Montag, 22.12.2014

Real Madrid – Manchester City 3:2

Mourinho sagte nach diesem besonderen Spiel: “The result was pushing coaches to make decisions. It was a very good match for the crowd but also a very good match for the people that understand football deeply, because the game was rich.”

Wir versuchen die ‘decisions’ zu entschlüsseln.

Die Partie sollte auch den neutralen Zuseher nicht enttäuschen, es sollte ein überaus interessantes Spiel über neunzig Minuten werden. Insbesondere die letzte Viertelstunde entschädigte die vorhergehende Torarmut, welches neben vereinzelten kreativen Tiefs das einzige Manko bis zu diesem Zeitpunkt war.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Jose Mourinho stellte seine Mannschaft einmal mehr in seinem asymmetrischen 4-3-3-System auf. Diese Asymmetrie kommt durch Cristiano Ronaldo zustande, der seine Rolle als linker Außenstürmer wie gewohnt flexibel ausübte. Doch dieses Mal gab Mourinho ihm und Di Maria diese Plattform bewusst: sowohl Marcelo als auch Arbeloa agierten offensiv, gaben dem Spiel Breite und zentral wurden Higuains intelligente Bewegungen genutzt, um die zentralen Ausflüge der Flügelzange aufzufangen. Auch Khedira passte sich an diese Läufe an, um Cristiano möglichst oft in der Mitte zu platzieren.

Grundformationen zu Spielbeginn – Real mit ihrer Dreifachsechs, City mit Toure als hängendem Stürmer und den beiden inversen spielgestaltenden Flügelstürmern

Neben dieser Veränderung auf den Flügeln gab es einen weiteren interessanten Zug des portugiesischen Trainers zu beobachten: eine nominelle Dreifachsechs. Mit Xabi Alonso als tiefstem Sechser gab es einen tiefliegenden Spielmacher, davor erhielt Mickael Essien sein Debüt für die Königlichen. In der Defensive spielte er auf einer Höhe mit Khedira vor Alonso, wobei diese Aufteilung durch das überfallartige Pressing der Madridista oft hinfällig wurde. In der Offensive schoben beide nach vorne, wobei Khedira hierbei einen größeren Aktionsradius zeigte und sich bei mannschaftlichem Ballbesitz beinahe wie eine Zehn bewegte. Mit Ball am Fuß natürlich nicht.

Die Innenverteidigung bildete Raphael Varane mit dem Portugiesen Pepe, welche die offensive Positionsinterpretation von Arbeloa und Marcelo ermöglichen sollten. Ihnen wurde von Alonso geholfen, der sich gerne zurückfallen ließ und teilweise auf einer Höhe mit den Innenverteidigern stand. Er übernahm auch Yaya Toure bei dessen vertikalen Freilaufbewegungen von den beiden Mittelfeldspielern, welche im Verbund diesen laufenden Gefahrenherd ausschalten sollten.

Bei Manchester City musste Sergio Agüero auf der Bank Platz nehmen, ebenso Edin Dzeko. Statt den beiden rückte der defensive Mittelfeldspieler Garcia in die Mannschaft, damit Yaya Toure eine Linie höher spielen konnte. Er bildete den nominellen hängenden Stürmer hinter Carlos Tevez in einem 4-2-3-1-System. Defensiv gab es mit Nastasic auch bei City einen Debütanten, er spielte mit Kompany den zentralen Part der Viererkette, auf Außen erhielt Maicon seine Chance und links begann Gael Clichy.

Auf den offensiven Flügeln liefen Samir Nasri und David Silva vor der defensivorientierten Doppelsechs Garcia und Barry auf. Die zwei verkappten Zehner bewegten sich immer wieder in das Zentrum und kurbelten von dort aus das Spiel an. Besonders Silva fehlte nach Ballverlusten oft auf seiner Seite, weil er sich in eigenem Ballbesitz soweit ins Zentrum bewegt hatte.

Reals riskante Manndeckung

Das Ziel dieser Ausrichtung der Citizens war es, die Laufstärke von Tevez zu nutzen, welcher sich mit enormem Aufwand entlang der gesamten Breite und zusätzlich noch mit einigen Ausflügen zurück ins Mittelfeld am Spiel beteiligte. Durch den mit Ball überaus schnellen und durchsetzungsfähigen Toure sowie die beiden Spielgestalter auf den Flügeln sollten die Pässe auf Tevez kommen oder die von ihm geöffneten Löcher genutzt werden.

Real schaffte es aber, den wuseligen Argentinier durch hervorragende Zweikämpfe und eine sehr starke Mannorientierung aus dem Spiel zu nehmen. Zumeist versuchte Varane mit Dynamik aus der Tiefe gegen den Körper von Tevez bei dessen Ballannahmen zu kommen – eine Spielweise, die das Kettenspiel beibehielt, aber dafür sehr viel Antizipation benötigte. Beim Treffer durch Dzeko in der zweiten Halbzeit war Tevez auf der linken Seite weit zurückgefallen und wurde von Pepe verfolgt. Toure übernahm den Ball mit etwas Glück und sprintete in diesen geöffneten Raum, wodurch letztlich eine zwei-gegen-eins-Situation entstand. Die bis dahin gut funktionierende Spielweise wurde aufgrund der Höhe der Madrider Mannschaft sowie Tevez‘ und Toures synergetischer Bewegung bestraft. Der lange Sprint mit Ball am Fuß von Toure zeigte aber auch, wieso der Ivorer nicht als Sechser auf höchstem Niveau mit dieser Spielweise auflaufen kann.

Physiologische Komponente wirkt sich auf Taktik aus

Toures lange Läufe sind in solchen Spielen enorm zweckdienlich. Man überbrückt das Mittelfeld, schaltet sehr schnell um und kann gezielt offene Räume im Angriff ansteuern. Mehrere Male hatte Toure fast den gesamten Raum im Mittelfeld durch einen solchen Sprint mit Ball am Fuß überbrückt, doch als Sechser wäre dies kaum möglich. Als Zehner kann er sich nämlich nicht nur fallen lassen und dann ohne enge Deckung Fahrt aufnehmen, er kann auch seine defensiven Aufgaben ohne größere Schäden vernachlässigen. Es war bezeichnend, wie das sporadische 4-2-3-1-Angriffspressing Citys, welches durch Toures Bewegung innerhalb des Pressings zu einem 4-4-2 wurde, nach solchen langen Sprints kaum mehr bespielt wurde. Toure schien verständlicherweise die Kraft zu fehlen, sich weiterhin am aufzehrenden Pressing zu beteiligen. Stattdessen ging die Mannschaft tiefer und der nominelle Zehner begnügte sich minutenlang damit, nur defensiv in Form der taktischen Mittel Passwegversperren und Raumzustellen aufzufallen.

Mancinis Wechsel: von positionsorientierter Raumdeckung im 4-2-3-1 zu gegnerorientierter Raumdeckung im asymmetrischen 4-4-1-1 zu gegnerorientierter Raumdeckung im 3-5-2

Die Wechsel des City-Trainers gestalteten sich überraschend komplexer. Zu Beginn der Partie formierte sich City wie erwähnt im 4-2-3-1. In der Defensive beziehungsweise nachdem Real den Pressingwall im 4-2-2-2 überwand, schoben die Flügel zurück. Es war dann ein 4-4-2 und im Verschieben orientierten sich die Spieler von City an den Positionen. Weder Nasri noch Silva ließen sich fallen und der Grund dafür war klar: Mancini wusste, dass beide defensiv weder die stärksten noch fleißigsten sind. Deswegen verschob auch die gesamte Mannschaft innerhalb des taktischen Grundgerüsts und nahm wenig Rücksicht auf die Bewegungen der Gegenspieler. Ballnah wurden dadurch viele Angriffsmöglichkeiten für Real versperrt und sie versuchten es mit einigen schwierigen Spielverlagerungen sowie Rückpässen.

Grundformationen nach der Einwechslung von Kolarov. Mancini stellt die Raumdeckungsvariante um, installiert zwei flexible Manndeckungen und zieht Silva nach vorne. Essien wird dadurch etwas obsolet, er erhält nie Zugriff auf Gegner und ist offensiv gegen die Kompaktheit des Gegners mit zu wenig Kreativität ausgestattet. Links bilden Kolarov und Clichy ein Pärchen

Die Folge war, dass City wenig gefährliche Chancen zuließ und offensiv schnell in ihrer passenden Formation stand. Andererseits muss auch gesagt werden, dass Real in puncto Ballbesitz und Chancenquantität klar überlegen war. Nach der Verletzung von Nasri kam Kolarov ins Spiel und Mancini veränderte seine Mannschaft. Der gelernte Linksverteidiger Kolarov kam auf den linken offensiven Flügel und sollte dort die überraschend weiten Vorstöße Arbeloas verteidigen, während Di Marias zentrale Position durch eine engere Viererkette neutralisiert werden würde. Auf der rechten Außenbahn war nun Silva unmöglich zu bespielen, da durch das Mitgehen mit dem Gegner auf links das positionsorientierte 4-4-1-1 im Abwehrpressing nicht gehalten werden konnte.

Als Anpassung darauf ließ sich Mancini etwas Kreatives einfallen. Toure ging etwas tiefer, blieb aber dennoch offensiver als die beiden Sechser. Er sollte sich jedoch in einer vertikalen Halbposition aus Achter und Zehner formieren, während Silva seine Rolle als hängender Stürmer übernahm. Garcia und Barry auf den Halbpositionen neben Toure waren jene Akteure, welche sich vorrangig um die Defensive kümmerten. Auf dem Papier entstand nun natürlich ein großes Loch auf der rechten Seite, welches Real mit drei Leuten – dem offensiven Marcelo, Flügelstürmer Ronaldo und dem halblinken Achter Essien – hätte überladen können.

Doch Mancini nahm dies bewusst in Kauf, weil er die Bewegungen Ronaldos, Marcelos und Essiens richtig eingeschätzt hatte. Essien wurde durch das Loch obsolet, da er offensiv keine nennenswerte Aktion zustande brachte. Ronaldo war verstärkt im Zentrum unterwegs und wurde von Kompany in einer Art Manndeckung übernommen, während sich Maicon an Marcelo orientierte und diesen damit schockte. Es entstand somit eine Pattsituation, wobei ballnah Nastasic immer helfen konnte, indem er seinen nominellen Gegenspieler Higuain zwischen sich und dem nun etwas eingerückten Clichy positionierte. Außerdem konnten Garcia rechts stärker nach hinten arbeiten und sich fallen lassen, da Toure wie erwähnt tiefer spielte.

Beim Treffer zum 1:0 spielte dies City in die Karten. Jetzt war es der kurz zuvor eingewechselte Özil, der nach links ging und von Kompany anstatt Cristiano Ronaldo übernommen wurde. Maicon war aufgerückt Richtung Marcelo, dieser erhielt von dem von Kompany verfolgten Özil den Ball und spielte ihn in die Mitte. Barry war eingerückt, da Garcia das Loch Kompanys schließen musste, und eroberte den Ball. Toure erhält ihn, setzt sich mit Hilfe von Tevez durch und kann seinen langen Sprint fahren, welcher zum Treffer von Dzeko führt. Dennoch war die Özil-Einwechslung nicht für die Katz, sondern ein guter Schachzug Mourinhos aus einer taktischen Perspektive, der seine volle Wirkung erst entfalten sollte.

Wie Mourinho Mancini auscoachte

Mit den Einwechslungen von Benzema und Özil sowie einer veränderten Rolle von Cristiano Ronaldo nutzte Mourinho das asymmetrische Spiel Citys aus. Diese Asymmetrie hatte sich durch Zabaleta defensiv geringfügig verändert, da Mancini auf die Wechsel Mourinhos reagierte. Der Portugiese hatte Cristiano Ronaldo angewiesen verstärkt rechts zu agieren, gleichzeitig bewegten sich Higuain (der vom etwas spielintelligenteren Benzema ersetzt wurde) und Özil verstärkt links und Marcelo veränderte sein Timing im Aufrücken.

so sah es nach der Zabaleta-Einwechslung sowie den Umstellungen Mourinhos aus. Es gibt Überladungsbewegungen auf links und halblinks, Marcelo geht ins Zentrum, Ronaldo taucht Seiten und agiert auf links breit. Dazu natürlich die Einwechslungen vom spielstarken Raumsicherer Modric sowie dem intelligenten Benzema und dem Raumsucher Özil, der ebenso einen Fokus auf links hat

Mancini wollte diesen Schachzug Mourinhos neutralisieren, indem er Clichy stärker nach innen zog. Dadurch sollte eine Dreierkette entstehen, welche Kompany und Zabaleta bei ihrer gefährlichen Spielweise absichern sollte. Dies gelang jedoch kaum, weil die Rollenverteilung nicht angepasst wurde und die formativen Veränderungen zu gering waren. Beim Gegentor befindet sich Ronaldo auf der rechten Seite, Kompany orientiert sich dann folglich an Benzema und Zabaleta auf Özil, da Marcelo hinten steht.

Als Özil sich im Angriffsverlauf anbietet, folgt ihm Zabaleta und öffnet die bereits verwaiste Seite noch stärker. Marcelo kommt dort hinein und erhält den Ball relativ freistehend, was letztlich im Ausgleich mündet. Zwar kann Kolarov per ruhendem Ball einen neuerlichen Führungstreffer erzielen, doch Mourinhos Wechsel wirken sich nachhaltig und erfolgreich aus.

Di Maria und Özil bewegen sich verstärkt auf links, Marcelo ist öfter zentral zu finden und Cristiano Ronaldo wechselt seine Position durchgehend. Eine Sololeistung Benzemas brachte Real den Ausgleich. Beim dritten Treffer von Ronaldo ist der Portugiese klar erkennbar weit auf der linken Seite. Im Vorfeld des Siegtreffers bei der Chance für Özil ist dies sehr gut erkennbar. Özil, Benzema und Marcelo stehen halblinks in der Nähe von Ronaldo, dieser macht das Spiel breit. Kompany stand in dieser Szene bei Cristiano, der ganz auf Außen stand. Özil wird von Garcia gestellt, Benzema steht vor ihm bei Zabaleta und Nastasic. Zentral im Rückraum befindet sich Marcelo wie eine Zehn, neben ihm läuft Modric.

Özil spielt auf Benzema und startet in die vom Franzosen geöffnete Lücke. Dieser passt zurück auf Marcelo, welcher der Ball schön auf Özil schiebt. Zabaleta bewegte sich falsch, jetzt erst kommt Kompany von der Seite herein. Hart blockt den Ball, doch es ist noch nicht vorbei. Benzema schließt neuerlich ab, Zabaleta klärt auf einen Real-Spieler, der Angriff geht weiter. Beim folgenden Herausrücken nach einer schwachen Arbeloa-Hereingabe aus dem Halbfeld steht City zu sechst auf einer Linie. Zwei Real-Spieler sind im Zentrum, Ronaldo weiterhin auf links. Kompany muss nun zentral bleiben, Zabaleta zeigt sich orientierungslos und geht dann auf Ronaldo, welcher ihn düpiert und von Harts schwacher Reaktion sowie der Flugkurve des Balles bei dem Treffer profitiert.

Letztlich nutzte Mourinho die Ausrichtung des Gegners sowie die Polyvalenz und Intelligenz seiner eigenen Spieler, um in einer hektischen Schlussphase das Spiel zu drehen. Der Pass auf Ronaldo kam übrigens aus dem Zentrum von Marcelo, letztendlich tat er Portugiese das, was er auch zuvor mit Maicon in der ersten Halbzeit nach der Kolarov-Einwechslung und davor mit Kompany ein paar Mal getrieben hatte – aus der Breite gegen die enge Kette kommen und den Abschluss suchen.

Fazit

Ein hochinteressantes Spiel zweier Topmannschaften mit dem besseren Ende für Mourinho, der in seinen Anpassungen etwas effektiver war. Mancinis Wechsel mit Kolarov war ein Geniestreich, indem er die Art der Raumdeckung im Zuge einer Einwechslung veränderte. Später erkannte Mourinho genau darin seine Möglichkeit und arbeitete darauf hin, was sich bezahlt machen sollte. Ein denkbar knapper Sieg in einer Partie mit vielen taktischen Wechselwirkungen und kreativen Ideen.

Ob Mancinis Asymmetrie und spätere verkappte Dreierkette, ob Mourinhos sporadisches vertikalbegrenztes lokales Überfallpressing (welches wir in einem späteren Mannschaftsporträt oder einem taktiktheoretischen Artikel erläutern werden) oder schlichtweg die neugefundene Fluidität der Offensivakteure Reals sowie der Komponente Antizipation (siehe Varanes Manndeckung oder auch Arbeloa in einer Szene von Minute 19:30 bis Minute 20:00, wo er im Zehnerraum einen Ball erobert und sich danach als quasi-MS und höchster Spieler positioniert) – es gab viele Kleinigkeiten, welche sehr interessant waren und bei denen wir nun auf eine konstante Nutzung warten.

Über neunzig Minuten hinweg war Real jedoch die überlegene  Mannschaft, Mancinis Anpassungen zeigten, dass sich City eher auf den Luckypunch konzentrierte, während sie hinten Glück hatten, dass Joe Hart einige Schüsse der Madridista entschärfen konnte. Erst am Ende erlaubte er sich einen Patzer, der schließlich zur Niederlage führte.

blub 20. September 2012 um 16:09

Die Analyse ist awesome, ich habe das spiel gesehen und hab während des spiels leider nicht so viel mitbekommen, weil ich mitzuschauer hatte die das spiel nicht dauern anhalten wollten^^
beispielsweise die veränderungen nach der nasri-verletzung natte ich nicht so richtig verstanden(war ja auch nicht einfach). ich dachte eher die hätten von pseudo-tannenbaum(toure war defensiv aktiver als silva/nasri, daher zwei6er ein 8er, doppel 10/inverse flügel die weit innen spielen) auf 3-5-2/3-4-1-2. das mit der mannorientierung war beim ersten betrachten schwer zu sehen.(das zweite bild ist da nah dran)
danke hierfür.

was haltet ihr von der Essien aufstellung? hohes Presing war imo das ziel mit den beiden kilometerfressern und anstatt özil halt Gegenpresing als spielmacher (danke Kloppo) nach langen bällen von Xabi Alonso. das ist durchaus ganz gut gelungen. Taktik für den nächsten clasico?

Antworten

Rudelbildung 20. September 2012 um 15:36

Richtig guter Artikel!

Zwei Fragen an die SV-Gemeinde:

1) Kann man den Ronaldo Treffer wirklich Joe Hart ankreiden? Gut sieht es nicht aus, aber ist der Grund nicht vielmehr, dass Kompany den Kopf einzieht und Hart so eine unglaublich kurze Reaktionszeit hat?

2) Meiner Meinung nach beging Mancini einen Fehler indem er James Milner nicht in den Kader berief. Dieser hätte eventuell für die Balance auf der rechten Seite sorgen können. Ansonsten wäre er auf jeden Fall eine Option im Spielverlauf gewesen. Ich fand nicht, dass Maicon an diesem Tag auf der Höhe war um so ein Spiel nominell gegen Cristiano zu bestreiten. Was sagt ihr?

Antworten

sharpe 20. September 2012 um 11:54

muss mich hier leider auch anschließen. ich denke, hier wird mehr Taktik verkauft, als eigentlich im Spiel drin war. Vieles passiert in einem Spiel auch automatisch, ohne das Trainer vorher taktische Änderungen / Anweisungen weitergeben.

Antworten

RM 20. September 2012 um 12:36

Dann wäre es meiner Meinung nach aber überraschend, dass die meisten Änderungen nach Einwechslungen zusammenfielen und diese vermeintlich zufälligen Änderungen so klar erkenntlich waren.

Verweis dazu:
- Marcelos Positionierung in den letzten zehn Minuten verstärkt im Zentrum, CR weit auf außen und mit viel Bewegung sowie Özil und Benzema gemeinsam halblinks und zentral
- Kolarovs klar unterscheidbare Spielweise zu Silva und Nasri und die dazupassende Formationsänderung (Silva ins Zentrum) nach dem Nasri-Wechsel
- die zahlreichen Zweikämpfe zwischen Ronaldo und Kompany sowie generell von Kompany weit auf der Außenbahn, zumeist weiter draußen als Maicon/Zabaleta

Gut möglich, dass es Zufall war. Allerdings würde es mich bei Mancini und besonders Mourinho wundern, wenn solche Änderungen von den Spielern selbst schlicht improvisiert werden.

Dazu passen auch folgende Aspekte:
http://espnfc.com/uk/en/gamecast/355640/gamecast.html?soccernet=true&cc=5739
Silva ist in seiner Heatmap nie hinten links zu finden (immer weit vorm Sechzehner auf der linken Seite), Kolarov hingegen gleich acht Mal (die orangen Punkte zählen mWn als zwei Mal).

Bei Marcelo findet man drei hohe halblinke Positionierungen, welche allesamt in der Schlussphase zustande kamen (siehe Tor und Vorfeld des Tores wie im Artikel beschrieben, da kommen alle drei vor), Özil ist entlang der gesamten Breite zu finden, aber acht Mal auf der gänzlich linken Seite und drei Mal rechts.
Bei Benzema ist das ähnlich, der ist vorrangig halblinks mit Ausflügen entlang der Breite, CR hatte einen einzigen Ausflug nach rechts (wo er den Ball erhielt) und auch dieser war in der Schlussphase und ist in der Heatmap schön isoliert erkennbar.

Bei Maicon erkennt man drei halbrechte Ballkontakte (nach Balleroberungen mEn), bei Zabaleta zwei innerhalb des Sechzehners und generell eine enorme Streuung, in Kompanys Heatmap wird es sehr deutlich: 16 Ballkontakte seitlich neben dem Fünferraum (und natürlich höher als jener), sechs sogar außerhalb des Sechzehners und auch auf dieser Höhe. Beachtet man die Schlussphase, sieht man, wie er in den letzten 15 Minuten drei Mal gegen Cristiano den Ball dort erobert/spitzelt und einmal gegen Özil. Die beiden höheren Positionierungen könnten aus dem Aufbauspiel oder von Szenen stammen, die ich nicht mehr im Kopf habe.

Bei den Average Positions sieht man auch, dass Kompany tief und rechts steht, dann kommt ein riesiges Loch auf Maicon, der enorm weit vorne ist – Clichy hingegen ist sehr weit hinten, Maicon ist zwischen dessen und Kolarovs Höhe – und Zabaleta ist noch höher und zentraler. Silva hingegen ist sehr sehr mittig, eigentlich müsste es eine Mischung aus ganz links und mittig sein. Bei WhoScored sieht man, dass Kompany (mMn eben wegen jener Aufteilung) 5 Interceptions (!) und 9 Clearances hatte, Nastasic hingegen 0 und 3. Real gab auch von links 37% seiner Schüsse ab, von rechts nur 17%. Das liegt aber primär an Ronaldo, die enorme Differenz spricht dennoch Bände. Die enorm hohe und breite Rolle (wegen Marcelo) von Maicon lässt sich in der avg von Whoscored.com noch besser nachempfinden.

Alles in allem weiß ich aber, dass die Heatmaps und die AVG sehr schwer zu interpretieren sind, ergo gibt es keine Richtigkeit meiner These und keine Beweise, sondern nur haltlose Indizien. Allerdings denke ich, dass ich die meisten Punkte in der Heatmap (sh oben) anhand von Beispielen nachempfinden konnte, dennoch kann es gut sein, dass die marginalen Veränderungen (welche ich eben deswegen so spannend fand) von mir überinterpretiert wurden. Dann möchte ich mich dafür entschuldigen.

Antworten

sharpe 20. September 2012 um 13:32

Hallo RM,

entschuldigen musst du dich für den Artikel wirklich nicht, denn er ist ja fachlich keineswegs falsch oder inkompetent. Es stellt sich eher die grundsätzliche Frage, wie viele der von dir beschriebenen taktischen Veränderungen vom Trainer auch wirklich gezielt herbeigeführt wurden und was sich einfach automatsch durch neue Spieler, den jeweiligen Spielstand, Eigeniniative von Spielern ergeben hat.
Und da schreibst du aus meiner Sicht im Bericht zu viel den Trainern zu, bzw. machst zu sehr ein Schachspiel der Trainer draus. Aber ich kann mich auch täuschen.

Antworten

RM 20. September 2012 um 13:45

Meiner Meinung nach sind das eher Dinge wie folgendes:
“Hey Karim, kuck, die nehmen Cristiano in Manndeckung durch den langen Belgier. Tu mir den Gefallen und beweg dich verstärkt links, um ihm zu helfen. Der Mesut hilft dir da auch dabei, dafür soll halt der Marcelo bisschen in die Mitte, der wird ja dauernd von diesem defensiven Außen geblockt.”

Die Wechselwirkungen, die daraus entstehen, sind halt komplexer, als die Anweisungen, welche den Spielern mitgegeben werden.

Antworten

Lerner Worant 20. September 2012 um 13:37

Hallo,

begleite euch nun fast von Anfang an und muss sagen, dass ihr einfach klasse seid! Danke dafür!

Aus gegebenem Anlass nun mein erster Kommentar hier:

Ich finde nicht, dass hier überinterpretiert wurde.

1. Als Zabaleta eingewechselt wurde, gab er sehr auffallend Instruktionen an seine Mitspieler weiter, unter anderem die Umstellung auf Dreier- bzw. Fünferkette (er zeigte mehrmals drei Finger und deutete auf die Abwehr). Das wird er sich wohl kaum selbst ausgedacht haben.

2. Dass Mourinho gezielt die Schwachstellen der neuen Formation von City ansteuerte, war meiner Ansicht nach keineswegs Zufall. Dafür wirkten die Bewegungen zu bewusst und waren sowohl in ihrer Häufigkeit, als auch in ihrer Andersartigkeit im Vergleich zur Zeit davor, zu klar erkennbar.
Nach dem Spiel sagte er übrigens, dass “those who understand football deeply” gesehen hätten, wie er das Spiel entschieden hat.

Bitte macht genau so weiter!

Antworten

RM 20. September 2012 um 15:32

Hallo Lerner,

danke für das Lob. Wir haben gerade recherchiert und diese Worte von Mourinho im Wortlaut gefunden, jetzt konnten sie wir oben einfügen. Danke für den Hinweis!

lG

Antworten

André 20. September 2012 um 11:41

Dies war der erste Artikel bei dem ich denke ein völlig anderes Spiel gesehen zu haben. Wie schon einer meiner Vorredner beschrieben hat, war doch Real die gesamte 1.Halbzeit hoch überlegen und die Tore von City entstanden durch eine überragende Einzelleistung von Toure bzw aus einem Fehler von Casillas. Und bei aller Liebe, so viele taktische Umstellungen und Neuausrichtungen verträgt bzw versteht keine Mannschaft – auch eine Spitzenmannschaft nicht. Das nennt man nicht auscoachen sondern übercoachen

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RM 20. September 2012 um 11:50

Wo steht denn, dass City nicht unterlegen war?

Antworten

Andi 20. September 2012 um 09:22

Wie immer ein schöner Artikel, aber ich hätte es noch besser gefunden, wenn erstmal die deutschen Spiele kommentiert werden.
Was ihr zum Dortmundspiel sagt, hätte mich noch mehr interessiert.

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JackCarver 20. September 2012 um 07:56

Also ich weiß nicht, bei dieser Analyse wird mir zu sehr in das Spiel hineininterpretiert. Die erste HZ war Real in jeder Hinsicht überlegen und der einzige Grund warum City nicht schon in der ersten HZ 2:0 hinten lag, hieß Joe Hart.

Die 3 DMs haben für enorm viel Stabilität im Mittelfeld gesorgt und so jeden Angriff von City schon im Keim erstickt. City hat sich extrem defensiv verhalten und das Führungstor enstand einzig und alleine durch die unglaubliche Klasse von Toure, es war eine Einzelaktion ohne taktische Komponente.

Danach musste Mourinho reagieren und alles auf die Offensive setzen (Benzema, Özil, Modric).

Diese “taktischen Wechselwirkungen” die im Artikel beschrieben werden konnte ich bei so gut wie keinem Zeitpunkt sehen (und ganz ehrlich, Mancini traue ich solche Spielchen gar nicht zu, dafür ist er taktisch zu schwach), Real war das ganze Spiel über überlegen und nur aufgrund eines Fehlers von Casillas und einer Einzelaktion von Toure sind City ihre Tore gelungen, in der kompletten ersten HZ hatte City nicht eine Torchance.

Antworten

trauni8 20. September 2012 um 07:34

Sehr schöner Artikel.

Was zumindest mir noch vorgekommen ist, dass Arbeloa in der Definsive immer wieder sehr weit eingerückt ist um den Läufen von Silva zu folgen, der dadurch frei Raum allerdings von ManCity nicht wirlich genutzt wurde.

Antworten

Tank 20. September 2012 um 01:23

Mist, euer Artikel ist Schuld, dass ich mich jetzt richtig ärgere das Spiel nicht gesehen zu haben. Spricht für euren Artikel.

Antworten

shadowchamp 20. September 2012 um 00:16

Sehr schöner Artikel wusste ich es doch das das Topspiel noch kommt.
herrlich
noch eine kleine Anmerkung: Im 4 absatz von Wie Mourinho Mancini auscoachte steht das Benzema real in führung schießt ich denke mal das sollte Ronaldo sein

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