City mit drei Punkten und Rückschritt im Britannia

Stoke_City1:4manchester city

Im zweiten Spiel in der Premier League muss Guardiola mit seinen Citizens zu Stoke City, die in den letzten Jahren als Prüfstein für viele Topmannschaften in der EPL galten.

Situative und asymmetrische Einbindung des Einrückens der Außenverteidiger

Insbesondere in den englischen Medien war die Nutzung der Außenverteidiger bei Guardiolas PL-Debüt ein großes Thema. Viele wunderten sich über diese unorthodoxe Einbindung. Grundsätzlich nutzte Guardiola dies bereits bei den Münchner Bayern, allerdings mit passenderen Spielertypen und anderer Positionierung. Bei City waren im ersten Spiel die zwei Außenverteidiger häufig enorm zentral, während sie bei den Bayern öfters eher die Halbräume besetzen. Im Spiel gegen Steaua in der CL-Qualifikation spielte mit Zabaleta wiederum ein sehr passender Spielertyp auf der Außenverteidigerposition. In diesem Spiel bei Stoke City wurde die Einbindung allerdings bereits etwas angepasst.

Grundformationen

Grundformationen

Insgesamt wirkte es weniger fokussiert und häufig. Vermutlich hatte Guardiola hier einige bestimmte Mechanismen entschieden, welche das Einrücken bestimmen sollten. Welche genau das waren oder ob es nur Zufall war, ist allerdings als Externer überaus schwierig zu eruieren. Bei Zabaleta gab es beispielsweise einige dynamische Einrückbewegungen, wenn der linke auf den rechten Innenverteidiger einen Querpass spielte und Fernandinho leicht nach links positioniert war. Ohnehin war Zabaleta der öfter einrückende Außenverteidiger. Kolarov wiederum blieb vielfach breit.

In puncto Fähigkeitenprofil passt dies zu den jeweiligen Spielern. Zabaleta ist ein spielintelligenter, kombinationsstarker Außenverteidiger, Kolarov wiederum ein linearer, weiträumiger und auf Vorstöße fokussierter Spielertyp. Diese Rollenverteilung entspricht aber auch den Spielertypen auf den offensiven Flügeln. Sterling auf der linken Seite profitiert eher von einem hinterlaufenden Außenverteidiger hinter sich, um selbst mit Tempo in die Mitte einrücken und ins Dribbling gehen zu können. Navas auf der rechten Seite wiederum ist ein fast schon altmodischer Flügelstürmer; er gibt Breite, bleibt meistens breit und versucht in Richtung Grundlinie zum Flanken durchzukommen.

Gleichzeitig ermöglicht Zabaletas – und punktuell eben auch Kolarovs – Einrücken das Entstehen einer Doppelsechs. Im letzten Spiel geschah dies häufiger mit dem anderen Außenverteidiger, nun mit Fernandinho auf der Sechs. Allerdings kann der eingerückte Außenverteidiger auch als alleinige Sechs agieren. Speziell Zabaleta ist diese Rolle zuzutrauen; und dann kann Fernandinho sich auch zwischen die Innenverteidiger zurückfallen lassen.

Diese Spielweise in Ballbesitz mit den flexibel sich zwischen den gegnerischen Linien bewegenden de Bruyne und Silva klingt eigentlich sehr gut. Doch es gab einige Probleme in der Umsetzung.

Suboptimale Fähigkeitenprofile, (noch?) unsaubere Umsetzung

Letztlich ist jeder Trainer von seinen Spielern abhängig; auch ein Weltklassetrainer kann mit dem  [hier Nicht-Top-Mannschaft ihres Vertrauens einfügen] nicht die Champions League gewinnen. Einzelne Spieler bei City – wie z.B. der nicht aufgestellte Joe Hart, der konstant schwache Jesus Navas oder auch Kolarov als Außenverteidiger – wirken nicht nur anfangs überfordert mit der Spielweise, sondern ungeeignet für diese Spielweise. Wichtig: Das heißt nicht, dass sie schlechte Fußballer sind. Es gibt viele unterschiedliche Spielsysteme, wo diese Akteure hervorragende Leistungen bringen können. Für Guardiola sind sie allerdings unpassend. Einige andere Spieler im Kader wiederum mögen aktuell unpassend wirken, sollten aber – bei gutem, effektivem Coaching – in den nächsten Monaten in die benötigten Rollen hineinwachsen können.

Sogar Silva und de Bruyne offenbarten einzelne Probleme mit den aktuellen Anforderungen. So zeigten zwar beide immer wieder tolle Aktionen, starke Bewegungen und herausragende Fähigkeiten in puncto Taktik und Technik, können sich aber bei der Entscheidungsfindung verbessern. Besonders die Positionsdisziplin der beiden für diesen Spielstil war bisweilen schwach und sorgte für eine mäßige Struktur im zentralen Mittelfeld.

Inwiefern und wann sich das alles verbessern wird, bleibt abzuwarten. Das ist aber aus Trainerperspektive eine interessante Frage. Ähnliches trifft auch auf das Pressing zu.

Suboptimales Pressing im 4-3-3/4-3-2-1

Auch hier zeigte Guardiola Ähnlichkeiten zu seinen bisherigen Trainerstationen. Während beim FC Barcelona mit einem 4-3-3 im Angriffspressing gespielt wurde, wo die Flügelstürmer sich höher als die Achter positionierten, wurde bei den Bayern aus dem 4-1-4-1 oft ein 4-1-3-2 durch herausrückende Mittelfeldakteure hergestellt. Bei zentralem Anlaufen rückte einer der Achter heraus, bei Attackieren auf dem Flügel einer der Flügelstürmer. Nun wurde bei den Citizens in dieser Partie eine weitere Variante genutzt.

Silva und de Bruyne als Achter standen höher als Fernandinho und die Flügelstürmer, wodurch sie Passwege in die Mitte versperrten und den gegnerischen Sechserraum pressen konnten. Navas und Sterling ließen sich wiederum auf eine Linie mit Fernandinho zurückfallen. Vermutlich wollte man damit die Flügel besser und mit mehr Spielern verteidigen. Auch die Halbraumbesetzung vor der Viererkette konnte verbessert werden. Probleme hatte City allerdings dennoch.

4-3-2-1/Tannenbaum.

4-3-2-1/Tannenbaum.

Vielfach taten sie sich schwer die Intensität in dieser Ausrichtung hochzuhalten, die gegnerischen Außenverteidiger bei tieferer Position ordentlich anzulaufen und konnten über einzelne Passmuster – insbesondere bei Einbindung der Torhüter und Verlagerungen nach anlockenden Pässen oder eben Wechselpässe – ausgespielt werden. Das 4-3-2-1 könnte mittelfristig zwar vielversprechend sein, aktuell fehlt es aber noch an Detailarbeit in den Abständen, den Zugriffsmomenten und der Raumbesetzung.

Stoke schafft Probleme trotz Qualitätsmangel

Diese Probleme von Manchester City waren auch der Grund, wieso Stoke lange Zeit mithalten konnte und das Ergebnis letztlich zu hoch ausfiel. Stoke spielte mit vielen Mannorientierungen, kreierte aus der Grundstaffelung heraus 4-2-3-1, 4-4-1-1 und 4-1-4-1hafte Formationen dadurch. Teilweise wurden Läufe Citys auch nach vorne oder nach hinten verfolgt, was zu Innenverteidigern im Mittelfeldband oder auch drei zentralen Verteidigern für kurze Momente führte. Immer wieder stellten sie City außerdem auch direkt bei Anstößen hoch zu, pressten mit drei bis vier Spielern an der vordersten Linie und zwangen die Guardiola-Elf einige Male schon früh zu langen Bällen.

Generell offenbarte Stoke einige Ballverluste und Ungenauigkeiten bei City, war selbst aber nicht erfolgsstabil und gut genug, um hier einen Punkt zu holen.

Fazit: Ein Schritt zurück

Diese Partie zeigte nach der guten Leistung in der CL-Qualifikation einen Rückschritt. Guardiolas Mannschaft wies einige Mängel auf, ob im Pressing oder im Aufbauspiel. Ihre Schwächen bewiesen, dass für Guardiola noch viel Arbeit vorliegt und die Vorbereitung nicht ausreicht, um aus einem kriselnden Team eine Topmannschaft zu kreieren; zumindest nicht ohne das passende Spielermaterial. Stoke wiederum zeigte passable Ansätze und hatte ein paar interessante Angriffe, war taktisch jedoch zu unsauber, um City – auch in deren aktuellen Zustand – zu bezwingen.

Andrew___K 21. August 2016 um 20:41

Thanks for the analysis! Do you think KdB will survive under new regime? He doesn’t seem to possess skills needed for Pep’s No8 – can’t pass and hold the ball under pressure. Pep once tried to integrate a player with more or less similar skillset (Fabregas) and it didn’t work well.

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August Bebel 21. August 2016 um 19:45

Dass Jesus Navas unter Guardiola noch spielt, hat mich sehr erstaunt. Der ist so ziemlich der eindimensionalste Spieler, den ich kenne. Übrigens steht im vorletzten Abschnitt „Anstöße“ statt Abstöße. Weiß irgendwer, was mit Sané ist? Ist der verletzt? Und wurde Yaya Toure jetzt eigentlich doch aussortiert?

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Bob 21. August 2016 um 22:38

Kann mir vorstellen, dass Guardiola Sane noch nicht spielen laesst, da er ja erst ziemlich spaet zur Mannschaft gekommen ist und er jetzt erstmal reinkommen muss.

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idioteque 21. August 2016 um 23:27

Sane war/ist verletzt und noch nicht wieder fit. Guardiola plant ihn für die Phase nach der ersten Länderspielpause ein.

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HW 21. August 2016 um 17:39

Das Wort Suboptimal wir für mich zum ‚Buzzwort‘ (noch so ein Buzzwort).
Kann man nicht einfach sagen was man meint: schlecht oder nicht gut.
Suboptimal ist so weich gespült.

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TOC 22. August 2016 um 01:09

„Kann man nicht einfach sagen was man meint: schlecht oder nicht gut.“ – Suboptimal bedeutet aber was anderes, nämlich „nicht bestmöglich“ (verbesserungsfähig). „Schlecht oder nicht gut“ wäre viel spezifischer.

„Suboptimal“ hab ich übrigens vor über 30 Jahren schon verwendet. Es gab damals Leute, die fanden’s amüsant.

Jedenfalls ist „suboptimal“ harmlos. Echte Wortverbrechen sind dagegen z.B. die kakophone Wortmißgeburt „unverzichtbar“ (kommt im Deutschen Wörterbuch gar nicht vor) und Neu-Dummdeutsch „krude“ für „etwas, gegen das mir keine guten Argumente einfallen“.

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August Bebel 22. August 2016 um 11:33

Suboptimal hat doch eine andere Bedeutung als schlecht oder nicht gut (wobei zwischen schlecht und nicht gut in meinen Augen auch noch ein Unterschied besteht) und wird hier auch entsprechend gebraucht. Vom stilistischen Standpunkt aus kann man vielleicht die Wortwiederholung in den Überschriften kritisieren.
Was ich ganz schrecklich finde, ist z.B. das Kloppsche „brutal“ als Adverb wie in „ein brutal schwerer Gegner“. Da haben wohl alle ihre persönlichen Vorlieben und Abneigungen.

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