Schweden – England 2:3

Ein spannendes und temporeiches, wenn schon kein taktisch hochwertiges Spiel, das die Engländer letzten Endes mit 3:2 für sich entscheiden konnten.

Personelle Wechsel auf beiden Seiten

Die Schweden starteten im Vergleich zum ersten Gruppenspiel gegen die Ukraine mit drei Veränderungen: Olsson kam in der Viererkette anstelle von Lustig zum Einsatz. Dessen Rechtsverteidigerposition nahm Granqvist ein, während Olsen sich in der linken Innenverteidigung einordnete.

Im Mittelfeld brachte Trainer Hamren Svensson anstelle von Toivonen. Doch auch hier erfolgte kein positionsgetreuer Wechsel, sondern Svensson spielte gemeinsam mit Källström im defensiven Mittelfeld, während Elm auf die linke Außenbahn wechselte. Außerdem durfte in vorderster Front Elmander als Sturmpartner des großen Stars Ibrahimovic anstelle von Rosenberg beginnen.

Auch bei den Engländern wurde umgestellt: Young rückte aus dem Sturm ins linke Mittelfeld, wo er den jungen Oxlade-Chamberlain ersetzte. Youngs Platz im Sturmzentrum nahm der kopfball- und zweikampfstarke Carroll ein. Die taktischen Gründe für diesen Wechsel waren mitentscheidend für die gute erste Hälfte der Engländer und werden im folgenden noch ausführlich besprochen.

Engländer nicht auf Kreativspiel ausgerichtet

Schon die Kaderzusammenstellung verhindert eine kreativ aufspielende englische Nationalmannschaft, so wie sie sich viele Engländer wünschen. Doch die FA wählte mit Hodgson die pragmatische, für den kurzfristigen Erfolg wahrscheinlich auch die sinnvollste Lösung aus. Das englische Spielermaterial ist durchaus dazu fähig, einem spielstarken Gegner die Stirn zu bieten, und auch in der Lage, aus dieser defensiven Grundstellung heraus einige gefährliche Konter spielen zu können.

Doch wenn man selbst gegen einen eng verteidigenden und effektiv pressenden Gegner spielt, bekommt man mit dem aufgestellten Spielermaterial Probleme, sich Torchancen herauszuarbeiten und gegnerische Konter zu verhindern. Das Innenverteidigerpärchen Lescott und Terry spielt nicht wegen der Stärken im Aufbauspiel, sondern wegen der Zweikampfstärke, am Boden wie in der Luft.

Aus diesem Grund blieb gegen Schweden die Kreativlast im Aufbauspiel an den beiden zentralen Mittelfeldspielern, Parker und Gerrard hängen, die sich weit zurückfallen ließen um die Bälle bei den Innenverteidigern abzuholen und das Risiko eines frühen Ballverlusts zu minimieren.

Von der Zentrale wanderte der Ball meistens nach außen, wo sich dann entweder der Flügelspieler oder ein aufgerückter Außenverteidiger im 1-gegen-1 durchsetzen musste, um dann eine Flanke in den doppelt besetzten Strafraum bringen zu können.

Englischer Druck im Sturmzentrum

Alternative zur klassischen Flanke war bei den Engländern ein hoher Diagonalball von den Außenpositionen ins Sturmzentrum. Auffällig dabei, dass sich der Flügelspieler von der ballfernen Seite ebenfalls ins Sturmzentrum bewegte, sodass dort drei Engländer auf engem Raum als potenzielle Ballabnehmer bereit standen.

Es lässt sich außerdem vermuten, dass der englische Spielaufbau eigentlich mehr über die Außenverteidiger angelegt werden sollte. Dadurch hätte Gerrard seine vertikale Stärke zeigen und ebenfalls als Unterstützung ins offensive Mittelfeld rücken können. Allerdings klappte dies nur bedingt, da Gerrard im hinteren Aufbauspiel derart mit horizontalen Aufgaben eingedeckt war, dass seine Stärken nach vorne nicht wirklich zur Geltung kommen konnten.

Doch diese Umstellung der eigenen Spielweise entpuppte sich als sehr effektiv: Gerrard war es nämlich, der mit einem Diagonalball ins Sturmzentrum die Vorlage zum 1:0 durch Carroll gab, der dem schwedischen Schlussmann Isaksson bei seinem Kopfball keine Chance zum Eingreifen ließ.

Überhaupt zeigte sich im ersten Durchgang, dass die Hereinnahme Carrolls dem englischen Offensivspiel eine ganz andere Qualität verlieh. Der bullige Stoßstürmer konnte viele Vertikalbälle selbst gegen mehrere Gegenspieler behaupten und auf die außen, bevorzugt auf den links agierenden Young oder seinen nach außen driftenden Sturmpartner Welbeck, ablegen.

Schweden doppelt den Flügel

Das extreme englische Offensivspiel, unter anderem bedingt durch die gute Verdichtung der Zentrale auf schwedischer Seite, veranlasste den Gegner dazu, die beiden äußeren Mittelfeldspieler weit zurückzuziehen, um ein Doppeln auf dem Flügel zu ermöglichen, ohne dabei die Stabilität im Zentrum riskieren zu müssen.

Denn in der Mitte lauerte Gerrard auf Unachtsamkeiten der Schweden, auch wenn er wohl ganz genau wusste, dass er in diesem Spiel über weite Strecken eine Sisyphos-Aufgabe zu verrichten hatte: Der englische Kapitän stellte die potenzielle Gefahr dar, die die defensiven Mittelfeldspieler im Zentrum hielt. Durch die sehr defensiv agierenden schwedischen Außenspieler ergab sich bei einer Spielverlagerung über Gerrard oder Parker viel Raum für den angespielten Außenverteidiger, der nun in Ruhe zwischen den Optionen Diagonalball, Vertikal- und Querpass wählen konnte.

Somit spielte die schwedische Defensivstrategie mit einer Dopplung der defensiven Außenbahnen der englischen Angriffsstrategie mit ihren diagonalen Flugbällen in die Sturmspitze in die Karten, sodass Schweden immer wieder bis an den eigenen Strafraum zurückgedrängt werden konnte, ohne dass England allzu viele Risiken im Spielaufbau in Kauf nehmen musste.

Schnelles Umschaltspiel – in der Theorie

Schweden verteidigte, ebenso wie England, in einem klaren 4-4-2 mit Mittelfeldpressing. Bei beiden Teams blieben die überspielten Stürmer vorne, um im Falle eines Ballgewinns im Mittelfeld als Umschaltspieler direkt vertikal anspielbar zu sein und somit einen schnellen Gegenangriff einleiten zu können.

Darüber hinaus hatte Schweden mit Zlatan Ibrahimovic einen spielerischen Fixpunkt im Team, der alle Bälle forderte und auch fast alle bekam. Doch nicht nur, dass die Engländer von Natur aus mit ihrem kompakten defensiven Mittelfeld und der auf Sicherheit bedachten Spielweise prädestiniert für einen Spielertypen wie Ibrahimovic waren, sie konnten sich auch nach dem ersten Gruppenspiel der Schweden auf deren eindimensionale Angriffsstrategie einstellen und die übrigen Offensivspieler gezielt von dem Stürmerstar isolieren.

Taktik rückt in den Hintergrund, England zieht sich zurück

Nach der Pause rückten taktische Gesichtspunkte zunächst in den Hintergrund. Zunächst konnte Schweden den Spielverlauf nach zwei Standardtoren auf den Kopf stellen, und durch Mellberg sowie ein Eigentor von Johnson mit 2:1 in Führung gehen, ehe dann die Engländer ebenfalls nach einem Standard in Person des eingewechselten Walcott zurückschlagen.

Nach der erneuten Führung durch einen sehenswerten Treffer von Welbeck zog sich England zurück und überließ den Schweden den Raum bis kurz vor der Mittellinie. Damit überließen sie den Schweden, die eigentlich zwei Treffer brauchten, um eine realistische Chance aufs Weiterkommen zu bewahren, die Verantwortung des Spielaufbaus, und konnten sich selbst auf das klassisch-englische Umschaltspiel über die schnellen Offensivleute konzentrieren.

Fazit

Während in vorherigen EM-Spielen häufig das Phänomen zu beobachten war, dass unsere Autoren in für neutrale Fans eher langweiligen Spielen hochklassige Taktikschlachten gesehen haben, so war bei diesem Spiel nun der umgekehrte Effekt zu bewundern: Während viele nicht direkt beteiligte Fußballfans ein unterhaltsames Spiel gesehen haben und sich (zu Recht) über das ständige Hin und Her in diesem Spiel freuen dürften, war dies ein sehr undankbares Spiel für einen Taktikanalysten.

Das Aufeinandertreffen zweier leicht abgewandelter 4-4-2-Systeme hätte man genauso gut um die Jahrtausendwende herum beobachten können. Der einfache Spielaufbau der Engländer sprach ebenso wenig wie die Spielerwahl für eine innovative Spielweise. Die Konzentration der Schweden auf einen einzigen Spieler machte ein Scheitern bei dieser EM sehr wahrscheinlich. Die hohe Zahl an Halbfeldflanken verdeutlichte die spielerische Armut des Spiels.

Und so bleibt am Ende ein durchaus verdienter, aus taktischer Sicht jedoch wenig aufschlussreicher 3:2-Sieg des Favoriten aus England, der ein Weiterkommen des Fußball-Mutterlandes sehr wahrscheinlich macht.

FCS 19. Juni 2012 um 07:41

Aber ist es taktisch nicht auch interessant ein altes klassisches System erfolgreich zu sehen? Es scheint mir hier so geschildert, dass England gegen ein kreatives Spiel keine Chance hätte. Kann auch sein dass ich mich täusche, wenn dem so ist bitte ich jedoch um Erläuterung. Ich bin erst seit kurzen auf dieser Website unterwegs und schreibe hier grade meinen ersten comment . 🙂

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asti80 16. Juni 2012 um 23:18

Mir fiel schon vorher auf, das aus dem zentralen Mittelfeld der Engländer, kaum irgendwelche Offensivimpulse kamen. Die Kreativität wurde stattdessen auf die Flügel ausgelagert. Vorallem stimme ich meinem Vorredner zu, das Gerrard wohl auf dem absteigenden Ast ist, inzwischen beträgt sein Beitrag zum Spiel der Engländer in Sachen Kreativität gleich 0.

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Daniel_D 16. Juni 2012 um 23:02

Natürlich sind Halbfeldflanken eine Taktik, deswegen hat man sie ja erwähnt. Aber eben nicht sonderlich effektiv, weil sich der Mittelstürmer gegen zwei Verteidiger und den Torwart durchsetzen muss. Und dass die sicherlich passenden Spieler dafür aufgestellt wurden (ist in der Analyse auch erwähnt) habe ich nie bestritten. Mit Fähigkeiten meine ich nicht die Größe oder die Kopfballstärke, sondern die Fähigkeit in genau diesem Moment eben auch das Tor köpfen zu können.

Wenn ich spielerische Akzente setzen und die Abwehr im Verbund unter Druck setzen will, ist es eine gute Taktik auf einen spielstarken Stürmer zu setzen. Aber wenn dieser sich durch einen Doppelpass freigespielt hat hat es nicht mit Taktik zu tun, wenn ihm gegen den Torwart die Nerven versagen.
Nur dass ein 1gegen1 gegen den gegnerischen Torwart, oder ein unverdeckter Schuss aus dem Rückraum einfach viel eher zu einem Tor und einem Sieg führt, als Halbfeldflanken auf einen kopfballstarken Spieler.

Ich kann natürlich durch ein gereiftes Spiel keinen Sieg garantieren, aber ich kann ihn wahrscheinlicher machen.

Ballbesitzfußball ist eine andere Ebene und damit keine Taktik. Ballbesitzfußball ist ein Spielstil und noch nicht einmal das. Denn eigentlich spielt ja schon die Mannschaft, die 51% Ballbesitz hat einen Ballbesitzfußball. Ob Tiqui Taka, Gegenpressing, Pressing, es sind alles nur Methoden, Strategien wenn man so will.
– Taktik ist das WIE ich diese Methoden anwende um zum Sieg zu kommen.

Also ich habe Gerrard immer als dynamischen 6er in Erinnerung gehabt, der nicht nur enorm torgefährlich und stark im 1 gegen 1 sondern auch beim Kontern präzise Pässe aus dem Raum vor der Abwehr spielt. Im Aufbauspiel habe ich ihn nie stark gesehen. Pool in dieser Saison war einen Katastrophe.

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JAS 17. Juni 2012 um 07:57

Ich glaube dir lieber Daniel D. geht ein bisschen Verstaendnis in Sachen Taktik ab. Wenn Louis Van Gaal Ballbesitzfussball von seinen Mannschaften spielen laesst, tut er dies mitnichten um gut auszusehen. Seine TAKTIK ist, den Ball moeglichst lange in den eigenen Reihen zu halten, damit der Gegener gar nicht oder besser weniger Gelegenheiten bekommt, sein Spiel durchzubringen. Dies ist eine Taktik und kein Stil.

Ansonsten glaube Ich gar nicht, dass wir writ voneinander entfernt sind. Les dir nochmal meinen urspruenglichen Kommentar durch… Aber lassen wir das, Ich hab gesagt, was Ich sagen wollte und hoffe auf die SV Autoren, die sich nicht nur fuer Fluiditaet und Gegenpressing begeistern koennen….. 😉

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JAS 16. Juni 2012 um 21:46

Wenn Ich die passenden Spieler dazu aufstelle, ist das Schlagen solcher Flanken aus dem Helbfeld genau eine Taktik wie du sie beschreibst. Wenn Ich Ballbesitzfussball spielen lasse stelle ich Ja auch Spieler mit der dazu noetigen Technik und Ballsicherheit auf….

Und Gerrard nicht als Kreativspieler zu bezeichnen? Also bitte… Schon mal Liverpool oder Premierleague angeschaut? Solche Paesse wie der spielt kein Zweiter. Oder was bedeutet Kreativspieler fuer dich?

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JayM 17. Juni 2012 um 18:19

das stimmt – gerrard spielt pässe wie kein zweiter. immer den völlig unrealistischen 40 meter pass suchen, in der hoffnung, dann wie ein absoluter held dazustehen. nur leider kommen diese pässe in 99,9% der fälle nicht an. gerrard ist absolut überbewertet – die einzigen sachen, die er richtig gut kann, sind bis zum umfallen laufen und fehlpässe spielen.

nicht einmal die vor lauter vereinsliebe verklärten liverpool fans würden stevie g als kreativspieler bezeichnen… sie hätten halt gerne, dass er einer wäre, aber der gegenbeweis dazu sind ja die massigen angebote aus italien und spanien, die er jede saison bekommt 😉

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Barimaan 16. Juni 2012 um 19:23

Die Vorwürfe von JAS und Patman kann ich leider nicht nachvollziehen und finde diese zum Teil auch hochgradig ungerecht.

„Schade, wie leider ueblich auf dieser Seite, werden taktische Systeme, die dem aestetischem Befinden der Autoren nicht gefallen, schlecht oder wie hier gar tot geredet.“
Das ist ein Taktik-Blog, keine Tageszeitung. Es geht hier ganz klar um persönliche Meinungen und nicht um Pressemitteilungen. Es ist also vollkommen berechtigt und sogar erwünscht, wenn der Autor genau das tut, was ihm vorgeworfen wird.

„Ich wette, ihr schaut nie bei euch auf dem Dorf oder sonst wo Kreisligafußball, weil nicht hochklassig genug.“
Das ist doch ein an den Haaren herbeigezogener Vorwurf?! Wir diskutieren hier über die EM – ein Turnier, das nur alle vier Jahre stattfindet, bei dem viele sagen, es sei der am aller schwierigsten zu gewinnende Title im Nationalfussball. Da dann Dorffussball als Maßstab zu nehmen und zu sagen, man muss alles bei der EM loben, was eben jenes Niveau erreicht, weil alles andere eine Beleidigung sei an die Dorfkicker, das ist mit das lächerlichste, was ich bisher an Kommentaren auf dieser Seite gelesen habe. Der Autor hat direkt im Eingang des Artikels festgehalten, dass das Spiel durchaus unterhaltsam war – nur eben ohne taktische Leckerbissen. Der Rest des Artikels ist damit beschäftigt, genau diese Aussage zu untermauern. Wenn ein Taktikblog das nicht mehr schreiben darf, dann kann man die Seite direkt einstampfen.
Also – ich würde mal sagen, einfach die Kirche im Dorf bei den Kickern lassen und den hart arbeitenden Autoren von sv.de so grobe Vorwürfe wie Snobismus an den Kopf werfen.

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Barimaan 16. Juni 2012 um 19:26

Im letzten Satz soll’s heißen: “ den Autoren _nicht gleich_ die Vorwürfe an den Kopf werfen“

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JAS 16. Juni 2012 um 19:40

Das einzige was Ich sagen wollte, ist, wenn z.B. ein Carroll als zweiter Mittelstuermer auf gestellt wird, eine massgenaue Flanke von einem auesserst begnadeten Kreativspieler aus dem nicht zu verteidigenden Halbfeld geschlagen wird, und so zum Tor fuehrt, so ist eine taktische Massnahme des Trainers voll aufgegangen. Was an so einem Spielzug verwerflich oder weniger schoen, als iberisches tiki-taka sein soll, muss mir nochmal jemand erklaeren. Aber wie auch immer, das ist wohl geschmackssache. Ich habe nur um etwas mehr Objektivitaet bitten wollen. Es gibt keine schoene oder haessliche Taktik. Das kann man getrost dem jeweiligen Betrachter ueber lassen. Und vor allem: Taktik ist mehr als Fluiditaet und Gegenpressing. Das Faible fuer eine Spielweise faellt mir hier immer wieder auf und Ich will auf jeden Fall zum Ausdruck bringen, dass Ich uns sicher auch ein paar andere Taktik und Fussballfans ein anderes aestetisches Empfinden haben. Wer bei einer bestimmten Spielweise Oder Taktik Kein interesse aufbringt, objektiv darueber zu berichten, sollte es dann eben besser anderen ueberlassen. Ich bin sicher bei diesen tollen SV Autoren findet sich schon einer, der dazu bereit ist….

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Daniel_D 16. Juni 2012 um 20:58

1. Ist Gerrard kein Kreativspieler
2. Wurden Halbfeldflanken als taktisches Mittel erwähnt
3. Haben die großartigen körperlichen Fähigkeiten eines Gerrard und eines Carrol nichts mit Taktik zu tun
4. War Carrol von zwei Abwehrspielern umgeben. Er musste sich gegen beide durchsetzen. Damit ein eher uneffektiver Spielzug, der eine extrem geringe Erfolgswahrscheinlichkeit verhieß.
4. Wurden bestimmt 20 dieser Flanken auf Carrol geschlagen, aber lediglich eine war so derart perfekt plaziert.

Du hast glaube ich eine falsche Vorstellung vom Begriff der Taktik. Tiki-Taka ist keine Taktik, sondern ein Spielstil.

Taktik bedeutet doch: Ich erarbeite einen Plan, wie ich meine Mannschaft zum Sieg über den Gegner verhelfe ohne viel dem Zufall überlassen zu müssen. Jede Formation hat ihre Schwachstellen, Taktik bedeutet, die Schwachstellen des Gegners auszunutzen und die eigenen Schwachstellen kaschieren.
Aber eine kämpferische Leistung ist nun mal äußerst vom Zufall abhängig.
Sich auf Einzelspieler und deren Fähigkeiten verlassen ist ebenfalls taktisch nicht sinnvoll.

Aber natürlich hat der englische Trainer keine andere Wahl. Der einzige Kreativspieler von internationalem Vormat ist mit Wilshire ausgefallen und er hat das Amt erst kurz vorher übernommen.

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Barimaan 17. Juni 2012 um 10:44

Ich kann leider wieder gar nicht zustimmen.

„…so ist eine taktische Massnahme des Trainers voll aufgegangen.“
Das hat ja auch niemand bestritten. Die Aussage lautet: die Formation der Engländer hat man schon vor 20 Jahren gespielt, wenn nicht noch mehr. Es ist nichts innovatives dabei. Und die Meinung dieser Seite lautet: uninnovativ = rückständig = uninteressant. Eine Meinung, die ich sehr teile.

„Ich habe nur um etwas mehr Objektivitaet bitten wollen.“
Objektivität kannst du von der FAZ oder Süddeutsche einfordern (und bekommst die oft nicht), aber doch nicht von einem Blog?! Bei aller Beliebtheit der Seite: Es ist eine _private_ Seite, auf dem die 5 Autoren _Ihre_ Sicht der Dinge schriftlich festhält und es dabei öffentlich zugänglich macht. Es ist keine journalistische Berichterstattung. Ich glaube der Tag, an dem diese Seite Deiner Forderung nach Objektivität nachgibt, ist die Seele der Seite gestorben.

„Wer bei einer bestimmten Spielweise Oder Taktik Kein interesse aufbringt, objektiv darueber zu berichten, sollte es dann eben besser anderen überlassen.“
Das ist jetzt aber wirklich eine volle üble Breitseite gegen den Autoren. Da könnte ich auch schreiben: wer nicht verstanden hat, was ein Blog ist und es mit einem Nachrichtenportal verwechselt, sollte das kommentieren den anderen überlassen.

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Patman 18. Juni 2012 um 11:04

Richtig, das war sicherlich ein wenig empfindlich meinerseits (Englandfan) reagiert und gewiss auch nicht ganz fair. Ich habe mich wohl ein wenig zu sehr über dieses “ nicht direkt beteiligte Fußballfans “ aufgeregt und stehe auch dazu, dass an dieser Stelle ein wenig Überheblichkeit durchscheint. Die Reaktion von Barimaan ist dann wiederum auch ein wenig empfindlich und „grober Vorwurf“ etc. dann auch doch überreagiert…Wie dem auch sei – ich schätze die Arbeit der Blogger hier sehr und werde in Zukunft bei Kritik den Ball flacher halten. Cheers.

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Patman 16. Juni 2012 um 18:39

„Spierlermaterial“ Was für ein scheußliches Wort. Ziemlich versnobte Analyse übrigens. Klar seid ihr aus Strategie und Taktik aus. Ich hatte aber als „direkt beteiligter“ Fußballfan und Taktikfan sehr viel Spaß an einem leidenschaftlich umkämpften Spiel. Ich wette, ihr schaut nie bei euch auf dem Dorf oder sonst wo Kreisligafußball, weil nicht hochklassig genug. Dann seid es vielleicht doch eher ihr, die nicht direkt beteiligt seid?

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Gulan 16. Juni 2012 um 14:31

Eure Antipathie fällt echt auf, aber ich gebe zu, dass diese Art, Fußball zu spielen, mir auch nicht mehr behagt. Diese Halbfeldflanken, vor allem von Schweden, waren ja „back to the eighties/ninethies“.
Aber hat England wirklich keine Spieler für ein anderes System? Könnte Rooney nicht der zentrale Mann hinter der Spitze in einem 4-2-3-1 werden?

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JAS 16. Juni 2012 um 10:50

Schade, wie leider ueblich auf dieser Seite, werden taktische Systeme, die dem aestetischem Befinden der Autoren nicht gefallen, schlecht oder wie hier gar tot geredet. Wenn der Autor etwas genau er hingeschaut haette, waere ihm vielleicht auch aufgefallen, dass Gerrard ganz klar der tiefere der beiden Sechser war und damit die Limitiertheit der Innenverteidiger im Spielaufbau wettmachen sollte. Parker war der weitaus offensivere Spieler der beiden Sechser. Wenn dies Busquets bei Barca macht, ist das ne einmalige Innovation. Wenn das die Englaender machen, wird da gar nicht hingeschaut. Diese Berichterstattung deckt sich auch mit der auesserst negativen Vorberichterstattung in eurer EM Vorschau, England betreffend. Mein Vorschlag: wenn ihr Kein Bock auf England habt, sagt das und nehmt sie aus eurer Berichterstattung raus. objektiv ist die so jedenfalls nicht und macht auch keinen Spass zu lesen. Sorry to say so. Mir gefallen eure Analysen sonst sehr sehr gut und ich bin ein grosser Fan eurer Seite.

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Mausberger 16. Juni 2012 um 10:17

Tatsächlich nicht recht „neu“ was da gestern geboten wurde, aber immerhin kurzweilig. Zum Kader der Engländer muss man natürlich sagen, dass mit Rooney eine neue Dimension hinzukommen wird, und durch einige Ausfälle wie z.B. Bale sicher auch etwas potential liegenbleibt.
Mal schauen ob Lampard, Terry & Co. im nächsten Aufgebot wieder dabei sind, oder Platz machen für neue Spieler.

Bei Schweden bin ich vor allem im Hinblick auf die anstehende WM-Quali gespannt ob Mellberg und Ibrahimovic weitermachen. Derzeit ist das Spiel oft recht ausrechenbar, weil Ibrahimovic wie gesagt die Bälle fordert und auch oft bekommt, und der Rest der Mannschaft oft nur „zuschaut“. Ausgenommen sind die Phase wo sich das umdreht, Ibrahimovic am Mittelkreis herumspaziert und der Rest sich bewegt.

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Blk 16. Juni 2012 um 11:49

Soweit ich weiß ist Gareth Bale Waliser, und kommt daher sowieso nicht für das Englische team in Frage.

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Flowbama 16. Juni 2012 um 12:23

Bale ist definitiv Waliser, da werden sich die Engländer in den Allerwertesten beißen!

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pb 16. Juni 2012 um 10:05

Was soll Hodgson aus dieser Truppe denn sonst machen ? Mit Parker ist inzwischen ja wenigstens ein halbwegs spielintelligenter Mann dabei, aber sonst bewegt sich das doch überwiegend auf Odonkor-Niveau. In den Vereinen funktioniert das, weil die Spieler entsprechend ihren Stärken eingesetzt und Defizite durch Ausländer kompensiert werden können.

Diese Option hat der Nationaltrainer natürlich nicht und Potential für mehr als eine grundsätzlich reaktive und, freundlich formuliert, geradlinige Spielweise sehe ich auch einfach nicht. Durch ihre enorme athletische Qualität sind die Engländer so zwar immer noch ein absolut ernstzunehmender Gegner, wer taktisch hochwertigen oder sogar innovativen Fussball erwartet, sollte bei ihren Spielen aber lieber ausschalten und das ist nicht erst seit diesem Turnier so.

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Jx 16. Juni 2012 um 11:40

Auch wenn er jetzt nicht dabei ist, das er sich leider, ähnlich wie Götze, verletzt hat, ist Jack Wilshere doch durchaus ein Spieler, der etwas mehr Spielintelligenz und Kreativität in diese Mannschaft bringen kann/wird. Ich finds schade, dass er nicht dabei ist, weil er mMn das größte englische Talent seit langer Zeit ist und der den Engländern eine andere Spielweise ermöglicht hätte.

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tom24 16. Juni 2012 um 09:56

Spiel spannend anzuschauen, aber ohne große Taktiküberlegungen dahinter.

Die EM kommt für eine neu zu bildende englische mannschaft zu früh, wobei ich mir durchaus die frage stelle, ist die FA zu einem ähnlichen bruch wie beim dfb zwischen 2004 / 2006 bereit und Abstand von den terrys dieser welt zu nehmen? Roy Hodgson ist die pragmatische defensive Lösung die EM einigermaßen zu überstehen. Ich sehe es ebenso: Das Spiel hätte vor 10 Jahren stattfinden können, wobei ich es etwas unabhängiger von der Systemfrage (4-4-2-System) erlebe, auch 2012 ist ein 4-4-2-Defensiv-System ein einfach gut aufzubauende Formation.

Ist doch genial, wenn kleine mannschaften scheinbar alte große gegner so gut analysiert haben, dass sie gute taktische antworten haben. bin echt gespannt auf die dänen morgen.

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asti80 16. Juni 2012 um 00:54

An sich ein guter Beitrag zu einem spannenden Spiel 🙂 Nur störe ich mich an einem Satz im letzten Abschnitt:

Das Aufeinandertreffen zweier leicht abgewandelter 4-4-2-Systeme hätte man genauso gut um die Jahrtausendwende herum beobachten können.

Das hat für mich einen Beigeschmack, als wäre das 4-4-2 längst ein antiquiertes System und die halbe Fussballwelt würde auf 4-2-3-1 umschalten. Das trifft meiner Meinung nicht wirklich zu. Die Engländer haben kein Spielermaterial, das ein wirkungsvolles 4-2-3-1 hinkriegen könnte, also spielen sie ein klassisches 4-4-2, genauso Schweden.
Viele Teams versuchen sich am 4-2-3-1 und verheben sich kolossal, wie zum Beispiel Spanien, das ihre besten Spieler (Xavi, Iniesta) in ein Formationskonzept steckt, das sie total blockiert.
Dabei hat z.B. Gladbach immer wieder gezeigt, wie intelligentes 4-4-2 aussieht und es richtig angewandt, eine taktisch höchst wirksame Waffe sein kann.

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Jose Mourinho 16. Juni 2012 um 01:17

Außerdem habe ich mal hier von einem Autor gelesen, dass man mit dem 4-4-2 keine Dreiecke erzeugen kann, in Mönchengladbach unter Favre konnte man mMn ein sehr gutes Dreiecksspiel beobachten.

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MR 16. Juni 2012 um 04:16

Favres 4-4-2 funktioniert stark verschoben und mit unglaublich gut abgestimmten Laufwegen in höchster Geschwindigkeit. Das stilgebende Mittel sind Vertikalpässe und kurze Ablagen. Gewissermaßen ist es ein ‚Zweiecksspiel‘, da die Räume für diese Ablagen nur zweifach besetzt sein müssen und dannach größere Distanzen überwunden werden. Feste Dreiecke und klassisches Kombinationsspiel in diesen existiert bei Favre kaum. Kurz gesagt: Ist was ganz anderes und das kann wohl bisher nur Favre so.

Aber im Normalfall sieht 4-4-2 immer scheiße aus und man hat extrem wenige Verbindungen auf dem Feld. In der Offensive hat man beim 4-2-3-1 ganze fünf Dreiecke (Sechser-Zehner, Flügel-Zehner-Sechser, Flügel-Zehner-Stürmer) während es im 4-4-2 im wesentlichen nur zwei sind (Sechser-Flügel-Stürmer) oder (wenn Sechser und Stürmer zu weit voneinander entfernt) sogar garkeins. Deshalb ist 4-4-2 ein beinahe totes Offensivsystem (4-4-2-Defensiven gibt es ja genug).

Und man sah ja vorhin wieder, weshalb das so ist. Drei Tore nach Standards, eins nach einer Halbfeldflanke und ein glückliches Ding nach gelungenem Dribbling; ganz wenige herausgespielte Chancen. Und das, _obwohl_ die Besetzungen für 4-4-2-Systeme ja wirklich passten.

Die besten Momente hatte England auch, als sie aus dem 4-4-2 ausbrachen und durch diagonalen Rückstoß von Young, Vorstoßen von Gerrard und Cole und Ausweichen von Welbeck eine Art asymmetrisches 3-1-4-2 erzeugten. Das passierte leider später dann immer weniger.

Den amtierenden Weltmeister als Beispiel dafür anzuführen, wie sich eine Mannschaft „kolossal verhebt“…ähm, naja. 😉 Zumal Spanien sicherlich als 4-2-1-3 bzw. 4-2-1-3-0 oder 4-2-1-2-1 zu bezeichnen ist, das hat nur grobe Gemeinsamkeit mit einem typischen 4-2-3-1. Keine Flügelspieler, ein extrem tiefer Zehner, gegebenenfalls kein Stürmer – das würd ich nicht in die gleiche Schublade stecken. Auf dem Papier sieht das immer gleich aus, auf dem Feld nicht.

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Bari 16. Juni 2012 um 08:55

Wenn man durch ein kolossales Verheben Welt- _und_ Europameister wird, dann sollen wir das vielleicht auch mal machen 😉
Ich sehe das genau so wie MR. das 442-System, so wie die Engländer es spielen, ist wirklich rückwärtsgewandt und überhaupt keine Bereicherung für den modernen Fussball. Das ist sicher auch Hodgson zuzuschreiben, er ar schließlich in seiner Karriere noch nie der Innovatorisch gewesen, und seine Berufung war ein klares Signal, dass von dem Team taktisch nichts zu erwarten ist. Wenn sie damit gewinnen, dann haben sie natürlich auch alle (zumindest viele) Argumente auf ihre Seite, aber es ist und bleibt ein Team, das uns Taktikfreaks nicht interessiert. Ich persönlich finde eher, dass solche Teams von den taktisch moderneren, sozusagen tüchtigeren, bestraft werden sollen. Vielleicht richtet es ja Spanien im Viertelfinale – wenn sie sich nicht dabei kolossal verheben 😉

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asti80 16. Juni 2012 um 10:41

Wobei bei den Sapniern ein 4-1-4-1 oder ein 4-3-3 besser wäre. Das wäre ein System mit dem man die individuellen Stärken im Mittelfeld besser zur Geltung kommen lassen kann.

Ein 4-4-2 ist das beste System, um eine neue Mannschaft einspielen zu lassen. Das ist bei den Engländern der Fall, neuer Trainer, der eher einen Hang zum Defensivfussball hat.
Zumal man auch das 4-4-2 sehr gut in ein 4-2-3-1 oder gar ein 4-4-2 ohne richtigen Stürmer umwandeln kann. Alles was man tun muss, ist, beide MS in HS umwandeln oder einen von ihnen weiter hinter ziehen.

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HW 16. Juni 2012 um 16:36

Ich denke beide Länder haben kein Spielermaterial für eine andere Formation als 4-4-2, weil sie so vom klassischen englischen Fußball geprägt sind. Selbst in der englsichen Liga wird seit Jahren nicht nur 4-4-2 gespielt, trotzdem sind die englischen Spieler darauf ausgerichtet.

Für mich war das ein altmodischen Spiel, was nicht schlecht sein muss. Aber es war auch geprägt von einer Masse von Fehlern. Vielleicht war es wegen der Tore und des Schlagabtauschs toll anzusehen, aber gut war das Spiel nicht.

Schweden traf nur nach Standards und war vorne wie hinten ansonsten kaum eingepielt. England kann man nach dem defensiven Frankreich-Spiel und den schwachen Schweden auch keine überragende Form zusprechen.

Das erste englische Tor war eine klare Verweigerung der Schweden den Flankengeber oder den Stürmer anzugehen.
Der englische Ausgleich war nach einer Ecke, das 3:2 war wirklich toll.
Aber aus dem Spiel? Nichts, ich habe zu viele Fehler bei beiden Teams gesehen.

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