Freitag, 28.11.2014

Schalke 04 – Borussia M’Gladbach 1:1

Favre gegen Stevens, kontrollierte Offensive gegen kontrollierte Offensive. Das konnte doch nur in einem Unentschieden resultieren? Letztlich war es ein Unentschieden, das für beide Mannschaften nur wenig zufriedenstellend sein dürfte.

Schalkes Spielweise gegen die Gladbacher Defensive

Ein wiederkehrender und entscheidender Aspekt in dieser Partie war, dass Schalke partout nicht in die gefährlichen Zonen kommen konnte, sondern um den Gladbacher Defensivblock herumspielte. Die Borussen spielten wie üblich mit ihrer positionsorientierten Raumdeckung im 4-4-2 mit zwei Mittelfeldketten, wobei sie hierbei gewisse Mannorientierungen in der Abwehr und situative mannorientierte Raumdeckungen spielten.

Grundformationen zu Spielbeginn

Dadurch hatten sie im Mittelfeldpressing einen vertikal wie horizontal kompakten Defensivverbund, durch den die Schalker nie in den Raum zwischen die Linien kommen konnten. Königsblau ließ den Ball dann außen herum zirkulieren, kontrollierte die seitlichen und tiefen Räume sowie den Ball, wurde aber in ihren Angriffen immer wieder auf die Seiten geleitet.

Diese Außen bespielten sie dann, konnten jedoch nur selten zwingend werden. Im Abwehrpressing auf den Außen übernahmen die Gladbacher situative Mannorientierungen, pressten auf den Außen und versuchten das Flankenspiel abzutöten, wodurch die Schalker Offensivspieler entweder den Ball wieder nach hinten spielten oder unter Bedrängnis flanken versuchten.

Um diese effektiver zu machen, rückte Jermaine Jones öfters nach vorne und ging auf die Position des zweiten Stürmers, wobei er sich dort mit Lewis Holtby abwechselte. Vereinzelt waren sogar die beiden die einzigen Akteure an vorderster Front.

Die Rollen von Klaas-Jan Huntelaar und Lewis Holtby

Um die Gladbacher taktik-kommunikativ vor Probleme zu stellen und Schnittstellen zu öffnen, hatten Huntelaar und Holtby einmal mehr ihre variablen Rollen. Holtby besetzte situativ das Sturmzentrum, die Halbräume oder rückte ganz auf Außen, während Farfán und Draxler sich am Tor orientierten. Draxler hatte dabei seine inverse Rolle, ging in die Mitte, brachte teilweise Flanken und tödliche Pässe aus dem Mittelfeld oder schoss aus der Entfernung, blieb aber dabei bis zu seinem Tor ineffektiv.

Holtby übernahm in solchen Situationen die Position der Flügelstürmer auf den Seiten, Huntelaar hatte eine vertikalere Rolle. Er ließ sich nach hinten fallen, öffnete wiederum Raum für Jones und Holtby und bot sich für Passspiele aus der Abwehr an. Ziel war es dabei, dass man die Mitte überbrückte und zwischen den Linien den Ball erhielt. Jener Raum zwischen den Linien ist die Stärke der Gladbacher, den sie durch die zwei kompakten Viererbände extrem stark versperren.

Obwohl die Bälle einige Male in diesen Raum kamen, waren sie allerdings kaum zu nutzen. Huntelaar war nicht nur nicht kreativ genug, die Gladbacher drückten ihn durch Zurückfallen des Mittelfelds aus dieser gefährlichen Position heraus und stellten sich tiefer. Dadurch war das Grundproblem wiederhergestellt, wodurch Schalke nie Zugriff auf den effektiven Raum erhielt und mit Hutnelaar im Mittelfeld den Ball zirkulieren ließ.

Gladbacher Konter

Dies bedeutete für Gladbach natürlich vorrangig Ballgewinne in der eigenen Hälfte und somit eine weite Entfernung zum gegnerischen Tor. Gladbach verschob ohne Ball hin und her, versuchte dann möglichst schnell gegen die aufgefächerten Gegner zu kontern und viel Raum in kurzer Zeit gut zu machen. Ein Problem hieß dabei natürlich Roman Neustädter, der im Schalker Mittelfeld diese Pässe einsammeln und abfangen sollte. Er hatte dabei aber eine schwierige Aufgabe, die auch er nicht perfekt erfüllen konnte, denn oftmals stand er alleine hinter fünf aufgerückten Offensivspielern in einem 4-1-4-1, wo sogar der ballnahe Außenverteidiger zusätzlich nach vorne schob.

Gladbach versuchte dann in die Räume zu kontern, wo sie mit dem extrem beweglichen Patrick Hermann einen Spieler hatten, der die Horizontale beackerte und nach offenen Räumen Ausschau hielt. Außerdem gab es zahlreiche lange Bälle hinter die Kette, wo vorrangig die Außenstürmer oder eben der schnelle Herrmann zum Abschluss kommen sollten.

Die Schalker verteidigten dies relativ gut – die Außenverteidiger waren nicht extrem hoch, es gab Mannorientierungen der Abwehrspieler auf die gegnerischen Offensivakteure – und ließen wenig zu. Allerdings muss auch Gladbach hier kritisiert werden, denn ihre Angriffe waren oftmals schlecht getimet und nicht präzise genug.

Die zahlreichen Lochpässe fanden ihre Ziele nicht, waren oftmals schwer zu verarbeiten und die Kombinationen hingen einige Male im Mittelfeld fest, weswegen Gladbach nicht – wie noch in der vergangenen Saison – sehr schnell und in Unterzahl erfolgreich kontern konnte. Außerdem bauten sie einige Male unnötige halbhohe Bälle ins Kombinationsspiel ein, wodurch sie ihre Angriffe verzögerten, die Ballverarbeitung für den Passempfänger anspruchsvoller machten und letztlich sich selbst im Angriff behinderten.

Ein neuer Standard im Aufbauspiel?

Noch vor einiger Zeit war die abkippende Sechs ein kleines Novum – eine Entwicklung, die nur vereinzelt in Mannschaften Einzug gehalten hatte. In dieser Partei spielten beide Teams mit situativ abkippenden Sechsern und interessantem Pressing dagegen, welches von beiden Mannschaften intelligent und auch individualtaktisch gut ausgeübt wurde.

Bei Gladbach spielten die beiden Sechser tief und boten sich beide an, doch einer (zumeist Nordtveit) ließ sich bei Bedarf nach hinten fallen, während Marx etwas höher die gegnerischen Mittelfeldspieler beschäftigen sollte. Auch die Schalker praktizierten ähnliches mit Roman Neustädter, wobei dieser sich intelligent im Mittelfeld bewegte, während Jones zumeist nach vorne schob.

Gleichzeitig reagierten die beiden Teams auf eine ähnliche Art und Weise. Schalke ließ Jones mannorientiert auf Marx spielen, während Huntelaar einen der Innenverteidiger zustellte. Holtby lief dann den Sechser an und provozierte den Pass auf den zweiten Innenverteidiger. Danach lief er im Bogen den zweiten Innenverteidiger an, wobei er den abgekippten Sechser in seinen Deckungsschatten nahm.

Die Gladbacher agierten auf eine ähnliche Art und Weise. Schalke hatte Neustädter in der Mitte, während die Gladbacher nicht wie Schalke mannorientiert auf den gegnerischen Sechser verteidigten. Dafür liefen aber Herrmann und de Camargo die gegnerischen Innenverteidiger gut an und attackierten sie bereits hoch. Ähnliches Prinzip wie bei den Königsblauen: einer stellte den anderen Innenverteidiger zu, einer nahm Neustädter in seinen Deckungsschatten und lief den Ballführenden an.

Dadurch kam das Spiel auf die Außen und Gladbach ging wieder in ihre kompakte und passive Haltung über.

Fazit

Beide Mannschaften hatten sich einige taktische Sachen überlegt, wichen aber nur geringfügig von ihrer eigentlichen Spielweise ab. Schalke erhöhte die Mannorientierungen in der Defensive und ließ nur wenige Chancen zu, kamen aber kaum gegen die passive Spielweise und positionsorientierte Raumdeckung der Gladbacher an. Am Ende kamen sie auf 33 Flanken und 14 Halbfeldflanken, die selten gefährlich wurden. Es war letztlich die Einwechslung von Teemu Pukki, der mit Ciprian Marica kam, die effektiv war – er gab die Vorlage für Draxlers Ausgleichtor, nachdem man lange Zeit vergeblich angerannt war.

David 5. Dezember 2012 um 00:21

Danke für die Analyse. Mich würde ja noch interessieren, wie ihr Favre und Gladbach diese Saison seht. Auch im Hinblick auf die Abgänge und die Neuerwerbungen. Letztes Jahr waren wir auf jeden Fall präsenter hier. :)

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TuxDerPinguin 5. Dezember 2012 um 18:35

Gladbach spielt bisher sicher schlechter als letzte Saison.

liegt zum Einen am Personal:
Dominguez ersetzt Dante gut. Xhaka hat noch nicht Fuß gefasst, also muss Marx aushelfen. Das ist eine Schwächung gegenüber Neustädter.

zum anderen wollte man eigentlich offensiver agieren, hat darauf auch die Einkäufe abgestimmt.
für Konter fehlt jetzt neben Herrmann noch ein Spielertyp wie Reus…
das offensivere angedachte System wird erst mit Xhaka und dem wiedergenesenen de Jong aber erst so richtig möglich… wobei das anfangs der Saison zu bösen Klatschen führte, weil man nicht eingespielt war…

will sagen:
natürlich ist Gladbach schlechter momentan, weil sie noch auf der Suche nach ihrem System sind. Aber trotz dieser Suche spielen sie relativ erfolgreich, wenn man sich die Tabelle anguckt.

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Felix 4. Dezember 2012 um 23:40

Bei Schalke wird aktuell viel von Krise gesprochen, Stevens gilt eher als Defensivtrainer, taktisch weniger innovativ. Mich würde interessieren wie ihr ihn als Trainer einschätzt und wie das Schalker Spiel. Zur Zeit sind viele Spieler im Formtief, aber auch taktisch scheint es zur Zeit nicht zu passen. Zu Saisonbeginn zeigte man sich noch deutlicher stärker als zu letzt.

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