Samstag, 20.12.2014

Schweiz U21 – Spanien U21 0:2

Neben dem Europa- und Weltmeister-Titel hat sich nun auch der spanische Nachwuchs zum kontinentalen Champion gekrönt. Ihr Trainer Milla ließ sein Team weiter im 4-1-4-1 spielen und vertraute auch personell auf die im Halbfinale siegreiche Mannschaft.

Grundformationen 1. Halbzeit

Wie nicht anders zu erwarten, sind die Spanier eine dominante und ballbesitzorientierte Mannschaft mit herausragenden Einzelspielern. Mit Javi Hernandez und Juan Mata befanden sich auch zwei Weltmeister von Südafrika in der Startformationen und daneben noch etliche weitere Spieler wie de Gea, Thiago oder Muniain, die in La Liga schon auf sich aufmerksam gemacht haben.

Die Spieler der Eidgenossen sind dagegen nicht so bekannt. Für sie kehrte der im Halbfinale gesperrte Granit Xhaka in die Mannschaft zurück. Allerdings griffen die Schweizer diesmal nicht auf ihr 4-1-4-1 zurück, sondern ließen Xhaka zurückgezogen neben Lustenberger in einem 4-2-3-1 spielen.

Mittelfeld-Kampf

Dies sollte das spielstarke spanische Mittelfeld in seiner Anordnung spiegeln und es damit neutralisieren und außerdem eine Maßnahme sein, um dem Pressing der Iberer mit dem pass- und ballsicheren Xhaka entgegen zu wirken.

Die Wirkung wurde teilweise erreicht. Waren die Anfangsminuten noch ausgeglichen und in einem engen und zusammengestauchten Spielfeld von vielen Umschaltmomenten, Zweikämpfen und, durch die Kürze der Pässe bedingten, Richtungswechseln geprägt, kamen die Spanier mit zunehmender Dauer der ersten Halbzeit mehr und mehr ins Spiel und es offenbarten sich auf Seiten der Schweizer zunehmend die negativen Seiten der taktischen Anpassung.

Aufgrund der Spiegelung des Mittelfeldes hatten die Schweizer auch bei eigenem Ballbesitz immer einen Gegenspieler und in Verbindung mit dem Pressing der Spanier schränkte dies Raum und Zeit erheblich ein, sodass die Spanier die Schweizer jagten und zu vielen langen Bällen provozieren konnten.

Ein Angriffsspiel der Alpenländler fand so kaum statt. Xhaka litt unter diesem Zustand ganz besonders, denn selbst in den tiefen Zonen, in denen er spielte, pressten die Spanier bereits. An diese neue Position musste er sich erst gewöhnen und hatte somit wenig Einfluss auf  das Spielgeschehen.

Erschwerend kam für die Schweizer hinzu, dass der im offensiven Mittelfeld spielende Frei meistens recht hoch stand und somit ebenfalls abgeschnitten war. Die Schweizer versuchten zwar, Javi Martínez konsequent abzudecken, aber er konnte sich durch seine Flexibilität immer wieder Freiräume schaffen und wurde zudem von den beiden Innenverteidigern sowie dem sich zum Support fallen lassenden Thiago gut unterstützt. So musste die Nati den ohnehin im Mittelfeld fluideren, flexibleren und technisch stärkeren Spaniern die Dominanz zugestehen.

Fehlende Durchschlagskraft

Trotz ihrer Dominanz kamen die Spanier aber selten zu Torgelegenheiten. Zwar verfügten sie auch in der Offensivabteilung über viel Bewegung im Spiel, da Adrián immer wieder auswich, um Räume zu schaffen, und es Mata gelegentlich in die Zentrale zog, aber es fehlte an der letzten Schärfe gegen die auch individuell starke Schweizer Defensive – das absolute Abwehr-Bollwerk des Turniers.

Gleiches galt für die Schweizer selbst, deren einzige Torchance im ersten Durchgang aus einem weiten Einwurf resultierte. Auch hier war Stürmer Mehmedi oft in Bewegung, aber es fehlte ein Spieler, der diese Räume ausnutzen konnte. Der Grund dafür war Javi Martínez, der bärenstarke Kapitän und Sechser der Spanier, der neben seinen Beiträgen zum Pass- und Aufbauspiel den Raum vor der Abwehr exzellent abdeckte und somit auch dem Superstar der Schweiz – Xherdan Shaqiri – den Zahn zog.

Der „Kraftwürfel“ getaufte Dribbler driftete von seiner rechten Außenseite häufig in die Mitte, um dort zu helfen und Kreatives beizutragen, aber der gefährliche Raum in der Offensive wurde von Martínez sicher bewacht und so verstrickte sich Shaqiri gegen die Spanier zu oft in verlangsamende Dribblings.

Doch nicht nur die Kompaktheit im Mittelfeld frustrierte ihn – auch die Tatsache, dass der gegen ihn spielende spanische Linksverteidiger Dídac immer wieder nach vorne marschierte und ihm Dampf machte. Dídac war es dann auch, der kurz vor der Pause im Anschluss an einen seiner zahlreichen Vorstöße in die Mitte flankte, wo Ander Herrera – der im Mittelfeld ebenfalls glänzte – zum ersten Mal mit einem Vorstoß in die Tiefe den Raum nutzen konnte und den doch überraschenden Führungstreffer erzielte.

Zweite Halbzeit

Es schien, als werde Xhaka, im zweiten Abschnitt nun höher stehend, für mehr Druck auf die Spanier sorgen, aber schon nach wenigen Minuten wechselte Trainer Pierluigi Tami doppelt aus und brachte für Frei und den von Montoya komplett abgemeldeten Emeghara Abrashi und den Schalker Mario Gavranovic. Das System war nun ein Hybrid aus einem 4-1-3-2 und einem 4-1-2-3.

Von der 54. bis zur 67. Spielminute

Allerdings brachte dies keine positive Wirkung, die neue Formation schien nicht richtig ausbalanciert. Im Mittelfeld hatte man nun zwar effektiverweise einen Spieler mehr und man konnte den Offensivdrang Dídacs eindämmen und Shaqiri effektiver ins Spiel einbinden. Der Preis dafür war aber, dass man nun keinen Flügelspieler auf der linken Seite – Gavranovic, Mehmedi und Xhaka teilten sich diese Aufgabe irgendwie – hatte. Diese Freiheit nutzten die Spanier und ihr Rechtsverteidiger Montoya dankend aus und konnten über diese Seite ihr Kurzpasspiel aufziehen und einige gefährliche Chancen einleiten, wobei man auch davon profitierte, dass der Schweizer Linksverteidiger nun offensiver werden musste, aber dabei Räume für Konter offen ließ.

Das Spiel der Spanier wirkte nun teilweise schneller und direkter. Begünstigt wurde dies dadurch, dass die beiden Stürmer der Schweiz höher attackierten und damit Räume hinter sich ließen und die Reihen der Ihrigen ausdehnten.

Tami wechselte Mitte der zweiten Halbzeit erneut und brachte mit Kasami für Xhaka mehr physische Präsenz ins Mittelfeld. Damit einher ging auch die nun fast vollständige Fokussierung auf die eigene rechte Seite, von wo aus man sich in den letzten 20 Minuten seine wenigen Chancen – hauptsächlich aber aus Standards – erarbeitete.

Wirklich in Bedrängnis waren die stets souverän wirkenden Spanier aber nie und nach 81 Minuten tütete Thiago mit einem wahren Geniestreich, einem Kunstwerk eines Freistoßes, den Sieg ein. Die letzten Minuten waren nicht mehr bedeutsam.

Fazit

Am Ende gewannen die Spanier sowohl das Spiel als auch das Turnier als solches verdient. Im Mittelfeld hatten sie bis auf die Anfangsphase die Oberhand und von dort leiteten sie ihren Finalsieg ein. Die Schweizer konnten auf diese Unterlegenheit im weiteren Spielverlauf nicht angemessen reagieren und verloren letztlich auch die Kontrolle über die Außenbahnen endgültig.

Mit den Spaniern gewann das talentierteste und auch das im Finale beweglichere, flexiblere sowie technisch und spielerisch stärkere Team. Allerdings muss auch noch einmal betonend festgehalten werden,  dass auch die Spanier nicht so viele Gelegenheiten hatten und Glück hatten, dass ihre zweite davon sofort die Führung brachte. Den Schweizern wurde vor allem zum Verhängnis, dass ihnen im eigenen Angriffsspiel zu großen Teilen die Mittel und Ideen abgingen und sie so gegen die Spanier am Ende keine Kontrolle und keine Chance hatten.

Wie symbolisch waren die beiden Tore durch die beiden zentralen Mittelfeldspieler für die spanische Spielphilosophie. Die Tore selbst mögen nicht Ergebnis einer solchen Spielweise gewesen sein, aber das zeigt viel mehr, dass diese Mannschaft sehr flexibel und kalkuliert spielte und – wie etwa 56 % Ballbesitz beweisen – nicht unbedingte auf extrem hohen Ballbesitz angewiesen sind.

Das erste Tor steht für Flexibilität, Entschlossenheit und Dynamik, der zweite Treffer für Kunst, Genialität und Kreativität. Der Sieg selbst aber kündete einmal mehr davon, was es für eine Zeit ist.

king_cesc 13. Dezember 2013 um 11:35

Wenn man den Artikel nun liest sieht man, was aus den Talenten geworden ist. Nicht schlecht…
Ich kann mich sogar nach genau an das Spiel erinnern und wie begeistert ich von Thiago war, den ich davor nicht wirklich kannte.

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Captain Vantastic 25. Juni 2012 um 20:09

2. Absatz: War es nicht doch Javi Martinez statt Javi Hernandez? ;)

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MoritzH 25. Juni 2012 um 19:50

Alles Gute zum Geburtstag! Hab zwar hier noch nie meinen Senf abgegeben, ich bin aber schon seit einem knappen Jahr dabei!
Ein großes Lob für eure Arbeit, meine lieben Autoren. Ihr habt mir schon einiges an Lesestoff geboten.
Außerdem habt ihr mir durch eure taktischen Lehrgänge und Grafiken indirekt geholfen, meine A-Jugend auf Vordermann zu bringen und als Spielertyp á la Cruyff anzuführen.

Alles Gute nochmal!

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