Spitzenspiel ohne großartiges Spitzen-Spiel

karlsruhe0:0kaiserslautern

In einem ereignisarmen Derby trennten sich der Karsruher SC und der 1. FC Kaiserslautern mit einem torlosen Unentschieden. Der beidseitige Stabilitätsfokus in Verbindung mit dem linearen Angriffsvortrag des KSC führten zu einem teilweise abwechslungsreichem, aber keineswegs offenem Spiel.


Karsruhes schnelles Spiel in die Spitze

Aufstellungen und Offensivmuster zu Beginn des Spiels

Aufstellungen und Offensivmuster zu Beginn des Spiels

Im Vergleich zum 3:1-Sieg gegen den FC Ingolstadt am vergangenen Spieltag startete der Karsruher SC unverändert in das Derby gegen den 1.FC Kaiserslautern. In der gewohnten 4-2-3-1-Formation gab es vorrangig mit Krebs, situativ aber auch mit Meffert, einen klaren tiefen Spielmacher, der die beiden Innenverteidiger Gulde und Gordon von ihren Aufgaben im Spielaufbau etwas befreien sollte.
Über die hohen Außenverteidiger, die vor allem im zweiten Drittel für Breite im Spiel sorgten, wollte man im Anschluss an eine kurze Ballzirkulation im Aufbau schnell in die vordeste Linie kommen. Dabei unterschieden sich die Offensivmuster auf den beiden Flügeln jedoch voneinander. Während auf der rechten Seite vor allem über den breiten Valentini möglichst direkt nach vorne gespielt werden sollte, versuchte man auf dem linken Flügel verstärkt den von Außen einrückenden Yamada als Verbindungsspieler für die Offensivanbindung zu nutzen. Torres auf Rechts orientierte sich genauso wie der Japaner auf Links verstärkt zur Mitte, fungierte dabei allerdings mehr oder weniger als reiner Raumblocker. Über seine Präsenz im Zentrum sollten Räume am Flügel für Valentini geöffnet werden, die dieser für seine Zuspiele in die Spitze nutzen konnte. Der auf der Zehnerposition aufgebotene Yabo unterstüzte den Angriffsvortrag des KSC zum einen durch viele diagonale Läufe in die Tiefe. Zum anderen schob er auch immer wieder zum rechten Flügel heraus, um hier bei den vielen zweiten Bällen präsent zu sein, die im Anschluss an weite Zuspiele Gordons erobert werden sollten.

Kaiserslauterns Pressing isoliert den KSC am rechten Flügel

Pressing Kaiserslautern und Offensivstaffelung Karlsruhe

Beispielhafte Pressingsituation des FC Kaiserslautern und entsprechende Aufbau- bzw. Offensivstaffelung für zweite Bälle von Karlsruhe. Rot eingezeichnet ist die hauptsächlich genutzte „Landezone“ der vielen langen Zuspiele von Gordon.

Auf diese Spielweise des KSC reagierte FCK-Trainer Kosta Runjaic so, als dass er die standardmäßgie 4-1-4-1-Defensivformation der Kaiserslauterer leicht anpasste. Durch die vorgeschobenen Achter, aber hauptsächlich weil vor allem Ring neben Hofmann ins Pressing nach vorne rückte, entstand ein leitender Aspekt, der die Karlsruher auf die eigene linke Seite lenken sollte. Durch direkte Zuordnungen und viele Herausrückbewegungen konnte man anschließend Passwege ins Zentrum schließen und Gordon bzw. Valentini zu direkten Aktionen zwingen.

Kaiserslauterns Ballbesitzansatz im Aufbauspiel

Im Gegensatz zum KSC agierte der FC Kaiserslautern nicht in einer 4-2-3-1-, sondern in einer 4-1-4-1-Formation. Dabei versuchten sie jedoch genauso wie die Karlsruher über eine ruhige Ballzirkulation ein Aufrücken nach vorne vorzubereiten.
Diese Ballzirukulation im ersten Drittel wurde durch den oftmals leicht nach rechts ausweichenden Karl und den weit hinter Löwe zurückfallenden Demirbay unterstützt, sodass sich im Aufbauspiel oftmals 4-2-3-1-Staffelungen ergaben. Ring, nominell als rechter Achter gestartet, zeigte wenig unterstützendes Verhalten bezüglich des Aufbaus, sondern orientierte sich immer wieder in die Spitze neben Hofmann oder balancierte dessen Zurückfallen in den linken Halbraum aus.
Prinzipiell schoben auch die beiden Außenverteidigier Löwe und Zimmer früh mit nach vorne. Agierte Löwe klassischerweise relativ breit und ermöglichte Stöger so ein Aufrücken in die vorderste Linie, orientierte sich Zimmer ebenfalls weit mit nach vorne, nahm hier allerdings meistens eine Positionierung im Halbraum ein, während Flügelspieler Matmour Breite herstellte, was im Laufe des Spiels allerdings immer wieder wechselte.

Karslruhes 4-4-1-1-Pressing verhindert Lauterns Wechselbälle – teilweise

Kaiserslautern nach der Spielverlagerung auf den rechten Flügel: ungünstige Anbindung zur Mitte bei gleichzeitig hoher Kompaktheit des KSC bezüglich des zentralen Raumes vor dem Sechzehner

Kaiserslautern nach der Spielverlagerung auf den rechten Flügel: ungünstige Anbindung zur Mitte bei gleichzeitig hoher Kompaktheit des KSC bezüglich des zentralen Raumes vor dem Sechzehner

Aus einer 4-4-1-1-Formation heraus versuchte der KSC den FC Kaiserslautern vorzugsweise auf die eigene rechte Seite zu lenken und anschließend direkte Wechselbälle zu verhindern, was allerdings nur bedingt funktionierte. Während Hennings die Hauptarbeit im Anlaufen der Innenverteidiger übernahm, positionierte sich Yabo tiefer, um anschließend dynamisch und weit zum Flügel herauszulaufen. In diesen Situationen rückten Torres und Yamada auf den beiden Flügelpositionen dann allerdings nur vereinzelt mit nach vorne, um ballseitig keinen Kompaktheitsverlust hinnehmen zu müssen. So konnte der KSC die Wechselbälle des FC Kaiserslautern zwar nicht konstant verhindern, aber die Folgeaktionen des FCK in der Regel stabil verteidigen.

Offener Spielrhythmus und beidseitige Grundstabilität

Insgesamt entwickelte sich ein scheinbar relativ offenes Spiel, indem der FC Kaiserslautern die besseren Torchancen herausspielen konnte und wegen des erhöhten Ballbesitzanteils auch optisch überlegen war. Der Karsruher SC fokussierte hingegen vermehrt ein schnelles Spiel in die Spitze und versuchte dabei unter anderem zweite Bälle zu erobern. Weil beide Mannschaften der Aufrechterhaltung einer hohen Grundstabilität bedacht waren, gab es zwar viele Umschaltaktionen, die allerdings kaum zu guten Chancen führten.

Umstellungen nach der Pause und deren Folgen

In der Pause passte Kosta Runjaic das Verhalten seiner Flügelspieler sowie das der Außenverteidiger an. Er reagierte damit auf die Probleme im Offensivspiel seiner Mannschaft aus der ersten Hälfte bezüglich dem Erzeugen von Durchschlagskraft. Dadurch, dass Matmour und Stöger klarer in die Halbräume einrückten und konsequent von Zimmer sowie Löwe unterstützt und hinterlaufen wurden, gelang es der Mannschaft jetzt, deutlich druckvoller ins zweite Drittel und auch zum ein oder anderen Abschluss zu kommen.
Aber auch Markus Kauczinski entschied sich zu einer Anpassung der strategischen Ausrichtung im Offensivspiel. Schon vor der Halbzeit war Nazarov für den verletzten Krebs in die Partie gekommen. Diese Einwechslung hatte zur Folge, dass Yabo von nun an die rechte Sechserposition bekleidete und Nazarov dessen Rolle auf der Zehnerposition übernahm. Insgesamt fokussierten sich die Karlsruher im zweiten Durchgang auf starke Rechtsüberladungen, die Nazarov situativ ausbalancierte. Yabo und Meffert agierten dabei deutlich näher an Gordon als Krebs und Meffert in der ersten Halbzeit, was sich insgesamt deutlich auf den Karlsruher Spielaufbau auswirkte.
So führten diese Veränderungen dazu, dass die Pressingmuster des 1.FC Kaiserslautern aus der ersten Hälfte nicht mehr funktionierten, während der KSC deutlich mehr Ballbesitzanteile für sich verbuchen konnte und besser ins Spiel kam. Runjaic musste deshalb später auch entsprechende Anpassungen vornehmen: Von nun an spielte Demirbay im Pressing leicht höher als Ring, was allerdings einen deutlichen Zugriffsverlust bedeutete. So entwickelte sich ab etwa der 55. Spielminute eine Spieldynamik, die der Spielweise des KSC sehr zugute kam und welche Kaiserlautern verstärkt für eigene Umschaltaktionen über den rechten Flügel nach tiefen Ballgewinnen nutzte.

Rest der Partie und Schlussphase

In der 60. Minute ersetzte Zoller dann Hofmann in der Sturmspitze, was keine signifikanten Änderungen in den Abläufen mit sich brachte – im Gegensatz zur Einwechslung von Younes für Demirbay in der 72. Minute. Younes hatte, ähnlich wie Ring in der ersten Halbzeit und Demirbay später, eine weit nach vorne geschobene Rolle im Pressing inne, die den KSC auf deren rechte Seite lenken sollte. Insgesamt zeigten sich Younes und Stöger in der Offensive sehr flexibel und rochierten viel.
Aber auch Kauczinski passte das System mit der Einwechslung von Micanski für Torres noch einmal leicht an. In der neuen 4-4-2-Formation ging Nazarov auf den rechten Flügel, während Micanski als linker Stürmer für verstärkte Präsenz in vorderster Linie sorgen sollte, sowie Yamadas eingerückte Positionierung auszubalancieren hatte. Eine großartige Änderung der Spieldynamik gab es allerdings nicht mehr.

Fazit

Schlussendlich trennten sich beide Mannschaften mit dem Unentschieden durchaus verdient voneinander, auch wenn beide Seiten die ein oder andere Möglichkeit zum Erzielen des Siegtreffers gehabt hätten. Nach einer starken ersten Halbzeit des FCK, der vor allem von seinen guten Pressinganpassungen profitierte, passte Kauczinski die Ausrichtung seiner Mannschaft intelligent an, sodass der KSC die Partie in der zweiten Halbzeit deutlich ausgeglichener gestalten konnte und selbst auch zu Chancen kam.

Leider erscheint diese Artikel aus Zeitgründen erst mehrere Tage nach Spielende. Ich habe mich dennoch dazu entschieden ihn zu veröffentlichen, weil es der Wunsch mehrerer Leser war, dieses Spiel analysiert zu sehen.

Kuntz 3. April 2015 um 15:38

Danke für die Analyse!
Ich freue mich immer über 2.Liga-Spiele, speziell natürlich den FCK 🙂

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Izi 1. April 2015 um 10:51

Auch wenn das Spiel nicht grandios war, freue ich mich, bei euch eine Analyse zum FCK zu lesen! 🙂 Ich habe das Gefühl, sie spielen unter Runjaić überhaupt einmal Pressing — und dieses gefällt mir richtig gut! The right man for the right job? Ich bin gespannt…

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studdi 27. März 2015 um 16:10

Hab mal noch eine allgemeine Frage. Schreib sie einfach mal hierein weil es in diesem Spiel auch vorgekommen ist und der 1. FCK auch meistens diese Saison spielt.
Diese Bewegung linker Außenverteidiger breit und Linker Außenstürmer/Mittelfeldspieler Einrückend und auf der rechten Seite gerade anders herum also Außenverteidiger etwas eingerückt im Halbraum und Offensiver Außen breit stehend. Hat das irgendwelche Vorteile wenn man dies eben gerade seitenverkehrt unterschiedlich macht gegenüber das man es auf beiden seiten gleich handhabt, sprich auf beiden Seiten einrückende Offensive spieler und breite außenverteidiger?
Machen ja momentan mehrere Mannschaften so Bacelona, Bayern oder eben auch der 1. FCK.
Oder ist dies einfach dem jeweiligen Spieler angepasst und nur zufall das diese Mannschaften es gerade links und rechtsausen verschieden Spielen?

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RT 27. März 2015 um 16:47

Hat sicherlich immer auch was mit den Spielertypen zu tun. Paradebeispiel sind da z.B. Lahm und Robben in der letzten Saison bei Bayern (kann man ja bei Bedarf im Artikel zu den „falschen Außenverteidigern“ nachlesen).

Generell bietet sich ein breiter Flügelspieler immer für Verlagerungen an, weil er (wenn man vllt nicht gerade gegen eine Mannschaft mit Fünferkette oder im 4-5-1 spielt), nach der Verlagerung Zeit zur Dynamikaufnahme hat und man den Gegner dann gegen dessen Verschiebebewegung bespielen kann. Der eingerückte AV kann in dem Fall dann als Ausweichstation nach Hinten bzw. als Anbindung zur Mitte verwendet werden. Wenn ich auf den AV selbst verlagere, hat der die Möglichkeit den Flügelspieler anschließend zu bedienen und zu Vorderlaufen (öffnet wieder die Mitte bzw. Ausweichmöglichkeit nach Hinten). Zu Halbraumverlagerungen auf nen Außenverteidiger wird in naher Zukunft aber mal n Artikel kommen, der das bisschen aufrollt. Muss ich dich noch vertrösten 😉

Im anderen Fall (AV breit und hoch / FS eingerückt und tiefer) hat man ballnah oftmals die Möglichkeit zu Vertikalpässen im Halbraum, aus denen man dann oftmals geschickt über Direktablagen in die letzte Linie oder den Zwischenlinienraum kommt. Dazu kann man, wenn man’s bisschen geschickt macht, auch realtiv einfach gute Gegenpressingmomente herstellen und läuft kaum Gefahr ausgekontert zu werden.

Aus dem Grund ist es auch so, dass Kaiserslautern im Aufbauspiel verstärkt über links aufbaut (siehe Rolle von Younes vs Rolle von Ring) und im späteren Angriffsverlauf öfter mal auf rechts verlagert.

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kolle 27. März 2015 um 10:54

Hallo,

erstmal danke für diesen Artikel. Ich muss allerdings sagen das ich subjektiv teilweise einen etwas anderen Eindruck vom Spiel bezüglich des Ballbesitzspieles hatte. Es ist zwar m.E. korrekt das der KSC starken Fokus auf dem Umschaltspiel hatte,,der (1.!) FcK hat m.E. aber zwischen Ballbesitzspiel und Umschaltspiel gewechselt. Sprich je nach Spielsituation wurde schnell nach vorne gespielt oder eben auch wie gewohnt langsam aufgebaut. Ansonsten pflichte ich dir aber bei, was ich insbesondere mal interssant fand waren die Formationen. Durch die (?) Asymetrien finde ich es beim FcK immer schwer zu erkennen, wie man spielt.

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RT 27. März 2015 um 15:31

Geb ich dir Recht mit den Umschaltaktionen. Gab gerade in der bessern Karlsruher Phase während der zweiten Halbzeit paar gute Kontersituationen. Da hatte Karlsruhe Probleme wg. den starken Überladungen nach Ballverlusten die ballfernen Räume abzudecken und das hat der 1. FCK bespielt (siehe die Chance von z.B. Zimmer). Insgesamt wär es wohl am richtigsten einfach zu sagen „Ballbesitzansatz, aber halt nicht stur“. Ich muss aber auch sagen, dass ich sowohl Karlsruhe, als auch Kaiserslautern diese Saison kaum gesehen hab. Bin also durchaus dankbar für Feedback oder Input 😉

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studdi 26. März 2015 um 15:03

Erstmal Dankeschön für den Artikel.
Ja das spiel hat schon gut gezeigt wo die stärken und schwächen beim FCK liegen. Das ganze wurde auch aus taktischer sicht sehr gut beschrieben und gefällt mir sehr gut der Artikel.
Im Aufbauspiel gute Bewegungen und auch ein recht gutes Ballbesitzspiel allerdings nur bis ins 2. Drittel hinein. Im letzten drittel fehlt es dann irgendwo an Nadelspielern, wobei ich hier noch mehr von Younes erwartet hatte, weis nicht ob es am ihm liegt oder die Einbindung von ihm einfach nicht passt….
Im Pressing spielt man insgesamt ganz ordentlich allerdings für meinen Geschmack noch etwas zu Mannorientiert weshalb man dann doch manchmal zu weit nach hinten gedrängt wird, wenn es der Gegner Offensiver angeht.

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Dave 26. März 2015 um 14:37

wie es Runjaic im Kicker gesagt hatte, das Spiel war mehr was für Trainer als für Zuschauer 😉

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Alex 26. März 2015 um 14:18

Hallo RT,

vielen dank für den Artikel.obwohl wir uns alle ein paar Tore gewünscht hätten, hab es dennoch einige taktisch interessanten Aspekte. vielen dank und vll liest man ja diese Saison nochmal was vom FCK.

Gruß Alex

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