1. FC Kaiserslautern – Bayer Leverkusen 0:2

Robin Dutt holt wichtige drei Punkte im Spiel auf dem Betzenberg. Nachdem die erste Halbzeit nach einer interessanten Anfangsviertelstunde ereignisarm blieb, stellte der Leverkusener Coach mit einigen taktischen Veränderungen die Weichen für den Sieg.

Die Trainer Marco Kurz und Robin Dutt standen vor einer wichtigen Partie, sind sie doch aufgrund der schwachen Ergebnisse der Vorwochen in die Kritik geraten. Beide schickten ihre Teams mit ähnlichen Formationen ins Spiel: Sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite war in der Offensive ein 4-2-3-1 zu bewundern, dass in der Defensive flexibel zu einem 4-4-2 wurde. Bei Lautern war es Tiffert, der in Pressingsituationen neben Kouemaha agierte, bei Bayer war Ballack beim eigenen Pressing in fast allen Situationen neben Kießling zu finden, ließ sich aber beim eigenen Spielaufbau weiter zurückfallen als sein Lauterer Counterpart. Mit diesen beiden Grundaufstellungen  begann ein zunächst amüsantes Spiel, das in den ersten 15 Minuten einige Torchancen auf beiden Seiten bot.

Stark angefangen, stark nachgelassen

Lautern fuhr ihre altbekannte Strategie und versuchte, über die Außenbahnen zum Erfolg zu kommen. Während Sahan und Fortounis leicht in die Mitte zogen, hinterliefen die Außenverteidiger Dick und Bugera ihre Kollegen und konnten so frei an der Grundlinie zu Flanken kommen.  Sie profitierten davon, dass die Leverkusener Außenverteidiger ihrerseits nicht immer ideal standen – entweder rückten sie zu weit auf oder zu weit ein, so dass der Raum auf der Flanke nach einem Nachinnenziehen der Außenstürmer freigelassen wurde. So konnten die Lauterer schon nach dem Anpfiff zwei gute Möglichkeiten über die Flügel herausspielen. Nach und nach kamen die Flanken allerdings ungenauer – nach der 20. Minute kamen bis Spielschluss von 11 Flanken gerade einmal 2 an. Es fehlte ein Plan B, der nicht auf hohe Bälle von der Grundlinie ausgelegt war. Viel zu selten wagten sie eine Kombination durch die Mitte, und falls sie es taten, kamen sie gegen Abräumer Reinartz nicht durch. Tiffert war daher in einer für seine Verhältnisse offensiven Rolle, teilweise als zweiter Stürmer neben Kouemaha, fehlbesetzt. Zwar ging er oft auf die rechte Flanke und half, dort eine Überzahl zu schaffen, allerdings spielte er meistens nur Ablagen auf seine Mitspieler. Auf Außen fehlten seine präzisen Flanken und auf der Sechserposition seine guten Vertikalbälle im Spielaufbau.

Die Leverkusener fingen ebenso druckvoll an. Gerade Michael Ballack leitete mit seiner starken Präsenz Angriff um Angriff ein. Nach zwei guten Möglichkeiten in der Anfangsphase traten aber die Mängel in der Leverkusener Taktik immer deutlicher zum Vorschein. Als Lautern nach einem aggressiven Beginn, in dem sie den Gegner früh attackierten, aber auch Lücken für Leverkusener Chancen öffneten, sich etwas zurückzog, bekam Dutts Mannschaft Probleme mit der gegnerischen Kompaktheit. Ihnen fehlten die spielerischen Mittel, um gegen die zwei eng gestaffelten Viererketten durchzukommen. Speziell hatten sie mit zwei Problemen zu kämpfen: Zum Einen machte ihnen die ständigen Attacken der Lauterer auf ihre Sechser zu schaffen. Bender und auch der oft zurückfallende Ballack konnten so aus der Zentrale wenig Impulse setzen. Zudem lenkten die Hausherren so die Bayer-Offensive geschickt auf die Außen.

Hier hatte die Werkself mit dem zweiten Problem zu kämpfen: Dadurch dass Ballack sich häufiger auf links als auf rechts fallen ließ, entstand eine Asymmetrie in der Leverkusener Formation, die ihnen nicht gut stand. Sam rückte in den zahlreichen Situationen, in denen Ballack auf links aushalf, nicht ein, so dass die beiden ehemaligen Lauterer sich in vielen Situationen fast auf den Füßen standen. Castro, der auf der anderen Seite völlig isoliert war, wurde nicht in das Spiel eingebunden und wich daher oft ins Zentrum. Die Leverkusener machten es so den Lauterern leicht, durch kompaktes Verschieben und Doppeln der Außen die Leverkusener Angriffsbemühungen auszuschalten. Es ist bezeichnend, dass von den fünf Flanken der Leverkusener in Halbzeit eins keine einzige von der rechten Seite kam. So hatten die Leverkusener kaum Chancen mehr in Halbzeit eins zu verbuchen, und auch Lautern kam nicht mehr nach vorne durch.

Dutt stellt Weichen

Nach der Pause war es Robin Dutt, der die richtigen Schlüsse zog. Während die Lauterer bis auf einen etwas tiefer fallenden Tiffert, der aber immer noch zu selten ins Spiel eingebunden wurde, unverändert blieben, ließ der Bayer-Coach sein Team flexibler auftreten. Die Dreierreihe war nun angehalten, öfter die Positionen zu tauschen. Wenn Ballack nun auf links oder rechts ging, besetzte Castro die Zentrale und Sam die andere Flanke. Auch Bender stieß nun mit seinen dynamischen Läufen immer wieder in die Spitze.

Leverkusen wirkte bereits in den ersten zehn Minuten der Halbzeit wesentlich gefährlicher als in Großteilen der ersten Halbzeit. Die Führung durch Ballack war daher verdient, auch wenn sie nur durch einen Fehler von Trapp zustande kam (54.). Lautern konnte jetzt nicht mehr den Druck auf die gegnerischen Sechser aufbauen, der sie noch in Halbzeit eins so auszeichnete. Mit der besseren Einbindung Benders wurde auch sein Team besser. So hätte Castro einen Schuss Benders, den Trapp nicht festhalten konnte, das 0:2 erzielen müssen, verfehlte aber das Tor.

Lauterer Schlussoffensive und Michael Ballack

Lautern war durch den Rückstand alarmiert, blieb aber im Spiel nach vorne zunächst zu starr. Dabei waren sie gerade in Situationen gefährlich, in denen sie nicht wie ferngesteuert die Grundlinie zum Flanken suchten – so bei der Chance Kouemahas in der 60. Minute, bei der Sahan zuvor ein schönes Dribbling von der Seitenauslinie bis in den Sechzehner versuchte. Diese Chance war jedoch keine Trendwende, und so musste Kurz reagieren. Er brachte Stürmer Shechter für Kirch, wodurch Tiffert etwas zurückfiel. Im Mittelfeld wurden die Positionen nun flexibel besetzt. Sahan, Tiffert und Petsos stießen immer wieder nach vorne und versuchten, mehr Druck aufzubauen.

Die Taktik von Kurz ging nicht auf. Den Lauterern mangelte es trotz der offensiveren Ausrichtung an präzisen Flanken oder alternativ einem konstruktiven Kurzpassspiel. Sie schafften es nicht, ihre Spitzen mit Bällen zu füttern – der eingewechselte Shechter hatte in seiner halben Stunde Einsatzzeit gerade einmal acht Ballkontakte. Vielmehr öffnete das flexiblere Mittelfeld der Lauterer Kontermöglichkeiten für die Leverkusener, die nun durch immer öfter bestehende Unordnung mehr Platz im Zentrum vorfanden. Ein durch diese Zone durch Kießling eingeleiteter Angriff führte prompt zum entscheidenden Treffer  durch Sam (70.). Auch die offensiven Einwechslungen von Kurz in der Schlussphase halfen nichts mehr, und so konnte man am Ende eher die Leverkusener Konterschwäche als eine Lauterer Schlussoffensive bestaunen.

Zum Schluss noch ein paar Worte zu Michael Ballack: Es tut gut, den in den letzten Monaten so oft kritisierten Ex-Nationalmannschaftskapitän derart präsent auf dem Feld zu sehen. Anders als noch zu Beginn der Saison interpretierte er seine Position nicht starr, sondern war immer dort, wo er gebraucht wurde. Auch im Spiel gegen den Ball agierte er sehr klug, presste, wenn es nötig war, und hielt sich zurück, wenn der Ball nicht in Reichweite war – ganz anders als Sturmkollege Kießling, der nach mehreren Jahren in Leverkusen immer noch nicht gelernt hat, dass es auch mal klug sein kann, einem Gegenspieler nicht ständig hinterherzulaufen. Bei dem Lob für Ballack muss man allerdings auch negativ sagen, dass er an diesem Abend viele Fehlpässe spielte. Die Omnipräsenz des Capitanos war in Relation zu seiner Leistung manchmal ein wenig zu stark. Gerade Sam wurde durch sein dauerndes Fallen auf dem linken Flügel regelrecht „erdrückt“. Wenn Ballack die Rolle als moderner Zehner weiter ausführen will, sollte er lernen, sich auch im Spielaufbau manchmal etwas zurückzunehmen.

Fazit

Leverkusen schlägt Kaiserslautern am Ende verdient mit 2:0. Die Lauterer waren offensiv nach der guten Anfangsviertelstunde viel zu harmlos, als dass sie dem Gegner hätten gefährlich werden können. Ihre Schwäche bei Flanken und dem bis zur 60. Minute überhaupt nicht präsenten Tiffert deckten das Fehlen eines konstruktiven Kurzpassspieles, das man als Ausweichplan hätte nutzen können, auf. Leverkusen hingegen konnte dank einer klugen Taktikumstellung nach der Halbzeitpause besser auftrumpfen. Eine starke Anfangsviertelstunde in der zweiten Halbzeit reichte ihnen aus, um dem Gegner einen Treffer einzuschenken. Das endgültige K.O. kam, als die Roten Teufel hinten aufmachen mussten. So konnte sich Dutt ein wenig Luft vor den anstehenden Aufgaben verschaffen.

Johan Petersen 20. November 2011 um 05:21

Hervorragender Kommentar zu Ballack. Schien der mit Abstand motivierteste Spieler auf dem Platz zu sein, wollte aber gerade im Spielaufbau manchmal etwas das zu viel, das 4-5-1 braucht einen anders ausgerichteten. Er hat Fehlpässe gespielt, ja – aber manchmal hatte ich den Eindruck, dass er im Kombinationsspiel zwei Mal so schnell dachte wie seine Mitspieler.

Leverkusen sollte sich ganz dringend von Kießling verabschieden. Nimmt einfach zu wenig am Spiel teil.

Die Umstellung auf ein 4-4-2 von Kurz war im Rückblick spielentscheidend – vielleicht hätte er da seine Karten noch ein bisschen länger halten sollen. Gerade Bender nutzte die daraus entstehende Überzahl im Mittelfeld sehr gut, und ersetzte den etwas weniger präsenten Ballack als Antreiber.

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