Ajax – Vitesse Arnheim 4:1

Der niederländischer Meister Ajax Amsterdam eröffnete den 4. Spieltag der Eredivisie und konnte nach gutem Spiel durch ein 4:1 gegen das ebenfalls stark gestartete Vitesse Arnheim vorübergehend wieder die Tabellenspitze übernehmen.

Der Hauptstadtklub trat im typischen 4-3-3 an – personell gab es keine großen Überraschungen, auf der linken Seite bekamen Anita und Boerrigter den Vorzug vor Blind und Ebecilio. Vitesse agierte in einem 4-2-3-1-ähnlichen System, musste aber noch auf den neuen Stammkeeper Verhuizen ebenso verzichten wie auf Schalke-Leihgabe Anthony Annan.

Vitesse-Strategie

Startformationen

Es dauerte eine ganze Weile, bis das Spiel einen klaren Rhythmus gefunden hatte – Vitesse wechselte zwischen Mittelfeldpressing und einer aggressiveren Pressingform, bei der man recht früh attackierte und sich dann aber als Block zurückfallen ließ, sobald es Ajax gelang, die erste Linie zu überspielen.

Die Folge war eine zerfahrene Anfangsphase. Ajax hatte Probleme, die Dominanz und ihr ruhiges Aufbau- wie Positionsspiel aufzuziehen, und schaffte es selten, sich bis ins Angriffsdrittel nach vorn zu kombinieren.

Hinzu kam auch, dass Vitesse kein klares 4-2-3-1 spielte, sondern der linke defensive Mittelfeldspieler höher als der andere. Man versuchte hier, die asymmetrische und gestaffelte Mittelfeldanordnung des Gegners zu spiegeln – wie es beispielsweise im Supercup Twente gemacht hatte – um das Mittelfeld gut abdecken zu können.

Vertonghen und Boerrigter

Ajax hielt dagegen, indem sie den extrem spielstarken linken Innenverteidiger Jan Vertonghen immer wieder mit Ball ins Mittelfeld vorstießen ließen, um dort eine Überzahl zu erzeugen und auf diesem Wege die Hoheit über das Spiel zu erlangen.

Für Vertonghen ist diese Rolle des spielmachenden Innenverteidigers eine sehr vertraute und oft von ihm gut praktizierte – und in diesem Spiel eine entscheidende: Der Kapitän brachte seine Mannen ins Spiel.

Dennoch fiel es dem Meister weiterhin schwer, aus der Überlegenheit Chancen zu kreieren. Zunächst kam man nur durch eher lang gespielte Diagonalbälle von hinten heraus zu einigen gefährlichen Ansätzen. Hier kam Ajax zugute, dass man mit Alderwereild auch einen zweiten sehr spielstarken Innenverteidiger hat, der diese Bälle präzise spielen kann.

Mit der Zeit wurde deutlich, dass besonders Pässe auf Linksaußen Boerrigter, der für einen schnellen Außenstürmer ungewöhnlich großgewachsen ist, für Gefahr sorgen könnten. Ajax versuchte, das Spiel von der rechten Seite durch einen Pass von Alderwereild, van der Wiel oder Sulejmani schnell auf Boerrigter zu verlagern. Selbst wenn der Ball ganz auf der anderen Seite war, klebte dieser an der eigenen Außenlinie – doch interessant war, dass Vitesse das ballorientierte Spiel liberalisierte: Auch wenn die Mannschaft nach rechts verschob, blieb Boerrigters Gegenspieler bei ihm, um ihn zu decken.

Ajax erkannte sehr schnell, was das bedeutete: Zwischen Arnheims Rechtsverteidiger und rechtem Innenverteidiger klaffte oftmals eine große Lücke. Durch die intelligenten Bewegungen der Falschen Neun Sightorsson und den Vorstößen von Eriksen wollte man sich auf diese Lücke konzentrieren.

Dadurch geriet auch der komplette Abwehrverbund von Vitesse in Unordnung – der Treffer für Ajax lag in der Luft, doch wollte nicht fallen. Entweder stand sich Ajax mit fehlender Präzision beim letzten Pass selbst im Weg, verpasste den richtigen Moment für den Abschluss oder hatte Pech – so konnte Vitesse einmal noch auf der Linie retten, ein anderes Mal übernahm dies der Pfosten.

Ein ungewöhnliches System

Ab der 20. Minute

Vitesse musste etwas tun – doch was sie taten, war eher unorthodox. Die beiden defensiven Mittelfeldspieler spielten nun sehr tief und ließen sich immer wieder zusammen oder abwechselnd in die Schnittstellen (besonders die rechte) der eigenen Viererkette fallen, um diese dicht zu machen.

Damit konnte man auch einige Probleme in den Griff bekommen: Die breite Abwehr konnte beibehalten werden, doch man war sowohl für Schnittstellenpässe als auch für Seitenwechsel nun deutlich weniger anfällig und hatte auch mit den Bewegungen von Sightorsson weniger Schwierigkeiten.

Für kurze Zeit konnte man Ajax in Schach halten, doch danach häuften sich die Gelegenheiten für die Weiß-Roten zusehends: Denn das neue 4-2-3-1/5-1-3-1/6-3-1-Hybrid-System hatte auch seine…

…Schattenseiten

  1. Dominanz und Ballbesitz von Ajax wurden aufgrund des geschwächten Mittelfelds von Vitesse nun noch größer
  2. Weil die äußeren Mittelfeldspieler von Vitesse sehr eng spielen mussten, um zusammen mit van Ginkel das Mittelfeldzentrum kompakt halten zu können, waren die Außenverteidiger Ajax´ frei für den Angriff und leiteten einige gute Spielzüge ein
  3. Ein Doppeln der Amsterdamer Außenstürmer war nun noch weniger möglich – besonders Boerrigter spielte seinen Gegener schwindelig, doch obwohl er mit seinen Hereingaben viele Torchancen kreierte, wurde keine genutzt
  4. Es ergaben sich Räume zwischen den Linien für Eriksen und auch den vorstoßenden Siem de Jong. Vor allem Ersterer konnte so einige gute Pässe spielen und seine Kreativität ausleben.
  5. Vertonghens Vorstöße zur Stärkung der Mittelfelddominanz wurden nun nicht mehr unbedingt benötigt, weshalb er nun Alderwereild bei den präzisen hohen Diagonalbällen unterstützen und sie unberechenbarer machen konnte, weil man nun auch die andere Seite nutzen konnte
  6. Zwar konnte Sightorsson in der Rolle der Falschen 9 nun schwerer Räume öffnen, doch wenn er sich im richtigen Moment fallen ließ, um den Ball zu bekommen, konnte er kurz vor dem Sechzehner angespielt werden und sich unbedrängt drehen und abschließen
  7. Für Vitesse war es schwerer, die Läufe von aus der Tiefe in den Strafraum stoßenden Spielern zu verhindern – Siem de Jong bereitete der Defensive so einige Sorgen
  8. Eine fluide Defensive ist immer anfällig für Abstimmungsprobleme – und dann ergeben sich doch Lücken, was in diesem Spiel besonders die Außenverteidiger (Punkt 2) oder die zentralen Mittelfeldspieler (Punkt 4) ausnutzen konnten

Zweite Halbzeit

Es war genau Punkt 8, der sich nach 8 Minuten im zweiten Durchgang bewahrheitete: Alderwereild trieb den Ball aus der Innenverteidigung nach vorne, die beiden Außenverteidiger von Vitesse standen sehr breit bei ihren Gegenspielern, ein Sechser ließ sich fallen, um die Schnittstelle zu decken.

So konnte de Jong aber zwischen die Linien vorstoßen und den verbliebenden Sechser überladen – ein simpler Querpass reichte dann, um Eriksen am Strafraum in Schussposition zu bringen, aus welcher das dänische Top-Talent einen unhaltbaren Schlenzer in den Winkel abgab.

Spätestens jetzt reagierte man bei Vitesse und kehrte bis auf wenige Ausnahmen zu einem „normalen“ 4-2-3-1 zurück, doch es fehlte immer noch an Druck auf die Innenverteidigung. So hatte Alderwereild alle Zeit der Welt für den Diagonalpass auf Boerrigter in die Lücke zwischen Rechtsverteidiger und Innenverteidiger. Annahme und Volley-Abschluss, jeweils in vollem Lauf, waren aller Ehren wert – ein spektakuläres 2:0 (62.).

Vitesse war geschockt – nicht mal eine Minute später ließ man van der Wiel völlig allein flanken und Sightorsson in der Mitte laufen, dieser bedankte sich mit dem dritten Treffer, welcher der endgültige Knockout für den Gast aus Arnheim war. Der Rest war Schaulaufen für Ajax, das in Person von Sightorsson noch ein weiteres ansehnliches Tor folgen ließ, während Vitesse nach einem Fauxpas von Vertonghen noch den Ehrentreffer geschenkt bekam (89.).

Fazit

Ajax mit einem verdienten und selten gefährdeten Sieg. Nur in der Anfangsphase konnte Vitesse dagegen halten, und das sogar mit einem guten Defensivsystem.

Frank de Boer muss man ein Kompliment machen, wie er hier reagierte, um seine Mannschaft ins Spiel hinein zu bringen – doch sobald dies geschehen war, nahm man dankend an, was Vitesse falsch machte und spielte sich in einen Rausch und auch die eigene Klasse aus.

Nach einem Remis zuletzt in Venlo ist Ajax nun zumindest bis zum Spiel von Twente wieder die Nummer 1 in den Niederlanden. Besonders hervorzuheben ist, dass man deutlich variabler und breiter aufgestellt erscheint als im letzten Jahr. Auch die Frühform ist beachtlich – 4:1, 5:1 und 4:1 lauteten die Ergebnisse der drei Siege.

Video der Highlights

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*