Donnerstag, 24.08.2017

FC Barcelona – AC Milan 3:1

Mehr Breite und taktische Flexibilität sorgen für Barcelonas Dominanz.

Guardiola entschied sich für ein 3-3-4, das zwar für mehr Breite sorgte, defensiv aber Probleme mit sich brachte. Kurz vor der Halbzeit korrigierte er sich und trug so entscheidend zum nie gefährdeten Sieg bei.

Startformationen

Beide Trainer nahmen im Vergleich zum Hinspiel personelle Änderungen vor, zudem stellte Guardiola sein System um. Ziel war es, für mehr Breite im letzten Drittel zu sorgen, da Milan den Katalanen im Hinspiel mit ihrer engen Spielweise einige Probleme bereiteten. Um dies zu bewerkstelligen, brachte Guardiola Cuenca und Fabregas für Alexis Sanchez und Keita von Beginn an. In einer Mischung aus 3-4-3 mit Raute und 3-3-4 spielte Cuenca auf der linken Seite, um das Spiel sehr breit zu machen. Fabregas hatte eine recht freie Rolle: Mal bildete er den Kopf einer Mittelfeldraute mit Xavi und Iniesta leicht hinter sich, mal agierte er neben Messi als falsche Zehn.

Milan hingegen vertraute auf das gleiche System wie im Hinspiel, lediglich eine personelle Änderung wurde vorgenommen. Der deutlich offensivere und schnellere Abate ersetzte Bonera als Rechtsverteidiger, um für Konter über Barcelonas vermeintlich schwächere linke Seite zu sorgen.

Barcelonas Breite und die schwierig zu verteidigenden Läufe in den Strafraum

Barcelona übernahm schnell die Kontrolle über das Spielgeschehen, was Milan auch nicht sonderlich viel auszumachen schien. Die gegebene Breite durch Cuenca, der im Gegensatz zu Iniesta im Hinspiel fast an der Linie klebte und Alves konnte man die Viererkette auseinander ziehen und viel Raum zum kombinieren finden. Durch die freie Rolle Fabregas´ bekam Lionel Messi zwangsläufig mehr Raum, den er für einige gefährliche Dribblings und Abschlüsse nutzte. Da auch Xavi und Iniesta ein paar kluge Läufe in den Sechzehner wagten, herrschte viel Verwirrung im Zentrum der Italiener. Da man mit Ambrosini, Seedorf, Nesta und mit Abstrichen Mexes über nicht sehr dynamische Spieler verfügt, war es schwer für Milan, diesen Läufen zu folgen. Auch die Abstimmung schien hier einige Male nicht ganz zu stimmen.

Im Allgemeinen ist Barca ja nicht dafür bekannt, viele Flanken zu schlagen. So spekulieren also viele Verteidiger darauf, dass die Außenspieler sowieso noch einmal abdrehen, um den Ball zurück zu passen. Da Alves und Cuenca in diesem Spiel aber immer mal wieder Flanken einstreuten, war Milan gezwungen, etwas agressiver in die Zweikämpfe mit besagten Spielern zu gehen, um eine ungehinderte Hereingabe zu verhindern. Daraus resultierte natürlich ein immenser Vorteil für Barcelona, da die bevorzugten Passwege (auf einen nachrückenden Mittelfeldspieler in Richtung Sechzehnereck) relativ frei waren. So wurde das Spiel über die Außenbahnen weniger ausrechenbar.

Pressing und die spätestens dann sichtbar werdenden Probleme des 3-3-4/3-4-3-Systems gegen eine Mittelfeldraute

Barcelona presste früh, bot aber auch Räume auf den Außenbahnen, die beim 1:1 entblößt wurden

Im Hinspiel zeigte Barcelona nicht so ein aggressives Pressing wie man es gewohnt ist, da man offenbar Angst vor Kontern hatte oder den Gegner so etwas locken wollte. Heute pressten die Katalanen allerdings in gewohnter Manier und konnten einige Ballgewinne, den Ballverlust vor dem ersten Elfmeter kann man hier als exemplarische Szene anführen, verzeichnen. Problematisch war allerdings, dass durch die hohe Positionierung von Alves und Cuenca und der eng stehenden Dreierkette in der Verteidigung große Räume auf den Außenbahnen frei wurden, die Milan, hauptsächlich in Person von Nocerino, Boateng und Robinho nutzen konnte.

Dies gelang Milan zwar nicht oft, da die erste Pressingwelle Barcas selten kontrolliert überspielt wurde – und wenn sie es doch einmal schafften, beging Barcelona schnell ein kleines Foul, um sich zu ordnen – dennoch konnten sie so ein Tor erzielen.

Beim 1:1 nutzte Nocerino den Raum auf der rechten Seite für einen Vorstoß. Da die Dreierkette (aus Mailandsicht) von Robinho und Ibrahimovic weiter nach links gezogen wurde, entstand ein noch größerer Raum auf Nocerinos Seite. Weil Iniesta, Fabregas und Xavi bei gegnerischem Ballbesitz recht eng beieinander agierten, war nicht ganz klar, wer solche Läufe (in diesem Fall von Nocerino) verfolgen sollte. Cuenca stand dafür eigentlich zu hoch, Iniesta zu mittig und Puyol konnte/wollte/durfte Pique und Mascherano nicht allein gegen Robinho/Ibrahimovic stehen lassen.

Nachdem es im Hinspiel viel Grund zur Kritik an Robinho gab, muss man an dieser Stelle sagen, dass seine Bewegungen heute deutlich verbessert waren, so zog er auch vor dem 1:1 Mascherano aus seiner Position – dass der Argentinier trotz der kurzzeitigen Verwirrung nicht die Abseitsfalle aufheben darf ist nicht von der Hand zu weisen, dennoch kann man Robinho hier „mitverantwortlich“ machen.

Guardiola erkennt das Problem und handelt

Formationen ab dem 2:1. Barcelona mit Übergewicht im Mittelfeld sowie zusätlichen Anspielstationen durch die Außenverteidiger

Da Guardiola die offen liegenden Räume ebenfalls sah, formierte er seine Mannschaft direkt nach Messis 2:1 – ein Elfmeter nach Trikotziehen bei einer Ecke, taktisch also eher irrelevant –  in einem 4-3-3. Alves rückte in die Viererkette, Cuenca wechselte die Seite und freundete sich nun mit der rechten Außenlinie an, Fabregas kam etwas tiefer und Iniesta musste wieder auf den linken Flügel ausweichen.

Defensiv sorgte dies für mehr Stabilität, da die Räume auf den Außen nun geschlossen waren. Ohne diese Umstellung hätten Xavi und Iniesta die Räume wohl abdecken müssen, was zu einer Art Fünferkette geführt hätte. Die Umstellung hatte den weiteren Effekt, dass Barcelona nun noch besser das Spiel kontrollieren konnte, da man im Zentrum nun in der Überzahl war. Diese Überzahl entstand, weil Milan mit dem 2:1 Rückstand noch gut leben konnte, es war ja noch etwas mehr als eine Halbzeit zu spielen. Also zog man sich mit 7 Spielern zurück, was gegen Barcelonas 3 Stürmer erst einmal sicher erschien. Abate und Nocerino konnten Iniesta im Auge behalten und bei Bedarf doppeln, das gleiche galt auf der anderen Seite für Antonini/Seedorf, die es mit Cuenca zu tun hatten. Messi wurde je nach Positionierung von Ambrosini oder den Innenverteidigern aufgenommen.

Milan kam nun nur noch selten in Ballbesitz, mit dem sie dann aber auch stets wenig anzufangen wussten. Durch die abgedeckten Außenbahnen blieben häufig nur lange Bälle in Richtung Ibrahmovic, der es aber meistens mit zwei Gegenspielern aufnehmen musste. Busquets sammelte viele zweite Bälle nach den langen Pässen auf, auch versuchte Steilpässe Mailands fing er aufmerksam ab, sodass am Ende des Spiels gute 7 abgefangene Bälle auf seinem Konto standen.

Auswechslungen

Pep Guardiola nahm Xavi bereits nach 63 Minuten vom Feld und brachte Thiago. Fabregas rückte auf Xavis Position, eingewechselte Nachwuchsspieler teilte sich mit Iniesta die Aufgaben des offensiven Mittelfeldspielers und des Linksaußen. Als Allegri mit Pato – der wohl noch nicht ganz fit war und kurz darauf wieder gegen Maxi Lopez ausgetauscht wurde – einen weiteren Stürmer aufs Feld schickte, ließ sich Ibrahimovic ins Mittelfeld fallen. Dort versuchte er in der Schlussphase, das Spiel an sich zu reißen, was aber nur bedingt gelang, weil Guardiola schnell eine entsprechende Maßnahme parat hatte. Keita kam für Fabregas und sollte mit seiner starken Physis dafür sorgen, dass Ibrahimovic seine körperlichen Vorteile in diesem Bereich des Spielfelds nicht so sehr ausspielen konnte.

Mailand kam nur noch zu einer echten Torchance, während Barca es diverse Male (Thiago, Adriano) verpasste, das Ergebnis zu erhöhen.

„Teuer verkauft“ – lobenswert oder nicht genug?

Auch wenn es nicht Barcelonas bestes Spiel war und keines ihrer Tore schön herausgespielt war, geht der Sieg und das Weiterkommen völlig in Ordnung. Im Rückspiel gab es 21:3 Torschüsse, 8:1 aufs Tor. Das ist für Mailand, die unbedingt ein – und später ja noch zwei – Auswärtstor(e) brauchte, schlichtweg zu wenig. Allegri wird sich vor allem darüber ärgern, dass sein Team die körperlichen Vorteile wenig bis gar nicht ausspielte – angesichts Barcelonas Größendurchschnitts hätte dort bei Standards und Flanken sicherlich etwas gehen können.

Mit der Defensivleistung kann er generell zufrieden sein, auch wenn ihn der einfache Ballverlust von Mexes vor dem ersten Elfmeter und das dämliche Foul vorm zweiten ganz sicher aufregen.

Der allgemeine Tenor aus dem Mailänder Umfeld ist nun, dass man sich ja „gut geschlagen hat“ – eine These, die man natürlich unterschreiben kann. Ich persönlich hätte mir spätestens ab dem 3:1 durch Iniesta gewünscht, dass Milan etwas mehr riskiert.

Maxi Lopez zusammen mit Ibrahimovic als zentrale Anspielpunkte bei langen Bällen und Flanken mit nachrückenden Mittelfeldspielern wie Boateng (Distanzschüsse) hinter sich. Auch ein offensiveres Vorgehen der Außenverteidiger wäre noch eine Überlegung wert gewesen, um das Angriffsspiel anzukurbeln. Wie ich bereits in der Analyse zum Hinspiel angemerkt habe, ist es logischerweise nämlich schwierig bis unmöglich, an Ecken und Flanken zu kommen, wenn man gar nicht über außen angreift. Klar hätte Barcelona ein solches Auflösen der defensiven Ordnung mit weiteren Gegentreffern bestrafen können, aber meiner Meinung nach hätte man dies in Kauf nehmen sollen, denn ausgeschieden ist ausgeschieden.

Fazit und Ausblick auf das Halbfinale

So hatte Barca keinerlei Schwierigkeiten, das Spiel über die Bühne zu bringen, nachdem Guardiola das Team während des Spiels umgestellt hatte. Barcelona war zwar in beiden Spielen nicht in Bestform, dominierte aber trotzdem und bleibt in meinen Augen der Titelfavorit, nicht zuletzt wegen eben dieser taktischen Flexibilität – über die individuelle Klasse muss man ja eh nichts mehr sagen.

Man darf nun gespannt sein auf das Duell mit Chelsea (vorausgesetzt, sie verteidigen ihren Vorsprung gegen Benfica). In Sachen Physis und Kopfballstärke sind die Engländer dem AC Mailand sicher noch um einiges überlegen, die Frage ist, wie diszipliniert sie die Ordnung halten können. Da das Hinspiel in London stattfinden wird, ist es gut möglich, dass Guardiola sich wie im Hinspiel gegen Milan für eine vorsichtige Variante entscheidet, Chelsea mit einem 0:0 ebenfalls zufrieden wäre und wir erst im Rückspiel sehen, wie beide Mannschaften um jeden Preis ein Tor erzielen wollen.

niki 20. April 2012 um 15:54

„… oder aus der Abseitsposition einen Vorteil zieht (bspw. der von Latte, Pfosten oder Gegner abprallende Ball wird gespielt).“

und das ist doch der Fall, weil der Ball, den Xavi zu Alves spielen will, abgefälscht wird…

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Fan 21. April 2012 um 01:46

Also ich sags ganz ehrlich, ich bin mir da nich sicher. Aber die einzige mögliche Erklärung, die mir dafür einfällt, ist, dass der Ball nich vom Gegenspieler abprallt, sondern eher gespielt wird. Und dann könnte es als Fehlpass gelten und Abseits wäre hinfällig.

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baumi 21. April 2012 um 10:47

man kann die szene schon auch so werten, das der ball nicht abprallt, sondern bewußt gespielt wurde, technische unzulänglicheiten aber den ball zu messi haben kommen lassen. selbst dann wäre es eine grenzwertige entscheidung, die man zumindest mal im fernsehen oder in einer unserer tollen fachzeitungen hätte besprechen können.
gängige meinung zum thema abseits scheint (auch bei den sky-leuten) zu sein: ball kommt vom gegner -> kein abseits.
ist der wikipediaeintrag korrekt oder hat jemand ein vertrauenswürdigeres regelbuch zur hand?

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niki 4. Mai 2012 um 16:32

Ich hab jetzt mal bei Fifa ne powerpoint Präsentation gefunden, in der das Selbe steht.

http://de.fifa.com/mm/document/afdeveloping/refereeing/law_11_offside_de_47385.pdf Seite 22 …

–> Müsste meines erachtens Abseits gewesen sein…

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grünweiss1899 10. April 2012 um 20:34

Warum war Messi bei der Situation, die zum Elfmeter des 1:0 führte eigentlich nicht im Abseits? Konnte bisher niemand beantworten…

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niki 19. April 2012 um 21:57

Dass würde ich auch gerne wissen. Ist natürlich eine komische Abseitsposition, weil der Ball ja nach hinten gespielt werden soll. Aber eigentlich müsste es ja aktives Abseits werden, da Messi dann ja Abseits steht….
Ich zitiere mal von Wikipedia:
„Im Fußball steht ein Spieler in Abseitsposition, wenn alle folgenden Bedingungen erfüllt sind:

Im Moment der Ballabgabe durch einen Mitspieler der eigenen Mannschaft ist der Spieler

1) in der gegnerischen Hälfte,
2) näher an der gegnerischen Torlinie als der Ball und
3) der gegnerischen Torlinie näher als der vorletzte Gegenspieler.

Außerdem :
Ein Vergehen liegt erst dann vor, wenn ein Spieler, der zum Zeitpunkt der Ballabgabe in einer Abseitsposition stand, aktiv in das Spiel eingreift. Ein solcher Eingriff liegt vor, wenn der Spieler den Ball berührt, einen Gegenspielers in der aktuellen Spielsituation (z. B. Sichtbehinderung) beeinflusst oder behindert oder aus der Abseitsposition einen Vorteil zieht (bspw. der von Latte, Pfosten oder Gegner abprallende Ball wird gespielt).

Sehen kann man das dann unter http://www.ran.de/de/videos/champions-league/barca-milan-die-highlights-292672.html

Da wären alle 3 Kiterien gegeben, und der Ball prallt vom Gegner ab…

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Fan 19. April 2012 um 23:40

Ich hoff mal, dass ich damit jetz nich völlig falsch lieg, aber ich würd sagen, dass es ganz einfach darum kein Abseits ist, weil der Ball nicht von nem Mitspieler, sondern vom Gegner kommt.

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Tank 6. April 2012 um 00:14

Sagt mal, weiß jemand, wo man das Spiel relive sehen kann? Vorzugsweise natürlich gänzlich legal. Konnte es nicht live sehen und bisher ist es auch nicht in der Videothek auf ran.de.

Und ein Barca-Spiel mal nicht zu sehen ist einfach keine vernünftige Option…

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maverick.91 6. April 2012 um 00:48

würde mich auch interessieren

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PP 6. April 2012 um 12:11

Also ich persönlich gucke verpasste Spiele über SkyGo im Internet 😉

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Kein Mensch – Kein Tier – die Nummer 4 5. April 2012 um 12:51

Hallo PP,

gut Dich im Team zu sehen und dem Lob der Vorredner schliesse ich mich an. Die (ich nenn sie mal) Meta – Betrachtung mit „Teuer verkauft“ sollte in den Standard aufgenommen werden.
Allerdings habe ich beim Lesen Deiner Zeilen das Gefühl bekommen einige Aussagen bereits so schon mal gelesen zu haben. Nämlich hier: http://www.zonalmarking.net/2012/04/03/barcelona-3-1-milan-guardiola-goes-with-a-3-3-4/

Grundsätzlich nicht schlecht, weil nicht jeder beide Blogs liest – aber ein Querverweis vielleicht?

Weiter so. Freue mich auf die nächsten Analysen…

Gruss, IV

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PP 5. April 2012 um 13:19

Erst einmal vielen Dank für das Lob!

Dass sich bei der Betrachtung des selben Spiels in der Taktikanalyse einige Aspekte in beiden Artikeln wieder finden, halte ich nicht für ungewöhnlich 😉

Einen expliziten Querverweis im Artikel braucht man glaube ich nicht wirklich machen, da ich mal behaupte, 90% der Leser unserer Seite kennen ZonalMarking, zumal die Seite Euch ja auch unter Leseempfehlungen ans Herz gelegt wird.

Angesichts des „copy+paste-Zeitalters“ halte ich deine Anmerkung durchaus für angebracht, sage an dieser Stelle aber ausdrücklich, dass ich – sowie meine Kollegen – nichts und niemanden kopieren möchte und werde.

Es empfiehlt sich hier noch einmal (für diejenigen, die es noch nicht gelesen haben) in die FAQs zu schauen (http://spielverlagerung.de/faq/), da wird das Ganze schön auf den Punkt gebracht.

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Robert White 5. April 2012 um 11:15

Zu diesem Artikel fällt mir nur ein Wort ein: Genial! Blogs mit dieser Qualität sind eine Seltenheit. Sorry, aber das musste einfach raus.

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Stehtribüne 5. April 2012 um 12:25

Ist schon ok. Passiert mir diesen Artikeln auch häufiger 🙂

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Rudelbildung 5. April 2012 um 02:24

C: Ich gebe dir recht, dass die Breite des Barcelona Kaders teilweise überschätzt wird, möchte dann aber sofort hinzufügen, dass ich nur der Meinung bin, dass dies für die Verteidigung und die Torhüter-Position gilt.

Meiner Meinung nach reagierte Pep vor und während des Spiels optimal auf die Schwächen seiner Mannschaft, ich finde aber auch, dass man Milans taktische Einstellung hervorheben muss. Gerade zwischen der 15.-45. fiel Barcelona äußerst wenig ein. Auch wenn es müssig ist darüber zu spekulieren wäre es interessant gewesen zu sehen wie die Vorzeichnen und Guardiolas taktische Umstellungen dann ausgesehen hätten.

Da durch den 2. Elfmeter vieles spekulativ wird und das 3:1 schnell fiel ist es schwierig zu beurteilen, was sonst passiert wäre. Ich denke allerdings schon, dass man soweit gehen kann zu sagen, dass Milan wesentlich besser als im Hinspiel agierte, aber nach vorne weiterhin nicht zwingend genug war. Es waren Halbchancen vorhanden, aber wenig hochkarätige.

Was genau fandest du riskant an Barcelonas Spiel? Ich muss unmittelbar sagen, dass ich erst stutze, als ich die Aufstellung sah, was an Cuenca lag (ich hatte dort Sanchez oder Tello erwartet), man im Laufe des Spiels aber sehen konnte was Pep sich dabei gedacht hatte. Ich fand Guardiolas Präsentation gestern sehr gut, auch wenn ich dir vollkommen recht gebe, dass Barcelona nicht gut spielte (was man alleine dadran sieht, dass sie nur 60% Ballbesitz hatten)

Ich finde man müsste eher darauf fokusieren, dass Milan seine Lufthoheit viel zu wenig aussspielte. Man gewann zwar 60% der Kopfballduelle, hatte aber viel zu wenig Standardsituationen. Kann man natürlich streiten, ob dies Milans Schwäche oder Barcelonas Stärke war.

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PP 5. April 2012 um 07:25

Ich denke mit riskant meinte er die sich ergebenden Räume auf den Außenbahnen, die von den Halbspielern und teilweise auch Stürmern dann und wann genutzt wurden 😉

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C 5. April 2012 um 13:25

und die Milan Raum zum kontern gaben.

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C 5. April 2012 um 02:03

Den Fehler von Mascherano halte ich im übrigen für einen typischen Fehler eines Spielers der vor der Abwehr spielt und nicht gewohnt ist auf Abseits zu spielen, der Barca Kader kann noch nicht mal den Ausfall von Abidal zu 100% auffangen, weil immer argumentiert wird Barca wäre so toll weil es einen in der Breite so tollen Kader hätte.

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maverick.91 5. April 2012 um 02:38

Ich sehe da wie du das Problem (jammern auf hohem Niveau)
Barca hat neben Pique keinen spielstarken IV.
Puyol ist ein Kämpfer und Vereinsikone usw aber technisch schon sehr limitiert.
Abidal ist insofern einzigartig das es nur wenige AVs gibt die ohne Qualitätsverlust als IV spielen können und trotzdem was Antizipation und Raumdeckung angeht so brillieren.
Das Problem wird für Barca sein einen IV zu finden mit der entsprechenden Statur und Physis der gleichzeitig die Beweglichkeit und Antizipation besitzt die einen weltklasse AV auszeichnen.
Vielleicht könnte man hier sogar sagen (klingt jetzt sehr lobend Warnung!) das Guardiola was seine Anforderungen an die Spieler sogar der so fortschrittlichen La Masia enteilt ist.
Die Mittelfeldspieler die Potenzial zur Weltklasse haben kommen ja beinahe im Saisontakt, das Pique die Masi verlassen hat ist dagegen schon 4(5?) Jahre her und seitdem ist da nicht mehr viel gekommen meiner Meinung nach.
Abwarten vllt kaufen sie ja Hummels oder Badstuber 😉

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geco 5. April 2012 um 11:02

„Ich sehe da wie du das Problem (jammern auf hohem Niveau) Barca hat neben Pique keinen spielstarken IV.“
Ich halte Mascherano für zumindest genauso spielstark. Die allermeisten werden ihn für einen reinen Beißer und Kämpfer halten, aber das sehe ich anders. Vielleicht wird er so sogar unterschätzt. Andersrum wird Piqué vielleicht bezüglich der Spielstärke etwas überschätzt.
Mascherano kommt meines Wissens ursprünglich aus dem defensiven Mittelfeld und fällt m.E. durch seine Ball- und Passsicherheit auf. Ich würde gerne mal Statistiken diesbezüglich sehen (Richtung der Pässe, Passquote o.ä.).
Was aus der Masia nachrückende IV angeht, so steht Bartra wohl ganz oder zumindest recht weit oben. Bisher durfte er sich aber nur in unbedeutenden Spielen beweisen und so ist es zweifelhaft, ob er jemals die Chance hat Stammverteidiger bei Barca zu werden.

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maverick.91 5. April 2012 um 11:36

@geco
Mascherano ist wie du richtig sagtest ‚gelernter‘ defensiver Mittelfeldspieler was sich wie oben schon erwähnt halt dann und wann auch zeigt. Gerade solche IV typischen Situationen wie das Abseitsstellen gehen ihm meiner Meinung nach schwerer von der Hand bzw. sind für ihn weniger natürlich.
Er spielt bei Barca zwar eigtl immer IV seit seinem Wechsel, aber ich glaube das das Fundament was ein Pique in der Hinsicht mitbekommen hat in seiner Jugend in einem Alter von Mascherano (26 bei seinem Wechsel?) auch nicht so ohne weiteres nachzuholen ist.
Wobei man auch sehen muss das Barcas IVs eine sehr eigene Rolle im System erfüllen wodurch auch mal ein Busquets in der IV aushelfen kann weil man meist eh in Ballbesitz ist und diesen mit DM hinten drin auch besser halten kann da wie du schon gesagt hast diese spielstärker sind.

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SickJames 5. April 2012 um 12:28

Puyol spielt nicht weil er eine Vereinsikone ist und auch nicht weil Barca keinen spielstarken IV hat. Seit Jahren wird davon geredet, dass Puyols Zeit so langsam vorbei ist. Fakt ist, dass er jedes Jahr spielt, und das nicht aus Dankbarkeit wegen seiner Verdienste oder sowas.

Es mag abgedroschen klingen, aber auch Barca kann nicht mit 11 Xavis, Iniestas und Messis gewinnen. Sammer hat die Causa Puyol mal auf den Punkt gebracht, an den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht, aber es ging um das, was Puyol verkörpert, um das, was er der Mannschaft bringt, gerade in Spielen wie gegen Real oder Spanien gegen Deutschland.

Wenn man so will ist er der deutscheste Spanier (wenn man nach den üblichen Klischees geht), und selbst die Spanier brauchen eine solche Komponente, ebenso Barca.

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geco87 5. April 2012 um 12:54

@ SickJames:

Gut, dass du Sammer ansprichst. Er hat das ganze damals natürlich sehr radikal ausgedrückt. Zum einen meinte er (auch halb im Spaß), dass Puyol gar nicht richtig Fußball spielen kann. Zum anderen hätten die Spanier (und entsprechend Barca) vor einigen Jahren erkannt, dass man mit Schönspielen alleine keine Titel holt und dementsprechend auch nach rustikaleren Spielertypen gescoutet. An beidem ist gewiss etwas dran. Puyol ist einfach unheimlich wichtig für Barca, gerade auch als Vorbild für junge Spieler, was die Einstellung angeht. Ich denke, er hat seinen Zenit noch längst nicht überschritten, sollte er auch nicht mehr in jedem Spiel auflaufen.

Ich meinte übrigens Andreu Fontás als Nachwuchs-IV, auch wenn Bartra ebenso Verteidiger ist.

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HerrHAnnibal 5. April 2012 um 16:29

Was Sammer zu Puyol gesagt hat ist einfach Quatsch.

Puyol war erstmal Aussenverteidiger mit ordentlichem Offensivdrang und Flankenläufen. Natürlich liegt sein Erfolg nicht allein an seinem Talent sondern auch an der Arbeitseinstellung und an seinem Kämpferherz. Dennoch ist Puyol technisch genauso ausgebildet worden wie seine offensiveren Kollegen. Er ist im Spielaufbau absolut solide und es ist falsch ihn nur auf seinen Einsatzwillen zu reduzieren.

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C 5. April 2012 um 01:52

Also was mir nicht so wirklich eingeht ist, dass du die taktische Variabilität derart lobst und insgesamt wird mir Barca da doch etwas zu positiv beurteilt (wobei ich der Meinung bin, dass das 3:1 durchaus wunderbar herausgespielt war). Das 1. System liess doch riesige Lücken, natürlich hat Barca da mehr Torchancen/schüsse das heisst aber noch lange nicht dass die sehr zwingend waren, während man Milans einen Torschuss/chance sehr wohl als 100% Chance betiteln kann, das Spiel wäre sehr spannend geworden wenn es den 2. Elfer nicht gegeben hätte. Alles in allem war es sehr riskant so spielen zu lassen, ein 1:1 hätte Barcas Aus bedeutet, wenn ich da das Spiel Bayern – Nürnberg vom Wochenende nehme habe ich da den Eindruck, dass da mit zweierlei Maß gemessen wird, bei Bayern – Nürnberg war deine Darstellung von Heynckes‘ (durchaus berechtigtem) Experiment mit Pranjic wesentlich negativer obwohl es weitaus weniger risikant war.

Mir ist durchaus klar, dass man die Vereinsbrille nie zu 100% absetzen kann (ich will auch nicht behaupten dass ich zu 100% objektiv bin), aber ich wollte mal darauf aufmerksam machen, dass man es durchaus anders sehen kann.

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PP 5. April 2012 um 07:23

Durchaus berechtigte Kritik. Ich finde halt, dass es stark von Guardiola war, das in der Theorie eigentlich gut passende 3-4-3/3-3-4 zu verwerfen, weil es dann in der Praxis eben doch nicht so gut funktionierte. Heynckes tauschte ja gegen Nürnberg „nur“ das Personal (und dann wieder zurück), was seine Leistung natürlich keineswegs schmälern soll und angesichts Bayerns Fokussierung auf ein System durchaus legitim ist 😉

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C 5. April 2012 um 13:29

ok meine Sicht ist hier vielleicht etwas stärker erfolgsorientiert als deine, oder wie es bei Anstoss 3 immer so schön heisst „Der Erfolg gibt dem Recht der ihn hat, solange er ihn hat.“

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HerrHAnnibal 4. April 2012 um 18:47

Sehr guter Spielbericht…

In der ersten Hälfte war es wirklich ein exaktes 3-4-3 mit Raute

Pep wollte die Mailänder Verteidigung in die Breite ziehen nachdem im Hinspiel die linke Seite (Puyol, Keita und Iniesta) praktisch unsichtbar war und jeder Barca Angriff durch das gut zugestellte Zentrum lief.

Für mich war noch bemerkenswert, dass Mailand Ibrahimovic und Robinho (teilweise auch Boateng) in der ersten Halbzeit über weite Strecken ohne Defensivaufgaben vorne stehen liess. Die Viererkette und die Mittelfeldspieler zogen sich zurück und verteidigten auch zumeist recht solide den Raum um den eigenen 16er… Dadurch entstand bei einem Ballgewinn der Italiener oftmals die Chance den ganzen Raum im Mittelfeld zu nutzen und die Offensivspieler in gute Positionen zu bringen. Mailand wirkte beim schnellen Umschalten durchaus gefährlich wobei die Dreierkette bei Barca individuell viele direkte Duelle gut klären konnte.

Wenn Chelsea das Halbfinale erreicht gibt es einige interessante Optionen für die Engländer. Es wird richtig interessant inwieweit man zwischen Offensive und Defensive zwischen Jung und Alt zwischen Physis und Tempo gewichten wird.

Der Kader erlaubt viele unterschiedliche Herangehensweisen an dieses Duell.
Da darf man gespannt sein.

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Jose Mourinho 4. April 2012 um 22:44

Zumal die Engländer sich noch revanchieren wollen (Skandal von der Stamford Bridge 2009).

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Rudelbildung 4. April 2012 um 16:44

Wieder mal ein super Artikel, du bist wirklich ein Glücksfall für die Seite in meinen Augen. Gerade der Abschnitt: “Teuer verkauft” – lobenswert oder nicht genug?“ ist richtig gut, da er Milans Spiel kurz zusammenfasst.

Ich hätte mir auch mehr Risiko nach dem 3:1 gewünscht, für mich wirkte es aber so, als ob man nach dem 3:1 aufgab. Mailand hatte das Spiel ja ganz gut im Griff zwischen der 15.-45. Minute, der Elfmeter zerstörte dann allerdings alles. Mir fiel in der Phase gerade auf, dass Barcelona erstaunlich oft von außerhalb des 16ners aufs Tor schoß.

Mailand hingegen fand ich war wesentlich besser dadrin sich bis zum Strafraum zu spielen und auch Abschlüsse innerhalb dieses zu erzwingen. Das war im Hinspiel ja gar nicht der Fall.

Dass das weiterkommen für Barcelona vollkommen in Ordnung geht sehe ich auch so. Milan spielte es intelligent, aber die beiden individuellen Fehler (wenn man den 2. Elfmeter als Dummheit abtun will) zerstörten dann alle Hoffnungen.

Was mir wieder auffiel, was hier auch schon oft angesprochen wurde, ist die Fähigkeit von Guardiola innerhalb eines Spiels taktische Veränderungen vorzunehmen. Die führst du hier ja auch an, Cuenca zu bringen fand ich sehr clever, auch Alves in der 2. Hälfte defensiver agieren zu lassen und Keita zu bringen fand ich sehr gut gesehen.

Den Ausblick finde ich äußerst interessant zu lesen, mir gefällt diese Art und Weise der Vorschau. Ich denke auch, dass Chelsea über die Physis kommen wird, bin auch total deiner Meinung, dass Milan diese Lufthoheit zu selten ausspielte.

Zuletzt, was ich auffällig fand war Milans Versuch fast alle Situationen spielerisch zu lösen. Ich weiß nicht, ob es die richtige Marschroute war, fand es aber bemerkenswert, dass man so agierte.

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Rudelbildung 4. April 2012 um 16:49

Sah gerade, dass der Satz etwas unklar formuliert war:

„Mailand hingegen fand ich war wesentlich besser dadrin sich bis zum Strafraum zu spielen und auch Abschlüsse innerhalb dieses zu erzwingen. Das war im Hinspiel ja gar nicht der Fall.“- damit meinte ich nicht im Vergleich zu Barcelona, sondern dass Milan sich da stark verbessert hatte. Weißt nicht, wie du das siehst?

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