Donnerstag, 24.08.2017

FC Basel – Manchester United 2:1

Müde, ideenlos, ohne Aggressivität: Manchester United verlor gegen den stark aufspielenden FC Basel mit 1:2 und scheidet so aus der Königsklasse aus.

Im Entscheidungsspiel um das Weiterkommen in der Gruppe C traten beide Trainer mit schematisch recht ähnlichen Formationen an: Der FC Basel agierte aus einem 4-4-1-1, in dem Alex Frei leicht hinter Streller agierte. Ebenso übernahm Ji-Sung Park auf der anderen Seite eine offensive Mittelfeldspielerrolle ein und war hinter der Sturmspitze Rooney zu finden. Die taktischen Unterschiede beider Teams waren in der Interpretation der Formation zu finden: Während die United-Akteure ihre Positionen weitestgehend hielten und die Außenstürmer eher selten nach innen zogen, war das Grundgerüst der Basler wesentlich fluider. Es gab zahlreiche Positionswechsel im Mittelfeld, so bauten die zentralen Mittelfeldspieler Xhaka und Cabral das Spiel oft aus der eigenen Hälfte auf. Auch die Außenstürmer Shaqiri agierten flexibel und wichen oft in die Mitte aus. Auch Frei und Streller fielen oft zurück, um im Mittelfeld eine Überzahlsituation zu kreieren.

Basel überlädt das Zentrum

Mit dieser Taktik fuhren die Basler zu Beginn sehr gut. United übte im Mittelfeld so gut wie keinen Druck auf die gegnerischen Sechser aus, so dass die Schweizer aus dieser Zone ihr Spiel gut aufziehen konnten. Da die Abstände zwischen Mittelfeld und Angriff bei den Engländern selten stimmten, hatten Cabral und Xhaka viel Zeit am Ball. Durch die Überladung der Räume im Zentrum konnten die Basler einerseits in der Offensive den Ball kontrollieren und andererseits in der Defensive hohen Druck auf die gegnerischen Sechser ausüben. In den ersten Minuten konnten die Gäste daher das Spiel nicht kontrollieren, wie man es von ihnen erwartet hätte. Die erste große Chance konnten dementsprechend die Hausherren verbuchen, und diese führte direkt zum Führungstreffer: Während ein Manchester-Verteidiger im eigenen Sechzehner noch am Boden lag, flankte Shaqiri den Ball in den Strafraum. Nach einer missglückten Abwehr de Geas konnte Streller das Tor erzielen (9.).

Auch in der Folgezeit konnte United keine rechte Dominanz aufbauen. Zwar lief der Ball über weite Strecken gut durch die eigenen Reihen, nach vorne brachten sie aber sehr wenig zustande. Ihr Spiel lief fast nur über die rechte Seite, auf der Nani zu seinen berühmt-berüchtigten Dribblings ansetzte. Zu oft lief er sich dabei aber an den Gegenspielern fest, die sich zudem auf dieses Angriffsmuster schnell einstellten. Da die linke Seite mit Young und Evra praktisch nicht stattfand, konnten sie ruhigen Gewissens die Mittelfeldreihe zum Portugiesen verschieben.

Aber auch in der Zentrale kam Manchester nicht durch. Es ist bezeichnend, dass Phil Jones, seines Zeichens zentraler Mittelfeldspieler, die schlechteste Passgenauigkeit aller Abwehr- und Mittelfeldakteure bei United hatte (80%). Von ihm und seinem Mittelfeldpartner Giggs kamen zu wenige Impulse. Rooney hing so fast die komplette erste Halbzeit in der Luft. Dass die Kombinaton Giggs-Rooney eine potenziell gefährliche sein kann, wurde nur in wenigen Szenen angedeutet. So kam United zu seiner besten Chance in der ersten Halbzeit nach einem Schnittstellenpass von Giggs auf Rooney, welcher jedoch zu wenig Druck hinter den Ball brachte (35.). Viel zu selten entblößte der Vorjahresfinalist auf diese Weise die hochstehende Viererkette der Basler.

United ohne jede Aggressivität

Auch nach der Pause änderte sich wenig am Spiel. Die Hausherren verschoben weiterhin mit zehn Mann hinter dem Ball, während Manchester United jegliche Kreativität vermissen ließ. Zunächst schien es so, dass Park, der mit Young die Positionen tauschte, auf der linken Seite für mehr Wirbel sorgen konnte. Die größere Variabilität im Aufbauspiel (nicht mehr jeder Angriff lief über rechts), die ihren Ausdruck in der höheren Anzahl an Flanken fand, wurde durch die kopfballstarken Basler Innenverteidiger gekontert. Young und Rooney konnten nur selten eingesetzt werden, und so war die größte Chance für die Gäste ein verunglückter Klärungsversuch von Steinhöfer an die eigene Latte (60.). Erst mit der Einwechslung Welbecks (64. für Young) kam ein wenig Schwung in das Spiel der Gäste, wirklich hundertprozentige Chancen gab es aber kaum.

Vielmehr fragte man sich als Zuschauer in dieser Phase, warum der FC Basel das Ergebnis nicht einfach locker heruntergespielte. Gegenwehr von Manchester United gab es jedenfalls nicht. Ein europäisches Top-Team, das den Ausgleich dringend brauchte und trotzdem so wenig Pressing betrieb, war wohl ein Novum in der Champions League Geschichte. Rund um die 75. Minute gab es eine Szene, die dieses Paradoxon gut veranschaulichte: Shaqiri und Xhaka spielten sich am Mittelkreis den Ball seelenruhig zu. Erst nachdem Giggs seine Mitspieler lauthals und stark gestikulierend aufforderte, sie sollen doch rausrücken, wurden die Beiden attackiert. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie schon erfolgreich nahezu eine halbe Minute mit Quer- und Rückpässen von der Uhr gespielt.

Trotzdem scheint der große Name des Gegners ein wenig Nervosität in das Spiel der Hausherren gebracht zu haben. Konter wurden nicht sauber zu Ende gespielt, speziell Alex Frei spielte einige unnötige Fehlpässe. Bei saubererem Konterspiel und etwas mehr Ruhe im eigenen Spielaufbau hätte man die eigenen Nerven und die der Zuschauer wohl ein wenig beruhigen können. Im St. Jakob Park konnte man eine Stecknadel fallen hören, ehe Alex Frei die bangenden Fans in der 84. Minute erlöste: Eine Flanke des agilen Shaqiri köpfte er zum 2:0 ein. Erst dieses Gegentor ließ Manchester United aufwachen und fortan warfen sie alles nach vorne. Die Aggressivität, mit der sie nun zu Werke gingen, hätte ihnen schon in den Minuten zuvor gut gestanden. Doch mehr als der Anschlusstreffer durch Jones (89.) war nicht drin. So schieden sie sang- und klanglos aus.

Fazit

Manchester United scheitert mit einer verdienten Niederlage in Basel bereits in der Gruppenphase der Königsklasse. Der amtierende englische Meister wirkte mit seiner starren Ordnung antik im Vergleich zu der fluiden Spielweise der Basler. Zu keiner Zeit des Spiels brachten sie das Tempo oder die Aggressivität auf, die gegen den Underdog nötig gewesen wäre. Die Kreativitätsprobleme, die sich wie ein roter Faden durch das Spiel der Ferguson-Elf seit der Niederlage gegen Manchester City ziehen, traten auch in dieser Partie wieder klar zum Vorschein. Solange die Sechserposition derart große Probleme bereitet, wird Manchester United für keine Furore sorgen – weder national noch international in der Europa League, in der sie jetzt antreten müssen / können / dürfen.

Matt Daniels 9. Dezember 2011 um 21:39

Zuallererst meine Hochachtung für die Analysen, die ihr hier anbietet. Hochinteressant und immer auf hohem Niveau geschrieben.

In eurem Fazit beschreibt ihr ja die Ordnung Uniteds als antik. Ich sehe das ähnlich und wundere mich, aus welchen Gründen der Trainer so gänzlich von der Fluidität der ersten Spiele abgewichen ist. Ich kann mir nicht nicht vorstellen, dass das nur das Personal ist, was da einfach nicht zu Potte kommt, sondern vermute, dass die taktischen Vorgaben entweder falsch rübergebracht oder falsch umgesetzt werden. Denn bis auf Cleverley und Anderson ist die Besetzung ja mittlerweile wieder gleich zu der am Anfang und auch wenn kein anderes Mittelfeld-Paar diese Eigenschaften so besitzt wie grad angesprochene, dürfte das doch nicht der völlige Todesstoß für die Flexibilität des ganzen Teams sein.
Wie seht ihr das?

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Home 8. Dezember 2011 um 21:30

Naja, eigentlich nicht nur Anderson, sondern auch Cleverley. Die beiden haben das Spiel geleitet zu Beginn der Saison. Kaum war Cleverley verletzt, wurde Anderson wieder schwach und ist jetzt sogar auch verletzt. Aber auch ein Carrick kann in seiner aktuellen Form viel zum Spielaufbau beitragen, nur war er ja leider gesperrt. Trotzdem: Auch mit der langen Verletzungsliste muss der Einzug ins Achtelfinale einfach drin sein.

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Max 8. Dezember 2011 um 17:26

Genau dieselbe Schlussfolgerung bezogen auf das Manchester United der letzten Zeit habe ich auch gezogen. Es fehlt einfach der Spieler auf der ‚6‘. Ich denke hier muss es sich SAF ankreiden lassen, diese Position nicht gut besetzt zu haben. Ein Beispiel für so einen Spielertypen wäre meiner Meinung nach Xavi, der ja in Barca die Seele des Spiels ist. Und genau das hat United eben nicht: sie haben keinen, der ihre Angriffe strukturiert, der immer anspielbar ist und immer die zündende Idee hat.
Natürlich ist mit Anderson der Spieler, der diese Position am ehesten hätte besetzten können, verletzt. Aber das kann nicht als Ausrede dafür gelten, dass United so schwach spielt. SAF hätte einen neuen zentralen Mittelfeldspieler kaufen müssen.

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vastel 8. Dezember 2011 um 20:45

An welchen Spieler denkst du konkret?

Die „großen“ 6er sind alle langfristig bei anderen großen Vereinen gebunden (Xavi, Schweini, Alonso…), auch z.B. ein Sahin ist zu Real gegangen.

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Maenix 9. Dezember 2011 um 17:10

ManU wollte doch Sneijder holen im Sommer, oder?

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