Verletzungen im Fußball: Von A wie Adduktoren bis Z wie Zentralnervensystem

Ein kurzer Sprint, plötzlich bremst der Spieler ab, greift sich an den Oberschenkel, humpelt nur noch ein paar Meter. Die Partie ist für ihn gelaufen, das wissen alle Beobachter, die schon etwas länger Fußball verfolgen. Muskelfaserriss wird die Diagnose lauten. Drei Wochen Pause – wenn es gut läuft. Die sportlichen Verantwortlichen, auf ihr großes Lazarett angesprochen, machen „unfassbares Pech“ dafür verantwortlich. So einfach ist es also. Ab zum nächsten Thema. Stop! So einfach ist es auf gar keinen Fall. Verletzungen gehören zum Leistungssport und natürlich zum Fußball dazu. Der stets zu hundert Prozent fitte Kicker ist eine Utopie. Aber der Profifußball muss sich der Wahrheit stellen. Es gibt eine hohe Flut an Verletzungen. Sind es nur die vielen Partien? Oder die hohen athletischen Anforderungen im 21. Jahrhundert? Sind es falsche Trainingsmaßnahmen? Oder individuelle Fahrlässigkeit, wenn es um das Heiligste im Sport, den eigenen Körper, geht? Aber unter gar keinen Umständen – und davon sind wir überzeugt – ist es allein auf „Pech“ zurückzuführen, wenn Klubs große Verletzungsmiseren erleiden. Nur in einem Fünftel der Fälle ist es wirklich Pech. In vier von fünf Fällen im aktuellen Leistungsfußball ist es eine andere Art von Pech: Nämlich das Unglück nicht adäquat trainiert und periodisiert worden zu sein. Dabei sind Verletzungen für jeden Fußballer ungemein gefährlich. Selbst nach nahezu perfektem Verlauf ist eine Rückkehr zur alten Leistungsfähigkeit nicht immer gegeben.

Spielverlagerung, konkret gesagt die Autoren Marco HenselingRM und CE, greifen das Thema auf  und starten eine fünfteilige Reihe zu Verletzungen – angefangen beim Ausmaß in der Bundesliga über Ursachen für Verletzungen bis hin zu Möglichkeiten in der Trainingssteuerung. Hier ist unser Trainingsplan:

1. Verletzungsreport
2. Ursachen für Verletzungen
3. Passive Erholung: Schlaf und Ernährung
4. Trainingssteuerung und taktische Periodisierung
5. Einblicke in die Neuroathletik
6. Erfahrungsberichte zum Neuroathletiktraining

Jürgen 8. Juli 2015 um 09:30

Das klingt sehr gut! Freue mich auf die Serie, es ist praktisch so als könntet ihr Gedanken lesen. Genau soetwas habe ich mir insgeheim gewünscht letzte Woche und nun ist es am Start! 🙂

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Philo 8. Juli 2015 um 04:42

„Selbst nach nahezu perfektem Verlauf kehren nur knapp über 90 Prozent zur alten Leistungsfähigkeit zurück.“

Worauf beruht diese Aussage? Die Gefahr erscheint plausibel. Aber so, wie das dasteht, ist ein ursächlicher Zusammenhang mit der Verletzung gar nicht gegeben. Irgendwann hat ja schließlich jeder Spieler seinen Zenit überschritten.

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Peda 8. Juli 2015 um 07:55

Vielleicht über die Entwicklungs des Goal Impacts (Expected Peak) vor und nach Verletzungen?

Damit sollte sich das Alter relativ zuverlässig aus der Gleichung nehmen lassen.

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Koom 7. Juli 2015 um 22:27

Da bin ich auch mal sehr gespannt. Ein hochinteressantes Thema, auch für Nichtsportler oder -fußballer. Bin mal gespannt, wie eure Einsichten und Thesen so sind, was für Praxiserfahrungen ihr habt machen können etc.

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HK 7. Juli 2015 um 20:48

Hochspannendes Thema!
Im Bereich Prophylaxe und Behandlung habe ich das Gefühl steht die BL da wo sie im taktischen Bereich gegen 2000 im Zeitalter des gepflegten Rumpelfußballs stand.
Man schaue sich mal das CL-Finale an. Da spielten zwei Mannschaften nach einer langen harten Saison mit Liga, Pokal, CL und Länderspielen. Und im Ergebnis stehen beide Teams mit der vollen Kapelle auf dem Platz (so gut wie). Wie hätte das bei Bayern vs. Dortmund im Vergleich ausgesehen? Fast schon lächerlich.

Ich hoffe ihr betrachtet in diesem Zusammenhang auch die europäische Benchmark ein wenig,

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DAF 7. Juli 2015 um 21:18

Auch wenn ich bei der grundsätzlichen Hypothese zustimme: solche statistischen Schwankungen gibt´s bei jeder Mannschaft. Den von dir gebrachten Vergleich mit Bayern – Dortmund hats vor zwei Jahren im CL-Finale gegeben: Damals waren Kroos und Badstuber verletzt, ansonsten haben beide Mannschaften mit voller Kapelle gespielt 😉 . Umgekehrt hatte Barca damals eine Verletzungsserie, die fast mit der von Bayern diese Saison konkurrieren kann. Insofern würde ich auch umgekehrt nicht zu viel in das diesjährige Finale hineininterpretieren.

Das ist halt wie bei jedem anderen Aspekt des Fußballspiels auch: Noch so gutes Training und Vorbereitung kann nicht garantieren, dass man nicht die nächsten beiden Spiele verliert. Genauso kannst du auch mit suboptimaler Trainingssteuerung eine verletzungsfreie Saison spielen bzw mit perfekter Prophylaxe Probleme bekommen. Die „Wahrheit“ dürfte bei Bayern und Dortmund zwischen der extremen Verletzungshäufung dieses Jahr und dem Glück von 2013 liegen…

Trotzdem habe ich auch den Eindruck, dass im Bereich Verletzungsprophylaxe die Bundesliga-Vereine einen viel größeren Nachholbedarf gegenüber der ausländischen Konkurrenz haben als in anderen Bereichen. Aus diesem Grund hab ich mich schon mal gefragt, ob hinter Müller-Wohlfahrts Abgang bei Bayern nicht doch mehr steckte als ein kurzfristiger Wutanfall von Rummenigge…

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HK 7. Juli 2015 um 22:11

Ja, das war nur ein, zugegeben plakatives, Beispiel.
Und die ganze MW-Affäre beruht sicher nicht nur auf kurzfristigen Verstimmungen. Interessant wenn man sieht, dass Bayern jetzt doch in diesem Bereich sehr viel investiert und umstrukturiert. Hier scheint nun allmählich doch, die vorher durch den Mythos MW verdeckte Tatsache, dass man den internationalen Anschluss verloren hat durchzuschlagen.

Für die BL kann dies nur positiv sein, wenn der Marktführer mit seinen immensen Möglichkeiten hier etwas Bahn bricht.
Wer weiß, wenn man in 10/20 Jahren über die Guardiola-Ära in der BL spricht, wird man vielleicht gar nicht so sehr an taktische Revolutionen, sondern an einen Umbruch anderer, medizinischer Art denken.
Was auch immer sein individueller Anteil daran sein mag.

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Lenn 7. Juli 2015 um 23:51

Wobei ja MWs Hauptaufgabenbereich ja eigentlich erst nach erfolgter Verletzung beginnt.
Dem Inhaltsverzeichnis nach geht es ja auch sehr viel um die Vermeidung von Verletzungen, was dann ja mehr durch Belastungssteuerung etc. erfolgt, wofür hauptsächlich der Fitnesstrainer (bei Bayern dann Buenaventura) verantwortlich ist.

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HW 8. Juli 2015 um 10:59

Ich glaube das gehört mittlerweile zusammen, sollte es zumindest. Vorbeugung, Behandlung und Reha gehören unter eine Verantwortlichkeit und die Trainer brauchen sowohl Input bzgl. des Zustands aller Spieler (also verletzter und nicht verletzter) also auch Input zum geeigneten Training zur Vermeidung von Verletzungen bei gleichzeitig möglichst hoher Leistungsfähigkeit. Die physische Leistungsfähigkeit des Kaders drückt sich nicht nur durch Fitness der gesunden Spieler, sondern auch durch die Anfälligkeit oder Verletzungswahrscheinlichkeit aus.

Die Champions League Finals zeigen, dass es sehr schwer ist dort hin zu kommen wenn man über längere Phasen viele Verletzte hat.
Sie zeigen aber auch was die Spieler auf sich nehmen um dort zu spielen.

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Schlappi 7. Juli 2015 um 19:46

Bringt Ihr in dem Verletzungsreport auch einen Vergleich mit Bundesligisten oder eine Art Überblick mit den „Most Healthiest Soccer Clubs“? Fände ich sehr interessant … denn dann könnte man vielleicht auch einen kleines Benchmarking veranstalten (soweit auch Informationen zu den Trainingsmethoden dieser Clubs vorhanden sind) 🙂 Bin gespannt, was Ihr da wieder zaubert! Weiter so!!!

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