Donnerstag, 21.09.2017

Frauen-WM: Schweden – USA 2:1

Durch einen überraschenden 2:1-Sieg gegen den Weltranglistenersten USA haben die Schwedinnen sich in Gruppe C den Gruppensieg gesichert und damit die USA in das Topspiel gegen Brasilien geschickt.

Die Amerikanerinnen brachten Boxx für Lindsey zurück in die Mannschaft und ersetzten die angeschlagene O´Reilly durch Rapinoe. Bei Schweden gab es im Vergleich zum Sieg gegen Nordkorea auch zwei Änderungen: Fischer für die gelbgesperrte Seger sowie Öqvist für Landström.

Offenes Mittelfeld

Dies war zunächst das Schlüsselelement des Spiels und diese Offenheit sorgte dementsprechend auch für ein offenes, temporeiches, wildes Hin und Her auf dem Platz mit vielen Räumen – eine ähnliche Charakteristik wie beim letzten Spiel der USA gegen Kolumbien, aber diesmal nicht nur zu ihren Gunsten.

Worin lag das offene Mittelfeld denn überhaupt begründet? Der viele Raum entstand durch die konservativen Außenverteidigerinnen auf beiden Seiten, die Tatsache, dass die Stürmerinnen beider Teams meistens bei gegnerischem Ballbesitz hoch standen und auf Konter lauerten, und durch die Besetzung des Mittelfeldes mit je zwei Akteurinnen.

Hinzu kamen die jeweiligen Spielerinnenrollen. Mit Lloyd bzw. Dahlkvist besaß jede Seite eine sehr vertikal spielende Mittelfeldspielerin, doch auch Fischer sowie vor allem Boxx auf amerikanischer Seite standen häufig sehr hoch, um früh zu attackieren. Somit war das Spiel risikobehafteter – Ballverluste im Aufbau gab es zuhauf.

Verstärkt wurde dieser Charakter noch dadurch, dass die Anordnung der Mittelfeldspielerinnen sowohl in Bezug auf die horizontale als auch auf die vertikale Zonen häufig wechselte. Diese Rochaden waren vor allem dadurch begründet, dass Lloyd und Dahlkvist schematisch auf einer Seite waren, sich aber in ihren vertikalen Rollen nicht mit der jeweils anderen aufreiben lassen wollten und deshalb auswichen.

Spielstrategien

Im bisherigen Spielverlauf hatten die Schweden bevorzugt versucht, (lange) Bälle auf die Abwehr hinter Schelin zu spielen. Dies half ihnen hier, da die USA ob dieser drohenden Gefahr, die sich zu Beginn des Spiels auch in einigen Chancen Schwedens – wie der Riesenchance für Schelin nach 7 Minuten – manifestierte, besorgt waren.

Durch den Einsatz von Öqvist wurde die Gefahr noch größer – Öqvist war sehr beweglich, wich nach hinten oder außen aus und harmonierte auch gut mit Schelin, die gelegentlich sich fallen ließ und damit für Öqvist Räume zum Hineinstarten ermöglichte.

Die Abwehr der USA wirkte dagegen sehr unsicher, steckte in einem Dilemma, wollte nicht zu hoch stehen – und damit entstand ein riesiger Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld. Da Schelin und Öqvist diesen aktiv und mit Ball eben nur selten nutzten, wurde dies von der vertikalen Dahlkvist, aber vor allem von den beiden äußeren Mittelfeldspielerinnen übernommen.

Forsberg und Sjögrand drifteten ins Zentrum, um dort an die Bälle zu kommen, zogen häufig die Außenverteidigerinnen mit sich und öffneten damit auf außen Raum für ihre Stürmerinnen – vor allem Öqvist, die aber dann häufig abgedrängt wurde. Man strahlte immer Gefahr aus, aber diese Gefahr drückte sich nicht in konkreten Abschlüssen oder Chancen aus.

Die schwedische Führung per Elfmeter nach einer Viertelstunde kam da recht überraschend, entstand aber durch geschicktes Fallenlassen von Schelin in Kombination mit einem Vorstoß einer Mittelfeldspielerin und wurde vom zu großen Raum zwischen den Linien sowie einer schwachen Abwehrleistung LePeilbets begleitet.

Bis dahin war die Partie ausgeglichen verlaufen, die Amerikanerinnen hatten ebenfalls ein schnelles und physisch geprägtes Spiel gezeigt – die beste Chance der ersten Halbzeit hatte Rodriguez nach einem langen Ball hinter die Abwehr.

Nach dem Rückstand änderte sich am Bild eher wenig, bis darauf, dass die USA mehr das Ruder übernahmen und folglich in jener Phase haufenweise Chancen hatten. Erst Mitte der ersten Halbzeit passte Schweden seine Ausrichtung an, wurde vorsichtiger und verteidigte kompakter.

Das Spiel wurde ruhiger, was den USA nicht so gelegen war, und die Schwedinnen konnten mit einem weiteren Standardtor – einem abgefälschtem Freistoß – ihre Führung verdoppeln. Beide Tore fielen allerdings ähnlich:

Zweite Halbzeit

Auch wenn das Mittelfeld besser aufgeteilt wurde, das Problem der zweiten Periode des ersten Durchgangs blieb auch nach dem Seitenwechsel bestehen: Gegen einen kompakteren Gegner kamen die USA nicht durch und konnten mit ihrem Ballbesitz nichts anfangen.

Es fehlte an Kreativität – selten gute Pässe, selten gute Laufwege, selten gute Ideen. Doch von wem sollten sie auch kommen? Die eingewechselte Morgan lauerte auf Stichpässe, Wambach kommt über ihre Physis, Rapinoe über ihre Dynamik. Aus dem Zentrum hatten Lloyd und vor allem Boxx keine Ideen.

Die Außenverteidiger konnten aufgrund der drohenden Gegenstoßgefahr nicht so oft nach vorne wie es nötig gewesen wäre – die schwedische Abwehr konnte so eng stehen und war somit sehr kompakt und stabil. Um das Spiel nicht noch kleiner zu machen, konnte auch Cheney, die einige gute Pässe zeigte, nicht oft genug in die Zentrale gehen – wenn sie es tat, wurde es sofort gefährlich, auch war sie es, die die Effektivität von Flanken aufzeigte, aber Gebrauch gemacht wurde davon zu selten.

Ansonsten gab es nur Gefahr über lange Bälle, die Wambach gewinnen und ablegen konnte, die übertriebenen Distanzschüsse von Lloyd sowie durch Standards – so machte Wambach den Anschluss (67.), aber mehr war nicht machbar.

Fazit

Auch wenn die Schweden zu selten klare Torchancen kreieren konnten, muss man dennoch von einem verdienten Sieg reden. Den Ausschlag gaben die größere Effektivität und die Überlegenheit auf außen. In einem offenen und schnellen Spiel, das den Amerikanerinnen sonst so gut zu Gesicht steht, konnten sie deren Defensive mit einer guten und intelligenten Leistung immer wieder in Unruhe stürzen.

Ähnliches schafften die Amerikanerinnen auch – bei ihnen waren allerdings zu viele negative Dinge zu erkennen: Mangelnde Restverteidigung beim Pressing, fehlende Verbindungen zwischen den Mannschaftsteilen, eine unsichere Hintermannschaft, schlechte Chancenverwertung sowie fehlende Kreativität, wenn das Spiel ruhiger und der Gegner kompakter ist.

Der schwedische Sieg mag in der Entstehung leicht glücklich sein, aber aus Sicht der Amerikanerinnen bleibt festzuhalten: Dies war ein Rückschlag und es bedarf einer Steigerung bis zum Schlager gegen Brasilien.

Hier findet sich das Fazit zur gesamten Gruppenphase.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*