist zu komplex, um es nur mit Taktikanalyse festhalten zu können. Psychologie, Geisteskraft, Motivation, Glück, Pech, Stimmung etc. sind alles Faktoren, die groß genug sind, um ihre Berechtigung zu haben, um darüber zu reden. Ist nur alles wenig bis gar nicht greifbar, und daher auch (zu recht) nichts für SV.de, die zumindest die relativ nachvollziehbaren Geschehnisse auf dem Platz analysieren und ihre Intention oder Wirkung hinterfragen.

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Schorsch 13. Dezember 2016 um 22:53

‚Doppelpass‘ und Co. habe ich auch nur relativ selten geschaut; seit längerer Zeit bin ich diesbezüglich ebenfalls ‚abstinent‘. Den späten Sonntagvormittag kann man auch anderweitig nutzen – z.B. selbst Sport treiben. 😉 Aber einen gewissen Unterhaltungswert kann ich dieser Sendung nicht absprechen. Und es ist doch recht entspannend, sich z.B. mit Freunden am ‚Stammtisch‘ zu treffen und dusseliges Zeug zu quatschen. Z.B. über Fußball. Suum cuique. Alles hat seine Berechtigung. Leben und leben lassen. Sich dabei selbst nicht zu ernst nehmen.

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studdi 14. Dezember 2016 um 09:01

Ich denke Doppelpass Sky90 und co wollen ja auch gar nicht wirklich die Taktik der spiele analysieren. Mir persönlich ist da eher die „Telekom Spieltaganalyse“ ein Dorn im Auge.
In dieser Sendung soll es ja angeblich um eine Taktische Analyse gehen was dabei raus kommt ist dann aber doch meistens ziemlicher quatsch. Anhand dieser Sendung sieht man dann nämlich wie wohl doch noch sehr viele Menschen den Fussball sehen und versuchen zu erklären wieso den jetzt Mannschaft A gegen Mannschaft B gewonnen hat. Da werden nur kurz die Tore analysiert und dann noch Rote Karten oder nicht gegebene Fouls und das wars. D.h. dort wird ein Spiel von 90 Minuten auf Szenen die vl max. 2 dieser 90 Minuten ausmachen heruntergebrochen und dann heisst es deshalb haben sie verloren…
Also da muss ich sagen gibt mir sv.de ein wesentlich besseren überblick über die Spiele und erklärt mir wesentlich besser wieso Mannschaft A evtl besser war als Mannschaft B.

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Koom 14. Dezember 2016 um 09:49

Doppelpaß und Co. haben sich in der Vergangenheit aber auch schon über sowas wie SV lustig gemacht. Das ist halt meistens alte Trainerschule: „kratzen, beißen, Gras fressen. Alles andere ist Kokolores“.

Persönliches Highlight in Sachen Fernsehanalyse (und vermutlich auch bisserl Geburtsstunde für SV.de) waren die großartigen Analysen im Live-TV von Jürgen Klopp. Das war ganz großes Tennis. Leider haben die Öffentlich-Rechtlichen dieses Niveau weder gehalten noch angestrebt. Wobei das ZDF zuletzt sich immerhin bemüht hat, mit Welke, Kahn und Stanislawski das halbwegs einzufangen.

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Schorsch 14. Dezember 2016 um 10:16

Dass es beim ‚Doppelpass‘ nicht um taktische Analysen geht, ist wohl allen klar. Wer das erwartet, sollte diese Sendung gar nicht erst einschalten. Ich persönlich würde den ‚DoPa‘ deshalb auch nicht kritisieren. Wenn ich an taktischen Analysen interessiert bin, dann greife ich auf sv.de zurück. Es muss mir dabei nicht alles gefallen, was oder wie hier etwas geschrieben wird. Aber inhaltlich gibt es mMn nichts besseres in Deutschland. Und der Inhalt ist für mich persönlich entscheidend.

Zur ‚telekom-Spieltagsanalyse‘ stimme ich Dir aus meiner Sicht nur teilweise zu. Dies ist quasi die einzige Sendung dieses Senders, die ich öfters schaue. Ich gebe Dir Recht, eine taktische Analyse der Spiele findet dort nur rudimentär (wenn überhaupt) statt und die Aussagen der ‚Experten‘ sind oftmals hanebüchen. Mitunter, wenn auch eher selten, kann man allerdings schon interessante spieltypische Szenen sehen (die auch nicht unbedingt etwas mit Toren zu tun haben müssen), die mMn schon interessante Aufschlüsse geben. Was auch auf die eine oder andere ‚Expertenaussage‘ zutrifft. Ich persönlich finde die Aufschlüsselung der Szenen, die zu den Toren in einem Spiel geführt haben, jedenfalls interessant. Wie hätte sich Spieler A, B oder C verhalten können/müssen, damit es nicht zur Torszene gekommen wäre. Dass dies nicht mit einer taktischen Analyse des Spiels zu tun hat, ist mir klar. Da ich weß, wie schwierig es für Schiedsrichter oftmals ist, in Sekundenbruchteilen eine Entscheidung zu treffen, finde ich auch die in besagter Sendung stattfindenden Aufschlüsselungen strittiger Szenen interessant. Das hat alles auch mit Fußball zu tun, hat aber wie erwähnt mit einer taktischen Analyse eines Fußballspiels relativ wenig bis gar nichts zu tun. Insofern ist der Titel der Sendung irreführend. Das kann man dann mMn auch berechtigterweise kritisieren. Es wird vielleicht ein Anspruch erhoben, den man nicht erfüllt bzw. gar nicht erfüllen kann. Da mich o.g. Aspekte aber wie gesagt interessieren, schaue ich mir die Sendung öfters an. Kommentare jenseits von gut und Böse nehme ich dabei inkauf bzw. ignoriere sie. Ist halt alles Geschmackssache, sagte bekanntlich der Affe, als er in die Seife biss… 😉

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J.Tee 13. Dezember 2016 um 09:16

Hallo.

Sorry, ich muss da leider einen kleinen Kritikpunkt anführen. Ich bin selbst ein grosser Fan von präziser Sprache, damit auch ein Fan von akkuraten Bezeichnungen (also wirklich, wäre ich ein Innenverteidiger, wollte ich mich da auch nicht als Vorstopper schimpfen lassen)

Die Kritik setzt da an, dass der Autor im 2. Teil des Artikels selbst diesen Weg der notwendigen Zwischentöne verlassen hat. Nicht jeder Verteidiger, der keine fixe Rolle hat, ist deswegen ein Libero. Es gab in der Geschichte den Stopper (der freie Verteidiger vorwiegend neben den Abwehrspielern wie Bobby Moore oder Baresi), den Ausputzer (der freie Verteidiger vorwiegend hinter den Abwehrspielern wie Scirea oder Bratseth) und den Libero (der freie Verteidiger vorwiegend vor den Abwehrspielern wie Beckenbauer oder Marius Tresor) .

Damit wird die Frage obsolet, ob „der LIbero“ zurück ist, denn dieser gehört definiert. Hasebe ist imA doch eher der ausgezeichnete Stopper.

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philippvwx 13. Dezember 2016 um 06:22

Ich schließe mich ein paar Leuten hier an, die grundsätzlich nichts gegen die Komplexität eurer Texte haben, aber manche Schlampereien nicht so toll finden. Je schwerer die Sache, desto mehr muss ich beim Schreiben darauf achten, kein Wort zu viel zu verwenden, habe ich als Philosoph gelernt. Und, ganz wichtig, ihr könntet ein Lektorat gebrauchen. Manchmal ist der Satzbau so verkackt, dass es scheint, als hätte niemand gegengelesen. So etwas kann man auch ohne teure Profi-Lösungen machen.

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TE 13. Dezember 2016 um 12:01

Das ist aber ein anderes Thema, als ich es oben in der Kolumne aufwerfe. Fachbegriffe sind das eine. Ein guter Stil das andere. Hier ist aber niemand ausgebildeter Journalist, die meisten wollen es auch gar nicht sein. Der Stil ist für die meisten Autoren eher zweitrangig. Das kann man gut oder doof finden. Ich finde es auch manchmal nicht gut, aber am Ende des Tages bin ich froh, dass die Autoren hier überhaupt Analysen schreiben. Niemand erhält dafür Geld. Die Werbung reicht gerade einmal, um die monatlichen Ausgaben zu decken. Lektoren anzustellen klingt auf dem Papier gut, aber wie soll das in der Praxis funktionieren? Die Lektoren müssen sich nicht nur richtig gut mit dem Thema auskennen, sie müssen auch noch ohne Lohn und zu völlig wahnwitzigen Arbeitszeiten korrigieren.

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sid 13. Dezember 2016 um 15:40

Naja ganz so kompliziert ist es dann ja auch wieder nicht, mal einen Aufsatz gegen zu lesen, wobei es vornehmlich um Satzbau und Vereinfachung geht. Mit Journalismus hat das nicht viel zu tun, bzw. ist das nicht das Massgebende beim Journalismus, zu erkennen, wann ein Satz „verkompliziert“ wurde.

Statt dem inflationären Gebrauch von Kommata und Gedankenstrichen, einfach mal einen Satz in mehrere Sätze unterteilen.

Die Arbeitszeiten, sind da auch kein Argument, denn auf den halben Tag kommt es dann auch nicht mehr an.

Nicht das ich mich hier nur auskotzen will, aber wenn man die Diskussion führt, dann bitte ernsthaft.

Ich stimme absolut zu, dass die Autoren hier für lau arbeiten und sicher andere Projekte am laufen haben, die mehr bringen. Darüber kann sich auch keiner beschweren, denn es ist ein kostenloses Angebot.

Einem gewissen Anspruch an Sprach- und Schreibstil steht das aber nicht im Wege.

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Peda 13. Dezember 2016 um 18:32

Ich bin da auch bei sid.

Ich denke, dass das eine Arbeit nach dem Pareto-Prinzip für euch wäre: Artikel vom SV-Kollegen durchlesen lassen, Dinge, die ihm auffallen, ausbessern – zack, feddich.

Beim Kalendertürl NED-BRA sind veränderte Formulierungen oft unzureichend ausgebessert worden.
Das fällt jedem beim ersten Durchlesen auf (außer dem Autor selber, ich kenn das). Eigentlich keine große Sache, aber in der Summe (gerdae bei der Länge) doch störend.

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philippvwx 13. Dezember 2016 um 18:04

Ich glaube nicht, dass Fachbegriffe und Stil so wenig miteinander zu tun haben. Fachbegriffe fallen vor allem dann negativ auf, wenn etwas am Stil nicht stimmt, wenn der Text insgesamt unnötig kompliziert ist etc. Was das Lektorat betrifft, können wir es gern mal ausprobieren — ich arbeite auch schon mal umsonst, wenn ich woanders gerade viel Geld verdiene, und das sogar zu unmöglichen Zeiten. Meldet euch einfach, die E-Mail-Adresse habt ihr ja jetzt im System.

Antworten

Michi 13. Dezember 2016 um 20:22

Hallo erst mal. Ich finde es schon sehr lustig, dass die Sprachdiskussion auf sv.de mit einer gewissen Regelmäßigkeit aufkommt. Ich lese die Seite regelmäßig und bestimmt schon seit über 5 Jahren. Vielleicht ein bisschen weniger. Dies ist die dritte Diskussion um die Sprache, an die ich mich erinnere. Ich habe aber nicht zu jeder was geschrieben. Noch viel lustiger ist, dass dies die erste Diskussion (hier auf sv.de) ist, die die Autoren selbst angefangen haben.

Der Vorwurf des komplizierten Stils war bisher Teil jeder Diskussion. Dabei sind verschiedene, aber immer die gleichen Aspekte kritisiert worden: Satzbau, Syntax, Substantivierung der Verben usw. Damals wie heute ist der Vorwurf unbegründet, weil die Autoren auf sv.de keine Pflicht zum sauberen Stil trifft. Denn sie sind ja keine Profis und verdienen nicht damit ihr täglich Brot.

Ich selbst weiß nur zu gut, wie schwer gute Sprache ist. In meiner Ausbildung (ich bin Rechtsanwalt) verlangten die Korrektoren früher, dass auch komplizierte Sachverhalte einfach dargestellt werden. Und zwar so, „als ob Du es Deiner Großmutter erklären würdest“. So war eine der wichtigsten Regeln: Nur ein Nebensatz pro Satz. Das ist zwar übertrieben (oder auch nicht, hängt von der Oma ab) und nicht durchgehend realisierbar, im Grundsatz aber hilfreich und ergebnisorientiert. Nun hat nicht jeder sv.de-Autor notwendigerweise so viel mit der deutschen Sprache zu tun wie ein Anwalt oder ein Germanist. Um so mehr begeistert mich die Entwicklung, die diese Seite in den letzten Jahren gemacht hat: Der Stil ist wirklich sehr sehr sehr viel besser geworden!!! DANKE!!! Der damals schon unberechtigte Vorwurf ist aus meiner Sicht nunmehr haltlos geworden.

Die Fachbegriffe als Bestandteil der Sprachdiskussion sind dagegen neu. Aber ist eine FACHdiskussion ohne die FACHbegriffe möglich?

Weiter so und vielen Dank!

P.S. Bitte macht ein größeres Kommentarfeld, die Höhe von zwei Zeilen ist wirklich unangenehm.

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Koom 14. Dezember 2016 um 11:37

Das Kommentarfeld kannst du dir größer ziehen, wenn du rechts unten auf diesen Punktehaufen klickst und eben ziehst. Zumindest sollte das in den meisten Browsern so gehen. 🙂

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HUKL 15. Dezember 2016 um 20:01

Bevor man einige Kapitel in der „Spielverlagerung“ zu verschiedenen Themen liest, wäre es schon günstig, eine ordentliche Sprachausbildung hinter sich gebracht zu haben! Vieles ist interessant, doch teilweise einfach auch zu lang und kompliziert geschrieben.

Nicht zum ersten Male erwähne ich auch nochmals an dieser Stelle, dass viele heute als modern bezeichnete Begriffe bereits schon auch vor einigen Jahrzehnten verwandt und dazwischen wieder etwas vergessen wurden. Wenn heute z.B. plötzlich vom „Spiel gegen den Ball“ die Rede ist, könnte man es auch ganz einfach mit „Abwehrverhalten“ erklären, stimmt`s?

Was mich maßlos ärgert, ist die immer wieder genannte „Sechs “ oder „Doppelsechs“! Wer hat schon einmal etwas von einer „Fünf“ gehört, die genau so ihre Daseinsberechtigung hätte, weil die Position genau so von einem anderen Spieler ausgeführt wird, allerdings nur auf der anderen (rechten) Seite! Alle schreiben oder reden es einfach nach!

Natürlich gibt es situationsbedingt auch noch den Libero, der sich automatisch bei häufigen Angriffen des jeweiligen Gegners, der z.B. kurz vor dem Spielende vehement noch den Rückstand aufholen möchte, herauskristallisiert. Und „Spielermaterial“ ist übrigens auch kein falsch zu verstehendes Fremdwort, weil man damit, wie eben bei verschiedenen Materialien, auf die unterschiedlichen Spielertypen hinweisen möchte, mehr nicht.

Was dagegen an dieser Stelle leider nicht behandelt wird, ist das wilde „Ausleihen“, das ich persönlich fast als „Menschenhandel“ bezeichne! Auch der Unsinn mit den oftmals bedeutungslosen „Langzeitverträgen“, mit denen sich besonders reiche Vereine (zuletzt bei Lewandowski) brüsten, gilt doch in erster Linie nicht zum Schutz des jeweiligen Vertragspartners in der unnormal langen Laufzeit, sondern dieser wird als Lockmittel für andere hochkarätige und interessierte Käufer eingesetzt, um damit maximales Geld herauszuholen. Wer von den Lesern glaubt denn wirklich, dass die Begünstigten in fünf bis sechs Jahren noch in der ersten Mannschaft spielen werden, ich lache mich darüber einfach fast kaputt. …. Wer da aber dabei schon viel eher nicht mehr gebraucht wird und dazu noch sehr clever ist, kann ohne Höchstleistung schönes Geld verdienen (Schweinsteiger, Wiese)! Ein gutes Beispiel ist dagegen die Einstellung des Teams mit dem Stern bei der Formel 1. Hier gibt es nur kurzzeitige Verträge, bei denen sich alle beteiligte Parteien sowie die Gegnerschaft bemühen oder entscheiden können, ob die Fortsetzungen der Zusammenarbeit oder eine Bewerbung Sinn macht!

Das sind interessante Themen, die allerdings mit den vielseitigen Spielsystemen nicht mehr ganz soviel zu tun haben, aber zu erwähnen wären!

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tobit 15. Dezember 2016 um 22:25

Also ich habe vor ca. 2,5-3 Jahren einfach angefangen die Artikel zu lesen und mir besonders am Anfang die Bilder sehr genau angeguckt, da kamen dann die sprachlichen Dinge nach und nach – vieles fand ich aber bereits von Anfang an logisch.

Sprache verändert sich mit der Zeit – auch im Fussball. „Spiel gegen den Ball“ und „Abwehrverhalten“ sind für mich auch nicht dasselbe. „Spiel gegen den Ball“ ist für mich alles, was ein Team tut, wenn es nicht den Ball hat. „Abwehrverhalten“ ist für mich nur das geordnete Verteidigen (meist am/im Strafraum) und wie sich einzelne Spieler dabei genau verhalten.

Du und deine Fünf ????

Natürlich wird sich in bestimmten Situationen jemand wie ein Libero verhalten, nur sieht man diese Spielweise normalerweise nicht über 90min, sondern in Schlussphase, wenn ein IV als zusätzlicher Flankenabnehmer näher an den Strafraum soll. Meist rückt dann sogar jemand anderes als Absicherung zurück, was das ganze wieder infach nur zum Positionslicht macht.

Warum alle immer eine ganzheitliche Berichterstattung inklusive Meinungsbildung (bzw. -Mache) haben wollen, werde ich wohl nie verstehen. Dafür gibts doch genauso Fachleute – der schreiben halt eher nichts über Taktik.
Bei der Vertragsgestaltung sind doch F1 und Fussball null vergleichbar. Während die F1 22 Arbeitsplätze bietet, hat allein eine Mannschaft im Fussball meist 24-30 Plätze zu bieten. Das bedeutet in den Big4 gibt es ca. 2200 Arbeitsplätze für Profis auf höchstem Niveau. Nimmt man nur CL-Clubs hat man immer noch fast 800 Plätze zu besetzen.


Todti 13. Dezember 2016 um 00:18

„Wenn ich über etwas genau diskutieren will, muss ich es auch genau benennen. Man kann sich herrlich darüber streiten, ob der „Durchschnittsfan“ (wer auch immer dieser Kerl ist) wissen muss, was der Unterschied zwischen einem box-to-box-Mittelfeldspieler, einem spielmachendem Sechser und einem Verbindungsachter ist.“

Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber ich habe diese Seite nie als auf den Durchschnittsfan ausgerichtet betrachtet. Insofern, wie TE selbst schreibt, ist die komplexere Sprache bei Spielverlagerung wenig überraschend. Gleichzeitig wird aber auch niemand (bewusst) durch die gehobenere Sprache ausgegrenzt, denn gerade im Kommentarbereich wird dem „Durchschnittsfan“ bei Nachfragen doch sehr schnell und einfach weitergeholfen. Wem diese Seite nicht gefällt, der soll sie einfach nicht lesen – es gibt genug, die sie so lieben, wie sie ist. (Und ja, mir ist auch bewusst, dass es Leute gibt, denen die bloße Existenz einer solchen Seite bzw. die Beschäftigung mit dem Fußball – und das gilt sicherlich nicht nur für den Fußball – auf einem höheren Level nicht gefällt, aber von solchen Leuten sollte man sich nicht die Laune verderben lassen.)

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Gh 13. Dezember 2016 um 09:19

ich möchte jetzt nicht provozieren: aber über den nerdigen oder eigentlich taktischen inhalt der artikel hier wird doch so gut wie nie diskutiert. und, ähem, das wird auch schwierig angesichts des arsenals von „genauen benennungen“, über die die artikelschreiber hier weitestgehende definitionshoheit genießen. in wenigen zügen können sie sich immer auf „du benutzt den begriff falsch“ zurückziehen oder zur not „im grunde sagen wir das gleiche nur mit anderen worten“ mit einem gutväterlichen remis abschließen. ich bin mir sicher, dass das vokabular innerhalb der sv die diskussionen befruchtet, nach außen bleibt doch meist nur: „so weit ich sie verstanden habe großartige analyse, zu der ich nur beitragen kann, dass die pausenwurst im mittelteil nicht durchgegart war.“

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Schorsch 12. Dezember 2016 um 21:47

Wie auch immer. Auf diese Weise konnte ich hier etwas die Rolle Hasebes bei der SGE in dieser Saison lesen. Ich hatte auf Hasebes neue Aufgabe irgendwann kurz hingewiesen. Sie mag logisch erscheinen, aber man muss dennoch erst einmal darauf kommen, ihn entsprechend einzusetzen. Den Artikel von MR in der Ruhr Nachrichten kannte ich bereits , hatte auch darauf hingewiesen. Übrigens ein schönes Beispiel, wie man Taktik-Sachverhalte verständlich, vielleicht etwas vereinfacht und verkürzt, aber dennoch anspruchsvoll einem breiten fußballinteressierten Publikum nahebringen kann. MR schreibt ja öfters in der RN, wie auch andere sv.de -Autoren in diversen Medien entsprechend aktiv sind. Das ist zum einen sicherlich für den Lebensunterhalt wichtig, andererseits zeigt es aber auch, dass das Niveau der Medien, die sich an ein breites Publikum wenden, so schlecht wiederum nicht ist. Der Kicker war vor langer, langer Zeit eine durchaus ernstzunehmende Fußballzeitschrift. TE hat sich für sein Buch ja durch etliche alte Exemplare gearbeitet und durchaus wichtige Informationen erhalten (wenn ich ihn richtig verstanden habe). Wenn man beim Kicker klug wäre, würde man sich der Fähigkeiten der sv.de-Autoren bedienen.

Wobei ich es gut finde, wenn man auch einmal sich selbst auf den Arm nehmen kann. Trägt deutlich zur Entspannung bei.

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August Bebel 13. Dezember 2016 um 18:31

Ich weiß ja nicht, ob das Zufall ist oder ob das schon vorher vorkam, aber prompt nennt der Kicker Hasebe einen Libero: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/666743/artikel_chandlers-ausfall-reisst-ein-loch.html

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Schorsch 14. Dezember 2016 um 13:23

Ich kann mich erinnern, dass vor einigen Monaten Sven Bender vom BVB auch als ‚Libero‘ bezeichnet wurde. Es ging um seine Rolle in der 5er-Kette, in der er die Position des zentralen IV besetzte. Natürlich bot sich bei S. Bender ein Wortspiel an. Sein Spitzname lautet ‚Manni‘, nach dem früheren Spieler Manfred (‚Manni‘) Bender. Und da es eine Fernsehserie gab (ZDF, 80er Jahre?, mit Thomas Ohrner in der Titelrolle) mit dem schönen Titel ‚Manni, der Libero‘ passte das alles natürlich wie die Faust aufs Auge.
Aber Bender wurde nicht nur im Mannschaftskreis, sondern auch in einem Artikel hier auf sv.de als ‚Libero‘ bezeichnet. Ich weiß nicht mehr, welcher der sv,de-Autoren diese Analyse verfasst hat. Aber ich bin ziemlich sicher, dass dies im entsprechenden Kommentarbereich u.a. von mir thematisiert wurde. Der Begriff wurde also bereits vor der aktuellen ‚Hasebe-Diskussion‘ hier (wieder) verwendet, und wahrscheinlich auch anderswo.

Insofern würde ich nicht unbedingt einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Analyse hier und dem Artikel des ‚Kicker‘ vermuten wollen, auszuschließen ist das aber sicherlich nicht. Auch wer sich über sv.de mokiert oder amüsiert (ersteres fände ich schofel, letzteres völlig in Ordnung) muss also hier schon einmal mitgelesen haben. 😉 Wenn ich ‚Kicker‘-Autor wäre, dann würde ich es bestimmt tun… 😉

In dem verlinkten Artikel geht es ja um die mögliche Aufstellung der Eintracht im nächsten Spiel, insbesondere um einem Ersatz für Chandler auf der RAV-Position. Hasebe wird da wie selbstverständlcih als ‚Libero‘ bezeichnet, ohne das dies irgendwie begründet wird. Das ist zwar sicherlich nicht die Zielrichtung dieses Artikels, aber interessant ist das schon. Könnte sich aber auch daraus erklären, dass Hasebe eben doch etwas mehr als ’nur‘ ein ‚Ausputzer‘ bei der SGE ist. Er ist schon auch wichtig für Spieleröffnung und Spielaufbau. Mal aufpassen, ob sich die Bezeichnung ‚Libero‘ demnächst öfters wiederfindet…

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Koom 14. Dezember 2016 um 14:39

Libero wäre ja nur die Zusammenfassung für „situative Freirolle“. Und an sich passt das heutzutage ja ganz gut. Wir haben ja spätestens in dieser Saison den Fall, das starre Systeme immer seltener existieren. Lupenreines 4-4-2 oder 4-2-3-1 spielt ja kaum einer und die diversen 5-x-x-Varianten sind ja relativ flexibel.

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Patrick E. 12. Dezember 2016 um 20:20

Selbst wenn ich nicht alles nachvollziehen kann oder selber nicht sehe, lese ich jeden BVB Artikel hier und viele andere Artikel auch.

Was ist die Alternative? Kicker? Sportal? Nicht nur das deren Texte mitlerweile zu 90% von DPA sind, sind sie meistens auch total schlecht geschrieben. Ich bin nur Informatiker und ärgere mich oftmals über meine schlechten Texte, wenn ich mal was schreiben muss. Aber das Niveau einiger Texte auf besagten Sportportalen ist wirklich unglaublich schlecht. Es fühlt sich an als hätte das der Praktikant ohne noch einmal durchzulesen direkt abgeschickt.

Was hier zu lesen ist, ist evtl. auch nicht unbedingt für den Literatur Nobelpreis. Aber es ist die beste Fußballseite die ich kenne…

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Arla 12. Dezember 2016 um 20:14

Nach etlichen Monaten, in denen ich hier immer wieder vorbei geschaut habe, habe ich jetzt das dringende Bedürfnis, mich mal zu melden. Ich bin sehr glücklich, dass es eure Seite gibt. Ich bin froh über eure Perspektive auf das Spiel. Aber tatsächlich sind eure Beiträge teils sehr anstrengend zu lesen, und zwar nicht, da schließe ich mich einem meiner Vorredner an, weil die einschlägigen Begriffe zu schwierig sind, sondern weil ihr tatsächlich teilweise eher ein Beamtendeutsch schreibt… oder im Stil schlechter Hausarbeiten. Sicher spielt dabei auch eine große Rolle, dass ihr oft versucht, komplexe Bewegungszusammenhänge innerhalb ziemlich kurzer Zeit möglichst präzise zu beschreiben. Ich weiß nicht, wie viel Zeit ihr euch zur Überarbeitung lasst, wahrscheinlich seid ihr meist froh, wenn die Sache an sich korrekt ausgedrückt ist. Aber es wäre ganz fantastisch! und würde euch sicher auch noch mehr Leser bescheren, wenn ihr die Substantivierungen im Übermaß vermeiden würdet, Bezüge immer eindeutig (auch beim ersten Lesen) wären und wenn die Artikel noch etwas besser strukturiert wären. Bei letzterem helfen (ja, da nehme ich mir jetzt selbst die Oberlehrerstimme heraus) klare Konjunktionen. Sätze dürfen auch gerne einmal etwas kürzer sein. Das wären halt die Sachen, die ich mir selbst wünschen würde… Ansonsten bitte nicht mehr simplifizieren, euer Ansatz ist wirklich große Klasse, vielen Dank für die Analysen!

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rum 12. Dezember 2016 um 20:06

Wie findet ihr eigentlich den Begriff „Spielermaterial“?
Bei den anderen Fachtermini habe ich immer großen Spaß daran langsam herauszulernen, was damit gemeint ist, allein beim Begriff „Spielermaterial“, der will mit nicht gefallen. Material hole ich aus dem Baumarkt. Der Begriff soll wohl auf die besonderen Eigenschaften der Spieler in einer Mannschaft fokussieren und darauf, dass diese kombiniert werden können. Aber nur weil Spieler kombinierbar sind werden sie ja nicht zum Material?! Vielleicht einfach „Spieler“? Oder „Kader“? Oder so?

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Benji 13. Dezember 2016 um 12:51

‚Spielermaterial‘ fand ich immer schon nazihaft. Diese Menschen sind eben kein Material, sondern Menschen, also selbst denkende und fehlende Subjekte! Wäre mal interessant, mehr über die Geschichte dieses Wortes herauszufinden.

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idioteque 13. Dezember 2016 um 14:25

„Nazihaft“ finde ich etwas übertrieben. Ich sehe schon das Problem mit dem Begriff, aber bei Benutzung des Begriffs sollen Spieler zumindest meines Empfindens nach nicht auf ihre spielerischen Fähigkeiten reduziert werden, sondern darauf hingewiesen werden, dass nur dieser Aspekt betrachtet wird. Ich finde den Begriff insofern nicht viel problematischer als z.B. „Arbeitskraft“. Auch wenn der Begriff „Material“ irgendwie falsch klingt.

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Chris 13. Dezember 2016 um 17:41

Ich vermute, das „Material“ bezieht sich eher auf die ökonomische Ressource: Also ein Produktionsfaktor, der Geld kostet und Umsatz bringt. „Nazihaft“ ist das nicht, außer wir diskutieren Kapitalismus so kritisch, wie es in den 60er und 70er Jahren getan wurde. Es ist ja nicht verkehrt, Spieler unter bertriebswirtschaftlichen Aspekten zu behandeln, aben wie Angestellt eines Unternehmens (die zuständige Abteilung heisst nicht zufällig „Human Ressources“, und nicht z. B. „Human Affairs“ oder so). Aber natürlich prägt dieser Begriff auch unsere Perspektive auf die Menschen, von denen da geredet wird. Ich vermute ein wenig, R. Lewandowski ist das wurscht.

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rum 14. Dezember 2016 um 23:59

Ja stimmt bei R. Lewandowski passt die Schwingung des Wortes „Material“ irgendwie zu seiner Ausstrahlung.
Wobei ich auch in Unternehmen „Wir haben tolle vielseitig einsetzbare Buchhalter“ vor „Wir haben tolles vielseitig einsetzbares Buchhaltermaterial“ vorziehen würde.

Bei U

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Chris 15. Dezember 2016 um 09:23

Word.

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SMR 12. Dezember 2016 um 18:41

Zur Sprache:
Es hängt, wie unten schon erwähnt, auch am Adressaten.
Davon abgesehen findet man hier, speziell auch in dieser Kolumne, inhaltliche Formulierungen, die man exzellent nachvollziehen kann. Auch als Laie bzw Gelegenheitsleser. Großes Lob dafür an den Autor TE!!!!!

Nochmal zum Adressaten, ein Beispiel aus einem anderen Bereich: Wenn ich als Lehrer in Physik mit Fünftklässlern rede, verwende ich auch eine andere Sprache als im Dialog mit Leistungskursschülern in der Oberstufe. Auch wenn es inhaltlich um dieselben Themen geht. Wie mein Lehrer damals im LK schon sagte: „Nur weil da Licht zu sehen ist, heißt das nicht, dass Licht der richtige Ausdruck dafür ist.“ 😉

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Spinoza 12. Dezember 2016 um 18:00

Wie absurd es ist, eine Kritik sprachlicher Ausdrucksformen vom Kicker zu erhalten, der zum großen Teil dafür verantwortlich ist, dass sowohl sprachlich als auch fachlich der deutsche Fußballjournalismus ein einziger Witz ist: Männer(!), die so tun, als ob die Geschichte des Fußballs spätestens mit den 90igern in konfuzianischen Kreisen verläuft, die man am besten noch mit den alten markigen Sprüchen aus den 70igern – als der Fußball noch „echt“ war – zu beschreiben meint.
Kein größeres Lob kann ausgesprochen werden als die (auch wirklich unzutreffende) Kritik von Leuten, die sich auf ihrer Autorität meinten ausruhen zu können und jetzt merken, wie sie bröckelt.
An die gesamte Redaktion:
Segui il tuo corso e lascia dir le genti!

Antworten

Jochen 12. Dezember 2016 um 17:52

Wollte nur einmal kurz anmerken, dass ich ohne Spielverlagerung überhaupt kein Fußball mehr schauen würde. Der Kicker und Konsorten haben für mich, auch wenn das evtl. irgendie elitär oder gar herablassend klingen mag, ein zu niedriges Niveau. Mich langweilen eben Zeilen wie „der Trainer erreicht die Mannschaft nicht mehr“ – und es interessiert mich auch nicht. Ich würde gerne für Spieltagsanalysen meines Teams (BVB) Geld bezahlen wenn sie so gehaltvoll sind wie hier zu meist. Und ich finde es übrigens schade, dass man es nicht wenigstens mal versucht. Viele SV-Mitglieder schreiben jetzt für die normalen Medien und müssen dort die Masse bedienen. Deren wirkliche Qualität bleibt dadurch auf der Strecke. Ich vermisse die Zeit, in der ich fast jede Woche irgendwo etwas taktisch-analytisches zum BVB lesen konnte. Heute passiert das alle 1-2 Monate. Und ich interessiere mich wieder weniger für Fußball.

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Beobachter 15. Dezember 2016 um 20:29

Das ist ja das Kuriose: SV.de wird als komliziertes und dabei an der Sache vorbeigehendes Geschwätz diffamiert, dabei hauen Lußem und Co eine Platitüde nach der anderen raus. Da ist mir auch nie klar, inwiefern das was mit der Realität zu tun haben soll…

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Chris 12. Dezember 2016 um 16:16

Ich musste gestern abend in der Tat an den Libero denken, als Geis kurz vor Schluss vom Platz hechelte. Weniger aus positionstechnischen Gründen, sondern als Organisationskraft im Defensivzentrum.
Und „Fussball und Sprache“: Ich gebe es offen zu, es ist bestimmt peinlich: Ich verstehe nicht die Unterschiede zwischen „Konter und Umschaltspiel“ und „Pressing und Gegenpressing“. Und habe daher immer die nach sprachlichen Modernismen geile Boulevardpresse in Verdacht gehabt, die für den alten Wein und so. Vielleicht liege ich falsch.

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@ngungonvn 12. Dezember 2016 um 16:08

Das passt ja exakt zu dem jüngsten Interview in Dieter Hecking in der Süddeutschen Zeitung (Samstags-Ausgabe), in der er sagte, wenn er sich anschließend die Analysen des Wolfsburger Spiels auf gewissen Taktik-Blogs durchgelesen habe, war seine Reaktion: „Solche hochkomplexen Dinge soll ich mir dabei gedacht haben?“

Mein knapper Kommentar auf Twitter war da bereits: „Man kann auch hochkomplexe Dinge unterbewusst machen.“ Mein Vergleich waren Textanalysen und Interpretationen. Denen wird ja auch gerne mal vorgeworfen, dass „der Autor sich das alles niemals so gedacht habe“. Nein, hat er möglicherweise nicht. Aber trotzdem sagt sein Text möglicherweise genau all das aus. Textinterpretationen sind nicht unsinnig, nur weil sie komplizierter sind, als die Gedanken des Autors. Im Gegenteil. Manchmal braucht man etwas Akribie und ein wenig tiefschürfende Analyse, um Dinge wirklich zu erkennen und wirklich zu beweisen. Will, auf den Fußball bezogen, heißen: Mag sein, dass viele Spieler und so manche Trainer die Taktik-Analysen gar nicht brauchen, weil sie „aus dem Bauch heraus“ das richtige tun. Diesem Bauchgefühl aber liegt, wenn es ein erfolgreiches Bauchgefühl ist, etwas zugrunde. Und das kann sich durchaus lohnen zu entschlüsseln. Und entschlüsseln geht eben nicht mit „Aja, das hat er halt so gemacht.“

Insofern ist die Kritik an der Analyse wohlfeil und letztlich kleingeistig.

Das alles bedeutet natürlich wiederum nicht, dass sich manche Sachverhalte, auch hier auf Spielverlagerung, vermutlich einfacher ausdrücken ließen. Das ist das Problem jeder Nische: Sie entwickelt ein eigenes Vokabular, kennt sich dann in diesem Vokabular auch hervorragend aus, lässt aber jene, die nicht an der Mitentwicklung Teil hatten, ratlos und verständnislos zurück. Und vergaloppiert sich dann manches Mal darin, dass man die treffend benannten Sachverhalte nicht in der Tat auch einfacher, simpler und alltagstauglicher ausdrücken kann. Für einen Intralogistik-Spezialisten gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen einem Gabelstapler und einem Flurförderzeug. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass man in den meisten Fällen trotzdem vom Gabelstapler sprechen könnte, ohne dass der entscheidende Sinn verloren geht.

Das sprachliche Problem bei Spielverlagerung liegt meiner Beobachtung nach eher in einem zu stark von „Adjektiv + Substantivierung“ geprägten Schreibstil. Im obigen Artikel zum Beispiel das „mannorientierte Zugriffsverhalten“. Der Satz ließe sich einfacher lesen, wenn der Begriff in ein aktives Verb aufgedröselt würde.

Da kommt dann also einiges zusammen: Der Nischen-Nerd-Slang gepaart mit teilweise kauzigen Formulierungen wird zum leichten Angriffsziel für jene, der der Meinung sind, Taktik-Analyse ist eh Müll, und die Leute sollen rausgehen und Fußball spielen. Und Opernkritiker sollen gefälligst einfach selbst singen, anstatt geschwurbelte Dinge über Musik zu sagen, Restauranttester sollen aufhören von Geschmacksnuancen zu sprechen und Literaturwissenschaftler gehören sowieso abgeschafft, weil ein Text zur Seele spricht, und nicht zerlegt werden darf.

Und bei all dem verkennen die Kritiker den Sinn und Zweck von Analyse.

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Koom 12. Dezember 2016 um 17:03

> Und bei all dem verkennen die Kritiker den Sinn und Zweck von Analyse.

Genau das. Mir fiel da die Diskussion ein, warum Schweinsteiger und Alonso zusammen nicht so gut funktionieren. Landläufig bzw. der Fußballjournalismus von vor 10 Jahren sagt da einfach „passen nicht zusammen“. Und gut ists. Aber das hat ja Gründe und Ursachen. Und dafür gibt es Analysen und aufgrund deren kann man vielleicht auch das Problem lösen (und sei es, in dem man einen der beiden abgibt).
Oder vor kurzem hatten wir hier die individuell wunderbare englische Mannschaft mit Gerrard, Lampard und Scholes im Mittelfeld. Das ist _eigentlich_ richtig lecker, aber es funktionierte nicht auf dem Platz. Damals ohne Angaben von Gründen.

Als 05-Fan, der in den letzten Jahren (bzw. Jahrzenten) mit taktisch interessanten Trainern ja wirklich gut versorgt wurde, war das immer spannend. Auch wenn man mal verlor, konnte man immer durchaus sehen, wie viel richtig gemacht wurde und es schlichtweg mal an individueller Klasse mangelte (und jetzt aktuell mit Martin Schmidt es sich gerade anders herum verhält).

Analyse muss präzise sein. Dazu braucht es klar definierte Fachbegriffe, die man notfalls auch erfinden muss, um etwas zu beschreiben. Ein Trainer braucht sich nicht zwingend dessen zu bedienen, aber er muss die Aussagen dahinter verstehen, um das, was bei ihm vielleicht ein Bauchgefühl ist, in Worte zu fassen. Das ist wie beim Arzt: Sicherlich kann der einfach konstatieren: „Aua im Bauch. Nehmen Sie dies.“ Aber falls das eben nicht weggeht, ist es wichtig, dass er den Schmerz exakter lokalisiert und beschreiben kann (stechend, dumpf, klopfend, wehenartig). Es hilft auch, wenn der Patient dies versteht und diese Begriffe anwenden kann.

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Beobachter 15. Dezember 2016 um 20:24

Danke für die Kommentare. Ich habe den Eindruck, dass bei Lußem und Co ein Minderwertigkeitskomplex grassiert, in Kombination mit einem guten Schuss Nostalgie – ich verstehe es nicht und früher gab es das nicht=kann nix taugen. Das erklärt dann auch die Qualität des Kickers.

Ich meine Lußems Definition von gutem Fußball („Der Fußball war immer dann gut, egal wie schnell und athletisch, wenn mindestens eine Mannschaft auf dem Rasen in der Lage war, mehr Lösungen zu finden als die andere. Wenn sie vor Probleme gestellt wurde, diese sofort analysieren konnte und dann richtig reagiert. Das war für mich immer ein Indikator für guten Fußball. „) ist etwas elaborierter als der gemeine Stammtisch, aber eben nur knapp. Ebenso die Heckinggeschichte: vor so viel (wenig) Horizont graust es einem…

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Edo 12. Dezember 2016 um 16:08

Natürlich ist der „Slang“ nicht nur eine Fachsprache im Sinne einer „zur Klärung des Sachverhalts notwendigen Sprache“. Sondern das „Draufhaben“ des Slangs ist auch ein Ausweis des Dazugehörens. So wie bei Luhmanniern oder Habermassisten.

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Koom 12. Dezember 2016 um 16:08

Wunderbarer Artikel. Der Artikel von Frank Lußem fiel mir damals auch schon sehr auf. Letztlich muss man sowas immer als Kompliment sehen, wenn etablierte Zeitschriften einen erwähnen, selbst wenn sie sich dabei eher drüber lustig machen oder kritisieren. Taktischer Griff in den Klo, aber man merkt eben, wie sehr das Gesäss sich dem Grundeis nähert, weil kostenlose Medien besseres Material liefern und damit Erfolg haben.

Der Punkt ist, dass der Kicker sich lange Zeit auch als FACHmagazin definierte, nachdem man nach und nach große Marktanteile an SportBILD & Co. abgeben musste, die deutlich den Boulevard bedienen und mit Gerüchten und Skandälchen als Content „unterhaltsamer“ sind. Dem folgt ja auch der kicker nach und nach und macht in vielen Artikeln immer mehr Stimmung, anstatt fachlich-analytisch zu bleiben. Die Qualität der Analysen ist seit Jahren eher schlecht im kicker – und das sag ich als Abonnent.

Zur Libero-Diskussion:
Danke dafür. An sich nur logisch, dass wir nach der (mindestens beginnenden) Abkehr von der Viererkette nun auf die nächsten Stücke aus der Historie treffen: Libero. Über den Flügelspieler als reinen Mittelfeldspieler sinnieren ja auch Tuchel und Guardiola bereits und nach und nach wird der (strukturell blödsinnige) Aussenverteidiger auch abgeschafft.
Ob der Libero nun wieder zurück ist – fraglich. Moderne Innenverteidiger agieren ja in vielerlei Hinsicht bereits liberoesk: Rücken weit raus, sichern mal tief ab, kümmern sich um den Spielaufbau mit langen und kurzen Pässen. Da fand ich den Begriff des „Halbverteidigers“ eigentlich schon ganz ok, letztlich sind es Innenverteidiger mit einem leicht anderen Skillset. „Libero“ würde ich dann erst einen nennen, wenn jener wirklich mehr oder weniger über den ganzen Platz verteilt agiert, also auch mal phasenweise als Stürmer vorne präsent ist, oder im Zehnerraum bleibt oder sich hinter die Abwehr fallen lässt, dass ganze nicht nur szenenweise, sondern eher phasenweise, also für eine bestimmte Zeit.

Aus meiner Sicht ist das ein bisserl wie mit Ribery und Robben. Beide nominell die gleiche Rolle und Position (nur spiegelverkehrt). Wo Robben IMO aber deutlich mehr wie ein Stürmer agiert (großer Zug zum Tor), agiert Ribery mehr spielmachend, einleitend. Beides sind inverse Flügelstürmer, aber ihr jeweiliges Skillset und ihre Herangehensweise an ihre Aufgaben sind unterschiedlich.

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Peda 12. Dezember 2016 um 15:47

Wie immer herrlich zu lesen.

Und wieder einmal muss ich mich darüber wundern, dass die Debatte über die scheinbar verkomplizierende Sprache in Taktikanalysen immer noch nicht beendet ist. Dazu wurde eigentlich bereits alles gesagt.
Fußball ist als Spiel sehr einfach, wird dadurch aber sehr komplex. Dieser Komplexität wird durch verkürzte Darstellungen ganz einfach nicht ausreichend Rechnung getragen.

PS: es hat mich einen Lacher gekostet, dass unter deinem Artikel für „möglichst viele Menschen“ genau ein Kommentar steht (momentan zumindest), der sich über dein Geschwurbel aufregt. Feine Ironie! 😀

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Karsten Jahn 12. Dezember 2016 um 15:27

Die Libero Diskussion in allen Ehren, empfinde ich den ersten Teil dieses Artikels viel spannender und möchte dazu mal ein paar Sachen rauslassen, die mir schon lange auf dem Zahnfleisch brennen.

Der Vorwurf der Sprachverkomplizierung ist Akademikern ja allgemein bekannt. Wer mal versucht hat sich mit Studierenden über deren Abschlussarbeiten zu unterhalten wird vor ähnlichen Problemen stehen, wie Frankie Lußem sie offensichtlich hier durchlebt. Das ist auch überhaupt nicht schlimm, sondern sehr verständlich. Jeder Mensch durchdringt Themen auf eigene Art und Weise, hat andere Perspektiven und ein anderes Jargon.

Allerdings gibt Lußem hier den lauten Reaktionär, und das ist meiner Meinung nach zumindest mal traurig. Wir befinden uns seit einiger Zeit in einer Medien-Revolution. Während sich zunächst noch alle über Napster lustig machten und nicht reagierten krempelte dann Amazon den Buchmarkt um und jetzt gerade Netflix das Fernsehen. Dazu verliert die ganze schreibende Welt schon seit ein paar Jahren an Boden. Die Frage ist: Warum?

Ich glaube, dass ein Grund der Mainstream-Fokus ist. Alles geht immer nur auf das, was die Leute kaufen. Die Gauß’sche Glocke wird seid der Nachkriegszeit steiler und steiler. Die Konsumenten finden das blöd und nutzen Mittel um dem auszubrechen. Gerade stirbt das Fernsehen und den Sendern fällt nix besseres ein, als für HD Kanäle noch mehr Geld zu verlangen und eine Mediathek anzubieten, die technisch auf dem Stand von vor 10 Jahren hängt.

Der Kicker (hier mal als repräsentatives Beispiel gewählt) schlägt immer in die gleiche Kerbe. Seit Jahrzehnten. Fußballboulevard. Zwei Bayern Artikel am Tag, zwei über Darmstadt im Quartal. Was geschrieben wird, strotzt vor Plattitüden und bietet wenig Inhalt. Den bekommen die Konsumenten großteilig ja inzwischen eh direkt von den Spielern und Vereinen.

Die Medien verdummen die Menschen, indem sie ihnen stetig nur vorsetzen, was diese sehen wollen. Inhalte mit denen sich ein Konsument auseinandersetzen müsste werden vermieden, weil sich das kurzfristig(!) schlechter verkauft. Jetzt fällt einigen dieser Konsumenten das aber auf und sie finden es doof und versuchen auszubrechen. Das sind Menschen, die dann aufhören für „Journalismus“ Geld auszugeben und Mehrwert suchen. Dieser ist Vielfältig. Manche Menschen interessieren sich für die Fußballtaktik, manche für die Schiedsrichterei, manche für die Physiologie von Athleten und was noch alles.
Letztlich sind wir mitten in einer Demokratisierung und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Napster/Netflix/Wasauchimmer findet, ein passendes Geschäftsmodel drauf stülpt und dem Blätterwald den endgültigen Todesstoß verpasst. Das wissen Reaktionäre wie Lußem. Doch statt Brücken zu bauen und so die eigene Zukunft zu sichern, werden Mauern gebaut und das andere diskreditiert. Genauso hat die deutsche Automobilindustrie das Elektroauto lange klein gehalten. Dann kam Tesla, jetzt kämpfen sie ums Überleben.

Und darüber hinaus galt schon immer: Wer nicht versteht, womit sich andere quasi-akademisch auseinandersetzen, und es deshalb verteufelt merkt vielleicht unbewusst sogar, bereits selbst im Abseits zu stehen. Wenn wir das ganze noch im Zusammenhang der Digitalisierung unserer Gesellschaft sehen, merken wir, dass schließlich die eigene Machtposition auf dem Spiel steht. Da sind viele zu eitel für. So war’s in den Feminismus-Debatten auch immer.

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cheffe 12. Dezember 2016 um 18:48

Schon lange nicht mehr hat mir jemand so aus dem Herzen gesprochen. Danke dafür! Stimme Dir in allen Belangen zu.
Wie Koom oben lese ich auch regelmäßig den Kicker, und bei jeder Lektüre frage ich mich wieder, wieso ich mir das antue. Der Kommentar von Lußem, den TE im Text anspricht, hat mich damals komplett verblüfft, ich dachte mir nur, hoffentlich werden jetzt einige Kicker-Leser neugierig und schauen selber mal bei sv.de nach… das Krasseste beim „führenden deutschen Fachblatt“ ist ja, dass sich die Kommentare und Analysen seit 20 Jahren nicht verändert haben, wohl weil seit ebendieser Zeit dieselben alten Dackel den Daumen draufhaben. Ich denke da nur an Figuren wie Carlo Wild.
Jedenfalls bin ich allen Autoren von sv.de über die Maßen dankbar für die Berichterstattung auf vernünftigem und hohen Niveau. Und was die vermeintlich gestelzte Sprache betrifft, muss ich immer wieder schmunzeln, wenn mir eine besonders abenteuerliche „fluide Dreifach-Acht“ oder so entgegenleuchtet… das ist doch großartig und humorvoll, dabei aber sogar noch treffend und anschaulich!
Ja gut, mit dem Humor hat’s der Deutsche und der Kicker-Leser nicht so, da muss man nur die Leserbriefseiten studieren.
Nein, vielleicht sollte ich in Zukunft doch NUR NOCH Spielverlagerung lesen. Und ja, Ihr dürft gerne mehr über Nicht-Bayern-Spiele berichten, sage ich als Bayern-Fan. Seit Pep nicht mehr da ist. finde ich taktisch Tuchel oder Nagelsmann eh interessanter.

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cheffe 12. Dezember 2016 um 18:57

Danke Karsten, Du hast mir echt aus der Seele gesprochen.
Ich seh’s auch wie Koom und Spinoza oben, ich weiß schon länger nicht mehr genau, wieso ich mir die unsäglich grottige – grade auch sprachlich! – Berichterstattung des so-called „führenden deutschen Fachblatts“ antue. Beim Kommentar von Lußem damals, den TE erwähnt, bin ich fast an die Decke gesprungen, so reaktionär kam das. Aber wenn ich mir manchmal die Leserbriefseiten des Kicker gebe, wundert’s mich nicht mehr. Bei der Lektüre bin ich ebenso wie Du versucht, im großen Rundum-Blick am deutschen Wesen zu verzweifeln…
…Ich für meinen Teil bin dankbar für all die humorvollen, prachtvollen, dabei sogar oft genug pass-genauen Wortschöpfungen der Marke „fluide Dreifach-Acht“!

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TE 13. Dezember 2016 um 13:59

Ein langer Kommentar verdient eine lange Antwort – nur leider ertrinke ich kurz vor Weihnachten in Arbeit. Aber ein paar Gedanken dazu.

Dass die meisten großen Medienhäuser in Deutschland in allererster Linie den Mainstream anpeilen, sehe ich auch so. Das muss gar nicht schlecht sein und hat viele Jahre sehr gut funktioniert. Die klassische Tageszeitung deckt noch heute alle Themengebiete ab, kann dabei aber natürlich nicht überall ins Detail gehen. Eine breite Bildung war wichtiger als eine detaillierte Berichterstattung in einzelnen Themenfeldern. Es käme schlicht keine Tageszeitung je auf die Idee, eine 6000-Wörter-Taktikanalyse zu Bayern gegen Dortmund zu veröffentlichen. Wieso auch, das würde sowieso höchstens einen Bruchteil der Leser interessieren. Stattdessen: Möglichst viele Leser mit möglichst vielen Themen abholen.

Durch das Internet befinden wir uns aber mittlerweile in der Situation, dass jeder, der diese 6000-Wörter-Taktikanalyse lesen möchte, sie auch lesen kann. Ein Internet-Blog muss keine Zeitungsseite füllen, kennt keinen Abgabetermin und keine maximale Textlänge. Wer bloggen will, kann bloggen. Und das ist zunächst einmal eine äußerst positive Sache. Im Internet kann jeder sich intensiv mit Themen auseinandersetzen, für die er brennt. Das muss ja nicht unbedingt Fußballtaktik sein, es gibt auch großartige Seiten zur Stadtplanung, zu technischen Geräten etc. pp.

Ich bin allerdings nicht ganz so technik-optimistisch wie du. Der Wegfall der Medien als Gatekeeper führt nicht automatisch zu besseren Informationen. Die „breite Bildung“, die eine Tageszeitung anbietet, wird durch eine speziellere Bildung ersetzt, und dadurch geht einiges an Informationen verloren. Ich merke das auch an mir selber. Seit ich keine Tageszeitung mehr lese, fallen Themen wie Wirtschaft oder Lokales einfach aus meiner Welt heraus.

Schlimmer noch: Manches im Internet ist schlichtweg falsch. Das Thema „fake news“ und „Filterblasen“ ist ja derzeit in aller Munde. Da ich selbst in den USA einige Zeit studiert habe, habe ich bei Facebook noch den ein anderen amerikanischen Freund aus der Zeit. Was die teilweise auf Facebook an Artikeln oder „Weisheiten“ zur US-Wahl geteilt haben, macht einem Angst. (Nicht nur von rechter Seite übrigens, sondern durchaus auch von linker Seite.) Nicht jeder Ersatz für die „alten Medien“ ist auch ein guter Ersatz.

Nun befinden wir uns allerdings in einem Teufelskreis. Die klassischen Medien verlieren an Reichweite und damit auch an Einnahmen. Sie müssen irgendwie neue Einnahmen generieren – und versuchen daher auf verzweifelte Weise, ihre Reichweite wieder zu erhöhen. Klickbait und die Kommentarisierung der Berichterstattung ist die Folge. Affirmative statt gedankenanregende Beiträge.

Wie Bundesrichter Fischer so schön formulierte: Ergebnisoffene Abwägung aus Pro und Kontra waren noch nie der Hauptfokus des Journalismus‘. In Zeiten wie diesen wird dieser Aspekt erst recht an den Rand gedrängt. Genau das bräuchte es aber wohl, um Leute wie mich zu überzeugen, eine Sportzeitung oder überhaupt eine Zeitung zu kaufen. Ich möchte nicht in den „Lügenpresse“-Chor einstimmen, aber man muss manches Argument auf rein intellektueller Ebene verstehen. Wenn ich das Gefühl habe, dass sich eine Zeitung fachlich in dem Ressort nicht auskennt, für das ich mich interessiere – warum soll ich dann glauben, dass es in den anderen Ressorts besser zugeht? (Hier haben wir aber natürlich die Krux, dass die Leute durch das Internet an Quatsch glauben und dann Zeitungen vorwerfen, diesen Quatsch nicht zu glauben. Siehe das Thema Kriminalität und Zuwanderung.)

Natürlich wird immer noch sehr viel Hochwertiges produziert. Ich persönlich bin daher auch kein großer Fan der Verallgemeinerung „die Medien“. Auch in den Medien gibt es ja viele Grautöne. Der Doppelpass und die Texte von Ronald Reng haben wenig miteinander gemein. Aber wenn die Leute irgendwann nur noch den Doppelpass wahrnehmen, weil der Rest verschütt geht zwischen mittelmäßigen bis schlechten Inhalten – dann haben wir ein Problem.

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RoyalBlue 15. Dezember 2016 um 11:53

„Letztlich sind wir mitten in einer Demokratisierung und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Napster/Netflix/Wasauchimmer findet, ein passendes Geschäftsmodel drauf stülpt und dem Blätterwald den endgültigen Todesstoß verpasst. Das wissen Reaktionäre wie Lußem. Doch statt Brücken zu bauen und so die eigene Zukunft zu sichern, werden Mauern gebaut und das andere diskreditiert. Genauso hat die deutsche Automobilindustrie das Elektroauto lange klein gehalten. Dann kam Tesla, jetzt kämpfen sie ums Überleben.“

Ich möchte deinem Beitrag gar nicht widersprechen, finde ihn sogar sehr angenehm (genau wie den von Tobias), aber bei genau diesem Part habe ich noch meine Zweifel. Demokratisierung schön und gut, und ich erkenne auch die Mechanismen dahinter die du ansprichst, aber ist es nicht so, dass der Teil, der sich in die von dir beschriebene Richtung entwickelt, viel kleiner ist, als der, der noch bei den sich mit dem verblödenden Inhalt der Mainstreammedien zufrieden gibt oder gar wirklich aktiv damit zufrieden ist? Wir reden ja gerade bei inhaltlich starkem Journalismus nicht von klassischen Medien zur Unterhaltung wie es Napster oder Netflix waren/ sind, sondern von etwas, was mir den Alltag im Zweifel verkompliziert und mich zum denken zwingt. Gibt es genug menschen die das aktiv wollen wenn es auch genug andere (einfache) Alternativen gibt? Ich bin mir da nicht so sicher…

Das andere ganz große Problem, welches ich mit deiner Idee habe ist das angesprochene Geschäftsmodell. Nach genau dem suchen Journalisten ja seit Jahren. Und ich habe bis heute noch nichts gesehen was wirklich zukunftsfähig sein könnte, zumindest nicht wenn es um tag-tägliche und aktuelle Berichterstattung geht. Und ich glaube das ist nicht erst seit dem digitalen Zeitalter so. Das wäre auch schon vorher so gewesen. Hätten die Tageszeitungen 1980 die Möglichkeit gehabt genau zu erfahren, welche Teile ihrer Zeitung besonders häufig gelesen wurden und welche weniger, dann hätte man sich auch damals schon in diese Richtung bewegt. Und daraus folgt dann der von Tobi oben angesprochene Teufelskreis (Klickbait etc.). Nur sind daran eigentlich gar nicht die Medien, sondern vielmehr die Menschen Schuld, die eben jene konsumieren. Der Mensch mag es nun mal leider einfache Lösungen für komplizierte Sachverhalte präsentiert zu bekommen (und da möchte ich mich selbst in manchen Bereichen gar nicht ausnehmen). Und ich kann mir weder vorstellen, dass es genug Menschen gibt, die sich gegen dieses Prinzip wehren, noch kann ich mir ein Geschäftsmodell ausmalen, dass uns alle in diese Richtung drängt.

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mba123 12. Dezember 2016 um 15:21

Benutzt Ihr für eure Analysen, wie von Frank Lußem, kritisiert, das normale Fernsehbild?
Oder habt Ihr immer eine Taktikcam, mit allen Spielern gleichzeitig im Bild, zur Verfügung?

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Uncle Jack 12. Dezember 2016 um 18:36

Das würde mich auch brennend interessieren.

Die Frage, auf welchem Videomaterial die ausgezeichneten spielverlagerung.de Analysen beruhen, ist im Laufe der Jahre schon ein paar mal gestellt aber, so weit ich weiß, noch nie beantwortet worden. (Ich verstehe schon, daß das von Fall zu Fall unterschiedlich sein kann: Mal ist mehr Material vorhanden, mal weniger. Manchmal war der Autor im Stadion dabei usw. Aber das könnte man ja auch erläutern.)

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rum 12. Dezember 2016 um 23:51

Kennst Du diesen Beitrag von RM? Der geht zumindest in die Richtung:
http://spielverlagerung.de/2015/06/30/die-analyse-im-fussball-einfuehrung-und-how-to/
Im Unterabschnitt zu „Wie trainiere ich meine Analysefähigkeiten“ gibt es auch Indizien zum Videomaterial.

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Uncle Jack 14. Dezember 2016 um 21:07

Danke für diesen Hinweis. Ich habe den von Dir erwähnten Unterabschnitt noch mal eben überflogen. Abgesehen von der Anregung, sich Spiele auf einer höheren Geschwindigkeit anzusehen, ist mir da aber eigentlich nichts bzgl. mba123’s oder meiner Frage aufgefallen.

Ich selbst bin immer immens frustriert mit der Bundesliga/UEFA/FIFA ‚Bildauswahl’/Kameraführung. Und frage mich (als lernbegieriger Laie), wie man aufgrund solchen Materials fundierte Analysen erstellen kann. Deshalb ist es interessant, ob die SV-Autoren ggfs. an weiteres, größere Teile des Spielfeldes (oder sogar das gesammte Spielfeld) zeigendes Videomaterial herankommen. Ich las mal, in der FAZ in 2014, das folgende: „Den jeweils nächsten Gegner studiert Guardiola in Videos mit Weitwinkelansicht des ganzen Spielfelds. Sie zeigt ihm die Räume, die sich seinem Team bieten werden. Dann vertieft er sich Stunden und Tage in die Frage, mit welchen Spielern, welchem System, welchem Rezept er diese Räume finden wird. Am Ende liefert er dem Team „wie kein anderer Analysen und Lösungen“, so Bastian Schweinsteiger.“ Also um so etwas geht es mir: Kommen die SV-Autoren auch an solches Material heran.

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LM1895 12. Dezember 2016 um 14:48

So oder so würde ich behaupten: TE mal wieder sprachlich und fachlich der beste Mann auf dem Platz 😉

Und wie üblich lässt sich doch am Ende wieder feststellen: über Fußball kann doch zum Glück auf jede erdenkliche Art geredet werden, es kommt wie immer darauf an, welchen Zweck das sprachliche Register erfüllen soll und an wen ich mich wende.

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