Lazio – SSC Napoli 3:1

Beiden Teams fehlte es an offensivem Aufrücken und Anbindungen, doch Lazio nutzte die wenigen Defensivschwächen aus.

Im Kampf um den Qualifkationsplatz zur Champions League trafen Lazio Rom und der SSC Neapel im direkten Duell aufeinander. Beide Teams lagen vor der Partie nur drei Punkte auseinander, wobei der dritte große Konkurrent im Bunde, Udine, sein Spiel bereits hatte gewinnen können und dadurch nach Punkten mit Lazio gleichgezogen hatte.

Wechselwirkung der Formationen und die besonderen Auswirkungen auf das frühe 1:0

Grundformationen

Beide Mannschaften hatten im Vorfeld mit einigen personellen Sorgen zu kämpfen. So mussten auf der einen Seite Lulic, Andre Dias, Matuzalem und natürlich Klose sowie auf der anderen Seite Maggio, Zuniga und Gargano zuschauen. Während Lazio allerdings das Langzeitverletzungspech treu ist und diese somit bereits an die derzeit gespielte 4-2-3-1-Formation „gewöhnt“ waren, musste Napoli kurzfristig umstellen. In Anbetracht der personellen Lage entschied sich Trainer Walter Mazzari für ein 4-3-2-1-System, welches allerdings recht asymmetrisch gespielt und in bestimmten Situationen zu einer anderen Formation verwandelt wurde, was den Spielverlauf entscheidend prägen sollte. Nach nur 9 Minuten fiel nämlich bereits die Führung für die Hausherren durch Candreva – dieser Treffer war die erste Chance des Spiels, veränderte es völlig und war maßgeblich durch die Mechanismen in der Formation Napolis beeinflusst worden.

Aus ihrem nominellen 4-3-2-1-System wurde bei Napoli – meistens geschah diese Umformung, wenn man selbst in Ballbesitz war und somit vergleichbar mit der Idee des HSV unter Fink, gelegentlich allerdings auch bei gegnerischem Ballbesitz – in manchen Situationen ein 3-4-2-1/3-4-1-2. Der halbrechte zentrale Mittelfeldspieler Dzemaili rückte auf den Flügel und wurde zu einem Wing-Back, während auf der anderen Seite Außenverteidiger Aronica vorschob. Wenn es Lazio allerdings gelang, Napoli während des Umschaltens im Prozess der Re-Transformation vom 3-4-2-1 zum 4-3-2-1 zu erwischen und zu attackieren, ergaben sich Lücken, die zu Chancen führen konnte – genau das passierte beim 1:0. Rocchi musste von Cannavaro gedeckt werden und konnte nicht an der Ablage gehindert werden, Lavezzi musste schnell hinter Konko her sprinten und Aronica deckte zwar Candreva, doch war Hamsik noch nicht weit genug mit auf die Seite geschoben und konnte seine Kollegen nicht unterstützen – dreimal war Lazio gedankenschneller und traf unter Mithilfe de Sanctis´.

Beide Teams mit Arbeitsteilung, zu wenigen Spielern im Angriff und fehlenden Verbindungen

Nach dem Führungstor zogen sich die Hausherren sehr tief in die eigene Hälfte zurück, überließen Napoli den Ballbesitz und beschränkten sich praktisch eine Hälfte lang nur auf das Verteidigen des knappen Vorsprungs. Für Entlastung konnte man kaum sorgen, da das Mittelfeld extrem tief stand, Rocchi somit ohnehin schon isoliert war und gegen die gute Absicherung durch teilweise drei Innenverteidiger weder Raum auf den Flanken fand, in die er rochieren konnte, noch die langen Bälle behaupten und halten konnte. Ebenso wie Napoli immer auch auf Absicherung bedacht war, zeigte sich Lazio – hier natürlich bedingt durch die Führung – bei eigenen Angriffen eher vorsichtig. In dieser Hinsicht war es ein typisches Spiel für die Serie A.

Dieser für die Serie A typische Faktor war folgender – es war eine klare Arbeitsteilung vorhanden. Während die Laziali meistens nur mit ihren offensiven vier Spielern angriffen, die gelegentlich noch von Konko unterstützt wurden und sich entgegen vieler anderer und schwächerer Spiele in dieser Saison diesmal sogar ein wenig kreativer und kombinierender (Rocchi und Hernanes gingen verstärkt mit nach Außen), aber oftmals dennoch ohne Verbindungen zwischen den Spielern zeigten, waren es bei Napoli gerade die drei offensiven Kräfte, denen Raum insbesondere durch das Aufrücken Aronicas gewährt wurde, die ansonsten aber relativ viel alleine machen mussten.

Hamsik kümmerte sich als offensivster von drei zentralen Mittelfeldspielern um die Spielgestaltung und bewegte sich dafür stark horizontal, so dass es im Zentrum zu wenige Verbindungen zu den Angriffsspielern gab, die aber die wenigen Bälle sehr gut verwerteten. Insbesondere die zentrale und spielmachende Stellung Pandevs machte Lazio einige Probleme, welche ihre Außenverteidiger sehr nah an den Gegenspielern und daher sehr eng spielen ließen, wenn man dadurch auch gelegentlich Raum auf den Flügeln preisgab, die aber nur Aronica in Ansätzen ausnutzte, während Dzemaili über seine Rolle verwirrt schien und Campagnaro aufgrund seiner Mischrolle nicht weit genug aufrückte – somit kam über die Außen wenig und die Mehrzahl der Angriffe (fast 40 %) durch die Mitte. Besonders zu Beginn führte dies zu drei guten Chancen, nachdem sich Napoli stark durch das Zentrum kombinierte, doch mit der Zeit klappte die Abstimmung bei Lazio immer besser – einzige Ausnahme war der zwischenzeitliche Ausgleich durch Pandev nach Absatzkick von Lavezzi, doch entstand dieser nach einem schnell ausgeführten Einwurf, als Lazio mit dem Schiedsrichter haderte.

In diesem Zusammenhang tat den Hausherren zudem eine Anpassung gut, die Reja nach einiger Zeit in der ersten Hälfte tätigte – er modifizierte seine Grundformation in der defensiven Phase durch das Vorziehen Canas von einem 4-2-3-1 zu einem 4-1-4-1. Auf den ersten Blick scheint man dadurch an Präsenz im Zentrum zwischen den Linien zu verlieren, doch somit wurde praktisch das eigene defensive Zentrum für die Außenverteidiger geöffnet, die einfacher ihre Gegenspieler verfolgen konnten. Gleichzeitig konnte der sehr kampfstarke Cana besser und effektiver auf Hamsik pressen und die zentrale Figur im Spielaufbau Napolis sichtlich aus dem Spiel nehmen.

Zweite Halbzeit

Auch nach dem Seitenwechsel blieben die Gäste das dominierende Team, litten allerdings an denselben Problemen wie zuvor. Einzig die Läufe Pandevs sowie die selbst gegen eine Doppelung zunächst effektiven Dribblings von Lavezzi machten Lazio ein wenig zu schaffen.

Nach etwa einer Stunde trauten sich diese dann etwas mehr nach vorne und übernahmen phasenweise gar die Spielkontrolle. Zwar ergriff man die Initiative, doch wurde man ebenso kaum gefährlich und konnte bloß einige Halbchancen produzieren, was wie schon in der ersten Halbzeit an mangelnder Unterstützung sowie fehlender konstanter Besetzung des offensiven Zentrums lag – nicht einmal ein Viertel ihrer Offensivaktionen kamen durch die Mitte.

Somit kam man nur auf zwei Arten zu den wenigen Chancen: Entweder über eine der vielen Flanken (trotz nur 42 % Ballbesitz doppelt so viele wie Napoli), meistens aus dem Halbfeld, oder nach Konzentrationsfehlern im Spielaufbau der Gäste. Diese rechneten überhaupt nicht mit Pressing im ersten oder zweiten Drittel und spielten daher einige unkonzentrierte, halbgare oder laxe Pässe. Darauf spekulierte Lazio und presste gelegentlich mit zwei oder drei Leuten sehr früh. Auch wenn dies weder kollektiv noch in irgendeiner Weise besonders war, sollte sich das Lauern auf derartige „Träumereien“ bezahlt machen.

Dass nach nur wenigen Minuten des Drucks sofort ein Tor für die Hausherren fiel, war allerdings auch wieder eine leichte Begünstigung – zumal das Tor aus einer Flanke nach einer geklärten Ecke fiel und Mauri einen tollen Seitfallzieher zeigte. Dennoch waren es mehr Druck und Halbchancen, als Napoli phasenweise zustande bekam.

Diese mussten nun dem erneuten Rückstand hinterherlaufen, doch enttäuschten komplett. Ab der 47. Minute verbuchten sie lediglich einen weiteren Torschussversuch gegen Lazios Defensive, die hinten komplett dicht machte – auch Rocchi half nun mit, der 36-jährige Brocchi kam mit seiner Erfahrung ins Mittelfeld und der defensivstarke rechte Außenmittelfeldspieler Alvaro González – zur Pause gekommen – agierte nun quasi als fünfter Verteidiger, so dass auch Lavezzis Dribblings neutralisiert wurden.

Zehn Minuten vor dem Ende war die Partie dann endgültig entschieden, als eine Gedankenschwäche von Inler, der am eigenen 16er ein Dribbling wagte, zu einem Elfmeter für Lazio führte, den Ledesmá verwandelte.

Fazit

Ein leicht glücklicher Sieg für Lazio, doch letztlich muss man konstatieren, dass sie in einem eher schwachen Spiel, indem  beiden Mannschaften nicht untypisch für die Serie A die offensiven Verbindungen fehlten, etwas mehr Glück hatten und etwas mehr Druck aufbauen konnten. Ein wichtiger Sieg gegen einen Mitkonkurrenten, aber entschieden ist noch lange nichts, da auch Lazio gegen schwächere Teams immer mal wieder große Probleme hatte.

Flatterball 8. April 2012 um 14:59

Irgendwie komisch. Die Lazio Fans sind stark rechts orientiert und dann fällt mir auf das Lazio Rom S.S im Vereinsnamen hat -.-

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TR 8. April 2012 um 15:05

Was aber natürlich für „Societá Sportiva“ steht.

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tox 8. April 2012 um 15:07

Società Sportiva Lazio, gegründet im Januar 1900… ob deshalb der Verein gleich komplett bei den Rechten anzusiedeln ist? Ich denke nicht.

Verrückte Fans gibts natürlich überall, und dort sind es vielleicht ein paar mehr 😉

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tox 8. April 2012 um 14:06

Fehlt im Fazit das wort „fehlten“ nach offensiven Verbindungen oder verstehe ich den Satz nur nicht?

da erster Comment: Super Seite und weiter so!

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TR 8. April 2012 um 14:48

Ja, du hast Recht, da fehlt besagtes Wort. Danke, ich korrigiere das.

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MR 8. April 2012 um 12:52

Wer sich über Lavezzi in der Grafik wundert: Er führt die Sprintwertung an.

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