SC Freiburg – 1. FC Kaiserslautern 2:0

Der SC Freiburg siegt gegen den 1.FC Kaiserslautern mit 2:0 und ist dem Klassenerhalt einen großen Schritt näher. Neu-Coach Balakow konnte in seiner ersten Partie kaum taktische Akzente setzen.

Nach der Niederlage gegen Schalke zogen die Verantwortlichen in Kaiserslautern die Reißleine: Sie entließen Trainer Kurz und präsentierten mit Balakow einen nicht unbedingt erwarteten Ersatz. Nach nur zwei Trainingseinheiten mit dem neuen Coach war nicht zu erwarten, dass dieser bereits gegen den SC Freiburg eine neuen Spielidee präsentiert. Schematisch jedenfalls änderte er die Mannschaft leicht: Die Roten Teufel traten in einer 4-1-4-1-Formation auf, mit Borysiuk zwischen den Ketten und dem jungen Derstroff als alleinige Spitze.

Freiburgs Pressing setzt Lautern unter Druck

An der grundlegenden Spielweise des Teams änderte er zunächst einmal wenig. Der größte Unterschied in der Spielweise beider Teams war – wie erwartet – die Art der Verteidigung: Lautern stand mit seiner gesamten Mannschaft enorm tief. In der Anfangsviertelstunde verteidigten sie mit allen Spielern hinter der Mittellinie, die Viererkette blieb am eigenen Sechzehner. Zwischen den Verteidigern konnte Freiburg den Ball in Ruhe querschieben, ohne von ihren Gegnern gestört zu werden. Schuster und Makiadi fielen abwechselnd als abkippende Sechser zurück und machten das Spiel aus der Tiefe.

Lautern versuchte demnach, am Anfang aus der Verteidigung heraus auf schnelle, mit kurzen Pässen gespielte Konter zu setzen. Jedoch kamen sie in der Anfangsviertelstunde kaum aus der eigenen Hälfte raus. Schuld hieran war das zu Beginn starke Pressing der Freiburger: Sie ordneten sich im 4-4-2 an, stellten die vertikalen Passwege für die Innenverteidiger zu und warteten, bis der Pass zum Außenverteidiger kam. Dies war das Signal für ihr Pressing: Die Außenstürmer attackierten, die Stürmer rückten auf und setzten im Falle eines Quer- oder Rückpasses Innenverteidiger bzw. Torwart unter Druck. Auf diese Weise „erpresste“ sich der SC Freiburg die frühe Führung: Rodnei agiert nach einem Querpass des unter Druck gesetzten Bugera kopflos, sein Klärungsversuch landete von Freis Kopf aus bei Guede. Dieser konnte den Ball ohne Probleme an Sippel vorbei ins Tor schieben (8.).

In den Minuten nach dem Gegentor wurde das größte Lauterer Problem augenscheinlich: Ihr schwacher Spielaufbau. Die Verteidigung versuchte zwar, auch Drucksituationen mit kurzen Pässen  spielerisch zu lösen, jedoch kamen dabei oft nur Quer- und Rückpässe raus. Die beiden Innenverteidiger Rodnei und Yahia brachten kaum vertikale Pässe zustande, Borysiuk fand so kaum ins Spiel. Obwohl er tief liegender Mittelfeldspieler war und Lautern fast nur in der eigenen Hälfte spielte, hatte er am Ende nur die fünft meisten Ballkontakte auf dem Konto. Zum schwachen Spielaufbau gesellten sich dann noch Fehler, beispielsweise beim Eckball zum 0:2, als die Raumdeckung den Bereich am zweiten Pfosten freiließ. Makiadi bedankte sich – das Spiel schien bereits in der 14. Minute entschieden.

Lautern wird besser, bleibt aber ohne Durchschlagskraft

Erst nachdem sie bereits 0:2 zurücklagen, wurde deutlich, wie sich Balakow die Partie vorstellte: Durch die tief agierenden Außenstürmer, die das System fast schon zu einem 4-3-2-1 werden ließen, konnten die nach vorne stürmenden Außenverteidiger von Freiburg aufgenommen werden. Den Freiburgern wurde im Spielaufbau so die wichtige Option, den Ball nach außen zu passen, genommen. Sie wurden in der Folge unnötig hektisch und spielten zu viele hohe Bälle, die Lautern meistens klären konnte. So konnten sie keine Kontrolle über das Spiel aufbauen, was sich auch im Ballbesitzwert von nur 44% widerspiegelt. Gepaart mit dem weniger aggressiv betriebenen Pressing konnte Lautern nun den Ball in der eigenen Defensive laufen lassen, hatte aber mit dem beschriebenen Mangel an Kreativität zu kämpfen.

Die Überzahl auf rechts durch das tiefe Fallens Tifferts auf die Außenverteidigerposition.

Nach rund 30 Minuten beorderte Balakow Spielgestalter Tiffert zu sich. Dieser ließ sich von da an im Spielaufbau auf die Rechtsverteidigerposition fallen, um von dort mit seiner Passstärke das Aufbauspiel in der eigenen Hälfte zu stabilisieren. Diese Änderung fruchtete gut, da Lautern ohnehin nur über die rechte Flanke für Gefahr sorgte – dass ein Spieler weniger im Zentrum war, fiel ob des schwachen Vertikalspiels gar nicht auf. Zudem nutzten sie die hohe Rolle Caligiuris aus: Rechtsverteidiger Dick postierte sich als Anspielstation hinter ihm. Dieser presste nun Tiffert, welcher ihn jedoch auffällig oft umspielen konnte. Nun gab es im Angriff durch Sahan und Dick eine Zwei gegen Eins Situation, die zu einer Handvoll Flanken führte. Dennoch kamen die Lauterer im Verlauf nur zu einer Chance. Im Strafraum fehlte ein Verwerter der Hereingaben, die dazu noch recht ungenau waren.

Nach der Pause brennt nichts an

Nach der Pause schaffte Freiburg es, das Spiel wieder besser unter Kontrolle zu bekommen. Lautern stand nun auf den Außen offensiver und gab die 4-3-2-1 Aufstellung zugunsten eines klaren 4-1-4-1 auf. Auch Tiffert ließ sich nicht mehr so stark zurückfallen. Freiburg setzte nun stärker auf ein aktives Pressing, das die Gäste an ihrer empfindlichsten Stelle traf: Im Spielaufbau. Aus Freiburgs 4-4-2 wurde oft ein 4-3-3, da einer der vier Mittelfeldspieler situationsbedingt aggressiv aufrückte.  Sie verlagerten die Zweikämpfe in die Lauterer Hälfte, was aufgrund deren schwachen Spielaufbaus sehr gut funktionierte. Durch die höher agierenden Außen des Gegners fanden sie nun auch Platz auf den Flügeln, was ihnen zwei große Chancen bescherte. Lautern fand nicht mehr zurück in die Partie

Was bei den Gästen auch in der zweiten Hälfte auffiel, war der unbedingte Wille, Drucksituationen spielerisch zu lösen. Gegen das Pressing der Breisgauer versuchten sie sich fast nie durch lange Bälle zu befreien. Dies ist langfristig natürlich positiv einzuordnen, in diesem Spiel war es in mancher Situation kontraproduktiv. Jedoch hätten lange Bälle ohnehin nicht viel gebracht – bis auf eine kurze Phase zwischen der 73. und der 77. Minute agierten die Pfälzer nie mit zwei Spitzen. Nachdem Shechter (77. für Fortounis) eingewechselt wurde, stellte das Team von 4-4-2 auf ein 4-2-3-1 um und suchte weiter das schnelle Kurzpassspiel mit langen Spielverlagerungen. Langfristig könnte dieser Versuch, spielerische Kultur ins Fritz-Walter-Stadion zu bringen, fruchten – in diesem Abstiegsduell wäre eventuell eine Spielweise, bei der nach hohen Pässen der zweiten Ball erobert wird, ratsamer gewesen.

Fazit

Der Trainerwechsel konnte in Lautern keinen kurzfristigen Energieschub freisetzen. Kaiserslautern bleibt die schwächste Offensive der Liga, und genau das ist das Problem: Ein Team mit offensiven Akzenten zu beleben, dauert für einen Trainer wesentlich länger als die Stabilisation der Defensive. Balakow scheint einige sinnvolle Ideen zu haben (bspw. der konsequente Verzicht auf vertikale, lange Bälle und der Einsatz von diagonalen Spielverlagerungen). Das schwache Aufbauspiel und die fehlende Kaltschnäuzig- und Genauigkeit im letzten Drittel schweben aber wie ein Damoklesschwert über dem Team.

Bei Freiburg gilt das eben Geschriebene, nur genau andersrum: Streich baute in den vergangengen Wochen auf den offensiven Stärken des Teams auf und setzte dazu einige defensive Akzente. Die Viererkette steht weiterhin recht hoch, macht allerdings nicht allzu viele Fehler wie in der Hinrunde, beispielsweise bei Abseitssituationen. So scheint für Freiburg der Klassenerhalt im Moment machbar. In dieser Partie war jedoch nicht alles Gold, gerade im Bereich Spielkontrolle zeigten sie zuletzt stärkere Leistungen. Dass sie am Ende mit einer eher durchschnittlichen Leistung deutlich mit 2:0 gewinnen konnten, verdeutlicht ihren Vorsprung gegenüber Kaiserslautern im spielerischen Bereich.

Verbesserung 25. März 2012 um 13:49

Mujdza spielte rechts, Sorg links. War auch in der Aufstellung so.

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TE 25. März 2012 um 14:47

Oh, habe ich gar nicht drauf geachtet. Vielen Dank für den Hinweis, habe es ausgemerzt.

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tactic_addicted 25. März 2012 um 12:49

Hallo,

das 4-1-4-1 scheint ja momentan das System der Abstiegskandidaten zu sein, siehe Hertha.

Man muss dem aktuellen Sportstudio mal zugutehalten, dass Ihnen in der 3D-Analyse das Zurückfallen Tifferts aufgefallen ist. Dieser präsentierte sich übrigens sehr sympathisch und intelligent. Er gestand ein, eine schlechte Saison zu spielen. Hört man auch nicht oft …

Die Freiburger haben am Anfang ja in ihrem 4-4-2 wirklich gnadenlos gespresst. Bei gegnerischem Ballbesitz scheint das 4-4-2 das System der Stunde zu sein. Bayern, Dortmund, Schalke, hier Freiburg spielen es in solchen Situationen, Gladbach ja sowieso immer. Bei der enorm wichtigen Rolle der Innenverteidiger im modernen Spielaufbau braucht man einfach 2 Stürmer im Zentrum, die pressen.

Die Kausalität ist momentan ja:
spielstarke Innenverteidiger (Hummels, Badstuber) ——–> gnadenloses Pressing auf die Innenverteidiger, teilweise sogar Manndeckung ———>abkippender 6er zur Unterstützung

mal sehen, was als nächstes kommt

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