Das 3-6-1| Ein logischer Schritt

Das 3-6-1 ist eine selten genutzte Staffelung, welche im Spitzenfußball aber einige interessante Möglichkeiten mitbringen könnte. In dieser Analyse soll ein beispielhaftes System mit einer solchen Formation kurz erklärt werden.

Formationen sind zwar nur Telefonnummern, doch sie können trotzdem bestimmte Charakteristiken mitbringen. Ein 10-0-0-0 hätte zum Beispiel eher wenig Präsenz in den vorderen zwei Linien. Solche Extremfälle gibt es praktisch natürlich kaum. Es gibt eigentlich nur Tendenzen bei den im Fußball genutzten Formationen, wobei die vermeintlichen Problemzonen mal mehr und mal weniger umständlich neutralisiert werden können. Das System – also Formationen plus die Bewegungen, Rollenverteilungen, Spielerqualität, Spielphilosophie, etc. – liegt darum bewusst im Fokus unserer Analysen.

Dennoch gibt es eine Formation, die sehr interessante Möglichkeiten mitbringt und im Fußball selten genutzt wird. Die Rede ist vom 3-6-1.

Das 3-6-1: Ein logischer Schritt

Das 5-4-1 mit flacher Vier und das 4-5-1 mit flacher Fünf wurden in den letzten Jahren durchaus öfter genutzt. Der BVB zeigte gute Leistungen mit Letzterem, ein 5-4-1 hat Costa Rica bei der WM erfolgreich gespielt. Beiden Formationen fehlt es allerdings durchaus etwas an der Präsenz ganz vorne, beim Pressing in höheren Zonen und passenden Staffelungen beim Umschalten. Zwar können mit dem Herausrücken von Flügelspielern oder zentralen Mittelfeldspielern diese Probleme durch eine besondere systemische Interpretation ein bisschen kompensiert werden, der grundsätzliche Mangel ist aber nur bei besonderem Spielermaterial, speziellen Situationen oder eben einer formativen Umstellung zu beheben.

Dennoch sind diese Formationen mit nur einem Stürmer insofern interessant, weil man sich enorm massiv hinter dem Ball aufbauen und die zwei tieferen Zonen besetzen kann. Ein Versuch, um die Präsenz in der Mitte, die enorme Breitenstaffelung sowie die vielen Spieler in den ersten zwei Linien mit mehr Zugriff in höheren Zonen und mehr Präsenz im Offensivspiel zu verbinden, wäre insofern ein 3-6-1.

Atlético stellte ein paar Mal gegen Barcelona vor zwei oder drei Jahren ein 3-6-1 situativ her. Diego Simeone ist somit offizieller SV-Schirmherr dieses Artikels.

Atlético stellte ein paar Mal gegen Barcelona vor zwei oder drei Jahren ein 3-6-1 situativ her. Diego Simeone ist somit offizieller SV-Schirmherr dieses Artikels.

Sechserkette ermöglicht Flexibilität im Defensiv- und Offensivspiel

In gewisser Weise sind vier oder fünf Spieler in der letzten Linie redundant, wenn ausreichend Druck vorne erzeugt wird. Chile und Bayern nutzen zum Beispiel mit durchaus hoher Defensivstabilität eine klare Dreierkette, in die  sich situativ einzelne Spieler zurückfallen lassen. Auch die vielen pendelnden Viererketten bei nominellen 3-5-2- und 3-4-3-Formationen funktionieren europaweit wie schon bei der Weltmeisterschaft sehr gut.

Ein 3-6-1 gäbe Mannschaften die Möglichkeit flexibel Dreier-, Vierer- und Fünferreihen herzustellen. Immerhin gibt es sechs Spieler in einer Kette davor, die sich jederzeit aus dem Mittelfeld lösen und sich hinten eingliedern können. Das Gleiche können sie natürlich auch in die andere Richtung machen und den Mittelstürmer durch herausrückende Bewegungen unterstützen. Letzteres ist im Vergleich zum 4-5-1 und besonders zum 5-4-1 noch intensiver und mit mehr Spielern möglich, da durch die Sechserkette eine verstärkte Absicherung und mehr Spieler mit Zugriff auf die zweite gegnerische Aufbaulinie gegeben sind.

Selbst wenn zum Beispiel drei Spieler gleichzeitig nach vorne schieben, bleibt ein kompakter und unterstützender 3-3-Block dahinter als Absicherung. Durch die Sechserkette können natürlich auch sehr unterschiedliche Pressingbewegungen mit vielfältigen Mustern erzeugt werden. Diesbezüglich sind die Möglichkeiten nahezu unendlich.

Um die (theoretische) Effektivität davon darzulegen, habe ich mich aber dazu entschieden ein paar konkrete Bewegungsmuster zu zeigen, welche man nutzen könnte.

Ein 3-6-1 mit Angriffspressing

Das 3-6-1 als Formation mag grundsätzlich defensiv klingen, doch wie eigentlich jede Formation lässt es sich auch eindeutig offensiv interpretieren. Bei einem sehr hohen Pressing bringt das 3-6-1 sogar einige interessante Nebenwirkungen mit sich.

3-6-1-Grundstaffelung bei hohem Pressing.

3-6-1-Grundstaffelung bei hohem Pressing.

In dieser Situation hat der gegnerische Torwart den Ball, die beiden Innenverteidiger werden vorerst in Ruhe gelassen. Die Flügelstürmer in diesem Szenario sind eher mannorientiert, während die zentralen Spieler auf ihren Positionen bleiben. Der Gegner soll zum Spielaufbau verleitet werden. Kommen direkt lange Bälle – insbesondere auf die (vermeintlich) offenen Flügelstürmer -, so verschiebt der gesamte Block dorthin. Der ballnahe Flügelläufer, der ballnahe Halbraumläufer und der ballnahe Halbverteidiger verschieben auf den Ball, die zwei Sechser sichern die Mitte und die ballfernen Spieler verschieben zum Ball und versuchen mehr Breitenstaffelung zu erzeugen. Sowohl Pässe auf die Sechser als auch die langen Bälle wirken zwar offen, sollten aber gut zu verteidigen sein. Startet der Gegner eine tiefe Ballzirkulation, beginnt auch das eigene Pressing.

In Ermangelung eines besseren Begriffs für diese Position nenne ich den jeweils zweiten Spieler von der Seite der Mittelfeldsechserkette in diesem Artikel „Halbraumläufer“.

Bewegung von der 3-6-1-Grundstaffelung aus bei hohem Pressing und Ballbesitz des rechten Innenverteidigers.

Bewegung von der 3-6-1-Grundstaffelung aus bei hohem Pressing und Ballbesitz des rechten Innenverteidigers.

Der Torwart spielt den rechten Innenverteidiger an, woraufhin das Pressing losgeht. Der zentrale Mittelstürmer versucht die Innenverteidiger zu isolieren, der Flügelläufer verschließt den Außenverteidiger. Alternativ könnte er ihn auch offen lassen und dadurch einen langen Pass auf den rechten Außenstürmer verhindern sowie das Aufbauspiel auf die Seite leiten, doch diese Option bedeutet mehr sofortigen Druck. Der Außenstürmer kann außerdem abgedeckt werden und die langen Pässe könnte wohl auch der Halbraumläufer oft abfangen. Der ballnahe Sechser rückt auf den gegnerischen Sechser heraus und die anderen Spieler verschieben ballorientiert in das Loch. Gegen lange Bälle auf den halblinken Sechser beim orangen Team oder diagonal auf den linken Flügelstürmer gibt es dadurch genug Präsenz, um sie sofort unter Druck zu setzen. In die Formation zu kommen, ist für den Gegner sehr schwierig und gelingt es, so sind die Staffelungen dank Möglichkeit zu massivem Rückwärtspressing und hoher Kompaktheit nur sehr kurzzeitig gegeben.

Ballbesitzorientierte Mannschaften mit gutem Torwart und starker Ballzirkulation könnten aber den Ball über den Torwart schnell auf die andere Seite spielen. Theoretisch könnte dies zu Problemen führen, doch auch hier hilft die viel besetzte zweite Linie.

Reaktion auf das gegnerische Umspielen des Pressings.

Reaktion auf das gegnerische Umspielen des Pressings.

Die ballfernen Spieler verschieben natürlich zum Ball mit und rücken ein. Der Mittelstürmer kann natürlich nicht den zweiten Innenverteidiger sofort oder konstant nach Seitenwechseln unter Druck setzen, weswegen er zuerst etwas zurückfallen und den Sechser etwas in seinen Deckungsschatten nehmen soll. Dessen vorheriger quasi-Manndecker lässt sich zurückfallen und läuft auf seine zuvor verlassene Position zurück.  Der rechte Halbraumläufer wiederum rückt heraus und stellt die erste Anspielstation zu. Damit sollen auch das Spiel verlangsamt und die Effekte des Seitenwechsels abgefedert werden.

Ballnah orientieren sich der Halbverteidiger und der Flügelläufer an ihren Gegenspielern, sollen sie aber nicht sofort decken, sondern Abstand lassen. Damit sollen sie auf den Flügeln gelassen werden und Zeit für das Einrücken der ballfernen Spieler – die auch zur Unterstützung der Dreierkette in der ersten Linie wichtig sind – ermöglichen. Bei sehr schneller Kombination und sehr guter Bewegung des Gegners ist man aber auf den Seiten nun potenziell instabil. Eine etwas passivere und zurückhaltendere Spielweise in einer Art 3-6-1-0 wäre hierbei als Maßnahme interessant.

Positionsorientierteres und etwas zurückhaltenderes 3-6-1-Angriffspressing mit zwei möglichen Pressingschemen.

Positionsorientierteres und zurückhaltenderes 3-6-1(-0)-Angriffspressing mit zwei (bzw. drei) möglichen Pressingschemen.

Bei dieser Ausrichtung steht der Mittelstürmer tiefer, wodurch die gegnerischen Innenverteidiger ungestört aufbauen können. Die Frage lautet nur, wohin. Diese Ausrichtung lebt in gewisser Weise von ihrem Staffelungsdruck. Jeder der vermeintlich offenen Spieler vor dem Ball steht bei auch bei erfolgreichen Anspielen eigentlich unter sofortigem Druck und kann durch die 3-6-1-Staffelung auch gut von den relevanten Zonen und/oder seinen Mitspielern isoliert werden. Der Mittelstürmer muss jetzt etwas weniger Raum covern, besetzt eher die Zonen zwischen den zwei Sechsern und wenn diese auffächern, können sie einfacher von den Mittelfeldspielern übernommen werden.

Die grünen und roten Pfeile wiederum zeigen, welche Möglichkeiten gegeben sind. Beide Schemen stellen ein 3-3-3-1 mit extremer vertikaler Kompaktheit und zueinander verschobenen Dreierreihen her. Beim roten Schema lockt man den Gegner eher auf die Seite, kann auf dem Flügel durch das Verschieben aggressiv attackieren und hat mehr direkten Zugriff zentral/halbräumig. Beim grünen Schema ist die Flügelverteidigung sowohl bei langen Diagonalbällen als auch ballnah theoretisch wohl etwas stärker, aber auch die Mitte sollte gut besetzt sein.

Nutzt die gegnerische Mannschaft einen abkippenden Sechser, verändert sich wenig. Im Gegenteil: Dem 3-6-1 sollte es leichter fallen den Gegner hinten zu halten und die Bewegungen beim Verschieben sollten simpler sein.

Nutzt die gegnerische Mannschaft einen abkippenden Sechser, verändert sich wenig. Im Gegenteil: Dem 3-6-1 sollte es leichter fallen den Gegner hinten zu halten und die Bewegungen beim Verschieben sollten simpler & erfolgsstabiler sein.

Das trifft allerdings nicht nur auf das hohe Angriffspressing zu. Auch bei tieferer Ausrichtung kann man mit ähnlichen Schemen agieren.

Das 3-6-1 mit tieferer Ausrichtung

3-6-1 Grundstaffelung mittel

3-6-1-Grundstaffelung im Mittelfeldpressing.

 

Im Endeffekt wurde hier nur die Formation etwas zurückgezogen und leicht angepasst. Die Flügelläufer stehen etwas tiefer, dazu wurden die Schemen angepasst. Das Prinzip bleibt aber gleich; zwei zueinander verschobene 3-3-Staffelungen mit kleinen Unterschieden. Persönlich fände ich ein solches Mittelfeldpressing sehr interessant. Der Gegner kann (sprich: wird) den Torwart nicht einbinden, muss immer wieder zurückspielen und tut sich auch gegen eine positionsorientierte, passive Staffelung sehr schwer. Lange Bälle hinter die Abwehr sind potenziell etwas erfolgsstabiler, deswegen stehen aber auch die Flügelläufer etwas tiefer und der Torwart spielt natürlich mit, womit die drei zentralen Innenverteidiger gut unterstützt sein sollten.

Die Höhe dieser Pressingausrichtung sowie die Formation selbst ist insofern interessant, weil man potenziell extrem schnell und extrem effektiv kontern kann. Hinter der Abwehr sollten sich einige passende Räume bieten, desweiteren ist durch die Sechserreihe massives Aufrücken möglich.

Kontermöglichkeiten nach einer Balleroberung.

Kontermöglichkeiten nach einer Balleroberung.

In dieser hypothetischen Situation erobert das 3-6-1 den Ball links im Halbraum. Der abgefangene Pass kann sofort auf den linken Flügelläufer gespielt werden. Dieser rückt entweder auf oder schiebt in die Mitte, wo ihm der Halbraumläufer Räume öffnet. Der Mittelstürmer und der zweite Sechser können sich in den offenen grünen Raum bewegen, um Zonenwechsel zu unterstützen oder direkt aufrücken. Die beiden ballfernen seitlichen Akteure schieben ohnehin nach vorne und sorgen so für Probleme beim Gegner, weil sie flexibel die weiter entfernten Zonen besetzen und gleichzeitig das hohe Aufrücken des Außenverteidigers sowie die natürlich hohe Position des Flügelstürmers nutzen können. Bei diesem Aufrücken werden viele Zonen gut angelaufen, obwohl mit den zwei Sechsern und den drei Verteidigern weiterhin viel Absicherung gegeben ist.

Das Besondere an Kontern mit diesem Schema ist die zentrale Absicherung bei gleichzeitig fast perfektem Besetzen unterschiedlicher Zonen. Bei Kontern ist es besonders wichtig, dass ausreichend Breite, aber weiterhin Kombinations- und Verbindungsmöglichkeiten gegeben sind. Der Mittelstürmer ist der einzige Spieler, der zuerst die Mitte besetzt und sich von dort aus seitlich absetzen und Räume öffnen, als Ablagestation fungieren oder für direkte tödliche Pässe anspielbar sein kann. Auf beiden Seiten gibt es je zwei Spieler, wodurch diese zwei miteinander kleinräumig kombinieren, kreuzen oder für einander Räume schaffen können. Auf der anderen Seite gibt es je zwei Anspielstationen, wodurch ein adäquater Zonenwechsel möglich ist, ebenso wie die Möglichkeit dort wieder kleinräumig zu kombinieren oder sich unterschiedlich frei zu laufen und schwieriger zu deckende Anspielstationen zu geben. Für Rückpässe in den gut besetzten Sechserraum oder eben direkt in die Spitze gibt es ebenfalls Anspielstationen; insgesamt eine sehr gute Staffelung und Bewegungsmöglichkeit für Konter also, die aber auch in der Ballzirkulation nutzbar sein kann.

Eine noch tiefere Ausrichtung wäre ebenfalls interessant. Ein Beispiel für einen möglichen Bewegungsablauf im 3-6-1-Abwehrpressing:

3-6-1-Abwehrpressing.

3-6-1-Abwehrpressing.

In diesem Schema würde sich z.B. der rechte Halbraumläufer zurückfallen lassen, um lange Diagonalbälle zu sichern, der Flügelläufer bleibt höher, die Sechser besetzen die Mitte und die ballnahen Spieler sind relativ mannorientiert. Hier agiert der Halbverteidiger auch etwas aggressiver, weswegen die Sechser und der Halbraumläufer etwas zurückhaltender sind und erst herausrücken, wenn der Ball in die Mitte kommt. Dadurch ist man zentral sehr kompakt, der ballnahe Halbraumläufer kann Druck herstellen und der Mittelstürmer setzt den Rückpass unter Druck. Dieses Schema weicht von obigem Schema ab, was zeigt, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt.

Natürlich benötigt eine solche Spielweise aber ein passendes Spielermaterial. Eine Mannschaft, die dafür perfekt geeignet wäre, ist Chelsea.

Chelsea im 3-6-1 .

Chelsea im 3-6-1 .

Diese Aufstellung soll einen ungefähren Aufschluss darüber geben, mit welchen Spielertypen man ein solches 3-6-1 besetzen könnte. Die oben aufgeführte Dreierkette wäre nominell natürlich extrem offensiv, in diesem System aber passend, desweiteren sind dies drei auch sehr gute Defensivspieler trotz ihrer eigentlichen Nutzung als Außenverteidiger. Alternativ sind Terry, Zouma oder Cahill möglich. Hazard, Oscar, Willian und Cuadrado als Halbraum- und Flügelläufer wiederum sind nahezu perfekte Spieler, da sie defensiv nicht schwach und andererseits extrem dribbelstark wie athletisch sind. Matic und Fabregas sind als Zirkulationsstation sehr gut, Fabregas kann sehr gut abgesichert tödliche Pässe spielen, Matic den Ball geschickt laufen lassen und seine Dribbelfähigkeiten für das Auflösen von engen Situationen vor der Dreierkette nutzen. Diego Costa: Ohne Worte. Der perfekte Mann für das System.  Hazard könnte man natürlich auch auf einer anderen Position einbauen und Ramires oder Obi Mikel noch in die Mannschaft drücken.

Das 3-6-1 wäre für jemanden wie Mourinho also eine Überlegung wert, sowohl wegen des Kaders als auch aufgrund der Möglichkeiten gegen den Ball und im Konterspiel. Die Formation ist aber nicht nur für die Arbeit gegen den Ball sowie für defensives und offensives Umschaltspiel potenziell herausragend, sondern auch in eigenem Ballbesitz überaus nützlich.

Variabilität auch in der Offensive

Theoretisch könnte man im 3-6-1 einfach die Halbraumläufer etwas nach vorne schieben und ein 3-4-2-1 spielen. Andererseits könnte man einfach ein simples 3-4-3 erzeugen oder sonstige Stellungen in eigenem Ballbesitz einnehmen. Ohnehin ist es wichtiger, saubere Muster, kreative und unterstützende Bewegungen zu haben sowie bestimmte Richtlinien im Bewegungsspiel und bei der Staffelung zu berücksichtigen. Guardiolas konzeptionelles Positionsspiel / Juego de Posición sorgt bekanntlich auch in unterschiedlichen Formationen und Ausrichtungen von den Orientierungen her für ähnliche Fähigkeiten. Um aber (mehr oder weniger) beim 3-6-1 zu bleiben, habe ich eine kleine Grafik mit möglichst vielen variablen Bewegungen gebastelt, die zeigen, was alles so möglich sein könnte:

Das 3-6-1 im Aufbauspiel.

Das 3-6-1 im Aufbauspiel.

Beginnen wir hinten: Der Torwart bietet sich im Normalfall immer etwas seitlich an, um den Halbverteidiger unterstützen zu können und nach Drehungen in die Halbräume oder die Mitte spielen oder den Ball auf die andere Seite verlagern zu können. Hat man Neuer, Zieler oder ter Stegen im Tor, darf man das auch gerne jenseits des Strafraums probieren. Der zentrale Innenverteidiger versucht gelegentlich Passwege direkt auf die zwei Sechser zu öffnen, welche durch ihre Enge zueinander (ohne Verlust guter Staffelungen) direkte Ablagen und darauffolgende Weiterleitungen nutzen können. Ansonsten hat der zentrale Innenverteidiger eine sehr klassische und zurückhaltende Rolle.

Die Halbverteidiger verschieben natürlich ballorientiert zur Absicherung mit, aber können situativ auch nach vorne stoßen, wenn das ihrem Fähigkeitenprofil entspricht. Die Flügelläufer und Halbraumläufer können miteinander rochieren, sich frei bewegen, den Raum vor der gegnerischen Kette überladen und immer wieder hinter diese kommen. Die drei etwas helleren blauen Punkte im Zwischenlinienraum wären hier drei Positionen, die flexibel von den Spielern dahinter gefüllt werden sollten. Die Bewegungen der Offensivspieler sollen diese Rochaden unterstützen und für Überladungen sorgen. Der Mittelstürmer kann dann als Ablagestation und Raumblocker dienen. Besonders schwierig sollte für die Gegner sein, welche Spieler sich an welchem Gegenspieler orientieren sollen. Besonders die Flügelverteidiger und Flügelstürmer sollten komplett damit überfordert sein.

Allerdings ist beim 3-6-1 bei einer solchen Vielfalt an Möglichkeiten auch durchaus möglich, dass die eigenen Spieler überfordert sind. Nicht alle Bewegungen sind simpel, sauber und (erfolgs-)stabil möglich. Ohnehin könnte dies sogar die größte Schwäche des 3-6-1 sein.

Mögliche Probleme?

Nun ja, das 3-6-1 ist – wie eigentlich jede andere Formation – mit sehr gutem und angepasstem Bewegungsspiel, schneller Zirkulation mit starken Ablagen und intelligentem Wechseln der Angriffe, sowohl vom Rhythmus (schnelle Wechsel von Verbindungen und Passzirkulationsgeschwindigkeit), als auch der Richtung (Dribblings und Drehungen in die Verschiebedynamik) oder der Ballposition her (z.B. Seitenwechsel und gute Positionierung ballfern), durchaus in Bedrängnis zu bringen. Ein stark aufspielender Gegner mit den richtigen Staffelungen und Bewegungen kann auch ein gutes 3-6-1 knacken.

Desweiteren kommen potenziell Effizienzprobleme der einzelnen Spieler (wie viele der Spieler kann ich gleichzeitig nützlich einbinden?) gegen den Ball, Zugriffs- und Abstimmungsprobleme bei sehr guten und harmonischen Bewegungen vor der Formation, bevor man in den 3-6-Block hineinspielt, Kombinations- und Befreiungsprobleme im offensiven Umschalten bei gutem gegnerischen Konter-/Gegenpressing, Instabilität beim Verteidigen von langen Diagonalbällen mit Fokus auf zweite Bälle und Folgeeffekte bei guter Organisation sowie generell einzelne Flügelverteidigungsaspekte hinzu. Offensiv könnte es im Aufbauspiel auch Abstimmungsprobleme in den Bewegungen geben.

Insgesamt ist es allerdings eine vielversprechende Formation, die auch sehr schnell und simpel zu einem 3-1-5-1 umgebaut werden könnte.

3-1-5-1

3-1-5-1

Die unterschiedlichen Schemen bleiben ähnlich nutzbar, aber man kann situativ den Sechser – wie einst Guardiola mit Busquets – als in die Dreierabwehr zurückfallenden Akteur nutzen und dadurch das Verschieben auf die Flügelstürmer unterstützen sowie generell die Breitenstaffelung verbessern.

Fazit

Nach dem 4-5-1 und 5-4-1 ist das 3-6-1 eigentlich eine Überlegung wert, da es die Gründe, wieso diese zwei Formationen schon genutzt wurden, in einem anderen Paket und mit anders gelagerten Eigenheiten mitbringt. Formationen sind natürlich flexibel, jede Mannschaft hat durch die Spieler, den Trainer und die gemeinsame Interpretation immer eine andere Spielweise bei gleicher Formation, dennoch gibt es einzelne Punkte, die ein solches 3-6-1 sehr interessant machen würden. Dieser Artikel hatte als Ziel dies etwas näher zu bringen und auch einzelne Beispiele für Interpretationsmöglichkeiten zu geben. Danke auch an Laola1.tv für das Atlético-3-6-1-Bild.

Hauke 6. Oktober 2015 um 10:00

Frage: was haltet ihr für das passende GEGENSYSTEM zum 3-6-1?

Mir schwebt ein 4-3-3 mit 2 6ern vor, da so auf den Außen schnell Druck nach vorne erzeugt werden kann (Umschaltspiel). Mit wenigen Kurzpässen oder einem einzigen langen Zuspiel kann so das Mittelfeld überbrückt und dann vom Außen das 1 gegen 1 gegen die Abwehrreihe gesucht werden. Ggf. mit Abschluss oder Zuspiel in die Box auf den Stürmer oder Rückspiel an den 16er auf den zweiten Außen.

Meine Frage bezieht sich auf den Jugendfußball (C-Jugend) wo bei einem 3-6-1 üblicherweise große Lücken zwischen dem Offensivblock und der 3er Abwehrkette entstehen.

Antworten

SMR 27. Mai 2015 um 19:20

Super ausführlicher Artikel, dafür vielen Dank!

Nach dem zweiten Lesen des Artikels gestern habe ich dazu an die Runde ein paar Fragen:
Ich habe mir zufällig übers Pfingstwochenende nochmal Marti Perarnaus tolles Buch „Herr Guardiola“ über Peps erstes Jahr bei Bayern durchgelesen und da ist mir aufgefallen, dass an zwei Stellen (vielleicht waren es auch mehr) in den letzten Abschnittten über das Pokalfinale 2014 Bayern gegen Dortmund zu finden war:

„(…) ein 3-6-1, das im Verteidigungsfall zu einem 5-4-1 und bei Angriff zu einem 3-4-3 werden soll.“ (Kapitel 5, Teil 66, S. 403) und
“ (…) und auf der Tafel sind die Notizen für das in Berlin gespielte 3-6-1 zu lesen (…)“ (Epilog, S. 419).
Ich besitze die Erstausgabe des Buches in der deutschen Übersetzung.

Die Aufstellung damals war, so weit ich mich erinnere:
Tor: Neuer
Abwehr: Dreierkette aus Javi Martinez zentral, flankiert von Boateng und Dante.
Einrückende oder „falsche“ Außenverteidiger links Rafinha und rechts Hojbjerg.
Mittelfeld: Lahm (nach der Verletzung kam Ribéry) und Kroos zentral.
Offensive aus Götze eher links, Robben zentral und Müller rechts.

Kann man das als eine Variante des 3-6-1 sehen? Oder ist das nur Perarnaus Interpretation?
Hat Bayern das 3-6-1 in dieser gerade abgelaufenen Saison häufiger spielen lassen? Habt ihr da explizit einige Spiele in Erinnerung? Oder schien da häufiger das 3-5-2 durch, weil Müller eher als zweite Spitze gespielt hat?

Danke schon mal im Voraus für mögliche Antworten!

Antworten

Peter Vincent 27. Mai 2015 um 15:42

Ich vermute, Pep wird nächste Saison wieder einen anderen Fußball spielen lassen.
Weniger lange Bälle (Lahm -> DM) und fünf bis sechs Spieler im MF: 3-5-2/3-6-1:

————-Lewy—————————– //Müller, Götze
—————————–Robben——— // Ribery
—-Gündogan———–Thiago———- // Basti, Kimmich, Gaudino
——————-Lahm———————- // PEH, Alonso
Bernat———————————-RAV // Weiser
—–Alaba——-Javi———Boa———- // Benatia, Holger, Rafa
——————Neuer———————– // Reina, Starke, 3. TW

TM:
2016 könnte einer aus {KdB, Brandt, Draxler} die Rolle von Robben/Ribery einnehmen.
Dieser Sommer ist dafür mE noch zu früh, wenn Ribery und Robben nicht als halbinvaliden gelten.
Dafür ist heuer das das ZM die wichtigste Baustelle und evtl. ein RAV(-Backup).
Im ZM sollte einer aus {Gündogan, Veratti, Kovacic, Koke} antanzen.

Antworten

SMR 27. Mai 2015 um 19:28

Das sieht schon mal ganz fluffig aus 🙂 Vor allem bei den Variationsmöglichkeiten.
Robben als Flügelverteidiger (statt RAV) und Müller (dann anstelle von Robben) vorne als rechtshängende Spitze fände ich auch cool.
Watzke meinte heute, Gündogan werde diesen Sommer gehen. Ob Bayern da bei dem Gedränge im zentralen Mittelfeld zuschlägt? Hojbjerg wird ja evtl. nochmal verliehen. Ich sähe Gündogan auch gerne in völlig gesundem Zustand bei Barca, aber die haben ja noch die Transfersperre diesen Sommer.

Antworten

Tzaduk 25. Februar 2015 um 11:43

Eine Frage dazu: Was immer stärker notwendig wird, ist die umgedeutete Rolle des einzelnen Stürmers. Inzwischen ist das ja vielmehr… ein Spielmacher mit dem Rücken zum Tor. Messi oder ähnliche Granden haben das ja offenbar schlicht in die Wiege gelegt bekommen. Aber Lewandowski zum Beispiel beherrscht das ja auch erstaunlich gut. Ist ja in meiner bescheidenen Meinung auch der Grund, warum Löw Klose vor Gomez sah, denn Gomez ist dann auch am besten, wenn er mit dem Blick auf das Tor des Gegners startet.

Wie schult man das? Wie bekomme ich einen Stürmer „umgedreht“, auf Spielmacher gepolt? Ein Immobile hat in meinen Augen genau das Problem, dass er zwar echt hart arbeitet, aber als Stürmer gerade bei einem Spielsystem mit vereinzeltem Stürmer nicht das geliefert bekommt, was er sich wünscht – sondern eben eigentlich andern zuliefern muss. Aber kann man das umschulen? Oder sind die armen Herren (es gibt ja viele, die überfordert sind, weil sie quasi falsch herum auf dem Platz stehen 🙂 ) in ihrer Rolle auf Dauer gefangen?

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MR 26. Februar 2015 um 05:08

Naja, das ist ja bei jedem Spieler das gleiche. Du kriegst im höheren Alter keine technischen Schwächen mehr großartig raus oder die Kreativität auf ein gänzlich neues Level gehoben. Du machst aus Sven Bender keinen Ilkay Gündogan mehr und aus Ciro Immobile eben keinen Robert Lewandowski. Natürlich kann man Spielstärke mit den richtigen Übungen schulen, aber das basiert wie jede fußballerische Qualität auf diversen Voraussetzungen, die zum Teil vorgegeben sind und zum Teil sehr früh im Leben ausgebildet werden.

Antworten

Tzaduk 27. Februar 2015 um 10:12

Ja, Entschuldigung, ich hab mich allzu schwammig ausgedrückt – anders gesagt: Wenn jemand Spielmacher im klassischen Sinne ist, zum Beispiel der Thomas „Icke“ Hässler, oder Andi Möller – dann müsste er doch theoretisch auch diesen Stürmertypen spielen können. Mit dem eklatanten Unterschied, dass er das Spiel mit dem Rücken zum Tor machen muss. Und ich frage mich, welche Unterschiede da so entstehen… Prallenlassen ist da zum Beispiel eher entscheidender 🙂
Also nicht so sehr „wie könnte ich Immobile zu Lewandowski umschulen?“, sondern mehr: Was braucht der moderne 9er heute in so einem x-x-1-System? Aber vielleicht ist das mit Eurem Artikel über die „falsche Neun“ auch abgedeckt. 🙂

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IcemanZero 24. Februar 2015 um 19:26

Abgesehen von einem 6er-Mittelfeld, finde ich 6er-Reihen generell sehr interessant. Habe mir am letzten Wochenende Hellas gegen die Roma gegönnt. Sehr interessant bei Hellas dabei: Gegen den Ball bildete sich in letzter Linie eine 6er-Kette. Die eigentliche Viererkette spielte sehr eng zusammen und die Räume auf den Außen haben einfach die offensiven Flügelspieler besetzt – ergo eine 6er-Kette. Davor 3 Mann die klug zum Ball verschoben und eine undurchdringbare Festung daraus machten. Vorne dann Luca Toni.
Für das Umschalten natürlich sehr schwer, glaube aber auch das Hellas einfach italiano-like nur das Spiel der Roma durch taktische Perfektion und Härte zerstören wollte. Die Wege fürs Umschalten (gerade mit einem langsamen Luca Toni vorne drin) waren schlicht zu weit.

Würde es klasse finden wenn ihr in Italien mehr Teams genauer unter die Lupe nehmen würdet, denn schließlich wird dort auf Taktik ebenso viel Wert gelegt, wie hier auf dieser Seite 😀
AS Rom, Lazio, Juve, Milan, Neapel – die Teams wurden ja von euch zuletzt mal genauer betrachtet. Wahrscheinlich weil es halt die TopTeams sind. Aber auch Florenz, Genua, Palermo, Udinese, Cagliari etc. sind sehr interessant aufs taktische bezogen. Typische italienische Teams mit guten Staffelungen, starker Kompaktheit, Systemvielfalt und so weiter.

Ich würde mich freuen 🙂

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SuperMario33 27. Mai 2015 um 15:51

Habe mir Fiore gegen Hellas live im Stadion gegönnt (beste Schweine-Innereien im Brötchen-Stände der Welt btw) und wollte ergänzen, dass man mit Luca sehr wohl Umschaltspiel betreiben kann, natürlich mit Luca als Ballhalter, der dann die links und rechts vorstürmenden Aussen einsetzt. Toni, das muss man ihm lassen, ist immer noch eine bloody nuisance für jeden Abwehrspieler. Leider auch an diesem Abend für Fiore.

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Ju1cebox 24. Februar 2015 um 18:20

„auch die langen Bälle wirken zwar offen, sollten aber gut zu verteidigen sein“

Warum? Was genau hindert denn den Gegner daran, die Sechserkette einfäch mit langen Bällen zu überspielen? Wenn der seine Außenstürmer hoch und breit positioniert (schnell sind die ja meistens eh) dürfte so ziemlich jeder lange Ball brandgefährlich gefährlich werden. Dazu kommt, dass man mit einem Stürmer kaum Druck auf den tiefen Spielaufbau des Gegners ausüben kann. Innenverteidiger, abgekippter 6er und Torwart können also den Ball problemlos so lange zirkulieren lassen, bis sich die perfekte Situation für einen langen Ball ergibt.

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RM 24. Februar 2015 um 18:42

Weil der Gegner 50 Meter bis zum Tor benötigt und man einen Block aus neun Spielern hat, die auf Ablagen gehen können. Wo ist denn an dieser Kritik der Unterschied zu jeder anderen Dreierkette? Wieso überspielte nicht jeder einfach die Bayern oder Chile mit einem langen Ball aus der ersten Linie auf die Flügel und erzielte daraus Tore? Weil das nicht so einfach ist. Und gegen ein 3-6 ist es noch schwieriger als gegen ein 3-4 oder 3-5. Und die sechs Spieler sollen ja nicht in die Luft schauen, sondern sich bewegen. 3-4-2-1, 3-3-3-1, etc. lässt sich ja daraus herstellen und steht auch im Artikel drinnen inkl. spezieller Bewegungs- und Herausrückmuster.

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Ju1cebox 24. Februar 2015 um 20:30

Der Unterschied ist, dass jede andere Dreierkette entweder in Wirklichkeit eine Fünferkette ist oder der zusätzliche freie Mann genutzt wird, den gegnerischen Spielaufbau früh zu attackieren. Bayern sieht gegen gute Gegner auch ab und zu ziemlich verwundbar aus, wenn sie es nicht schaffen, den ballführenden Gegenspieler unter Druck zu setzen. Mit einem 3-6-1 hast du weder in der ersten noch in der letzten Linie Überzahl. Was meinst Du, was passieren würde, wenn Bayern mit ihrem 3-4-2-1 in einem Spiel gegen den BVB Hummels und/oder Sahin einfach erstmal machen lassen würde? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mittelfeldreihe schnell genug hinten wäre.
Natürlich können die Spieler auch andere Positionen einnehmen, aber dann ist es halt erstmal kein 3-6-1 mehr.

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RM 24. Februar 2015 um 22:46

Ja, richtig, das soll auch nicht immer ein 3-6-1 sein. Und man muss auch nicht dauernd bei der Dreierkette bleiben, wieso auch? Wie in jeder anderen Formation auch ist das 3-6-1 nur die Initialstaffelung. Und genau darum hat man ja die sechs Spieler in der Mitte; um flexibel auf unterschiedliche Sachen reagieren zu können und eben andere Staffelungen herzustellen. Guardiolas 3-4-3/3-3-4 mit Raute im Mittelfeld bei Barcelona war ja auch nicht durchgehend Dreierkette mit Raute davor, sondern bildete sich dauernd um. In der Analyse stehen ja auch genau deswegen unterschiedliche Bewegungsmuster, wo sich 1-2 Spieler zurückfallen lassen, andere aufrücken, etc.

Der BVB spielte das 4-5-1 auch nicht positionsorientiert und ohne Herausrücken, Costa Rica beim 5-4-1 auch nur ansatzweise (und garniert mit der besten Abseitsfalle der WM). Wie bei Guardiolas 3-Raute-3 soll im 3-6-1 die spezifische Qualität der Initialstaffelung (bei Raute der massive Zentrumsfokus und die Raute als solche mit den in die anderen Mannschaftsteilen schiebenden Spieler, primär der Sechser; bei Sechserreihe die enorme Fülle an Umformungsmöglichkeiten aus dem Mittelfeld durch Vertikal- und Diagonalbewegungen) dazu genutzt werden, um möglichst flexibel und situativ umbauen zu können.

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Isco 23. Februar 2015 um 23:12

Hört sich interessant an, aber ich kann mir vorstellen, dass es beim 3-6-1 sehr leicht passieren kann, dass im Umschatmoment die Staffelung zu flach ist, was einerseits das Ausspielen des Konters schwierig macht und andererseits zu einer Anfälligkeit im Gegenpressing führt.

An RM: kannst du vielleicht beschreiben, mit welchen Spielertypen du das System ausstatten würdest bzw. Beispiele nennen?

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The Soulcollector 24. Februar 2015 um 14:34

Ich denke außerdem, dass eine solche Formation sehr anfällig für Seitenwechsel und lange Bälle über die 6er Kette hinweg ist. Mannschaften mit enormen Flügelfokus könnten die schwach besetzten Seiten bespielen, wenn die Mittelfeldblock nicht schnell genug herausrückt bzw. mit zurückweicht.

Ich sehe da eher Vorteile für ein 3-5-2. Die Stürmer im Pressing weit und tief gestaffelt sollen die AV von den IV trennen wodurch der Spielaufbau eher in die Mitte gelenkt wird. Außerdem hat man bei schnellen Gegenstößen 2 Anspielstationen.

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MR 24. Februar 2015 um 23:18

„wenn die Mittelfeldblock nicht schnell genug herausrückt bzw. mit zurückweicht.“
– Das ist aber ein enorm großes Wenn angesichts der Grundposition der „Halbspieler“ der Sechserreihe. Die sind ja schon fast aufm Flügel. Eine Raute zB ist dafür nominell viel anfälliger und trotzdem werden gute Rautensysteme nicht regelmäßig effektiv so ausgespielt. Man muss ja vom Flügel dann auch erst mal erfolgsstabil vor’s Tor kommen, das stellt man sich auf dem Papier gerne mal viel leichter vor als es ist.

Wieso sollten denn Seitenwechsel funktionieren? Gerade der Zugriff gegen die gefällt mir beim 3-6-1 sehr gut. Die tiefe, breite Grundstaffelung ist fast schon optimal dafür, find ich. Siehe diese Grafik: http://spielverlagerung.de/wp-content/uploads/2015/02/3-6-1-Grundstaffelung-tief-Szene.png

Die Problematik mit der zu flachen Staffelung für Konter ist potentiell auf jeden Fall gegeben, das ist eben generell der Nachteil von flachem und passivem Verteidigen. Allerdings bietet das 3-6-1 da auch positive Potentiale: Durch die Möglichkeit der extremen Überzahl und vielen Zwischenpositionen, könnte man das Gegenpressing auskombinieren, zumal im Verschieben auch mehr Dreiecke und bessere Verbindungen entstehen. Zudem kann die enorme Masse in der einen Linie dazu führen, dass man den Gegner im Nachrücken quasi überrennt. Man stelle sich vor, ein Drogba, Ibra oder Pizarro hält vorne den Ball und wird dann von drei Spielern in die Tiefe überrannt, während sich drei weitere zum Ball orientieren. Das sind extrem viele Dynamiken gleichzeitig, die da kontrolliert werden müssen. Zumal die gleichmäßiger verteilten Formationen da in krasse Zuordnungs- und Entscheidungsschwierigkeiten gedrängt werden.

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AvG 25. Februar 2015 um 10:52

„Zumal die gleichmäßiger verteilten Formationen da in krasse Zuordnungs- und Entscheidungsschwierigkeiten gedrängt werden.“

Genau dort sehe ich auch einen entscheidenden Vorteil in diesem System, nebst Variabilität und der damit einhergehenden enormen Anpassungsfähigkeit. Wenn man sich dieses Konzept und die Ideen dahinter anschaut, scheint es wirklich ein logischer Schritt zu sein.

Was aber, wenn man hier weiterdenkt? Wie sieht ein Spiel aus, in dem sich zwei Spielideen dieser Prägung neutralisieren? Ist das der Fußball der Zukunft, zumindest überspitzt gesagt bzw. in der Spitze? Ich finde diese Entwicklung sehr spannend!

Eine Frage noch: Seht Ihr manchmal Rugby? Ich bin beim Lesen dieses Artikels manchmal stark an gewisse (Pressing-)Dynamiken aus diesem Sport erinnert worden 😉

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Dr. Acula 23. Februar 2015 um 20:12

ich nutze diese plattform mal zu einer allgemeinen frage zu formationen. was denkt ihr, wie vermittelt ein trainerteam die „formation“ den eigenen spielern? fallen da aussagen wie „wir spielen ein 4-3-3, du spielst da, du da usw“ oder eher „du spielst da, du eher hier“, und so entstehen dann halt die formationen.. denn oft sind formationen doch recht klar zu erkennen, und oft sind diese formationen auch in interviews von spielern zu hören, in die tiefe scheint aber niemand zu gehen..
darauf aufbauend: auch in pressekonferenzen scheint kein trainer mal so richtig auszupacken, was taktik angeht.. wenn ich mir so eure artikel anschaue, erscheinen mir pressekonferezen taktisch doch zml lahm.. wenn guardiola, klopp etc mal über rauten, staffelung und pressing reden, scheint das schon das höchste zu sein.. ist diese kluft zwischen konferenzen/interviews und SV dem dummen publikum, den sensationsgeilen medien, geschuldet eher eurer Eloquenz?

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Flo 24. Februar 2015 um 00:46

Dass die Trainer diesbezüglich wenig preisgeben, finde ich auch schade. Allerdings wollen sie ihren Gegnern vielleicht nicht alles verraten. Klopp freut sich ja immer, wenn sinnvolle Fragen zum Gegner oder zum Spiel kommen, aber wenn jemand genauer nachfragt, gibt er keine Auskunft.

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Koom 24. Februar 2015 um 08:04

Ich denke auch, dass es zum Großteil der Tatsache geschuldet ist, dass die Trainer von Leuten gefragt werden, die wenig bis keine Ahnung von der Materie haben. Und die sich dann gerne an einem Punkt (Laufleistung!) festkrallen, damit sie was haben, um eine Mannschaft zu bewerten.

Davon ausgehend, dass viele Fußballer vermutlich auch sich gar nicht so sehr in die Materie vertiefen wie SV.de, werden die Trainer wohl schon auch in Formationen sprechen. „Grundformation 4-3-3, aber… du als LV gehst bei Ballbesitz auf die Halbposition im Defensiven Mittelfeld und schaust, dass du X und Y absicherst, dich aber auch für Bälle anbietest“ usw. Der Trainer wird sich das dann anschauen und den Spieler korrigieren („grundsätzlich 2-3m nach vorne“, „verschiebe mehr mit dem Ball“), der dann seine Spielweise auf der Festplatte dann hat.

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Ed 23. Februar 2015 um 18:17

Man United should use this. Their best wingers (di Maria/Januzaj) would rather play inside, but are not suitable to play in midfield in van Gaal’s system. To be effective, they are also better coming deep to collect the ball.

Something like:
Rooney
Shaw – di Maria – Mata – Herrera – Januzaj – Rafael
Blind – Jones – Carrick
de Gea

It’s very aggressive, but suits the players. If you wanted more mobility in the half backs and more solidity in midfield, it could transition to a 3232:
di Maria — Januzaj
Mata – Rooney – Herrera
Blind – Carrick
Shaw – Jones – Rafael
de Gea

Or a more conservative 3340
di Maria – Rooney – Mata – Januzaj
Shaw – Herrera – Rafael
Blind – Jones – Carrick
de Gea

It a very versatile system

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MB 23. Februar 2015 um 20:12

🙂 would love the media comments about that!

guess it will not happen though, because no RVP… but maybe now that he’s injured…

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Tuag 23. Februar 2015 um 18:04

Wie würde man denn so eine Formation im Football Manager umsetzen?

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Schwanenball 23. Februar 2015 um 22:17

Ich würde da mit der Rollenverteilung rumspielen und drei verschiedene Taktiken zwecks pressinghöhen erstellen, die man dann flexibel wechseln kann. Die variabilität und das Pressing ist aber glaub ich kaum nachzubauen.

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RM 23. Februar 2015 um 22:55

Da bin ich leider überfragt. Shrew Naldö aka https://footballmanagerveteran.wordpress.com/ oder https://footballmanageranalysis.wordpress.com/ können vielleicht weiterhelfen.

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Martin01 23. Februar 2015 um 17:20

Wie würde sich das 3-6-1 defensiv verhalten wenn die generische Mannschaft im Aufbauspiel/sich in Ballbesitz befindet und versucht eine Art 3-1-3-3 zu spielen?

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RM 23. Februar 2015 um 23:14

Hmm, vielleicht eine Art 3-4-2-1, welches in der Bewegung zu einem 3-3-3-1 werden kann?

http://spielverlagerung.de/wp-content/uploads/2015/02/3-6-1-gegen-3-1-3-3.png

Wobei gute Mannschaften selbst dann noch eigentlich guten Raumgewinn erzielen können sollten. Good point. Dürfte aber vielleicht ganz interessante Möglichkeiten bei einem höheren und zentrumsleitenden Pressing geben. Allerdings ist Martin hier der Experte für alles, was ins Detail geht.

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Martin01 24. Februar 2015 um 17:09

Danke für die Antwort und den Bildupload!
Zentrumsleitendes höheres Pressing ergibt Sinn, hier würden dann vermutlich die Schwachstellen aufgedeckt werden, außer man hat hier einen Gündogan+Pirlo+Laserpassspezialisten bzw. einen aufrückenden ZIV und ausweichenden 6er.

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Dr. Acula 23. Februar 2015 um 16:37

ob guardiola oder andere Tüftler solch ausgefallene Formationen wohl im Kopf haben? Abgesehen von Simeone vor paar Jahren, eurem Schirmherr, denke ich werden solche Experimenze wohl eher eurer Belustigung dienen, wobei ich das hier beschriebene Angriffspressing wirklich ansprechend finde !

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PNM 23. Februar 2015 um 16:42

Also Guardiola oder auch Tuchel (welcher laut eigener Aussage 90% seiner Zeit über Fußball nachdenkt), haben solche Sachen bestimmt im Kopf. Und beide scheren sich auch nicht wirklich um Konventionen oder scheuen sich, was ausgefallenes zu machen, also ich kann mir das schon gut vorstellen, wenn es die Situation erfordert.

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RM 23. Februar 2015 um 16:51

Naja, Pep nannte sein System gegen Santos angeblich auch selbst „3-7-0“, da sollte das 3-6-1 nicht so absurd sein.

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