Chelseas Stabilitätsfokus gegen Galatasaray

Nach einigen kleinen Problemen im Hinspiel stabilisiert Mourinho seine Mannschaft und lässt im Rückspiel gegen Galatasaray nichts zu. Der Stabilitätsfokus könnte in der K.O. Phase der Champions League noch entscheidend werden.

Nach dem nicht unbedingt überzeugenden 1:1 im Hinspiel setzte Mourinho an der Stamford Bridge vollkommen auf Stabilität – ein 0:0 hätte ja gereicht. Letztendlich reichte es sogar zu einem Sieg, der ganz nach dem Geschmack von The Special One gewesen sein dürfte.

Die Oscar-Rolle

Ein Hauptgrund für die derzeitige defensive Stabilität Chelseas ist Oscar. Der Brasilianer übernimmt in Mourinhos 4-2-3-1 die Zehnerrolle, interpretiert sie jedoch nicht als hängende Spitze, sondern als zusätzlicher zentraler Mittelfeldspieler, der den Sechsern permanent hilft.

Oscar lässt sich bei Ballbesitz häufig zurückfallen, um die Doppelsechs beim Spielaufbau zu unterstützen. Im Spiel gegen Galatasaray kam es sogar häufig vor, dass Oscar bei Ballbesitz phasenweise fest hinter der Doppelsechs agierte. Mit Lampard und Ramires bekleideten zwei Spieler die Sechserpositionen, die eher als Achter zu sehen sind, somit war die die Aufteilung recht passend: Oscar half beim Aufbau, Ramires und Lampard schoben weiter vor und unterstützten die Flügelstürmer und Eto´o.

Weil Galatasaray ein riesiges Loch im Zehnerraum hatte – Sneijder hielt seine nominelle Position als Linksaußen – konnte Oscar sich seelenruhig im Sechserraum anspielen lassen. Neben diesem Mittel hatte Chelsea jedoch noch eine weitere Strategie, in der Oscar passend zum Gegner gut eingebunden wurde.

Im Pressing agierten die Achter der Gäste sehr mannorientiert auf Ramires und Lampard. Nach einiger Zeit blieb Chelsea im Aufbau also im nominellen 4-2-3-1 und lockte Kurtulus und Inan so weit aus der Defensivordnung heraus. Weil sich Sneijder und Yilmaz sich trotz der sehr tiefen Stellung von Ivanovic und Azpilicueta sehr tief positionierten, presste Galatasaray häufig in einer sehr breiten 4-3-2-1-Anordnung. Der Sechser der Gäste, Felipe Melo, musste somit viel Raum abdecken – was Chelsea nutzte.

Chelsea nutzte Galatasarays breite 4-3-2-1-Stellung im Pressing, Melo bekam Probleme.

Chelsea nutzte Galatasarays breite 4-3-2-1-Stellung im Pressing, Melo bekam Probleme.

Hazard und Willian rückten von den Flügeln immer wieder in die Halbräume neben Melo, Oscar zeigte dabei intelligente Ausweichbewegungen. Melo bekam Probleme und war schon früh platzverweisgefährdet.

Tiefe Außenverteidiger und Unterzahlangriffe

Auffällig war im Spiel der Gastgeber vor allem die Zurückhaltung der Außenverteidiger und die daraus entstehenden Unterzahlangriffe.

Grundformationen

Grundformationen

Ivanovic und Azpilicueta boten sich im Aufbau sehr tief an, wurden dabei jedoch oft überspielt. Im weiteren Angriffsverlauf spielten sie keine Rolle, sie versuchten erst gar nicht, ihre Vordermänner zu hinterlaufen. Offensiv traten die Londoner Außenverteidiger eigentlich nur bei Einwürfen oder Standards (Ivanovic) in Erscheinung.

Weil sich Lampard bei Ballbesitz vornehmlich auf die absichernde Rolle beschränkte und Ramires ebenfalls nur sehr vereinzelt vorrückte, griff Chelsea meistens in Unterzahl an. Dass diese immer wieder gefährlich wurden, ist vor allem Hazard zu verdanken. Der Belgier zeigte einmal mehr eine Weltklassevorstellung und sorgte mit seinen Dribblings und Körpertäuschungen vor oder während der Ballannahme regelmäßig für großen Raumgewinn.

Mit Willian und Oscar gab es zwei pressingresistente Anspielstationen, Eto´o ging unermüdlich an der gesamten Horizontale in die Tiefe und band damit Verteidiger. Chelsea war mit den vielen Spielern hinterm Ball gut abgesichert, vorne wurde es bei Durchbrüchen über die Flügel und Halbräume gefährlich – oder es wurden Standards herausgeholt.

Standards und Strafraumverteidigung

Eine dieser Standardsituationen brachte Chelsea das 2:0, das einer Vorentscheidung gleichkam. Die Blues verdichteten mit dem defensivstarken Oscar, der gegen den Ball immer wieder ein 4-5-1 herstellte, die Mitte und drängte Galatasaray auf die Flügel.

Der Mourinho-Elf gelang es durch die komplette Verdichtung des Zentrums und die Lufthoheit bei Flanken, nur einen einzigen erfolgreichen Pass in den Strafraum hinein zuzulassen (innerhalb wurde lediglich ein Pass gespielt). Die Wahrscheinlichkeit, so ein Gegentor zu kassieren, ist wohl ziemlich gering. Bezeichnend: Der einzige Ball, den Petr Cech halten musste, war ein verunglückter Kopfball, den Ivanovic mit der Brust aufs Chelsea-Tor abfälschte – Gefahr entstand jedoch nicht.

Dass Chelsea in der Strafraumverteidigung wohl weltweit die Nummer Eins ist, ist kein Geheimnis, Ähnliches gilt für defensive und offensive Standards. Mit diesem Stabilitätsfokus und der individuellen Klasse der Offensivreihe ist Mourinhos Team wohl neben Atletico der unangenehmste Viertelfinalist und sollte aus deutscher Sicht besser gemieden werden.

osch@d 22. März 2014 um 11:05

Kann man übrigens im Webshop mal eine vertrauenswürdige Zahlweise einführen? Paypal kommt für Menschen mit gesundem Menschenverstand nicht in Frage und auch Sofortüberweisung ist ziemlich grenzwertig. Kreditkartenzahlung, Vorkasse, Abbuchung Konto vielleicht irgendwann? Wollte gerade alle Hefte der aktuellen Saison kaufen, weil ihr geiles Zeug macht, aber Zahlungsmethoden sind wirklich unterdurchschnittlich. Sorry, dass ich darauf einsteige hier auf eure Diskussion mit dem Heft. Wenn ihr mein Post wegmoderiert auch in Ordnung, wenn ihr es vorher noch lest. 🙂

https://de.wikipedia.org/wiki/Sofort%C3%BCberweisung#Sicherheit
https://de.wikipedia.org/wiki/Paypal#Kritik

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TE 22. März 2014 um 13:42

Hi osch@d, bis vor kurzem gab es die Möglichkeit, per Lastschrift oder per Rechnung zu bezahlen. Leider hat der Zahlungsdienstleister, der diese Verfahren für uns übernommen hat, seine Gebühren so stark erhöht, dass es sich für uns nicht mehr gerechnet hat. Aktuell gibt es daher leider keine Möglichkeit, wir versuchen aber, mittelfristig wieder eine hinzubekommen!

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osch@d 22. März 2014 um 15:54

Cool. Schaut mal bei Adyen, da hab ich das auch schon implementiert. Bieten eigentlich alles zu guten Konditionen. Danke für eure Antwort.

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asti80 20. März 2014 um 13:05

Ein Riesenvorteil für Chelsea war, dass der gegnerische Trainer Mancini es bis heute nicht geschafft hat, eine vernünftige Aufstellung geschweige denn Formation auf die Beine zu kriegen.
Am Anfang ein 4-2-3-1 mit den falschen Spielern auf den falschen Postionen, dann ein 3-5-2, das aber nicht konsequent umgesetzt wurde und jetzt ein 4-3-3 in dem ein Sneijder verheizt wird.
So konnte Gala zu keinem Zeitpunkt wirklich gefährlich werden, da die Spieler selbst nicht recht wussten, wie sie überhaupt agieren müssen.

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Lobanowskyj 20. März 2014 um 13:01

Die Statistik zu Oscar (Defensivaktionen) bedarf noch einiger Erklärung: Ist das nur eine Auswahl von Kreativspielern, deren Werte verglichen werden, oder handelt es sich um die tatsächliche Rangliste der Mittelfeldspieler/Stürmer zur Zeit?
Es könnte ein Zusammenhang zur Spielweise bestehen, oder? Scheint so als hätten Spieler von Clubs, die sich eher nicht so mit Pressing beschäftigen (England!) hier die Nase vorn, Dortmunder tauchen erst gar nicht auf. Daher müsste auch mal definiert werden, was eigentlich eine Defensivaktion ist. Findet die nur in der eigenen Hälfte statt? Ist nicht auch eine Balleroberung im gegnerischen Strafraum eine Defensivaktion? Jedenfalls scheint die Statistik diejenigen zu bevorzugen, die eher zurückgezogen-reaktiv und aufs Umschalten konzentriert spielen.
Bayern und Barca-Spieler finden sich recht weit unten (bis auf den „englisch“ spielenden Fabregas), ihre jeweiligen Sechser Busquets und Lahm sind gar nicht dabei. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass bei diesem Mannschaftstyp mehr über das Stellungsspiel gelöst wird, was nicht in die „Defensivaktionen“ einfließt? Generell scheint der moderne Sechser nicht mehr sehr viel mit individueller Defensivarbeit zu tun zu haben.

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PP 20. März 2014 um 13:17

Schau mal hier nach: http://spielverlagerung.de/2012/12/08/adventskalender-turchen-8-oscar/ Ist schon etwas älter, Kollege RM hat das aber alles sehr detailliert erklärt.

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Josef 19. März 2014 um 23:55

Danke für die Analyse. Habe das Spiel nicht gesehen, jetzt aber gefühlt eben doch ;-). Auch wenn es wohl wenig Überraschendes von Chelsea gab.

Nachdem mittlerweile die 8 Viertelfinalisten feststehen, und ich gespannt auf die Auslosung warte, finde ich folgendes Statement interessant: „Mit diesem Stabilitätsfokus und der individuellen Klasse der Offensivreihe ist Mourinhos Team wohl neben Atletico der unangenehmste Viertelfinalist und sollte aus deutscher Sicht besser gemieden werden.“

Grundsätzlich verständlich und nachvollziehbar.
Aaaber, bei dem hochkarätig besetzten Viertelfinale, wer wäre ein angenehmerer Gegner? Man Utd. noch am ehesten. Aber sonst?
Und könntest du das differenzieren bzw. individuell für die beiden deutschen Teams beantworten? Thx vorab.

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PP 20. März 2014 um 00:27

Danke!

Zu deiner Frage: Ich denke, da wird demnächst Artikel (oder gar ein Podcast?) zu kommen, in dem das ausgiebig thematisiert wird 😉

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Josef 20. März 2014 um 14:15

Traumhaft!

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MR 19. März 2014 um 18:15

„Die Oscar-Rolle“

…und ganz Hollywood horcht auf

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RM 19. März 2014 um 18:56

Ganz besonders einer.

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Bernhard 19. März 2014 um 23:37

@RM: Lol
Hazard is ein unglaublicher Spieler.
Eine Frage zur nächsten Ausgabe eures Magazins. Könnnt ihr es im März veröffentlichen oder wird sich das nicht ausgehen?

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RM 20. März 2014 um 00:13

Ende März ist geplant! Sonst Anfang April.

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Bernhard 20. März 2014 um 08:44

Ok cool. Was wird dieses mal thematisiert? Irgendwo hab ich was von Champions League gelesen…

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RM 20. März 2014 um 14:27

Ähm, nee, ein übergeordnetes Thema gibt es wohl nicht. Vielleicht am ehesten „Spielermaterial“.

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