Manchester United – Chelsea FC 0:0

Moyes gegen Mourinho: Im Duell der beiden Titelfavoriten ging keiner der beiden Neu-Trainer ein Risiko ein. Unterzahlangriffe, tiefes Verteidigen und Flankenfokus gegen kopfballstarke Abwehrreihen sorgen für ein schwaches Spiel. Eine kurze Analyse.

Parallelen der beiden Teams

Manchester begann im 4-2-3-1, das defensiv zu einem 4-4-1-1 wurde, wenn Rooney frei hinter van Persie agierte und gelegentlich Druck auf Chelseas Sechser ausübte.

Grund

Grundformationen

Auffällig war die klare Asymmetrie des amtierenden Meisters. Auf der rechten Seite spielten mit Phil Jones und Antonio Valencia zwei defensivstarke Spielertypen, die Chelseas starke Seite mit Hazard und Cole einbremsen sollte.

Im Offensivspiel hielten sie sich eher zurück, vor allem Jones war darauf bedacht, keine Konterräume hinter sich anzubieten, um dann in einem möglichen Sprintduell mit Hazard den Kürzeren zu ziehen.

Chelseas neuer alter Coach José Mourinho ließ sein Team ebenfalls im 4-2-3-1 auflaufen, defensiv wurde es jedoch zum 4-4-2. In der Startelf gab es kaum Überraschungen, Ivanovic bzw. Cahill erhielt den Vorzug gegenüber Azpilicueta, de Bruyne startete anstelle von Juan Mata und Ramires blieb neben Lampard erste Wahl.

Ganz vorne gab es dann aber doch eine große Überraschung: Andre Schürrle startete als einzige Spitze, Torres und Lukaku blieb der Platz auf der Bank.

Ähnlich wie bei United gab es bei den Blues eine Asymmetrie zu sehen. Während die linke Seite mit dem offensivstarken Ashley Cole besetzt war, der den nach innen ziehenden Hazard hinterlaufen sollte, wählte Mourinho auf dem rechten Flügel eine koservativere Variante.

Statt Azpilicueta, der seine Stärken im Offensivspiel hat, startete mit Ivanovic ein gelernter Innenverteidiger auf der rechten Seite – eine Rolle, die der Serbe in der Vergangenheit häufig ausüben musste.

Vor ihm agierte Kevin de Bruyne etwas tiefer als Hazard auf der anderen Seite. Der Plan dahinter war wohl, Uniteds offensiveren Außenverteidiger Evra besser aufzufangen.

Unterzahlangriffe

Beide Teams waren in ihren Offensivbemühungen unheimlich vorsichtig. Dies äußerte sich vor allem darin, dass sich nur sehr wenige Spieler an den Angriffen beteiligten. Bei Chelsea waren es in der Regel die offensive Dreierkette und Schürrle, die versuchten, sich gegen Uniteds zwei Viererketten durchzusetzen, beim Gastgeber aus Manchester erhielt van Persie zumeist nur von Rooney, Welbeck und Valencia Unterstützung.

In der Regel verpufften die Angriffe schnell, da sie wegen der krassen Unterzahl schnell in aussichtslosen Einzelaktionen mündeten. Weil jedoch nur so wenige Spieler mit aufrückten, entstand keine Kontergefahr, sodass auch das Umschalten zumeist nach wenigen Sekunden wieder in einem Ballverlust endete.

Unterzahlangriff

Ein exemplarischer Unterzahlangriff. Chelsea rückt nur zögerlich nach, United kann weit auf die Seite schieben. Bei Flanken entstand aufgrund der Unterzahl und der Spielerwahl keine Gefahr. Konter konnten hingegen ebenfalls kaum stattfinden, da beide Teams eben so verhalten nachrückten und somit gut gegen schnelle Gegenstöße abgesichert waren.

Flügelangriffe

Im geregelten Ballbesitz verlegten sich beide Teams fast ausschließlich auf das Flügelspiel, im Zentrum mangelte es an Bewegung und somit an Anspielstationen. Wenig überraschend spielten zum Beispiel Carrick und Cleverley einen Großteil ihrer Pässe horizontal.

Passend dazu waren auch die häufigsten Passkombinationen der beiden Mannschaften. Jones suchte am häufigsten seinen direkten Vordermann Valencia, bei Chelsea waren es Ashley Cole und sein offensiver Partner Hazard, die sich den Ball am häufigsten zuspielten.

Dieses klare Linienspiel war für beide Mannschaften nicht sonderlich schwer zu verteidigen. Wegen der Überzahl gegen die wenigen angreifenden Akteure konnte das verteidigende Team sehr früh und sehr weit auf die Seiten verschieben.

Folgerichtig wurden die Flügelspieler schnell isoliert und in schlechte Positionen gebracht. Anstatt sich über Rückpässe zu befreien, wurde immer wieder aus ungünstigen Positionen geflankt. Schürrle gegen Ferdinand und Vidic auf der einen, van Persie und Rooney gegen Ivanovic, Cahill und Terry auf der anderen Seite: Wirklich vielversprechend waren Flanken nicht.

Tiefes Verteidigen

Keiner der auf dem Platz stehenden Innenverteidiger ist besonders schnell, zudem ist weder United, noch Chelsea für ein starkes Pressing bekannt. Konsequenterweise standen beide Teams bei gegnerischem Ballbesitz sehr tief und übten kaum bzw. keinen Druck auf den Ballführenden aus.

Mourinhos Plan, mit Schürrle die Geschwindigkeitsdefizite von Ferdinand und Vidic auszunutzen, scheiterte aufgrund deren tiefen Stellung. Einige lichte Momente gab es jedoch, wenn Schürrle mal Raum hinter dem selten aufrückenden Evra fand.

Die guten Passquoten von 84% (United) und 82% (Chelsea) waren kein Ausdruck besonderer Passsicherheit, sondern direkte Auswirkung des kaum vorhandenen Pressings. Passend dazu gab es auch kaum Balleroberungen durchs Gegenpressing in der gegnerischen Hälfte. Wie denn auch? Der Abstand zu den nicht nachrückenden Defensivspielern war zu groß, um ein erfolgsversprechendes Gegenpressing aufzuziehen. Betrachtet man das schwache Pressing und Gegenpressing, ist es wenig überraschend, dass es im Prinzip keine Ballgewinne im vordersten Drittel gab.

Fazit

Das Spiel hielt nichts, was es versprach. Durch die großen Abstände und die daraus resultierenden Unterzahlangriffe gab es keine sauber ausgespielten Angriffe und keine temporeichen Konter.

Der Flügelfokus kann zwar ein Mittel sein, hier wurde er jedoch beinahe schon plump gegen einen Gegner angewendet, der gegen Flanken sehr stark ist.

Dass Spieler wie Kagawa und Mata das ganze Spiel von der Bank aus verfolgen mussten, passt zum lahmen Gesamteindruck des sogenannten Topspiels.

HJF 4. September 2013 um 09:52

Schöne Analyse. Falls nicht sowieso geplant, wären in den nächsten Wochen Analysen der deutschen CL-Gegner klasse. Chelsea und United sind durch den Artikel oben abgehakt, Donezk ein bißchen durch Dortmund letztes CL-Saison wobei es interessant ist, inwieweit die Abgänge von Fernandinho und Mkhitaryan und die Zugänge von dem Argentinier sowie Bernard und Fred das Spiel (taktisch) verändern.
Besonders interessant wären aber Sociedad, Manchester City (jetzt kann man mehr sagen als beim Finale des seltsamen Cups in München), ZSKA Moskau, FC Basel, Neapel und Marseille. Vielen Dank im Voraus, wenn ihr den einen oder anderen Verein beleuchten würdet.

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fluxkompensator 28. August 2013 um 13:32

ist das mangelnde pressing (bei chelsea) gar der frühphase, in der sich die saison befindet, geschuldet? mourinho ist ja durchaus für seine interessanten pressingansätze bekannt, besser gesagt: für das breite spektrum an verschiedenen pressingvarianten. chelsea verfügt in dieser formation zudem über eine vielzahl von dynamischen, schnellen und ins besondere defensiv starke, spielintelligente spieler. wie erklärt ihr euch diese „vestaubte“, vorsichtige ausrichtung?

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Lino 28. August 2013 um 11:08

Also dass das Potential von Kagawa offensichtlich nicht erkannt wird (bzw. wenn er überhaupt mal spielt, dann auf den völlig falschen Positionen), ist für mich sinnbildlich für die „Qualität“ der englischen Liga…

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Leser 28. August 2013 um 19:34

Also, dass Kagawa nie spielt, ist schlicht zum Heulen. Ein riesen Kicker, der gute Jahre seiner Karriere auf der Bank von ManU verplempert.

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HW 28. August 2013 um 19:39

Vielleicht geht es doch irgendwann zurück zum BVB. Und dann holen die noch KP Boateng 🙂

Mal im ernst, wirklich ne Schande den Kerl auf der Bank seine Karriere kaputt sitzen zu lassen.

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OJDD 30. August 2013 um 11:11

Klassicher Fall von selbst schuld, würde ich da mal sagen.

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Kroosartig 27. August 2013 um 18:02

Ja, so habe ich das Spiel auch gesehen, beide Mannschaften setzen auf resolute Strafraumverteidigung. Weitere Punkte die mir noch aufgefallen sind:

1) Oscar hat sich teilweise extrem tief fallen lassen, sodass ein 4-3-3 entstanden ist, dadurch war man aber im 10er Raum unterbesetzt ->noch schwieriger zu kombinieren -> Einzelaktionen. Der Effekt wurde noch verstärkt, weil sich Ramires und Lampard extrem zurück gehalten haben mit Vorstößen.
2) Schürrle und Hazard extrem häufig die Seite gewechselt, allerdings kein Nährwert.
3) Rooney ist einfach der beste Stürmer 🙂 (für mich zumindestens) Unglaublich was für ein kompletter Spieler er einfach ist, er grätscht an der eigenen Torauslinie den Ball habe und leitet mit einem überragenden Pass auf RvP den Konter ein, er trägt den Ball nach vorne, er verteilt die Bälle, guter Distanzschuss.

Ich bin gespannt wie sich die Teams in der CL schlagen, wobei ich bei Chelsea noch mehr Steigerungspotential sehe als bei ManU, das liegt aber auch daran, dass ich Moyes noch nicht kennen

Wie bewertet ihr Mourinho? Warum versucht er nicht die nicht unbedingt spielstarken Ferdinand und Vidic zu pressen?

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Bergkamp 27. August 2013 um 17:02

Wenn ich ehrlich bin war ich vom Offensivspiel beider Mannschaften entäuscht auch wenn United phasenweise mit ihrer Fluidität zu gefallen wusste. (Welback zog mit seinen diagonalen Läufen in den Strafraum, Ronney stellte auf dem Flügel eine zusätzliche Passoption dar, van Persie ließ sich wie gewohnt tief fallen ). Was United mMn fehlt ist ein vertikal ausgerichteter zentraler Mittelfeldspieler ,welcher Rooney und van Persie vom zurückfallen entlastet. Cleverley ist dafür der falsche spieler da es ihm einfach an der nötigen Übersicht und Passqualität fehlt. Was würdest du PP gar von einem Kagawa auf dieser Position halten?

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PP 27. August 2013 um 17:19

Ich sehe Kagawa hinter einer Sturmspitze am stärksten (mit und gegen den Ball). Cleverley traue ich die von dir beschriebene Rolle durchaus zu, Übersicht und Passqualität sind bei einem in die Spitze rückenden Achter ja nicht die Hauptkriterien…

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Bergkamp 27. August 2013 um 19:25

Danke für die Antwort 🙂 . Kagawa sehe ich auch stärker im Zehnerbereich (allein durch seinen Deckungsschatten den er hinter sich im pressing hinterherzieht). War nur eine Variante für den Fall das Rooney bei Manchester United bleibt und sich den Stammplatz hinter van Persie sichert.

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Schimanski 27. August 2013 um 16:58

Ich hatte meine Eindrücke heute morgen schon im Parallel-Artikel kommentiert:

http://spielverlagerung.de/2012/12/05/die-probleme-der-premier-league-pressing/#comment-39059

Anscheinend lag ich nicht ganz so falsch 😉

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FCB-Fan 27. August 2013 um 16:46

Eigentlich eine gute Analyse, jedoch sehe ich es nicht ganz so wie du, dass beide Teams eigentlich nur über die Flügel spielten. Denn hin und wieder fand United Rooney im Raum zwischen IV und DM, wo er den Ball oft auch kontrollieren konnte. Dass die Angriffe dann unsauber ausgespielt wurden ist etwas anderes. Wie gesagt, dass passierte nicht häufig , aber wenn es gefährlich wurde, dann doch häufig so.

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PP 27. August 2013 um 17:16

Joa, wie du schon sagst, es war eben nur „hin und wieder“. Und wenn er den Ball dort bekam, wanderte er doch meistens direkt wieder auf den Flügel, richtig?

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FCB-Fan 27. August 2013 um 18:05

Richtig, gab glaub ich nur 3 Ausnahmen (und die waren die vielversprechendsten Angriffe 😉 )

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Theboss 27. August 2013 um 15:31

Ich fand den Spielverlauf nur logisch. Wenn einer mit Überzahl angegriffen hätte, wäre er ausgekontert worden und so früh in der Saison muss man halt nicht unbedingt 3 Punkte holen. Und wenn man mit so langsamen IV Pressing spielen würde, würde man auch gegen die vielen schnellen Spieler verlieren. Mourinho hat bewusst den Konterfokus gewählt und um nicht zu verlieren ging Moyes halt mit. Oder andersrum. Aber eher ersteres, Chelsea war Favorit.

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Ypsilon 27. August 2013 um 15:17

Branislav Ivanovic ist Serbe, nicht Russe.

Ansonsten sehr schöne Analyse eines sehr hässlichen Spiels.

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