Donnerstag, 08.12.2016

FC Barcelona – Rayo Vallecano 3:1 | Bildanalyse

Vor einigen Monaten habe ich mir die 0:5-Niederlage Rayos gegen Barcelona angesehen. Beeindruckt von ihrem (taktischen) Mut, dem hohen Pressing und der fast schon absurd intensiven Herangehensweise verfasste ich ein kleines Loblied – welches kritisiert wurde. Wie könnte eine Mannschaft denn gut sein, wenn sie so hoch verliert?

In den nächsten Wochen und Monaten zeigte Rayo aber gute Leistungen, hat die zweitmeisten Abschlüsse der Liga, lag auch beim Ballbesitz hinter Bielsas Bilbao und dem FC Barcelona auf Platz drei, desweiteren konnten sie zwischenzeitlich trotz des geringsten Budgets der Liga auf Platz vier klettern.

Als sie gegen Barcelona an diesem Wochenende ein weiteres Mal ergebnistechnisch relativ klar verloren, wollte ich zuerst von einer Analyse Abstand nehmen. Stattdessen habe ich mir etwas Neues überlegt; eine bildhafte Mannschaftsanalyse anstatt einer klassischen Spielanalyse. Ich hoffe, es weiß zu gefallen.

Grundformationen zu Beginn

Grundformationen zu Beginn

Pressingschlacht

Jaja, Barcelona presste auch ganz interessant. Sie standen manchmal in einem 4-1-4-1, das zu einem 4-1-3-2 wurde, formierten sich aber gleichzeitig öfters in einem 4-4-1-1/4-4-2 oder gar einem 4-3-3. Das übliche geniale Pressing, welches in den letzten Wochen so unüblich geworden war.

Jaja, Barcelona presste auch ganz interessant. Sie standen manchmal in einem 4-1-4-1, das zu einem 4-1-3-2 wurde, formierten sich aber gleichzeitig öfters in einem 4-4-1-1/4-4-2 oder gar einem 4-3-3. Das übliche starke Pressing, welches in den letzten Wochen so unüblich geworden war.

Um dem Pressing der Katalanen zu entgehen, formierte sich Rayo oftmals in fast absurden Stellungen im Aufbauspiel. Alle Mittelfeldspieler zeigten sich sehr beweglich, die Innenverteidiger gingen manchmal extrem weit nach hinten und in die Breite.

Um dem Pressing der Katalanen zu entgehen, formierte sich Rayo oftmals in fast absurden Stellungen im Aufbauspiel. Alle Mittelfeldspieler zeigten sich sehr beweglich, die Innenverteidiger gingen manchmal extrem weit nach hinten und in die Breite.

Interessant waren auch die Passmuster der Vallecas. Immer wieder standen sie sehr eng in der Mitte, was schwach wirkte, aber höchstinteressant war. Sie spielten dann Schnittstellenpässe in diese Zonen, ließen diese prallen und spielten wieder zurück. Die große Frage lautet: Wieso das?

Interessant waren auch die Passmuster der Vallecas. Immer wieder standen sie sehr eng in der Mitte, was schwach wirkte, aber höchstinteressant war. Sie spielten dann Schnittstellenpässe in diese Zonen, ließen diese prallen und spielten wieder zurück. Die große Frage lautet: Wieso das?

Die Antwort findet man hier. Barcelona versuchte natürlich den Ball zu erobern und presste rückwärts von vorne und rückte von hinten heraus. Dadurch wurden sie aber zurückgedrängt.

Die Antwort findet man hier. Barcelona versuchte natürlich den Ball zu erobern und presste rückwärts von vorne und rückte von hinten heraus. Dadurch wurden sie aber zurückgedrängt. Barcelona verlor in 6 Sekunden fast 20m an Raum.

Aber nicht nur die Katalanen pressten hoch. Auch Rayo ließ den gegnerischen Spielern keine Ruhe. Sie formierten sich dabei in einem 4-4-1-1/4-4-2, wo der tiefere Spieler sich oft situativ an Busquets orientierte. Das Metronom des FC Barcelona nahmen sie dann in ihren Deckungsschatten.

Aber nicht nur die Katalanen pressten hoch. Auch Rayo ließ den gegnerischen Spielern keine Ruhe. Sie formierten sich dabei in einem 4-4-1-1/4-4-2, wo der tiefere Spieler sich oft situativ an Busquets orientierte. Das Metronom des FC Barcelona nahmen sie dann in ihren Deckungsschatten oder – wie hier – ließen ihn von einem nachschiebenden Sechser übernehmen. Sie waren im Pressing vermutlich sogar aggressiver als der Gastgeber und Topfavorit.

Mit so einer Spielweise öffnet man natürlich Lücken, insbesondere im Zwischenlinienraum bei den herausrückenden Sechsern. Dies kompensiert man durch eine horizontale Kompaktheit, worunter aber die Breitenstaffelung leidet. In diesem Fall erhielt Adriano den Ball.

Mit so einer Spielweise öffnet man natürlich Lücken, insbesondere im Zwischenlinienraum bei den herausrückenden Sechsern. Dies kompensiert man durch eine horizontale Kompaktheit, worunter aber die Breitenstaffelung leidet. In diesem Fall erhielt Adriano den Ball.

Weil sich der zuvor verbliebene Sechser an dem Zwischenlinienraumspieler orientierte und man den Ballführenden auf Außen bogenartig presste, schuf man eine Pressingfalle. Der Ball kam letztlich von Fabregas auf die Seite, wo ihn Alexis verlor; keine Kritik am Chilenen, er wurde systematisch aus dem Spielgeschehen isoliert.

Weil sich der zuvor verbliebene Sechser an dem Zwischenlinienraumspieler orientierte und man den Ballführenden auf Außen bogenartig presste, schuf man eine Pressingfalle. Der Ball kam letztlich von Fabregas auf die Seite, wo ihn Alexis verlor; keine Kritik am Chilenen, er wurde systematisch aus dem Spielgeschehen isoliert.

Diese situativen Mannorientierungen wurden von Rayo sehr oft genutzt. In dieser Grafik sieht man es besonders gut.

Diese situativen Mannorientierungen wurden von Rayo sehr oft genutzt. In dieser Grafik sieht man es besonders gut. Der rechte Außenverteidiger bei den Madridern ist besonders weit herausgerückt. Und abermals ist es einer der Sechser, der Busquets deckt.

Dasselbe in dieser Szene.

Dasselbe in dieser Szene. Schade, dass die individualtaktischen Pressingbewegungen/-abläufe nicht in Standbildern gezeigt werden können. In diesem Bild erahnt man sie aber schon sehr gut bei den Stürmern.

Übrigens gibt es nicht nur situative Mannorientierungen(/-deckungen). Bei Rayo wird manchmal auch kurzzeitig, meist in bestimmten Zonen (vorrangig in der Mitte bei Schnittstellenpässen in Unterzahlräume), die Deckungsart umgestellt. Durch eine raumorientierte Raumdeckung erhöht man den Druck, wodurch allerdings die Außen geöffnet werden.

Übrigens gibt es nicht nur situative Mannorientierungen(/-deckungen). Bei Rayo wird manchmal auch kurzzeitig, meist in bestimmten Zonen (vorrangig in der Mitte bei Schnittstellenpässen in Unterzahlräume), die Deckungsart umgestellt. Durch eine raumorientierte Raumdeckung erhöht man den Druck, wodurch allerdings die Außen geöffnet werden. In dieser Szene wird Messi einfach mal so von drei Leuten gepresst – er lässt den Ball prallen, Barcelona lässt einen gefährlichen Seitenwechsel folgen.

Eine weitere Besonderheit im Pressing Rayos war ihre Druckerzeugung, wenn Barcelona wie üblich den Ball aus engen Räumen wieder nach hinten zirkulieren ließ. Die meisten verharren dann in ihrer Position oder rücken vorsichtig nach vorne. Nicht Rayo Vallecano. Diese lassen den höchsten Spieler wie einen Olic den Gegenspieler jagen und der Rest schiebt nach.

Eine weitere Besonderheit im Pressing Rayos war ihre Druckerzeugung, wenn Barcelona wie üblich den Ball aus engen Räumen wieder nach hinten zirkulieren ließ. Die meisten verharren dann in ihrer Position oder rücken vorsichtig nach vorne. Nicht Rayo Vallecano. Diese lassen den höchsten Spieler wie einen Olic den Gegenspieler jagen und der Rest schiebt nach.

Da er zuerst den rechten Innenverteidiger presste, spielte dieser natürlich auf links. Er orientierte sich auf den anderen und nahm den ersten Innenverteidiger in seinen Deckungsschatten. Es folgt ein Pass zum Torhüter.

Da er zuerst den rechten Innenverteidiger presste, spielte dieser natürlich auf links. Rayos Stürmer orientierte sich auf den anderen und nahm den ersten Innenverteidiger in seinen Deckungsschatten. Es folgt ein Pass zum Torhüter.

Das herausrückende Pressing zwingt also Barcelona zurück zu ihrem Torhüter, anstatt ihnen einen neuen Angriff zu ermöglichen. Damit das auch wirklich klappt, rückt der halblinke Sechser im Sprint auf den freien Pique.

Das herausrückende Pressing zwingt also Barcelona zurück zu ihrem Torhüter, anstatt ihnen einen neuen Angriff zu ermöglichen. Damit das auch wirklich klappt, rückt der halblinke Sechser im Sprint auf den freien Pique.

Pique erhielt zwar den Ball, konnte sich aber nicht drehen und spielte ihn zurück. Busquets wollte Pinto helfen, wurde aber auch gedeckt. Es folgt ein langer Ball vom Torhüter des FC Barcelona, Ballbesitz für Rayo.

Pique erhielt zwar den Ball, konnte sich aber nicht drehen und spielte ihn zurück. Busquets wollte Pinto helfen, wurde aber auch gedeckt. Es folgt ein langer Ball vom Torhüter des FC Barcelona, Ballbesitz für Rayo.

Rayo spielte auch mit Gegenpressing. Hier eine beispielhafte Szene, wieso das gegen die Katalanen sehr schön funktionieren kann. In diesem Bild gibt es den Ballverlust Rayos.

Rayo spielte auch mit Gegenpressing. Hier eine beispielhafte Szene, wieso das gegen die Katalanen sehr schön funktionieren kann. In diesem Bild gibt es den Ballverlust Rayos.

Jetzt will Barcelona sich spielerisch befreien. Schön zu sehen, dass die zwei Rayo-Spieler sofort reagieren...

Jetzt will Barcelona sich spielerisch befreien. Schön zu sehen, dass die zwei Rayo-Spieler sofort reagieren…

...und einer davon auch den Ball erobern kann.

…und einer davon auch den Ball erobern kann.

Wieso verlor Rayo?

Barcelona erzielte in dieser Saison bislang 88 Tore. Drei davon fielen nach Kontern. Alle drei davon fielen in dieser Partie. Rayo war manchmal schlichtweg nicht intelligent genug beim Unterbinden von Angriffen, in der Absicherung oder in Defensivzweikämpfen (sh. das Messi-Tor zum 3:0, obwohl man den Argentinier wohl ohnehin nicht ohne Unterstützung in dieser Situation verteidigen kann).

Barcelona erzielte in dieser Saison bislang 88 Tore. Drei davon fielen nach Kontern. Alle drei davon fielen in dieser Partie. Rayo war manchmal schlichtweg nicht intelligent genug beim Unterbinden von Angriffen, in der Absicherung oder in Defensivzweikämpfen (sh. das Messi-Tor zum 3:0, obwohl man den Argentinier wohl ohnehin nicht ohne Unterstützung in dieser Situation verteidigen kann).

Dem ersten Treffer ging zum Beispiel ein Fehlpass aufgrund mangelnden Mitdenkens zweier Mitspieler vor.

Dem ersten Treffer ging zum Beispiel ein Fehlpass aufgrund mangelnden Mitdenkens zweier Mitspieler vor.

Beim 2:0 ist es ein einzelner Spieler, der tiefer steht und dadurch einen Raumpass auf Messi ermöglicht. La Pulga verwandelt sowas dann auch eiskalt.

Beim 2:0 ist es ein einzelner Spieler, der tiefer steht und dadurch einen Raumpass auf Messi ermöglicht. La Pulga verwandelt sowas dann auch eiskalt.

Fazit

Barcelona war individuell stärker, im Ballbesitz stärker und im Herausspielen von Chancen stärker. Rayo schloss zu oft aus der Distanz ab oder wählte im Angriff die falsche Entscheidung. Viele Angriffe über die Seite sorgten ebenfalls für einige Probleme nach Ballverlusten. Die Katalanen gewannen letztlich verdient, dürfen dies aber auch dem Zusammenspiel Villas und Messis, dessen individueller Genialität und einzelnen individualtaktischen Fehlern der Vallecas verdanken. Dadurch gewann der Underdog die Pressingschlacht, verlor aber den Ergebniskrieg. Dennoch kamen sie auf beeindruckende 47% Ballbesitz, 17 Schüsse (davon 8 aufs Tor, bei Barcelona waren es 10) und zwangen die Katalanen zu einer, für deren Verhältnisse, schwachen Passerfolgsquote von 83%.

Danke an laola1.tv für das Bildmaterial!

Batistuta 19. März 2013 um 23:28

Oh, mein Beitrag ist etwas fehlerhaft: Frage klein geschrieben und Pep vergessen, naja…

Antworten

Batistuta 19. März 2013 um 23:26

Hey, ich habe eine frage an den Autor RM, aber nicht bezüglich des analysierten Barca vs. Rayo Spiels. Ich fand keinen Weg den Autor zu kontaktieren, deshalb zweckentfremde ich mal dieses Forum 🙂
Mir ist an Deinem Artikel über Pep Guardiola die Sache mit Messi und Maradonas Gambetta aufgefallen. Und zwar hast Du geschrieben, dass Messi unter sein Dribbling verbessert habe, indem er Maradonas Gambetta kopiert habe. Aber ich denke erstens nicht, dass Messi sein Dribbling unter Guardiola verbessert hat, das war nicht mehr möglich, weil es zu der Zeit unter Pep schon nicht besser ging, errinert sei an sein Traumtor gegen Getafe unter Rijkaard, wie soll man noch besser dribbeln können ? Und zweitens: Messi spielte schon immer im Gambetta-Style. Hier erzählt ein noch junger Messi wie er die Bewegungen des Gegners für sich nutzt : http://www.youtube.com/watch?v=nnUpXqVP7gk
Aber vielleicht wolltest Du auf etwas anderes hinaus ?!
Ich bin gespannt auf die Antwort.

p.s. Die Seite und die Beiträge sind wirklich hervorragend und halten mich zu oft vom Studieren ab 🙂

Gruß Gabriel Omar Batistuta (Über den dürft Ihr auch mal ein Porträt bringen, für mich der beste Striker der Fußballgeschichte !)

Antworten

RM 20. März 2013 um 12:18

Hallo,

nein, das habe ich nicht geschrieben. Messi spielte schon immer Gambetta und hat es lediglich perfektioniert; er geht jetzt ein bisschen näher am Gegner vorbei, wenn nötig, als zu Beginn. Seine Körpertäuschungen sind auch noch ein bisschen perfekter getimt. Und das Video habe ich auch in der Analyse verlinkt.

Liebe Grüße

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Batistuta 20. März 2013 um 17:10

Danke für die schnelle und aufschlussreiche Antwort.
Wie sieht´s mit der ´Batistuta-Sache´ aus ?
Wäre ein Beitrag über BATIGOL mal drin ?

Antworten

RM 20. März 2013 um 17:38

Falls wir mal mehr Videomaterial von Batigol finden sowie interessante taktische Aspekte, dann ja. Alternativ könnte auch Spielerporträt über ihn bei Abseits.at kommen.

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Lino 19. März 2013 um 13:02

Was Vallecano als eine der wenigen Mannschaften verstanden hat, ist die Tatasache, dass Barcas Pressing wellenförmig funktioniert. Und wenn Barca nicht relativ schnell den Ball erobert, ziehen sie sich zwecks defensiver Ordnung zurück. Deshalb bespielte Vallecano auch konsequent die engen Zwischenräume, nur um dann den Ball prallen zu lassen. Es läuft/lief also nach folgendem Muster: Vallecano spielt den Ball in einen engen Zwischenraum –> erste Pressingwelle –> Ball zurück –> erste Pressingwellge läuft ins Leere –> Ball wieder in einen Zwischenraum –> zweite Pressingwelle –> Ball zurück –> zweite Pressingwelle läuft ins Leere –> Barca zieht sich zurück…

Da ich Barca-Fan bin und folglich jedes Spiel sehe, hat mich das extrem gewundert, dass Mannschaften da nicht schon vorher drauf gekommen sind.

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Tank 19. März 2013 um 14:19

„Vallecano spielt den Ball in einen engen Zwischenraum –> erste Pressingwelle –> Ball zurück –> erste Pressingwellge läuft ins Leere –> Ball wieder in einen Zwischenraum –> zweite Pressingwelle –> Ball zurück –> zweite Pressingwelle läuft ins Leere –> Barca zieht sich zurück…“

Die Frage ist: Versperren die vorbeischwappenden Pressingwellen nicht meistens den Weg zurück?

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Lino 19. März 2013 um 15:24

Vom Begriff her ist dein Einwand natürlich richtig, aber es handelt sich weniger um echte Wellen in dem Sinn, dass mehrere Spieler auf einer Linie pressen, sondern eher um einzelne Spieler, die stufenweise im Pressing herausrücken. Ich erklär`s mal anders: Dadurch dass Barca in der Regel ein passwegorientiertes Pressing spielt, bieten sie immer gewisse Räumer an, in den sie den Gegner locken wollen, um dann im letzten Moment den Passweg zuzumachen und den Ball zu erobern (bestes Beispiel: Busquets). Vallecano hat das ausgenützt, indem sie diesen angebotenen Zwischenraum bewusst bespielten, aber ohne Risiko, da sie ja sofort wieder rausgespielt haben. Folglich ist also der pressenden Spieler sozusagen umsonst herausgerückt. Daraufhin hat Vallecano den nächsten Zwischenraum bespielt und somit ist der nächste Spieler rausgerückt und so weiter und so fort. Wenn dass 2 bis 4 Mal passiert, d.h. 2 bis 4 Spieler rausrücken, muss man sich als pressende Mannschaft zwangsläufig zurückziehen, um nicht komplett die defensive Ordnung zu verlieren.

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El Entrenador 19. März 2013 um 11:21

Super Sache mit der Bildanalyse. Allerdings bin ich nach wie vor der Ansicht, dass euch eine Software fehlt mit der ihr Spielsituationen in Bewegung nachstellen könnt. Das wäre echt perfekt.

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mb 19. März 2013 um 09:14

Ich hab immer gedacht, die beste mannschaft gegen barca wäre barcas b-mannschaft, vielleicht stimmt das ja. Tolle idee mit der bildanalyse übrigens!!

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Tank 19. März 2013 um 07:55

Eines der meiner Meinung nach taktisch interessantesten Barcelona-Spiele der letzten Jahre, was eindeutig der Verdienst von Rayo Vallecano war. Selten, vielleicht nie habe ich einen Gegner gesehen, der so sehr versucht hat, Barcelona mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen.

Die Passsicherheit und vor allem die Pressingresistenz der Rayo Spieler hat mich sehr beeindruckt. Ebenso der Mut immer wieder auch enge Räume zu bespielen.

Die große Frage bleibt aber: Ist diese Spielweise gegen Barcelona, abgesehen von irgendwelchen ästhetischen oder ideologischen Gesichtspunkten, auch wirklich erfolgsversprechend? Zumal für eine Mannschaft wie Rayo Vallecano?

Ich bin mir da nicht so sicher. Zunächst einmal war Barcelona heute im zentralen Mittelfeld schwächer als üblich. Das war nicht nur Rayos Verdienst, da Busquets seinen ersten schlechten Tag seit Saisonbeginn erwischst hatte und Fabregas statt Xavi die Pressingresistenz und Passgenauigkeit Barcelonas herabsetzte. Schließlich war der Rasen des Camp Nou ungemein rutschig, was die Dynamik der Barcelona-Spieler herabsetzte. Kurzgesagt: An einem anderen Tag wäre das Duell in der Mitte wohlmöglich deutlich gegen Rayo ausgefallen.

Nichtsdestotrotz, wenn man das vorne besser ausspielt, dann könnte die Taktik greifen. Ich würde aber fast so weit gehen, zu sagen, dass man vorne treffen muss, um mit der wie Barcelona-gegen Barcelona-Taktik auch nur ein Unentschieden zu holen. Die Chance, dass man hinten nichts kassiert, wenn man so aufgerückt spielt, ist minimal. Wobei man fairerweise sagen muss, dass Villa und Messi an diesem Abend gegen wohl fast jede Mannschaft getroffen hätten.

Zusammenfassend: Ich war begeistert von Rayos Taktik, es war ein hochinteressantes Spiel, dass dazu führte, dass ich teilweise meinen Augen kaum glauben konnte (kurz ausgeführte Ecken gegen Barcelona im Camp Nou?!), aber ob es so eine gute Idee war, um 3 Punkte zu holen, wag ich zu bezweifeln.

Aus taktischer Sicht darf man eine neue Anti-Barca-Taktik verzeichnen. Neben dem geprakten Bus, dem 70 Minuten Totalpressing und dem massiven Mittelblock gibt es jetzt die Barcelona vs. Barcelona-Taktik.

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datschge 19. März 2013 um 12:46

Man kann sich natürlich fragen, ob dieses System ausgerechnet gegen Barca erfolgsversprechend ist (genauso wie z.B. bei Freiburgs gegen BVB), aber ich denke, für die Verantwortlichen bei Rayo ist der Erfolg hier eher zweitrangig gewesen. Rayo spielt dieses System konsequent und hat auch konsequent passende Spieler dafür geholt (Michu z.B., der so stark bei Swansea spielt, kam von Rayo). Die Spiele gegen Barca sind eines der wenigen, in denen Rayo mit einem Gegner zu tun hat, welches auf hohem Niveau die selben Mittel anzuwenden versucht. Derartige Spiele bieten das beste Lernpotential für entscheidende Detailverbesserungen, die sonst keinen so extremen Ausschlag geben. Und wie stark sich Rayo verbessern kann, haben die Spiele nach dem letzten Spiel gegen Barca gezeigt.

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Tank 19. März 2013 um 14:17

Stimmt. Ich wollte zur allgemeinen Sinnhaftigkeit von Rayos Taktik auch gar nichts sagen. Bzw. schon was, aber nichts Negatives! Ich war schwer begeistert und werde sie mir in nächster Zeit häufiger angucken. Wenn ich schon kein Swansea sehen kann, dann wenigstens Rayo!

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AP 19. März 2013 um 02:52

Die Idee ist Top.

Unter einem Bild steht folgendes…
„Dies kompensiert man durch eine horizontale Kompaktheit, worunter aber die Breitenstaffelung leidet. In diesem Fall erhielt Adriano den Ball“.

Ist das nicht ein Widerspruch?
Vertikale Kompaktheit und dadurch Probleme in der Breitenstaffelung oder habe ich das falsch verstanden…?
Habe es so verstanden, dass das Rayo Pressing das Spiel durch die Mitte verhinderte, dafür aber die außen offen waren…

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seils 19. März 2013 um 03:59

Um das aggressive Pressing (im Bild davor) spielen zu können, mussten die Spieler Rayos immer wieder ihre Position verlassen, insbesondere die Sechser. Das führt zu schematischen Löchern (bspw ist der Sechser gerade nach oben geschoben, sodass vor der Abwehr nur noch ein Sechser den Raum verteidigt). Das wiederum öffnete Barcelona Gassen für Schnittstellenpässe. Um dem schon schematisch entgegenzuwirken, spielte Rayo extrem komprimiert, sowohl vertikal als auch horizontal. Je kompakter die Stellung, desto schmaler die Gassen. Allerdings wird der Raum nicht gefressen, sondern nur verdrängt. Und je kompakter die Stellung im Zentrum, desto undichter sind die Außen. Was auf dem Adriano-Bild ja ganz gut zusehen ist.
Insofern: Horizontale Kompaktheit und Breitenstaffelung sind Gegenpole.

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Johnny 18. März 2013 um 22:16

Schöner Artikel, als ich das Spiel sah habe ich mir irgendwie auch einen gewünscht.
Wirklich schön anzusehen, dass Rayo alles gegeben und versucht hat.
Besser als den Kopf in den Sand zu stecken und am Ende über eine langweilige 1:0 Niederlage bei 95% Ballbesitz für Barca und 0 Torschüssen für die eigene Mannschaft zu jammern.

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daniel 18. März 2013 um 21:58

die falsche Taktik? ich glaube nicht dass rayo es besser kann, sich mit einer vierer und einer fünferkette und einem mittelfeldspieler an den eigenen strafraum zu stellen. dann verlieren sie auch 4-0 (und haben keine fünf chancen). da gefällt mir die konsequenz ihres ansatzes dann schon. grade gegen ein barça mit fabregas auf der 8 (zumindest am anfang) hat das eindeutig sinn gemacht.

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TW 18. März 2013 um 21:17

Nette Idee mit der Bildanalyse. Das hat was!

Zur besseren Orientierung wäre es interessant, die Grundformationen zu Beginn des Artikels bereit zu stellen. Dann können die verschiedenartige Transformationen im Pressing/Aufbauspiel/etc. leichter beurteilt werden.

In den ersten beiden Bilder von Barcas Pressing finde ich Rayo etwas zu hoch formiert. Bild 1: Obwohl der Ball sich in der IV befindet ist das Mittelfeldzentrum nur zweifach besetzt, der Zehnerraum (gerade der freie Raum neben Busquets beim Schiedsrichter) komplett leer, dafür stehen vier Spieler an der Abseitslinie. Im Falle eines Ballverlustes im Zentrum sind diese Spieler sofort aus dem Spiel. Bild 2: Vielleicht ist der Ausschnitt leicht verzerrt, aber es stehen 5 Spieler Barcas gegen 3 von Rayo in deren Hälfte

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DonQuichotte 18. März 2013 um 21:09

Barca hätte 4, 5 oder mehr Tore machen müssen. Und all die Tore und Topchancen lassen sich nicht alleine durch individuelle Fehler erklären. Wenn man Barca so stark presst, gibt es Räume auf der Seite oder beim schnellen überbrücken des Mittelfeldes.. und Barca hat nun mal das Spielermaterial dazu, weshalb es wohl die falsche Taktik ist, geben Barca so zu spielen wie es Rayo tat…

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woody10 18. März 2013 um 21:03

Danke für die tolle Analyse!
hätte aber auch die ein oder andere Frage, den ein oder anderen Denkanstoß.

1) Du bezeichnest das Pressing von Barca als gut, ich fand es eher schwach, vor allem gegen Ende hin nahm die Intensität stark ab. Ich fand aber nicht nur die Intensität nicht optimal sondern auch ihre Stellungen. Oft stand man ziemlich schlecht formiert und Rayo kommte das Pressing relativ leicht aber gut umschiffen. Deine Meinung zur Qualität des Barca-Pressings?

2) Was mir bei Rayo wirklich das erste Mal so positiv auffiel (und das hast du ja auch beschrieben) war das Bespielen der Engen im Mittelfeldzentrum. Selbst wenn Barca mal relativ gut stand, spielte man konsequent die kleinen verbleibenden Räume an und spielte sie auch häufig ordentlich aus (die Ballverluste vor den Gegentoren mal ausgenommen). Das mutige Bespielen der Engen des gegnerischen Pressings ist etwas, das mir sehr imponiert und das mMn DAS eleganteste (und bei guter Ausführung auch das Erfolgversprechendste) Mittel gegen Pressingteams.

3)Es geht um die Situation/das Bild vor dem 2:0. Du sagst, dass der Verteidiger (es ist glaube ich der LIV) den Fehler begeht. Da bin ich voll bei dir! Aber: ich finde eben nicht, dass es der Fehler ist, dass er tiefer steht als die restliche Viererkette sondern, dass er aus seiner Sicht 2-3 Meter weiter rechts stehen müsste, um in einem optimalen Horizontal-und Vertikalabstand zu Messi zu stehen. 2-3 Meter weiter rechts könnte er viel besser auf eine Bewegung des Argentiniers reagieren.
Wenn dieser Verteidiger so wie du es forderst auf Höhe der restlichen Kette verbleiben würde, wäre Messi in diesem Bild zwar knapp Abseits, Villa hätte den Pass aber auch früher spielen können und somit die Abseitsfalle aushebeln können, Messi hätte mehr Zeit für den Abschluss gehabt. Wie würdest du so etwas verteidigen lassen?
LG

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TW 18. März 2013 um 22:25

Zu 3) Hier finde ich eher, dass der freie IV (der mittlere Verteidiger) den Fehler begeht. Der RV (oder rechte IV) rückt heraus. Daher sollte dieser hinter ihm absichern (etwa in dem Raum den Messi anläuft). Da dieser allerdings den Weg nach innen zu macht (ohne den Passweg zu verschließen), muss der linke Verteidiger die Absicherung übernehmen. Damit stehen die Verteidiger jedoch hintereinander statt in einer Abwehrsichel.

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blub 19. März 2013 um 00:13

3) wenn der verteidiger sich zutraut Messi so zu behindern zu können das er kein Tor macht muss er näher zum Mann stehen (etwas schwer wegen dem laufweg und der geschwindigkeit der situation) um direkt bedrängen zu können. weiter nach außen schieben reicht ja hier bereits.

Wenn er realistisch ist und das nicht glaubt spielt er da besser auf abseits.

Das muss man aber erstmal in der 1/10tel sekunde checken und reargieren.
Klar ein Fehler, aber sicher kein

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AP 19. März 2013 um 03:01

Zu 3. Ich finde bei dem Tempo kann man dem LV keinen Vorwurf machen, diese Abwehrsichel, diemman aus den Lehrbüchern kennt, kannst du hier dir nur in der Theorie mal wünschen. Bei dem Tempo kommt er da auch nicht hin.

Das einzige was man aus der Szene nehmen kann, mMn ist, dass der mittlere von den 3 Abw. Spielern nicht nur auf den Ball schaut, sondern auch sich umschaut was im Rücken passiert. Und so evtl. sich 1. in den Passweg stellt oder sich 2. Messinah orientiert, um den Torschuss zu erschweren.

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King_Cesc 18. März 2013 um 19:14

Guter Artikel. Gute Idee ->Gute Umsetzung

Das Spiel Rayos stell ich mir unglaublich anstrengend vor? Merkt man das im Laufe des Spiels?

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mischl 18. März 2013 um 20:12

ja schon, also ab der 60. ging mir zum Beispiel ganz schön die puste aus, weshalb ich in der 70. durch den guten Raul ersetzt wurde.
Danke für die Analyse RM, schön, das ganze aus ner anderen Perspektive zu sehen. Auch die Bilder sind klasse, und die Konterstatistik interessant. Hat der Trainer nicht erwähnt, hätten wir anders stehen und drauf reagieren sollen.

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RM 18. März 2013 um 20:18

Bist du etwa Andrija Delibasic? 😮

Antworten

mischl 19. März 2013 um 20:00

🙂
grüße!

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